Des Schusters Schuhe

Public Relations Der BPRA geht in die Offensive. Die Qualitäten seiner Mitglieder sollen bekannter werden.

 
Public Relations Der BPRA geht in die Offensive. Die Qualitäten seiner Mitglieder sollen bekannter werden. 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
«In keiner anderen Branche der Schweizer Wirtschaft hat sich der Wettbewerb im vergangenen Jahr derart verschärft wie unter den Public-Relations-Agenturen», erklärte Peter P. Knobel, der Präsident des BPRA, am jährlichen Mediengespräch seines Verbandes. Die 17 Mitglieder des Bundes der Public- Relations-Agenturen der Schweiz haben zwar 2007 immer noch 7,5 Prozent Umsatz zulegen können.
Im 2006 waren es aber 8,2 Prozent. Als Ursache dieses etwas verlangsamten Wachstums ortet der BPRA «das Gründungsfieber in der PR-Branche und die damit verbundene stark wachsende Zahl von kleinen PR-Büros».
In der Wirtschaft kann ein steigendes Bedürfnis nach PR ausgemacht werden. Zudem verschieben sich auch die Budgets für klassische Werbung spürbar in Richtung Information. Das verlockt diverse Journalisten – zum Beispiel von umstrukturierten Zeitungsprojekten – zur Gründung einer so genannten Küchentischagentur.
2’200 solche neuen Büros schätzt der BPRA allein für 2007. Unterstützt wird dieser Trend zur Fragmentierung zudem durch eine neue Gewichtung der PR-Arbeiten. «Etablierte Agenturen werden immer mehr nur noch für hochqualifizierte Dienstleistungen in Anspruch genommen, so etwa auf den Gebieten der Strategieberatung und im Coaching», weiss Christian König vom Branchenleader Farner Consulting. Die Routinearbeiten nehmen die Auftraggeber «zunehmend selber wahr». Und um redaktionelle Jobs wird von den vielen Neuen gebuhlt.
Um in diesem veränderten Umfeld weiterhin erfolgreich auftreten zu können, wird beim BPRA nicht nur der Qualitätsstandard CMS II (Consultancy Management Standard) neu als obligatorisches Kriterium für die Mitglieder des Verbandes erklärt. Der Qualitätsausweis soll in der ansonsten als diskret geltenden Branche auch öffentlich mit einer richtigen Werbekampagne kommuniziert werden. In einer ersten Staffel werden ab Mai fünf verschiedene Sujets in der NZZ geschaltet.
Insgesamt waren im vergangenen Jahr 254 Mitarbeitende bei Verbandsagenturen beschäftigt. Diese erzielten ein Nettohonorarvolumen von 59,8 Millionen Franken.
Die gesamte Branche erwirtschaftete 74 Millionen Franken. Damit entfällt auf die BPRA-Mitglieder rund 81 Prozent.
Das Ranking zeigt, dass die vier grössten Agenturen für 68 Prozent des gesamten BPRA-Umsatzes verantwortlich sind. Farner Consulting erzielte 13,8 Millionen Franken, Trimedia Communications 11,3, gefolgt von Burson-Marsteller und Freicom.
 
Andreas Panzeri

Da hilft nur: bessere Ideen!

Gastkommentar Das Werbeverbot in São Paulo könnte sich als Glücksfall für die Branche erweisen, findet Dominik Imseng.

