Cannes: Publicis geht ein silberner Cyber-Löwe ins Netz

Publicis kann einen Silberlöwen mit nach Hause nehmen für jenes Youtube-Video über ein Cézanne-Bild, das Polizei und Medien narrte.

  Für die Cyber-Lions war Publicis als einzige Schweizer Agentur nominiert, und das gleich zwei Mal. Mit nach Hause nehmen kann die Agentur in dieser Kategorie einen Silberlöwen. Das Edelmetall gab es für die rund um ein Cézanne-Bild. Publicis hatte diese Aktion für die Art Poster Gallery realisiert. Die Cyber-Jury verteilte gleich drei Grand Prix. Die geteilte Ehre geht an Projector in Tokyo für
, an Mediafront in Oslo für   und an 42 Entertainment im kalifornischen Pasadena für Year Zero
.

Wildes Winterthur

Mode Transa ist die führende Anbieterin von Travel- und Outdoor-Equipment in der Schweiz. Für die Ladeneröffnung in Winterthur liess Agentur + Söhne drei Leute in der Stadt campieren.

 
Mode Transa ist die führende Anbieterin von Travel- und Outdoor-Equipment in der Schweiz. Befindet man sich in einem Transa-Laden, fühlt man sich der Wildnis bereits sehr nah und bekommt Lust, in neue Gebiete aufzubrechen. «Transa bringt also ein Stück Wildnis in die Stadt», meinten die Kreativen bei der Agentur + Söhne in Winterthur und gestalteten rund um diese Idee eine entsprechend wilde Guerilla-Aktion. Diese stellte Winterthurer Bauten wie Busbahnhof und Stadthaus in der Wildnis dar. Um die Eröffnung verstärkt zu bewerben, Liessen + Söhne am frühen Morgen des Eröffnungstages drei Personen auf einem Rasenteppich direkt vor dem Busbahnhof in Winterthur campieren und kochten vor ihrem Zelt Kaffee. Auch Radio Top war vor Ort und konnte die Camper interviewen.

In-Game-Werbung steigert Markenbekanntheit

Laut einer Studie von Nielsen Bases und Nielsen Games empfinden die meisten Nutzer ein Computerspiel mit Werbeeinblendungen genauso unterhaltsam wie ohne.

 Im Auftrag von IGA Worldwide befragte Nielsen Bases und Nielsen Games 1300 Nutzer von PC-Spielen für die Studie «Consumers’ Experience with In-Game-Content & Brand Impact of In-Game-Advertising». Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt die positive Reaktion von Spielern auf Werbung in Videospielen: 82 Prozent empfinden ein Spiel mit Werbeeinblendungen genauso unterhaltsam wie ohne. Ausserdem stieg die positive Wahrnehmung aller im Spiel beworbener Produkte im Schnitt um 61 Prozent.

Cannes: Walker holt Silberlöwen für Design

Die Zürcher Kreativschmiede Walker holte in der neu geschaffenen Kategorie Design einen Silberlöwen für den Fleurop-Geschäftsbericht. Den Grand Prix gab es für Coca Cola Identity.

 In der neu geschaffenen Cannes-Kategorie Design war mit Walker Werbung gerade mal eine Schweizer Agentur auf der Shortlist. Und die Zürcher Kreativschmiede sackt nun auch einen Löwen ein: Die Jury verteilte Silber für den Fleurop-Geschäftsbericht. Eine Top-Marke holte sich den Design-Grand Prix: Turner Durckworth London & San Francisco wurde für die Coca Cola Identity ausgezeichnet.

TCS sieht von Anzeige gegen Girod ab

Der Touring Club Schweiz (TCS) zieht das von ihm angestrebte Strafverfahren gegen den grünen Zürcher Nationalrat Bastien Girod zurück. Man wolle der so genannten «Stopp-Offroader-Initiative» der jungen Grünen keine Plattform bieten, sagte ein Sprecher.

