Köpfe der Woche: Erweiterte Leitung

Mit Hanna Zimmermann und Sascha Knauer haben Agenturgründer Lajos Vizner und Guillaume Borel zwei langjährige Wegbegleiter in die Geschäftsleitung aufgenommen.

Bei der Gründung im Jahre 2004 noch zu dritt, beschäftigt ViznerBorel heute zwölf Mitarbeiter in den Räumlichkeiten der ehemaligen Zürcher Maternité. Kurz vor dem fünfjährigen Jubiläum im Frühjahr 2009 ist ViznerBorel bereit für Grosses. «Die Aufgaben, die sich uns stellen, werden immer komplexer», meint Lajos. «Das wachsende Volumen an Arbeit und die gestiegenen Anforderungen an unsere Kommunikationslösungen erfordern eine Verstärkung in den Verantwortungspositionen.» ViznerBorel ist eine inhabergeführte Agentur. In den Worten von Lajos Vizner bedeutet dies auch, «dass Guillaume und ich bei Kunden immer noch persönlich auftreten wollen. Dieses Engagement wollen wir beibehalten.» Bei der aktuellen Menge an Aufgaben sei dies aber nicht mehr immer möglich. Die beiden Gründer binden daher mit Hanna Zimmermann (Kreation/Art) und Sascha Knauer (Strategie/Beratung) zwei langjährige und ausgewiesene Mitarbeiter in dieses Engagement mit ein. Sie geniessen das Vertrauen der Kunden und geben ihnen die Gewissheit, dass auch in hektischen Zeiten immer ein kompetentes Mitglied der Geschäftsleitung für sie zur Verfügung steht. «Die beiden machen seit Jahren bei uns einen hervorragenden Job. Es war nahe liegend, sie in die Geschäftsleitung aufzunehmen.» Die Einstellung «le feu sacré» war für Lajos und Guillaume schon von Beginn an das Wichtigste. Dies bedeutet: Kommunikation, bei der kein Funke springt, kann auch kein Feuer entfachen. Nach dieser Philosophie betreut ViznerBorel seine Kunden über die Grenzen von klassischer und nicht-klassischer Kommunikation hinweg.
Eine Kernkompetenz von ViznerBorel ist, dass man hier «in Lösungen denkt». Dies zeigt sich zum Beispiel beim Kunden Denner, den die Agentur schon seit Jahren in der kommunikativen Entwicklung und der Neupositionierung der Marke berät. «Wir sind zusammen mit dem Kunden einen weiten Weg gegangen.» Andere wichtige Budgets sind Ikea, Igora Genossenschaft für Alu-Recycling, Schaffhauser Nachrichten, IGSU, Schild, Theater an der Winkelwiese oder neu VW Nutzfahrzeuge
Hanna Zimmermann
Nach der Grafikfachklasse in Basel hatte Hanna Zimmermann den Wunsch, in den trendigsten Designmetropolen ihre Erfahrungen zu sammeln. So fand sie sich bald in der Grafikabteilung des Studio Cerri & Associati in Mailand wieder, wo sie in zwei erfahrungsreichen Jahren für namhafte Kunden wie Ferrari, Prada, Maserati und Pirelli kreativ sein konnte. «Jeder dieser Jobs war total anders, und ich hab die grosse kreative Freiheit sehr genossen», erinnert sie sich. Neue Erfahrungen in einem mehr von Richtlinien begrenzten Umfeld konnte sie im folgenden Jahr in der Redaktion von Das Magazin, unter Wendelin Hess, sammeln. «Jede Woche ein völlig neues Heft in einem doch sehr vorgegebenen Rahmen zu machen, war für mich sehr spannend.» Im Jahr 2001 kam für sie der Einstieg in die Werbewelt. «Wirz war eine sehr gute Agentur, um in dieses Metier einzusteigen, denn sie deckt sämtliche Sparten der Branche ab. Und ausserdem habe ich da sehr viele gute Leute kennen gelernt. Unter anderen auch Lajos Vizner und Sascha Knauer.» Eine ihrer Arbeiten bei Wirz, an die sie sich gerne erinnert, sind die Plakate für das Lucerne Festival, in Zusammenarbeit mit Max Grüter. Eines dieser Sujets wurde an den New York Festivals mit Silber prämiert.
Um Spanisch, ihre fünfte Sprache zu lernen, gönnte sich Hanna ein halbes Jahr Auszeit in Madrid. Sie versäumte es aber nicht, mit der Erfahrung von zwei lehrreichen Monaten als Art Directorin bei BBDO Contrapunto im Gepäck in die Schweiz zurückzukehren. Als Freelancerin hat sie anschliessend an interessanten Projekten in verschiedenen Agenturen mitarbeiten können. Eine davon war ViznerBorel. Die enge Zusammenarbeit im Team und das gute Arbeitsverhältnis genoss sie so sehr, dass sie bald wusste: «Hier würde ich sofort fest einsteigen.»
Sascha Knauer
Schon von Kindesbeinen an war Sascha Knauer von Werbung fasziniert. Nach einer, in seiner nordbayerischen Heimat üblichen, «bodenständigen» Ausbildung als Werkzeugmacher hat er darum auf dem zweiten Bildungsweg das Diplom zum Werbekaufmann in Nürnberg erworben. Seinen Einstieg in die Werbung fand Sascha bei Publicis in München, wo er während zwei Jahren als Berater tätig war und Grosskunden wie zum Beispiel Siemens Nixdorf in all seinen Facetten betreute. Noch sehr gerne erinnert er sich an die Nacht-und-Nebel-Aktion, mit der sie damals noch zusätzlich das Mandat des Formel- 1-Sponsorships von Siemens gewonnen haben.
Über Vizner kam Knauer vor neun Jahren in die Schweiz. Als Berater bei Weber, Hodel, Schmid war er unter anderem für eine deutsche Start-up-Firma verantwortlich, die später an die Deutsche Telekom verkauft wurde. Von hier aus betreute er auch Daimler Chrysler Flugzeugtriebwerke, einen anderen W, H, S-Kunden in Deutschland. Er selbst bezeichnet diese Zeit als «ein hartes und sehr lehrreiches Jahr in einer der besten Agenturen». Der Wechsel in die Strategie erfolgte in der Wirz, mit Cary Steinmann, nachdem er in einem Beratungsteam für das New Business zuständig gewesen war. Über diverse Freelance-Strategie-Einsätze und einen kleinen Abstecher in die Welt des Direct-Marketings bei Fisch.Meier.Direkt fand Sascha Knauer mit RufLanz wieder seinen Weg in die klassische Werbung zurück. Warum der Wechsel zu Ruf Lanz? «Weil es damals ViznerBorel noch nicht gab», lacht er.
Andreas Panzeri

