Nachhaltigkeit In der Druckbranche ist sich eine Vielzahl von Unternehmen ihrer Umweltverantwortung bewusst. Das verdeutlicht die steigende Anzahl der FSC-zertifizierten Unternehmen. Trotzdem, so zeigt die nachfolgende Umfrage, wird noch viel Aufklärungsarbeit notwendig sein.
Die Papierindustrie gehört zu den Industriezweigen, dessen schädliche Einflüsse schon früh erkannt und diskutiert wurden. In den letzten Jahren hat die Branche riesige Anstrengungen unternommen, um Papier ökologisch und sozial nachhaltig zu produzieren. FSC definiert Kriterien für die sozialverträgliche Holzproduktion und zertifiziert Betriebe, die den Kriterien entsprechen. Zu den FSC-Pionieren im Papiergrosshandel gehört Sihl + Eika. Als erster europäischer Grosshändler wurde das Unternehmen 2003 FSC-zertifiziert. Damals gab es in der Schweiz lediglich acht Druckereien, die bereits eine FSC-Zertifizierung vorweisen konnten, und auch das Angebot an zertifizierten Papiersorten war eher spärlich. Heute entfallen 40 Prozent des Papiervolumens bei Sihl + Eika auf FSC-Produkte. Gemeinsam mit 85 zertifizierten Druckereien kann dem Endkunden somit eine durchgängige FSC-Linie angeboten werden. Ein Erfolg, auf dem sich das Unternehmen jedoch nicht ausruhen will.
Grosser InformationsbedarfÖkologisch sinnvolle Produkte langfristig zu fördern und konsequente Aufklärungsarbeit über deren Eigenschaften zu leisten, hat sich Sihl + Eika zur langfristigen Aufgabe gemacht. Die Produktmanager und Fachberater stellen das entsprechende Know-how zur Verfügung. Immer mehr Kunden verwenden mittlerweile FSC-Papiere, weil sie damit einen entscheidenden Beitrag für die Umwelt leisten wollen. Trotzdem besteht noch immer ein grosser Informationsbedarf, und es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. «So fehlt es entweder am Wissen über FSC im Allgemeinen oder am ökologischen und sozialen Engagement», stellt Denis Heiniger, Fachberater Sihl + Eika, fest. Um offene Fragen zu beantworten und Vorurteile auszuräumen, setzt der Grosshändler verschiedene Kommunikationsinstrumente ein. Nützliche Angaben für Agenturen und Antworten auf immer wieder gestellte Fragen finden sich auf
. Kompetente Beratung bieten zudem die Fachberater Martin Schneiter und Denis Heiniger, die im ständigen Dialog mit Agenturen und Endkunden stehen. Die Sihl + Eika hat 2008 ihre Zertifizierung zu einer bis heute einmaligen internationalen FSC-Multisite erweitert, in welche sechs Papiergrosshändler aus der Papyrus-Gruppe integriert sind. Sihl + Eika arbeitet zudem aktiv in der FSC-Arbeitsgruppe Druck + Papier mit, die zum Thema FSC eine Informationsbroschüre für Agenturen entwickelt hat. Transparente Produktinformation wird zu einem Schlüsselfaktor in der grafischen Branche. Nach der Deklaration der Produktionsmethoden und der Herkunft werden auch Angaben zu CO2-Werten künftig unablässig sein. Hierzu müssen jedoch zuerst einheitliche Informationsschemata entwickelt werden. Die Sihl + Eika arbeitet in enger Zusammenarbeit mit Industrie und Interessengruppen an den nächsten Schritten.
Anteil FSC-Papier verdoppeltSeit April 2007 verfügt die Neidhart + Schön Group, Spezialistin für Finanzpublikationen, Produkt- und Imagebroschüren, über die FSC-Zertifizierung. Das Audit muss alle zwei Jahre wiederholt werden. Ob ein Geschäftsbericht auf FSC-Papier gedruckt wird, sieht man ihm nur anhand des Logos an.