Der Touring Club Schweiz (TCS) zieht das von ihm angestrebte Strafverfahren gegen den grünen Zürcher Nationalrat Bastien Girod zurück. Ein Sprecher des TCS bestätigte eine Meldung der Neuen Zürcher Zeitung. Man wolle der so genannten «Stopp-Offroader-Initiative» der jungen Grünen keine Plattform bieten, sagte TCS-Sprecher Stephan Müller der SDA. Der TCS hatte Girod vorgeworfen, mit einer Kampagne Urheberrechte verletzt zu haben. Die Kampagne parodiert eine Reklame-Serie des TCS von 2004 und 2005, in der junge Menschen mit hochgekrempelten Ärmeln und dem TCS-Logo auf dem rechten Oberarm auf Plakaten posieren. Girod hatte sich in ähnlicher Pose, aber mit einem durchgestrichenen Offroader auf dem Oberarm, abbilden lassen (siehe
). Der TCS begann deshalb einen Rechtsstreit, der mehrere Instanzen beschäftigte. Zuletzt ersuchte der Zürcher Staatsanwalt um die Aufhebung der parlamentarischen Immunität Girods. Der Jungpolitiker bat den TCS darauf, die Anzeige zurückzuziehen, was nun erfolgen soll.

«Noch mehr sparen»

Journalismus Hans Leyendecker, einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands und zweiter Vorsitzender des Vereins Netzwerk Recherche, sorgt sich im Interview mit der Werbewoche um die Qualität des Journalismus.

