Wirz Cocktail 2009: Überlebensrezepte in der Krise

Zum 39. Mal hat gestern der Wirz Cocktail stattgefunden. Über 300 Gäste folgten der Einladung der Wirz Gruppe. Unter dem Motto «Survival of the Fittest» diskutierten der Unternehmer Giorgio Behr, Headhunter Thomas Frei, der Direktor von Avenir Suisse, Thomas Held, sowie der Publizist und ehemalige Chefarzt Oswald Oelz über die Fähigkeiten und Eigenschaften, um sich als Mensch und Unternehmen im Markt zu behaupten.

Urs Binggeli, CEO von Wirz Corporate und Mitglied der Wirz Gruppenleitung, eröffnete den Abend und stellte zugleich fest, dass es neben den richtigen Eigenschaften und Fähigkeiten auch immer eine Portion Glück zum Überleben von Unternehmen braucht. Moderiert von Esther Girsberger folgte eine interessante wie unterhaltsame Podiumsdiskussion zu den besten Überlebensstrategien bei den immer schneller wechselnden Marktbedingungen. Geprägt von seinen Erlebnissen als Alpinist vertraut Oswald Oelz ganz auf den menschlichen Instinkt, um kritische Situationen zu überwinden. Dagegen vertritt Giorgio Behr die Überzeugung, dass Unternehmen, die sich auch in der Boomphase schlank im Sinne eines Lean-Management halten, sehr viel flexibler und besser auf etwaige Krisen reagieren können. Auch Thomas Held hob die schnelle Anpassungsfähigkeit der Unternehmen hervor. Denn nicht die beste Fitness, sondern der «Perfect Fit» an die jeweiligen Rahmenbedingungen entscheidet den Überlebenskampf. Für die Durchsetzung auf dem Personalmarkt bedeutet diese Anpassungsfähigkeit aber nicht die Gleichschaltung mit der Masse, betonte Thomas Frei von der Shikar Group. Vielmehr geht es um die Lernfähigkeit und die Betonung der Einzigartigkeit, mit der man sich aus der Masse hervorhebt.
Einig war man sich in der Runde, dass es zwar nicht das allgemeingültige Überlebensrezept gibt, dafür aber einige sichere Wege zum erfolgreichen Scheitern. So ist das Verharren in der Krise genauso gefährlich wie der Ansatz, von heute auf morgen alles anders machen zu wollen.
Ein Zusammenschnitt der Podiumsdiskussion mit den wichtigsten Ausführungen der Podiumsteilnehmer sowie Stimmen der Gäste zum Abend sind ab dem 20. November 2009 auf Wirz.ch einsehbar.

1290581263_img091120_wirz1
Podiumsdiskussion: Dr. Thomas Held (Avenir Suisse), Prof. Dr. Giorgio Behr (CEO Behr Bircher Cellpack BBC Group), Prof. Dr. med. Oswald Oelz (Alpinist, Ex-Chefarzt), Thomas Frei (SHIKAR Group), Dr. Esther Girsberger (Publizistin). (Quelle: tilllate custom)

1290581263_img091120_wirz2
Urs Binggeli (CEO Wirz Corporate, Mitglied der Wirz Gruppenleitung), Prof. Dr. med. Oswald Oelz (Alpinist, Ex-Chefarzt), Thomas Frei (SHIKAR Group), Dr. Esther Girsberger (Publizistin), Prof. Dr. Giorgio Behr (CEO Behr Bircher Cellpack BBC Group), Dr. Thomas Held (Avenir Suisse). (Quelle: tilllate custom)

1290581263_img091120_wirz3
Wirz Gruppenleitung: Michel Juhasz (Assai Dialog & Digital), Urs Binggeli (Wirz Corporate), Geri Aebi (Wirz Werbung), Rinaldo Poltera (CFO Wirz Gruppe). (Quelle: tilllate custom)

Welt am Sonntag: Elektronisches Magazin lanciert

Am kommenden Sonntag erscheint erstmals das neue Digitalmagazin Welt am Sonntag eMag mit einer Preview-Ausgabe. Die Onlineerweiterung von Deutschlands grösster Qualitätssonntagszeitung bietet den Nutzern multimedial aufbereitete Geschichten – von der Printausgabe sowie exklusive Inhalte.