Moderne, kurzweilige Kommunikation mit E-Journal

Das Energieunternehmen Axpo geht in der internen Kommunikation mit Unterstützung von Infel den neuen, digitalen Weg. Die Mitarbeitenden sind begeistert.

Als führendes Schweizer Energieunternehmen sucht Axpo auch in der internen Kommunikation nach neuen, innovativen Lösungen. Deshalb wurde kürzlich das «Axpo Magazin aktuell» lanciert, ein auf Flash basierendes E-Journal mit kompakten, multimedial aufbereiteten Informationen.
Topaktuelle Themen
Das E-Journal ergänzt den weiterhin bestehenden Print-Titel «Axpo Magazin» und widmet sich speziell den vierteljährlichen Management Meetings der Axpo-Gruppe, an denen topaktuelle Themen diskutiert werden. Die wichtigsten Erkenntnisse sollen den Mitarbeitenden möglichst unmittelbar vermittelt werden. «Wir verstehen das E-Journal als Online-Erweiterung des gedruckten Mitarbeitermagazins, um die Ergebnisse der Management Meetings zeitnah und modern kommunizieren zu können», erklärt Michaela Schäfer, Leiterin interne Kommunikation bei Axpo. Die kurzweilige Form des Mediums motiviert zur eingehenden Nutzung. «Das gewährleistet, dass die wichtigen Informationen von vielen Mitarbeitenden wahrgenommen werden», so Schäfer.
Packen und umblättern
Den Lesenden der digitalen Zeitschrift begegnen auf acht Magazinseiten redaktionell aufbereitete und beachtungsstark inszenierte Inhalte. Die Seiten können mit der Maus «gepackt» und umgeblättert werden. Fast jede Seite entfaltet per Mausklick wechselnde oder vertiefende Inhalte. Schliesslich fordert das «Axpo Magazin aktuell» sein Publikum zum Feedback mittels Live-Voting auf. Realisiert wurde das «Axpo Magazin aktuell» von der auf Corporate Publishing spezialisierten Infel AG. Als Full-Service-Anbieter zeichnete Infel für Konzept, Inhalt sowie die technische Umsetzung verantwortlich. «Intranet-Publikationen sind dabei eine besondere Herausforderung an die Programmierung, weil sie meist grössere technische Beschränkungen haben», sagt Michael Schär, Multimedia-Koordinator bei Infel. Eine Mitarbeitendenbefragung bei Axpo hat die Entscheidung für das E-Journal in der internen Kommunikation bestätigt: Die grosse Mehrheit zeigte sich vom neuen Kommunikationsmittel begeistert.

Juli-Wachstum für Radio und Internet

Gemäss Goldbach Index (GEMI) steigt der Werbedruck im Berichtsmonat Juli beim Total der durch Media Focus erfassten Medien um einen Indexpunkt auf 200. Die elektronischen Medien steigern bei Radio, Internet und Teletext, während TV einen Indexpunkt einbüsst. Der von Media Focus erfasste Werbedruck hat sich im Juli zwischen Fussball-Europameisterschaft und Olympiade erstaunlich positiv entwickelt.

Gemäss Goldbach Index (GEMI) steigt der Werbedruck im Berichtsmonat Juli beim Total der durch Media Focus erfassten Medien um einen Indexpunkt auf 200. Die elektronischen Medien steigern bei Radio, Internet und Teletext, während TV einen Indexpunkt einbüsst. Der von Media Focus erfasste Werbedruck hat sich im Juli zwischen Fussball-Europameisterschaft und Olympiade erstaunlich positiv entwickelt. Auffallend ist die indexierte Entwicklung von Radio mit einem Wachstum von 6 auf 263 (257) und Teletext um 7 auf 140 (133) Indexpunkte. Internet kann sich um einen Punkt auf 292 steigern, TV sinkt um einen Punkt auf 463. Der Gesamtmarkt verzeichnet ein Plus von einem Indexpunkt auf 200, wobei die eMedien mit 439 Indexpunkten den Vormonatswert erreichen.

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Rezept: Offenheit und Klarheit

Konkrete Beispiele aus der Praxis – Reflexionen und Stimmen aus dem Alltag.

