Direktmarketing Sony verknüpft mit E-Bridge das Mailing mit dem Internet.
Nach wie vor gilt der Werbebrief als erfolgreiches Medium, um neue Kunden zu gewinnen. Kein Wunder deshalb: In der Schweiz ist der klassische Werbebrief das am häufigsten eingesetzte Direkt-Werbemittel. Laut dem Dialogmarketing-Verband Schweiz fliesst jeder vierte Werbefranken in adressierte Mailings. Das bewährte Papierformat könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören, denn eine neue Generation von Briefpost hat den Sprung in die digitale Welt geschafft. Der Elektronikriese Sony DADC hat eine Technologie entwickelt, die das traditionelle Mailing mit dem Internet nahtlos verbindet und die «personalisierte Medienintegration» in die Realität umsetzt.
Hohe RücklaufquoteDie Rede ist von E-Bridge, einem neuen Trendmedium. Eigens produzierte CDs und seit kurzem sogar DVDs können an den Kunden gesandt werden, der diese auf dem PC abspielen kann. Auf dem Datenträger finden sich Inhalte, die das Unternehmen für den Kunden persönlich aufbereitet hat und eine Kontaktaufnahme ermöglicht. Der Ausarbeitung sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Die Vorteile sieht Sony DADC in einer besonders hohen Rücklaufquote und einer individuellen Kundenansprache.
Laut Christian Dankl, verantwortlich für E-Bridge bei Sony DADC, löse die Technologie ein Problem, mit welchem sich Werber immer stärker konfrontiert sehen: jenes der Reizüberflutung. Konnten im Jahre 1965 beispielsweise 80 Prozent der 18- bis 40-jährigen Männer mit drei Werbespots erreicht werden, braucht es heute 117 Spots, um das gleiche Ziel zu erreichen.
Die Frage nach der Werbeeffizienz ist heute aktueller denn je.
In jahrelanger Forschungsarbeit hat Sony ein Verfahren entwickelt, um CDs zu
individualisieren. Im Detail heisst das: Während der Produktion des Datenträgers wird jede Disc mit einer eigenen Serial-Nummer versehen. Legt der Empfänger dann die erhaltene CD ein, wird er persönlich begrüsst und es folgt ein auf den Empfänger abgestimmtes multimediales Erlebnis. Ein Klick und der Adressat wechselt nahtlos von der Offline- in die Online-Welt. So sind beispielsweise die Bestellformulare ausgefüllt, damit der angeschriebene Kunde nur einen Klick von der beworbenen Ware entfernt ist. Laut Eigenbeschreibung biete E-Bridge eine kostenoptimierte Möglichkeit, Verluste eines Medienwechsels von Offline- zu Online-Medien zu minimieren.
Automobilindustrie interessiertGrosse Nachfrage der Wunder-Disc besteht derzeit in der Automobilindustrie. Beispiel Audi. Anfang November letzten Jahres verschickte der deutsche Autohersteller an 12 000 Kunden solche CDs, auf welcher die Vorzüge des neuen Audi A4 multimedial vorgestellt wurden. Auch das italienische Automobilunternehmen Maserati setzte bei der Vorstellung des Gran Turismo Coupe auf ein solches CD-Mailing mit dem Argument, ein aussergewöhnliches Auto verlange nach einer aussergewöhnlichen Präsentation. 8000 ausgewählte Personen konnten mit nur einem Klick die virtuelle Tour mit dem Maserati starten. Und auch die japanische Automarke Lexus verschickte kürzlich ein solches multimediales Mailing, um das Modell IS250 zu bewerben. Ziel war eine hohe Generierung an Probefahrten.
Trotz des schwierigen Markenumfeldes können sich die Zugriffsstatistiken nach der Aktion sehen lassen. Lexus konnte doppelt so viele Testfahrten verbuchen im Vergleich zu traditionellen Mailings. Insgesamt verschickte der Autohersteller 25’000 personalisierte CDs. Die Response-Quote liegt bei 11 Prozent, wie aus einer Case-Studie zu lesen ist.