«Rückverfolgbarkeit und Kontrolle ermöglicht eine Prüfnummer, die in allen Prozessstufen sichtbar sein muss und den gesamten Auftrag, vom Lieferschein über das Druckprodukt bis zur Rechnung, lückenlos begleitet», erläutert Torge Zeilinger, Sales Manager Neidhart + Schön Group, das Procedere. Der Anteil der verwendeten FSC-Papiere am Gesamtvolumen der Druckaufträge hat sich bei Neidhart + Schön in einem Jahr fast verdoppelt. Er lag bei ca. 12% im letzten Jahr und stieg in den ersten Monaten diesen Jahres auf ca. 25%. Zeilinger ist überzeugt, dass sich der Verbrauch von FSC-Papieren in den nächsten Monaten kontinuierlich erhöhen wird. Dafür ist jedoch viel Überzeugungsarbeit notwendig, weiss der diplomierte Biologe, für den die Umwelt auch Herzenssache ist. So fehle auf Kundenseite vielfach noch das Interesse an solchen Papieren. «Wir weisen unsere Kunden deshalb ausdrücklich auf die FSC-Thematik hin, informieren über das Angebot an FSC-zertifizierten Papieren und räumen auch mit Vorurteilen auf.»
Vielfach bestehe nämlich noch die Meinung, dass FSC-Papiere einen «Ökotouch» haben, optisch weniger attraktiv und dazu noch teurer sind. Die Palette an FSC-Papieren wird jedoch ständig grösser und damit auch die Möglichkeiten, die für eine optimale Auswahl zur Verfügung stehen. Auch die manchmal leicht höheren Preise stehen in keinem Verhältnis zum Vorteil, den der Kunde durch die Verwendung des FSC-Logos hat.
Politik der kleinen Schritte«Es ist unsere Pflicht, uns umfassend über das Papierangebot zu informieren, damit wir die Kunden entsprechend beraten können. FSC hat auch keine Auswirkungen auf die Art der Veredelung und Weiterverarbeitung», erklärt Zeilinger. Trotzdem sollte auch bei den eingesetzten Veredelungsverfahren das Thema Nachhaltigkeit in das Gestaltungskonzept einbezogen werden, empfiehlt er. Prägungen zum Beispiel sind dabei auf jeden Fall ökologisch korrekt. Auch hier stellt er noch Informationsbedarf fest. Es gibt bereits zahlreiche Firmen, wo das Thema Nachhaltigkeit im unternehmerischen Konzept verankert ist und die selbst nach FSC-Papieren und klimaneutralen Drucken fragen. Bei anderen Firmen, wo das ökologische Bewusstsein weniger stark ausgeprägt ist, besteht Aufklärungsbedarf. «Es ist eine Politik der kleinen Schritte. Immer wieder aufklären und informieren sowie den Kunden den mit FSC verbundenen Mehrwert aufzuzeigen, sehen wir als eine wichtige Aufgabe an», sagt Zeilinger.
Ökologie als zentraler FaktorDie Druckerei Lutz AG im appenzellischen Speicher ist ein kleinerer Familienbetrieb mit 14 Beschäftigten. «Die Ökologie ist und war in unserer Produktion schon immer ein zentraler Faktor», sagt Christof Chapuis, der zusammen mit Tobi Lutz die Geschäftsführung inne hat. Das Unternehmen ist FSC-zertifiziert. Darüber hinaus werden schon seit 1997 prozesslose (entwicklungsfreie) Druckplatten eingesetzt. Seit mehr als zwei Jahren ist auch eine Rapida 74G von KBA in Betrieb, eine wasserlose Druckmaschine im Format 50×70 cm. Diese Maschine ist bis heute die erste und einzige in der Schweiz. «Dank einer Technologiepartnerschaft mit dem Hersteller konnten wir gemeinsam den Druckprozess auf ein einwandfreies Qualitätsniveau führen, der vor allem bei den Toleranzen in den Farbabweichungen zu einem dem konventionellen Offsetdruck deutlich überlegenen Resultat führt.» Ebenfalls seit gut zwei Jahren nutzt der Betrieb die Abwärme aus dem Druckprozess für die Gebäudeheizung, mit der Folge, dass fast 100% Heizöl eingespart werden können. Aussendienstfahrzeuge und Lieferwagen werden mit Kompogas betrieben.