 
Journalismus Hans Leyendecker, einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands, Autor zahlreicher Bücher und zweiter Vorsitzender des Vereins Netzwerk Recherche, welcher soeben die Jahrestagung in Hamburg abhielt, sorgt sich im Interview mit der Werbewoche um die Qualität des Journalismus. 
WW: Herr Leyendecker, wie steht es um die Qualität der journalistischen Medien?Hans Leyendecker:
Ich glaube, dass sich in Zukunft Zeitungen, aber auch Fernsehen durch Qualität auf dem Mark behaupten müssen. Jedes Medium muss eine bestimmte Qualität haben. Auch wenn eine Regionalzeitung eine andere Kompetenz hat als eine internationale Zeitung, so gilt das für alle. Wenn sie keine Recherche machen oder sie vernachlässigen, dann widersprechen sie der Qualität und werden dadurch angreifbarer auf dem Markt.Wenn Sie die Medien beobachten, könnte es sein, dass guter Journalismus mittlerweile ein Luxus ist?Es kommt darauf an, ob man vom Berg oder vom Tal auf die Welt blickt. Es gibt guten Journalismus in unterschiedlichen Medien, und es gibt sehr schlechten Journalismus. Die ökonomische Krise führt dazu, dass die Redaktionen weiter ausdünnen und sich gleichzeitig die Abhängigkeit von den Anzeigengebern verstärkt hat. Darin liegt das Dilemma.
Wenn für Recherchen kein Geld zur Verfügung steht, wie kann man sich dann überhaupt noch Themen vertieft widmen? Ich denke zum Beispiel an die Telekom-Abhöraffäre.Die Abhörfälle sind ja bloss im Umriss sichtbar. Doch es ist nicht genau zu erkennen, was wirklich war. Weil eine Staatsanwaltschaft ermittelt, ist es natürlich für Journalisten nicht leichter geworden, denn jeder beruft sich auf das Ermittlungsverfahren. Ich glaube, dass niemand den langen Atem haben wird, sich das bis zum letzten Grashalm anzuschauen. Es wäre wichtig zu untersuchen, wie gross die Umrisse dieser Affäre wirklich sind und ob vielleicht am Anfang nicht übertrieben worden ist.
Wie verändert sich journalistisches Arbeiten unter dem erwähnten Spardruck? Hält der Schmalspurjournalismus, der sogenannte Lean-Journalism, bald überall Einzug?Es wird noch mehr gespart werden. Die Zeitungen werden weitere Krisen erleben. Man sieht ja, wie die Anzeigen zurückgehen, wie Stellenanzeigen, Kleinanzeigen, Immobilienanzeigen alle ins Internet abwandern. Das wird dazu führen, dass einzelne Verlage aufgeben werden. Sie werden noch mehr Outsourcing betreiben und versuchen, den Journalismus noch billiger zu machen. Das ist allerdings sehr riskant, wie  sich ja in Amerika zeigt. Wer das macht, läuft Gefahr, seinen Ruf zu verlieren. Denn wer seine Qualität nicht hält, für den bedeutet das den Totalverlust.
In Amerika versucht man, sich investigativen Journalismus von privaten Geldgebern sponsern zu lassen. Was kommt da noch auf Deutschland zu?Die Deutschen haben ein anderes Verhältnis zu Sponsoren und zu Stiftungen als die Amerikaner. Ich glaube eher, dass bei uns jeder in seinem Bereich etwas zu etablieren versucht, was ihm bessere Erfolgsaussichten im Markt bringt. Das zeigt sich daran, dass jene, die sich das leisten können, wie zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Sender oder auch einzelne Zeitungen, dass diese redaktionelle Recherche-Teams bilden. Die können sich eher einen Überblick über die unterschiedlichen Themen und Entwicklungen verschaffen.
Welche Beispiele fallen Ihnen konkret dazu ein?Gut macht das derzeit der Spiegel. Da bringt man exzellente Schreiber mit den Rechercheuren zusammen und bildet kleine Gruppen. Darin liegt eine grosse Chance. Auch das ZDF plant, in News-Desks Informationen von Recherchegruppen bearbeiten zu lassen.
Wie macht man das bei der Süddeutschen Zeitung?Wir machen das derzeit auch so. Wir bilden Teams aus unterschiedlichen Bereichen mit gemeinsamem  Wissensstand. Und dann schreibt einer aus einem beispielsweise Dreier-Team die Geschichte.
Wie schätzen Sie die Bedeutung von Online ein und welche Rolle spielen dabei die Redakteure?Online hat eine grosse Zukunft, das sagt jeder. Aber wenn ich mir die Realität anschaue, dann müssen die Autoren dort gleichzeitig drei Jobs nebeneinander bewältigen. Das heisst: Zwischen dem Bekenntnis der Verlage und dem Internet gibt es grosse Differenzen. Die Bedeutung, die die Verlage Online zumessen, widerspiegelt sich nicht in der Behandlung der Redaktion.  
Wie lassen sich gut recherchierte Geschichten in Zukunft noch finanzieren?Ich bin gegen jede Form von Unterstützung, die staatlich finanziert ist. Ich glaube, dass Verlage und Sender ihre Kompetenzen wirklich erkennen und die Finanzierung selber in die Hand nehmen müssen.
Wie passen guter Journalismus und  Marktwirtschaft zusammen, auch unter ethischen Überlegungen?Das ist kein Widerspruch. Ethik und Marktwirtschaft bedingen einander sogar. Marktwirtschaft bedeutet nicht Krieg. Marktwirtschaft bedeutet, dass man Bedingungen schafft, unter denen Leute etwas Gemeinsames tragen können. Starke Schultern tragen eben mehr. Ohne Ethik ist Marktwirtschaft nichts. Wir erleben das ja auch besonders in ökonomischen Krisen. Ein Unternehmen, das auf Ethik verzichtet, läuft Gefahr, viel mehr zu verlieren.
Wo steht der Journalismus in fünf Jahren?In solch langen Schritten kann man nicht mehr denken. Verschärft sich die Anzeigenkrise oder kommt sie wieder zum Stillstand? Wir wissen nicht, was nächstes Jahr sein wird.
Was würden Sie sich wünschen, damit journalistische Qualität erhalten bleibt? Ich würde mir im Bereich der Reportage wünschen, dass die Rechercheleute noch mehr sehen und ihnen bewusst wird, wie bedeutsam Recherchen sind. Reportagen werden oft als Schönschreiberei abgetan. Das war schon immer falsch. Für jedes Feld wünsche ich mit eine kritische Einstellung: Für den Sportjournalismus eine kritischere. Für den Wirtschaftsjournalismus weniger Abhängigkeit – am liebsten gar keine. Für das Feuilleton, es möge sich nicht in modische Geschichten verrennen. Und für den politischen Journalismus, er solle sich nicht von den Mächtigen einspannen lassen.
Interview: Tanja C. Schuler

Flugs ins Hotel

Hotels Matter & Gretener positioniert das neue Radisson SAS im Flughafen Zürich als ein Hotel für höchste Ansprüche.