 
Gastkommentar Das Werbeverbot in São Paulo könnte sich als Glücksfall für die Branche erweisen, findet Dominik Imseng. 
Eine der grössten Städte der Welt ist auch eine der leersten: Seit letztem Jahr ist in São Paulo Werbung im öffentlichen Raum untersagt. Keine Plakate, Laufschriften oder Megascreens mehr. Auch Werbung auf Taxis oder Bussen ist verboten. Ja, der Kampf gegen die «visuelle Umweltverschmutzung», wie der Bürgermeister von São Paulo, Gilberto Kassab, Werbung nennt, ist gnadenlos. Und er wird allgemein begrüsst. «Ein Sieg der Schönheit über die Hässlichkeit, der Sauberkeit über den Müll», jubelte das brasilianische Magazin Veja.Selbst wenn sich hier zu Lande noch kein Politiker für diese ganz besondere Form von Werbeverbot einsetzt – für die Einschränkung von Werbung liessen sich auch bei uns problemlos Unterschriften sammeln. Das belegen Millionen von Stopp-Werbung-Klebern. Oder Umfragen, die zeigen, dass man sogar Gebrauchtwagenhändlern mehr traut als Werbern. Oder E-Mail-Programme, in denen der Ordner für unerwünschte Spam-Mails schlicht und einfach «Werbung» heisst. Vor allem aber ist Werbung für viele seit Vance Packards einflussreichem Bestseller «The Hidden Persuaders» eine unmoralische «geheime Verführerin», die die Menschen zu Kaufentscheidungen zwingt, die nichts mit ihren tatsächlichen Bedürfnissen zu tun haben.
Gegen all diesen Unmut hilft nur, was in der Werbung einzig hilft: bessere Ideen. Denn die sorgen nicht nur dafür, dass eine Kampagne angesichts der Tausenden von Werbebotschaften täglich überhaupt auffällt. Sondern auch dafür, dass die Menschen Lust haben, die Pointe einer Werbebotschaft selbst zu entdecken. Und diese Art Werbung daher viel bewusster wahrnehmen – als geistreichen Versuch, sie charmant zu verführen.
Kreative Werbung ist insofern nicht unbewusste «geheime Verführung», sondern offensichtliche, deklarierte: Ein Unternehmen macht ein Angebot, das man prüft – und dann annimmt oder nicht.
Unkreative Werbung funktioniert demgegenüber nicht horizontal zwischen gleichberechtigten Kommunikationspartnern, sondern vertikal: Ein Unternehmen kommuniziert von oben nach unten, die Menschen sollen die blossen Empfänger der Botschaft sein und kommunikativ gesehen passiv bleiben. Ja, im Grunde geht es hier gar nicht um Kommunikation, sondern um einseitige Propaganda. Und es ist genau diese Art Werbung, die immer mehr Menschen als Manipulationsversuch betrachten – und daher auch immer häufiger mit vollem Recht ablehnen.
Wer weiss? Vielleicht ist São Paulos Bürgermeister am Ende gar nicht der Totengräber der Werbung. Sondern ihr Retter.
Dominik Imseng ist Texter/Konzepter bei Matter & Gretener.

Mit Ovo gross und stark

Geld Metzger Treuhand ist seit fast hundert Jahren auf die Betreuung von Metzgereibetrieben in der Schweiz spezialisiert. Das Unternehmen hat seine Dienstleistungen ausgebaut und öffnet sich nun für KMU anderer Branchen.

 
Geld Metzger Treuhand ist seit fast hundert Jahren auf die Betreuung von Metzgereibetrieben in der Schweiz spezialisiert. Das Unternehmen hat seine Dienstleistungen ausgebaut und öffnet sich nun für KMU anderer Branchen. Mit der Bewerbung des neuen Angebotes hat Metzger Treuhand die Zürcher Werbeagentur Noise beauftragt. Diese hat den Nutzen für die Zielgruppe mit einer Analogie zu einem Produkt dramatisiert, das seit jeher als Energybooster für anstrengende Zeiten gilt: dem Ovo-Sport-Riegel. Mit dem Metzger-Treuhand-Schriftzug versehen kommt der Riegel auf Anzeigen, in Mailings, auf Plakaten, im Internet, am Messestand und als sympathisches Giveaway zum Einsatz.

Per Handy-Kamera ins Internet

Technologie Der QR-Code verknüpft die Zeitung mit dem Internet. Zeitungsmacher und Google sehen in diesem Code eine Schlüsseltechnologie.

