Eins plus eins machts besser
Weil Nielsen Online und Net-Metrix in der Schweiz ihre Internet-Panels fusionieren, entsteht eine umfassendere und aussagekräftigere Online-Messung.
Als Net-Metrix AG und Nielsen Online am 4. Dezember ankündigten, ihre Internetpanel per 2009 zusammenzulegen, nahm davon kaum jemand Notiz. Dabei setzten die beiden Firmen mit der Panelfusion bereits den zweiten Meilenstein in der Geschichte der Schweizer Internetforschung – für eine Messung und eine Währung.
Den ersten Meilenstein hatten vor vier Jahren der damalige Wemf-Direktor René Schmutz und Manuel Dähler, seinerzeit Leiter des SRG-Forschungsdienstes, eingegraben: Nach jahrelanger Konkurrenz rangen sie sich zu einer gemeinsamen Internetforschung durch. Dies führte 2007 zur Gründung der Firma Net-Metrix AG, an der neben Wemf und SRG auch der Branchenverband Simsa beteiligt ist. Doch parallel mit dem ersten Friedensschluss brach ein neuer Zwist aus, diesmal mit Nielsen Netratings, wie Nielsen Online damals hiess. Nielsen war schon am so- genannten MMXI-Online-Panel (2001 bis 2005) beteiligt, zusammen mit SRG, Goldbach Media und einigen Verlagen. Doch als die Kooperation auslief, schied Nielsen bei der Evaluation für die neue Internetforschung als Panelbetreiber aus. Daraufhin betrieb Nielsen das Panel einfach ab 2006 auf eigene Faust weiter und nutzte so den Umstand, dass jenes von Net-Metrix zwar immer wieder angekündigt wurde, aber nie Daten lieferte.
Vor einem Jahr rüstete dann noch Nielsen Online auf. Das Unternehmen kündigte an, bis Ende 2008 sein Panel NetView von 3’000 auf 15’000 Panelisten aufzustocken. Damit wollte man die Nutzung kleiner Websites repräsentativer abbilden, das Streaming, also die Nutzung von Downloads und damit auch den Radio- und TV-Konsum ab Internet erfassen und neu auch die Internetnutzung ausser Haus und am Arbeitsplatz messen. Diese Strategie fuhr Nielsen allerdings international, insofern war der Ausbau nicht primär gegen Net-Metrix gerichtet. Dennoch war damit der Hauptvorteil des Schweizer Panelprojekts Net-Metrix-Tracking in Frage gestellt, hätte es doch ebenfalls die Nutzung zu Hause und am Arbeitsplatz sowie das Streaming erfassen sollen. Allerdings bloss mit 3’000 Panelisten und somit mit geringerer Tiefenschärfe.
Doch statt sich nun einen Wettkampf zu liefern, der am Ende bloss zwei verschiedene Messarten und Währungen auf den Schweizer Markt gebracht hätte, gingen Nielsen Online und Net-Metrix aufeinander zu (siehe Interview). Das Ergebnis der Kooperationsverhandlungen lässt sich sehen. Denn für das neue Panel «nahmen wir von beiden Seiten das Beste und führten es zusammen», sagt Manuel Dähler, Co-CEO von Net-Metrix. Jörg Dietz, Director Sales & Marketing bei Nielsen Online, präzisiert: «Die Grundlagenforschung übernehmen wir von Net-Metrix, die Mess-Software von Nielsen, und die rekrutierten Teilnehmer der beiden Panel führen wir zusammen, um mit einem Grundstock von gut 4’000 Panelisten ins 2009 zu starten.»
Eine ganze Reihe von Vorzügen
Danach werde das Panel bis Mitte Jahr bis auf 10’000 @Home-Panelisten und 1’500 @Work-Panelisten aufgestockt. Das ist ein Viertel weniger, als Nielsen ursprünglich vorsah, und viermal mehr als beim Projekt von Net-Metrix geplant war. Dass das neue Panel als Basis die Grundlagenforschung Net Base erhält, ist sinnvoll, weil sie umfassender ist als jene von Nielsen, vor allem aber, weil sich Net-Metrix-Tracking damit auf dieselben Grunddaten abstützt wie Net-Metrix-Audit und Net-Metrix Profile, die beiden andern Module der Schweizer Internetforschung. Auch die Print- und Kinoforschung Mach Basic greift übrigens auf dieselben Daten zurück.
Zweifellos richtig ist auch der Entscheid, künftig für die Messung das Konzept und die Software von Nielsen einzusetzen. Zum einen, weil damit bei der @Home- und bei der @Work-Messung dieselbe Software angewendet wird, zweitens, weil sich mit Nielsens Mess-Software wesentlich mehr erforschen lässt: Sie zeigt jedes Programm an, das der User gerade aktiviert hat – und wie er von einem zum andern wechselt. Damit lässt sich auch verfolgen, was der User mit Downloads – sei dies nun eine MP3- oder ein PDF-Datei – macht. Net-Metrix hingegen hätte einzig die Nutzung von Browsern und Internetapplikationen gemessen. Und bei der @Work-Messung wäre nur die Nutzung jener Websites erhoben worden, die auch bei Net-Audit mitmachen, Websites also, die mit einem SZM-Tag versehen sind. Ob und wie aber unvertaggte Portale wie Google vom Arbeitsplatz aus genutzt werden, wäre nicht eruierbar gewesen.