 
Hotels Matter & Gretener positioniert das neue Radisson SAS im Flughafen Zürich als ein Hotel für höchste Ansprüche. 
«Endlich ein Hotel, das den höchsten Ansprüchen genügt: Ihren.» Diese Headline auf einem Plakat ist gleichzeitig Programm für die Kampagne von Matter & Gretener. Die Zürcher Agentur hat das Budget für das neue Radisson-SAS-Hotel vor drei Monaten in einem Pitch gewonnen. Die vorliegende Pre-Opening-Kampagne bildet die erste Arbeit. Weitere werden folgen, wenn das noch im Bau stehende Nobelhaus in den kommenden Monaten eröffnet wird. Das neue Radisson SAS wird das erste Hotel in Zürich sein, das zu Fuss vom Flughafen aus erreichbar ist. Matteo-Thun-Design, 2000 m2 Konferenzbereich, eine einzigartige Lage direkt bei den Terminals – das neue Radisson SAS im Flughafen Zürich mit vielen Vorzügen. Diese bringt die Eröffnungskampagne von Matter & Gretener auf den Punkt. Die Ideen wurden innerhalb des CI/CD der Radisson-SAS-Gruppe entwickelt und sind vor allem im Flughafen Zürich zu sehen. «Hier wollen wir die ankommenden Gäste und Geschäftsleute ansprechen, deshalb sind die Headlines englisch», erklärt Texter Dominik Imseng. In der Stadt Zürich werden später auch deutschsprachige Plakate zu sehen sein, um die lokalen Organisatoren von Kongressen zu erreichen.
Für die Gestaltung musste sich Matter & Gretener vor allem an die vorgegebenen Schriften der weltweit aktiven Hotelkette halten. Die Texte und Bilder konnten von der Agentur jedoch eigenständig und kreativ für die Schweiz entwickelt werden.
Andreas Panzeri

Meister im Gesundbeten

Kolumne Die Schweiz, das Land der «ehrenvollen Niederlagen». Wir haben eine unnachahmliche Begabung, Dinge zu ignorieren oder offensichtliche Schwächen schönzureden, bis sie sich nicht mehr verleugnen lassen.