 
Technologie Der QR-Code verknüpft die Zeitung mit dem Internet. Zeitungsmacher und Google sehen in diesem Code eine Schlüsseltechnologie. 
Auf den ersten Blick sieht das Ding wie ein Ameisenlabyrinth aus. Hinter dem schwarz-weissen Pixelbild steckt allerdings mehr, als man vermutet. Es handelt sich um eine clevere Technologie, die bisweilen von zukunftsorientierten Zeitungsmachern als «Lebensversicherung der Printpresse» bezeichnet wird.
Die Rede ist vom QR-Code. Die Buchstaben QR stehen für Quick Response. Es handelt sich dabei um einen zweidimensionalen Barcode, dessen Ästhetik an die konstruktiven Designs aus den 80er-Jahren erinnert. Konsumenten kennen bereits den eindimensionalen Strichcode auf den Verpackungen. Die Anordnung der Striche und ihre Dicke verraten dem Lesegerät zum Beispiel Gewicht oder Herkunft eines Produktes. Die neue Generation der 2D-Codes kann weit mehr Informationen speichern. Knipst ein User mit seiner im Handy integrierten Fotokamera einen QR-Code, wandelt eine Software das Raster um, zum Beispiel in einen Hyperlink ins Internet oder in ein Musikstück, das unmittelbar abgespielt werden kann.
Innovation in der ZeitungsweltZeitungsmacher auf der ganzen Welt haben jetzt die Vorzüge der gepixelten Quadrate entdeckt. Sie wollen mit Hilfe des QR-Codes ihre Printprodukte mit dem Internet verknüpfen. Die Technologie macht es möglich, die Zeitung auf simple Weise mit Zusatzinformationen anzureichern. Dabei ist es die Einfachheit, welche die Branche überzeugt. Innert Sekunden entschlüsseln Mobiltelefone die briefmarkengrossen Quadrate und können etwa einen Zeitungsartikel mit einem Internetvideo aufwerten.
Seit November letzten Jahres nutzt die deutsche Tageszeitung Welt Kompakt die Technologie im grossen Stil. Sie druckt jeden Tag mindestens vier solcher Codes ab. Der stellvertretende Chefredaktor Frank Schmiechen sagt, was das Besondere an den magischen Quadraten ist: «Zum ersten Mal gibt es eine direkte Verbindung aus der Zeitung ins Internet. Der Code sorgt daher für ein völlig neues Lesegefühl.»
Zufrieden mit der NutzungWelt Kompakt ist nicht die einzige Zeitung, die mit dem schwarz-weissen Code experimentiert. Auch das britische Boulevardblatt Sun druckt seit geraumer Zeit QR-Codes ab, um den Lesern weiterführende Informationen zu bieten. Wie das Blatt im Januar mitteilte, haben innert eines Monats 11’000 User diese Dienstleistung in Anspruch genommen. Bei einer Auflage von rund drei Millionen Stück nutzen zwar weniger als ein Prozent der Leserschaft die neue Verlinkungstechnologie. Doch die Zeitungsmacher der Sun werteten die Zugriffszahlen dennoch als Erfolg und bauen seither die Vernetzung aus. Auch die Tageszeitung Welt Kompakt ist mit der Resonanz zufrieden. Wie der Fach-Blog Mobile Zeitgeist berichtet, liege die Zahl der Scan-Vorgänge bei einzelnen Codes im hohen dreistelligen Bereich.
