Kostenlose Marktforschung

Werbewoche-Mitarbeiter Markus Knöpfli über ein geglücktes Timing.

Nach wochenlangen Gerüchten liess Tamedia die Katze endlich aus dem Sack: Die Zürcher prüfen, ob der Bund mit dem Tages-Anzeiger kooperieren oder sich mit der Berner Zeitung (BZ) vereinigen soll. Entschieden wird in sechs Monaten. Die Sache ist heikel, denn die Reaktion der Bund-Leser ist offen. Jedenfalls werden sie sich mit einer andern politischen Denke anfreunden müssen.
Dass die Kommunikation jetzt und die Entscheidfindung auf Mitte 2009 angesetzt wurde, ist deshalb kaum Zufall. Im Gegenteil, die Termine sind marketingstrategisch geschickt gewählt. Denn auch beim Bund steht nun die Hauptphase der Abo-Erneuerungen an. Spätestens Ende Februar ist also klar, ob die Bund-Abonnenten ihrem Leibblatt trotz anstehender Neuausrichtung treu bleiben. Halten sie zu ihm oder manifestiert sich gar eine «Jetzt erst recht»-Stimmung, macht eine Zusammenarbeit mit dem Tagi Sinn. Kehren sie dem Bund jedoch den Rücken, ist eine Fusion mit der BZ wahrscheinlich. Das ist kostenlose Marktforschung. Ähnlich günstig lassen sich auch die Inserenten-Reaktionen ausloten, im Weihnachtsgeschäft erst recht.

Zur Sache: Sparen kann jeder

Auch für die unerschütterlichsten Optimisten scheint etwas klar zu werden: Die weltweite Wirtschaftskrise hat die Medienbranche endgültig erreicht. Nicht nur in den USA und Deutschland, sondern auch in der Schweiz sehen die Medienunternehmen mit Bangen in eine ungewisse Zukunft.

Auch für die unerschütterlichsten Optimisten scheint etwas klar zu werden: Die weltweite Wirtschaftskrise hat die Medienbranche endgültig erreicht. Nicht nur in den USA und Deutschland, sondern auch in der Schweiz sehen die Medienunternehmen mit Bangen in eine ungewisse Zukunft.
Alle wissen, dass auf der Werbeseite Einbussen drohen. Wie gross diese tatsächlich sind und wie gross sie noch werden, weiss niemand. Wie lange die Krise dauern wird, weiss niemand. Was man dagegen tun kann, weiss niemand. Weder die Verlagsgewaltigen noch die allgegenwärtigen Berater, die schon in guten Zeiten in den einzelnen Verlagshäusern herumschwirrten, theoretisch erfolgversprechende Strategien erarbeiteten, mithalfen, neue, in der Retorte gezüchtete Titel auf den Markt zu werfen, und wie Spürhunde betriebsinterne Ersparnispotenziale aufzustöbern versuchten.
Mit drastischen Sparmassnahmen versucht man deshalb zu retten, was man als rettungswert erachtet. Rationalisierung, Fokussierung, Optimierung der Abläufe, Kostentransparenz, Return-on-invest, das sind die Schlagworte.
Hektik überall, allenthalben wird der Rotstift angesetzt. Man kürzt Umfänge, streicht Budgets, Redaktionen werden gesundgeschrumpft, wie es so schön heisst, oder gar zusammengelegt, wie es momentan die WAZ-Gruppe in Deutschland vorexerziert, indem vier Titel in Zukunft von einer Mantelredaktion betreut werden sollen. Auch bei Gruner und Jahr passiert einiges. Ein Titel wie Park Avenue, der vor drei Jahren mit einem Riesentamtam lanciert wurde, wird Knall auf Fall eingestellt. Die vier Wirtschaftstitel des Verlages sollen in Zukunft nur noch von einer, insgesamt viel kleineren Redaktion alimentiert werden. Beim Süddeutschen Verlag wird gespart. Die Holtzbrinck-Gruppe wird ihr Videoportal WatchBerlin im nächsten Jahr nicht fortführen. Die Hiobsbotschaften aus dem Ausland reissen nicht ab. Markus Knöpfli fasst im Artikel auf Seite 21 die missliche Situation in der Schweiz zusammen.
Es ist klar, dass auch ein Medienunternehmen, wie jede andere betriebswirtschaftlich geführte Firma, Massnahmen einleiten muss, falls die wirtschaftlichen Aussichten schlecht sind. Diese Eingriffe sind oft drastisch, die eingeleiteten Schritte schmerzen, weil sie einschneidende Veränderungen mit sich bringen. Liebgewordenes, Althergebrachtes muss als Ballast über Bord geworfen werden, damit der Kahn nicht sinkt. Das ist unangenehm.
Vielleicht ist das Ganze aber auch eine Chance. In den letzten Jahren wurde zwar sehr viel darüber diskutiert, geredet und referiert, dass sich die Schweizer Medienlandschaft im Wandel befinde, doch die wirklichen Innovationen, die diesem Trend Rechnung tragen sollten, blieben aus. Vielleicht kommen sie jetzt, bitter nötig wären sie.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Die Finanzkrise kommt vielen wie gerufen