Idee und Konzept zum zum eMag stammen von einer Mitarbeiterin der Welt-Gruppe und wurden dem Vorstand von Axel Springer im September 2009 im Rahmen eines unternehmensweiten «Tag der Ideen» präsentiert und innerhalb von nur zwei Monaten umgesetzt. Ab Frühjahr 2010 erscheint das Digitalmagazin auf einer monatlichen Basis.

1290581264_img091120_weltaso

Flops der Woche

Die Aktion Medienfreiheit zeigt sich wenig begeistert über den Vorschlag, eine generelle TV- und Radiosteuer einzuführen. Das Argument, der technologische Fortschritt erlaube den Zugang zu den elektronischen Medien auch via Handy und PC, verfange nicht.

Flop 1: Die Aktion Medienfreiheit zum Gebühren-Vorschlag des Bakom-Direktors
Die Aktion Medienfreiheit zeigt sich wenig begeistert über den Vorschlag, eine generelle TV- und Radiosteuer einzuführen. Das Argument, der technologische Fortschritt erlaube den Zugang zu den elektronischen Medien auch via Handy und PC, verfange nicht. «So ein Vorgehen wäre damit vergleichbar, dass jede Schweizerin und jeder Schweizer die Autobahnvignette bezahlen müsste – unabhängig davon, ob sie oder er die Autobahnen benützt oder nicht, einfach weil jede und jeder theoretisch dazu in der Lage ist», schreibt die Aktion Medienfreiheit. Eine Gebühr sei eine Entschädigung für die Nutzung einer Dienstleistung. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb jemand, der diese Leistung nicht beziehe, dennoch zur Kasse gebeten werden soll. Die TV- und Radio-Gebühr für alle erweise sich als zusätzliche Steuer, welche durch die Hintertür eingeführt werden soll, ohne die politische Diskussion dazu führen zu müssen. Auch die pauschale Stellungnahme des Bakom-Direktors zur Billag überrasche. Er scheine nicht ernsthaft gewillt, alternative Gebühreneinziehungsmodelle zu prüfen.

Flop 2: Post zieht Red-Bull-Werbemittel zurück
Das Handy-Abo «Red Bull Mobile» wird exklusiv über Postfilialen verkauft. Ab sofort bewerben aber keine Fallschirm-Szenen mehr das Produkt. Aufgrund des tödlichen Sturzes von Ueli Gegenschatz beim Promo-Sprung hängt die Post alle Werbemittel mit dem Thema Fallschirmspringen ab. Die Schweizer Post reagiert damit auf den Tod von Ueli Gegenschatz. Keine Folgen hat der Sturz auf die Zusammenarbeit von Red Bull und Sunrise. Das gemeinsame Angebot «Red Bull Mobile» werde wie geplant weitergeführt, heisst es bei Sunrise. Es sei aber anzunehmen, dass das Produkt in Zukunft ohne Flugaufnahmen von Ueli Gegenschatz beworben werde. «Die Vermarktung liegt aber vollumfänglich bei Red Bull», so Sprecherin Sevgi Gezici gegenüber 20 Minuten Online. Sunrise bemühe sich aber, Einfluss zu nehmen auf die weitere Kampagne. In der Westschweiz war laut dem Nachrichtenportal zwei Tage nach dem Unfall von Ueli Gegenschatz noch ein Inserat erschienen, auf dem sich Gegenschatz in die Tiefe stürzt. Auf der Homepage von Red Bull Mobile scheinen die entsprechenden Werbebilder inzwischen entfernt worden zu sein. Red Bull wollte sich zum weiteren Verlauf der Kampagne nicht äussern.

