Der Aufstieg zum Top-Vermarkter für Aussenwerbung im Alpenraum begann mit einem Nebenjob. Burkhard Strasser, der nach einer Filmschule noch Medienökonomie an der Universität Wien studierte, hat sich seine zweite Ausbildung im Winter jeweils als Skilehrer finanziert. Dabei ist er in Zell am See eines Tages in der Bergstation von einem Marktforscher über «Werbung in Skigebieten» befragt worden. Obwohl er sich täglich zwischen Berg- und Talstationen bewegte, war ihm «nicht bewusst, dass es hier oben Werbung hat». Er konnte «keine einzige Marke nennen».
Dafür hat er an jenem Tag eine Marktlücke entdeckt. Da er in einem weiteren Nebenjob als Aufnahmeleiter beim ORF u. a. für die Sendung «Top Spots» wirkte, wo jedes Jahr die besten Werbespots prämiert werden, war ihm die Welt des Marketings nicht fremd. Strasser fragte sich also: Was macht man rund um die Bergbahnen falsch? Seine Idee: Die Werbung muss anders platziert werden. «Dort, wo der Gast wirklich viel Zeit verbringt, nämlich am Sessellift oder in der Gondel.» Wenige Wochen später hat Strasser bei einem Skiweekend im schwedischen Åre «seine» Idee bestätigt gesehen.
Inzwischen mehr Medienökonom als Skilehrer, arbeitete Strasser ein Geschäftsmodell aus und steckte 1997 sein gesamtes Erspartes von 40’000 Schilling in das Projekt. Er liess ein Spritzguss-Werkzeug anfertigen. Mit diesem konnte er die Werbehülsen herstellen, mit denen die Werbung an den Sesselliftbügel geschraubt wird. Er sei damals in den kalten Schnee gesprungen. Die Investition hat sich aber gelohnt. «ALP Media ist heute ein hochprofitables Unternehmen mit starken Expansionsmöglichkeiten, ich sag mal, die Perle der alpinen Aussenwerbung», meint Strasser. Weil ALP Media den Trend schon frühzeitig mitgetragen hat, konnte der Pionier schnell wachsen. Heute ist das Unternehmen in den fünf Ländern Österreich, Schweiz, Deutschland, Tschechien und Slowakei präsent. In der Schweiz ist ALP Media seit 2002 Marktführer bei Bügelwerbung und Checkpoint-Postern. Inzwischen erwirtschaftet Strasser in den helvetischen Alpen fast 80 Prozent seiner Umsätze.
Zur rechten Zeit auf dem MarktBeim Start in Österreich hat ALP Media geholfen, dass Nivea mit Sun Alpin als erster Kunde auf den Skilift aufgesprungen ist. Das war eine wertvolle Referenz. Ansonsten wehte dem Neuling auf den Berggipfeln ein eher kalter Wind entgegen, «um es mal diplomatisch zu formulieren». Die Werbung in der weissen Arena wurde von einem eigentlichen Monopol beherrscht. «Ich habe es trotzdem versucht und dürfte zu einem günstigen Zeitpunkt auf den Markt gekommen sein», analysiert Strasser heute.
Fakt war: Er konnte eine «gewisse Unzufriedenheit» der Seilbahnbetreiber mit ihrem alteingesessenen Anbieter feststellen. Auf Grund dessen waren viele bereit, mit ALP Media einen neuen Vertrag abzuschliessen. Das wurde natürlich juristisch bekämpft, weil die alte Konkurrenz Exklusivverträge reklamierte. Aber Strasser war der Schlauere. Der Neue konnte geltend machen, dass diese Exklusivrechte nur für im Bereich der Talstation und Bergstationen bereits bestehende Werbeformen anwendbar waren. Von Skiliftbügeln und diversen anderen von ALP Media entwickelten Werbeformen war auch im Kleingedruckten nichts zu lesen – das war Strassers grosse Chance.
Filet-Stück der alpinen Aussenwerbung Die Skilandschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Immer schnellere Bahnen lassen die langen Warteschlangen an der Talstation schmelzen. Keine Zeit also, um noch ein Plakat zu lesen. Oben auf den Pisten gibt es immer weniger Platz, wo man Plakate aufhängen könnte. Die Architektur tendiert zu offenen und schnell zugänglichen Kopfstationen, neben denen höchstens noch ein kleiner Container für den Pistenwart steht. Somit verbleibt als besonders effektive Werbefläche der Bügel. Hier verbringt der Gast nicht nur die meiste Zeit. Beim Halten des Bügels entsteht auch eine sehr starke Kontaktqualität. «Das ist das Rezept. Wir haben das Filet-Stück in der alpinen Aussenwerbung. Und das habe ich langfristig absichern können», darf Strasser zu Recht stolz sein.
Für die Idee ist die innovative Start-up-Firma 1999 als Top 24 der 100 erfolgreichsten Jungunternehmer in Österreich ausgezeichnet worden. Das hat entsprechende Presseberichte generiert, und ALP Media durfte in der Branche schnell ein positives Image geniessen. Aus diesem Grund wollte auch die Firma Skidata mit Strasser ins Geschäft kommen. Dieses Unternehmen hat für die Skilifte und Bergbahnen im Jahre 2’000 das elektronische Ticketing-System eingeführt. Mit einer Keycard, die auch in einer Swatch-Uhr integriert sein kann, wurde der alte Skipass ersetzt. Das berührungslose Zutrittssystem zu den Bahnen funktioniert über grosse Antennen, die man beim Einsteigen passieren muss. Eine ideale Werbefläche, sagte sich Skidata – und hat ALP Media als jungen, innovativen Vermarkter beim Aufbau eines entsprechenden Stellennetzes unterstützt. «Diese Partnerschaft für die Checkpoint-Poster war für uns ein grosses Kompliment», freut sich Strasser.
