Als Sofortmassnahme beschlossen ist unter anderem ein Stellenstopp. Bereits bleiben einige Stellen unbesetzt. Ausserdem sollen die Lohnstufen-Anstiege eingefroren und der aufgeschobene Teuerungsausgleich drastisch gekürzt werden. Das Sparprogramm war am 16. September, dem Bundesratswahltag, im SDA-Basisdienst veröffentlicht worden. Eine Restrukturierung soll nun zusätzliche Einsparungen bringen, heisst es in einem Communiqué der SDA zur Redaktionsversammlung. Es drohe der Abbau von rund 10 Prozent der Stellen in der Redaktion und damit eine Massenentlassung.
Gemäss Vorankündigungen der Geschäftsleitung dürfte das Sparprogramm in erster Linie die französischsprachige Redaktion treffen, so die Mitteilung weiter. Die Redaktion habe bereits in der letzten Rezession einen erheblichen Sanierungsbeitrag geleistet und könne nun nicht einfach akzeptieren, dass Stellen gestrichen und die Sprachensolidarität aufgehoben werden sollen. Darum hat sie am Mittwochabend eine Resolution verabschiedet. Diese fordert:
Keine Entlassungen:
Die vorgesehenen Sparmassnahmen treffen die Redaktion hart. Nicht ersetzte Abgänge erhöhen den Druck, was sich auf Arbeitsbedingungen und damit die Qualität niederschlägt. Die Redaktion ist sich der Krise bewusst und daher bereit, für ein Jahr zwecks Erhaltung von Arbeitsplätzen auf ordentliche Stufenanstiege gemäss Lohnmodell und auf den versprochenen Teuerungsausgleich zu verzichten. Die Redaktion verbinde dieses schmerzhafte Opfer mit der Bedingung, dass keine Entlassungen ausgesprochen werden, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Stagiaires sollen nach Vertragsablauf nicht als natürliche Abgänge betrachtet werden, sondern eine faire Chance auf Weiterbeschäftigung haben.
Sprachensolidarität erhalten:
Nach Überzeugung der SDA-Redaktion ist die Sprachensolidarität im Sinne eines gleichwertigen Dienstes eine wesentliche Daseinsberechtigung für die Agentur, aber auch eine konkurrenzlose Stärke im Schweizer Medienmarkt. Das SDA-Leitbild postuliere einen gleichwertigen Basisdienst in allen drei Sprachen zum selben Preis. Die Redaktion fordert daher die Geschäftsleitung auf, die Sprachensolidarität nicht aufzugeben.
Als Alternative fordert die Redaktion in ihrem Communiqué die Geschäftsleitung auf, neben neuen Diensten und Kunden intensiv weitere Alternativen zum Abbau zu suchen.
Die SDA habe in den letzten Jahren nicht zuletzt dank Produktivitätssteigerung der Redaktion ihr Eigenkapital deutlich steigern können, so die Redaktionskommission im Auftrag der SDA-Redaktion in der Mitteilung weiter. Gemäss Geschäftsbericht 2008 verfüge die SDA-Gruppe über angehäufte Gewinnreserven, die für mehrere Krisenjahre reichen. Entlassungen seien daher inakzeptabel. Falls ein Abbau unumgänglich sei, soll dieser sozialverträglich und ohne Härtefälle erfolgen. Die Option der Kurzarbeit sei sorgfältig zu prüfen. Das Bundesgericht habe Kurzarbeit grundsätzlich auch bei strukturellen Veränderungen für möglich erklärt. Ausserdem dürften die Sparmassnahmen nicht nur die Basis treffen, sondern müssten vom Kader gleichwertig mitgetragen werden.
Nach der Kündigung des Branchen-Gesamtarbeitsvertrages durch die Arbeitgeber habe die SDA-Geschäftsleitung ein Hausreglement erlassen, insbesondere mit dem Argument der Planungssicherheit. Jetzt in der Krise werde jedoch über die Köpfe der Betroffenen hinweg geplant, was Ängste provoziert. Ein echter Firmen-GAV könnte stattdessen sozialpartnerschaftliche Lösungen erleichtern, beiderseits mehr Stabilität bringen und aufreibende Auseinandersetzungen ersparen.
Wenn die Krise der Medienbranche nicht nur konjunkturell, sondern vor allem strukturell bedingt ist, womit die Abbaupläne begründet werden, dann verfolgen die SDA und insbesondere ihre Eigentümer gemäss Communiqué offensichtlich die falschen Strategien. Die SDA-Redaktion ruft daher die Verantwortlichen auf, das Zeitalter der Gratisangebote im Internet zu beenden und auch bei den Gratiszeitungen über die Bücher zu gehen. Besonders stossend sei, dass SDA-Miteigentümer, die den Dienst gekündigt haben, sich schamlos im Internet an den SDA-Leistungen bedienten.
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