Ausverkauf der Heimat

Brauereien Rechtzeitig zur Übernahme der Brauerei Eichhof durch Heineken hat Adcom eine Initiative für lokales Bier aus Baar gestartet.

 
Brauereien Rechtzeitig zur Übernahme der Brauerei Eichhof durch Heineken hat Adcom eine Initiative für lokales Bier aus Baar gestartet. 
Der «Ausverkauf der Heimat» spielt sich in verschiedenen Gebieten ab. Ein Aspekt ist sicher der Konzentrationsprozess im Schweizer Biermarkt. In diesen Tagen kommt die traditionsreiche und sehr erfolgreiche Brauerei Eichhof in Luzern unter die Fittiche des internationalen Konzerns von Heineken. Damit verschwindet eine der letzten grösseren unabhängigen Brauereien. Immerhin kann Eichhof in der Schweiz 8 Prozent Marktanteil verzeichnen. Heineken will nun Eichhof für 290 Millionen Franken übernehmen, um damit die Position als Nummer 2 im Schweizer Biermarkt zu stärken. Damit soll die Gruppe Carlsberg-Feldschlösschen acht Jahre nach ihrem Zusammenschluss noch breiter angegriffen werden. Als «das Einverleiben» von Eichhof in der Innerschweiz bekannt wurde, hat die Werbeagentur Adcom in Baar sofort reagiert und bei ihrem langjährigen Kunden Brauerei Baar eine Initiative gestartet. «Die zum Teil heftigen Wogen und Reaktionen in der Innerschweiz beim Publikum, bei den Gastwirten und vor allem im Handel zeigen auf, dass sich die Volksseele schwer tut mit dieser Entwicklung und mit dieser Übernahme», erklärt der Gesamtverantwortliche Gide Kuhn bei Adcom. Eichhof gehört zur Innerschweiz wie die Rigi oder das Matterhorn zur Schweiz. Deshalb hat sich die traditionsreiche, unabhängige und innovative Brauerei Baar im Besitz von Kurt Uster entschlossen aufzuzeigen, dass es nach wie vor ein «echtes Stück Heimat» im Biermarkt gibt.
Gemeinsam mit dem Kunden und Marketingleiter Martin Uster hat Adcom nun den «Ausverkauf der Heimat» thematisiert und eine kämpferische Kampagne entwickelt. Die Plakate hängen ab sofort in der Region Luzern-Nidwalden-Zug-Knonauer Amt. Das Konzept der Kampagne ist mit dem Blickwinkel auf die «Eichhof»-Situation augenzwinkernd, sympathisch, souverän und witzig, aber nicht aggressiv und auch «nicht in die Pfanne hauend» ausgefallen, wie Kuhn meint. Die Aussage auf dem Plakat ist als kleines Trostpflaster für die arg gebeutelten Eichhof-Biertrinker gedacht – mit dem klaren Hinweis, dass es noch eine echte Alternative zum Eichhof-Bier gibt. «Die Botschaft auf dem Plakat basiert auf dem Wissen und der Erkenntnis, dass die Schweizer eben gerne auch ein echtes Schweizer Bier trinken, dies auch schätzen und auf das einheimische Schaffen Wert legen», meint auch Chief Communication Officer Eric Hasler bei Adcom.
Die Kampagne startete am Tag, an dem die ausserordentliche Eichhof-GV stattfand, an der die Übernahme durch Heineken von den Aktionären beschlossen wurde. Ein Plakat ist dabei auch unübersehbar auf dem Weg zur Aktionärsversammlung im Luzerner KKL aufgehängt worden. Genützt hat es nichts mehr
 
Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Hormonell getürkter Löwe

Für einen Cannes-Löwen würden manche ihr letztes Hemd geben. Die amerikanische Warenhauskette J.C. Penny tat jetzt genau das Gegenteil: Sie distanziert sich von einem Spot, der einen Bronze-Lion einbrachte.

 
Für einen Cannes-Löwen würden manche ihr letztes Hemd geben. Die amerikanische Warenhauskette J.C. Penny tat jetzt genau das Gegenteil: Sie distanziert sich von einem Spot, der einen Bronze-Lion einbrachte. Grund: Der sei ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung gemacht und eingereicht worden, gab die Detailhändlerin in einem Communiqué bekannt. Nicht nur das stiess der Agentur sauer auf. Sondern auch der Inhalt des Clips, der zwei Teenager beim Schnellankleiden-Training zeigt. In der letzten Szene tischt das junge Pärchen der besorgten Mutter auf, man wolle nur im Keller TV glotzen. Der Abbinder schliesslich, frei übersetzt mit «Heute könntest du damit ungeschoren davonkommen», impliziert ein grosses Tabuthema im Land der unbeschränkten Freiheit: Teenager-Sex. Der Spot könnte nämlich andeuten, dass J.C.Penny den Geschlechtsverkehr unter Halbwüchsigen gutheisse. Und das wäre für ein Unternehmen im Mutterland der Political Correctness wohl schlimmer, als wenn der CEO als dreifacher Mörder entlarvt würde. Deshalb die öffentliche Distanzierung vom Spot. J.C. Penny verlautete im Communiqué, dass hinter dem Clip ein früherer Angestellter der Hausagentur Saatchi & Saatchi stünde. Die Kreativschmiede wiederum reicht den schwarzen Peter an die Produktionsfirma Epoch Films weiter. Die lehnt gemäss Adage.com jeden Kommentar ab. Sicher ist auf alle Fälle, dass der TV-Spot nie am Fernsehen gelaufen ist: Die preisgekrönte Arbeit ist also ein Fake. Ob der Cannes-Löwe deswegen zurückgegeben werden muss, ist laut Adage.com noch offen. So oder so finden sich in dieser kurzen Geschichte zwei Sünden: Teenager-Sex und ein getürkter Wettbewerbsbeitrag. Fragt sich, was schlimmer ist. Beiden gemeinsam ist anscheinend eines: Es kommt immer wieder vor, wird aber gerne unter dem Deckel gehalten.

Eigenwerbung am Flughafen

Airport Marketing «Auf der Suche nach Top-Zielgruppen? Airport Media erreicht an Flughäfen 200 Millionen Passagiere.» Mit diesem Claim beweist die Initiative Airport Media im Selbstexperiment – sprich Eigenwerbung –, dass Flughafenwerbung wirkt.

 
Airport Marketing «Auf der Suche nach Top-Zielgruppen? Airport Media erreicht an Flughäfen 200 Millionen Passagiere.» Mit diesem Claim beweist die Initiative Airport Media im Selbstexperiment – sprich Eigenwerbung –, dass Flughafenwerbung wirkt. Die Gattungsmarketingkampagne von S2 Concept Design München läuft ab sofort auf zahlreichen Flughäfen in Deutschland und in der Schweiz. Die Anbieter dieser Plakatstellen sind überzeugt, dass vor dem Flug zum nächsten Meeting zahlreiche Mediaentscheider angesprochen werden, da die meisten Vielflieger hauptsächlich geschäftlich unterwegs sind. Zudem dauert die durchschnittliche Verweildauer am Flughafen von der Ankunft bis zum Boarding für die Werbung dankbare 149 Minuten. 