Vorsicht, wenn Medienhäuser ihren Stellenabbau mit der Finanzkrise begründen. Oft wollen sie strukturelle Probleme lösen.

Die Hiobsbotschaften aus der Medienbranche jagen sich: Ein Konzern nach dem andern spart, streicht Stellen, lässt Menschen frühpensionieren oder schickt ihnen den blauen Brief. Den Reigen der Abbaumassnahmen hierzulande eröffnet hat das Westschweizer Medienhaus Edipresse, das im Sommer die Streichung von 50 Stellen ankündigte – nachdem es schon im November 2007 8,5 Stellen eliminiert hatte.
Kurz darauf kam eine Entlassungsankündigung aus Neuenburg: Die zum französischen Medienkonzern Hersant gehörenden Zeitungen Express und Impartial stehen ebenfalls vor einer Streichphase – ursprünglich war von einem Abbau von 15 Stellen die Rede, nach einem Proteststreik der Belegschaft steht das Ausmass noch zur Diskussion.
Danach ging es Schlag auf Schlag: Ende Oktober wurde gerüchteweise bekannt, dass die Basler Zeitung Medien ihren Redaktionsbestand um 15 Prozent reduzieren werde, was offiziell nie bestätigt wurde. Nur wenige Tage später teilten PubliGroupe und NZZ AG mit, dass auch sie zum Rotstift greifen. Die PubliGroupe will ihren Personalbestand – primär im Bereich Werbeverkauf (Media Sales) um weltweit 250 Stellen reduzieren, die NZZ kündigte eine interne «Überprüfung aller Bereiche» an, ohne sich auf Entlassungszahlen festzulegen. Sie würden sich «im tiefen zweistelligen Bereich» bewegen, hiess es.
Im November folgten Ringier, AZ Medien und Weltwoche mit Abbau-Vorhaben. Ringier wird sich von 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen, AZ Medien baut 30 Stellen ab und bei der Weltwoche ist der Umfang des Abbaus noch offen.
Dass nun Tamedia für die Berner Tageszeitung Der Bund zwei Projekte prüft – eine Kooperation mit dem Tages-Anzeiger und eine Vereinigung mit der Berner Zeitung – zeigt, dass auch dieser Konzern keine Ausnahme macht. Zwar hütet sich Tamedia derzeit, von Entlassungen zu sprechen. Doch egal, welches Projekt am Ende realisiert wird, ein Stellenabbau wird auf jeden Fall damit verbunden sein.
Gemeinhin wird die Notwendigkeit zum Sparen und Abbauen den Auswirkungen der Finanzkrise zugeschrieben. Auch von Journalisten. Doch ist dem wirklich so? Ein paar Dinge machen stutzig. So ist es doch erstaunlich, dass die Abbauvorhaben so bald nach dem Spitzenjahr 2007 nötig sein sollen. Beim Bund und der Weltwoche mögen ein paar Inserate weniger vielleicht ins Gewicht fallen – sie standen wirtschaftlich länger schon auf des Messers Schneide. Die andern Verlage und auch Publi¬Groupe fuhren hingegen Gewinne ein. Wo sind jetzt die Polster aus den fetten Jahren? Ebenfalls merkwürdig ist, dass die Abbaupläne primär den Printbereich treffen.
Das alles weist eher darauf hin, dass nicht in erster Linie die Finanzkrise der Grund für den Printabbau ist, sondern dass sich die strukturellen Probleme der Printbranche fortsetzen, vielleicht etwas akzentuierter als bisher. Mit strukturellen Problemen gemeint sind die zunehmende Nutzung von Gratiszeitungen, Internet und Sonntagstiteln anstelle von Abo-Tageszeitungen, und damit verbunden der Abfluss von Werbegeldern in eben diese Medien.
Der Windschatten des Bankendebakels
Da und dort, allerdings selten genug, wurde dies auch so kommuniziert. So lehnte beispielsweise das kantonale Amt für Arbeit in Neuenburg letzte Woche den Antrag von Express und Impartial auf Kurzarbeit ab, mit der Begründung, dies sei nur bei konjunkturellen Problemen möglich, die finanziellen Probleme der beiden Zeitungen seien jedoch struktureller Art. Ein erstaunliches Verdikt gegen den Zeitgeist. Doch ein Blick auf die Inseratenstatistik zeigt: Das Amt hat wohl Recht. Denn das Anzeigenaufkommen bei Express und Impartial bewegte sich bisher auf dem Niveau des Vorjahres, von Auswirkungen der Finanzkrise ist nichts erkennbar. Sie scheint Hersant als Vorwand zu dienen.
Da war die Kommunikation von Tamedia zu den beiden Bund-Projekten fast schon wohltuend ehrlich. Die Zürcher verzichteten darauf, argumentativ im Windschatten des Bankendebakels zu segeln, sondern schrieben im Pressetext von «rückläufigen Leserschaftszahlen und der Verlagerung der Werbeausgaben ins Internet». Und dass der Bund schon seit Jahren wirtschaftlich nicht mehr auf eigenen Beinen steht. Strukturelle Probleme also.
Sie dürften auch andernorts die massgebliche Rolle für den derzeitigen Abbau spielen. So etwa bei der AZ Medien, wo der Inseratenrückgang beim Flaggschiff Aargauer Zeitung schon vor einem Jahr, parallel zur Lancierung des Sonntags, Einzug hielt. Auch bei der Neuen Zürcher Zeitung fällt es schwer, schon jetzt an Auswirkungen der Finanzkrise zu glauben – das Inseratenvolumen lag bis und mit (schwarzem) Oktober auf Vorjahresniveau. CEO Albert P. Stäheli bestätigt dies indirekt, als er sagte, dass man bei der NZZ «die Markt¬entwicklungen antizipieren» wolle.
Markus Knöpfli
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Mit dem Rotstift die strukturelle Zukunft zeichnen.

Pauschal telefonieren, so viel man will

Die Agentur Brot und Spiele kommuniziert die ersten Business-Mobile-Flatrates der Schweiz von Sunrise.

