Die Letzte Meile der Telefon-Hausanschlüsse wird für die Swisscom-Konkurrenten nochmals markant billiger. Die Kommunikationskommission (Comcom) hat 18 Monate nach der Öffnung durch den Gesetzgeber den Preis der Letzten Meile auf 18.18 Franken pro Monat und Leitung gesenkt. Damit liegt er nun deutlich tiefer als die von der Besitzerin Swisscom zuletzt geforderten Preise von 31 Franken im Jahr 2007 und 23.50 Franken im Jahr 2008.
Mitbewerber auf dem Telecommarkt wie Sunrise und Orange, die in der Vergangenheit mehrere Klagen gegen die Swisscom eingereicht haben, sehen sich durch die Comcom bestätigt. «Der Entscheid zeigt einmal mehr, dass Swisscom durch Fehlkalkulationen versucht, überhöhte Preise zu erzielen», heisst es in einer Mitteilung von Sunrise. Der Comcom zollt das Unternehmen Anerkennung, dass sie «gegen allen Widerstand der ehemaligen Monopolistin einen wegweisenden Entscheid zum Preis des Teilnehmeranschlusses in Richtung fairen Wettbewerb getroffen hat.»
Dennoch pocht das Unternehmen auf weitere Liberalisierungsschritte. Aus Sicht von Sunrise sei bedauerlich, dass die Comcom der Empfehlung des Preisüberwachers bezüglich der Berechnungsmethode zur Preisfindung nicht gefolgt sei. Auf Grund der Überbewertung der grossenteils abgeschriebenen Infrastruktur könne Swisscom nach wie vor Kosten geltend machen, welche ihr in Realität nicht anfallen und diese auf die Wettbewerber überwälzen. In diesem Punkt bestehe weiterhin politischer Handlungsbedarf, schreibt das Unternehmen.
Die Swisscom will den Entscheid zuerst detailliert studieren, bevor sie ihn kommentiert. Offenbar fehlen dem Unternehmen die normalerweise den Mitteilungen beiliegenden Verfügungen, worin die Begründungen enthalten sind. Daher könne Swisscom keine detaillierte Stellungnahme abgeben, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Dennoch schreibt sie: «Sofern sich die Verfügungen und ihre Begründung im Rahmen des Gesetzes halten, wird Swisscom die Entscheide akzeptieren und auf einen Weiterzug an die nächste Instanz verzichten.»
Der Telekomgigant macht weiter geltend, dass die Preisberechnungen auf den von der Comcom und vom Bundesgericht in früheren Verfahren genehmigten Eckwerten basierten. Trotz hoher Produktionskosten gehöre die Schweiz schon heute in wichtigen Bereichen zu den Ländern mit den tiefsten regulierten Telekommunikationspreisen innerhalb von Europa. Zudem sieht das Unternehmen die in Bezug auf Qualität, Grundversorgung und Arbeitsplatzangebot an sich gestellten Forderungen in den Preisvergleichen und Forderungen der Behörden nicht angemessen berücksichtigt.
Inwiefern sich die Preisreduktion bei auf den Endkunden auswirkt, ist noch unklar. «Der Markt wird nun flexibler und dynamischer», sagte Michael Burkhardt, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit bei Sunrise, auf Anfrage der SDA. Sunrise habe den Entscheid der ComCom zum Teil bereits antizipiert und die Produkte darum günstig ausgestaltet (siehe:
Kampagne von Sunrise für den Umbau der Letzten Meile). Für die Ankündigung von weiteren Preissenkungen sei es jedoch noch zu früh.
Gemäss Comcom sollen die Preissenkungen den Markt beleben. Der Festlegung des Entbündelungspreises verbessere die Rechtssicherheit. Nun könnten die Firmen ihre Investitionen planen. Die Kunden wiederum profitierten von vielfältigeren Angeboten zu tiefen Preisen. Gesenkt werden auf Beschluss der Comcom auch die Preise für Kollokation und Interkonnektion um 25 bis 30 Prozent. Darunter versteht man die Mitbenutzung von Swisscom-Anlagen und des Swisscom-Festnetzes durch Konkurrenten. Damit gehören sie nunmehr zu den günstigsten in Europa, wie die Behörde schreibt.
Die Comcom fällte ihre Preisverfügung auf der Basis umfangreicher Kostenanalysen und Preisberechnungen, die das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) durchführte. Die Analyse ergab, dass Swisscom zu hohe Kapitalkosten, teilweise zu kurze Abschreibungsdauern und auch überhöhte Bau- und Betriebskosten verrechnete.