Nannette Graf ist vom Standort Basel überzeugt: Die Verwurzelung mit der Stadt am Rheinknie ist für sie täglicher Antrieb als Leiterin der Agentur Kreisvier communications ag.
Sauerkraut mit Champagner, gekocht im Elsass. Maultaschen im badischen Lörrach. Dazu viel Kultur auf engstem Raum. Nannette Graf liebt das schöne Leben im Dreiländereck aus vollster Leidenschaft. Und so ist es für sie auch keine Frage, wieso ihre Agentur Kreisvier communications sich nicht im Werbermekka Zürich befindet. Obwohl der Name ja eigentlich ziemlich zürcherisch angehaucht ist – und die Agentur auch viele Kunden aus Zürich im Portfolio anführen kann. Aber Nannette Graf ist vom Standort am Rheinknie voll überzeugt. Basel sei «ein gutes Spielfeld für Global Player genauso wie für Local Heroes». Die Baselworld oder jetzt die Euro 08 bringen Weltstadtfeeling. Die Fasnacht sorgt für lokale Geborgenheit. «Alles ist überschaubar, aber mit einem weiten Horizont. Mir gefällt diese Mischung.» In diesem Jahr übernahm Nannette Graf die Agenturführung als CEO, nachdem sich Kreisvier neu strukturiert hat. «Viel besser passt mir aber die Bezeichnung Agenturleiterin oder Geschäftsführerin», findet sie. Sie sieht sich damit näher am Kunden und auch an den Mitarbeitenden. «Ich möchte meinen Partnern auf Augenhöhe begegnen können. CEO hingegen impliziert: weit oben, weit weg.» Nannette Graf ist lieber «mittendrin».
Und das passiert zum Beispiel augenfällig, wenn die Geschäftsführerin immer wieder mal durch die Büros schwirrt und die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihrer Lust auf Spargelrisotto oder sonst ein leckeres Menü abcheckt. «Wir haben im Keller unserer Agentur eine Küche eingerichtet. Wenn ich eine kreative Pause brauche, koche ich dort das Mittagessen», erklärt Graf. Das fast meditative Rühren in den Töpfen ist nicht nur für die CEO eine geistige Anregung für neue Ideen. Auch der Teamgeist in der Agentur kann von solch gemeinsamen «Eatshops» nur profitieren.
Die Agentur Kreisvier wird von Graf heute mit Geschäftspartnerin Karo Hafner geführt. Diese wirkt als Leiterin Kreation. Die Nummer 3 im Agenturen-Ranking von Basel ist eine Fullservice-Agentur, sieht sich aber nicht als reine Kreations- und Konzeptagentur. «Was wir uns ausgedacht haben, setzen wir im täglichen Markt auch um», so Graf. Neben klassischer Werbung und Corporate Design versteht sich Kreisvier auf POS- und Salesmarketing – hier ist Coop ein wichtiger Kunde. Doch es ist Zufall, dass sich die Zentrale des Grossverteilers gleich auf der anderen Seite der Strasse befindet. Die Agentur wurde noch ohne diesen Kunden im Portfolio gegründet.
Für die Verkaufsförderung muss sich Coop vor allem auf Schnelligkeit und Zuverlässigkeit verlassen können. «Und es braucht gut strukturierte Arbeitsprozesse», erklärt Graf, denn alles wird «sehr kurzfristig» umgesetzt.
Im Bereich Dialogmarketing arbeitet Kreisvier primär für Verlagshäuser und kann in diesem Spezialgeschäft schon viele Jahre Erfahrung vorweisen. Tele, TV-Star oder Baslerstab werden aktuell mit Aktionen sowohl für die Abowerbung wie für das Anzeigenmarketing betreut. Für TV-Star läuft zurzeit eine Verbundaktion mit sechs weiteren Titeln. Für den Baslerstab hat man auch eine klassische Kampagne rund um den kürzlichen Relaunch gestaltet. Auch auf die aktuelle Kampagne für die Roche-Berufsausbildung ist sie stolz. Und natürlich, als waschechte Baslerin, auf die Arbeiten für das Standortmarketing und Basel Tourismus.
Neben der Arbeit in ihrer Agentur wirkte Nannette Graf auch mehrere Jahre als Dozentin für Media und Produktion am KV in Zürich und Basel. «Aus Zeitgründen» hat sie dieses Engagement aber inzwischen auf Prüfungsexpertin reduziert.
Für die Zukunft plant die Geschäftsführerin, bei Kreisvier auch die Kompetenzen im Bereich Online dem Trend entsprechend auszubauen. Dann soll das Wachstum aber ein Ende haben. Nachdem Kreisvier in relativ kurzer Zeit von 4 Leuten auf 30 angewachsen ist, pendelte sich für Graf die Agentur wieder auf die «die ideale Grösse» von rund 20 Mitarbeitenden ein. Schliesslich will man auch weiterhin in den lieb gewonnenen Wänden an der Thiersteinerallee in unmittelbarer Nähe zum Basler Bahnhof sbb bleiben können.
Nannette Graf ist auch mit der Geschichte der Basler Werbung eng verbunden. Ihr Vater, Peter Graf, wirkte 30 Jahre bei GGK. Als Mädchen spielte und zeichnete Nannette gern in den Büros vom Papa und seinen kreativen Kollegen. «Diese verrückten Leute gehörten zu meinem Leben. Alles war ein bisschen bunt und anders», erinnert sie sich an diese Welt. Nach der Schule wollte sie deshalb auch in die Werbung einsteigen, eher zum Leidwesen des Vaters. Doch bei der Basler cR startete sie ihre Karriere mit einem Praktikum. «Kopien machen, Kaffee holen und vertretungsweise noch Höheres.» Als das Praktikum zu Ende war, wollte Nannette Graf ihr Pult räumen und ihre weitere Zukunft beim Sawi suchen. Aufgeschreckt von so viel Begeisterung für die Werbung, unterbreitete die cR ihr aber umgehend ein richtiges Jobangebot und bezahlte ihr gleich auch noch das Sawi.
Mit 20 schloss sie als eine der Jüngsten ab und ging, nach vier Jahren cR, auf Reisen. Griechenland, Mexiko, Amerika. Dazwischen verschiedene Jobs als Freelancer, bis sie bei der damaligen Agentur Dialog hängen blieb. In den folgenden sechs Jahren machte sie berufsbegleitend den Kommunikationsleiter. Die nächste Station war die aufstrebende und zu jener Zeit «sehr angesagte Agentur» Ckdt. Als Stefan Burckhardt sein Unternehmen aber an Seiler verkaufte, war «der Groove bei den Mitarbeitern irgendwie weg». Graf wechselte zu Favo, die jedoch ebenfalls den Besitzer wechselte. Die Zeit schien ihr somit endgültig reif für etwas Eigenes: 2001 gründete Nannette Graf mit drei weiteren Partnern die Kreisvier communications ag.
Und was wünscht sie sich heute für ihre Basler Agentur? «Klare, aufrichtige Kommunikation. Wir wollen uns über gute Produkte und Leistungen definieren und nicht nur Traumwelten erschaffen.»
Andreas Panzeri