Preis im Vordergrund «Bei allen – auch zukünftigen – Investitionsentscheidungen stellt die Ökologie für uns einen zentralen Faktor dar», sagt Chapuis. In der Druckbranche gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, ressourcenschonend zu produzieren, ohne eine Qualitätsminderung hinnehmen oder eine Preiserhöhung durchführen zu müssen, argumentiert er. Auch Überlegungen zum klimaneutralen Drucken wurden bereits durchgeführt. «Nach eingehender Prüfung haben wir uns entschieden, in erster Priorität Ressourcen zu sparen und damit einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Klimaneutrale Produktion ist grundsätzlich eine gute Sache. Dabei muss jedoch die Umweltfreundlichkeit an erster Stelle stehen und nicht die «normale» wenig, umweltschonende Produktion, die von den Kunden auf freiwilliger Basis kompensiert werden kann», kritisiert Chapuis. Dazu kommt, dass nur wenige Kunden bereit sind, die Zusatzkosten einer Kompensation zu zahlen. Auch wenn es immer mehr Auftraggeber gibt, die sich für das Thema Ökologie interessieren, zählt bei der Vergabe sehr oft nur der Preis, stellt Chapuis fest. Das gilt letztendlich auch beim FSC-Papier. Hier wäre eine durchgängige FSC-Zertifizierung für alle Bedruckstoffe eine konsequente Lösung.
Lange Durststrecke«Die Ropress hat sich bereits in den 90-er Jahren intensiv mit dem Thema Umwelt auseinandergesetzt», so Geschäftsleiter Hans-Peter Vieli. «Damals diskutierten wir über eine Zertifizierung nach ISO 1401. Bei der Überprüfung der einzelnen Prozesse stellten wir fest, dass der Schwerpunkt einer solchen Zertifizierung nicht auf dem Druckprozess an sich, sondern auf dem Papier liegen muss.» Dies war auch ein Kritikpunkt bestehender Zertifizierungssysteme, weil sie den Druckprozess beurteilten, aber nicht das Produkt mit einbezogen. Mit der Einführung des FSC-Labels war Ropress im Jahr 2000 weltweit das erste Druckunternehmen, das FSC-zertifiziert wurde. Wie bei allen Pionieren war der Anfang nicht einfach. «Wir hatten eine lange Durststrecke, es gab nur eine FSC-zertifizierte Papiersorte und die mussten wir von England einführen.» Vieli, der heute zum Vorstand von FSC (Schweiz) gehört, hat deshalb versucht, in einem ersten Schritt den Schweizer Papiergrosshandel vom FSC-Gedanken zu überzeugen. Ein Durchbruch gelang 2003, als sich die ersten Papiergrosshändler zertifizieren liessen. Heute ist das Angebot an FSC-Papieren riesig. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht eine neue Papiersorte registriert wird. Das gilt mittlerweile auch für die Zertifizierung von Druckunternehmen.
Wachsender Druck von KundenseiteImmer mehr erkennen den Wert einer FSC-Zertifizierung. Nicht zuletzt wird auch von Kundenseite der Druck grösser, weil das Label in die Auswahlkriterien einbezogen wird. Die finanziellen Investitionen, die für ein Druckunternehmen mit der FSC-Zertifizierung verbunden sind, halten sich im Rahmen. Vieli schätzt sie auf ca. 20 000 Franken. Ein grösseres Hindernis ist der administrative Aufwand. So muss eine Papierbuchhaltung und damit ein lückenloser Nachweis geführt werden. Dafür profitiert das Unternehmen bei der Verwendung des Logos. «Wir konnten z. B. zu den bereits bestehenden umwelt- und sozialorientierten Kunden neue Auftraggeber gewinnen. Zudem gehören wir nicht zu den Firmen, die Akquisitionswerbung betreiben, sondern setzen traditionell auf die Profilwerbung. Auch darauf hat die Zertifizierung positiven Einfluss.» Trotz des hohen Bekanntheitsgrades von FSC gibt es immer noch Aufklärungsbedarf. «Wir führen regelmässig Kundeninformationen und Aktivitäten zum Thema durch. Oft stellen wir fest, dass der Endkunde besser informiert ist als die Agentur. Das mag daran liegen, dass Designer optische Aspekte oder den Exklusivcharakter eines Papiers noch immer stärker gewichten als Umweltfragen», sagt Vieli.
