Wer die Euro 2008 am Fernsehen verfolgt, sieht nicht alles: Die Bilderauswahl trifft der Europäische Fussballverband (Uefa) als Veranstalter gleich selber – und achtet darauf, dass keine ihm unliebsamen Szenen in die guten Stuben flimmern. So waren am Samstag jene Rauchpetarden, die kroatische Fans gezündet hatten, am Fernsehen nur etwa eine Sekunde im Hintergrund erkennbar. Rasch schwenkte die Kamera weg und zeigte Jubelbilder in einem anderen Bereich des Stadions. In der 67. Minute durchbrach auch noch ein kroatischer Fan die Sicherheitsabschrankungen, offensichtlich in der Absicht, auf das Spielfeld zu rennen. Am Fernsehen wurde später lediglich gezeigt, wie der Mann abgeführt wurde, wie die SDA meldet.
Massiver technischer Aufwand Die Auswahl der Bilder ist kein Zufall. Erstmals produziert die UEFA das internationale TV-Signal gleich selbst. Im Einsatz stehen 30 Kameras, ein Helikopter, sieben Super-Zeitlupen-Kameras und eine High-Speed-Kamera, die über 500 Bilder pro Sekunde aufnimmt.
Doch was gezeigt wird, unterliegt nicht unbedingt journalistischen Kritierien. Die zuständigen Leute vor Ort «entscheiden situationsbedingt», sagte Pascale Voegeli von der Euro 2008 SA gegenüber der SDA. Sie räumt aber ein, dass die Uefa kein Interesse daran hat, unschöne Vorfälle breit darzustellen. «Wenn sich ein paar Gestörte auf der Tribüne die Köpfe einschlagen, zeigen wir das sicher nicht.»
«Keine Plattform für Chaoten» Die Fernseh-Übertragung dürfe «keine Plattform für Chaoten» sein, sagt Voegeli und weist auch auf den Nachahmungseffekt hin: Bilder zum Beispiel von Flitzern könnten andere Besucher animieren, ebenfalls aufs Spielfeld zu rennen.
Die absolute Hoheit über das gesendete Material hat die Uefa allerdings nicht. Denn die nationalen Fernseh-Anstalten können eigene Kameras im Stadion positionieren und dementsprechend eigene Bilder in die Übertragung einspeisen. Ob sie ein Interesse haben, Bilder etwa von Gewalt oder Flitzern zu verbreiten, ist eine andere Frage.
«Klar ist, dass wir die Bilder in angemessenem Rahmen zeigen würden», erklärte SF-Pressechef Urs Durrer. «Wir wollen einerseits die Realität abbilden, anderseits achten wir darauf, einzelnen Störefrieden – und es sind ja immer einzelne – nicht die Plattform zu geben, die sie suchen.»
Alternativen im Netz Wer die ganze Wahrheit über die Spiele erfahren will, ist aufs Internet angewiesen. In Blogs und Foren wird alternatives Fotomaterial in Windeseile verbreitet.