Distribution Seit kurzem ist die Post in der Nordwestschweiz regionale Monopolistin in der adressierten Frühzustellung. Das wird für die Zuvo Folgen haben.
Verleger, die ihre Tageszeitung per Frühzustellung zu ihren Abonnenten bringen lassen wollten, waren bis vor kurzem bei der Zuvo, der Distributionstochter von NZZ und Tamedia, gut beraten. Denn die Zuvo, die in Zürich und in der Ostschweiz tätig ist, hat sich in der Deutschschweiz bei den meisten Frühzustellfirmen der anderen Verlage beteiligt – entweder direkt oder aber über eines ihrer Mutterhäuser. Das einzige «Loch» ohne direkten Zuvo-Einfluss existiert in der Nordwestschweiz. Hier besteht lediglich eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit der Prevag, der Frühzustellfirma der Basler Zeitung Medien (BZM). Noch vor gut einem Jahr hatte die Zuvo mit Nachdruck versucht, sich an der Prevag zu beteiligen, sie wurde jedoch von der BZM abgewiesen.Und jetzt verkauft die BZM ihre Prevag ausgerechnet an die Schweizerische Post, seit Anfang Jahr für die Zuvo und die anderen verlagseigenen Zustellfirmen die Konkurrenz schlechthin im Bereich adressierte Frühverteilung. Denn die Post, die bis dahin einzig in Bern und in der Innerschweiz in der adressierten Frühzustellung aktiv war, weitete diese Tätigkeit dank Blick-Auftrag ab März auf alle Deutschschweizer Agglomerationen aus. Klar ist aber: Die Distribution des Blick allein rentiert für die Post nicht. Sie benötigt dringend weitere Frühzustellaufträge. Doch um solche zu gewinnen, braucht man gute Konditionen und einen langen Atem – wegen der Kündigungsfristen.
Für die Zuvo, die sich ebenfalls für die Frühzustellung des Blick interessiert hatte, war Ringiers Auftrag an die Post eine erste Niederlage. Dass nun auch die BZM ausschert und der Post ihre Frühzustellfirma vollständig verkauft, dürfte die Zuvo und ihre Deutschschweizer Partner vermutlich ins Wanken bringen. Denn die Post kommt ab sofort gleich zu mehreren Aufträgen, verteilte doch die Prevag in der Nordwestschweiz neben der Basler Zeitung (BaZ) auch die Basellandschaftliche Zeitung (bz), den Tages-Anzeiger, die NZZ und weitere Titel. Ferner kann die Post nun dank Prevag ihr Tätigkeitsgebiet ins ganze WG 31 ausdehnen und sogar einen ersten Fuss in die sonntägliche Frühzustellung setzen.
Das Wichtigste aber: Weil die BZM die Prevag vollständig verkaufte, verfügt der Gelbe Riese erstmals punkto adressierter Frühzustellung über ein regionales Monopol – und dies erst noch in einem wirtschaftlich wichtigen Gebiet. Positiv ausgedrückt: Die Post kann nun vom WG 31 aus die Verlage ködern, wie sie will. Nirgends ist sie in der Angebotgestaltung derart frei, denn überall sonst reden noch Partner mit. Zunächst wird sie nun versuchen, jene Verlage, deren Titel sie derzeit im WG 31 verträgt, mit Konzern- oder Mengenrabatten sowie Treueboni stärker an sich zu binden. So wie man es schon bei den Pressetransporttarifen in der Tagzustellung kennt. Kurz: Die Post erhielt von der BZM ein Instrument, mit dem sie nun der Zuvo einen Kunden nach dem andern abjagen kann.
Den Beginn machte sie mit der BaZ. Denn es ist anzunehmen, dass sie der BaZ ein interessantes Angebot unterbreitete – nicht nur für die Distribution im WG 31. Vielmehr dürfte sich der Preis noch verbessern, wenn die BaZ auch ihre Frühzustellauflagen in Zürich, Aarau oder Luzern den Zuvo-Partnern entzieht und stattdessen der Post übergibt. Ist dies erst einmal so weit, dürfte bald ein Domino-Effekt einsetzen: Nach der BaZ ziehen sich vermutlich auch die AZ-Medien aus der Frühzustellung zurück, dann die gesamte Mittelland Zeitung, weiter die Zürcher Landzeitung und schliesslich die Zuvo und ihre Assoziierten selbst. Warum? Es wird eben günstiger sein, der Post möglichst die ganze Auflage statt bloss Teilauflagen zu übergeben. Und weil der Zuvo nach Blick-Verlust und Prevag-Verkauf rentable Expansionsmöglichkeiten praktisch verbaut sind.
BZM-CEO Beat Meyer kam wohl zu einem ähnlichen Schluss. Im DRS-Regionaljournal legte er jedenfalls seine «private Einschätzung» der Situation wie folgt dar: «Die klare Aussage der Post und die Ressourcen, mit denen sie in den Frühzustellmarkt drängen kann, werden den einen oder andern Verleger sicher zu Überlegungen anspornen. Und vielleicht kommt ja der eine oder andere zum selben Entscheid wie wir.»
Markus Knöpfli
Ein ungünstiger ZeitpunktNach dem Entscheid der Post,
mit der Blick-Frühzustellung die Zuvo direkt anzugreifen, kündete Tamedia an, ihre Beziehung zur Post zu «klären». Dies in erster Linie bei der Frühzustellfirma Bevo in Bern, wo Tamedia und Post je hälftig beteiligt sind. Schlimmstenfalls könnte Tamedia dort der Bevo einen Grossteil der Aufträge künden und diese einer noch zu gründenden Parallelorganisation übertragen. Doch lohnt sich das? Die Post würde deswegen bestimmt nicht klein beigeben. Zudem ist kaum anzunehmen, dass sich die Zuvo-Partnerin NZZ auf einen derartigen Machtkampf mit der Post einlässt. Warum sollte sie? Doch bis Ende Juni sollte bei Tamedia und Zuvo die «Klärung» erfolgt sein, um der Bevo rechtzeitig per Ende Jahr kündigen zu können. Dort aber erscheint man ob der neusten Entwicklung etwas ratlos. Laut Tamedias Cheflogistiker Jürg Brauchli, gleichzeitig VR-Präsident der Zuvo, ist jedenfalls zur Bevo und zum Verhältnis mit der Post noch nichts entschieden worden. Doch schon besteht im WG 31 ein neuer Klärungsbedarf. (mk)