Die Zahlen sind beeindruckend. Bis 660’000 Unique Clients pro Monat kann Cineman.ch auf seinem Portal für alle Infos rund um die Welt des Kinos verbuchen. Cineman ist damit «das meistgenutzte Kinoportal der Schweiz». Mit dem ähnlich wertvollen Attribut «der meistbesuchte Online-TV-Guide der Schweiz» darf sich die Website Teleboy schmücken. Ein drittes Angebot, Moonwalk.ch, gilt als die grösste Event-Datenbank der Schweiz für Konzerte, Partys und andere Action. Alle diese Rekordhalter gehören zum Reich von Cinergy. Der helvetische Pionier für zielgerichteten Content im Netz wurde 1999 von Martin Glauser und Tobias Asch gegründet. Noch heute sind die beiden führenden Köpfe einer Firma mit über 30 Mitarbeitenden aktiv im Geschäft. Die Mehrheit ihrer Cinergy-Aktien haben Glauser und Asch aber diesen Sommer an Thomas Sterchi und seine Tom Talent Holding verkauft. Kein Akt der Resignation im explosionsartig wachsenden Online-Business. Mit dem Einbinden ihrer «Internet-Perle» in das international agierende und finanzstarke «Talent»-Unternehmen von Sterchi soll Cinergy in Zukunft erst richtig durchstarten können. Dazu braucht es natürlich auch eine aktiver auftretende Vermarktung.
Seit März wirkt Sandor Laczko im Hintergrund. Jetzt macht der neue Head of Sales & New Business seine Aufgaben erstmals öffentlich. Ein guter Grund, auch beim Unternehmen Cinergy einmal etwas genauer hinter die Bildschirme zu blicken.
Das Erfolgsrezept von Cineman beruht auf einer ausgeklügelten Kombination der Kino-Spieldaten mit umfassenden Kritiken und einer ganzen Reihe von multimedialen Formaten: Neben den Trailers gibt es auch Interviews, Making-ofs und die inhouse produzierten Videoreviews zu den Neustarts. Und natürlich ist auf Cineman.ch auch das Publikum aktiv, das unter dem Namen «m&m’s Movie Charts» nicht nur die grösste Filmjury der Schweiz stellt, sondern auch für eine Erfolgsgeschichte in Sachen Sponsoring steht. Seit nunmehr 6 Jahren ist m&m’s der Sponsor des Formats.
Tägliche Tipps für mehr als 100 SenderMit Teleboy.ch hat Cinergy 2001 eine ähnliche Site für das Fernsehprogramm lanciert. Hier findet der User die Spielzeiten und tägliche Tipps für mehr als hundert Sender. Wie Cineman ist auch Teleboy auf dem Gebiet Marktführer. Der rasanten Entwicklung der Fernsehwelt ist man sich bewusst: Mit Teleboy.tv betreibt Cinergy seit einigen Wochen den ersten umfassenden WebTV-Guide, der eine tagesaktuelle redaktionelle Auswahl mit automatischen Feeds von verschiedenen Sendern und Medienhäusern kombiniert.
Eine weitere grosse Plattform mit dem Namen Moonwalk hat sich 2006 aus dem bereits 2002 lancierten Clubgirl.ch entwickelt. Moonwalk ist heute die grösste Events-Datenbank der Schweiz für Konzerte und Partys. Auf dem Ausgeh-Portal finden sich auch die ersten Party-Videos der Schweiz. Mit Eventbooster.ch hat Cinergy zudem eine B2B-Plattform für Kulturveranstalter entwickelt. Auf ihr können Veranstalter nicht nur ihre Events erfassen oder ergänzen, sondern auch Hervorhebungen und Anzeigen auf verschiedensten anderen Plattformen buchen und online bezahlen.
Neben diesen Eigenpublikationen («Cinergy Media») gilt die Firma auch als der grösste Content-Anbieter («Cinergy Content») in Sachen «Entertainfo». Im Kundenportfolio findet sich alles, was in der Schweiz Rang und Namen hat: Bluewin, Search.ch, Google, NZZ, Sonntagszeitung, Orange, SBB u. v. a. Für Sacha Wigdorovits’ Punkt.ch zum Beispiel produziert Cinergy druckfertig das tägliche TV-Programm im innovativen «Genre-View-Format», den Kino-Guide und den Veranstaltungskalender für alle fünf Regionen.
Zurzeit teilen sich 32 redaktionelle Mitarbeitende und IT-Leute rund 18 Vollstellen. Stark ausgebaut wird aktuell vor allem im Bereich Vermarktung.
