SRG Die SRG-Tochter Swiss Txt drängt mit neuen Crossmedia-Dienstleistungen auf den Markt – dies nicht nur zur Freude der Privatwirtschaft.
Bereits seit rund zehn Jahren bietet die 97-prozentige SRG-Tochter Swiss Txt ihre Dienstleistungen im freien Markt an. Bis vor kurzem beschränkte sich das Angebot der Firma, die unter ihrem früheren Namen Schweizerische Teletext AG besser bekannt war, weitgehend auf den Content-Bereich mit News, Sportresultaten und Tabellen sowie auf den technischen Support. Fast still und heimlich trieb Swiss Txt jedoch in den letzten zwei Jahren auch Multimedia-Lösungen aktiv voran. Unterdessen positioniert sich das Unternehmen ganz offiziell sowohl als Multimedia-Kompetenzzentrum der SRG als auch als «Fullservice-Lösungsanbieterin für den freien Markt». «Swiss Txt vereint die multimedialen Plattformen Teletext, Internet und Mobile unter einem Dach und kann dadurch echte crossmediale Kommunikationslösungen anbieten», heisst es auf der Website. Und weiter: «Vom einfachen SMS-Game bis hin zum kompletten multimedialen Mobile- und Internet-Portal, von einzelnen Basis-Seiten im Teletext bis hin zu integralen Kommunikationskampagnen – Swiss Txt hat auch für Sie die passende Lösung.»
Umsatz unter ErwartungenUm diese Angebote unter die Kunden zu bringen, baute Swiss Txt per 2007 eine Verkaufsstruktur auf. Offenbar mit mässigem Erfolg: Der Umsatz der SRG-Tochter, deren Verwaltungsrat von SF-Direktorin Ingrid Deltenre und TSR-Direktor Gilles Marchand präsidiert wird, stieg 2007 um acht Prozent auf 22,9 Millionen Franken – und blieb damit gemäss SRG-Geschäftsbericht «unter den Erwartungen». Trotzdem will man die Geschäftsfelder Crossmedia Communication und Multimedia Solutions weiter ausbauen, um neue Kundensegmente zu erschliessen.
Damit dürfte die SRG-Tochter manchen grossen und kleinen Web-Agenturen ins Gärtlein treten. An den meisten Orten hat man jedoch den neuen Konkurrenten noch gar nicht wahrgenommen. Bramwell Kaltenrieder, Geschäftsleiter der Internetagentur Orange8, die vor zwei Monaten von Goldbach Media geschluckt wurde, will sich deshalb «nur grundsätzlich» äussern: Wenn staatliche und gebührenfinanzierte Unternehmen im freien Markt aktiv werden, stelle sich die Frage, ob sie auch die vollen Kosten für ihre gesamte Infrastruktur tragen müssten, sagt er. Im Fall von Swiss Txt hat Kaltenrieder keine konkreten Kenntnisse, doch er äussert Zweifel und verweist auf die «immensen Server», welche Swiss Txt betreibt und die von der SRG und damit mit Gebühren finanziert sein könnten. Kurz: Ihm fehle die Transparenz.
Allfällige Quersubventionierungen ermöglichten es Unternehmen wie Swiss Txt, ihren Kunden die günstigeren Konditionen anbieten zu können, was wiederum zu Wettbewerbsverzerrungen führe, bemängelt er. «Gegen neue Wettbewerber habe ich nichts, ich wünsche bloss gleich lange Spiesse», sagt Kaltenrieder.
Markus Gabriel, Gründer und Alleininhaber der Crossover-Agentur Angelink, stösst ins selbe Horn. Zusätzlich kritisiert er die zunehmende Vermischung von Medienanbieter, Vermarkter, Mediaplaner und Kreativdienstleister. Swiss Txt sei dafür nur das neuste Beispiel. Die PubliGroupe sei mit Web2com bereits vorangegangen, ebenso Goldbach mit Orange8. Gabriel bezeichnet dies als eine «Wildwestsituation». «Es gibt keine Rollenverteilung mehr, und wir sind nun zum Mitmachen gezwungen», kritisiert er. Swiss Txt als neuer Player bereite ihm hingegen keine Sorgen. Denn mit dem technischen Knowhow verfüge die Firma längst nicht über gestalterische, konzeptionelle oder gar crossmediale Erfahrung, sagt Gabriel.
Ansporn für KleineKleinere Web-Agenturen beurteilen die Angebote von Swiss Txt unterschiedlich. Thomas Schüpfer, Inhaber von 3w-publishing in Langenthal, begrüsst die neue Konkurrenz sogar, zumal Swiss Txt in einer ganz anderen Liga spiele. «Solche Firmen spornen uns an, noch innovativer zu werden», sagt er. Auch Roland Lutz, Inhaber der Agentur Yeah in Einsiedeln, wehrt sich nicht grundsätzlich gegen neue Konkurrenz. Dass jedoch ein «Staatsbetrieb» die Privatwirtschaft konkurrenziert, findet er «unnötig». Die Gefahr bestehe, «dass wir dann doppelt bezahlen» – als Gebührenzahler und als Kunden.
Markus Knöpfli
Nur bedingt mit Gebühren finanziertDie grundsätzliche Frage steht im Raum: Seit wann muss Swiss Txt für Kosten wie Infrastruktur, Personal, Aus- und Weiterbildung selbst aufkommen? «Swiss Txt ist seit ihrer Gründung im Jahre 1983 eigenständig und trägt alle Kosten, welche sich für eine Unternehmensführung ergeben, selbst», schreibt SRG-Sprecher Daniel Steiner dazu. Und weiter: «Im Grundsatz» sei die SRG-Tochter nicht gebührenfinanziert, erhalte aber für Untertitelungen für Hörbehinderte, die sie im Auftrag der SRG koordiniert und produziert, eine Pauschalentschädigung. Bisher erhielt sie ferner einen fixen Grundbeitrag der SRG für die Sicherstellung ihres Grundauftrages in der Westschweiz und im Tessin. Da aber alle Teletext-Redaktionen per 1. Juli 2008 zu den einzelnen SRG-Sendern dislozieren, entfalle dieser Betrag künftig. Von da an werde Swiss Txt über keine eigenen Redaktionen mehr verfügen, kümmere sich aber weiter um den technischen Betrieb sowie die Entwicklung und Vermarktung von Teletext. Zur Frage, welchen finanziellen Zustupf die SRG von ihrem Profitcenter Swiss Txt erwarte, gibt Steiner nur eine vage Antwort: «Swiss Txt leistet der SRG einen jährlichen Beitrag im Rahmen des Vermarktungsauftrages für den Teletext», schrieb er. (mk)