Der Erfolg des internal Publishing basiert auf zwei tragenden Pfeilern: einem klaren Konzept, welches festlegt, was die internen Kommunikationsmittel bewirken sollen und welcher Kommunikationsstrategie sie verpflichtet sind, sowie einer transparenten und ehrlichen Kommunikation, die auch unangenehme Wahrheiten offen anspricht.
Wie jeder Teilbereich unternehmerischen Wirkens ist auch das internal Publishing als Teil der internen Kommunikation nur auf der Basis solider, grundsätzlicher Überlegungen erfolgreich. Voraussetzung dafür sind ein Grundverständnis und ein Bewusstsein für die interne Kommunikation und ihre vier grundsätzlichen Wirkungsziele, nämlich strategische Ausrichtung, Förderung der Mitarbeiterloyalität, Stärkung der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen und Pflege der Organisationskultur.
Doch so selbstverständlich dies tönt: In der Praxis sind Publishing-Konzepte, welche sich nicht auf technische Aspekte beschränken, selten anzutreffen. Ein gutes Publishing-Konzept zeichnet sich nicht durch seinen Umfang aus, doch definiert es eindeutig die ganzheitlichen Absichten und Prioritäten der internen Kommunikation. Und diese Definition muss durch die Personalverantwortlichen, die Kommunikationsabteilung und die Unternehmensführung gemeinsam vorgenommen werden.
Der reine Dienstweg ist unzureichend
Wie dies in der Praxis ausschaut, schildert Christiane Roth, bis Ende 2007 Direktorin des Universitätsspitals Zürich, wie folgt: «Neben der Linienkommu¬nikation und den teamübergreifenden Gesprächen setzen wir bei der internen Kommunikation auch auf das Intranet als Informationstool und geben regelmäs¬sig unsere Mitarbeiterzeitung Puls heraus. Hier lasse ich der verantwortlichen Redaktionskommission die nötigen Freiheiten, habe aber die Erarbeitung der Konzeption und der Zielsetzungen für dieses interne Kommunikationsmittel begleitet. Dabei ist die Idee der Jahresthemen entstanden, die jeweils Anfang des Jahres gemeinsam mit mir festgehalten werden.»
Dieses Bewusstsein einer Geschäftsführerin, dass die Mitarbeiterzeitschrift ein wirksames Mittel ist, strategische Themen bei den Mitarbeitern zu verankern, beginnt sich immer mehr auszubreiten. Insbesondere wird auch erkannt, dass der reine Dienstweg bei der Informationsübermittlung von der Spitze des Unternehmens zur Basis unzureichend ist. Ulrich Zwygart, bis Anfang 2008 Kommandant der Höheren Kaderausbildung der Armee, dazu: «Ich habe mal gelesen, dass jede Information nur 1,5 Hierarchiestufen überlebt. Auch der Chef der Armee hat sich kürzlich beklagt, seine Anordnungen würden nicht alle bis ganz unten durchdringen. Das muss einem bewusst sein. Deswegen setze ich neben der Linienkommunikation unter anderem auch die schriftliche Information für alle ein. Auf dem Intranet haben wir viel Informationen und das Tool ‹Quest back›, das die Arbeitsplatzzufriedenheit aufnimmt. Hinzu kommen unser monatlicher Newsletter und das Ideanet, wo die Mitarbeitenden Anregungen und Verbesserungen eingeben können.»
Walter Gränicher, Präsident von Alstom Schweiz, bringt einen weiteren wichtigen Aspekt der Mitarbeiterzeitung auf die Frage ein, ob sich die Mitarbeitenden mehr mit einer länderübergreifenden Divisionsstruktur oder der Alstom Schweiz identifizieren: «In unseren Befragungen haben wir eine deutliche Antwort auf diese Frage erhalten: Zuerst fühlt sich der Mitarbeitende Alstom, dann der lokalen Ebene zugehörig. Und erst darauf folgt die Business-Einheit. Das zeigt, wie stark die lokale Bindung trotz allem immer noch ist. Deshalb haben wir vor drei Jahren die in den Krisenzeiten abgeschaffte Mitarbeiterzeitung für die Schweiz auch wieder eingeführt. Sie trifft die Bedürfnisse der Mitarbeitenden gut und trägt zur lokalen Integration bei.»
Mut zur klaren Sprache
Die interne Kommunikation und das internal Publi¬shing strotzen oft vor lauter Worthülsen und stereotypen und damit nichts sagenden Formulierungen. Der Mut zur klaren Sprache und damit zum persönlichen Wort und zur persönlichen Aussage ist angesagt. In welcher Tonalität, mit welchen Kommunikationsmitteln und in welcher Sprache, wann ist die Konzernsprache Englisch, wann die sprachkulturelle Formulierung vor Ort einzusetzen – dies sind Fragen der Unternehmenskultur, der Unternehmensgrösse und des interkulturellen Gespürs.
Im Circus Knie herrscht eine vorbildliche multikulturelle Kommunikationskultur auf kleinem Raum: Die 200 Mitarbeitenden aus 16 Nationen können auf das offene Wort und auf den Verzicht von unnötigem Geplänkel zählen. «Wir haben ein gutes, klares Klima. Was wir nicht diskutieren, sind Politik und Religion. In diesen Belangen respektieren wir einander einfach gegenseitig. Wenn die einen Ramadan haben, dann haben sie eben Ramadan. Punkt. (…). Unsere interne Kommunikation funktioniert mit primitiven Mitteln. Wir, also rund 200 Mitarbeitende, versammeln uns, zum Beispiel hier, auf dem Hauptareal des Circus, wo wir jetzt sitzen.» So sagt und handelt Fredy Knie jun.