Swiss Effie 2010: Werbung machen lohnt sich

Neben dem Agenturranking war am Medienfrühstück vom bsw auch der Effie Award 2010 ein Thema. Kommunikations- und Werbemassnahmen, die zwischen 2006 und 2009 zum Einsatz kamen, können am Swiss Effie 2010 ihre Wirksamkeit unter Beweis stellen. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2010.

Jury-Präsident ist Ralph Büchi, CEO von Axel Springer Schweiz und Präsident von Axel Springer International. Er leitet die Jury bereits zum zweiten Mal. Mitglieder sind zehn Vertreter von Auftraggeberseite, vier Experten aus Forschung und Lehre sowie zehn Persönlichkeiten von bsw-Agenturen (siehe Liste).

> Die Jury

Alle eingereichten Fälle werden in der ersten Runde von einer der drei Gruppen à acht Personen online benotet; Einreichungen mit einer überdurchschnittlichen Benotung kommen auf die Shortlist, die im März 2010 in der zweiten Runde von der Gesamtjury diskutiert wird und aus der die Award-Gewinner bestimmt werden. In der Regel wird angestrebt, in jeder Kategorie Gold, Silber und Bronze zu verleihen.

Die Kategorien
Juriert wird neu in sechs Kategorien: Verbrauchsgüter Nahrungsmittel / Verbrauchs- und Gebrauchsgüter, Investitionsgüter / Dienstleistungen, Handel, Medien / Finanzdienstleistungen / Kultur und Soziales / Internationale Kampagnen.
Einsendeschluss ist der 15. Januar 2010, die Preisverleihung findet am 27. April 2010 in den Studios des Schweizer Fernsehens SF statt. Der Swiss Effie wird von bsw leading swiss agencies getragen. Gesponsert wird er von Publisuisse (Host-Sponsor), Schweizer Fernsehen SF (Event-Sponsor), APG, Handelszeitung, NZZ, Die Post, Publicitas, Ringier (Kategorien-Sponsoren) sowie Persönlich und Handelszeitung (Medienpartner).

Zur Sache: Krisenkommunikation

Dass Unternehmen Prominente als Markenbotschafter oder Werbeträger einsetzen, ist legitim. Man erhofft sich damit durch den Imagetransfer eine positive Auswirkung auf die eigene Marke.

Dass Unternehmen Prominente als Markenbotschafter oder Werbeträger einsetzen, ist legitim. Man erhofft sich damit durch den Imagetransfer eine positive Auswirkung auf die eigene Marke. Eines müsste aber eigentlich jedem Unternehmen klar sein: Bei jedem Prominenten, sei er oder sie nun Schauspieler, Sänger oder Sportler, kann irgendetwas passieren, dass die erhoffte positive Wirkung des Prominenten auf die eigene Marke stört oder sogar ins Gegenteil verkehrt. Der gesponserte Promi kann Drogen nehmen, er kann sich dopen oder sich daneben benehmen. Ein Restrisiko bleibt also immer bestehen.
Red Bull ist seit Jahren im Sponsoring von Extremsportanlässen engagiert. Daneben setzt die Marke auch auf Extremsportler als Werbeträger. Es ist deshalb vollkommen unverständlich, dass ein Unternehmen, das ganz stark von dieser Welt der Adrenalin-Junkies und Draufgänger lebt, sich nicht vorher einen Kommunikationsplan für eine mögliche Krisenkommunikation zurechtgelegt hat. Bei beinahe allen dieser Anlässe könnte es zu einem Unglück kommen. Der tragische Vorfall letzte Woche, der mit dem Tod des Basejumpers Ueli Gegenschatz endete, als er für Red Bull von den Sunrise Towers in Zürich einen Promotions-Jump wagte, ist aber leider der klare Beweis, dass kein solches Notfallszenario existierte. Oder – noch schlimmer –, dass ein solches Szenario von falschen Prämissen ausging.
Beatrice Tschanz, die seit dem Absturz einer Swissair-Maschine bei Halifax als Expertin für Krisenkommunikation gilt, meinte zur Zeitung News: «Wer glaubt, in einer solchen Situation auf Tauchstation gehen zu können und dass dann schon alles von allein vorbeigehe, der täuscht sich massiv. (…) Der oberste Verantwortliche hätte sein Bedauern mitteilen und zum Geschehenen stehen sollen. Aber Red Bull hat in diesem Fall den Zeitpunkt verpasst. Jetzt ist die Firma in einer Defensivhaltung. Sich in einer Krise hinterher zu erklären, geht nicht. Man muss aktuell seinen Mann oder seine Frau stehen.»
Red Bull aber ging zu lange auf Tauchstation und reagierte erst spät und auch dann wenig sensibel auf das tragische Unglück. Ein sofortiger Stopp der laufenden Werbekampagne wäre neben klaren entschuldigenden Worten des obersten Chefs das Mindeste gewesen. Erst als die Kritik an der Kommunikation von Red Bull immer stärker wurde, bequemte man sich, einige persönliche und würdigende Zeilen zum verunglückten Extremsportler zu publizieren. Auch dass die Familie des verunglückten Sportlers Red Bull in Schutz nimmt, kann nicht verhindern, dass die Reputation der Marke Red Bull durch eine stümperhafte Kommunikation stark gelitten hat.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Es leben die Toten