FSC wird zum Standard

Nachhaltigkeit In der Druckbranche ist sich eine Vielzahl von Unternehmen ihrer Umweltverantwortung bewusst. Das verdeutlicht die steigende Anzahl der FSC-zertifizierten Unternehmen.

 
Nachhaltigkeit In der Druckbranche ist sich eine Vielzahl von Unternehmen ihrer Umweltverantwortung bewusst. Das verdeutlicht die steigende Anzahl der FSC-zertifizierten Unternehmen. Trotzdem, so zeigt die nachfolgende Umfrage, wird noch viel Aufklärungsarbeit notwendig sein. 
Die Papierindustrie gehört zu den Industriezweigen, dessen schädliche Einflüsse schon früh erkannt und diskutiert wurden. In den letzten Jahren hat die Branche riesige Anstrengungen unternommen, um Papier ökologisch und sozial nachhaltig zu produzieren. FSC definiert Kriterien für die sozialverträgliche Holzproduktion und zertifiziert Betriebe, die den Kriterien entsprechen. Zu den FSC-Pionieren im Papiergrosshandel gehört Sihl + Eika. Als erster europäischer Grosshändler wurde das Unternehmen 2003 FSC-zertifiziert. Damals gab es in der Schweiz lediglich acht Druckereien, die bereits eine FSC-Zertifizierung vorweisen konnten, und auch das Angebot an zertifizierten Papiersorten war eher spärlich. Heute entfallen 40 Prozent des Papiervolumens bei Sihl + Eika auf FSC-Produkte. Gemeinsam mit 85 zertifizierten Druckereien kann dem Endkunden somit eine durchgängige FSC-Linie angeboten werden. Ein Erfolg, auf dem sich das Unternehmen jedoch nicht ausruhen will.
Grosser InformationsbedarfÖkologisch sinnvolle Produkte langfristig zu fördern und konsequente Aufklärungsarbeit über deren Eigenschaften zu leisten, hat sich Sihl + Eika zur langfristigen Aufgabe gemacht. Die Produktmanager und Fachberater stellen das entsprechende Know-how zur Verfügung. Immer mehr Kunden verwenden mittlerweile FSC-Papiere, weil sie damit einen entscheidenden Beitrag für die Umwelt leisten wollen. Trotzdem besteht noch immer ein grosser Informationsbedarf, und es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. «So fehlt es entweder am Wissen über FSC im Allgemeinen oder am ökologischen und sozialen Engagement», stellt Denis Heiniger, Fachberater Sihl + Eika, fest. Um offene Fragen zu beantworten und Vorurteile auszuräumen, setzt der Grosshändler verschiedene Kommunikationsinstrumente ein. Nützliche Angaben für Agenturen und Antworten auf immer wieder gestellte Fragen finden sich auf
. Kompetente Beratung bieten zudem die Fachberater Martin Schneiter und Denis Heiniger, die im ständigen Dialog mit Agenturen und Endkunden stehen. Die Sihl + Eika hat 2008 ihre Zertifizierung zu einer bis heute einmaligen internationalen FSC-Multisite erweitert, in welche sechs Papiergrosshändler aus der Papyrus-Gruppe integriert sind. Sihl + Eika arbeitet zudem aktiv in der FSC-Arbeitsgruppe Druck + Papier mit, die zum Thema FSC eine Informationsbroschüre für Agenturen entwickelt hat. Transparente Produktinformation wird zu einem Schlüsselfaktor in der grafischen Branche. Nach der Deklaration der Produktionsmethoden und der Herkunft werden auch Angaben zu CO2-Werten künftig unablässig sein. Hierzu müssen jedoch zuerst einheitliche Informationsschemata entwickelt werden. Die Sihl + Eika arbeitet in enger Zusammenarbeit mit Industrie und Interessengruppen an den nächsten Schritten.
Anteil FSC-Papier verdoppeltSeit April 2007 verfügt die Neidhart + Schön Group, Spezialistin für Finanzpublikationen, Produkt- und Imagebroschüren, über die FSC-Zertifizierung. Das Audit muss alle zwei Jahre wiederholt werden. Ob ein Geschäftsbericht auf FSC-Papier gedruckt wird, sieht man ihm nur anhand des Logos an.
 
«Rückverfolgbarkeit und Kontrolle ermöglicht eine Prüfnummer, die in allen Prozessstufen sichtbar sein muss und den gesamten Auftrag, vom Lieferschein über das Druckprodukt bis zur Rechnung, lückenlos begleitet», erläutert Torge Zeilinger, Sales Manager Neidhart + Schön Group, das Procedere. Der Anteil der verwendeten FSC-Papiere am Gesamtvolumen der Druckaufträge hat sich bei Neidhart + Schön in einem Jahr fast verdoppelt. Er lag bei ca. 12% im letzten Jahr und stieg in den ersten Monaten diesen Jahres auf ca. 25%. Zeilinger ist überzeugt, dass sich der Verbrauch von FSC-Papieren in den nächsten Monaten kontinuierlich erhöhen wird. Dafür ist jedoch viel Überzeugungsarbeit notwendig, weiss der diplomierte Biologe, für den die Umwelt auch Herzenssache ist. So fehle auf Kundenseite vielfach noch das Interesse an solchen Papieren. «Wir weisen unsere Kunden deshalb ausdrücklich auf die FSC-Thematik hin, informieren über das Angebot an FSC-zertifizierten Papieren und räumen auch mit Vorurteilen auf.»
 