Google nutzt QR-CodesVon den Vernetzungsmöglichkeiten zeigt sich auch Suchmaschinengigant Google begeistert. Wie in einem Bericht der Fachzeitschrift Advertising Age zu lesen ist, will das Internetunternehmen in diesem Jahr den QR-Code für das Anzeigengeschäft nutzen. Google vermarktet seit längerem Werbeplatz in US-Zeitungen. Nach dem Auktionsprinzip können Werbekunden über eine Online-Plattform Printanzeigen platzieren. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass der QR-Code auf Printanzeigen durchaus seinen Nutzen hat und deshalb jeden Werber aufhorchen lassen muss. Im Experiment stattete Google Printanzeigen mit QR-Codes aus und testete im gleichen Zeitraum Anzeigen ohne Codes. Das Resultat: Die verschlüsselten Anzeigen wiesen einen sechsmal höheren Ertrag auf als jene ohne.
Weil die Kameras immer schlauer werden und die Technologie künftig in den Telefonen bereits standardmässig vorinstalliert sein wird, sieht Google grosses Zukunftspotenzial. Der prominente Multimedia-Designer Tomas Roop sieht den Trend dahin gehend, dass die Vernetzung weiter zunimmt: «Wir werden eine Explosion interaktiver Zeichen im öffentlichen Raum erleben.» Roop verweist auf das Musikvideo der Band Pet Shop Boys, das QR-Codes zeigt und somit ins Web linkt.
Ein Blick nach Japan zeigt, welch bedeutende Rolle QR-Codes im Alltag bereits spielen. In Tokio gestalten die gepixelten Codes bereits den öffentlichen Raum. Er ist zu einer Selbstverständlichkeit interaktiver Kommunikation geworden – ob in Zeitungen, auf Plakaten oder Lebensmittelverpackungen.
In Europa begegnet man dem Phänomen zwar bisher nur vereinzelt, die Zeichen halten aber auch hier zu Lande immer mehr Einzug. So finden sich im Schweizer Internetmagazin Anthrazit die Pixelquadrate. Aber auch der NZZ-Verlag versucht Offline-Medien mit dem Internet zu verknüpfen. Doch die hiesigen Medienhäuser gäben sich noch zurückhaltend, sagt Roger Fischer, Chef des Zürcher QR-Startups Kaywa. Grund: Neben des QR-Codes buhlt auch der so genannte Bee-Tagg, ein 2D-Barcode in Wabenform, um seine Daseinsberechtigung. «Auf dem Markt herrscht noch Unsicherheit, weil sich gleichzeitig verschiedene Formate zu etablieren versuchen», so Fischer. Die Nachfrage nach QR-Verknüpfungen ist indessen sehr gross. «Wir werden pro Tag mit fünf Projektanfragen konfrontiert», sagt Fischer.
Der QR-Experte ist überzeugt, dass die 2D-Raster in diesem Jahr den Durchbruch feiern werden. Das sie in absehbarer Zeit vermehrt auftauchen und die Mediennutzung verändern werden, lässt sich auch in einer Mitteilung des Weltluftverbandes Iata herauslesen. Die im Verband organisierten Fluglinien forcieren das papierlose Ticket und haben sich kürzlich auf den QR-Code geeinigt, der ein Check-in per Handy erlaubt. Wer im Jahr 2010 ein Flugticket bestellt, muss künftig seine Handynummer angeben. Per SMS sollen Passagiere ein Pixelbild erhalten, den das Personal direkt vom Bildschirm scannen kann. Den Boardingpass braucht es dann nicht mehr.
Christian Lüscher
 