Der Mörder ist immer der Gärtner. Was, meinen Sie, ist erst mit dem Friedhofsgärtner los?! Friedhofsgärtner sind gross, hager, haben eine lange Nase, schüttere Haare und wahrscheinlich immer grad eine Sense im Gepäck.

Der Mörder ist immer der Gärtner. Was, meinen Sie, ist erst mit dem Friedhofsgärtner los?! Friedhofsgärtner sind gross, hager, haben eine lange Nase, schüttere Haare und wahrscheinlich immer grad eine Sense im Gepäck. Sympathien jedenfalls erzeugen die Herrschaften, die mit Caterpillars in alten Gräbern herumbuddeln und ab und zu auch ein paar alte Knochen freilegen, höchstens bei Erika und Lebensbaum. Oder gehen Sie regelmässig mit einem Friedhofsgärtner ein Bierchen trinken, sind gar mit einem verheiratet? Eben. Das hat auch der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) gemerkt. Seit Anfang Oktober wirbt er mit einer deutschlandweiten Imagekampagne für die guten Seiten des Berufs. Unter dem Motto «Es lebe der Friedhof» rücken ein Spot, Plakate, Anzeigen und ein Internetauftritt die grusigen Gräbler ins rechte Licht. Die Botschaft: Den Friedhofsgärtnern haben wir es zu verdanken, wenn nicht nur unsere Lieben sich auf dem Friedhof so richtig wohl fühlen, sondern auch wir, die sie dort besuchen. Sie machen aus einem Grab auch schon einmal ein Bassin, wenn der Verstorbene das flüssige Element über die Massen liebte. Der Gottesacker als Garten Eden – eine etwas schräge, aber mutige Kampagne. Und sehr wirkungsvoll. Mir jedenfalls erscheint die Spezies «Friedhofsgärtner» schon nicht mehr ganz so gruselig. Heiraten würde ich trotzdem keinen. afw
> Zum Spot
1290581264_img091120_gaertner1
1290581264_img091120_gaertner2
1290581264_img091120_gaertner3

Oldies sind Goldies

Weiterbildung ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von Wille und Einsatz. Was nicht mehr ganz junge Berufsleute wissen müssen, wenn sie einen Fachausweis oder ein Diplom anstreben.