Vielfach bestehe nämlich noch die Meinung, dass FSC-Papiere einen «Ökotouch» haben, optisch weniger attraktiv und dazu noch teurer sind. Die Palette an FSC-Papieren wird jedoch ständig grösser und damit auch die Möglichkeiten, die für eine optimale Auswahl zur Verfügung stehen. Auch die manchmal leicht höheren Preise stehen in keinem Verhältnis zum Vorteil, den der Kunde durch die Verwendung des FSC-Logos hat.
Politik der kleinen Schritte«Es ist unsere Pflicht, uns umfassend über das Papierangebot zu informieren, damit wir die Kunden entsprechend beraten können. FSC hat auch keine Auswirkungen auf die Art der Veredelung und Weiterverarbeitung», erklärt Zeilinger. Trotzdem sollte auch bei den eingesetzten Veredelungsverfahren das Thema Nachhaltigkeit in das Gestaltungskonzept einbezogen werden, empfiehlt er. Prägungen zum Beispiel sind dabei auf jeden Fall ökologisch korrekt. Auch hier stellt er noch Informationsbedarf fest. Es gibt bereits zahlreiche Firmen, wo das Thema Nachhaltigkeit im unternehmerischen Konzept verankert ist und die selbst nach FSC-Papieren und klimaneutralen Drucken fragen. Bei anderen Firmen, wo das ökologische Bewusstsein weniger stark ausgeprägt ist, besteht Aufklärungsbedarf. «Es ist eine Politik der kleinen Schritte. Immer wieder aufklären und informieren sowie den Kunden den mit FSC verbundenen Mehrwert aufzuzeigen, sehen wir als eine wichtige Aufgabe an», sagt Zeilinger.
Ökologie als zentraler FaktorDie Druckerei Lutz AG im appenzellischen Speicher ist ein kleinerer Familienbetrieb mit 14 Beschäftigten. «Die Ökologie ist und war in unserer Produktion schon immer ein zentraler Faktor», sagt Christof Chapuis, der zusammen mit Tobi Lutz die Geschäftsführung inne hat. Das Unternehmen ist FSC-zertifiziert. Darüber hinaus werden schon seit 1997 prozesslose (entwicklungsfreie) Druckplatten eingesetzt. Seit mehr als zwei Jahren ist auch eine Rapida 74G von KBA in Betrieb, eine wasserlose Druckmaschine im Format 50×70 cm. Diese Maschine ist bis heute die erste und einzige in der Schweiz. «Dank einer Technologiepartnerschaft mit dem Hersteller konnten wir gemeinsam den Druckprozess auf ein einwandfreies Qualitätsniveau führen, der vor allem bei den Toleranzen in den Farbabweichungen zu einem dem konventionellen Offsetdruck deutlich überlegenen Resultat führt.» Ebenfalls seit gut zwei Jahren nutzt der Betrieb die Abwärme aus dem Druckprozess für die Gebäudeheizung, mit der Folge, dass fast 100% Heizöl eingespart werden können. Aussendienstfahrzeuge und Lieferwagen werden mit Kompogas betrieben.
Preis im Vordergrund «Bei allen – auch zukünftigen – Investitionsentscheidungen stellt die Ökologie für uns einen zentralen Faktor dar», sagt Chapuis. In der Druckbranche gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, ressourcenschonend zu produzieren, ohne eine Qualitätsminderung hinnehmen oder eine Preiserhöhung durchführen zu müssen, argumentiert er. Auch Überlegungen zum klimaneutralen Drucken wurden bereits durchgeführt. «Nach eingehender Prüfung haben wir uns entschieden, in erster Priorität Ressourcen zu sparen und damit einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Klimaneutrale Produktion ist grundsätzlich eine gute Sache. Dabei muss jedoch die Umweltfreundlichkeit an erster Stelle stehen und nicht die «normale» wenig, umweltschonende Produktion, die von den Kunden auf freiwilliger Basis kompensiert werden kann», kritisiert Chapuis. Dazu kommt, dass nur wenige Kunden bereit sind, die Zusatzkosten einer Kompensation zu zahlen. Auch wenn es immer mehr Auftraggeber gibt, die sich für das Thema Ökologie interessieren, zählt bei der Vergabe sehr oft nur der Preis, stellt Chapuis fest. Das gilt letztendlich auch beim FSC-Papier. Hier wäre eine durchgängige FSC-Zertifizierung für alle Bedruckstoffe eine konsequente Lösung.
Lange Durststrecke«Die Ropress hat sich bereits in den 90-er Jahren intensiv mit dem Thema Umwelt auseinandergesetzt», so Geschäftsleiter Hans-Peter Vieli. «Damals diskutierten wir über eine Zertifizierung nach ISO 1401. Bei der Überprüfung der einzelnen Prozesse stellten wir fest, dass der Schwerpunkt einer solchen Zertifizierung nicht auf dem Druckprozess an sich, sondern auf dem Papier liegen muss.» Dies war auch ein Kritikpunkt bestehender Zertifizierungssysteme, weil sie den Druckprozess beurteilten, aber nicht das Produkt mit einbezogen. Mit der Einführung des FSC-Labels war Ropress im Jahr 2000 weltweit das erste Druckunternehmen, das FSC-zertifiziert wurde. Wie bei allen Pionieren war der Anfang nicht einfach. «Wir hatten eine lange Durststrecke, es gab nur eine FSC-zertifizierte Papiersorte und die mussten wir von England einführen.» Vieli, der heute zum Vorstand von FSC (Schweiz) gehört, hat deshalb versucht, in einem ersten Schritt den Schweizer Papiergrosshandel vom FSC-Gedanken zu überzeugen. Ein Durchbruch gelang 2003, als sich die ersten Papiergrosshändler zertifizieren liessen. Heute ist das Angebot an FSC-Papieren riesig. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht eine neue Papiersorte registriert wird. Das gilt mittlerweile auch für die Zertifizierung von Druckunternehmen.
