Köpfe der Woche: Feuer und Flamme
Folker Wrage ist Geschäftsführer Kreation bei Publicis Dialog und Eric Fricke sein Grouphead Art. Zusammen stehen sie schon lange in einem sehr kreativen Dialog.
Bei Publicis Dialog ist wieder die nötige Ruhe eingekehrt. Auch wenn es zurzeit sehr hektisch zu und her geht. Der neue Erfolg basiert auf einem alten «Dreamteam». Der im Frühling gestartete CEO Erik Neumann hat im Sommer zuerst Eric Fricke als Group Head Art und im August auch noch Folker Wrage als Geschäftsleiter Kreation ins Boot geholt. Die drei kennen sich schon lange. Ihre Geschichte prägte über rund zwanzig Jahre auch viele Events im deutschen Dialog-Marketing.
Wenn man Werber wird, gibt es zwei Möglichkeiten: Text oder Art. «Ich bin kein Grafiker. Insofern blieb mir nur das geschriebene Wort», fasst Folker Wrage seine Berufswahl zusammen. Der Geschäftsleiter Kreation bei Publicis hat «sein ganzes Leben schon» geschrieben. Plattenbesprechungen, Musikkritiken, Reportagen für Szenemagazine. Als ein ergänzendes Studium hat er sich für Psychologie entschieden. Nach sieben Semestern merkte Wrage aber, dass er «für die Arbeitslosigkeit studiere». So hat er einen radikalen Schnitt gemacht und ging für fünf Jahre zur Lufthansa. Als Flugbegleiter konnte er seine grosse Neugier nach der grossen weiten Welt ausleben. Da Tabletts verteilen aber «nicht die ultimative berufliche Herausforderung ist», fragte sich Wrage eines Tages: Was kann ich? So ist er als Texter in die Werbung gekommen. Zuerst als Freelancer. Als sich sein Talent herumgesprochen hatte, kam ein Angebot von Ogilvy One. Dass es sich dabei um eine Dialogagentur handelte, war eher Zufall. Und so hat bei Wrage die Karriere ihre bis heute anhaltende Richtung genommen. «Am Ende ist alles prima zusammengekommen. In der Werbung hat mir alles geholfen, was ich bisher gemacht habe. Eigentlich ist es für einen gestandenen Werbetexter ja fast schon Pflicht, ein abgebrochenes Studium und einen seltsamen Beruf mitzubringen.»
Seiner ersten Agentur ist Wrage gleich eine Dekade treu geblieben. «Das war aber nie langweilig. Alles lief bei Ogilvy One wie verrückt.» Nach fünf Jahren war Wrage CD, nach sieben stellvertretender Geschäftsführer. Nach zehn Jahren hatte er «erreicht, was zu erreichen war». Um noch ein bisschen weiter zu lernen, wechselte er deshalb in eine klassische Agentur. So ist er zu Leo Burnett gekommen. Damals betreute er für Marlboro den Schweizer Etat. Als er auch «Marlboro verstanden» hatte, traf er Erik Neumann, einen alten Weggefährten von Ogilvy wieder. Der heutige Geschäftsführer von Publicis Dialog in Zürich wirkte damals für Saatchi & Saatchi X. In dieser Agentur für Shopper-Marketing ist Wrage als Kreativpartner eingestiegen, lernte dort «sehr viel» über Werbung am POS und hatte auch grossen Erfolg im Team mit Neumann. «Wir beide verstehen uns sehr partnerschaftlich. Und selbst wenn wir als leitende Angestellte arbeiten, gehen wir immer sehr unternehmerisch an unsere Aufgaben ran. Und vor allem mit viel Herz», umschreibt Wrage seinen Stil. Klar sei er mit Neumann jetzt in Zürich bei Publicis Dialog ein Teil eines grossen Netzwerks. «Wir haben aber die unternehmerische Gesamtverantwortung, fast schon im Sinne einer Eigenständigkeit.» Wrage interessierte sich auch als Kreativer schon immer für Zahlen. «Ich arbeite auch sehr gern an der Business-Strategie mit. Mir ist wichtig, dass wir wachsen und profitabel sind.»
Spass am Direct Marketing
Als er früher mal mit einem Headhunter über seine weitere Zukunft geredet hat, meinte dieser, dass Wrage an einem ganz schön grossen Rad drehe. «Aber das ist es auch, was mir Spass macht», sinniert er. Und erzählt gerne von seinen spannenden Zeiten, wo er bei Ogilvy One mitgeholfen hat, eine Agentur innerhalb von fünf Jahren «mit riesengrossem Abstand zur Nummer eins zu machen». Eine Agentur, die bis dahin noch nie einen wichtigen Preis gewonnen hatte, schaffte es, beim deutschen Dialog-Marketing-Preis fünfmal hintereinander in der gleichen Kategorie Gold zu holen, 2001 sogar Gold, Silber und Bronze, das «beste Mailing» sowie einen Gold-Clio. Fast ausschliesslich mit Arbeiten für IBM. Dazu hat Wrage auch in Cannes einen Direct-Löwen gewonnen. «Wir haben es geschafft, dass die Dialog-Agentur Ogilvy One sogar im Kreativranking der klassischen Agenturen auf Platz sieben gekommen wäre, nur noch hinter den ganz grossen wie Jung von Matt, Scholz & Friends oder Springer & Jacoby.»