In der Klasse schauten sie am Anfang schon etwas komisch, als ich kam, erinnert sich Edwin Lamprecht. Was den Schülerinnen und Schülern im Marketingplaner-Lehrgang an der Swiss Marketing Academy, alle zwischen 25 und 30 Jahre alt, merkwürdig vorkam, war die Seniorität ihres Mitstudenten. Tatsächlich: Dass ein 62-Jähriger die Ärmel hochkrempelt für einen eidg. Fachausweis – das hat Seltenheitswert. Aber Lamprecht fühlte sich nicht zu alt, es noch einmal wissen zu wollen: «Als frühpensionierter Informatik-Spezialist hatte ich Lust, noch einmal etwas ganz anderes zu lernen.»
Dass die Generation über 50 eine relevante Zielgruppe bildet, weiss jeder Marketer. Versehen mit Edel-Etiketten wie Best Ager, Silver Surfer, Generation Gold, sind die jungen Alten ein ebenso umschwärmter wie diffizil zu knackender Markt. Die Schublade Wanderferien/Inkontinenz/Versandkatalog – das funktioniert schon lange nicht mehr für eine Generation, die zu einem guten Teil fit, lebenshungrig und internetfähig ist. Eine Generation auch, die sich nicht zufrieden gibt mit dem, was sie schon weiss: «Als ich mich mit 60 frühpensionieren liess, stellte ich fest, wie meine gleichaltrigen Kollegen links und rechts aktiv wurden», erzählt Lamprecht. «Einer studierte Mathematik, der andere Jus, weitere stürzten sich in andere Formen der Weiterbildung.» Lamprecht selber sah sich nach einem Lehrgang in Sachen Volkswirtschaft um, fand aber nichts, das ihm passte. Dann wurde der IT-Fachmann gewahr, «dass sich im Marketing auch viel zum Thema Volkswirtschaft lernen lässt», und meldete sich 2007 für den Lehrgang zum Marketingplaner – dem heutigen Marketingfachmann – an.
Die Frage nach der Motivation
Natürlich sind Kursteilnehmer jenseits der 50 eher eine Seltenheit. Und doch: Auch auf Grund der Wirtschaftslage, die es vielen Angestellten ratsam erscheinen lässt, etwas für den eigenen Schulsack und das eigene CV zu tun, rückt das Thema Weiterbildung auch für manch älteres Semester vermehrt in den Vordergrund. Schliesslich hat es wohl allen gedämmert, dass in der globalisierten Wirtschaft die reine Anciennität keine Job-Garantie mehr ist. Was an einigen Schulen spürbar wird. Mögen auch da und dort Firmen Kürzungen vornehmen und deshalb weniger ihrer Angestellten an Kurse schicken, so steigt auf der anderen Seite tendenziell der Anteil jener Berufsleute, die sich selber anmelden und also selber für die Kurskosten aufkommen. Auch Menschen, die keine 25 mehr sind: «Wir spüren, dass gerade die höheren Fachprüfungen auch vermehrt ältere Teilnehmer anziehen», sagt Lex Ambühl, Schulleiter der Simakom in Hergiswil. Lernwillige auf Grund ihres Alters ablehnen würde man dabei nie, sagt Ambühl. Zunehmendes Interesse beruflicher Veteranen zeigt sich da und dort auch in den Statistiken von Swiss Marketing. Bei den erfolgreichen Absolventen im Feld der Marketingfachleute waren 2009 immerhin 6,1 Prozent zwischen 41 und 50 und 2,1 Prozent über 50 Jahre alt – die höchsten Werte seit 2005. Und bei den Verkaufsleitern lag 2009 die Quote der 41- bis 50-Jährigen sogar erstmals über 10 Prozent.
