TV-Zeitschriften TV Digital soll neu Tele aufwerten und diesem den Zugang zu Cablecom-Kunden ebnen.
Als Axel Springer Schweiz im letzten Sommer zu den eigenen TV-Zeitschriften TV Star und TV Digital noch die Ringier-Titel Tele, TV2 und TV vier hinzukaufte, ging man in der Branche davon aus, dass mindestens ein Titel eingestellt würde. Doch davon hielt Jörg Tobuschat nichts. «Es wird kein Titel vom Markt genommen und es werden keine Titel zusammengelegt», sagte der neue Verlagsgeschäftsführer TV-Zeitschriften im Dezember.Nun kommt es am 5. Juni doch zu einem Umbau. Zwar stellt Tobuschat keinen Titel ein, aber er nimmt TV Digital vom Markt. Genauer: Das Heft mit einer unbeglaubigten Auflage von 15’000 Exemplaren kommt beim grossen Tele unter die Haube, heisst ab sofort Tele Digital und erscheint nun wöchentlich statt vierzehntäglich. Inhaltlich bleibt es auf das digitale TV-Angebot ausgerichtet, nur wird das Heft wesentlich schlanker: Pro Ausgabe zählt es künftig nur noch 40 statt 250 Seiten. Als Tele-Beilage verabschiedet es sich zudem vom Kiosk und ist nur noch zusammen mit dem Hauptheft im Abo beziehbar – zu einem Kombipreis von 199 Franken (Tele solo kostet 164 Franken).
Der Vertrieb des neuen Tele-Doppelpacks erfolgt zum Start auf drei Schienen: Zum einen erhalten alle Tele-Abonnenten auf Wunsch die neue Beilage probeweise während vier Wochen. Dann geht das Duo auch an alle bisherigen Abonnenten von TV Digital. Und schliesslich hofft man bei Axel Springer Schweiz dank einer Kooperation mit Cablecom für eine weitere Expansionsmöglichkeit: Denn der grösste Kabelnetzbetreiber verschickt 100’000 Tele-Exemplare samt Beilage an seine Digital-TV-Kunden und bietet ihnen das Kombi-Abo zudem für nur 169 Franken an. «Dort, wo das Angebot einschlägt, bezahlt Cablecom die Differenz von 30 Franken», sagt Tobuschat.
Nur ein PlatzhalterWarum aber muss sich TV Digital zu Tele Digital mausern? «TV Digital war zu deutsch», begründet Tobuschat den Wechsel. Tatsächlich waren Cover, Inhalt und Inserate mit jenen der gleichnamigen deutschen Schwester identisch, einzig der Programmteil war auf die Schweizer Verhältnisse zugeschnitten. In Deutschland ist TV Digital Springers Goldesel, in der Schweiz war es bestenfalls ein Platzhalter. Damit, so die Erkenntnis bei der Schweizer Filiale, würde das Heft hier zu Lande aber selbst im Zeitalter des digitalen Fernsehens nie reüssieren können.
Als Sparmassnahme mag Tobuschat den Umbau aber nicht gelten lassen. «Im Gegenteil, wir investieren in den Titel. Die redaktionellen Beiträge, der Programmteil, die Inserate – alles besorgen wir nun in der Schweiz», betont er. Axel Springer Schweiz tue dies «mit der Perspektive, dass aus Tele Digital einmal ein eigenständiger Titel wird.»
Vorerst dient die Beilage aber primär als Katalysator, um die Tele-Reichweite wieder etwas in die Höhe zu bringen. Umgekehrt ist aber völlig ungewiss, wie sich das Zusammengehen auf die Auflage von Tele Digital auswirken wird. Tobuschat rechnet denn auch vorsichtig mit vorerst 10’000 Exemplaren. Deshalb verlangt er für Inserate in Tele Digital noch nichts. «Diese Anzeigenseiten bieten wir guten Tele-Kunden als Supplement an», sagt er. Ab 2009 werde Tele Digital aber mit einem günstigen Preis im Markt auftreten.
