Schweizer Besitzer eines Gmx-Postfachs bekamen bisher rund um die Log-in- und Log-out-Seiten Nachrichten aus Deutschland und Buntes aus aller Welt geboten. Ab heute können sie auf dem Weg zum und vom elektronischen Briefkasten deutschsprachige Infos über Basel, Blocher, Bligg und Beromünster lesen. Ausserdem stehen ihnen schweizspezifische Services zur Verfügung, zum Beispiel die Wettervorhersage für alle Schweizer Kantone und das Fernsehprogramm.
Geliefert werden die Schweizer Nachrichten von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). «Wir bauen für das Schweizportal keine eigene Redaktion auf», sagt Matthias Ehrlich (53), Vorstand der United Internet Media AG, dem Mediavermarkter von Gmx. «Denn wir finden es sinnvoller, dass die Meldungen für die Schweiz auch aus der Schweiz kommen.» Noch hat United Internet Media die redaktionelle Hoheit bei der Freischaltung der Meldungen, die SDA liefert. «Auf Dauer wird es auf Gmx Schweiz aber eine Klickdemokratie geben», sagt Ehrlich und stellt in Aussicht: «Unsere Nutzer wählen mit ihren Klicks aus, was sie lesen wollen und was nicht.»
Hohe Qualität und Pop-up-TabuAls Konkurrenz zu etablierten Schweizer Nachrichtenportalen sieht Ehrlich Gmx.ch nicht. «Wer gezielt Informationen sucht, geht eher auf die Webseiten der Schweizer Zeitungen», weiss er. «Wir bedienen eine andere Klientel, nämlich die Nutzer, die zum Beispiel in der Mittagspause schnell ihre E-Mails abrufen und auf diesem Weg noch die eine oder andere Meldung vom Tag mitnehmen.» Fastfood seien die Gmx-Meldungen dennoch nicht. «Wir wollen dem Tagesjournalismus keine Konkurrenz machen, trotzdem ist Qualität für uns sehr wichtig», betont Ehrlich. «Die Nachrichten sind als Ergänzung zu unserem E-Mail-Angebot gedacht, ein zusätzlicher Service für unsere Nutzer. Und die sollen unseren Service mögen. Das erreichen wir – abgesehen von dem verlässlich funktionierenden E-Mail-Account – nur mit einem fundiert recherchierten und gut geschriebenen Nachrichtenmix.»
Diesem Massstab will Ehrlich auch mit der Werbung auf Gmx Schweiz gerecht werden. Pop-up-Fenster, die Gmx-User beim E-Mail-Schreiben stören, sind für ihn tabu. Auch Newsletter erhalten Inhaber eines Accounts höchstens zweimal pro Woche. Statt Werbung mit Guerillamethoden zu betreiben, versucht United Internet Media, der klassischen Print- und TV-Werbung das Geheimnis ihrer Durchschlagskraft zu entlocken und diese Wirkungsweisen auf das Internet zu transponieren. «Wir bieten zum Beispiel möglichst grossformatige Werbeflächen an», sagt Ehrlich. «Unsere Log-out-Seite mit der Möglichkeit, eine Anzeige im Maxi-AD+-Format zu schalten, ist bei Unternehmen sehr beliebt. Ausserdem arbeiten wir auf fest definierten Platzierungen mit Spots in TV-Qualität, Votings sowie Bannern und wir setzen Targeting ein.»
Targeting ermöglicht die anonyme und direkte Auslieferung von Werbung an definierte Zielgruppen. Und das vollautomatisch und mit geringen Streuverlusten. United Internet Media hat selbst mehrere Targetingprodukte entwickelt. Die sogenannte Target-Group-Planning-Technologie verknüpft anonyme, statistisch hochgerechnete Nutzungsinformationen von Usern mit Offline-Daten wie zum Beispiel deren Kaufverhalten. «So können wir unseren Werbepartnern eine ausreichend genaue Zustellung ihrer Werbung garantieren», erklärt Ehrlich. «Wir werten allerdings keinerlei Daten aus privater Kommunikation aus, denn das halten wir für datenschutzrechtlich bedenklich.»
Hoher Druck und wirksame WerbungDass in Zeiten der viel beschworenen Wirtschaftskrise kein Unternehmen mehr Geld für Werbung ausgeben mag, kann Ehrlich so nicht bestätigen. Im Gegenteil: Print leidet zwar stark unter der Werbeflaute, Online aber holt auf. «Wenn das Geld knapp wird, muss Werbung effizienter und wirksamer werden und eine hohe Reichweite haben», sagt der Werbeprofi. «Immer mehr Unternehmen entdecken deshalb Online als gute Alternative zu Print und TV und wagen jetzt erste Schritte in der Online-Werbung.» Die Delle im Wirtschaftswachstum ist für die Werbung im Internet also eine riesige Chance: «World Wide Werbung» lautet das Gebot der Zukunft. «In der Schweiz ist der Online-Werbemarkt derzeit noch unterentwickelt», sagt Ehrlich. «Aber der Markt zieht jetzt an. Die Krise baut einen hohen Druck auf, mitzuziehen. Das ist natürlich für unser neues Schweizportal eine optimale Ausgangsbedingung.»
