Dass es nicht immer ungefährlich ist, sich im Internet zu bewegen, ist bekannt. Darum geben wir Informationen über uns nur sehr vorsichtig preis und erledigen Online-Zahlungen unter dem Begleitschutz ausgefuchster Verschlüsselungsprogramme. Besonders gefährlich kann es werden, wenn man persönliche Daten in virtuellen Communities platziert. Das zeigen Fälle von sexueller Belästigung, sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung und Mord, bei denen sich Opfer und Täter zum Beispiel über Facebook kennengelernt haben. Auch wenn das Extremfälle sind – sie geschehen immer wieder. Die neueste Masche der Internetkriminellen ist, die Wohnungen von Urlaubern auszuräumen, die auf Twitter glücklich von weissem Sand und blauem Himmel schwärmen.
Besonders gefährdet, Opfer von Übergriffen zu werden, sind Kinder. Vor allem die Kleinsten der Kleinen sind oft arglos und vertrauensvoll und fallen leicht auf falsche Versprechungen herein. Sie müssen deshalb besonders geschützt werden. Das fand auch Roger Grolimund, Verlagsleiter Spick. «Als wir 2009 beschlossen, mit dem Relaunch der Spick-Website auch eine Community einzuführen, war sofort klar, dass diese sehr sicher sein und Missbrauch möglichst ausschliessen müsste», sagt Grolimund. Der Künzler-Bachmann-Verlag, der Spick herausgibt, holte die Schweizerische Kriminalprävention ins Boot. Natürlich war von Anfang an klar: Absolute Sicherheit gibt es im Internet nicht. «Wenn jemand Böses will, dann weiss er auch, wie man Sicherheitsvorkehrungen umgeht, da müssen wir uns nichts vormachen», sagt Grolimund. «Wir wollten trotzdem einen möglichst hohen Sicherheitsstandard erreichen. Darum sind wir vom Schlechtesten ausgegangen und haben viele Eventualfälle abgesichert – ohne die Freiheit unserer User zu stark einzuschränken, denn das wäre wieder kontraproduktiv.»
Kinderleicht und Kinder-sicherJedes Kind, das sich bei der Spick-Community anmeldet, muss die E-Mail-Adresse seiner Eltern angeben. Der Verlag nimmt dann Kontakt zu Vater oder Mutter auf und holt ihr Einverständnis für eine Community-Mitgliedschaft ihres Kindes ein. «Wir wollen erreichen, dass die Eltern wissen, dass ihr Kind im Internet aktiv ist und auf welcher Website», erklärt Grolimund. Die Eltern werden auch gebeten, mit ihren Kindern die Spick-Community-Regeln durchzugehen. Diese raten zum Beispiel: «Behandle dein Passwort wie deinen Hausschlüssel» oder «Reagiere nicht auf Attacken!», aber auch «Behandle andere in der Spick-Community so, wie du selbst gerne behandelt werden willst». Denn es geht dem Spick-Team nicht nur darum, Kinder und Jugendliche vor Übergriffen zu schützen, sondern auch darum, sie zu einem fairen Umgang miteinander anzuhalten. Mit gezielten Testanrufen sichert der Verlag ab, dass auch wirklich ein Kind hinter der Anmeldung steckt – und nicht der nette, böse Onkel von nebenan. Darüber hinaus checken der Verlagsleiter und sein Team jeden Blogbeitrag und jedes hochgeladene Bild oder Video. Entspricht eine Äusserung oder Bildmaterial nicht den Regeln der Community, wird sie sofort gelöscht. Alle Textbeiträge laufen zudem durch einen Sicherheitsfilter, der die Verwendung bestimmter Begriffe von vornherein verhindert.
Die Nachrichten, die die Kinder und Jugendlichen einander senden, darf der Verlag nicht kontrollieren. Das verbietet das Briefgeheimnis. Fühlt sich aber einer der jungen User angegriffen oder entdeckt Inhalte, die nicht den Regeln entsprechen, kann er das einem der vier Moderatoren melden. Sie prüfen den Fall umgehend und ziehen, wenn nötig, die Konsequenzen. «Wir haben auch schon einmal bei den Eltern eines Users angerufen, weil dieser ein anderes Kind beschimpft hatte», berichtet Grolimund. «So etwas ist in den gut vier Monaten, in denen die Community nun live ist, aber sehr selten passiert.» Die meisten Kinder nutzten die Community umsichtig und hätten einfach Spass am Aus-
tausch.
Eltern am Zug«Das Internet ist für Kinder eigentlich ein gefährliches Instrument, genauso gefährlich wie Fernsehen oder der Schulweg», sagt Grolimund. «Darum müssen Kinder lernen, richtig damit umzugehen. Ob das gelingt, hängt stark davon ab, wie die Eltern ihr Kind erziehen.» Das Spick-Team setzt stark auf die Unterstützung der Eltern. Sie sind in den Anmeldeprozess eingebunden und werden angesprochen, sobald ihr Sprössling den Kodex der Community verletzt. «Wir nehmen die Eltern bewusst in die Verantwortung», sagt Grolimund. «Wenn sie daheim nicht offen mit ihren Kindern über Gefahren im Internet sprechen, die Kinder nicht kontrollieren und sie mit dem Computer allein lassen, hilft das beste Sicherheitssystem nicht. Deshalb brauchen wir die Mithilfe der Eltern.» Spick steuert damit gegen den Trend an, Kindern immer früher die Verantwortung für sich selbst zu übertragen und ihre Erziehung allein der Schule und dem Leben zu überlassen.
