Der Handelsregistereintrag vom 23. Juli lässt aufhorchen. In Basel wurde die Firma In-Media AG gegründet, deren Zweck wie folgt umschrieben ist: «Ausübung sämtlicher Aktivitäten im Zusammenhang mit der Herstellung und dem Vertrieb von Medienerzeugnissen jeder Art und insbesondere im Bereich des Verlagsgeschäfts (Publikationen von Zeitungen und Zeitschriften und elektronischen Medienerzeugnissen)». Besonders pikant: Als Verwaltungsratspräsident ist Markus F. Hof eingetragen, als Vizepräsident Ulrich Hurni und als Geschäftsführer René Brahier.
Im Vertriebsgeschäft sind die drei Herren nicht unbekannt. Hof ist Direktor und VR-Vizepräsident der Direct Mail Company (DMC), jene 50-prozentige Post-Tochter, die die Frühzustellung der Gratiszeitung .ch besorgt und in mehreren Regionen in der unadressierten Tagzustellung tätig ist. Hurni ist VR-Präsident der DMC und mehrerer anderer Vertriebsfirmen und vertritt dort die Post. Brahier schliesslich ist Geschäftsführer des DMC-Ablegers DMB in Biel.
In-Media ist also eine 100prozentige DMC-Tochter und somit quasi eine Enkelin der Post. Doch weshalb widmen sich die Logistiker DMC und Post plötzlich dem Verlagsgeschäft? Manch ein Verleger dürfte sich an die Deutsche Post erinnern, die den Verlagen dort seit Monaten mit dem Projekt einer landesweiten posteigenen Gratiszeitung gehörig einheizt. Hat die Schweizerische Post ähnliches vor? Will sie die Verlage im Hinblick auf die kommende Postmarktliberalisierung gefügig machen?
Ulrich Hurni winkt energisch ab. «Nein, nichts dergleichen», sagt er, «wir haben nicht die Absicht, eine Zeitschrift zu herauszugeben.» Es gehe bei In-Media lediglich darum, den Vertriebsprozess der DMC zu optimieren. Alles Weitere sei bei Markus F. Hof zu erfahren, das Konzept stamme von ihm. Hof jedoch schweigt. Trotz mehrerer Werbewoche-Anfragen antwortet er nicht.
René Brahier, sein Geschäftsführer in Biel, ist auskunftsfreudiger. Die In-Media AG, die er demnächst leiten wird, gebe seit August ein «Magazin in Miniform» namens «In-» heraus – ein vierseitiger, farbiger Folder im Tabloidformat. «In-» erscheine zweimal wöchentlich und diene der DMC als Hülle für die verschiedenen Prospekte, die sie in der unadressierten Tagzustellung verteilt. Der Folder solle etwas mehr Ordnung in die Briefkästen bringen und die Beachtung des Werbematerials erhöhen, sagt Brahier. Gleichzeitig wird so auch die Arbeit der Verträger erleichtert, weil die Mäppchen im Voraus maschinell zusammengestellt werden.
Das Redaktionskonzept von «In-» beschreibt Brahier wie folgt: Jeder Folder ist monothematisch und irgendwie aktuell. So waren die ersten Ausgaben den Themen Fruchtdrinks, City-Shopping, Olympia, Wetter und People gewidmet. Kurze, zeitlose Infohäppchen, grosse Bilder und jede Menge Responsvarianten in Form von Fotoeinsendungen, Wettbewerben und Ticketverlosungen – das ist das Strickmuster von «In-». Die Website www.in-online.ch habe nach nur drei Ausgaben bereits über 120’000 Kontakte ausgewiesen, erzählt Brahier stolz.
Für den Inhalt ist das IST-Werbeteam in Tenniken (BL) zuständig. Wobei «In-» ganz oder in Teilen von Werbekunden gebucht werden kann. In solchen Fällen richtet sich das IST-Werbeteam eben nach deren Vorgaben: Ein Wettbewerb, ein Rezept, ein Modestück – alles wird eingepasst. Die entsprechenden Tarife sind laut Brahier noch in Vorbereitung. Erst gelte es, Erfahrungen zu sammeln, sagt er. MediaDaten finden sich unter www.in-media.ch, die Website für Kunden. Derzeit wird der Folder in einer Auflage von 110 000 Exemplaren in der Region Thun und im Baselbiet verteilt, zwei Gebiete, in denen DMC tätig ist. Bis Ende 2009 will Brahier den Folder aber in der ganzen Deutschschweiz einführen und ihn auch von andern Zustellfirmen verteilen lassen. «In-» würde dann eine Million Exemplare pro Ausgabe erreichen – mehr als 20 Minuten. Geplant ist ferner die Expansion in die anderen Sprachregionen. Drucktechnisch könnte der Folder zudem auf acht Seiten anwachsen – je nach Nachfrage halt. Und vielleicht wird das Minimagazin bis dann auch von Briefkasteninhabern mit Stoppkleber akzeptiert. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Klar ist: «In-» soll vorerst für das Direktmarketing bloss eine neue Aera einläuten. Es birgt aber einiges Zusatzpotenzial.
Markus Knöpfli
Prevag-Übernahme für Weko kein ThemaIm Juni übernahm die Post von der Basler Zeitung Medien die Firma Prevag, die in der Nordwestschweiz in der adressierten Frühzustellung tätig ist. In diesem Geschäft und im Wirtschaftsgebiet 31 verfügt die Post damit über ein Monopol. Deswegen war der Branchenverband KEP&Mail an die Wettbewerbskommission (Weko) gelangt. Er verlangte, dass Übernahmen von Zustellorganisationen und anderen Logistik-Unternehmen durch die Post zwingend der Kontrolle der Weko unterstellt werden müssen. Doch der Weko-Bescheid fiel negativ aus. «Die Prevag-Übernahme ist gemäss Kartellgesetz nicht meldepflichtig», sagt Weko-Sprecher Patrik Ducrey. Dazu wäre etwa ein jährlicher Mindestumsatz von 100 Millionen Franken nötig. Ducrey: «Davon ist die Prevag weit entfernt.» (mk)