Sunrise Business gibt den Pauschaltarif durch: Mit der ersten Business-Mobile-Flatrate der Schweiz können Geschäftskunden neu unlimitiert telefonieren. Bisher existierten Flatrates in der Schweiz nur für die eigenen Netze der jeweiligen Anbieter. Neu bietet Sunrise als erstes Telecom-Unternehmen auch unlimitierte Telefonate in die Mobilnetze von Swisscom und Sunrise sowie in das gesamte Schweizer Festnetz an. Firmen können aus drei verschiedenen Flatrate-Angeboten auswählen, je nach Funktion und Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter. Diese Wahlmöglichkeit wird auch zur Kernaussage der neuen Sunrise B2B-Kampagne. Umgesetzt hat sie die Zürcher Werbeagentur Brot und Spiele. Im Sujet «Ich will 100» argumentiert zum Beispiel der Manager, der geschäftlich oft von unterwegs telefoniert und sich deshalb für «flat swiss» zum Preis von 100 Franken pro Monat entschieden hat. In einer ersten Phase wird dieses Abonnement mit zwei Sujets zielgerichtet für Mann und Frau intensiv beworben. Anfang nächsten Jahres werden auch die übrigen Angebote «Ich will 50», «Ich will 10» sowie «Ich will 100, 50 oder 10» zu sehen sein. Kommuniziert wird auf Anzeigen, Plakaten sowie auch Clips, Microsite und Crossmedia. Fotografiert hat der Zürcher Oliver Nanzig. (pan)
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Ehemaliger Radio RSR-Kadermann vor Gericht

Ein Ex-Kadermann des Westschweizer Radios RSR ist zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden, weil er kinderpornografische Bilder auf seinen Büro-Computer herunter geladen haben soll. Das Westschweizer Radio hatte ihn per 1. Oktober entlassen.

Ein Ex-Kadermann des Westschweizer Radios RSR ist zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden, weil er kinderpornografische Bilder auf seinen Büro-Computer herunter geladen haben soll. Das Westschweizer Radio hatte ihn per 1. Oktober entlassen. Der zuständige Untersuchungsrichter stellte den Strafbefehl im November aus, eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 100 Franken für das Herunterladen von harter Pornografie.
Der ehemalige RSR-Kadermann akzeptierte die Strafe jedoch nicht, der Fall kommt nun vor Gericht. Ermittlungen sind nach Angaben des kantonalen Untersuchungsrichters noch im Gang. Kritisiert wurden im Zusammenhang mit dem Fall das Krisenmanagement und die Kommunikation der RSR-Leitung.

Kopf der Woche: Der Schweizermacher

Erich Baumgartner hat als neuer CEO bei Scholz & Friends Zürich eine neue Phase der Marktpräsenz eingeleitet. Diese strebt ein eigenständigeres Schweizer Profil und bald auch weiteres Wachstum an.