Wachsender Druck von KundenseiteImmer mehr erkennen den Wert einer FSC-Zertifizierung. Nicht zuletzt wird auch von Kundenseite der Druck grösser, weil das Label in die Auswahlkriterien einbezogen wird. Die finanziellen Investitionen, die für ein Druckunternehmen mit der FSC-Zertifizierung verbunden sind, halten sich im Rahmen. Vieli schätzt sie auf ca. 20 000 Franken. Ein grösseres Hindernis ist der administrative Aufwand. So muss eine Papierbuchhaltung und damit ein lückenloser Nachweis geführt werden. Dafür profitiert das Unternehmen bei der Verwendung des Logos. «Wir konnten z. B. zu den bereits bestehenden umwelt- und sozialorientierten Kunden neue Auftraggeber gewinnen. Zudem gehören wir nicht zu den Firmen, die Akquisitionswerbung betreiben, sondern setzen traditionell auf die Profilwerbung. Auch darauf hat die Zertifizierung positiven Einfluss.» Trotz des hohen Bekanntheitsgrades von FSC gibt es immer noch Aufklärungsbedarf. «Wir führen regelmässig Kundeninformationen und Aktivitäten zum Thema durch. Oft stellen wir fest, dass der Endkunde besser informiert ist als die Agentur. Das mag daran liegen, dass Designer optische Aspekte oder den Exklusivcharakter eines Papiers noch immer stärker gewichten als Umweltfragen», sagt Vieli.
Grössere Breitenwirkung erwartetZu einem frühen Zeitpunkt hat sich auch Ringier Print Adligenswil FSC-zertifizieren lassen. «Damals waren wir die erste Zeitungsdruckerei, und auch heute gibt es nur wenige Zeitungsdruckunternehmen, die FSC-zertifiziert sind. Der Aufwand ist zudem nicht übermässig hoch und in der Hauptsache eine organisatorische bzw. administrative Angelegenheit», sagt Dominik Hug, Leiter Marketing und Verkauf. Deshalb sollten auch kleine Druckunternehmen in der Lage sein, die Kriterien einer solchen Zertifizierung zu erfüllen. Probleme stellten sich zum damaligen Zeitpunkt eher auf Lieferantenseite, weil für den Cold-Set-Bereich keine FSC-zertifizierten Papierlieferanten zur Verfügung standen. Das Angebot ist zwar mittlerweile grösser, aber ISO 58 weiss ist auch heute noch nicht als FSC-Qualität erhältlich. Den Nutzen eines solchen Labels sieht Hug zum einen in ökologischer Hinsicht, zum anderen bietet sich damit eine Differenzierungsmöglichkeit gegenüber Wettbewerbern. Eine solche Zertifizierung lässt sich zudem als Marketingtool nutzen. So gibt es Kunden, die ihre Objekte ausschliesslich bei einer FSC-zertifizierten Druckerei produzieren lassen. Das ist z. B. bei den so genannten «Staatsaufträgen» der Fall. «Ich hatte jedoch auf Auftraggeberseite eine grössere Breitenwirkung erwartet», zieht er heute Fazit. «Die grosse Masse ist am Thema leider noch immer viel zu wenig interessiert.»
Ökologischer ZeitungsdruckWenn es um das Thema Ökologie im Druckbereich geht, so ist für Hug der Zeitungsdruck im Verhältnis zu anderen Druckverfahren bereits sehr ökologisch. Zeitungsdruckpapiere enthalten in der Regel bis zu 80% Altpapier, die Fasern werden mehrfach aufbereitet und wieder verwendet. «Unser Schwerpunkt liegt gegenwärtig nicht auf klimaneutralem Drucken, sondern auf unserem Projekt Rollenwechsel.ch. Damit sind Investitionen in Höhe von ca. 65 Mio. Franken verbunden, von denen auch die Umwelt profitiert.» So lässt sich durch die neue Druck- und Weiterverarbeitungstechnik der Verbrauch von Wasser und Energie reduzieren. Ökologie und Ökonomie schliessen sich bei diesem Projekt einmal nicht aus. Hug ist überzeugt, dass die Bedeutung der Themen Nachhaltigkeit und Ökologie in den nächsten Jahren zunehmen wird. «Ich rechne damit, dass in ca. fünf Jahren eine FSC-Zertifizierung State of the Art ist und vielleicht sogar in die ISO-Norm einfliesst.»
Gemeinsame AktionenSeit 2006 ist die Ivo Druck AG FSC-zertifiziert. «Wir leisten damit einen aktiven Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und wollen auch unsere Kunden dazu anregen, sich daran zu beteiligen», begründet Geschäftsführer Markus Ineichen die Entscheidung. Teilweise fehle auf Kundenseite das entsprechende Wissen über die Vorteile und Möglichkeiten, stellt er in der Praxis fest. Es sei deshalb sinnvoll, das Thema beispielsweise in den Medien immer wieder aufzugreifen, um die Leser auf diese Weise zu informieren und stärker für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Eine weitere Möglichkeit sind Veranstaltungen mit Kunden. So hat Ivo Druck anlässlich eines Kunden-Events gemeinsam mit dem Papierlieferanten Antalis über das FSC-Label und die Hintergründe informiert. Fotos und Fakten über die Waldwirtschaft vermittelten den Besuchern interessantes Hintergrundwissen.
Sabine Flachsmann
FSC – Gut für Wald und MenschDer Forest Stewardship Council (FSC)
ist eine unabhängige Mitgliederorganisation zur Förderung einer umweltfreundlichen, sozial verantwortungsbewussten und wirtschaftlich tragbaren Nutzung der Wälder weltweit. Der FSC wurde 1993 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn/Deutschland. Seine Struktur basiert auf der gleichberechtigten Berücksichtigung aller Interessen am Wald. Die FSC-Standards bestehen aus den zehn Prinzipien und Kriterien für vorbildliche Waldwirtschaft. Eine glaubwürdige Rückverfolgbarkeit forstlicher Produkte ist die zentrale Anforderung für die Zertifizierung der Verarbeitungs- und Handelskette (Chain of Custody). Die Chain-of-Custody-Zertifizierung erlaubt Verarbeitern von forstlichen Produkten sowie dem Handel, ihre zertifizierten Produkte mit dem FSC-Warenzeichen auszuzeichnen. Spezialisierte Unternehmen prüfen die Einhaltung der strengen Standards.In der Schweiz wurde im Dezember 2003
die FSC-Arbeitsgruppe Schweiz gegründet. Der Verein setzt sich für eine weitere Förderung der Zertifizierung und des Angebots an FSC-Produkten in der Schweiz ein. oder .