Grössere Breitenwirkung erwartetZu einem frühen Zeitpunkt hat sich auch Ringier Print Adligenswil FSC-zertifizieren lassen. «Damals waren wir die erste Zeitungsdruckerei, und auch heute gibt es nur wenige Zeitungsdruckunternehmen, die FSC-zertifiziert sind. Der Aufwand ist zudem nicht übermässig hoch und in der Hauptsache eine organisatorische bzw. administrative Angelegenheit», sagt Dominik Hug, Leiter Marketing und Verkauf. Deshalb sollten auch kleine Druckunternehmen in der Lage sein, die Kriterien einer solchen Zertifizierung zu erfüllen. Probleme stellten sich zum damaligen Zeitpunkt eher auf Lieferantenseite, weil für den Cold-Set-Bereich keine FSC-zertifizierten Papierlieferanten zur Verfügung standen. Das Angebot ist zwar mittlerweile grösser, aber ISO 58 weiss ist auch heute noch nicht als FSC-Qualität erhältlich. Den Nutzen eines solchen Labels sieht Hug zum einen in ökologischer Hinsicht, zum anderen bietet sich damit eine Differenzierungsmöglichkeit gegenüber Wettbewerbern. Eine solche Zertifizierung lässt sich zudem als Marketingtool nutzen. So gibt es Kunden, die ihre Objekte ausschliesslich bei einer FSC-zertifizierten Druckerei produzieren lassen. Das ist z. B. bei den so genannten «Staatsaufträgen» der Fall. «Ich hatte jedoch auf Auftraggeberseite eine grössere Breitenwirkung erwartet», zieht er heute Fazit. «Die grosse Masse ist am Thema leider noch immer viel zu wenig interessiert.»
Ökologischer ZeitungsdruckWenn es um das Thema Ökologie im Druckbereich geht, so ist für Hug der Zeitungsdruck im Verhältnis zu anderen Druckverfahren bereits sehr ökologisch. Zeitungsdruckpapiere enthalten in der Regel bis zu 80% Altpapier, die Fasern werden mehrfach aufbereitet und wieder verwendet. «Unser Schwerpunkt liegt gegenwärtig nicht auf klimaneutralem Drucken, sondern auf unserem Projekt Rollenwechsel.ch. Damit sind Investitionen in Höhe von ca. 65 Mio. Franken verbunden, von denen auch die Umwelt profitiert.» So lässt sich durch die neue Druck- und Weiterverarbeitungstechnik der Verbrauch von Wasser und Energie reduzieren. Ökologie und Ökonomie schliessen sich bei diesem Projekt einmal nicht aus. Hug ist überzeugt, dass die Bedeutung der Themen Nachhaltigkeit und Ökologie in den nächsten Jahren zunehmen wird. «Ich rechne damit, dass in ca. fünf Jahren eine FSC-Zertifizierung State of the Art ist und vielleicht sogar in die ISO-Norm einfliesst.»
Gemeinsame AktionenSeit 2006 ist die Ivo Druck AG FSC-zertifiziert. «Wir leisten damit einen aktiven Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und wollen auch unsere Kunden dazu anregen, sich daran zu beteiligen», begründet Geschäftsführer Markus Ineichen die Entscheidung. Teilweise fehle auf Kundenseite das entsprechende Wissen über die Vorteile und Möglichkeiten, stellt er in der Praxis fest. Es sei deshalb sinnvoll, das Thema beispielsweise in den Medien immer wieder aufzugreifen, um die Leser auf diese Weise zu informieren und stärker für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Eine weitere Möglichkeit sind Veranstaltungen mit Kunden. So hat Ivo Druck anlässlich eines Kunden-Events gemeinsam mit dem Papierlieferanten Antalis über das FSC-Label und die Hintergründe informiert. Fotos und Fakten über die Waldwirtschaft vermittelten den Besuchern interessantes Hintergrundwissen.
Sabine Flachsmann
FSC – Gut für Wald und MenschDer Forest Stewardship Council (FSC)
ist eine unabhängige Mitgliederorganisation zur Förderung einer umweltfreundlichen, sozial verantwortungsbewussten und wirtschaftlich tragbaren Nutzung der Wälder weltweit. Der FSC wurde 1993 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn/Deutschland. Seine Struktur basiert auf der gleichberechtigten Berücksichtigung aller Interessen am Wald. Die FSC-Standards bestehen aus den zehn Prinzipien und Kriterien für vorbildliche Waldwirtschaft. Eine glaubwürdige Rückverfolgbarkeit forstlicher Produkte ist die zentrale Anforderung für die Zertifizierung der Verarbeitungs- und Handelskette (Chain of Custody). Die Chain-of-Custody-Zertifizierung erlaubt Verarbeitern von forstlichen Produkten sowie dem Handel, ihre zertifizierten Produkte mit dem FSC-Warenzeichen auszuzeichnen. Spezialisierte Unternehmen prüfen die Einhaltung der strengen Standards.In der Schweiz wurde im Dezember 2003
die FSC-Arbeitsgruppe Schweiz gegründet. Der Verein setzt sich für eine weitere Förderung der Zertifizierung und des Angebots an FSC-Produkten in der Schweiz ein. oder .