Wie Christian Dankl erklärt, funktioniere der Medienbruch für die Kunden vom Netz in die Offline- Welt ohne Schwierigkeiten. Der umgekehrte Weg sei aber oft blockiert. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, bevorzugen Kunden bei Response-Aktionen zum einen den Kanal des Kommunikationsanstosses. Zum anderen ist der generelle Medienwechsel von Off- zu Online bei vielen Konsumenten nicht sonderlich beliebt ist. Mit E-Bridge will Sony nun diese Hemmschwelle tiefer setzen, um so das Direktmarketing attraktiver zum machen.
Wie verschiedene Studien eindrücklich zeigen, weisen die CD-Mailings eine im Schnitt doppelt so grosse Response-Quote auf als klassische Print Mailings und E-Mail-Marketing-Aktionen. Nicht nur die Rücklaufrate spricht für die personalisierte Disc, auch die Image-Werte sprechen für das CD-Mailing. Wie eine Studie der Fachhochschule Salzburg aufzeigt, konnten sich nach zwei Monaten zwei Drittel der adressierten Kunden der Warenhauskette La Redoute an das Mailing erinnern.
Erfolg einfach messbarNeben der guten Kontaktqualität und des hohen Rücklaufes hat E-Bridge noch einen anderen Vorteil gegenüber dem klassischen Werbebrief. Die CD löst ein Problem der Messbarkeit. Traditionelle Mailings haben den Nachteil, dass die Werber immer sehr spät wissen, ob eine Aktion erfolgreich war oder nicht. Durch die Vernetzung mit dem Internet kann der Kampagnenmanager jeweils in Sekundenschnelle das User-Verhalten auf dem Datenträger oder auf der jeweiligen Landingpage analysieren. Auch können im Detail Verweildauer, Kaufabbruchraten und Nutzungsprofile unter die Lupe genommen werden.
Christian Lüscher
Google AdWords für den MittelstandAuch das Suchmaschinenunternehmen Google
setzt auf die noch junge Direktmarketingmethode E-Bridge. Um das AdWords-Programm, Googles wichtigste Einnahmequelle, bei Schweizer KMU bekannter zu machen, gab das Unternehmen kürzlich ein CD-Mailing in Auftrag. Der Brief beinhaltet nur eine CD. Legte der Empfänger den Datenträger ein, bekam dieser einen Grundkurs in Google AdWords vermittelt. Online-Werbung kann einfach sein. Google sponserte den Adressaten Guthaben zwischen 50 und 200 Euro, damit diese das Werbeprogramm gleich sofort testen konnten. Wie erfolgreich die Mailingaktion war, wollte Google auf Anfrage nicht sagen. Laut eines Sony-DADC- Mitarbeiters war die Response-Rate zwischen 10 und 16 Prozent. Nach einer erfolgreichen Aktion sind laut Sony DADC weitere Mailings für Google geplant.
Sonys CD-SchmiedeSony DADC ist führend
im Bereich optischer Speichermedien. Als Technologie- und Lösungsanbieter für die Unterhaltungs-, Werbe- und Informationsindustrie bietet Sony DADC Replikation (CD, DVD, UMD, Blu-ray) sowie Software-Services. Die Mehrheit des Umsatzes wird mit Produkten erzielt, die jünger als vier Jahre sind. Positive Schlagzeilen schrieb der Elektronikspezialist Anfang Jahr. Sony DADC investiert in den kommenden Monaten massiv in den Ausbau der österreichischen Werke in Thalgau und Anif. Das Unternehmen reagiert auf die wachsende Nachfrage nach der 50 Gigabyte Speicher umfassenden Blu-ray Disc auf dem Weltmarkt. Derzeit liegt der weltweite Bedarf an diesem noch relativ jungen Disc-Format bei 100 Millionen Stück pro Jahr. Die Nachfrage steigt aber rasant. Experten rechnen mit einer Verdoppelung innerhalb eines Jahres. Besonders die im Januar bekannt gewordene Entscheidung des US-Filmstudios Warner Bros., künftig seine Filme in hoher Auflösung nur mehr auf Blu-ray Disc zu produzieren, hat die Nachfrage angekurbelt. (cl)