Auch für Emanuel Berger, Delegierter des Verwaltungsrates der Victoria-Jungfrau Collection, der vier Luxushotels angehören, ist das offene Wort unabdingbar: «Ich erachte das persönliche Gespräch als das Wichtigste, das persönliche Eingehen aufeinander. Selbst wenn es um ein heikles Thema geht, beispielsweise wenn ein Mitarbeiter unter Körpergeruch leidet, muss man den Mut zum Gespräch haben.» Emanuel Berger hat diesen Mut – und er hat die Mitarbeitenden gern: «Ich fühle mich ihnen verbunden. In der Hotellerie sind die Mitarbeitenden in einer Partnerschaft, in einer Schicksalsgemeinschaft, gemeinsam hat man Erfolg oder Misserfolg.»
Als Appell an die Selbstverantwortung analysiert Markus Spillmann, Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung, einen wichtigen Teil der internen Kommunikation: «Ich gehe davon aus, dass auch die Mitarbeitenden eine Bringschuld haben. Sie sollen wissen: Zum Chefredaktor kann man gehen. Es darf umgekehrt aber nicht so sein, dass sie guten Gewissens argumentieren können: Den Spillmann interessiert es ohnehin nicht! (…) Unsere Mitarbeitenden sind fast alle sehr gut ausgebildet, fachlich hoch kompetent. Man darf auch von einer Überakademisierung sprechen. Und Leute mit einer so hohen Fachkompetenz sind grundsätzlich nicht einfach zu führen. Und ich soll und darf an die Selbstverantwortung appellieren.»
Unhierarchisch stufenlos
In der Genossenschaft des Zürcher Kurierunternehmens Veloblitz hat niemand Bedenken, seine Meinung zur internen Kommunikation kund zu tun. Die Auffälligkeiten dabei: Ein offenes Klima, formulierter Unmut gehören dazu, und eine ausgesprochen hohe Identifikation mit der eigenen Organisation. «Am Funk passiert mehr als nur die Auftragsverteilung. Er verbindet sämtliche Fahrer in einer magischen Art und lässt Raum für den Austausch anderweitiger Informationen. Der Funkverkehr kann daher ohne Übertreibung als die Quintessenz der Kommunikation von Kurieren bezeichnet werden. Leider oder zum Glück folgen die übrigen Formen der internen Kommunikation nicht den starren Regeln des Funkverkehrs!»
Und eine zweite Stimme aus der Genossenschaft Veloblitz: «Unsere wahre interne Kommunikation beginnt dann oft feierabends in der Sofaecke, wo man sich unter Fahrern ausgiebiger besprechen kann. Und wohl genau in diesem Moment bricht sie in ihr grosses Spektrum auf. Im Veloblitz sind die verschiedenen Kanäle, die ich nutzen könnte als Angestellter, in keine erkennbaren Bahnen gelegt. Guerillataktik ist gefragt, wenn man etwas will. Ich kann keine Instanzen oder Hierarchiestufen für meine Anliegen durchlaufen, wie das in einem der Grossunternehmen, die ihre internen Kommunikationswege vielfältig ausbauen und überwachen, üblich ist.»
Ebenfalls ein Plädoyer fürs minimal Hierarchische, wenn auch einer ganz anderen Struktur verpflichtet, ist die Aussage von Konrad Hummler, Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co., in St. Gallen: «Wir haben eine sehr flache Hierarchie und eine Kultur, in der man auch auf Beschlüsse zurückkommen kann. Wir gestehen uns also zuweilen auch ein, etwas Beschlossenes über den Haufen zu werfen. (…) Unsere Geschäftsleitungssitzungen sind spannendste Debatten vor grossem Publikum, denn wir haben 16 Mitglieder in der Geschäftsleitung. Ich habe die Form der Vollversammlung immer geliebt, auch schon im Militär, wo ich am liebsten gerade der ganzen Batterie die Befehle durchgegeben habe. Denn bei der Kommunikation über alle hierarchischen Stufen geht das Meiste verloren, und am Schluss kommt gar nichts mehr heraus.»
Patentrezepte?
Interne Kommunikation, die «richtigen» Inhalte im internal Publishing mit inbegriffen, dies ist ganz klar, und das ist nicht neu, Sache der Führung. «Führung ist erlernbar», macht John Antonakis, Professor für Organisationsverhalten an der Universität Lausanne, Mut: «Führung kann man studieren wie Medizin auch. Ähnlich der Medizin können wir Variablen identifizieren, die einen Einfluss auf gewisse Resultate ausüben, zum Beispiel Dosierung eines Medikamentes oder ‹Dosierung› an Charisma. Daraufhin können wir die Variablen bemessen. Zum Beispiel misst man eine Dosierung in Milligramm, Charisma wird anhand psychometrischer Fragebogen oder Expertenbewertungen gemessen.»
Patentrezepte? Die Antwort ist klar: Nein, die gibt es nicht. Jede Branche, jedes Unternehmen in seiner Grösse und seiner nationalen oder internationalen Struktur hat seine Gesetze. Jede Führungskraft ihren Charakter. Zum einen passt das laute, zum anderen das leise Wort. Aber offen, unmissverständlich und transparent soll es sein. Was es gibt, das sind Grundrezepte, Erfahrungen, die sich auf die eigene Situation übertragen lassen – ob es sich um die Ansprache vor Mitarbeitenden in der Krisensituation oder um eine Inhaltskonzeption fürs internal Publishing handelt.
Andreas Jäggi und Viviane Egli