 
Kolumne Die Schweiz, das Land der «ehrenvollen Niederlagen». Wir haben eine unnachahmliche Begabung, Dinge zu ignorieren oder offensichtliche Schwächen schönzureden, bis sie sich nicht mehr verleugnen lassen. 
Sogar die grössten Bewunderer von Roger Federer, dem besten Botschafter der Marke Schweiz, den die jüngste Geschichte kennt, nahmen mit Erstaunen zur Kenntnis, dass die geniale Nummer eins des Welttennis nach der vernichtenden Niederlage gegen den «Roi soleil de la terre battue», Raphael Nadal, sich damit zufrieden gab, immerhin den Final in Paris erreicht zu haben. Mats Wilander, kompetenter Kommentator und bisher nicht als Kritiker von Federer aufgefallen, war sichtlich irritiert, dass der Champion sich in die Niederlage geschickt und kaum Kampfeswillen gezeigt hatte. Das stehe einer Nummer eins und dem vielleicht grössten Spieler der Geschichte schlecht an, meinte er nach dem ernüchternden 0:6 im letzten Satz.Mangelnde Kampfeslust kann man unserer Fussballnationalmannschaft nicht vorwerfen. Gefightet haben sie wie einst die Eidgenossen bei der Schlacht von St. Jakob, dennoch gingen auch sie als Verlierer gegen die Tschechen und gegen die Türkei vom Platz und schieden schon in der Vorrunde des Heimturniers aus. «Wie ungerecht Fussball doch sein kann», beklagten die Medien und Experten  das fehlende Schlachtenglück unserer Fussball-Matadore. Mitleidlos war dagegen Berti Vogts, der süffisant anmerkte, «wer kein Tor schiesst, kann auch kein Spiel gewinnen». Und der Spiegel doppelte nach, Ottmar Hitzfeld, der ans Siegen gewöhnte Nachfolger von Köbi Kuhn, müsse nun eben die Schweiz von ihrer «unerklärlichen Neigung zur Niederlage befreien».
Noch zwei Tage vor dem endgültigen Aus hatte der Blick tapfer und trotzig die Schlagzeile ausgepackt, «10 Gründe, warum wir trotzdem Europameister werden». Am Abend des 11. Juni war auch diese beschwörende Schönrederei zur Makulatur geworden.
Als müssten wir dem permanenten Vorurteil Paroli bieten, wir seien professionelle Miesepeter, profilieren wir uns zusehends als Europameister im Gesundbeten. Dass uns das manchmal nicht gut tut, hatte die UBS erfahren müssen, als sie die unselige Affäre Meili um die nachrichtenlosen Vermögen nicht als das erkannte, was sie schon damals war: Der Versuch des US-Finanzplatzes, die Schweiz, einer ihrer stärksten Konkurrenten, in die Ecke zu drängen. Beschwichtigen und ignorieren war schon damals die hilflose Reaktion, die mit einem noch heute spürbaren Image-Schaden für die Schweiz und mit horrenden Kosten für die betroffene Bank endete.
Die Geschichte wiederholt sich. Ein möglicherweise fehlbarer UBS-Banker in den USA wird wieder einmal als Hebel benutzt, um dem Bankkundengeheimnis an den Kragen zu gehen. Und wie reagieren die offiziellen Sprecher des Bankenplatzes? Der Ball wird flachgehalten und die bestehende Gefahr kleingeredet. Wie damals will man keinen generellen Angriff auf den Schweizer Bankenplatz erkennen, was besonders irritierend ist, weil nun schon seit Monaten auch die EU Druck auf die Schweiz ausübt, um die verschwiegene Bank Schweiz zu knacken und möglichst viel von dem in der Schweiz verwalteten Geld wieder in die eigenen Kassen zu leiten. Lieber duckt man sich weg und hofft, dass sich das Ungemach irgendwie selber erledigt.
Nichts gegen eine positive Attitüde und selbstverständlich sind permanente Panikattacken weder hilfreich, noch dienen sie zur Lösung tatsächlicher Probleme. Aber die immer offensichtlichere Tendenz, Schwächen nicht anzuerkennen und die wirklich vorhandenen Herausforderungen beim Namen zu nennen, stimmt nachdenklich. Unser Hang zur Genügsamkeit und Leisetreterei mag in der historischen Erfahrung wurzeln, dass die Schweiz durch geschicktes Lavieren und durch geduldiges Aussitzen tatsächlich unbeschadet durch manche Krisen gekommen ist. Vor der Globalisierung kann sich aber am Ende des Tages niemand verstecken. Neue, selbstbewusste Nationen sind auf den Plan getreten, die von einer Sonderrolle der Schweiz nichts wissen wollen oder noch nie davon gehört haben. Das insulare Abseitsstehen wird zunehmend zur insularen Abseitsfalle.
Es ist eine wahre Freude, an internationalen Zusammenkünften junge, offene und abenteuerlustige Menschen aus jenen aufstrebenden Ländern zu treffen, die nicht bereit sind, «ehrenvolle Niederlagen» zu akzeptieren. Ein Satz wie ihn Köbi Kuhn nach dem frühen Ausscheiden der Schweiz formuliert hatte, man habe «nahe am Maximum» gespielt, würde ihrer optimistischen Winner-Mentalität völlig widersprechen.
Wir haben dagegen gelernt, auch unsere Verlierer hochleben zu lassen. Fröhlich feierten Tausende von Anhängern unsere helvetischen Fussballer, als sie nach den zwei Niederlagen wieder zum Aufgalopp auf dem Trainingsplatz erschienen. Und ausgelassener Jubel begleitete Köbi und seine Mannen, als sie nach der Kehraus-Partie gegen Portugal endgültig den Platz verliessen. Man hätte meinen können, sie hätten sich gerade die Qualifikation für die Viertelfinals gesichert. Niemand würde bestreiten, dass dies Balsam ist für die empfindliche Volksseele eines durch und durch psychotherapierten Landes. Aber auch ehrenvolle Niederlagen bleiben solche und kein Gesundbeten macht einen Sieg daraus.
Wir können es uns langfristig aber gar nicht leisten, das Mittelmass als Messlatte zu akzeptieren. Wir leben von unseren Talenten, unserem unbedingten Siegeswillen und unserer Überzeugung, dass die Überschaubarkeit der Schweiz nicht zur Kontemplation und Selbstgenügsamkeit einladen sollte. Wie in einem Labor müssen wir die richtige Medizin finden, die Sieger produziert und nicht das Verlieren angenehm macht. Gesundbeten jedenfalls wird uns nie auf das oberste Treppchen eines Wettbewerbes bringen, sondern uns höchstens einen Platz im Museum der verpassten Chancen sichern.
Oder wie Captain Alex Frei es treffend in seinem Interview mit der SonntagsZeitung formulierte: «Wir Schweizer müssen unbedingt lernen, nicht zu verlieren.»
 Kaspar Loeb ist CEO der Schweizer Werbeagentur Saatchi & Saatchi Simko

Form vor Inhalt

Awards Im Kampf um die Löwen von Cannes wird zunehmend wichtiger, wie sich die Eingabe der Projekte präsentiert.