Scholz & Friends Zürich hat ein «unglaubliches Potenzial, das noch nicht geweckt ist», analysiert Erich Baumgartner nach 100 Tagen in der neuen Verantwortung. Der frisch berufene CEO ist überzeugt: «Das Netzwerk von Scholz & Friends funktioniert auch in Zürich. Wir leben ‹The Orchestra of Ideas› und haben mit unseren Kunden nach fünf Jahren in der Schweiz bereits eine sehr gute Basis erreicht.» Aber es soll noch weiter gehen. Mit Erich Baumgartner will Scholz & Friends in Zürich eine neue Phase der Marktpräsenz einleiten, in der die Dependance der Deutschen Top-Agentur ein eigenständiges Schweizer Profil gewinnen soll. Dazu ist ein Wachstum angestrebt, «das der Bedeutung und Wirtschaftskraft des Landes entspricht», erklärte auch Frank-Michael Schmidt, CEO der Scholz & Friends Group, bei der Berufung von Baumgartner.
Nach einem ersten Ableger 2003 wurde Scholz & Friends Zürich im Jahre 2006 als «richtige und eigenständige Agentur» neu gestartet und entwickelt derzeit mit über 20 Mitarbeitenden ganzheitliche Kommunikationslösungen für Marken wie Balisto, Blick und UBS. Katrin Seegers, die Scholz & Friends in Zürich als Geschäftsführerin aufgebaut hat, wurde im Juli Mutter und kehrte deshalb nach Berlin zurück. Ebenfalls zurück nach Deutschland wollte CD Jan Leube. Er hat Anfang 2008 als Chief Creative Officer die kreative Führung einer Agentur in Berlin übernommen.
In dieser idealen Phase für ein zweites Durchstarten hat das Netzwerk noch einmal den Kontakt zu Erich Baumgartner gesucht, nachdem mit ihm schon 2006 weit gediehene Gespräche für ein Engagement gelaufen sind. Für das Netzwerk mit 1200 Mitarbeitenden schwergewichtig in Europa war es «ein zentraler Gedanke», dass nach dem ersten Aufbau jetzt ein Schweizer die Agentur in eine weitere Zukunft führen soll. Mit Erich Baumgartner soll Scholz & Friends Zürich «ein eigenständiges Profil» gewinnen und trotzdem die «Family-Werte» des Mutterhauses spiegeln. Für den Ausbau der Position will das Netzwerk noch einmal massgeblich in den Zürcher Standort investieren. Schon bald wird die Agentur in neue Räumlichkeiten an der Förrlibuckstrasse umziehen. «An der Konradstrasse mit nur eineinhalb Stockwerken sind wir am Limit angelangt. Man muss Luft geben, um weiter wachsen zu können», freut sich Baumgartner. Zudem gefällt ihm die moderne Aufbruchstimmung in Zürich West.
Wachstum – auch durch Akquisitionen
Wachsen will Scholz & Friends in der Schweiz aber nicht nur mit neuen Mandaten und neuen Leuten: «Wir suchen uns auch zu vergrössern mit Akquisitionen.» Die Strategie spiegelt das Bild, das Scholz & Friends in ganz Europa pflegt mit seinen verschiedenen Agenturen und Ablegern, die alle ihre Spezialdisziplin haben wie Scholz & Friends Dialog, Interactive oder die PR-Unit Agenda. In diesem Sinn ist Baumgartner auf der Suche «nach guten Teams und interessanten Firmen». Mit den Zukäufen soll zudem die Standortpolitik ein bisschen fragmentierter gestaltet werden. «Wir wollen unsere Präsenz auch über Zürich hinaus absichern», erklärt der CEO, der die Schweizer Kommunikationsszene bestens kennt.