Meyer, Matz und Minus 8: Personalzugänge bei Radio 1

Roger Schawinskis Sender Radio 1 hat diese Woche bereits zwei Neuzugänge vermeldet. Als Redaktorin stösst per Anfang Dezember Sabine Matz neu zum Team. Ausserdem ist der umtriebige Zürcher DJ Robert Meyer alias Minus 8 ab sofort für die Sendung «Lounge» zuständig.

Roger Schawinskis Sender Radio 1 hat diese Woche bereits zwei Neuzugänge vermeldet. Als Redaktorin stösst per Anfang Dezember Sabine Matz neu zum Team. Bislang war die 29-jährige Journalistin bei Radio Energy tätig. Zuvor arbeitete sie beim Tagblatt der Stadt Zürich und beim Brückenbauer. Bei Radio 1 werde sie als Reporterin und bei den News eingesetzt, liess Redaktionsleiter Sandro Brotz in einer Pressemitteilung vom Mittwoch verlauten.
Anfang der Woche vermeldete Brotz eine weitere Neuverpflichtung: Der umtriebige Zürcher DJ Robert Meyer alias Minus 8 ist ab sofort für die Sendung «Lounge» zuständig. Der Bruder von Technopapst Arnold Meyer und Spezialist für elektronische Musik mit Veröffentlichungen auf verschiedenen renommierten Labels übernimmt damit den Job von Luca Papini. Dieser müsse aus beruflichen Gründen kürzer treten, hiess es. «Meyer ist ein genialer DJ und passt bestens zur Lounge», liess sich Brotz in der Mitteilung zitieren.
Meyer startete seine musikalische Karriere in den 80er-Jahren als Bassist in einer Funkband, entdeckte aber schon bald seine Leidenschaft für elektronische Musik und experimentierte mit Keyboard und Sampler. Immer wieder werden seine Kompositionen auch in der Werbung eingesetzt. So lizenzierte beispielsweise der Computergigant Apple einst ein Stück von ihm. Ab 1993 begann er als DJ zu arbeiten. Seit März letzten Jahres ist Meyer zudem Mitbesitzer des Zürcher Inlokals Nachtigall. Seine Premiere bei Radio 1 wird er bereits am kommenden Freitagabend um 20 Uhr haben.

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Gesalzene Tarife beim Newsnetz

Newsnetz löst den Metropool Online ab, allerdings mit massiv höheren Tarifen.

Der Metropool Online, der Werbepool von Tagesanzeiger.ch, Baz.ch und Bernerzeitung.ch, ist tot. Es lebe Newsnetz. Wie Metropool Online ist auch das Nachfolgeprodukt Newsnetz primär ein virtuelles Angebot für den Werbemarkt. Der normale User hingegen steigt wie bisher entweder über tagesanzeiger.ch, baz.ch oder bernerzeitung.ch ein. Vielleicht stellt er fest, dass die drei Websites seit dem 8. August neu designed sind. Dass aber im Hintergrund eine Mantelredaktion und massiv mehr Leute am Werk sind, die Inhalte journalistisch aufbereiten, merkt der Durchschnittsnutzer kaum. Vielleicht merkt er es nach und nach, wenn ihm der redaktionelle Mehraufwand auch tatsächlich einen grösseren Nutzen bringt. Denn dann wird er die neu-alte Plattform häufiger aufsuchen.
Vorderhand hat sich aus Nutzersicht nicht viel verändert, aus Sicht der Werbekunden hingegen schon. Denn wer bisher seine Online-Kampagne im Metropool Online schaltete, bezahlt jetzt im Newsnetz in der Regel deutlich mehr. Hier vier Beispiele: Ein Rectangle, für das beim Metropool Online 25’000 Franken bezahlt wurde, kostet seit dem 8. August auf denselben drei Einstiegsseiten zusammen 37’800 Franken. Das entspricht einer Preiserhöhung von 51 Prozent. Ein Wallpaper kostete vorher 45’000 und neu 60’600 Franken. Aufschlag: 34,6 Prozent. Ein Skyscraper war früher für 30’000 Franken zu haben, im Newsnetz werden 37’800 Franken verlangt – eine Preiserhöhung um 26 Prozent. Am moderatesten verhält sich der Tarif beim Maxiboard: Es verteuert sich von 35’000 auf 37’800 Franken, das sind 8 Prozent mehr als bisher.
Was rechtfertigt eine solche Preissteigerung, noch dazu mitten im Jahr? Haben die Zugriffe und somit die Kontaktzahlen auf die drei Sites derart massiv zugenommen? Einmal davon abgesehen, dass es noch gar keine Zahlen gibt, ist das nicht anzunehmen. Und auch in der Vergangenheit deutete nichts auf einen massiv wachsenden Traffic hin. Vergleicht man etwa die Zugriffswerte von Juli 2007 und Juli 2008, welche die Internetforschung Net-Metrix-Audit für die drei Websites tagesanzeiger.ch, baz.ch und espace.ch ausweist (bernerzeitung.ch lässt seine Zugriffe nicht separat beglaubigen), so war über das Ganze gesehen keine wesentliche Zunahme festzustellen. Zwar wurde tagesanzeiger.ch im Juli 2008, also unmittelbar vor dem Newsnetz-Start, von 929’000 Computern (Unique Clients) angewählt, knapp 200’000 Mal häufiger als ein Jahr zuvor, baz.ch verzeichnete dagegen einen Rückgang von fast 100’000 auf 226’000 Unique Clients, während espace.ch stabil blieb (311’000 Unique Clients). Kurz: Die gesalzene Tariferhöhung beim Newsnetz lässt sich nicht mit Mehrleistung begründen. Doch womit denn?
Dominik Lämmler, Leiter Werbemarkt beim Newsnetz, ist nicht um Begründungen verlegen. Zum einen rechtfertige der massive redaktionelle Ausbau beim Newsnetz und zweitens der Relaunch der drei Websites ein Heraufsetzen der Tarife. Und Lämmler macht Mehrtraffic geltend. Ende 2007, als die Tarife von Metropool Online festgelegt wurden, hätten die drei Websites zusammen noch insgesamt 1,8 Millionen Ad-Impressions pro Woche erreicht, sagt er. Im Juli 2008 seien es dann aber 2,1 Millionen gewesen, 16,6 Prozent mehr. Das zeige, dass die Tariferhöhung punkto Tausend-Kontaktpreis (TKP) nur moderat ausgefallen sei. «Der TKP beim Maxiboard wurde sogar 7,6 Prozent günstiger», sagt Lämmler. Stimmt, vorausgesetzt, man akzeptiert den Wert Ad-Impression (siehe Kasten). Und selbst dann bleibt die Tariferhöhung massiv: Der TKP des Skyscrapers ist um 7,7 Prozent höher, jener des Wallpapers um 15 Prozent, und beim Rectangle stieg er um 30 Prozent.
Übrigens: Diese Preise sind nicht definitiv. Sie gelten als Einführungsangebot bis zum 7. September. Lämmler ist derzeit daran, die Tarife neu festzulegen. «Ob wir die Preise nochmals anheben werden, ist noch nicht entschieden, wir warten noch auf die aktuellste Auswertung der Ad-Impressions», sagt er.
Markus Knöpfli

Action vom Salatbuffet

Die Werber von Ruf Lanz haben für das Restaurant Hiltl Quentin Tarantinos «Death Proof» mit knackigem Gemüse neu vertont.