> Lesen Sie zu diesem Thema auch das
Interview
mit Frank Schmiechen, dem stellvertretenden Chefredaktor der Welt Kompakt.

Auch die Besten geraten unter Druck

Presse Die Zeitungskrise in den USA macht auch vor der New York Times, der vielleicht besten Zeitung der Welt, nicht Halt.

 
Presse Die Zeitungskrise in den USA macht auch vor der New York Times, der vielleicht besten Zeitung der Welt, nicht Halt.  
Der in den USA allmächtige Aktienkurs der New York Times sank seit dem Jahr 2002 von der Rekordhöhe von 53 Dollar auf derzeit 19 Dollar. Die neusten Quartalszahlen enthüllten einen traurigen Rekord, nämlich einen Einbruch der Werbeeinnahmen um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. «Wegen der schlechten Wirtschaftslage stehen wir vor weiteren Herausforderungen für die Printwerbung», sagte dazu Times-CEO Janet Robinson. Das Hauptproblem ist, dass die meisten Zeitungen den Einnahmenschwund aus dem Printgeschäft durch ihre Online-Ausgaben nicht wettmachen können, weil die Marketingunternehmen nicht bereit sind, genauso viel für eine Online-Anzeige wie für eine Printanzeige zu bezahlen. «Online-Anzeigen sind weniger wert als Printanzeigen, weil man nicht weiss, wie lange sich ein Leser mit einem Artikel online befasst, und weil die Marketingleute nichts von den noch immer dominanten Banner-Ads halten», sagt Samuel Craig, Marketingprofessor an der New York University.
Die Times unter Verleger Arthur Sulzberger Jr. hat sich bisher geweigert, die gleichen brachialen Sparmassnahmen einzuleiten wie viele andere Zeitungen. Lediglich 100 der insgesamt 1300 Stellen auf der Redaktion werden wegfallen, viele davon in Form von Abfindungen und Pensionierungen. Doch in den letzten Monaten geriet das Blatt unter starken Druck der Hedgefonds Harbiger Capital und Firebrand Partners, die gemeinsam rund 15 Prozent der Aktien besitzen. Deren Manager fordern, dass sich das Unternehmen vom defizitären Boston Globe trennen und stärker in digitale Möglichkeiten investieren müsse. Obwohl der Verwaltungsrat der Times von der Verlegerfamilie Sulzberger dominiert wird, welche die Stimmenmehrheit besitzt, sah sich Arthur Sulzberger Jr. gezwungen, den beiden Finanzinvestoren zwei Sitze im Gremium zu geben, um weitere öffentliche Angriffe zu verhindern.
Ein weiteres Problem ist Rupert Murdoch, der das soeben von ihm erworbene Wall Street Journal auf mehreren Ebenen aufrüstet, um mit der Times in Konkurrenz zu treten: Er steckt mehr Geld in die Berichterstattung aus dem Ausland und der Hauptstadt Washington und zielt damit auf die traditionellen Stärken der Times. «Er wird das nötige Geld locker machen, um die Position der Times als führende Tageszeitung anzugreifen», prophezeit der frühere Times-Chefredaktor Howell Raines. «Es gibt keine wichtigere Frage im amerikanischen Journalismus als die Zukunft der New York Times, und ich glaube nicht, dass die Zeitung das Murdoch- und Übernahmeproblem ernst genug nimmt.»
Gerti Schön, New York
 
>Mehr zur Situation bei der New York Times im
Interview
mit Vanity-Fair- Medienkolumnist Michael Wolf. 

Messerscharfe Argumente

Zeitungen Die Berner Agentur Wapico zeigt: La Liberté ist nicht gratis, rasiert und massiert aber gratis.

 
Zeitungen Die Berner Agentur Wapico zeigt: La Liberté ist nicht gratis, rasiert und massiert aber gratis. 
Eine witzige Aktion «gegen» Gratiszeitungen hat sich die Werbeagentur Wapico in Bern für ihren Kunden La Liberté einfallen lassen. Seit längerer Zeit harzt es ein wenig mit dem Einzelnummerkioskverkauf der Freiburger Tageszeitung. Der Grund ist naheliegend und manifestiert sich gerade in Bahnhöfen ganz klar: dort nämlich, wo die Pendler kistenweise mit Gratisblättern eingedeckt werden.«La Liberté vous rase gratuit!» oder übersetzt «La Liberté rasiert Sie gratis» heisst die Idee hinter der Guerillaaktion. Abwechselnd wird in sechs Bahnhöfen in der Region Freiburg morgens rasiert und abends im Sitzen massiert, selbstverständlich auch gratis. Eine kleine Infobroschüre (gratis!) wird dazu abgegeben, die aufklärt, «warum eine der letzten Schweizer Tageszeitungen nicht gratis sein kann», wie CD Olaf Pilleri bei Wapico weiss. Gestartet wurde im meistbesuchten Bahnhof, in Freiburg. Am ersten Tag liessen sich bereits 50 Leute rasieren, am Abend gleich viele von La Liberté massieren.   
Andreas Panzeri

