Studie Unternehmenseigene Publikationen und Medien sind ein wichtiges Instrument, um mit Stakeholders zu kommunizieren.
Corporate Publishing ist kaum empirisch untersucht worden. Dieser Aufgabe hat sich nun das Europäische Institut für Corporate Publishing (EICP), wissenschaftliches Tochterinstitut des grössten europäischen Branchenverbandes Forum Corporate Publishing (FCP), angenommen. Gemeinsam mit dem Strategieberatungs- und Marktforschungsunternehmen Zehnvier hat das EICP im Frühjahr 2008 die erste grundlegende Studie über den Corporate-Publishing-Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Die Studie gibt fundiert Auskunft über das Marktvolumen, analysiert Zielsetzungen, Zielgruppen und Erfolgsmessung beim Corporate Publishing und arbeitet Entwicklungen heraus. Thematisch fokussiert die Untersuchung Kundenzeitschriften für Konsumenten und Geschäftskunden. Die Ergebnisse der Studie basieren auf 305 webbasierten Einzelinterviews mit Führungskräften bzw. Entscheidern im Corporate Publishing in Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern. Die Stichprobe wurde so angelegt, dass tragfähige und repräsentative Aussagen möglich sind, sowohl für den Gesamtraum DACH – Deutschland, Österreich, Schweiz – als auch für einzelne Länder.Imagepflege und KundenbindungDie Studienergebnisse belegen die wichtige Rolle des Corporate Publishing in der Unternehmenskommunikation: Im deutschsprachigen Raum betreiben 97 Prozent der befragten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern Corporate Publishing. Schweizer Unternehmen sprechen dabei am häufigsten Geschäftskunden (75 Prozent), Mitarbeiter (57 Prozent), Konsumenten (40 Prozent) und Multiplikatoren (38 Prozent) an. Das am meisten eingesetzte Medium sind Zeitschriften: 55 Prozent der Schweizer Unternehmen verfügen über B-to-B-, 36 Prozent über B-to-C-Magazine. Die Kundenzeitschriften dienen vor allem der Imagepflege und Kundenbindung. So nennen die Unternehmen als wichtigste Zielsetzungen der B-to-C-Kommunikation die emotionale Ansprache der Kunden, eine interessante Berichterstattung, die Pflege des Unternehmensimages und die Kundenbindung. Die Zielsetzungen im B-to-B-Bereich sind ähnlich, lediglich die emotionale Ansprache hat weniger Gewicht. Hier zeigt sich, dass viele Unternehmen die Möglichkeiten des Corporate Publishing noch nicht vollständig ausnutzen. Unternehmensmedien werden noch zu wenig als Mittel erkannt, um neue Kunden zu gewinnen, die Nachfrage zu steigern und den Absatz zu fördern.
Verpasste ChancenUngenutzte Potenziale liegen auch im Bereich der Wirkungsmessung und Wirtschaftlichkeit von Unternehmenspublikationen. 20 Prozent der Unternehmen im Raum DACH verzichten bisher gänzlich darauf, den Erfolg der eigenen B-to-C-Zeitschriften zu messen, und nur 41 Prozent messen den Erfolg ihrer B-to-C-Zeitschriften regelmässig. Bei den B-to-B-Zeitschriften verzichten sogar 27 Prozent der Unternehmen auf die Erfolgsmessung, weniger als ein Drittel setzt hier auf ein regelmässiges Controlling. Hinzu kommt: Selbst wenn der Erfolg der Zeitschriften gemessen wird, wird vorrangig allein auf Kunden- oder Leserbefragungen vertraut. Andere Methoden und Konzepte werden kaum angewandt. Viele Unternehmen lassen damit die Chance aus, ihre Publikationen und Medien hinsichtlich der Erwartungen und Bedürfnisse der Zielgruppen zu optimieren und den «Return on Communication» zu verbessern.