Wie viele seiner Generation ist Erich Baumgartner «ohne grosse Vorstellungen von dieser Branche» in die Welt der Werbung reingerutscht. Das Schicksal wollte es aber, dass er gleich bei einer der besten Adressen einsteigen durfte. 1981 fand er seinen ersten Job bei der DDB-Agentur der beiden Werbelegenden Max Wiener und Rodolphe Deville. Hier lernte Baumgartner sein Handwerk auf klassische Weise mit Media und Beratung. Nach fünf Jahren wechselte er auf das Karussell der weiteren Erfahrungen bei verschiedenen Agenturen wie McCann Erickson, GGK Zürich oder Advico Young & Rubicam sowie als Leiter Marketingkommunikation auch einmal auf Kundenseite zu Philips Schweiz. Bei Publicis leitete Baumgartner später eine Beratungsgruppe als Kollege von Beat Mühlemann, dem späteren Chef der Migros-Werbung. Das war Ende der 90er-Jahre «in den grossen Zeiten von Farner Publicis» mit internationalen Budgets wie Coca-Cola oder British Airways. Baumgartners Meisterstück wurde aber das Gelbe Jugendkonto der Post. «Diese gewichtige Finanzkampagne für die Post machte damals über Jahre richtig Furore.» Baumgartner wagte deshalb den Schritt in die Selbstständigkeit. Er beteiligte sich bei Matter & Partner, zusammen mit der Wirz Partner Holding. «Das war ein interessantes Manöver, in einer kleineren Agentur in ganz andere Dimensionen vorzustossen», erinnert sich der heutige CEO an die spannende Zeit. «In einer grossen Agentur arbeitet man als Beratungsgruppenleiter eingebettet in einem gemachten Nest. Man muss zwar viel arbeiten und sich mit dem Kunden weiterentwickeln. Spannender ist aber die unternehmerische Herausforderung in einer kleinen Agentur. Man lernt einfach mehr, weil jeder alles machen muss.»
Nicht als Letzter die Türe schliessen
Einbringen wollte er seine unternehmerischen Erfahrungen dann wieder in einem grossen Netzwerk. Baumgartner leitete vier Jahre lang die Werbeagentur Lowe Lintas GGK in Zürich mit Kunden wie Orange, Volkswagen und Credit Suisse. Das Mandat der Bank wurde dann zum Stolperstein für die Agentur. Für Baumgartner war es aber nicht eigentlich der Verlust dieses Budgets, sondern «unsere Unfähigkeit, sehr schnell auf die neue Situation zu reagieren», was zum bösen Ende führte. «Ich habe mit meinem Vorgesetzten aufwühlende Diskussionen über die Strategie geführt, und das war dann auch der Grund, wieso ich gegangen bin. Weil ich nicht als Letzter die Türe schliessen wollte.»