Trotzdem hat Wrage an der Arbeit im Direct Marketing nach wie vor den grössten Spass. «Ich liebe es, erfolgsorientiert zu arbeiten. Im Sinne einer Messbarkeit.» Man habe auch viel mehr Möglichkeiten sich auszudrücken, «weil bei uns die Formate fast ins Endlose gehen». Und all diese Spielmöglichkeiten beflügeln auch immer wieder von Neuem die Fantasie von Eric Fricke.
Der neue Group Head Art bei Publicis Dialog hat seinen Weg in die Werbung über die Welt des Kunsthandwerks gefunden. Um später Goldschmied oder Bühnenbildner zu werden, hat Eric Fricke schon während der ordentlichen Schulzeit Privatstunden im Zeichnen bei einem freien Künstler genommen. Später hat er auf einer privaten Kunstschule in Frankfurt studiert. Finanziert hat er sich diese Ausbildung schon im zweiten Semester mit Jobs in kleinen Werbeagenturen. Zwei Tage pro Woche spielte er den Boy für alles. Da ihm diese Praxis bald mehr Spass machte als die Theorie, fand man den jungen Kunststudenten immer häufiger in diesen Agenturen. «Auf diese Weise habe ich so etwas wie eine innoffizielle Lehre in einer Werbeagentur gemacht», wertet Fricke diesen Einstieg. «Ich durfte überall reinschnuppern.» Die von ihm bedienten Agenturen waren eher klassisch. Trotzdem sammelte er bereits auch erste Erfahrungen im Bereich POS und Messebau. Während seines schliesslich vollzeitlichen Engagements bei vier verschiedenen Agenturen konnte der junge Grafiker «viele wichtigen Leute kennenlernen». Über einen Texter hat sich so ein Kontakt zu Ogilvy One ergeben. Dort erlebte Fricke in den folgenden acht Jahren die auch von Folker Wrage mitgeprägte Boomzeit. Die Anzahl der Mitarbeitenden verdoppelte sich von 60 auf 120. Wichtiger als diese Grösse dank Erfolg blieb aber für Fricke der «Spass an der Arbeit». Er war immer sofort mit Feuer und Flamme dabei, wenn es ein Team mit Ideen für einen neuen Pitch brauchte. «Das Salz in der Suppe ist das New Business, weil es immer wieder eine neue Herausforderung bedeutet.» Ein paar dieser Arbeiten waren neben IBM auch für die Deutsche Bank, American Express, Mercedes-Benz, Procter & Gamble oder zum Beispiel SAP.Wie bewegen sich Käufer im Supermarkt?
Weil Springer & Jacoby seine Kompetenz in Sachen Dialog verstärken wollte, hat Fricke später einen Ruf nach Hamburg angenommen. «Das war aber ein schlechtes Timing», denn SJ kam bald in eine – inzwischen überwundene – Krise. Bereits nach acht Monaten war Fricke wieder in Frankfurt anzutreffen. Hier hat ihm sein alter Weggefährte Erik Neumann sofort eine bessere Chance für sein neues Team bei Saatchi & Saatchi X angeboten. In der auf Shopper-Marketing spezialisierten Agentur war es für Fricke eine besondere Herausforderung, das ganze Konzept im Bereich Shopping und Retailing für den Frankfurter Flughafen zu machen. Wie bewegen sich Menschen im Supermarkt? Welche Sicherheitsvorschriften gilt es zu beachten? Welche Wegströme bieten welche Chancen? Um solche Fragen beantworten zu können, hat sich Fricke durch viele Studien gelesen. Das angesammelte Wissen soll ihm jetzt auch bei Publicis wertvolle Impulse für neue Dialoge mit Kunden liefern.
Als zuerst Folker Wrage zu Publicis Hamburg und dann auch noch Erik Neumann, der Geschäftsführer bei Saatchi & Saatchi X, nach Zürich wechselte, war es für Eric Fricke «bei einem Bier» mit Erik Neumann schnell klar, dass auch er an einem anderen Ort sein Glück finden wollte. «Obwohl man wusste, dass es damals bei Publicis Dialog eine Krise gab. Das war aber auch eine Herausforderung und damit eine Chance. Denn wir haben alle drei schon bewiesen, dass wir etwas aufbauen können», war eine wichtige Motivation für Fricke.