«Wir müssen alle einmal den Hof verlassen»

Interview Michael Wolff, Vanity-Fair-Medienkolumnist und Autor des Buches «Autumn of the Moguls», hofft, dass die Times-Verlegerfamilie Sulzberger ihr Blatt verkauft, und zwar an einen Investor, der nicht bloss wirtschaftliche Interessen hat.

 
Michael Wolff, Vanity-Fair-Medienkolumnist und Autor des Buches «Autumn of the Moguls», hofft, dass die Times-Verlegerfamilie Sulzberger ihr Blatt verkauft, und zwar an einen Investor, der nicht bloss wirtschaftliche Interessen hat.  
WW: Welche Bedeutung hat es, dass ab sofort zwei Finanzinvestoren im Aufsichtsrat der New York Times sitzen werden?Michael Wolff:
Das bedeutet, dass es zwei Leute geben wird, die sich Arthur Sulzbergers Management widersetzen. Sie können ihm das Leben zu Hölle machen, weil sie eine Menge zu sagen haben werden. Sie können das gesamte Unternehmen lähmen, können etwa PR-Leute zwingen, mit ihnen Rücksprache zu halten, und sie können Interna an die Presse weitergeben. Es bedeutet, dass sich das Unternehmen im Kriegszustand befindet. Wird dies auch den Journalismus bei der Times schädigen?Nicht direkt, aber wenn der Aktienpreis weiter sinkt, sinkt auch das Vertrauen in die Familie Sulzberger. Wenn man die Business-Seite der New York Times nicht schützt, wie kann man dann ihre journalistische Seite schützen? Die Times ist nun mal ein Business, man kann sich diesem Verständnis nicht entziehen.
Welchen Ruf hat Arthur Sulzberger als Führungspersönlichkeit?Er ist der Verleger der Times, weil er in die Familie hineingeboren wurde, er hat sonst keinerlei Erfahrungen. Seine Amtszeit war uneffektiv, und die Aussichten sind trübe. Er ist unreif, es fällt ihm schwer, sich zurückzuhalten, und das macht ihn verwundbar.
Bedeutet das, dass nach dem Niedergang von Verlegerfamilien wie den Bancrofts, die das Wall Street Journal verkauft haben, die Sulzbergers als Nächste dran sind?Familien haben oft zu viele Mitglieder, und sich heutzutage auf Leute zu verlassen, die dazu nicht ausgebildet sind, ist schon eigentümlich. Wir beobachten den Niedergang des Zeitungsgeschäfts schon seit längerem, dies ist das wahrscheinliche Ende, und es wird andere und bessere Wege geben, Informationen zu verbreiten. Wir müssen alle einmal den Hof verlassen.
Was soll aus der Times dann werden?Das Wahrscheinlichste ist, dass jemand sie kauft, der nicht nur wirtschaftliches Interesse hat, sondern auch am Prestige, im guten oder schlechten Sinne, interessiert und reich genug ist, um die Sulzbergers loszuwerden. Die Zeitung hat in den letzten sechs Jahren 60 Prozent an Wert verloren. Murdoch zahlte für das Wall Street Journal 60 Prozent mehr, als es wert war, und wenn jemand das den Sulzbergers bietet, müssen sie sich ernsthaft Gedanken darüber machen, es anzunehmen.
Was ist Ihre Prognose? Wird Rupert Murdoch die New York Times kaufen?Rupert Murdoch ist sicherlich eine der Möglichkeiten. Aber einer der am stärksten Interessierten ist wahrscheinlich Michael Bloomberg, der gegenwärtige Bürgermeister von New York. Er hat den Finanznachrichtendienst Bloomberg aufgebaut und hat das nötige Kleingeld, um die New York Times zu akquirieren.
Interview: Gerti Schön
 
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Felix Kündig wechselt von der Y&R Gruppe zu Marionnaud

Der 45-jährige Felix Kündig tauscht die Kommunikations- gegen die Beauty-Branche: Er verlässt die Young & Rubicam Gruppe und geht zum Parfümerie-Unternehmen Marionnaud, wo er ab 1. Mai als Finanzchef tätig ist.

