Es ist ausnehmend ruhig geworden rund um die Diskussion, was im Geschäft mit den Inseraten schicklich ist und was nicht. Der Verband der Schweizer Werbeauftraggeber (SWA) hatte vor der Sommerpause das Thema breit lanciert und von allen Beteiligten Transparenz im Mediabusiness gefordert. Auslöser war nach Angaben des SWA, ihm lägen Beweise über unlautere Machenschaften im Mediageschäft vor. Um eine eilends ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Transparenz unter anderem mit Vertretern der Branchenverbände SWA und BSW, welche der Dachverband Schweizer Werbung (SW) ins Leben gerufen hat, blieb es indessen bisher ziemlich still. Jüngst jedoch tagte die AG zum zweiten Mal, nachdem noch vor den Sommerferien nicht klar war, ob es überhaupt zu einer zweiten Zusammenkunft kommen würde. SWA-Geschäftsführer Jürg Siegrist wertet diese zweite Diskussionsrunde positiv. «Ich hatte den Eindruck, dass es in der Sache vorwärts geht», sagt er.
Auch der Verband Schweizer Presse, konkret die Projektgruppe Markttransparenz, sprang in die Bresche und lancierte kürzlich ein 18-seitiges Arbeitspapier, das als Diskussionsgrundlage dienen und mithelfen soll, die Problematik zu objektivieren.
Die Projektgruppe unter dem Vorsitz von Christoph Bauer hat sich dabei drei Kernziele gesetzt:
1. Transparenz schaffen für die Marktteilnehmer Verlage, Werbeauftraggeber, Mediaagenturen, Werbeagenturen und Vermittler durch die Darstellung der Werbegeldflüsse für Printmedien und deren Kompensationsmodelle.
2. Eine Grundlage erstellen, auf deren Basis die Anforderungen und Modelle weiterer Mediengattungen und Branchenverbände eingebracht werden können.
3. Eine möglichst umfassende Diskussionsbasis für den Dialog mit den Partnerverbänden und Marktteilnehmern erhalten.
Das veröffentlichte Papier gilt dabei als Zwischenstand der Projektarbeit, um einen dynamischen Prozess einzuleiten und die offene Diskussion und Weiterentwicklung zu ermöglichen.
In ihren Ausführungen konzentrieren sich die Verantwortlichen in einem ersten Schritt auf ein Grundmodell mit Geldflüssen und Verrechnungsmodellen, die für Printmedien gebräuchlich sind, damit die Marktteilnehmer eine konkrete Diskussions- und Vergleichsbasis haben. Im Grunde sollen für die Marktteilnehmer die einzelnen Schritte im Geschäftsprozess möglichst präzis definiert sein, damit letztlich alle im Gewirr der verschiedenen Rabattierungsmodelle von derselben Sache sprechen. Ausgehend von diesem Grundmodell, unterscheidet die Projektgruppe vier Fälle: Auftraggebermodell, Agenturmodell, Vermittlermodell sowie Vermittlermodell mit Agentur. Die Arbeitsabschnitte sind dabei stets dieselben: Mediaplanung, Mediaeinkauf, Mediaabwicklung und Mediazahlung. Die Transparenz der Werbegeldflüsse und Kompensationsmodelle hängt dabei in hohem Mass vom jeweiligen Anwendungsmodell ab. Grundsätzlich ist die Transparenz geringer, je mehr Marktpartner am Prozess beteiligt sind. Mit zunehmender Intransparenz steigt zudem der Finanzierungsanteil am Mediaprozess der Verlage, kommt die Projektgruppe zu Schluss.
«Das Arbeitspapier ist ein wertvoller erster Ansatz», sagt Jürg Siegrist. «Doch der muss noch ausgebaut werden. Besonders wichtig scheint mir, dass dann auch konkrete Massnahmen beschlossen werden. Denn wir haben hier ja einen regelrechten Rabattsalat», betont er.
René Worni