Die Berner Tageszeitung Der Bund soll entweder mit dem Zürcher Tages-Anzeiger (TA) redaktionell kooperieren oder mit der Berner Zeitung (BZ) fusionieren. Der Zürcher Verlag Tamedia prüft entsprechende Konzepte und will sich bis Mitte nächsten Jahres entscheiden. Ohne redaktionelle Zusammenarbeit habe Der Bund wirtschaftlich keine Perspektiven mehr, teilte Tamedia am Montag mit. Die finanziellen Probleme des Bund waren bereits länger bekannt. Beide Lösungen seien mit einem Abbau von Stellen verbunden, sagte Christoph Zimmer, Leiter Unternehmenskommunikation bei Tamedia, auf Anfrage der SDA. Für genauere Angaben sei es jetzt aber noch zu früh.
Die redaktionelle Zusammenarbeit zwischen dem Bund und dem Tages-Anzeiger wird im Projekt «TagesBund» geprüft. Ziel der Zusammenarbeit wäre es, der Leserschaft der beiden Titel einen gemeinsam erarbeiteten Mantel anzubieten. Denkbar wäre etwa ein weitgehender Austausch von redaktionellen Inhalten oder eine in Teilen gemeinsame Ressortstruktur. Das «Berner Modell» mit zwei unabhängigen Tageszeitungen in einem Verlag würde in diesem Fall fortbestehen.
Im Projekt «Berner Zeitung & Der Bund» wird alternativ zum Projekt TagesBund eine Zusammenführung der Redaktionen von Berner Zeitung und Der Bund geprüft. Die wirtschaftliche Stärke der Berner Zeitung bietet dabei eine gute Ausgangslage. Falls eine Zusammenarbeit von Bund und Tages-Anzeiger publizistisch und wirtschaftlich nicht tragfähig ist, sollen die Qualitäten und Gefässe von Berner Zeitung und Der Bund in die Zusammenarbeit einfliessen.
In den letzten zwölf Jahren hat der Bund Verluste von insgesamt 30 Millionen Franken geschrieben. Er kam in den vergangenen Jahren immer wieder nahe an die Gewinnzone, Voraussetzung war jedoch ein gutes wirtschaftliches Umfeld. Seit dem Verkauf des Bund durch die damalige Verlegerfamilie 1992 waren insgesamt fünf Partner an der Tageszeitung beteiligt. Im Sommer 2007 stiessen NZZ und Publicitas ihre Anteile am Bund schliesslich an Espace Media ab. Die Espace Media Groupe ist seit August 2007 mehrheitlich im Besitz von Tamedia.
Uli Rubner wird vorübergehend Verlagsleiterin für Bund und Berner Zeitung
Die Leitung des Verlags von Berner Zeitung und der Bund übernimmt im Verlauf des Januars 2009 ad interim Uli Rubner (Bild). Die 49-Jährige wird zudem als Projektleiterin die beiden Projekte zur Zukunft der abonnierten Tageszeitungen in Bern mitgestalten. Uli Rubner, die als Leiterin des Bereichs Zeitschriften von Januar 2005 bis April 2008 Mitglied der Unternehmensleitung von Tamedia war, berichtet direkt an den Leiter ad interim des Unternehmensbereichs Espace Media, Martin Kall.
Medienwissenschaftler sind nicht überrascht
Die Medienwissenschaftler Roger Blum und Louis Bosshart sind nicht überrascht über die Pläne von Tamedia, wie Nachfragen der SDA ergeben haben. Die zunehmende Konzentration sei auch für den Medienplatz Bern unausweichlich. Für Professor Roger Blum vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Bern wäre es für die Bundesstadt jedoch «eine Katastrophe, wenn es nicht mehr zwei Zeitungen gäbe, die publizistisch im Wettbewerb stehen». Blum hofft deshalb auf die Option einer Kooperation mit dem Tagi.
Der Freiburger Medienwissenschafter Louis Bosshart ist ebenfalls nicht überrascht von den Plänen des Tamedia-Verlags. Es gehe hier um eine zunehmende Konzentration, wie sie in anderen Gebieten auch stattgefunden habe; damit habe man rechnen müssen. Das Berner Modell, wie es der «Gentleman» Charles von Graffenried, Präsident der Espace Media Groupe vertreten habe, sei «edel und vornehm». Doch die Realität sei seit der Übernahme durch Tamedia eine andere geworden.
(Bild: Keystone)