Mindestens drei Millionen mehr

Euro 08 Gut 3 Millionen Deutschschweizer verfolgten die EuroSpiele ausser Haus. Sagt Demoscope.

 
Euro 08 Gut 3 Millionen Deutschschweizer verfolgten die Euro-Spiele ausser Haus. Sagt Demoscope. 
28 von insgesamt 31 EM-Spiele sind bis zum letzten Sonntag ausgetragen worden. Diese wurden in Deutschschweizer Privathaushalten von insgesamt 22,7 Millionen Personen mitverfolgt. Durchschnittlich wurde jedes Spiel von 811’000 Personen zu Hause am TV-Bildschirm gesehen. Das Spiel, das bisher am meisten Zuschauer generierte, kam allerdings auf gut die doppelte Zahl: Gemäss Telecontrol fieberten beim Match Schweiz-Türkei (11. Juni) 1,652 Millionen Personen vor dem Heimfernseher mit.Bekanntlich ist das aber nur ein Teil des gesamten TV-Publikums, denn Telecontrol misst die TV-Nutzung ausser Haus nicht. Deshalb beauftragte das Schweizer Fernsehen das Marktforschungsinstitut Demoscope mit einer Telefonumfrage. Nach jedem Spieltag fragt das Institut 350 Personen, wo sie die Spiele gesehen haben. Demnach haben gut drei Millionen Personen ab 15 Jahren mindestens eines der Spiele in Restaurants, Public-Viewing-Zonen oder im Büro verfolgt. Ausdrücklich nicht eingerechnet sind alle auswärtigen Fans, denn Demoscope befragt nur Personen, die in der Deutschschweiz wohnhaft sind.
Die Umfrage zeigt ferner, dass die Partie Schweiz-Türkei nicht nur das Heim-, sondern auch das Outdoor-Publikum am meisten begeisterte: 350’000 Personen sollen demnach das Spiel ausserhalb der eigenen Wohnung verfolgt haben. Messungen und Befragungen darf man nicht vermischen, für einmal sei hier aber die Annahme erlaubt, dass besagter Match etwa 2 Millionen Deutschschweizer Zuschauer fasziniert haben dürfte.
Klar weniger Zuschauer, aber noch immer fast eine Viertelmillion lockten auch die Spiele Tschechien-Portugal (11. Juni) und das Viertelfinal Kroatien-Türkei (20. Juni) ins Freie: Beide Partien kamen auf je 240’000 Ausserhaus-Zuschauer. Das Viertelfinal Portugal-Deutschland (19. Juni) zog noch 220’000 Outdoor-Nutzer an.
Die Demoscope-Resultate lassen allerdings auch Zweifel aufkommen: So soll ausgerechnet das Spiel Türkei-Tschechien von keiner in der Deutschschweiz wohnhaften Person ausser Haus verfolgt worden sein. Dabei dürfte allein die hier wohnhafte türkischstämmige Fangemeinde in Restaurants und Public-Viewing-Zonen mehrere zehntausend Personen gezählt haben.
Wie dem auch sei, gemäss den beiden Studien variiert das Verhältnis der Ausserhaus-Zuschauer zu jenen der Heim-TV-Nutzer stark. Den höchsten Outdoor-Anteil unter den TV-Zuschauern erreichte die Partie Niederlande-Rumänien (17. Juni), sie kam auf knapp 42 Prozent (bei nur gerade 144’000 Heimzuschauern). Mit 33 Prozent den zweitgrössten Anteil Outdoor-Nutzer generierte der Match Tschechien-Portugal (11. Juni), während das Rekordspiel Schweiz-Türkei «nur» 21 Prozent zusätzliche Zuschauer ausser Haus lockte.  
   
Markus Knöpfli

Gattung unter Verdacht

Media-Business Das Media-Geschäft ist in Misskredit geraten. Doch die Beweislage für allfällige Vergehen ist (noch) dürftig.

 
Media-Business Das Media-Geschäft ist in Misskredit geraten. Doch die Beweislage für allfällige Vergehen ist (noch) dürftig.  
In Deutschland ist der Prozess um den ehemaligen CEO von Aegis Europe, Aleksander Ruzicka, ein Dauerthema, das die Werbebranche in Atem hält. Ruzicka soll weit über 50 Millionen Euro an Aegis vorbei in eigene Firmen abgezweigt haben. In diesem Kontext hat sich auch in der Schweiz die Diskussion über Rabattierungen und Sonderkonditionen im Media-Geschäft intensiviert. Doch wenn man genau hinzusehen versucht, wer denn hier zu Lande die schwarzen Schafe im Business sind, dann wird es schwierig. Zwar meinen viele der Beteiligten, von konkreten Beispielen zu wissen, es gehe nicht immer alles mit rechten Dingen zu und her. Einzelne Media-Agenturen würden sich, Grossisten gleich, vorteilhafte Sonderkonditionen ausbedingen, die sie dann am Auftraggeber vorbei für andere Interessen investierten. Doch sei es auf Seiten der Media-Agenturen selber, auf Seiten der Vermarkter und Vermittler, bei den Werbeauftraggebern oder bei den Branchenverbänden – niemand will konkrete Fälle mit Namen benennen, um der gegenwärtig reihum geforderten Transparenz des Media-Geschäftes Rechnung zu tragen.Die Gattung leidetUnter dem Eindruck der Ereignisse in Deutschland schlägt gegenwärtig die Gunst der Stunde für den Verband der Schweizer Werbeauftraggeber (SWA), der sich schon seit über sechs Jahren mit wechselndem Erfolg für mehr Transparenz im Geschäft einsetzt. Konkret: Seit April ist eine vom Dachverband Schweizer Werbung (SW) beziehungsweise von dessen Präsident, CVP-Ständerat Carlo Schmid, eingerichtete Arbeitsgruppe am Werk. Und vor zwei Wochen diskutierten im Rahmen der zweitägigen Klausurtagung des Verlegerverbandes Branchenvertreter am runden Tisch in Vitznau immerhin während zwei Stunden darüber, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten liesse. Denn die Gattung leidet. Die hohen Rabatte und komplizierten Sonderkonditionen verzerren den Markt, verschleiern das Geschäft und führen mehr und mehr zum Preiszerfall.
Business soll kontrollierbar seinDie Bestandesaufnahme scheint allerdings auf den ersten Blick dürftig. Dem SWA sind gerade mal zwei Fälle bekannt, welche dokumentiert sind und die er zu 100 Prozent belegen kann. «Alles andere kennen wir nur vom Hörensagen», erklärt SWA-Geschäftsführer Jürg Siegrist. Doch Namen wollen weder er noch SWA-Präsident  Gérard Stalder nennen (siehe nachfolgendes Interview). Es ist zwar noch keine drei Jahre her, da hat der Verband zusammen mit dem BSW, dem Verband der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen der Schweiz, weitreichende Branchengrundsätze erarbeitet. Doch beim SWA sieht man, offenbar auch auf Grund der beweisbaren Fälle, dringend Handlungsbedarf. Bis nach dem Sommer wollen die Verantwortlichen ein Mustervertragsdokument ausarbeiten, das als Vorlage bei der Media-Planung verwendet werden kann. Es wird voraussichtlich die Möglichkeit enthalten, eine Überwachung des Geschäftsverlaufes durch unabhängige Dritte zu vereinbaren, was man im angelsächsischen Raum oder etwa in Deutschland schon länger als Auditing kennt. Die bisherigen Branchengrundsätze sahen ein derartiges Kontrollinstrument nicht vor. Doch Auditing  ist keine Allerweltslösung, wissen Branchenkenner. Denn die Analyse des Geschäftsverlaufs ist einerseits teuer, und andererseits kennt man im Ausland Fälle, in denen der Auditor sich am Business mitbeteiligt hat, was seine Glaubwürdigkeit entscheidend untergräbt.
Beweise müssen auf den TischAngesichts der etwas schmalen Beweisführung erscheint die Geschichte besonders für die Media-Agenturen als hochgespielt. Für Urs Schneider, CEO von Mediaschneider, einer der wenigen unabhängigen Media-Agenturen der Schweiz, ist die Sache allzu sehr am deutschen Skandal Ruzicka/Aegis aufgehängt und überbewertet. «Die Media-Agenturen in der Schweiz werden jetzt zu Unrecht an den Pranger gestellt», sagt Schneider. Deshalb fordert er, dass die entsprechenden Beweise auf den Tisch kommen, was der SWA bis jetzt wohl noch nicht im Detail getan hat.
Nur noch BrosamenTatsache bleibt, dass im zunehmend internationalisierten Geschäft mit global auftretenden Grosskunden für hiesige Media-Agenturen nur noch Brosamen abfallen und diese mit Honoraren von unter einem Prozent nicht zu leben vermögen. Also versucht man, bei den Medien möglichst günstig Werberaum zu bekommen. Am wirkungsvollsten sind so genannte Share-Deals, vorzugsweise mit freier Werbezeit am Fernsehen. Solange der Kunde über solche Deals Kenntnis hat und diese auch vertraglich geregelt sind, sieht Schneider keinerlei Probleme und aus marktwirtschaftlicher Sicht auch keine Grenzen, denn jedes Honorierungsmodell lässt sich im Sinne der Transparenz auch vertraglich vereinbaren. Doch ihm ist klar, dass einer Media-Agentur unter dem Strich, also nach Abzug aller Lohn- und sonstiger Fixkosten, noch 10 bis 15 Prozent Gewinn übrigbleiben müssen, «sonst kann sie dicht machen».
Massive VerschiebungDer SWA schätzt den Betrag zwischen Brutto- und Nettoumsätzen im Schweizer Werbemarkt auf über eine Milliarde Franken und vermutet, dass im Media-Business zwei bis drei  Prozent davon, also 20 bis 30 Millionen Franken, auf dunklen Kanälen an den Werbeauftraggebern vorbei geschmuggelt werden. Kenner der Media-Agenturszene erachten diese Werte jedoch als zu hoch taxiert.
Immerhin lässt sich ein deutliches Aufgehen der Schere zwischen Brutto- und Nettoumsätzen feststellen. Besonders im Bereich Fernsehen hat unter anderem das neue RTVG zu einem grösseren Angebot an Werbemöglichkeiten (Unterbrecherwerbung) geführt. Publisuisse-Direktor Martin Schneider spricht hier von einer massiven Verschiebung zu Gunsten der Schweizer Werbefenster der privaten, ausländischen TV-Veranstalter einerseits und zu Lasten der SRG-Sender andererseits.
Ob und wie sich die verschiedenen Parteien über Transparenz im Media-Business verständigen können, bleibt abzuwarten.
   