Der 45-jährige Felix Kündig tauscht die Kommunikations- gegen die Beauty-Branche: Er verlässt die Young & Rubicam Gruppe und geht zum Parfümerie-Unternehmen Marionnaud, wo er ab 1. Mai als Finanzchef tätig ist. Er übernimmt die Position von Laszlo Kelemen. Kündig war während der vergangenen sechs Jahre als COO/CFO bei der Young & Rubicam Gruppe tätig und an deren Turnaround in den Jahren 2002/2003 beteiligt. Davor war er CFO/Leiter Technik des ersten nationalen Privatfernsehsenders TV3. Seine berufliche Laufbahn begann der Betriebsökonom FH im Finanzbereich des Medienhauses Tamedia, wo er verschiedene Funktionen bis zum Leiter Konzern-Controlling durchlief.

Peter Röthlisberger leitet Heute ab sofort

Bei der Abendzeitung Heute tritt der designierte Chefredaktor Peter Röthlisberger seinen Dienst früher als angekündigt an: Er leitet die Redaktion ab sofort. Daniel Steil, der bisherige interimistische Chefredaktor, hatte am Mittwoch seinen letzten Tag.

Bei der Abendzeitung Heute tritt der designierte Chefredaktor Peter Röthlisberger seinen Dienst früher als angekündigt an: Er leitet die Redaktion ab sofort. Sein Stellvertreter ist ebenfalls ab sofort Markus Helbling, der bei Ringier zuletzt als Projektleiter Euro 08 tätig. Daniel Steil, der bisherige interimistische Chefredaktor, hatte am Mittwoch seinen letzten Tag. Er wird am 15. Juli bei der deutschen Boulevardzeitung Bild starten, wo er die Leitung der Unterhaltungsredaktion übernimmt.
Ringier hatte Ende März bekannt gegeben, dass Peter Röthlisberger den Blick am Abend leitet, der am 2. Juni Heute ablöst. Ursprünglich hiess es, dass Röthlisberger beim Gratisblatt ebenfalls am 2. Juni starten werde (siehe
). Da Steil nun schon von Bord geht, musste der Amtsantritt wohl vorgezogen werden. Röthlisberger war bis Mitte April stellvertretender Chefredaktor beim Sonntagsblick. Diesen Job hat Hannes Britschgi übernommen. Bei Heute gibt es daneben noch einen weiteren Wechsel zu verzeichnen: Art Director Anka Wessely nimmt den Hut. Als AD amtet weiterhin Patrick Brun, der diesen Posten auch beim neuen Blick am Abend ausfüllen soll.

Intensiver März

Mediafocus Der Werbemonat März war im Vorjahresvergleich intensiv und hat nochmals um 1,1 Prozent auf 367,244 Millionen Franken zugelegt. Das kumulierte Plus seit Jahresbeginn beträgt 7,7 Prozent.

Mediafocus Der Werbemonat März war im Vorjahresvergleich intensiv und hat nochmals um 1,1 Prozent auf 367,244 Millionen Franken zugelegt. Das kumulierte Plus seit Jahresbeginn beträgt 7,7 Prozent. Viel Veränderung mit plus 44,3 Prozent (15,9 Millionen Franken) ist erneut im Bereich Unterhaltungselektronik /Foto/Filme zu verzeichnen. Positiv zeigt sich auch der Schlüsselmarkt Uhren und Schmuck mit plus 31,6 Prozent (5,04 Millionen Franken). Die Getränke erlebten einen Zuwachs von 29,6 Prozent. Auch Kosmetik/Körperpflege, Nahrungsmittel und Telekommunikation zeigten im März einen steigenden Werbedruck. 
 