Im Vorfeld der Liveschaltung von Gmx Schweiz konnte United Internet Media bereits einige grosse Schweizer Unternehmen als Werbepartner gewinnen: Swiss, Swisscom, Ricardo, Coca-Cola Schweiz und Feldschlösschen werben auf dem neuen Portal. Die lokale Vermarktung der Werbeplätze hat United Internet Media der AdLink Internet Media AG Schweiz übertragen.
Hohe Reichweite und VorteileGmx Schweiz ist ein Angebot in deutscher Sprache. Eine französische und eine italienische Version für die anderssprachigen Teile der Schweiz sind nicht geplant. Es sei problematisch, so Ehrlich, ein Angebot in dieser Qualität und mit dieser Reichweite auch noch in mehreren Sprachen aufzubauen. Die Beschränkung auf die deutsche Sprache bietet zudem Vorteile: Die Werbereichweite von Gmx.ch ist durch die Verknüpfung mit dem deutschen und dem österreichischen Gmx-Portal besonders hoch. «So können wir mit dem E-Mail-Dienst und den jeweils landesspezifischen Meldungen und Services den gesamten deutschsprachigen Raum ansprechen», sagt Ehrlich. «Als Werbeplattform ist das Schweizer Portal damit sowohl für alle in der Schweiz ansässigen werbetreibenden Unternehmen mit Zielgruppen im deutschsprachigen In- und Ausland spannend als auch für internationale Konzerne mit schweizerischen Zielgruppen.»
Ohne die Kopplung mit dem deutschen und dem österreichischen Gmx-Portal gäbe es Gmx.ch vermutlich gar nicht. «Ein komplexes Werbetool wie Targeting nur für einen kleinen Wirtschaftsraum wie die Deutschschweiz anzubieten, wäre nicht rentabel», betont Ehrlich. «In Verbindung mit Gmx.de und Gmx.at jedoch entstehen Synergien und das Targetingangebot auf dem Schweizportal rechnet sich. So können wir der Schweiz eine Werbeplattform mit ganz neuen Möglichkeiten und Reichweiten anbieten.»
Vorläufer von Gmx.ch ist das Österreichportal von Gmx, das seit März 2008 online ist. Die Reaktionen von Nutzern und Werbepartnern auf die Einführung von Gmx Österreich seien sehr positiv gewesen, berichtet Ehrlich: «Die Nutzungsfrequenzen und die Verweildauern der User stiegen deutlich – und damit auch die Werbeumsätze. Und das gleich um zirka 300 Prozent.» Heute ist Gmx.at das grösste österreichische Serviceportal und das zweitgrösste Online-Angebot im österreichischen Internet. Eine ähnlich positive Entwicklung erwartet United Internet Media auch für die Schweiz.
Anne-Friederike Wilhelm
Gmx – Fact & Figures
Der Freemail-Pionier Gmx (Global Message Exchange) ging vor elf Jahren in Deutschland als Maildienst online. Ein Jahr später haben bereits 250’000 Menschen einen Gmx-Account, im April 1999 zählt Gmx.de mehr als eine Million Mitglieder. Ende 2008 erreicht Gmx in Deutschland monatlich 8,7 Millionen Unique User und ist die Nummer fünf der meistbesuchten Online-Angebote (AGOF internet facts 2008-III).
Im März 2008 startet das österreichische Portal von Gmx. Das E-Mail-Angebot wird um landesspezifische Inhalte und Services erweitert. Gmx.at entwickelt sich in kurzer Zeit zum grössten österreichischen Online-Serviceportal und zum zweitgrössten Online-Angebot im österreichischen Internet.
In der Schweiz ist Gmx derzeit mit rund 750’000 Postfächern der drittgrösste Maildienst hinter Hotmail und Bluewin. Von der Einführung des Schweizer Portals verspricht sich das Unternehmen einen raschen Zuwachs an Gmx-Nutzern und steigende Werbeumsätze. Angestrebt ist ausserdem ein Platz unter den Top 5 der Schweizer Internetportale. (afw)
Schweizer Nachrichten auf der Gmx-Startseite werden mit Bannerwerbung von Feldschlösschen unterstützt.