Und hier kommt Sandor Laczko ins Spiel. Sein Job ist es, die Plattformen von Cinergy «noch besser zu bewirtschaften». In früheren Jahren hat man sich stark fokussiert auf die Produkte und ihre Qualität. Cinergy hat für seine Plattformen auch schon mehrere Auszeichnungen bekommen wie Silber beim Best of Swiss Web in diesem Jahr für Eventbooster.ch oder die «Internetperle» vom NZZ-Folio. Die aktive Verbreitung der Brands drängte sich bei diesem fast automatischen Erfolg noch nicht so stark auf. Bis jetzt wurde nur eine Kampagne für Cineman bei der APG aufgehängt sowie ein paar Inserate in 20 Minuten geschaltet. Für die Vermarktung hat Cinergy mit den gängigen Vermarktern zusammengearbeitet. «Jetzt forcieren wir die Eigenvermarktung und liegen damit im branchenweiten Trend», erklärt Laczko. In diesen Tagen hat er bereits die erste spezialisierte Mitarbeiterin für diesen Verkauf von Online-Werbung anstellen können. «Und die Abteilung wird weiter wachsen.»
Cinergy hat ein eigenes Ad-Management-System implementiert, «wo wir eng mit Vermarktern zusammenarbeiten, jedoch alles selber verwalten». Laczko will gute Kontakte zu den drei Grossen AdLink, web2com und Admazing pflegen sowie auch mit anderen Agenturen oder Direktkunden zusammenarbeiten. Mit der eigenen Vermarktung will Cinergy noch mehr auf Kundenwünsche eingehen können. «Schnell reagieren, was bei einem Vermarkter nicht so einfach möglich ist», meint Laczko. Als Beispiel erwähnt er die m&m’s Movie Charts. Diese grösste Publikums-Bewertungsdatenbank in der Schweiz wird in verschiedenen Print- und Online-Medien publiziert. Eine solche Sponsoring-Partnerschaft wäre «kaum möglich, wenn da noch eine Agentur dazwischengeschaltet ist». Und Sponsoring mit solchen speziellen Inszenierungen ist ein «grosses Thema, das wir noch forcieren werden», verrät Laczko.
Der neue Head of Sales hat den idealen Background für diesen Job. Sandor Laczko hat an der Universität Zürich Medienwissenschaft in Kombination mit Betriebswirtschaft und Informatik studiert. Lange Zeit war seine grösste Passion aber die Musik. Schon in der Mittelschule durfte der Schlagzeuger in verschiedenen Bands seiner Musiklehrer mitspielen. «Irgendwann habe ich davon gelebt», erzählt er. Aufgetreten ist er in Doppelkonzerten mit Sting, Status Quo oder auch Pierre Favre. Dazu übte er mindestens sechs Stunden pro Tag. «Entweder so oder gar nicht mehr», war dann sein Entscheid, dass er das Schlagzeug aufgeben wollte, denn «als Hobby bringt es nichts, wenn man einen solchen Anspruch hat». Die Musik spielte aber weiter eine wichtige Rolle in seinem Berufsleben. Laczko ist eng mit dem Aufbau des Zürcher Jazzclubs Moods verbunden. Später war er Marketing-Leiter beim grössten Schweizer Indie-Label Rec Rec, bevor er als Promoter und PR-Manager zu Sony BMG wechselte. In 30 Monaten bei diesem Major hat er viel Energie aufgewendet, vermehrt Schweizer Bands in die Medien zu bringen. Bei Sony BMG hat er «die erste Abteilung in der Schweiz für Sales Broader Rights Management von Künstlern aufgebaut». Also eine Betreuung, die über das herkömmliche Verkaufen der Platten hinausgeht und auch Management, Konzert-Bookings, Merchandising und Sponsoring umfasst.
Nach den MusicStars hat Laczko in diesem Modell die Band Myron von 0 auf 100 aufgebaut und in die Top 10 der Charts gebracht. «Die neuen Synergien ermöglichten uns Partnerschaften, die es bisher in dieser Form noch nie gegeben hat», erinnert sich Laczko an Gigs für McDonald’s, wo er eine halbe Million Tischsets mit dem Flyer der Band bedrucken liess. Auch über eine Krankenkasse hat er die Jungs von Myron nach oben gebracht oder mit einer Konzert-Tour für Volvo. Weil ihn diese Aufgaben mehrmals wöchentlich an eine Party, ein Konzert oder sonst einen Event verpflichtet haben, suchte der Manager jetzt wieder einen Job, wo er nicht weniger, aber konzentrierter arbeiten kann. Bei Cinergy will er alle Synergien aus seinem bisherigen Wirken nutzen.
Andreas Panzeri
Die Vorgeschichte von Cinergy reicht ins Jahr 1995 zurück. Für Bluewin (damals: The Blue Window) entwickelten Glauser und Asch eine erste Veranstaltungsdatenbank und den Kino-Guide Cinemachine. 1999 machten sie sich selbstständig, gründeten die Cinergy AG und gaben als Premiere das Produkt Cineman.ch heraus, den ersten Kino-Guide mit dem kompletten Kinoprogramm der ganzen Schweiz. Seit bald zehn Jahren ist Cineman.ch die Adresse für Kino- und Filminformation im Netz. Seit 2006 gibt es das Portal auch in französischer und in englischer Sprache, und 2007 ist in Deutschland Cineman.de erfolgreich angelaufen. Cineman.fr, .at und .it sind in Vorbereitung. Und unter Cineman.com soll noch dieses Jahr Video on Demand im grossen Stil angeboten werden.