Unter verschiedenen Optionen und auch Angeboten von Kundenseite, u. a. aus dem Finanzgeschäft, entschied sich Baumgartner noch einmal für die Selbstständigkeit. Die kleine Boutique Glamour Engineering war spezialisiert auf Kultur-Events. Baumgartner sollte mithelfen, aus der Glamour-Welt eine richtige Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt Kulturmarketing zu machen. Er entdeckte: «Das ist ein sehr interessantes und auch lukratives Geschäft, aber man muss Teil dieser doch sehr speziellen Welt sein. Das war ich aber nicht. Ich bin ein Spezialist für Marketing und Kommunikation und fühle mich vor allem in dieser Materie wohl.»
So kam auch das Angebot von Scholz & Friends in ¬Baumgartners Biografie genau im richtigen Moment. Hier kann er jetzt wieder alles machen. «Ich bin von unserem integrierten Zusammenspiel echt begeistert, denn das orchestrierte Denken und Handeln aller Disziplinen ist für mich nicht nur die Zukunft einer erfolgreichen Agentur, sondern wird im Scholz-&-Friends-Netzwerk seit Jahren aktiv gelebt.»
Starke Reputation aufgebaut
Mit Kunden wie dem UBS Key Club und Blick am Abend ist es Scholz & Friends Zürich in den letzten beiden Jahren gelungen, in der Schweiz eine starke Reputation aufzubauen. Im ADC-Ranking hat es die Agentur unter die Top 10 geschafft. In der Biografie eines Kreativen ist der Agenturname schon lange eine illustre Adresse. Auch in einer Umfrage der Handelszeitung bei 500 Werbetreibenden schneidet Scholz & Friends sehr positiv ab. Und diese Bekanntheit ist in der Schweiz ein «extrem wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg», ist Baumgartner überzeugt. Je bekannter und grösser man ist, desto einfacher kommt man auch auf die Shortlist für die Pitches. Ist man erst einmal in diesem Loop drin, zieht das weitere Kunden und auch interessante Mitarbeiter an.
Neben seinem Einsatz für die Agentur war es für Erich Baumgartner immer schon wichtig, sich auch im Bereich der Ausbildung zu engagieren. Er wirkte im Vorstand des Sawi mit und war Mitglied der Prüfungskommission der SW. Nach einem Executive-MBA-Abschluss für Betriebswirtschaft an der Universität Zürich 2005 dozierte er auch selber. In den Jahren der Selbstständigkeit musste er ein paar dieser Verpflichtungen allerdings zurückschrauben. Eingebettet in eine funktionierende Struktur bei Scholz & Friends, hofft der neue CEO jetzt, diese «berufsbegleitenden Engagements» wieder etwas hochfahren zu können. «Man darf nicht nur konsumieren, sondern muss auch etwas zurückgeben.»
In seiner Freizeit treibt Baumgartner gemässigt Sport, kocht und isst sehr gern und interessiert sich für viele Gebiete von Politik bis Musik. Private und berufliche Neugier lassen ihn offen sein für Kultur aller Art. Diese geniesst er auch gerne zusammen mit seiner Frau Lisa. Die frühere Werberin hat er in seiner Zeit bei Advico kennengelernt. «In diesem Sinn hat sich auch diese Station für mich eindeutig und nachhaltig gelohnt, wofür ich Bruno Widmer heute noch dankbar bin», lacht er.
Andreas Panzeri
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Mit dem Mandat für Blick am Abend hat Scholz & Friends sich einen Namen über die Werbebranche hinaus gemacht.

