Peter Eisenegger und Daniel Landolt verstärken mit ihrer Zürcher Atfront die Berner Contexta im Bereich Internet und interaktives Marketing.
Sie sprudeln vor Ideen und reissen gerne neue Sachen an. Wieso also nicht mit einer Agentur zusammenspannen, die viele interessante Kunden hat, aber oft zu wenig Leute für die genau von Atfront angebotenen Kompetenzen? «Contexta war in der Situation, dass die Agentur immer mehr Kunden hatte, die interaktive und Online-Werbung machen wollten», erklären Peter Eisenegger und Daniel Landolt die «Win-Win-Situation für beide Agenturen».
Demnach gehört die Zürcher Atfront neu zur Contexta Holding. Die Berner Werbeagentur will mit diesem Schritt ihre Kompetenzen im Bereich der interaktiven Marketingkommunikation ausbauen. Ziel der Verbindung ist es, in einem sich stark verändernden Medienumfeld «innovative Dialoge mit Zielgruppen zu eröffnen, die sich messbar zu Gunsten des Auftraggebers auswirken».
Die Partnerschaft gilt rückwirkend per 1. Januar. Auf freier Basis haben die Zürcher jedoch schon früher mehrmals für die Berner die digitalen Ideen betreut, zum Beispiel für Swisslos, Calanda und Appenzeller. «Man kann viel mit Kooperationen lösen. Aber irgendwann muss man seine Kompetenzen kompakter anbieten können. Bei neuen Projekten werden wir nun gleich von Beginn weg beim Briefing mit dabei sein», freuen sich Eisenegger und Landolt. Beide Unternehmen werden aber weiterhin eigenständig agieren.
Die im Zürcher Kreis 4 tätige Atfront gibt es seit vier Jahren. Der Name soll ausdrücken, dass man immer am Puls der Zeit sein will. «Wissen, was Sache ist, was die Leute wollen und was technologisch möglich ist», meinen die Frontleute. Dazu gehöre auch, einschätzen zu können, was unter den vielen neuen Möglichkeiten für die Kunden schliesslich sinnvoll sei. In letzter Konsequenz bedeutet «Atfront» damit auch «nahe beim Kunden».
Der erste Auftrag für die Agentur war ein umfassendes Lernprogramm. Mit der CD-ROM «White Risk» wollte die Suva auf spielerische Weise vor den Gefahren der Lawinen warnen.
E-Learning oder die Wissensvermittlung mit interaktiven Medien ist seither die Kernkompetenz von Atfront. Anwenden lässt sich der weite Begriff sowohl für Dienstleistungen wie auch für ein Produkt im Marketing. «Werbung ist ja im weitesten Sinn auch E-Learning. Wenn ich etwas verkaufen will, dann muss ich dem Kunden erklären, wieso er das braucht», meint Berater Peter Eisenegger.
Und wie kommen User an die gewünschten Informationen? CD Daniel Landolt ergänzt, dass Atfront mit ihrer Kommunikation möglichst alle Sinne ansprechen will. «Die Medien verknüpfen und den Inhalt so aufbereiten, dass er möglichst einfach aufgenommen werden kann», ist die Zielvorgabe. Ein immer stärker beschworenes Kernelement ist in diesem Sinn die Interaktion. Allerdings: «Was sich heute im Internet tummelt, ist oft noch reines Fernsehschauen. Wir hingegen wollen mit Involvement arbeiten. Das führt zu wirklichen Lerneffekten», meint Atfront.
Den Zugang zu dieser «Front» haben die beiden Agenturpartner über verschiedene Wege gefunden. Daniel Landolt hat zuerst die technische Seite als Elektroniker kennen gelernt. Dann wollte er sich weiter zum Gestalter ausbilden, denn in dieser Branche ist beides wichtig. «Wer gestaltet, muss wissen, was technisch möglich ist.»
Nach dem Vorkurs an der F+F in Zürich wirkte Landolt zuerst drei Jahre als Webdesigner in einer Internetagentur. Dazu studierte er parallel Visuelle Kommunikation an der HFG in St. Gallen. Ein Austauschsemester brachte ihn nach Amerika. Dort belegte er die Fächer Packaging Design, Visual Communication und Interactive Design. Als Diplomarbeit konzipierte der leidenschaftliche Mountainbiker und Snowboarder die Idee für «White Risk» , weil ihn das Thema Lawinenschutz auch privat interessierte.
Bei der Rückkehr in die Schweiz zeigte er die Arbeit auch Peter Eisenegger. Dieser war eben von längeren Reisen aus Australien, den USA und Südamerika zurückgekehrt und hatte dazwischen als freier Berater gewirkt. Gemeinsam entwickelten sie dann die Idee, das Konzept der Suva zu verkaufen. Nach rund zwei Jahren Sponsorensuche klappte das schliesslich. Aus «White Risk» wurde ein grosser Auftrag – der erste Schritt in die Selbstständigkeit.
Peter Eisenegger kommt vom Kaufmännischen her, hat als Quereinsteiger den Marketingplaner gemacht und sechs Jahre bei Wirz in Zürich als Berater gearbeitet. In dieser Zeit liess sich Eisenegger auch zum Kommunikationsleiter ausbilden. Im gleichen Kurs lernte er Nadine Borter kennen, die heutige CEO von Contexta. Der bis heute anhaltende Kontakt führte in der Folge zu immer mehr Zusammenarbeit mit Atfront und Contexta.
Eisenegger und Landolt entdeckten bereits lange vor Atfront die gemeinsame Lust an kreativen Projekten. Als ein «Hobby zum Geldverdienen» gründeten sie damals zum Beispiel ein T-Shirt-Label. «Das war erfolgreich. Aber es hat sich niemand genügend Zeit genommen, um die Marke auch zu pflegen.» Viel lieber haben sich Eisenegger und Landolt bereits in ihr nächstes Projekt, eine Trendforschungsplattform mit dem Namen «Trendguide», gestürzt. «Ist die noch online, und wer betreut sie heute?», diskutieren sie beim Interview und entdecken bei der Suche nach einer Antwort, dass das Erfinden und Anreissen von Projekten ihre grösste Leidenschaft ist. «Das hat wohl viel mit Neugier zu tun.»
Mit ihrer Agentur Atfront soll diese Neugier jetzt auch längerfristig befriedigt werden. Nach den Anfängen im Duo sind nach vier Jahren auch ein Programmierer sowie ein Designer fest angestellt worden. Dazu arbeitet Atfront mit einem grossen Netzwerk von spezialisierten Freelancern.
Das Büro will man weiter in Zürich behalten. Bei der Contexta in Bern sind aber ebenfalls Arbeitsplätze für Eisenegger und Landolt eingerichtet. «Wir pendeln regelmässig, das braucht es für eine sinnvolle Koordination.» Für grössere Projekte können sich die beiden auch vorstellen, einmal etwas länger in den Büros mit dem schönen Ausblick auf die Aare zu verweilen. Umgekehrt können die Zürcher der Contexta jetzt auch ein eigenes Sitzungszimmer mitten im Mekka der Werber anbieten.
Andreas Panzeri