Hans-Jürg Deutsch, Geschäftsleiter des Verlegerfernsehens PresseTV (PTV), wies in den letzten Jahren immer wieder darauf hin: Seit SF-Direktorin Ingrid Deltenre SF zwei konsequenter auf Sport und Jugend ausrichtete und am Sonntagabend auf SF1 «Musicstar» oder «Gotthelf-TV» programmierte, sahen die PTV-Sendungen alt aus. Im doppelten Sinn: Erstens weil sie mit den SF-Eigenproduktionen nicht mithalten konnten, zweitens weil die PTV-Sendungen mit ihrem eher älteren Zielpublikum auf dem jugendlichen SF zwei deplatziert wirkten. Entsprechend purzelten Jahr für Jahr die Quoten.
So überrascht es nicht, dass fast alle PTV-Sendungen auch 2008 erneut an Boden verloren und viele an einem historischen Tiefpunkt angelangt sind. Allen voran die Ringier-Sendung «Gesundheit Sprechstunde» (GES): Gegenüber 2007 verlor sie ein Drittel ihrer Zuschauer, verglichen mit 2003 waren es gar 60 Prozent oder knapp 200’000 Personen weniger. «NZZ Format», «NZZ Swiss made», «konsumTV» oder «MotorShow TCS» stürzten ebenso ab. Einzig der «BaZ Fussballtalk» konnte letztes Jahr etwa 12 Prozent zulegen.
Lange war PTV dieser Entwicklung hilflos ausgeliefert. Ein Ausweichen auf andere Sendeplätze war teils aus konzessionsrechtlichen Gründen kaum möglich, teils weil sich Deltenre dagegen sperrte. Das Verlegerfernsehen, das in besseren Zeiten mitgeholfen hatte, den Quotendurchschnitt von SF zwei zu heben, stand plötzlich auf dem Abstellgleis.
Erst mit der neuen SRG-Konzession von 2007 kam Bewegung in die Sache. SRG und PTV handelten im Mai 2008 einen neuen Kooperationsvertrag aus und einigten sich, dass PTV-Sendungen ab 2009 dort platziert werden, wo sie ihr Publikum besser erreichen können. Die Konsequenz: Vier PTV-Formate, nämlich «Cash-Talk», «BaZ Fussballtalk», «konsumTV» und «100 Minuten», wurden gestrichen, alle andern verlegt – die meis¬ten auf SF1. Gleichzeitig wurden den einzelnen Sendungen intern gewisse Quotenziele vorgegeben. Entsprechend wurden die Januarresultate mit Spannung erwartet, um erste Trends erkennen zu können.
> Tabelle: PTV-SendungenUnd diese stimmen zuversichtlich. Denn auf den neuen Sendeplätzen schnellten die Zuschauerzahlen einiger PTV-Formate hoch, bei GES, neu samstags um 18.10 Uhr auf SF1, stiegen sie gar um knapp 100 Prozent auf 208’800 Personen. Die fünf Januar-Sendungen, die neu wöchentlich statt vierzehntäglich ausgestrahlt werden und halb solange dauern wie zuvor, knüpfen etwa dort an, wo GES 2006 stand. Beim Marktanteil erreicht das Format mit 20 Prozent gar einen Rekordwert.
Mehreren andern Sendungen geht es ähnlich: «Motorshow TCS», neu am Sonntagabend auf SF zwei, konnte verglichen mit 2008 um gut 50 Prozent zulegen und ist zurück auf den Werten von 2006. Auch hier erreicht der Marktanteil ein historisches Hoch. Die «Standpunkte» werden ebenfalls häufiger denn je gesehen. Und «NZZ Format», das neu donnerstags nach Aeschbacher ausgestrahlt wird, erreicht mit 89’000 Zuschauern zwar erst den Wert von 2007 – mit seinem Rekord-Marktanteil von 14,3 Prozent übertrumpft es aber die Serien, die SF1 zuvor um dieselbe Zeit im Programm hatte und die 2008 bloss 10 Prozent schafften. Nur leicht verbessert haben sich dagegen «CashTV» und «NZZ Swiss made». Bei «CashTV» ist der Januar-Marktanteil sogar tiefer denn je.
Markus Knöpfli