Investitionen in MilliardenhöheIm Raum DACH gibt es rund 7’500 B-to-C-Zeitschriften. Dahinter stehen jährliche Investitionen von etwa 2,3 Milliarden Franken. Rund 300 Millionen Franken werden dabei durch Anzeigen refinanziert. Dieses Resultat liefert ein eigens für die Studie entwickeltes Marktmodell unter Einbezug der erhobenen Daten. Berechnungsgrundlage ist die Gesamtzahl an Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern im deutschsprachigen Raum. Davon ausgehend kann die Anzahl der Unternehmen ermittelt werden, die Corporate Publishing für Konsumenten betreiben. Die Basisstudie zeigt, dass von diesen Unternehmen wiederum etwa 77 Prozent Kundenzeitschriften herausgeben, was knapp 5’500 Unternehmen entspricht. Unter Berücksichtigung der Anzahl durchschnittlich herausgegebener Titel lässt sich ermitteln, dass im Raum DACH die bereits genannten 7’200 Business-to-Consumer-Zeitschriften publiziert werden. Für die Berechnung des damit verbundenen Investitionsvolumens wurde zusätzlich das durchschnittliche Jahresbudget der Unternehmen in diesem Bereich erhoben, das rund 425 000 Franken beträgt.
Klar mehr KundenzeitschriftenAusgehend von der gesamten Titelzahl werden im Marktmodell auch die Anzeigeneinnahmen bestimmt. Die Basisstudie zeigt, dass 29 Prozent der B-to-C-Zeitschriften durch Anzeigen refinanziert werden. Berücksichtigt man, dass diese Titel pro Ausgabe rund 37’000 Franken an Anzeigeneinnahmen erzielen und im Schnitt 4,1-mal im Jahr erscheinen, dann ergibt das ein jährliches Einnahmenvolumen von ca. 300 Millionen Franken. Das skizzierte Marktmodell kann analog auf den Bereich der B-to-B-Zeitschriften angewendet werden. Die Anzahl der Unternehmen, die Zeitschriften für Geschäftskunden herausgeben, beträgt etwa 6700. Diese Unternehmen publizieren rund 7700 Business-to-Business-Zeitschriften, in die sie jährlich etwa 1,3 Milliarden Franken investieren. Im deutschsprachigen Raum gibt es fast 15’000 Kundenzeitschriften – deutlich mehr als bisher gedacht. Dass Corporate Publishing eine wichtige Kommunikationsdisziplin ist, untermauern aber auch die knapp 3,6 Milliarden Franken, die Unternehmen jährlich allein in B-to-C- und B-to-B-Zeitschriften investieren.
Auch die Zukunftsperspektiven des Corporate Publishing sind positiv. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) sprechen unternehmenseigene Publikationen und Medien eine wachsende Bedeutung zu. Besonders günstig sind die Aussichten in der Schweiz: Hier sind sogar 64 Prozent der Unternehmen der Auffassung, dass Corporate Publishing in ihrem Kommunikationsmix zukünftig deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Gefragt sind dabei vermehrt Konzepte, die verschiedene Medien orchestrieren. Für sieben von zehn Unternehmen werden Cross-Media-Konzepte beim Corporate Publishing immer wichtiger. Die Unternehmen sind vermehrt der Auffassung, dass das Corporate Publishing besonders im koordinierten Zusammenspiel verschiedener Medienkanäle an Stärke gewinnt. Interessant ist dabei, dass die meisten Unternehmen neben bestehenden Etats in Zukunft zusätzlich vermehrt in neue Medien investieren wollen. Eine Umschichtung der Budgets vom klassischen Printmedium zu neuen Medien im Corporate Publishing ist nur für 23 Prozent der Unternehmen relevant.
Die Studie bestätigt aber nicht nur den Trend zu crossmedialen Konzepten. Sie zeigt daneben auch, dass Unternehmen die Absicht haben, ihre Publikationen und Medien künftig noch individueller auf die Kunden abzustimmen. Fast jedes dritte Unternehmen im Raum DACH will noch spezifischer auf die entsprechenden Zielgruppen eingehen. In der Schweiz planen dies sogar 38 Prozent.
Clemens Koob, Stefan Lohmüller
Wachstumsstarke Disziplin«Die Studie zeigt, dass Corporate Publishing eine aufstrebende und wachstumsstarke Disziplin mit einem bislang gar unterschätzten Marktvolumen darstellt. Für Corporate Publisher, die den Dreiklang von Contentmanagement, Community-Publishing und Medienorchestrierung beherrschen, bieten sich hervorragende Marktchancen – namentlich in der Schweiz.»
Beat Schaller, Infel AG, Vorstand Schweiz Forum Corporate Publishing