Inzwischen hat sich das Trio ein Ziel gesetzt: «Wir haben es alle erlebt, wie man eine ganz normale Agentur zu einer wirklich gnadenlos kreativen aufbauen kann – ein lebhafter Hot-Shop, mit Spirit und Tempo beim Wachsen.»
Andreas Panzeri
Wenn man Werber wird, gibt es zwei Möglichkeiten: Text oder Art. «Ich bin kein Grafiker. Insofern blieb mir nur das geschriebene Wort», fasst Folker Wrage seine Berufswahl zusammen. Der Geschäftsleiter Kreation bei Publicis hat «sein ganzes Leben schon» geschrieben. Plattenbesprechungen, Musikkritiken, Reportagen für Szenemagazine. Als ein ergänzendes Studium hat er sich für Psychologie entschieden. Nach sieben Semestern merkte Wrage aber, dass er «für die Arbeitslosigkeit studiere». So hat er einen radikalen Schnitt gemacht und ging für fünf Jahre zur Lufthansa. Als Flugbegleiter konnte er seine grosse Neugier nach der grossen weiten Welt ausleben. Da Tabletts verteilen aber «nicht die ultimative berufliche Herausforderung ist», fragte sich Wrage eines Tages: Was kann ich? So ist er als Texter in die Werbung gekommen. Zuerst als Freelancer. Als sich sein Talent herumgesprochen hatte, kam ein Angebot von Ogilvy One. Dass es sich dabei um eine Dialogagentur handelte, war eher Zufall. Und so hat bei Wrage die Karriere ihre bis heute anhaltende Richtung genommen. «Am Ende ist alles prima zusammengekommen. In der Werbung hat mir alles geholfen, was ich bisher gemacht habe. Eigentlich ist es für einen gestandenen Werbetexter ja fast schon Pflicht, ein abgebrochenes Studium und einen seltsamen Beruf mitzubringen.»
Seiner ersten Agentur ist Wrage gleich eine Dekade treu geblieben. «Das war aber nie langweilig. Alles lief bei Ogilvy One wie verrückt.» Nach fünf Jahren war Wrage CD, nach sieben stellvertretender Geschäftsführer. Nach zehn Jahren hatte er «erreicht, was zu erreichen war». Um noch ein bisschen weiter zu lernen, wechselte er deshalb in eine klassische Agentur. So ist er zu Leo Burnett gekommen. Damals betreute er für Marlboro den Schweizer Etat. Als er auch «Marlboro verstanden» hatte, traf er Erik Neumann, einen alten Weggefährten von Ogilvy wieder. Der heutige Geschäftsführer von Publicis Dialog in Zürich wirkte damals für Saatchi & Saatchi X. In dieser Agentur für Shopper-Marketing ist Wrage als Kreativpartner eingestiegen, lernte dort «sehr viel» über Werbung am POS und hatte auch grossen Erfolg im Team mit Neumann. «Wir beide verstehen uns sehr partnerschaftlich. Und selbst wenn wir als leitende Angestellte arbeiten, gehen wir immer sehr unternehmerisch an unsere Aufgaben ran. Und vor allem mit viel Herz», umschreibt Wrage seinen Stil. Klar sei er mit Neumann jetzt in Zürich bei Publicis Dialog ein Teil eines grossen Netzwerks. «Wir haben aber die unternehmerische Gesamtverantwortung, fast schon im Sinne einer Eigenständigkeit.» Wrage interessierte sich auch als Kreativer schon immer für Zahlen. «Ich arbeite auch sehr gern an der Business-Strategie mit. Mir ist wichtig, dass wir wachsen und profitabel sind.»
Spass am Direct Marketing
Als er früher mal mit einem Headhunter über seine weitere Zukunft geredet hat, meinte dieser, dass Wrage an einem ganz schön grossen Rad drehe. «Aber das ist es auch, was mir Spass macht», sinniert er. Und erzählt gerne von seinen spannenden Zeiten, wo er bei Ogilvy One mitgeholfen hat, eine Agentur innerhalb von fünf Jahren «mit riesengrossem Abstand zur Nummer eins zu machen». Eine Agentur, die bis dahin noch nie einen wichtigen Preis gewonnen hatte, schaffte es, beim deutschen Dialog-Marketing-Preis fünfmal hintereinander in der gleichen Kategorie Gold zu holen, 2001 sogar Gold, Silber und Bronze, das «beste Mailing» sowie einen Gold-Clio. Fast ausschliesslich mit Arbeiten für IBM. Dazu hat Wrage auch in Cannes einen Direct-Löwen gewonnen. «Wir haben es geschafft, dass die Dialog-Agentur Ogilvy One sogar im Kreativranking der klassischen Agenturen auf Platz sieben gekommen wäre, nur noch hinter den ganz grossen wie Jung von Matt, Scholz & Friends oder Springer & Jacoby.»