«Man hat generell nie ausgelernt, das Alter müsste eigentlich keine Rolle spielen», sagt Hansruedi Knöpfli, Schulleiter der Swiss Marketing Academy in Zürich. Man schule öfters auch ältere Semester, die auf ihrem Berufsweg über Umwege ins Marketing gekommen seien und jetzt eine saubere Ausbildung haben wollten, um im täglichen Berufsleben kompetent auftreten zu können. Vom Attribut «alt» würde Knöpfli «so ab 55» reden. Wer fit ist, wer den Drang hat, sich weiterzubilden, wird wohl nie an eine gläserne Decke in Sachen Seniorität stossen. Trotzdem, sagt Knöpfli, frage man Leute im Beratungsgespräch relativ bald einmal nach ihrem Alter und nach der Motivation, sich auf eine Weiterbildung einzulassen. Wer sich den Kurs bloss habe schenken lassen oder andere schwach plausible Gründe vorbringe, habe es schwer oder werde abgelehnt.
Und der Return on Investment?
Knöpfli thematisiert eine weitere Sache, die sich Oldies und Goldies überlegen müssen: diejenige nach der persönlichen Weiterbildungsrendite. «Älteren bleibt einfach weniger Zeit, um den Return on Investment einzufahren.» Oder anders gesagt: Je später man sich zur Weiterbildung entschliesst, desto kleiner wird das Zeitfenster, das einem in der Regel noch bleibt in der beruflichen Tätigkeit. Jemandem ab 50 bleiben noch gut 180 Monate; wer zehn Jahre vorher abgeschlossen hat, kann quasi 120 Monate länger auf Amortisation seiner Kurskosten hoffen – oder daran arbeiten. Leute über 45 müssen sich wohl noch genauer überlegen, was ihre beruflichen und persönlichen Ziele sind. Man kann sich so jung fühlen, wie man will: Je älter man wird, desto näher rückt nun einmal – mindestens im Angestelltenleben – der Zeitpunkt, an welchem das Erwerbsleben abgeschlossen ist. Der Begriff des Return on Investment mag etwas technoid klingen und seine Berechtigung eher bei Finanzgeschäften oder einer Immobilieninvestition haben. Doch wer seine Bildung und seinen beruflichen Weg als ein Investment in die eigene Person ansieht, sollte sich darüber Gedanken machen.
Mit dem Thema «Return on Investment» musste sich Edwin Lamprecht als Frühpensionierter nicht mehr auseinandersetzen. Und doch: «Klar überlegte ich mir auch, wie sich die rund 12 000 Franken an Weiterbildungskosten rechtfertigen lassen.» Der Jungsenior aus dem zürcherischen Benglen hat das auf clevere Art und Weise gelöst, er arbeitet zwischen 30 und 50 Prozent mit in der Importfirma seiner Gattin, wo er sich um die Financials kümmert und – Marketingplaner sei dank – auch vermehrt Marketing-Approach einbringen kann. Lamprechts Tipp für all jene, die im Spätherbst des beruflichen Erwerbslebens stehen und sich für eine Weiterbildung interessieren: «Man sollte einfach stark darauf schauen, welcher Add-on mit dem angestrebten Abschluss für den Arbeitgeber herausschaut.» Oder anders gesagt: Bringt das, was ich mir beruflich vornehme, in meinem Betrieb und auf meiner Position etwas?
Den Return on Investment kann man in der eher harten Währung – Kurskosten und zeitlicher Aufwand versus Payback – in der beruflichen Karriere in der verbleibenden Zeit ermitteln. Daneben gibt es aber auch den weichen Faktor, der weniger gut zu kalkulieren ist, sich aber in der Regel immer einstellt: das Potenzial an Beziehungspflege, das eine Weiterbildung mit sich bringt. Der gruppendynamische Prozess, das Kennenlernen neuer Leute, das lässt sich nicht in einem Excel-Sheet darstellen, hat aber definitiv seinen Wert. Für Oldies möglicherweise einen fast noch wichtigeren, weil man auf diesem Weg wieder einmal nahe an Menschen gerät, die möglicherweise zur Zielgruppe im eigenen Geschäft gehören.
Oldies im Klassenzimmer: Vorteile und Herausforderungen