René Worni

Kreation bei Wirz Werbung erhält Verstärkung

Wirz Werbung meldet zwei Neuzugänge: Die Agentur an der Zürcher Uetlibergstrasse hat Thomas von Ah als AD und Nicole Zehnder als Art Buyerin an Bord geholt.

 Wirz Werbung meldet zwei Neuzugänge: Die Agentur an der Zürcher Uetlibergstrasse hat Thomas von Ah als AD an Bord geholt. Er war davor unter anderem bei WHS, Smart Factory und Glamour Engineering tätig und entwickelte Arbeiten für Smart, Breitling, Zürich Financial Services oder Stylebook. Verstärkt wurde auch das Art Buying. Neu ist Nicole Zehnder dazugekommen, die vormals bei Advico Young & Rubicam, Publicis und in letzter Zeit als selbständige Art Buyerin tätig war.

Hommage an die Walliser Weinkultur

Genussmittel Die Wein-Journalistin und langjährige Werbewoche-Mitarbeiterin Chandra Kurt und die Walliser Winzerin Madeleine Gay, die «Grande Dame du Vin», haben eine neue «Collection Chandra Kurt» realisiert.

 
Genussmittel Die Wein-Journalistin und langjährige Werbewoche-Mitarbeiterin Chandra Kurt und die Walliser Winzerin Madeleine Gay, die «Grande Dame du Vin», haben eine neue «Collection Chandra Kurt» realisiert. Das Team setzt auf alte und wenig bekannte Traubensorten, die – zu Wein veredelt – von der Tradition und der Geschichte des Wallis erzählen. Bei den beiden ersten Abfüllungen handelt es sich um einen Humagne Rouge und einen Humagne Blanc – zwei autochthone Sorten, die nicht miteinander verwandt sind. Weitere Weine werden folgen mit dem Ziel, eine kleine, aber feine Kollektion zusammenzustellen.  Dies vor dem Hintergrund, dass heute jede dritte Flasche Schweizer Wein aus dem Wallis kommt, wo an den Hängen der Rhone 49 homologierte A.O.C.-Rebsorten wachsen.

Vom Hüst und Hott des Generaldirektors

Kolumne Was eigentlich will Armin Walpen mit seinem Feldzug gegen die Bilderzensur durch die Uefa? Schon eine Woche nach den starken Worten hat er kleinlaut beigegeben. Hans Stutz über Armin Walpens Kampf gegen das Regime Uefa.