Trotzdem hat Wrage an der Arbeit im Direct Marketing nach wie vor den grössten Spass. «Ich liebe es, erfolgsorientiert zu arbeiten. Im Sinne einer Messbarkeit.» Man habe auch viel mehr Möglichkeiten sich auszudrücken, «weil bei uns die Formate fast ins Endlose gehen». Und all diese Spielmöglichkeiten beflügeln auch immer wieder von Neuem die Fantasie von Eric Fricke.
Der neue Group Head Art bei Publicis Dialog hat seinen Weg in die Werbung über die Welt des Kunsthandwerks gefunden. Um später Goldschmied oder Bühnenbildner zu werden, hat Eric Fricke schon während der ordentlichen Schulzeit Privatstunden im Zeichnen bei einem freien Künstler genommen. Später hat er auf einer privaten Kunstschule in Frankfurt studiert. Finanziert hat er sich diese Ausbildung schon im zweiten Semester mit Jobs in kleinen Werbeagenturen. Zwei Tage pro Woche spielte er den Boy für alles. Da ihm diese Praxis bald mehr Spass machte als die Theorie, fand man den jungen Kunststudenten immer häufiger in diesen Agenturen. «Auf diese Weise habe ich so etwas wie eine innoffizielle Lehre in einer Werbeagentur gemacht», wertet Fricke diesen Einstieg. «Ich durfte überall reinschnuppern.» Die von ihm bedienten Agenturen waren eher klassisch. Trotzdem sammelte er bereits auch erste Erfahrungen im Bereich POS und Messebau. Während seines schliesslich vollzeitlichen Engagements bei vier verschiedenen Agenturen konnte der junge Grafiker «viele wichtigen Leute kennenlernen». Über einen Texter hat sich so ein Kontakt zu Ogilvy One ergeben. Dort erlebte Fricke in den folgenden acht Jahren die auch von Folker Wrage mitgeprägte Boomzeit. Die Anzahl der Mitarbeitenden verdoppelte sich von 60 auf 120. Wichtiger als diese Grösse dank Erfolg blieb aber für Fricke der «Spass an der Arbeit». Er war immer sofort mit Feuer und Flamme dabei, wenn es ein Team mit Ideen für einen neuen Pitch brauchte. «Das Salz in der Suppe ist das New Business, weil es immer wieder eine neue Herausforderung bedeutet.» Ein paar dieser Arbeiten waren neben IBM auch für die Deutsche Bank, American Express, Mercedes-Benz, Procter & Gamble oder zum Beispiel SAP.Wie bewegen sich Käufer im Supermarkt?
Weil Springer & Jacoby seine Kompetenz in Sachen Dialog verstärken wollte, hat Fricke später einen Ruf nach Hamburg angenommen. «Das war aber ein schlechtes Timing», denn SJ kam bald in eine – inzwischen überwundene – Krise. Bereits nach acht Monaten war Fricke wieder in Frankfurt anzutreffen. Hier hat ihm sein alter Weggefährte Erik Neumann sofort eine bessere Chance für sein neues Team bei Saatchi & Saatchi X angeboten. In der auf Shopper-Marketing spezialisierten Agentur war es für Fricke eine besondere Herausforderung, das ganze Konzept im Bereich Shopping und Retailing für den Frankfurter Flughafen zu machen. Wie bewegen sich Menschen im Supermarkt? Welche Sicherheitsvorschriften gilt es zu beachten? Welche Wegströme bieten welche Chancen? Um solche Fragen beantworten zu können, hat sich Fricke durch viele Studien gelesen. Das angesammelte Wissen soll ihm jetzt auch bei Publicis wertvolle Impulse für neue Dialoge mit Kunden liefern.
Als zuerst Folker Wrage zu Publicis Hamburg und dann auch noch Erik Neumann, der Geschäftsführer bei Saatchi & Saatchi X, nach Zürich wechselte, war es für Eric Fricke «bei einem Bier» mit Erik Neumann schnell klar, dass auch er an einem anderen Ort sein Glück finden wollte. «Obwohl man wusste, dass es damals bei Publicis Dialog eine Krise gab. Das war aber auch eine Herausforderung und damit eine Chance. Denn wir haben alle drei schon bewiesen, dass wir etwas aufbauen können», war eine wichtige Motivation für Fricke.
Inzwischen hat sich das Trio ein Ziel gesetzt: «Wir haben es alle erlebt, wie man eine ganz normale Agentur zu einer wirklich gnadenlos kreativen aufbauen kann – ein lebhafter Hot-Shop, mit Spirit und Tempo beim Wachsen.»
Andreas Panzeri