Tue Gutes und rede darüber

Versicherungen Die Überschusskampagne der Mobiliar von Wirz zeigt, dass zum Schluss eigentlich alle Kunden glücklich sein können.

 
Versicherungen Die Überschusskampagne der Mobiliar von Wirz zeigt, dass zum Schluss eigentlich alle Kunden glücklich sein können. 
In einer Zeit, wo das Wort «Abzocker» uns bald täglich irgendwo aufstösst, mutet es besonders sympathisch an, wenn eine Versicherung ihre Kunden nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit harten Franken an ihrem Erfolg teilhaben lässt. 
Möglich ist das, weil die Mobiliar genossenschaftlich verankert ist. Deshalb gibt es dank einer Überschussfonds-Beteiligung nicht nur bei einem Schaden, sondern auch ohne Schaden Geld. Im letzten Jahr haben 1,2 Millionen Privatkunden mit ihren Hausratsversicherungen von dieser Regelung profitieren können. Dieses Jahr sind es alle KMU mit einer MobiPro-Versicherung. Entsprechend werden die Beträge auch ein bisschen höher ausfallen: insgesamt 40 Millionen Franken.
 
Nicht ganz einfach, einen so komplexen Sachverhalt den Kunden in der Werbung zu erklären. Wirz kommuniziert die gute Botschaft bereits im dritten Jahr. Dabei hat das Team um CD Matthias Freuler kontinuierlich das interaktive Spiel zwischen «Unglücksrabe und Glückspilz» weiter entwickelt. Mittels verschiedener visueller Umsetzungen – mal leise, mal ganz laut – werden jeweils anhand von einer Person zwei unterschiedliche Geschichten erzählt. Dazu liefert ein Claim das Happy-end: «Sie haben Geld zugut – auch ohne Schaden.»
Die breit gefahrene Kampagne soll aktuellen Kunden bestätigen, dass sie bei der richtigen Versicherung sind, und gleichzeitig potenziellen Kunden ein Argument liefern, wieso es sich lohnt, zur Mobiliar zu wechseln.
Die Bilder sind echt zweimal aufgenommen und dann am Computer zusammengeführt worden. Eine besondere Finesse sei es dabei gewesen, für die Jauche einen echt wirkenden, aber problemlos wieder abwaschbaren Ersatzstoff zu finden, verrät AD Sascha Fanetti.
Andreas Panzeri

Büro am Strand

Kommunikation Die Bieler Agentur Erdmannpeisker propagiert für Swisscom das Büro zum Mitnehmen.

 
Kommunikation Die Bieler Agentur Erdmannpeisker propagiert für Swisscom das Büro zum Mitnehmen.
 
Swisscom hat mit dem «Mobilen Büro» den «modernsten Arbeitsplatz der Schweiz» entwickelt. Mit dem Mobile Assistant XPA v1615 oder dem BlackBerry 8310 sitzen Nutzer in ihrem Büro, obwohl sie Hunderte Kilometer davon entfernt sind. Mails, Internet, Termine, Kontakte – jederzeit und überall, synchronisiert mit dem eigenen PC. Beworben wird dieses Wundergerät von Erdmannpeisker. Die Bieler Agentur ist von Swisscom mit der Kommunikation für den KMU- und Grosskundenbereich betraut worden. Seither haben Sybille Erdmann und Gabriel Peisker für die beiden B2B-Bereiche klassische Kampagnen mit Broschüren, Mailings und Integration des Themas auf der Website realisiert. Für das mobile Büro wollten sie «den Mehrwert in Szene setzen», den ein solches Handy bietet. Entstanden ist eine «Werbung mit Sujets aus dem täglichen Leben».   
Andreas Panzeri
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