Seit dem 20. Dezember ist die Vollversion von Snowfriends.ch online, zur Freude von etlichen Bloggern, die sich Tag für Tag ihre Schneeleidenschaft von der Seele schreiben. «Wir wollten eine Website schaffen, auf der sich Skifahrer, Snowboarder, Langläufer und Schlittler aller Altersgruppen gegenseitig Tipps geben sowie Bilder und Kontakte austauschen können», erklärt Tom Hauk (41), Leiter Markenkommunikation bei Swisscom und selber begeisterter Skifahrer. Swisscom engagiert sich seit 2001 als Hauptsponsor von Swiss-Ski für den Schweizer Skisport. Nun bietet das Unternehmen Hobbyschneesportlern ein Informations- und Diskussionsforum – und bringt damit ganz subtil sein Image als kalter Kommunikationsdienstleister zum Tauen. Auf der Website heisst es: «Als Schweizer Unternehmen fühlt sich Swisscom verbunden mit den Schweizer Traditionen und unserer Kultur. Darum unterstützen wir die kleinen und die grossen Wintersportler.» Snowfriends.ch soll die Glaubwürdigkeit dieses Engagements unterstreichen.
Die Site bietet vor allem Blogs, in denen sich angemeldete User über die Schweizer Skigebiete austauschen können: Wo sind die Rösti mit Ei am feinsten? Wo steigen die besten Partys? Welcher Freestyle-Park ist am coolsten? Ausserdem können die Schneefreaks darüber abstimmen, welches die gemütlichste Bergbeiz ist oder wo das Schlitteln am meisten Spass macht. Ergänzt wird das Forum durch Fotos aus den Skigebieten, Tippspiele, das (kostenpflichtige) Handy-Spiel «Ski Challence Mobile», Wetter- und Pistenberichte, Event-Kalender sowie Hintergrundinformationen über die Schweizer Ski-Nati. Cuche, Gut und Co. schreiben auf Snowfriends.ch auch selbst Beiträge und geben in Interviews und Videos Geheimtipps für die Schweizer Skigebiete.
Schneefans unter sichJeder User kann sich ein Profil à la Facebook anlegen, mit einem Foto oder einem Avatar, der via Fotomontage das eigene Gesicht erhält. Ergänzt wird das Profil durch persönliche Daten wie zum Beispiel Lieblingsskigebiet, Lieblings¬essen in den Bergen und E-Mail-Adresse. Wer will, kann auch seine Telefonnummer angeben, was sich als sehr praktisch erweisen kann: «Unsere User nutzen Snowfriends.ch bereits für Dinge, die wir noch gar nicht umgesetzt haben», freut sich Caspar Coppetti (33), bei Advico Young & Rubicam als Chief Strategy Officer verantwortlich für die Website. «Sie verabreden sich zum Beispiel per Mail oder Handy miteinander und gehen gemeinsam skifahren.» Swisscom hat sein erstes Etappenziel damit bereits erreicht: Freude am Schneesport verbreiten.
Von allen Angeboten laufen die Blogs am besten. Sie werden weder moderiert noch redaktionell bearbeitet. «Das ist natürlich ein Risiko», weiss Tom Hauk. «Aber wir wollten das wagen. Denn wenn eine Website vom Anbieter erkennbar gesteuert wird, sinkt die Motivation der User, sich einzubringen. Snowfriends.ch gestalten die User selbst.» Der Mut scheint sich auszuzahlen: Bisher mussten noch keine unerwünschten Inhalte gelöscht werden. Und schaltet mal ein cleverer Tourismusverband einen allzu werblichen Blog-Beitrag, wird er sofort von aufmerksamen Usern abgestraft. Die Community kontrolliert sich selbst.
Werbefreier SpassDie Website ist frei von Werbebannern und Logos, Swisscom verzichtet auf blinkende Kaufanreize. Allein der auf der Startseite platzierte Hinweis auf das iPhone 3G als Wettbewerbspreis lässt den User erahnen, dass der rot-blaue Kommunikationsdienstleister hinter dem Angebot steckt. Wen allerdings interessiert, wer für die Website verantwortlich zeichnet, findet rasche Aufklärung in der zweiten Navigationsebene, auf den Unterseiten «Respekt» und «FAQ».
Auch die Live-Schaltung der Website wurde zurückhaltend beworben: Kleber auf Sicherheitsbügeln von Sesselliften, Plakate in den Skigebieten und Online-Werbung machten den Anfang. «Wir haben uns mit Branding bisher zurückgehalten», sagt Caspar Coppetti. «Denn die Site ist ein Versuch, und wir wollten erst einmal schauen, ob sie funktioniert. Jetzt können wir die Community gezielt promoten.» Am vergangenen Wochenende rührten Coppetti, Hauk und ihr Team die Werbetrommel in Wengen. Grossformatige Plakate an Liftstationen, Infostände, ein Snowfriends-Corner sowie eine Autogrammstunde mit den Athleten der Ski-Nati flankierten ihre Promotion. Und bald kann ein Merchandising-Set aus Mütze, Schal und Handschuhen über die Website bestellt werden.
Aufmerksamkeit garantieren auch die Bewertungsaufkleber: «Empfohlen von Snowfriends.ch» und «Snowfriends.ch rät ab». «Mit diesen Klebern können unsere Mitglieder jetzt auch offline Bewertungen abgeben, zum Beispiel für Beizen, Lifte und Abfahrten», erklärt Caspar Coppetti. «Einfach vor Ort aufkleben, fertig.» Wie viel Freude Liftbetreiber und Wirte an dieser Form des Votings haben werden, wird sich herausstellen. Und was kommt im Sommer? «Gute Frage», lacht Tom Hauk. «Aber das verraten wir noch nicht! Sicher ist, dass die Site weiterläuft.» Snowfriends dürfen gespannt sein.
Anne-Friederike Wilhelm
Mitteilungsfreudige User von Snowfriends.ch: Innerhalb von vier Wochen schrieben sie 310 Blog-Beiträge und luden 1457 Bilder hoch.
Swisscom hat seine Online-Community nicht mit Bluewin.ch verbunden. In Kombination mit dem starren Newsportal hätte Snowfriends.ch nicht eine solche Kraft entwickeln können.
Snowfriends.ch wird mit grossen Postern und Klebern auf den Sicherheitsbügeln von Sesselliften beworben.