Aus dem Kontakt zwischen erfahrenen Berufskräften und Leuten, die am Anfang ihres beruflichen Werdegangs stehen, ergibt sich schon die nächste Fragestellung: Wie vertragen sich Alt und Jung im Klassenzimmer? Und wie steht es um den persönlichen Zentralrechner? Immerhin darf davon ausgegangen werden, dass man in jüngeren Jahren schneller lernt und memoriert und dass die Response-Zeiten mit jedem Jahresring etwas langsamer werden. Lex Ambühl sieht Vorteile, wenn man Goldies an der Schule hat: «Sie tun, salopp gesagt, den jungen Hüpfern gut, etwa dank ihrer Erfahrung. So hatten wir beispielsweise auch schon einmal eine 53-jährige Grossmutter neben einer 22-jährigen Teilnehmerin im gleichen Klassenzimmer.» Ambühl hat ein passendes Bonmot parat und zitiert den Kommunikationsprofi Harry Holzheu: «Bis 40 soll man auf die Älteren hören. Nachher auf die Jüngeren.» Auch Knöpfli setzt auf die Erfahrung als positives Attribut, merkt aber an: «Wir wollen die Klassen heterogen zusammenstellen, es verträgt aber in der Regel nicht mehr als einen Klassenältesten. Durch deren Lebenserfahrung ist das dann meist eine Mutter- oder Vaterfigur, die geschätzt wird.» Lamprecht schreibt dies reiferen Semestern ins Stammbuch: Was ältere Teilnehmer an Lebenserfahrung mitbringen, solle sparsam und nicht aktiv eingesetzt werden, da dies andernfalls überheblich wirken könne. Schwierigkeiten könne es auch geben, wenn ältere Teilnehmer auf jüngere Dozenten treffen und deren Ansichten und Aufgabestellungen anzweifeln: «Da musste ich mir schon auch ein paar Mal auf die Zunge beissen.» In Sachen Lerngeschwindigkeit erinnert sich Prüfling Lamprecht so: «Alles, was stofflich mit Erfahrungswerten zu tun hatte, lief fast mit links für mich. Ging es aber darum, Dinge auswendig zu lernen, tat ich mich etwas schwerer.»
Oft weisen Schulleiterinnen und Schulleiter in den ersten Gesprächen ältere Teilnehmer auch darauf hin, dass für sie keine Sonderbehandlung gilt. Man muss als Oldie also wissen, dass man sich mit den jüngeren Teilnehmern zu den gleichen Bedingungen messen muss. Möglicherweise zu Beginn keine einfache Sache für Leute, die sich im beruflichen Leben ein Einzelbüro gewohnt sind und nun im Klassenverband pauken. Und es kann für Kaderleute, die im beruflichen Alltag in elektronischer Hinsicht von Assistenten unterstützt werden, eine ungewohnte Situation sein, sich nun plötzlich persönlich in eine elektronische Lernplattform einarbeiten zu müssen. Wer die Hürden aber nimmt, wer sich einfügen kann in eine Lerngemeinschaft, die im Alter möglicherweise dem des eigenen Nachwuchses entspricht, der macht eine Lernkurve mit, die alleine schon das Kursgeld lohnt.
Edwin Lamprecht denkt gerne an die Zeit in seiner Klasse zurück. Manchmal sei er sogar auch Gast gewesen an privaten Weekend-Parties seiner viel jüngeren Kommilitonen. Und manchmal kann ein Älterer einem nicht mehr so ganz Jungen gar zum Trost werden, erinnert sich Lamprecht: «An der Prüfung in einer Messehalle in Basel kam ein anderer Prüfling auf mich zu und sagte: ‹Ich bin so froh, dass du auch hier bist. In meiner Klasse gelte ich mit meinen 40 Jahren schon als alter Sack.›»
Lamprecht jedenfalls ist sich nicht reuig, im vergleichsweise hohen Alter auf die Karte Weiterbildung gesetzt zu haben: «Ich würde es wieder machen. Beziehungsweise: Ich werde es wieder machen.» So wie es aussieht, steht in naher Zukunft schon der nächste Lehrgang an.
1290581265_img091120_edwin_lamprecht
Edwin Lamprecht.