Seit vielen Jahren kann man beim Zürcher OrangeCinema am See nicht nur Hollywood-Schinken, sondern auch die vegetarischen Spezialitäten aus dem Haus Hiltl geniessen. Und wie immer lieferte Ruf Lanz auch in diesem Sommer als Dessert dazu einen neuen Kinospot. Die Filmversion 2008 blickt einem Sound-Designer über die Schulter und enthüllt, womit auch heute noch – selbst in den Hollywood-Studios – gewisse Geräusche produziert werden: mit knackigem Gemüse. Mit Hilfe von Rüebli, Lauch, Stangensellerie, Fenchel, Tomate und Co. wird die fulminante Schlussszene aus Quentin Tarantinos Film «Death Proof» neu vertont.
Idee und Drehbuch stammen von Markus Ruf. Regie führte der in Los Angeles lebende Schweizer Werbefilmer Serge Hoeltschi, mit dem die Agentur schon die preisgekrönten TV-Spots «Stevie Wonder» und «Andrea Bocelli» fürs Blindenwohnheim Mühlehalde drehte. Produziert wurde der Film von Onfilm Zürich mit Daniela Berther. Als Sound-Designer agiert der echte Peter Bräker. «Ohne diese Leute hätten wir das Projekt nicht in dieser Qualität realisieren können», meint Markus Ruf. Gedreht wurde an nur einem einzigen Sonntag – mit echt frischem Gemüse. Ein grosses Dankeschön geht auch an die Ascot Elite Entertainment Group für die Filmrechte. Im Anhang promotet der Hiltl-Kinospot dafür die DVD von «Death Proof», die soeben herausgekommen ist.
Hiltl ist das älteste vegetarische Restaurant Europas und wurde 1898 eröffnet. Früher hat der damals noch täglich fleischverzehrende Volksmund das Hiltl schon mal als «Wurzelbunker» bezeichnet. Heute hingegen ist das Hiltl ein echtes Trendrestaurant. Ruf Lanz wirbt seit der Wiedereröffnung nach dem grossen Umbau im März 2007 für Hiltl. Die erste Kampagne war jene mit den Passanten, die sich die Nasen an den Hiltl-Fenstern platt drückten und dadurch verblüffende Ähnlichkeit mit Schweinchen bekamen. Auflösung: Das neue Haus Hiltl macht selbst Fleischliebhaber neugierig. Danach folgten auffällige Guerilla- Aktionen wie die zu riesigen Kochschüsseln umfunktionierten Brunnen für das neue Hiltl-Kochatelier. Die Früchte der Arbeit: viele Kunden aus neuen Kreisen fürs Hiltl. Sowie zahlreiche Awards für Ruf Lanz.
Andreas Panzeri

Zur Person: Sound-DesignerPeter Bräker, der Sound-Designer des neuen Hiltl-Spots, hat in seinem Zürcher Studio auch schon das Sound-Design für Filme wie «Snow White» von Samir, «Sternenberg» von Christoph Schaub, «Der Freund» von Micha Lewinsky oder «Ernstfall in Havanna» von Sabine Boss und Viktor Giacobbo realisiert.
Der Hiltl-Spot ist auf YouTube unter dem Stichwort «Death Proof Hiltl» zu finden.

Aufgefallen

Humor in der Werbung ist Glaubenssache «Hat Ihre Werbeabteilung jeden Respekt vor der kath Kirche und deren Priester verloren?? Ein kath Pries¬ter gehört definitiv nicht in dieser Form auf Ihre Partner Winner Seite! Sollten Sie diese Werbung nicht zurückziehen, garantiere ich Ihnen Rechtsschritte.» So hat sich ein empörter Zeitgenosse beim Auftraggeber dieser neuen Kampagne beschwert.

Humor in der Werbung ist Glaubenssache
«Hat Ihre Werbeabteilung jeden Respekt vor der kath Kirche und deren Priester verloren?? Ein kath Priester gehört definitiv nicht in dieser Form auf Ihre Partner Winner Seite! Sollten Sie diese Werbung nicht zurückziehen, garantiere ich Ihnen Rechtsschritte.» So hat sich ein empörter Zeitgenosse beim Auftraggeber dieser neuen Kampagne beschwert. Ein anderes Sujet ist dem jüdischen Wochenmagazin Tachles negativ aufgefallen. And the Winner is? Meyer Werbung. Und zwar im doppelten Sinne. Im März hat PartnerWinner.ch, eine Tochter von Tamedia, die Konkurrenzpräsentation ausgeschrieben. Thomas Meyer hat sie mit viel Glauben an die Wirkung von frechem Ulk auf Kosten des Glaubens gewonnen. Die Sujets sind in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Nicolas Y. Aebi und Geschäftsführer Christoph Lüscher von PartnerWinner entstanden. «Lustigerweise waren alle Models ganz einfach zu rekrutieren – bis auf den orthodoxen Juden, den dann ich selber mimte. Immerhin habe ich jüdische Vorfahren», sagt Meyer. Dieses Shooting wollte er eigentlich vor der Synagoge machen, doch dort drohte man dem Team mit der Polizei, weswegen die Kreativen dann ihr Tun hinter den Vorhang eines Fotoautomaten verlegten. (pan)

Franziska knallt Models zum Erfolg
Mutige vor: Als Domina in Lackstiefeln, Corsage und Peitsche sucht das echte Supermodel Franziska Knuppe angehende Kolleginnen. Auch Knuppe war einmal ein Newcomer. Sie wurde mit 22 von Wolfgang Joop in einem Berliner Café entdeckt. Jetzt moderiert der Profi die zweite Staffel von Supermodels im Herbst auf dem Schweizer Sender 3+. Das von der Zürcher Werbeagentur und Publicis-Tochter Fast Track entwickelte Motiv setzte der in Paris ansässige Modefotograf Leo Krumbacher bei einem Fotoshooting in Hamburg um. Als CD wirkte Florian Beck.