Flop der Woche: Das Berner Modell auf der Kippe

Der Bund soll entweder mit dem Tages-Anzeiger (TA) redaktionell kooperieren oder mit der Berner Zeitung (BZ) fusionieren. Tamedia prüft entsprechende Konzepte und will sich bis Mitte nächsten Jahres entscheiden.

Der Bund soll entweder mit dem Tages-Anzeiger (TA) redaktionell kooperieren oder mit der Berner Zeitung (BZ) fusionieren. Tamedia prüft entsprechende Konzepte und will sich bis Mitte nächsten Jahres entscheiden. Ohne redaktionelle Zusammenarbeit habe Der Bund wirtschaftlich keine Perspektiven mehr, teilte Tamedia am Montag mit. Zwei Projekte werden geprüft: Die redaktionelle Zusammenarbeit zwischen Bund und Tages-Anzeiger läuft unter dem Projektnamen «TagesBund». Ziel wäre es, der Leserschaft der beiden Titel einen gemeinsam erarbeiteten Mantel anzubieten. Denkbar wäre etwa ein weitgehender Austausch von redaktionellen Inhalten oder eine in Teilen gemeinsame Ressortstruktur. Das «Berner Modell» mit zwei unabhängigen Tageszeitungen in einem Verlag würde in diesem Fall fortbestehen. Im Projekt «Berner Zeitung & Der Bund» wird eine Zusammenführung der beiden Redaktionen geprüft. Die wirtschaftliche Stärke der Berner Zeitung bietet dabei eine gute Ausgangslage.

Pressestreit in Italien: Berlusconi schimpft, Murdoch verschickt Massenmails

Berlusconi schiesst auf die italienische Presse. Die Chefs der grössten italienischen Zeitungen, unter anderem Corriere della Sera und La Stampa, sollten «ihren Job wechseln», sagte der Ministerpräsident gemäss italienischen Medien.

Berlusconi schiesst auf die italienische Presse. Die Chefs der grössten italienischen Zeitungen, unter anderem Corriere della Sera und La Stampa, sollten «ihren Job wechseln», sagte der Ministerpräsident gemäss italienischen Medien. Im Hintergrund dieser Äusserungen steht der Streit um das Vorhaben der Regierung, Bezahlfernsehen zu verteuern. Ein letzte Woche verabschiedetes Konjunkturpaket sieht unter anderem die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Bezahlfernsehen von 10 auf 20 Prozent vor.
Dies hatte Proteste ausgelöst, da sie vor allem den grössten Konkurrenten Berlusconis auf dem privaten TV-Sektor trifft: Rupert Murdoch und seinen Satelliten-Sender Sky. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer würde Sky Italia im kommenden Jahr 210 Millionen Euro kosten.
Gegen diese Massnahme hat der Bezahlsender eine Werbekampagne gestartet und seine Abonnenten aufgefordert, Protestmails an das Amt des Ministerpräsidenten zu schreiben. Mit dem «Mail-Bombing» will Sky Italia die Regierung dazu zwingen, ihren umstrittenen Beschluss rückgängig zu machen. Die Steuererhöhung betreffe nicht die Reichen, sondern Millionen von Familien, die Sky vor allem wegen der Übertragung von Fussballspielen abonnieren.
Damit geriet Berlusconi einmal mehr wegen seiner Doppelrolle als Regierungschef und Eigentümer der grössten privaten Mediengruppe des Landes in die Kritik.

