Nach Jahren der Diskussion, ob Verleger und SRG an Bord des Presserats zu holen seien, ist nun die Entscheidung gefallen: Die Verlegerverbände Schweizer Presse / Presse Suisse und Stampa Svizzera und die SRG SSR idée suisse gehören ab dem 1. Juli 2008 zur Trägerschaft der Stiftung «Schweizer Presserat». Der Stiftungsrat hat der Erweiterung mit dem erforderlichen Zweidrittelmehr zugestimmt. Die Zusammensetzung des Presserats bleibt unverändert. Der Beitritt von Verlegern und der SRG zur Selbstkontrollinstanz für medienethische Fragen hatte in den vergangenen Jahren zum Teil zu heftigen Diskussionen innerhalb der bisherigen Trägerschaft geführt. Gewisse Stimmen aus den Journalistenorganisationen Impressum, SSM, der Chefredaktorenkonferenz und Comedia, die den Presserat bisher alleine getragen hatten, sahen in der Aufnahme der Verleger in den Rat die Gefahr einer Verwässerung von journalistischen Prinzipien. Andere sahen darin umgekehrt die Möglichkeit, die Verleger für diese Prinzipien in die Pflicht zu nehmen.
Den Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung mit der Forderung von verschiedener Seite und zuletzt von der Comedia, die Aufnahme von der Zustimmung der Verleger zu einem neuen Gesamtarbeitsvertrag abhängig zu machen. Die Verleger hatten den GAV 2004 gekündigt. Mit der nun erfolgten Einsitznahme sind diese Forderungen nicht verbunden, allerdings eine Anerkennung des berufsethischen Kodex, der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten». Deren umstrittene Punkte wurden durch gemeinsame Protokollerklärungen in einer für alle Beteiligten akzeptablen Weise interpretiert.
Die am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilungen sind klar gezeichnet von der GAV-Thematik. So schreibt das SSM, es erwarte von den Medienunternehmen ein klares Engagement für die ethischen Grundsätze im Journalismus. Deren Einhaltung hänge jedoch wesentlich von der Qualität der Arbeitsbedingungen ab. Deshalb erwarte das SSM, dass die Verleger der Deutschschweiz und des Tessins auch beim Gesamtarbeitsvertrag zu einer partnerschaftlichen Vereinbarung zurückkehrten.
Impressum schreibt in seiner Pressemitteilung mit dem Titel: «Der Presserat lebt, es lebe die Sozialpartnerschaft», man begrüsse die Verstärkung des Systems zur Durchsetzung der berufsethischen Pflichten und Rechte der Journalisten. Gleichzeitig hätten die Arbeitgeber den Anspruch der Medienschaffenden auf GAV-Verhandlungen und überindividuell geregelte Arbeitsbedingungen anerkannt. Impressum erwarte nun die Rückkehr an den formellen Verhandlungstisch.
Am verhaltensten äussert sich diesbezüglich der Verlegerverband. Er bekräftige mit seinem Beitritt die Bedeutung der Medienethik für die Glaubwürdigkeit des Journalismus. Der erfolgreiche Abschluss der Beitrittsverhandlungen sei zudem ein Bekenntnis für einen starken Presserat, der auch in Zukunft die Bedeutung von berufsethischen und medienethischen Haltungen in der Publizistik sichern werde.