Le Pain de la Liberté
Wenn zwei sich finden, gibt dies oft mehr als nur eine Verdoppelung der Werbewirkung. So geschehen bei La Liberté, der unabhängigen Freiburger Tageszeitung, und der Association des artisans boulangers-pâtissiers-confiseurs du canton de Fribourg. Für ihren Kunden La Liberté hat die Agentur Wapico in Bern die Aktion «Le pain de La Liberté» konzipiert, realisiert und organisiert. Als Wettbewerb gedacht, ist eine crossmediale Kampagne entstanden. Basis dafür waren Plakate und Inserate. Über 140 Bäcker wurden zudem mit Rotairs und Stellern, Wettbewerben und Verpackungen für das Brot beliefert. Was gab es wohl beim Wettbewerb zu gewinnen? Brot selbstverständlich. Ein Jahr lang und erst noch vom Wunsch-Bäcker in der Nähe.

Kulinarische Weltreisen

Food Exxtra hat für die Migros Appetit auf die weite Welt gemacht.

Mit sechs Artikeln sind in Zürich 1925 die ersten fünf Verkaufswagen der Migros losgefahren. Heute finden sich im Sortiment Tausende von Produkten aus allen fünf Kontinenten dieser Erde.
Diese Produktevielfalt und ihre Herkunft hat Exxtra Kommunikation und ihr AD Andrea Dübendorfer nun in eine visuell dankbare Kampagne gepackt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Lebensmitteln aus den Regionen Asien, Übersee und Südeuropa. Dieses reichhaltige Sortiment wird während 45 Tagen mit dem Claim «Alles, was Appetit auf die weite Welt macht» über Anzeigen, Plakat¬aushang, E-Boards und Cards for free beworben. Die Bildmotive hat Stefan Minder an authentischen Plätzen in Asien und Italien aufgenommen.
Dabei trugen die jeweiligen Marktverkäufer die Arbeitskleidung der Migros-Mitarbeiter. In den Filialen bringen virtuelle Show-Köche mit den M-Cooking- Köchen den Konsumenten die Rezepte aus der weiten Welt näher. Zudem werden in den grössten Migros-Filialen Degustationen veranstaltet. Die Aktion läuft noch bis zum 25. August.

Andreas Panzeri

Zu guter Letzt: Supersendung 2008

Der Knatsch bei «Supermodel» geht in die nächste Runde. Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass die Produktionsfirma Allcomm den Dreh der Sternchen-Show des Privatsenders 3+ vorerst abgebrochen hatte. Jetzt beginnen der Show die Supermodels davonzulaufen.

Der Knatsch bei «Supermodel» geht in die nächste Runde. Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass die Produktionsfirma Allcomm den Dreh der Sternchen-Show des Privatsenders 3+ vorerst abgebrochen hatte, «weil wesentliche Aspekte des Vertrags nicht erfüllt worden waren», wie sie verlauten liess. Unter anderem habe die Fernsehstation auf Dreharbeiten bestanden, bei denen die Sicherheitsstandards für die Supermodel-Aspiratinnen nicht gewährleistet gewesen seien.
Wie in 20Minuten am Dienstag zu lesen war, könnten nach der Absage von Kandidatin Carmen Beeler nun noch vier weitere Anwärterinnen den Hut nehmen. Offenbar sind sie nicht wie angekündigt nach drei Tagen informiert worden, ob sie eine Runde weitergekommen sind oder nicht. Gegenüber dem Gratisblatt bedauerte 3+-Senderchef Dominik Kaiser, dass die Information nicht korrekt geflossen war, sagte dann aber: «Es ist schade, dass sie jetzt schon aufgeben wollen. Alle von uns Eingeladenen gehören zu den vielversprechendsten Kandidatinnen der Castings.» Mit Spannung darf der weitere Verlauf der Supersendung erwartet werden.

Kommentar

Selbst wer sich an Weltuntergangs-Szenarien aus der US-Zeitungsbranche gewöhnt hat, wird erst einmal tief Luft holen: Von den 8 Milliarden Dollar, die die Tribune Co. zur Jahrtausendwende aufgewendet hat, um sich Times Mirror und damit die Los Angeles Times in ihren Konzern einzuverleiben, mussten dieser Tage 3,8 Milliarden Dollar abgeschrieben werden.

