Am Werbefestival in Cannes beurteilte Danielle Lanz die Arbeiten in der Kategorie Promo. Sie gewährt der Werbewoche einen Blick hinter die Jury-Kulissen, spricht über aufwändige Einreichungen und eine bestechende Guerilla-Idee. «Ich habe sehr beeindruckende Arbeiten gesehen. Viele davon waren aber auch sehr aufwändig eingereicht», sagt Danielle Lanz von Ruf Lanz, die in Cannes in der Kategorie «Promo» jurierte. «Eine gute Idee alleine scheint nicht mehr auszureichen: Man erstellt am besten einen Dokumentarfilm, der die Entstehung der Idee und die Kampagne zeigt. So erhöht man die Chancen auf einen Löwen.» Danielle Lanz bedauert diese Entwicklung, auch wenn sie davon ausgeht, dass die Branchenfachleute in der Jury die Idee und nicht nur die Einreichung würdigen. Als Beispiel für eine herausragende Idee mit simpler Umsetzung nennt Lanz eine Arbeit der Münchner Serviceplan: «Die Agentur hat für das Reiseportal Expedia.com Schilder gestaltet und in einer Guerillakampagne genau an jenen Orten platziert, an denen für den Wetterkanal auf den Sendern BR, 3 Sat, SF und ORF gefilmt wird. Mitten in einem Schneefeld heisst es dann ‚Ab nach Mallorca’. Hier überzeugte die Idee, nicht bloss die Einreichung.»
Mit dem Niveau der Beiträge, die Danielle Lanz während drei Tagen juriert hat, zeigt sie sich im Allgemeinen zufrieden: «Wir haben sehr gute Sachen gesehen und eine ordentliche Menge an Preisen verteilt.» Auch aus der Schweiz kamen zwei Arbeiten in der Promo-Kategorie zu Löwen-Ehren, von Spillmann/Felser/Leo Burnett und Saatchi & Saatchi Simko.
Grandprix mit grossem Budget Löwenanwärter brauchen – neben der zunehmend wichtiger werdenden Präsentation – eine zwingende Idee und eine gute Umsetzung, wie Lanz erklärt: «Die Idee muss neu sein und verblüffen. Das ist absolut entscheidend.» Daneben haben es wie an den meisten internationalen Wettbewerben die grossen, bekannten Marken leichter: «Eine lokale, komplizierte Kampagne überzeugt die Juroren meistens nicht, weil sie den Kunden nicht kennen und die Arbeit deshalb nicht so schnell einordnen können.» Beeindruckend war für die Jurorin der Grand-Prix-Gewinner, eine Arbeit von BBDO New York für den Sender HBO: «Eine sehr eindrückliche Kampagne mit einem gigantischen Budget.»
Für Danielle Lanz ist Cannes auch ein persönlicher Gewinn: «Ich nehme sehr viele Inspirationen mit nach Hause. Unersetzlich ist auch der Austausch mit Top-Kreativen aus anderen Ländern. Cannes hat meine Batterien neu aufgeladen.»