Für das Spick-Team ist es ein grosser Zeitaufwand, den kompletten Traffic auf der Spick-Site zu kontrollieren. Grolimund hat extra eine Mitarbeiterin bestimmt, die auch am Wochenende ein Auge auf das Internetangebot hat. Ausserdem musste Künzler-Bachmann tief in die Tasche greifen, um die Spick-Site auf den gewünschten Sicherheitsstandard zu bringen. Aber der Einsatz lohnt sich, davon ist der Spick-Verlagsleiter überzeugt: «Wir vertreten mit Spick das älteste Kinder- und Jugendmagazin der Schweiz. Es ist bei Schweizer Kindern sehr beliebt und geniesst auch bei Eltern und Lehrern eine hohe Reputation. Ausserdem abonnieren viele Auslandschweizer Spick, um den Bezug zur Schweiz nicht zu verlieren. Kurz: Spick ist wertvoll. Es gibt kein anderes Kinder- und Jugendmagazin, das so gut positioniert ist. Daraus entsteht eine gewisse Verpflichtung: Wenn wir eine Community machen, dann muss sie richtig gut sein.»
Print und Online eng verzahntEs gehört zum Konzept des Schülermagazins, dass Print und Online einander ergänzen: Im Internet finden die jungen Leser weiterführende Informationen sowie Film- und Tonbeiträge zu Artikeln im Heft, sie können an Umfragen teilnehmen, im Blog ihre Meinung äussern oder auf dem Online-Flohmarkt ihre Besitztümer feilbieten. Im Magazin wird auf das zusätzliche Material auf Spick.ch verwiesen. «Den Internetauftritt haben wir auch für die Kinder aufgebaut, die sich Spick nicht leisten können», sagt Grolimund. Heft und Website interagieren also, funktionieren aber auch unabhängig voneinander.
Die Clubseite im Magazin ist eine Art Printversion der Spick-Community. Doch beides wird gleichberechtigt nebeneinander weiterexistieren. «Für die Clubseite bekommen wir viele Zuschriften. Vielen Kindern, die Brieffreunde suchen, ist diese Seite sehr wichtig. Die Community kann und soll sie nicht ersetzen», betont Grolimund. «Kids wollen sich aber auch online miteinander austauschen, chatten und bloggen. Darum haben wir mit der Community eine Art Facebook oder Flickr für die Acht- bis Fünfzehnjährigen geschaffen. Allerdings können und wollen wir Facebook keine Konkurrenz machen. Wir sind das Portal für Spick-Leser und andere schlaue Kids.» Facebook kämpft schon seit seiner Live-Schaltung mit massiven Sicherheitsproblemen. Dort dürfen sich Kinder zwar erst anmelden, wenn sie 13 Jahre alt sind – es ist allerdings ein Leichtes, diese Einschränkung zu umgehen. Deshalb hat der Jugendschutz Alarm geschlagen. «Jede Community sollte gewisse Sicherheitsstandards erfüllen», fordert auch Grolimund. «Alles andere ist unverantwortlich, insbesondere, wenn sich das Angebot an Kinder und
Jugendliche richtet.»
In den vergangenen vier Monaten verzeichnete die Spick-Community pro Woche durchschnittlich 3‘500 Unique User und 25‘000 Ad Impressions, mit steigender Tendenz. Den E-Mail-Newsletter empfangen rund 14 000 Kinder und Jugendliche. Bei der letzten Weihnachtsverlosung wurde die Spick-Website mehr als 1,4 Millionen Mal aufgerufen, gut 73‘000 Kinder und Jugendliche nahmen am Wettbewerb teil. Stattlich ist auch die durchschnittliche Besuchszeit auf Spick.ch: 39 Minuten. Ab April will Spick auf seiner Website einen Live-Chat anbieten, in dem sich die jungen User im Sekundentakt austauschen können. Und auch das: ganz sicher.
Anne-Friederike Wilhelm
Spick in Kürze
Ersterscheinung: 1982
Auflage: 35 000 Exemplare
Erscheinungsfrequenz: 11 Mal pro Jahr (Doppelnummer Juli/August)
Zielgruppe: Acht- bis Fünfzehnjährige
Vertrieb: Abonnement
Anzahl Abonnenten: rund 33’000
Die Printausgabe von Spick ist werbefrei, Wettbewerbe werden von Sponsoren finanziert. Pro Ausgabe gibt es höchstens eine Fremdbeilage. Die Website wird durch Bannerwerbung finanziert.