 
Kolumne Was eigentlich will Armin Walpen mit seinem Feldzug gegen die Bilderzensur durch die Uefa? Schon eine Woche nach den starken Worten hat er kleinlaut beigegeben. 
Hat er wirkungsvoll gemacht, der Armin Walpen. So machte es zuerst den Anschein. Ein Kurzinterview in der SonntagsZeitung, und anderntags verbreiten viele Tageszeitungen die Kunde weiter. Nicht nur in der Schweiz. «Schweizer Rundfunkchef klagt an: Uefa manipuliert TV-Bilder», titelte etwa die Süddeutsche Zeitung. Die Uefa hat zwar weder Bilder manipuliert noch zensuriert, sondern die von ihr angeheuerte TV-Produktionsfirma hat sie ausgewählt und übermittelt. Und das Schweizer Fernsehen SF hat das Zeug einfach ausgestrahlt – wie andere Fernsehstationen auch.Er wolle, hat der SRG-Generaldirektor noch angekündigt, der Uefa einen Brief schreiben. Ob er das auch tatsächlich getan hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls werden da die europäischen Fussballherren wohl noch mächtig ins Grübeln kommen.
Walpens Botschaft, die er durch die SonntagsZeitung verbreiten liess, verdient allerdings einen genaueren Blick. «Die SRG lehnt jede Zensur von Sportübertragungen ab. Grosse Sportverbände versuchen zunehmend, sich mit eigenen Produktionsfirmen die Hoheit über Bild und Ton zu sichern. Das bereitet uns Sorgen. Bearbeitete und von Dritten ausgewählte Bilder sind aus Sicht des Informationsauftrages und der journalistischen Unabhängigkeit (…) mehr als problematisch.» Schön zu hören, dass die SRG die «Zensur von Sportübertragungen» ablehnt. Wir hielten das zwar für selbstverständlich – nicht nur bei Sportsendungen. Recht hat Walpen auch, wenn er die Zumutungen der Sportverbände erwähnt und auf die gefährdete journalistische Arbeit hinweist.
Nur: Der Generaldirektor kritisiert einen Zustand, für den er selber mitverantwortlich ist. Seit spätestens Frühling 2006 ist bekannt, dass die Uefa während der Fussball-EM erstens die Bilderhoheit haben und zweitens «harmonische Bilder» verbreiten will. (So gesehen ist es nur folgerichtig, dass die Uefa bei einem Flitzer und bei von Zuschauern entfachten Petarden wegschaut.) Nichtsdestotrotz hat sich die SRG auf den Vertrag eingelassen und den Uefa-Organisatoren die Bilderhoheit für den Live-Stream zugestanden.
Die SRG-Sender haben es auch zugelassen, dass die Uefa in die Programmstruktur hineinreden kann, wie das Medienmagazin Klartext bereits 2006 schrieb. Im Vorfeld der Fussball-EM verpflichtete sich die SRG, zwischen Dezember 2007 und Mai 2008 acht Magazin-Beiträge über den Veranstalter Uefa zu verbreiten. Auch bei den Champions- League-Spielen erfüllt das Schweizer Fernsehen Uefa-Vorgaben, in dem es vor und nach einem Spiel eine Studiosendung produziert.
Apropos journalistische Unabhängigkeit der SRG-Sportsendungen: Bei den Übertragungen der Formel-1-Rennen arbeitet Peter Sauber in dieser Saison zehnmal als Co-Kommentator mit. Wo bleibt da die journalistische Unabhängigkeit? Sauber ist ja immer noch Teil des BMW-Sauber-Teams…
Vielleicht müsste sich Armin Walpen einmal einen Brief an sich selber schreiben und sich beim SRG-Generaldirektor darüber beschweren, dass ein Interessenvertreter auch noch Journalist spielen darf.
Armin Walpen hat sich also in die Nesseln gesetzt, und so ist es folgerichtig, dass er eine Woche später alles ganz anders sehen will. Die Uefa-Geschichte sei, so sagte er jüngst dem Sonntag, ein «isolierter Vorfall von untergeordneter Bedeutung» und seine Kritik habe er «nicht zuletzt mit Blick auf die Olympischen Spiele in Peking» geäussert. Und weil die Sache wichtig ist, will Walpen im Sommer «vor Ort» sein und zusehen, ob die Medien «das Dopingthema» frei abhandeln könnten und ob die Journalisten «in ihrer Arbeit generell nicht behindert» würden. Bei schwerwiegenden Vorfällen müsse sich die SRG «grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der medialen Abdeckung» machen, was – so interpretierte das jedenfalls der Sonntag – auch der Verzicht auf die Übertragung bedeuten könnte. Was genau denn ein schwerwiegender Vorfall wäre, hat Walpen aber nicht definiert.
Der wirkliche Gegner ist für den Generaldirektor also plötzlich weit weg, und so will er nun, dass die öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen mit den Sportverbänden (Uefa, Fifa, IOC) «grundsätzlich diskutieren» und sich «allenfalls auf bestimme Rahmenbedingungen einigen». Was bis anhin im Einzelfall, soll nun generell geregelt werden.
Die Bilderproduktion durch die Veranstalter sei, so Walpen nun, wohl wirtschaftlich schmerzhaft, aber «weniger problematisch und zu akzeptieren». Wichtig sei, dass die Bildauswahl bei den Medien liege. Im Klartext: Es genügt ihm, dass die Medien aus den Veranstalterbildern auswählen können. Doch redaktionelle Unabhängigkeit sieht anders aus. Eine Woche nach Walpens starken Worten hat der SRG-Generaldirektor kleinlaut beigegeben.
Hans Stutz ist freier Journalist

Zusammenschluss mit Stil

Jobvermittlung Stylingpool.ch ist ein virtueller Zusammenschluss von erfahrenen Stylistinnen und Stylisten in der Schweiz.

 
Jobvermittlung Stylingpool.ch ist ein virtueller Zusammenschluss von erfahrenen Stylistinnen und Stylisten in der Schweiz.  
Der Mangel wurde an einer Party festgestellt. Die Stylistinnen Jeanette Blättler und Regula Wetter diskutierten mit einem Werber über ihre aktuellen Jobs. Dieser fand es schade, dass er beim Realisieren eines Fotoshootings immer nur mit Agenturen als Vermittler der gesuchten Spezialisten zu tun habe. «Man kommt gar nicht mehr ins persönliche Gespräch mit den beteiligten Technikern und Spezialisten.» Noch am gleichen Abend ist die Idee zu Stylingpool geboren worden. Blättler und Wetter machten ein Konzept. Telefonierten mit vielen Kolleginnen und Konkurrenten. Suchten einen Webmaster. Und stellten mit Überraschung fest: Die Domain Stylingpool war sowohl für die Schweiz wie auch mit der Endung .com noch frei.
Erste Plattform ihrer ArtHeute bieten bereits 13 professionelle Stylisten auf der ersten Plattform dieser Art ihre spezialisierten Dienste an. Über eine Bedienungsleiste kann der potenzielle Kunde die Suchwörter Stills, Interiors, Food, People, Set-Design oder Film anklicken – dann leuchten jeweils die Namen der entsprechenden Spezialistinnen und Spezialisten auf.
In die elektronische Kartei wird aufgenommen, wer neben seinen beruflichen Referenzen auch zwei bereits im Stylingpool engagierte Mitglieder als Bürgen für sein professionelles Arbeiten angeben kann. Ähnlich also, wie es zum Beispiel beim Journalistenverband gehandhabt wird. Stylist ist noch mehr als Journalist auch immer noch ein freier Beruf ohne geregelte Ausbildung und damit völlig ohne offizielle Zertifikate. Die meisten haben ihren Beruf «on the job» gelernt. Stylingpool-Initiantin Jeanette Blättler ist als Werklehrerin zu ihrem Unternehmen Fotostyling.com gekommen. Regula Wetter arbeitete früher als Redaktorin bei der Annabelle.
Alle 13 Namen hinter Stylingpool finden sich regelmässig in den Credits vieler hochkarätiger Film- und Bildproduktionen in der Schweiz – oder auch nicht. Denn oft werden die kreativen Dienstleister in der Hitze des Shootings vom AD oder CD gar nicht persönlich wahrgenommen. Dabei leisten sie oft einen sehr bedeutenden Beitrag an das Gelingen einer Produktion.
Alle diese Referenzen finden sich nun endlich öffentlich zugänglich und attraktiv aufgemacht in den Innereien des Portals
. Als Beispiele seien hier nur erwähnt, wie Uschi Stähli neben ihren Jobs bei Beck & Bondi Hunderte von Tassen und anderem Geschirr für den Mobiliar-Spot «Fotograf» zusammen getragen hat, der in Cannes mit einem Goldlöwen prämiert wurde. Regula Wetter hat kürzlich die exotischen Kostüme für den ersten Schweizer Bollywood-Film «Tandoori Love» geschaffen. Christian Splettstösser als gelernter Koch hat unzählige Kochbücher wie zum Beispiel «Süsse Sünden» im Werd Verlag mitgestaltet. Food-Styling – neben vielem anderen – bieten auch Oliver Roth, Karin Messerli oder Katja Rey an. Anita Oeschgers Spezialitäten sind feine Inszenierungen oder auch Dekorationen. Ruth Bugmann und Bettina Haffter leuchten unter anderem beim Suchwort Film oder People auf. Monika Hansen und Franziska Müller findet man neben Interiors auch beim Set-Design. Karin Frey macht neben People zum Beispiel Requisitenbau.Keine VermittlungsgebührenKlar, sei man gelegentlich auch in einer Konkurrenzsituation, meint Jeanette Blättler. Bereits überwiegen bei den 13 Gepoolten aber die Vorteile eines gemeinsamen Auftretens. Drei Tage nach dem Verschicken eines Mailings an 700 Interessierte sind schon die ersten Aufträge über den Stylingpool herein gekommen. Vermittlungsgebühren fallen dabei für niemanden an. Nur das Betreuen der Webseite muss gemeinsam finanziert werden. Die Site ist inzwischen auch mit dem ADC sowie dem Schweizerischen Filmtechniker Verband verlinkt und wird ebenfalls bei den Suchmaschinen sinnvoll positioniert – ein bisschen dank der Hilfe von guten Freunden in der Werbung, denn in dieser Branche braucht es schliesslich Teamwork.
Andreas Panzeri