Zu guter Letzt: Ohne Worte

1290581268_img091119_werbeverbot_zgl
Aufgenommen von Urs Gysin in Nordfrankreich, 2009.

Ruf Lanz: Radiospots für Hiltl realisiert

Die Agentur Ruf Lanz hat für das Haus Hiltl eine witzige Radiospotkampagne realisiert. Die Spots dramatisieren die Botschaft, dass Hiltl nur Gesundes serviert.

Das Haus Hiltl steht seit mittlerweile 111 Jahren für gesunden Genuss. So gibt’s im Hiltl keine genmanipulierten Lebensmittel, keine Speisegelatine tierischer Herkunft, keine Glutamate – und keine der heute weit verbreiteten E-Lebensmittelzusätze. Diese Botschaft dramatisiert Ruf Lanz nun in einer neuen Radiospotkampagne. Ein Sprecher serviert jeweils die Tages-Empfehlung. Doch bei allen Speisen fehlen die E’s. Eine Abweichung von der Norm, die aufhorchen lässt.
Werbewoche.ch präsentiert drei Spots aus der Serie, die in diesen Tagen auf Energy Zürich läuft.
> Spot 1
> Spot 2
> Spot 3

Bold zieht «Vom Chäser»-Mandat an Land

Bold Werbung konnte im Rahmen einer Strategiepräsentation die Marke «Vom Chäser» von Spirit Market als neuen Kunden gewinnen.

Das Mandat reicht laut Mitteilung der Agentur von der strategischen Beratung über die Optimierung des Erscheinungsbilds bis hin zur Kreation und Umsetzung sämtlicher Werbemassnahmen für das In- und Ausland. Erste Umsetzungen sind für das Frühjahr 2010 geplant – damit die Spezialitäten aus ausgesuchten Dorfkäsereien schon bald in aller Munde sind.

Futurecom: Für Kuoni online Ferienstimmung verbreitet

Die zur Y&R Gruppe gehörende Agentur Futurecom hat für Kuoni Schweiz modular aufgebaute Online Werbemittel in verschiedensten Formaten erstellt.

Die neuen Banner Templates umfassen Skyscrapers, Rectangles, Fullbanners sowie einige Sonderformate und wurden sowohl als Flash- als auch Gif-Banner umgesetzt. Sie werden laut Mitteilung der Agentur in den nächsten Wochen im Netz zu sehen sein – gerade rechtzeitig, um in der trüben Jahreszeit die Reiselust zu wecken.
Verantwortlich bei Kuoni: Fabian Frank (Head of E-Marketing). Verantwortlich bei Futurecom: Stefan Hengartner (Projektleitung/Consulting), Roger Rüegger (Creative Direction), Ruben Feurer (Design).
1290581270_img091119_kuoni

Astrid Kägi übernimmt Anzeigenleitung beim Fachmagazin Schweizer Versicherung

Am 1. November 2009 hat Astrid Kägi die Anzeigenleitung des in der Verlagsgruppe Handelszeitung erscheinenden Fachmagazins Schweizer Versicherung übernommen.

Die 54-Jährige war zuvor unter anderem als Key Account Managerin für die Westschweizer Tageszeitung Le Temps sowie als Verlagsleiterin der Fachpublikation htr Hotel Revue tätig, wie Axel Springer Schweiz in einer Mitteilung schreibt. Ihre Karriere begann Astrid Kägi bei der Jean Frey AG, bevor sie 1982 zum neu gegründeten Verlag Züri Woche wechselte und dort 19 Jahre lang die Bereiche Kommunikation , PR, Marketing, Werbung und Verkauf verantwortete.
get_footer();