Seither konnte er seine Angebote sukzessive ausbauen, auch auf Kabinenwerbung. Dabei musste die Rechtssituation jeweils ganz klar abgeklärt werden. «Wir sind nie in andere Reviere wildern gegangen. Weil das letztlich nur den Markt verunsichert.» Natürlich wird in der Zwischenzeit die Idee mit der Bügelwerbung auch kopiert. Strasser kann es aber gelassen nehmen: «Das zeigt nur, dass unser Geschäftsmodell stimmt.» Aktuell kann der Pionier gemäss Forschungsdaten vom März 08 in der ganzen Alpenregion 31 Millionen Personen netto erreichen. Möglich wird das dank 118890 Werbeflächen an 1’344 Gondelbahnen, Sesselliften und Skiliften in fünf Ländern. Und der weitere Ausbau des Netzes ist in vollem Gange.
Messbarkeit ist zentrales Anliegen
Beim ersten Kunden Nivea war für Strasser noch das gewisse Quäntchen Glück dabei. «Nivea hatte ein kleines Restbudget, und ich bin zum richtigen Zeitpunkt gekommen.» Aber bereits mit diesem Aushang hat Strasser versucht, sein Versprechen mit genauen Forschungsdaten zu unterlegen. Die Messbarkeit der Werbeträger ist für Strasser und seine ALP Media ein zentrales Anliegen. Quantitative Messungen resultieren aus den Passagier-Frequenzen der Bahnen. Für qualitative Untersuchungen arbeitet ALP Media mit «dem Guru der österreichischen Marktforschung» zusammen, dem Institut für Werbewissenschaft und Marktforschung von Professor Günter Schweiger an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Befragungen für ALP Media werden nicht in der sichtbaren Nähe der Werbeträger, sondern mit fundierten Interviews in einer Skihütte gemacht. Mit dem Institut hat Strasser einen Fragebogen ausgearbeitet, von dem die Forschung wie seine Kunden überzeugt sind, «dass er die Realität relativ gut abbildet».
Was die Definition der Zielgruppen betrifft, kann sich ALP Media auf die Vorarbeit seiner betreuten Regionen abstützen. Es ist bekannt, welche Skigebiete für welche Gäste prädestiniert sind. «Die Skiorte haben sich selber sehr gut positioniert. Es gibt beliebte Ferienorte für die Familie wie die Bettmeralp, dann Top-Destinationen für eine gehobene Kaufklasse wie Arosa, Gstaad oder St. Moritz. Laax für die trendigen Snowboarder. Dann kennt man klar definierte Einzugsgebiete wie die Flumserberge, wo ALP Media im Jahr 220’000 Tagesausflügler aus dem Einzugsgebiet von Zürich, St. Gallen und Winterthur ansprechen kann.»
Für die Vermarktung baut Strasser auf ein Online-Reservierungssystem, für welches er 2003 den Staatspreis Multimedia & eBusiness bekam. 1997 hat er als Ein-Mann-Betrieb gestartet. Über zehn Jahre später bewältigt er einen Grossteil der Arbeit immer noch alleine – das ausgeklügelte Online-Reservierungssystem «ALP Media Plan» machts möglich. Die Produktion ist komplett ausgelagert. «Man kann bei mir anrufen für eine Kampagne, und eine Stunde später liegt die Offerte mit dem Schaltplan auf dem Schreibtisch», verspricht er. Bei ALP Media läuft alles über fixe Bestandsverträge. Das heisst: Ein Skigebiet sichert ALP Media die Werbeflächen langfristig zu. Alle Stellen sind tagesaktuell und online im ALP Media Plan erfasst. Dann wird der Auftrag an die externen Produzenten weitergeleitet.
ALP Media gilt in der Branche als sehr attraktiv
Eine Erleichterung für Strassers Planung bedeutet, dass im Bereich Media in den letzten Jahren eine grosse Konzentration stattgefunden hat. In jedem Land, das von ALP Media bewirtschaftet wird, wirken «wichtige Mediaagenturen, die den Grossteil der Etats halten. Zudem gibt es immer mehr Firmen, wo eine einzige Stelle gleich in mehreren Ländern bucht.» Bei diesen absolviert Strasser jeweils zwei bis drei Präsentationsrunden pro Jahr, wo er seine Neuigkeiten und die neusten Marktforschungsergebnisse vorstellt. So tourt er zum Beispiel eine Woche in London, Zürich oder anderen Zentren, wo die grossen Agenturen sitzen. «Die Anzahl der Ansprechpartner ist überschaubar», erklärt er, wie man ein derart erfolgreiches Geschäft wie ALP Media immer noch im Alleingang führen kann. «Mit seinem hochprofitablen, schlanken und unkomplizierten Geschäftsmodell gilt ALP Media in der Branche als sehr attraktive Braut.» Sie hat einen äusserst attraktiven internationalen Markt langfristig abgesichert, was grosse Plakatunternehmen auf den Plan gerufen hat.
Andreas Panzeri
Burkhard Strassers Unternehmen ALP Media ist in der Schweiz Marktführer bei Bügelwerbung und Checkpoint-Postern in Skigebieten.
Werbung am Berg
ALP Media ist eines der führenden Netze im Alpenraum mit weit über 100 000 Werbeflächen. Diese finden sich auf 1344 Gondelbahnen, Sesselliften und Skiliften in den fünf Ländern Schweiz, Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei.