Obwohl die Schweiz zu den technologisch führenden Nationen gehört, über eine attraktive Online Landschaft verfügt und sich dies auch in der Mediennutzung wiederspiegelt, verharren die Online Spendings auf sehr niedrigem Niveau. Online hat zwar auch in der Schweiz Einzug in praktisch jedem Mediaplan gehalten – dies aber noch relativ verhalten und leider oft mit einem Stil der Performance, der «die Möglichkeiten des Mediums nur zu einem Bruchteil ausschöpft und der Nutzung nicht ganz Rechnung trägt», wie Yvan Piccinno bei Plan.Net Suisse meint. Der Zürcher Ableger der von München aus geleiteten Plan.Net-Gruppe will deshalb als ein Pionier in diesem Bereich Gattungswerbung betreiben und in den nächsten Tagen auch der Schweizer Werbewelt beweisen, wie Online-Werbung mehr als nur langweilige Banner und ein bisschen animiertes Streaming sein kann.
«Kreative Woche» steht als Versprechen über dem Projekt. Als idealen Medienpartner hat Plan.Net Ringier mit ihrem Blick Online begeistern können. «Wir suchten einen Verlag, der offen ist für Neues, und fanden mit Oliver Schibli bei Blick Online den optimalen Partner», freut sich Yvan Piccinno bei Plan.Net Suisse.
Kassenträchtiges Experiment
In der «kreativen Woche» auf Blick.ch will der Spezialist für Online-Werbung ab Montag, 8. September bis zum folgenden Freitag täglich eine neue «Sonder-Inszenierung» mit jeweils wechselnden Kunden vorstellen. Diese kreativen Spielereien mit neusten technischen Möglichkeiten sollen die Website zum Vehikel auch für Markenkommunikation machen.Internationale Studien und Märkte belegen nämlich bereits mit harten Fakten, dass sich das Medium Online auch für Markenkommunikation «überaus etabliert hat und in Abhängigkeit mit der Zielgruppe sogar das führende Medium ist», weiss Piccinno. Mit einer kreativen statt standardisierten Online-Werbung «können sich Unternehmen als Innovations-Führer positionieren». Für die Plan.Net-Woche auf Blick.ch hat die Agentur solch namhafte Schweizer Marken wie Swiss, Sunrise, Hotelplan, Jobscout24 und Preisauskunft.ch gewinnen können. Diese Kunden «sind begeistert» und bezahlen für das Experiment, denn Gattungswerbung für neue Entwicklungen im Online ist schliesslich auch eigene Image-Werbung.
In Deutschland schaltet Plan.Net schon länger solche innovative Online-Werbung für Produkteinführungen von grossen Marken wie zum Beispiel Apple, dem Elektronik-Giganten Mediamarkt oder BMW. Für diese Automarke sucht Plan.Net schon seit acht Jahren nach neuen Ideen mit ungewöhnlichen Keyvisuals oder animierten Eyecatchern. Die passenden Portale für solche Inszenierungen im Netz sind je nach Zielgruppe Yahoo Deutschland, MSN oder Autoscout24. Aber auch Spiegel Online und Stern zeigen sich offen für neue Werbeformen. Auf Stern.de hat Plan.Net einmal die ganze Homepage mit einem halbdurchsichtigen Film hinterlegt. Die Meldungen konnte man trotzdem lesen. Erst wenn ein Besucher der Website mit Mouseover sein Interesse für mehr kund tat, wechselte der Film vom Hintergrund auf den ganzen Bildschirm.
Bei den Verlagen sieht man klar die Chance für zusätzliche Einnahmen. Umgekehrt sind sich die kreativen Medialeute bei Plan.Net der Verantwortung bewusst, dass man die Besucher einer informativen Website nicht mit aufdringlicher Werbung bombardieren soll. «Es gibt ein tolerierbares Mass, wie es auch bei TV-Spots als Unterbrecher im Programm spielen muss», meint Piccinno.
Stütze für die klassische Werbung
Bei solchen Inszenierungen im Netz ist ein Spot in seiner Funktion als Teaser jeweils auf sieben Sekunden begrenzt. Wer will, kann vorher wegzappen. Aber wer sich zum Beispiel mit der Idee trägt, demnächst ein neues Auto zu kaufen, wird das Angebot hinter dem auffallend inszenierten Eyecatcher sicher aufnehmen. Er kann dann mit einen Button auf weitere Informationen klicken. Die Werbung arbeitet somit sehr zielgerichtet. Bei seinen bisherigen Schaltungen für BMW hat Plan.Net die Besucher der Webseiten aber bewusst nicht auf das eigene Portal der Automarke weiter geleitet. Der Surfer soll auf seiner angewählten Seite bleiben. Hier werden ihm – immer nur im Sinne von Markenwerbung – weitere Spielmöglichkeiten angeboten, denn nur ein positives Surf-Erlebnis kann auch ein positives Marken-Erlebnis hinterlassen.
Mit derart gestalteter Online-Werbung hat BMW in Deutschland für seine Markenbekanntheit ein Plus von 300 Prozent erreicht. Online stützt dabei die klassische Werbung, denn das Grundmaterial für die Inszenierungen wird jeweils von Print- oder TV-Kampagnen übernommen. Für das Allradsystem xDrive von BMW war das wichtigste Element ein Hampelmann. Seine beweglichen Arme und Beine symbolisieren die vier einzeln kontrollierbaren Räder. Auf den Webseiten tritt dieser Hampelmann als eine Art witziger Animator auf. Er spielt auf AutoScout.de zum Beispiel mit den News, kickt diese weg – und darunter erscheint kurz der BMW-Spot. Bei Spiegel.de bleibt der Hampelmann beim Scrollen ständig im sichtbaren Bereich auf der Seite. Bei MSN.de verlässt er eine grosse Werbefläche und findet sich in synchronisierten Einzelwerbeflächen wieder.
Die «kreative Woche» auf Blick.ch wird von der Printausgabe medial begleitet. Blick am Abend wird redaktionelle Beiträge zu jeder Inszenierung aufnehmen. Zudem will das Online-Team geeignete Themen redaktionell aufbereiten mit dem Einsatz von Pools, Ratings, Foren und gesonderten Galerien. Interaktiv ist es auch denkbar, das Rating mit einem Wettbewerb zu verknüpfen und damit das Involvement der User noch einmal zu steigern wie auch Adressen zu generieren.
Andreas Panzeri