Awards In Cannes wird zunehmend wichtiger, wie sich eine Eingabe präsentiert.Das 55. Werbefestival in Cannes ist in vollem Gange. Rund 190 Juroren und Jurorinnen trennen die Spreu vom Weizen und entscheiden, wer einen der begehrten Löwen heimbringen darf. Für die Schweiz waren Danielle Lanz, Christof Kaufmann und René Eugster als Jurymitglieder im Einsatz. Alle drei bestätigen, dass sich ein Trend fortsetzt: Die Präsentation der eingereichten Arbeiten wird immer wichtiger. «Eine gute Idee alleine scheint nicht mehr auszureichen: Man erstellt am besten einen Dokumentarfilm, der die Entstehung der Idee und die Kampagne zeigt. So erhöht man die Chancen auf einen Löwen», sagt Danielle Lanz von Ruf Lanz, die in Cannes in der Kategorie «Promo» jurierte. Sie bedauert diese Entwicklung, auch wenn sie davon ausgeht, dass die Branchenfachleute in der Jury die Idee und nicht nur die Einreichung würdigen. Christof Kaufmann bestätigt die Wichtigkeit der Präsentation. «Eine Eingabe ohne Film hatte fast keine Chance. Und die Filme müssen der Jury binnen 10 Sekunden zeigen, um was es geht», sagt der CEO von OMD Schweiz, der in der Kategorie «Media» richtete. Kaufmann bedauert, dass bei manchen Schweizer Arbeiten die Präsentation nicht genügend ausgeklügelt war und damit Chancen vergeben wurden.
Dass die Schweizer bei den Einreichungen noch zulegen müssen, findet auch René Eugster. Der Gründer der Agentur am Flughafen beurteilte die Eingaben in der Kategorie «Direct»: «Wie eine Arbeit eingereicht wird, macht wahnsinnig viel aus. Da kann der Jurypräsident noch lange betonen, dass man sich vom aufwändigen Einreichungsvideo nicht beeindrucken lassen soll – irgendwo wirkt sich die Präsentation doch aus.» Sich bei der Einreichung ins beste Licht zu rücken, entspreche aber vielleicht nicht dem Schweizer Understatement. Daneben sei es gerade für die kleinen Agenturen auch eine Budgetfrage: «Wir haben nicht die Mittel, um einen kinoreifen Film für die Einreichung zu machen, das geht einfach nicht.»
Doch im Wald der Hochglanzeinreichungen sahen die Juroren die Bäume der guten Ideen. «Das Niveau ist sehr breit gefächert», sagt Eugster. «Mir sind unheimlich schöne Arbeiten begegnet. Daneben gab es solche, die bei uns gar nicht eingereicht würden, weil sie keinen Stich haben.» Vielleicht sollten die Schweizer bei der Eingabe weniger zurückhaltend sein, findet Christof Kaufmann. Ausschlaggebend, um Edelmetall zu verteilen, war die kreative Leistung: «Die Idee muss neu sein und verblüffen», erklärt Danielle Lanz. Die «Big Ideas» sind es denn auch, die den ungebrochenen Reiz von Cannes ausmachen. «Es ist sehr bereichernd, an der Weltmeisterschaft meiner Tätigkeit dabei zu sein», so Christof Kaufmann. Erfreulich findet er ausserdem, dass auch grosse Namen wie Procter & Gamble oder Unilever mit zahlreichen Arbeiten dabei waren: «Es sind nicht nur die gemeinnützigen Organisationen, die mit kreativer Werbung auftrumpfen. Das macht Mut für die Zukunft.»
 
Carole Scheidegger
 

Promis werben für TeleZüri

Fernsehen Die Agentur Hochspannung zeigt in einer Image-Kampagne, wer TeleZüri politisch und moralisch unterstützen will. Dabei sind nicht nur die üblichen Verdächtigen.