Selbst wer sich an Weltuntergangs-Szenarien aus der US-Zeitungsbranche gewöhnt hat, wird erst einmal tief Luft holen: Von den 8 Milliarden Dollar, die die Tribune Co. zur Jahrtausendwende aufgewendet hat, um sich Times Mirror und damit die Los Angeles Times in ihren Konzern einzuverleiben, mussten dieser Tage 3,8 Milliarden Dollar abgeschrieben werden. Die New York Times – eines der wenigen Blätter, die jenseits des Atlantiks die Berichterstattung über die Medienbranche und den Journalismus noch pflegen – hat vor kurzem vorgerechnet, wie sich die Börsenwerte von Zeitungshäusern entwickelt haben, denen man einmal nachgesagt hatte, sie seien die ¬einträglichste legale Geldanlage direkt nach den Spielcasinos.
Die grossen Konzerne haben dramatisch an Marktwert verloren. Die Washington Post Co. 24 Prozent seit Beginn des Jahres 2008, die New York Times Co. 26 Prozent und der grösste Zeitungskonzern der USA, Gannett, 52 Prozent. Bei vielen anderen börsen¬notierten Verlagshäusern sind Rückgänge der Notierungen von 50 bis 70 Prozent in den letzten ein bis zwei Jahren an der Tagesordnung. Und es gibt noch drastischere Fälle. So ist die Marktkapitalisierung der Journal Register Company, die den New Haven Register und Hunderte kleinerer Zeitungen herausgibt, im ¬August 2008 auf eine Million Dollar gesunken. Die Papiere haben damit seit Anfang des Vorjahres 99 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Im selben Zeitraum hat GateHouse Media, ein anderes Verlagshaus, das Hunderte kleiner Lokalblätter herausgibt, nahezu 98 Prozent seines Börsenwertes verloren und notiert jetzt noch mit einem Marktwert von 26 Millionen Dollar. Die Sun-Times Media Group in Chicago notiert 91 Prozent niedriger als im Januar 2007. Ihr Aktienkapital wird derzeit mit 34 Millionen Dollar bewertet.
Die Börsianer mögen sich nun fragen, ob das Kaufkurse sind – und befinden sich damit gewiss in guter Gesellschaft einer Vielzahl branchenfremder Inves¬toren, die «jetzt oder nie» darüber nachdenken, diese Gelegenheit zu nutzen. Andere, die an Synergie-Effekte und ihre eigenen überlegenen Management-Talente geglaubt haben mögen – wie etwa Sam Zell in den USA und David Montgomery in Europa –, haben sich allerdings bereits blutige Nasen geholt. Weshalb auch wir besser an dieser Stelle auf den todsicheren Geldanlage- oder Geldvernichtungs-Tipp im Sommerloch verzichten.
Stattdessen möchten wir heute aus gegebenem Anlass – die Olympiade geht ja gerade zu Ende – an Al Neuharth erinnern. Er war sozusagen der Marathon¬läufer und Goldmedaillengewinner im amerikanischen Zeitungsgeschäft des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Über viele Jahre hinweg hat er Gannett von Quartal
zu Quartal zu neuen Erfolgen geführt und innerhalb von zwei Jahrzehnten aus dem von ihm gegründeten ¬gehobenen Boulevardblatt USA Today die auflagenstärks¬te US-Zeitung gemacht – übrigens mit erstklassiger Sportberichterstattung.
Vorsorglich hat der Optimist und Lebemann ¬Neuharth allerdings vor zwanzig Jahren auch den Weltuntergang schon einmal durchgespielt – und sich ausgemalt, mit welchem Aufmacher die führenden US-Zeitungen unmittelbar zuvor darüber berichten würden. Seine Schlagzeilenversionen: New York Times: ‹Weltuntergang – Länder der Dritten Welt am stärks¬ten betroffen›; Wall Street Journal: ‹Weltuntergang – Dow Jones Index sackt auf Null-Marke›; Washington Post: ‹Weltuntergang – Aus Regierungskreisen verlautet: Weisses Haus hat Frühwarnungen ignoriert›; USA Today: ‹Wir sind alle tot! Allerletzte Sportergebnisse S. 6›. Der Scherz mag unter den heutigen Bedingungen makabrer klingen als zu dem Zeitpunkt, als Neuharth ihn erfunden hat. Sollte er indes zu heiterer, sommerlicher Gelassenheit im Umgang mit den Szenarien vom Exodus unserer Tageszeitungen verleiten, erfüllte er auch im Olympiajahr 2008 noch seinen Zweck.

Albert Polo Stäheli wird Geschäftsführer der NZZ

Nach Monaten der Spekulation über die personelle Besetzung des CEO-Postens bei der NZZ-Gruppe ist die Katze jetzt aus dem Sack: Albert P. Stäheli, bisher Leiter des Unternehmensbereichs Espace Media in der Tamedia, wird CEO der AG für die Neue Zürcher Zeitung.

Nach Monaten der Spekulation über die personelle Besetzung des CEO-Postens bei der NZZ-Gruppe ist die Katze jetzt aus dem Sack: Albert P. Stäheli, bisher Leiter des Unternehmensbereichs Espace Media in der Tamedia, wird CEO der AG für die Neue Zürcher Zeitung. In dieser neu geschaffenen Position wird Stäheli der Gruppenleitung der NZZ vorstehen. Die NZZ-Gruppe umfasst die Neue Zürcher Zeitung AG sowie die Freie Presse Holding AG, die unter anderem namhafte Beteiligungen an den Medienhäusern St. Galler Tagblatt, LZ Medien sowie an den Zürcher Landmedien hält. Albert P. Stäheli wird sein Amt in der NZZ-Gruppe per 1. Oktober antreten.
Mit der Wahl von Albert P. Stäheli wird die vom Verwaltungsrat beschlossene und von der Gruppenleitung mitgetragene neue Führungsorganisation für die NZZ-Gruppe in Kraft gesetzt, wie es in der Mitteilung vom Montag heisst. Der neue CEO wird für die Umsetzung der Gruppenstrategie verantwortlich sein. Alfred Hümmerich, bisheriger Vorsitzender der Gruppenleitung und CFO, wird die Einführung von Albert P. Stäheli unterstützen und anschliessend wieder in eine selbstständige Beratungstätigkeit zurückkehren.
Der 1949 geborene Albert P. Stäheli trat anfangs 1981 als Mitglied der Geschäftsleitung in die Berner Zeitung AG ein. Im Jahre 1987 übernahm er die Führung des gesamten Medienbereichs der damaligen Berner Tagblatt Mediengruppe BTM. 1993 wurde er CEO der Espace Media Groupe und nach dem Zusammenschluss mit Tamedia 2008 Mitglied der Unternehmensleitung von Tamedia. Sein Rüstzeug in Betriebswirtschaft, Marketing und Management holte sich Stäheli am Sawi in Biel, am Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie in Zürich, an der HSG in St. Gallen und am Insead in Fontainebleau.
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