Tele und TV Star neu positioniertDie Wandlung von TV Digital zu Tele Digital ist zwar die deutlichste, aber nicht die einzige derzeitige Veränderung bei den Springer-Programmies. Wie schon früher beschrieben hat der Verlag Tele und TV Star in den letzten Monaten inhaltlich neu positioniert. TV Star fokussiert weiter auf People und will in erster Linie Frauen ansprechen. Tele wurde dagegen zu einer eigentlichen Familienzeitschrift. Inhaltlich hat dort Platz, was das TV-Programm vorgibt – von Auto über Garten, Reisen oder Multimedia bis hin zu Anlagetipps. Beliefert werden beide Hefte – und auch TV vier und TV2 – von einer zentralen Redaktion unter der Gesamtverantwortung von Gion Stecher. Tele behält mit Urs Padel aber seinen Chefredaktor.
Die Neupositionierung insbesondere von Tele wurde offenbar auch von den Lesern goutiert. «Wir haben zwar noch keine neuen Abonnenten gewonnen, aber auch keine weiteren verloren», sagt Stecher, der dies nach der Reichweitenerosion der letzten Jahre als Erfolg wertet. Doch nun haben er und Padel bei Tele und TV Star bereits auch das Herzstück, den Programmteil, einer Reform unterzogen. Es wurde entschlackt und viel übersichtlicher gestaltet. Eine Reduktion ergibt sich auch bei den aufgeführten Sendern, doch die Liste umfasst immer noch mehr als 50. Und statt einer «Alibi-Kinderseite» erhalten die Programmhinweise neu eine Rubrik «Kinder-Tipp».
Die Änderungen hat die Redaktion von Lesern testen lassen. «Letztlich können wir das Rennen nur dank dem Programmteil gewinnen», so Stecher. Der Verlag setzt weiter auf Leser-Feedbacks. Dazu wurde ein Panel mit 800 Lesern gebildet, die alle sechs Wochen zu Inhalt, Layout und Werbung befragt werden.
Neu ist zudem, dass ab sofort auf den Seiten mit Programmhinweisen (nicht jedoch im Sender-Listing) Inserate in verschiedener Grösse bis hin zu einer 2/1-Seite geschaltet werden können. Auch das haben die beiden Titel nötig, denn bisher blieb die Kundennachfrage trotz Kombi-Angebot klar unter den Erwartungen. «Doch mit der Neuausrichtung, dank dem übersichtlicheren Programmteil, dem erweiterten Werbeangebot und einer für den kommenden Herbst geplanten Kampagne (siehe Kasten) sollte der Boden so weit vorbereitet sein, dass nächstes Jahr die Ernte um so reichhaltiger ausfallen wird», sagt Tobuschat.
Markus Knöpfli
TV2 wird teurerSeit Kurzem kostet
das vierzehntäglich erscheinende TV-Programmie TV2 am Kiosk nicht mehr drei, sondern neu vier Franken. Und das Abo wurde mit 89 Franken ebenfalls um 20 Franken teurer. Das hat gemäss Jörg Tobuschat zwei Gründe: Weil TV Digital verschwindet, ist nun TV2, das sowohl das analoge als auch das digitale TV-Programm auflistet, praktisch die einzige Alternative zum Kombi Tele/Tele Digital – und soll dieses nicht allzu günstig kanibalisieren. Zweitens machte Axel Springer Schweiz bei TV vier eine interessante Erfahrung: Als man dort Anfang Jahr den Einzelverkaufspreis um 15 Prozent und den Abo-Preis um 25 Prozent anhob, nahm die Nachfrage bei beiden Vertriebskanälen zu. (mk)Werbliche OffensiveSeit dem Namenswechsel
von TR7 zu TV Star vor drei Jahren unternahmen die Verlage Jean-Frey und Ringier punkto Werbung und Marketing fast nichts mehr für ihre TV-Zeitschriften. Das will Axel Springer Schweiz nun ändern. «Die Markenpflege wurde in den letzten Jahren stark vernachlässigt, wir müssen nun dringend wieder etwas dafür tun», sagt Jörg Tobuschat. Er plant deshalb per Ende Juni einen Pitch für eine Werbekampagne, die die Gattung TV-Zeitschriften im Allgemeinen sowie insbesondere Tele den jeweiligen Zielpublika näherbringen soll. Die Kampagne ist für den Herbst vorgesehen. (mk)