 
Fernsehen Die Agentur Hochspannung zeigt in einer Image-Kampagne, wer TeleZüri politisch und moralisch unterstützen will. 
«Wenn es nach Franco Knie geht, hat das erfolgreichste Schweizer Privatfernsehen definitiv eine Konzession verdient.» Mit dieser Botschaft startete TeleZüri in diesen Tagen eine Imagekampagne. Diese will die Bevölkerung auf den im Herbst anstehenden Konzessionsentscheid des Bundesrates aufmerksam machen. TeleTop oder TeleZüri? Das ist die in den Medien schon lange heiss diskutierte Weichenstellung. Die Meinung bei einem grossen Teil der Bevölkerung in Zürich und auch im weiteren Umfeld: Tele Züri soll als nicht mehr wegzudenkendes Privatfernsehen in der grössten Stadt der Schweiz sowie in der Region positioniert werden.Die Kampagne zur Unterstützung dieser Konzession wurde von der Zürcher Werbeagentur Hochspannung entworfen und umgesetzt. CD sind Matthew Katumba und Alex Taiganidis. Tom Haller hat dazu Persönlichkeiten fotografiert, die schon länger in einer engen Beziehung mit dem Programm von TeleZüri stehen.
Die Sujets zeigen diese prominenten Zürcher, wie sie für das Privatfernsehen nun quasi mit ihrer persönlichen Unterschrift einstehen. Mit Franco Knie, Pfarrer Ernst Sieber, Mathias Seger von den ZSC Lions und Hannu Tihinen vom FCZ konnten erfolgreiche «Zürcher» gewonnen werden, die ganz im Stil der VJ von TeleZüri vor der Kamera stehen und das Privatfernsehen unterstützen – natürlich mit der jeweils passenden Headline: «Für TeleZüri us em Chreis Cheib: …» Weitere Sujets mit prominenten Zürcherinnen und Zürchern sind in Planung.
Neben Inseraten werden ab Mitte Juni auch Plakate in und um  Zürich zu sehen sein. Abgerundet wird die Image-Kampagne natürlich mediengerecht mit einem TV-Spot.
Andreas Panzeri

SF info bald über DVB-T empfangbar

Die SRG darf den Mittelwellen-Sender Monte Ceneri Ende Juni abschalten und das TV-Programm SF info über das digitale Sendernetz (DVB-T) ausstrahlen. Der Bundesrat hat dafür am Mittwoch die erst ein halbes Jahr alte SRG-Konzession erstmals revidiert.

 Die SRG darf den Mittelwellen-Sender Monte Ceneri Ende Juni abschalten und das TV-Programm SF info über das digitale Sendernetz (DVB-T) ausstrahlen. Der Bundesrat hat dafür am Mittwoch die erst ein halbes Jahr alte SRG-Konzession erstmals revidiert. Die Abschaltung des Senders auf dem Monte Ceneri werde den Radioempfang in der Südschweiz nicht verschlechtert, hält das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) fest. Der Sender strahlt derzeit noch den Tessiner SRG-Kanal Rete1 auf Mittelwelle aus. Dieses Programm kann aber auch über UKW und über das digitale Sendernetz T-DAB empfangen werden.
Die zweite Änderung betrifft die deutschsprachige Schweiz: Die SRG wird dort nun neben SF1, SF2, TSR1 und TSI1 auch SF info via Dach- oder Zimmerantenne anbieten. Damit habe der Bundesrat der Tatsache Rechnung getragen, dass dank besserer Technologie ein fünftes TV-Programm auf das digitale Sendernetz DVB-T aufgeschaltet werden könne, heisst es in der Mitteilung.

Leit-Debatte

Journalismus Wer ist heute Leitmedium? An der Jahrestagung von Netzwerk Recherche blieben schlüssige Antworten aus.