Markus Knöpfli
Den ersten Meilenstein hatten vor vier Jahren der damalige Wemf-Direktor René Schmutz und Manuel Dähler, seinerzeit Leiter des SRG-Forschungsdienstes, eingegraben: Nach jahrelanger Konkurrenz rangen sie sich zu einer gemeinsamen Internetforschung durch. Dies führte 2007 zur Gründung der Firma Net-Metrix AG, an der neben Wemf und SRG auch der Branchenverband Simsa beteiligt ist. Doch parallel mit dem ersten Friedensschluss brach ein neuer Zwist aus, diesmal mit Nielsen Netratings, wie Nielsen Online damals hiess. Nielsen war schon am so- genannten MMXI-Online-Panel (2001 bis 2005) beteiligt, zusammen mit SRG, Goldbach Media und einigen Verlagen. Doch als die Kooperation auslief, schied Nielsen bei der Evaluation für die neue Internetforschung als Panelbetreiber aus. Daraufhin betrieb Nielsen das Panel einfach ab 2006 auf eigene Faust weiter und nutzte so den Umstand, dass jenes von Net-Metrix zwar immer wieder angekündigt wurde, aber nie Daten lieferte.
Vor einem Jahr rüstete dann noch Nielsen Online auf. Das Unternehmen kündigte an, bis Ende 2008 sein Panel NetView von 3’000 auf 15’000 Panelisten aufzustocken. Damit wollte man die Nutzung kleiner Websites repräsentativer abbilden, das Streaming, also die Nutzung von Downloads und damit auch den Radio- und TV-Konsum ab Internet erfassen und neu auch die Internetnutzung ausser Haus und am Arbeitsplatz messen. Diese Strategie fuhr Nielsen allerdings international, insofern war der Ausbau nicht primär gegen Net-Metrix gerichtet. Dennoch war damit der Hauptvorteil des Schweizer Panelprojekts Net-Metrix-Tracking in Frage gestellt, hätte es doch ebenfalls die Nutzung zu Hause und am Arbeitsplatz sowie das Streaming erfassen sollen. Allerdings bloss mit 3’000 Panelisten und somit mit geringerer Tiefenschärfe.
Doch statt sich nun einen Wettkampf zu liefern, der am Ende bloss zwei verschiedene Messarten und Währungen auf den Schweizer Markt gebracht hätte, gingen Nielsen Online und Net-Metrix aufeinander zu (siehe Interview). Das Ergebnis der Kooperationsverhandlungen lässt sich sehen. Denn für das neue Panel «nahmen wir von beiden Seiten das Beste und führten es zusammen», sagt Manuel Dähler, Co-CEO von Net-Metrix. Jörg Dietz, Director Sales & Marketing bei Nielsen Online, präzisiert: «Die Grundlagenforschung übernehmen wir von Net-Metrix, die Mess-Software von Nielsen, und die rekrutierten Teilnehmer der beiden Panel führen wir zusammen, um mit einem Grundstock von gut 4’000 Panelisten ins 2009 zu starten.»
Eine ganze Reihe von Vorzügen
Danach werde das Panel bis Mitte Jahr bis auf 10’000 @Home-Panelisten und 1’500 @Work-Panelisten aufgestockt. Das ist ein Viertel weniger, als Nielsen ursprünglich vorsah, und viermal mehr als beim Projekt von Net-Metrix geplant war. Dass das neue Panel als Basis die Grundlagenforschung Net Base erhält, ist sinnvoll, weil sie umfassender ist als jene von Nielsen, vor allem aber, weil sich Net-Metrix-Tracking damit auf dieselben Grunddaten abstützt wie Net-Metrix-Audit und Net-Metrix Profile, die beiden andern Module der Schweizer Internetforschung. Auch die Print- und Kinoforschung Mach Basic greift übrigens auf dieselben Daten zurück.
Zweifellos richtig ist auch der Entscheid, künftig für die Messung das Konzept und die Software von Nielsen einzusetzen. Zum einen, weil damit bei der @Home- und bei der @Work-Messung dieselbe Software angewendet wird, zweitens, weil sich mit Nielsens Mess-Software wesentlich mehr erforschen lässt: Sie zeigt jedes Programm an, das der User gerade aktiviert hat – und wie er von einem zum andern wechselt. Damit lässt sich auch verfolgen, was der User mit Downloads – sei dies nun eine MP3- oder ein PDF-Datei – macht. Net-Metrix hingegen hätte einzig die Nutzung von Browsern und Internetapplikationen gemessen. Und bei der @Work-Messung wäre nur die Nutzung jener Websites erhoben worden, die auch bei Net-Audit mitmachen, Websites also, die mit einem SZM-Tag versehen sind. Ob und wie aber unvertaggte Portale wie Google vom Arbeitsplatz aus genutzt werden, wäre nicht eruierbar gewesen.
Markus Knöpfli
Tabelle: Aufbau und Methodik der bisherigen Panels – und wie das Neue funktioniert