Etatgewinn: Blue Spirit braut für Heineken neues Corporate Design

Blue Spirit hat den Heineken Pitch für sich entschieden. Die Kommunikationsagentur wird für die Brauereigruppe ein neues Corporate Designs ausarbeiten.

Blue Spirit hat den Heineken Pitch für sich entschieden und wird für die Brauereigruppe ein neues Corporate Designs ausarbeiten. Ein neues Konzept wurde durch die Übernahme von Eichhof durch Heineken erforderlich. Ziel sei es, die jeweiligen Marken hierarchisch zu führen, schreibt die Agentur in einer Mitteilung. Die Umsetzung verschiedenster Massnahmen werde noch vor Ende 2008 zur Anwendung kommen.

Verantwortlich bei Bluespirit: Gerry Flückiger (CEO), Marina Magoley (Account Director), Peter Trüb, Tizian Walti (Text/Konzept), Fritz Kreis (AD).

Polyconsult für Energie Wasser Bern: Auf Knopfdruck Stromsparen

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BZM-Medien: Personalchef und Druckerei-Leiter freigestellt

Die Unternehmensleitung der Basler Zeitung Medien (BZM) hat den obersten Personalchef Stephan Gugelmann und den Druckereileiter Christian Gysin freigestellt. Am Montag, 1. Dezember 2008, wurden die beiden Mitglieder der Geschäftsleitung mit sofortiger Wirkung entlassen.

Die Unternehmensleitung der Basler Zeitung Medien (BZM) hat den obersten Personalchef Stephan Gugelmann und den Druckereileiter Christian Gysin freigestellt. Am Montag, 1. Dezember 2008, wurden die beiden Mitglieder der Geschäftsleitung laut Online Reports mit sofortiger Wirkung entlassen. BZM-Sprecher Walter Schäfer nannte als Grund «unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Ausrichtung».
Stephan Gugelmann löste am1. Juli 2006 den damaligen Personalchef Beat Bucher ab und leitete seither den HR-Bereich der ganzen Unternehmensgruppe. Zuvor war der 40-Jährige bei Ringier. Seine Nachfolge übernimmt Claudia Wahlen, bisherige Personalverantwortliche bei Birkhäuser + GBC in Reinach. Der 34-jährige Christian Gysin war seit dem 1. Mai 2007 technischer Leiter des Druckzentrums.
An der Spitze des BaZ-Druckzentrums wird die Doppelleitung, die vor anderthalb Jahren eingeführt wurde, aufgehoben. Felix Bitterli, bisher für den Bereich Marketing und Verkauf zuständig, wird wieder alleiniger Chef des Druckzentrums und in dieser Funktion Gysin ersetzen.

Zu guter Letzt: YouSinfonie

Youtube startet das nach eigenen Angaben «erste weltweite Online-Sinfonieorchester». Der Höhepunkt findet allerdings offline statt.

Youtube startet das nach eigenen Angaben «erste weltweite Online-Sinfonieorchester» und wird dabei von Institutionen mit Rang und Namen unterstützt: Den Berliner Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern, dem London Symphony Orchestra, der Carnegie Hall, und so weiter. In einem Wettbewerb sind Musiker aus aller Welt aufgerufen, ihr Können auf Video festzuhalten und bei Youtube hochzuladen. Dabei sollen sie ein eigenes Stück spielen sowie eine Originalkomposition interpretieren.
Der Clou der Sache ist der, dass die Eigenbeiträge der auszuwählenden Finalisten zu einer Youtube-Sinfonie zusammengestellt werden, die dann in der Carnegie Hall aufgeführt wird. Ganz so online ist die Sache also nicht. Zudem ist zu hoffen, dass dabei eine Sin- und keine Kakophonie herauskommt. Ein spannendes Experiment wirds allemal. Ein Tipp also: Stradivari aus dem Kasten holen und Beitrag bis am 28. Januar 2009 auf Youtube hochladen.
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