 
Journalismus Wer ist heute Leitmedium? An der Jahrestagung von Netzwerk Recherche blieben schlüssige Antworten aus.
Vergangenes Wochenende stand die Jahrestagung des Vereins Netzwerk Recherche in Hamburg im Zeichen des Enthüllungsjournalismus. Neben Workshops und Diskussionsforen in den Räumlichkeiten des Norddeutschen Rundfunks waren zwei Themen dominierend: Die Online-Verweildauer bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und – unter dem noch frischen Eindruck der Bespitzelungsaffäre bei der deutschen Telekom – wie man richtig den Journalisten hinterherschnüffelt beziehungsweise wie sich dabei der Bundesnachrichtendienst am besten austricksen lässt.Unter anderem wurde auch versucht, dem Oberthema «Leitmedium» und der Frage, welches denn dieses heutzutage sei, auf die Spur zu kommen. Doch keiner der Medienvertreter auf dem Podium wusste so recht, was mit dem Begriff anzufangen wäre. Spiegel online als Beispiel für den erfolgreichen Online-Auftritt schlechthin war schnell erwähnt. Dann ging es wieder in die praktische Offensive rund um das andere Thema, das derzeit Deutschlands Medienseiten dominiert: der Schlagabtausch zwischen den Verlagshäusern und den Staatssendern ARD und ZDF und wer schliesslich mit wem ins Netz gehen darf.
Als «weltfremd» bezeichnete ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die Erlaubnis, nach der die Öffentlich-Rechtlichen eine Sendung bereits sieben Tage nach der Ausstrahlung wieder aus ihren Online-Mediatheken entfernen sollen. «Doping in China ist doch nach mehreren Wochen noch lesenswert», konterte Brender.
Neben den trockenen Informationen brauche man auf der Website auch bewegte Bilder, sagte Hans-Werner Kilz, der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Das Münchner Leitblatt plane deshalb, mit dem ZDF im Internet zu kooperieren, um zu den gewünschten Filmbeiträgen zu kommen. «Die Zeitungen haben nicht die Milliarden, um so ins Internet zu investieren», so Kilz.
«Wir stehen für die Information, während die anderen für die Unterhaltung sorgen», bemerkte Thomas Hinrichs von den «Tagesthemen». Und dann näherte sich die Runde doch wieder der ursprünglichen Fragestellung: Das Thema Leitmedium werde nicht bipolar, sondern eher multipolar im Netz beziehungsweise im Qualitätsnetz diskutiert werden, meinte ZDF-Chef Brender. Er fasste noch nach der Definition eines Leitmediums und beliess es dann dabei, dass ein Leitmedium vor allem auszeichne, dass es die Stimmung der Gesellschaft widerspiegle.
Wo früher die Bild-Zeitung als Leitmedium galt, so ist sie heute von Spiegel online abgelöst worden. Das Hamburger Internetportal verzeichnet die meisten Zugriffe. Brender möchte mit seinem ZDF zwar nicht Leitmedium sein, aber er will ebenfalls seinen Platz und sozusagen mit ins Netz. Kilz blieb in der Runde bei seiner Meinung, das Internet sei sehr wohl ein bedeutendes Medium, aber die Tageszeitungen würden deshalb nicht sterben. «Wobei die SZ vermutlich irgendwann von Google oder Yahoo aufgekauft wird», frozzelte Nikolaus Fest von der Bild-Zeitung. «In zehn Jahren werden wir uns dann vielleicht über eine Leitdebatte zusammenfinden», meinte Brender schliesslich in der Schlussrunde und brachte damit die mäandrierende Diskussion auf den Punkt.
Tanja C. Schuler, Hamburg
Netzwerk RechercheDer Verein Netzwerk Recherche wurde 2001 gegründet
und ist ein Interessenverband investigativ arbeitender Journalisten in Deutschland unter dem Vorsitz des Journalisten und Politikwissenschaftlers Thomas Leif. Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender ist der Journalist Hans Leyendecker (siehe Interview). Der Verein will eine Lobby
für den in Deutschland vernachlässigten investigativen Journalismus sein. Er vertritt die Interessen jener Journalisten, die oft gegen Widerstände in Verlagen und Sendern intensive Recherche durchsetzen wollen. Der Verein will dann einschreiten, wenn Funktionsträger den freien Fluss von Informationen behindern, wenn kein Geld für Recherchen zur Verfügung gestellt wird, wenn Kollegen für korrekte und kritische Arbeit angegriffen oder gar juristisch verfolgt werden. Zu den zentralen Zielen des Netzwerks gehört es zudem, die Aus- und Fortbildung im Bereich Recherche zu verbessern. Hierzu erarbeitet der Verein selbst Konzepte, organisiert Seminare mit und kümmert sich um die Vergabe von Recherche-Stipendien. (ts)
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