Brüngger Bachmann Dialog überrascht Orange-Kunden

Die Dialog-Spezialisten von Brüngger Bachmann Dialog haben als Teil einer crossmedialen Kampagne einen Selfmailer zum Launch von Orange Festnetz-Telefonie für Business-Kunden entwickelt.

Die Dialog-Spezialisten von Brüngger Bachmann Dialog haben einen Selfmailer zum Launch von Orange Festnetz-Telefonie für Business-Kunden entwickelt. Die Direct-Mailing-Massnahme ist Teil einer integrierten Kommunikationskampagne, die von Saatchi & Saatchi Simko verantwortet wird. Der Selfmailer unterstreicht, dass bestehende Geschäftskunden rasch und unkompliziert zu Orange als Festnetz-Provider wechseln können. Die Kunden behalten dabei die bestehende Festnetz-Telefonnummer. Im Mailing wird dieser Punkt prominent aufgenommen: «Hier ist Ihre neue Festnetz-Telefonnummer, wenn Sie jetzt zu Orange wechseln!», heisst es da. Diese «neue» Nummer ist durch ein perforiertes Fenster abgedeckt. Wird die Abdeckung mit der Perforation geöffnet, erscheint die bestehende gültige Fixnet-Nummer.
Verantwortlich bei Orange Business Services:
Markus Naef (Marketing Director), Lara Krensler (Senior Business Communication Manager), Sandro Mauchle (Projektleitung). Verantwortlich bei Brüngger Bachmann Dialog: Remo Bachmann (CD), Manuela Eigenmann (Grafik), Gregor Juritz (Text), Daniel Brüngger und Margot Vögele (Beratung). Verantwortlich bei Saatchi & Saatchi Simko: Marie-Theres Ott (Gesamtverantwortung).

5,864 Milliarden Franken für die Werbung

Die Werbung konnte 2007 von der guten Konjunktur profitieren und die Umsätze nach oben treiben: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Netto-Werbeumsätze um 232 Millionen auf 5,864 Milliarden Franken gestiegen. Zu den Gewinnern zählen die Printmedien und das Fernsehen. Verloren haben Radio und Kino.

 Die Werbung konnte 2007 von der guten Konjunktur profitieren und die Umsätze nach oben treiben: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Netto-Werbeumsätze um 232 Millionen auf 5,864 Milliarden Franken gestiegen. Damit wurden zum vierten Mal in Serie höhere Werbeeinnahmen als im vorangegangenen Jahr erzielt. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte Werbeausgaben-Erhebung der Stiftung Werbestatistik Schweiz. Von den höheren Ausgaben für Werbung profitierten sowohl die Zeitungen und Zeitschriften als auch die elektronischen Medien. Den Löwenanteil verbuchen nach wie vor die Printmedien: Sie haben mit Inseraten einen Umsatz von fast 2,49 Milliarden Franken erzielt, 118 Millionen Franken oder 5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die grössten Zuwachsraten wurden bei der Finanz- und Wirtschaftspresse (+13,3 Prozent) sowie bei der Sonntagspresse (+7,3 Prozent) verzeichnet. Die Sonntagszeitungen nahmen 2007 mit Inseraten zudem erstmals mehr als 200 Millionen Franken ein.
Mit Abstand der wichtigste Werbeträger bleibt die Tagespresse. Mehr als jeder fünfte Werbefranken in der Schweiz fliesst zu den Tageszeitungen. Total betrugen 2007 die Inserateeinnahmen der Tagespresse 1,34 Milliarden Franken, 5,5 Prozent mehr als 2006. Gratiszeitungen und Gratisanzeiger generierten zusammen Werbeumsätze in der Höhe von 316 Millionen Franken.
Ausländische TV-Stationen legten zu Für Fernsehwerbung und Sponsoring von Sendungen wurden letztes Jahr 637 Millionen Franken ausgegeben, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Stark zugelegt haben aufgrund des neuen RTVGs insbesondere die Werbefenster ausländischer Kanäle, die ein Plus von 9 Prozent meldeten. Diese Fenster ergattern vom ganzen Fernsehwerbekuchen mittlerweile einen Anteil von 27,5 Prozent. Rund zwei Drittel der Werbeeinnahmen flossen zu den Fernsehsendern der SRG. Sie nahmen 1,9 Prozent mehr ein als im Vorjahr.
Mit stagnierenden Werbeeinnahmen haben die Radiosender zu kämpfen. Für Radiowerbung wurden 2007 noch 136 Millionen Franken ausgegeben, 1,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Deutlich weniger Werbung wurde auch in den Kinos geschaltet, deren Werbeumsätze um 9,6 Prozent einbrachen.
Hohe Wachstumsraten gab es dagegen bei der Plakatwerbung (+4,1 Prozent), der Verkehrsmittelwerbung (+8,2 Prozent), der Leuchtwerbung (+26,1 Prozent) sowie bei der übrigen Aussenwerbung (+14,2 Prozent). Mit kumulierten 663 Millionen Franken Umsatz gehen über 11 Prozent aller Werbeausgaben in der Schweiz in die Aussenwerbung.
Die Umsätze der Werbung im Internet fliessen derzeit noch nicht in die Statistik ein. Gemäss Roger Blum, Projektleiter der Stiftung Werbestatistik, soll dies in naher Zukunft ändern. Man kläre derzeit ab, wie die Ausgaben für Internetwerbung in der Schweiz am Besten erhoben werden könnten.
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