Immer mehr Unternehmungen wählen Corporate Publishing als zeitgemässe Form der Kommunikation und bieten dabei reale und nützliche Inhalte statt Werbeversprechungen. Die Zielgruppen – Kunden, Mitarbeitende und Partner – werden vermehrt mit Produkten aus dem Bereich des Corporate Publishing, auch Customer Publishing genannt, angesprochen. Es handelt sich dabei um journalistisch aufbereitete Kommunikationsmittel von Unternehmungen. Anstelle von klassischer Werbung wird verstärkt, und zwar in allen Branchen, Corporate Publishing eingesetzt: in den Printmedien, online und zusehends auch im Bewegtbild. In der internationalen Dachorganisation «International Customer Publishing Forum» haben sich Fachverbände und Branchenspezialisten aus bald zwanzig Ländern zusammengeschlossen.
USA: Der Triumphzug des Branded Content
Das Aufkommen neuer digitaler Vertriebswege und fortgeschrittener Mobiltechnologie sowie die Flut von sozialen Medien wie Twitter, Facebook oder LinkedIn haben zum Wachstum des Branded Content in den USA beigetragen. Kurz gesagt heisst dies: Mit mehr Medienkanälen werden mehr Inhalte produziert.
Dennoch stellen die Printmedien weiterhin das dominante Format dar, und 51% der Ausgaben werden für diese Medien aufgewendet. Die durchschnittliche US-Firma gibt US$1,8 Millionen im Jahr für Branded Content aus, und diese Zahl wird voraussichtlich noch zunehmen. Während traditionelle Medienformate immer noch mit erheblichen Herausforderungen und schrumpfenden Budgets konfrontiert sind, stellt Branded Content eine positive Ausnahme in der Medienlandschaft dar, da seine Marktanteile jährlich zunehmen. Darüber hinaus hat die wachsende Bedeutung von benutzergenerierten Inhalten auf Webseiten wie Wikipedia, Yelp! und YouTube die Marketingindustrie weiter in Richtung der Unternehmensmedien (Custom Media) gedrängt, wo Firmen ihre eigenen Inhalte effektiv mit innovativen Medienprogrammen kontrollieren können.
Grossbritannien: Konsumentenvertrauen in journalistische Inhalte
In Grossbritannien wurde das Konsumentenvertrauen im Jahr 2009 durch Finanz- und Politskandale nachhaltig erschüttert und sank auf ein historisches Tief. Dies führte dazu, dass britische Konsumenten bei der Meinungsbildung vor allem die Ansichten ihnen nahe stehender Personen und die eigene Einschätzung berücksichtigten. Dies kommt den Stärken der Corporate-Publishing-Branche entgegen, da redaktionelle Markeninhalte einen vertrauensbildenden Effekt haben, wie die Advantage-Studie des britischen Werbeverbandes Association of Publishing Agencies (APA) belegte. Vermehrt wird in die britische Customer-Publishing-Branche investiert, neben «alteingesessenen» Firmen wie John Lewis und Virgin gibt es neue Branchenakteure wie Chestertons, Heals, Grant Thornton, Morrisons, Fiat und Fujitsu. Marken, die sich die Mühe machen, ihre Kunden und den Markt zu verstehen, und sich darauf konzentrieren, mit ihnen in einen ehrlichen und sachbezogenen Dialog zu treten, ernten nun die entsprechenden Erfolge. Der Schlüssel ist die Relevanz der Kommunikation, was die Inhalte betrifft, und auch hinsichtlich der Kanäle. In den letzten vergangenen zwölf Monaten lässt sich ein zunehmendes Interesse der Klienten nicht nur am Print, sondern auch an alternativen Vertriebswegen feststellen, so zum Beispiel an e-Commerce-Lösungen, e-Zines, Podcasts, Videos, Websites und redaktionellen Fernsehinhalten (vgl. auch eine Studie des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der APA).
Spanien: Online-Management der Kundenpflege
In der spanischen Wirtschaft geht der Corporate-Publishing-Sektor neue Wege, mit vielversprechenden Ergebnissen. In der Welt der digitalen Medien wird das Spektrum der Inhalte erweitert. Relevante Botschaften an den Kunden können nun über vielfältige Kanäle, Geräte und Formate weitergegeben werden. Spiele, audiovisuelle Inhalte und Tools gehören zu den neuen Kanälen, über die ein Dialog mit der Zielgruppe und ein Bezug zur Marke aufgebaut werden kann; damit können Bindungen geschaffen und Begeisterung jenseits von Firmengrenzen erzeugt werden. In diesem neuen Zeitalter ist das Corporate Publishing wichtiger denn je als Mittel zum Aufbau von Marken und Loyalität und zur Gewinnung neuer Kunden.
Aber vor allem geht es in der spanischen Unternehmenskommunikation um eine Plattform für die Kundenpflege, das so genannte Customer Relations Management. Branded Content kann zu diesem Zweck eingesetzt werden, indem mit spezifischen Marketingmethoden Erkenntnisse zu den Kundenverhalten gesammelt werden, die einen personalisierten Austausch mit dem Kunden ermöglichen.
China: Ein Wachstumsmarkt
Die Wirtschaftskrise hat sich spürbar auf die Corporate-Publishing-Branche in China ausgewirkt. Viele entsprechende Kommunikationsaufträge wurden storniert oder die Budgets reduziert; Inhalte und Erscheinungsformen von weniger guter Qualität werden dabei in Kauf genommen. Obwohl der Markt für Corporate Publishing in China insgesamt wächst, konzentriert er sich immer noch vor allem auf die vier grossen urbanen Zentren Shanghai, Beijing, Guangzhou und Shenzhen.
In China wurden im vergangenen Jahr viele interessante und vielversprechende Projekte lanciert. Zum Beispiel startete der Konzern Proctor & Gamble im Mai sein neues Klubmagazin Living Artist, und die grösste Business-to-Customer-Website des Landes, Taobao.com, stellte im September das Markenmagazin Taobao World Weekly vor. Der Demonstrationseffekt dieser Projekte trägt dazu bei, dass weitere Unternehmungen zum Aufbau eigener Corporate-Publishing-Projekte animiert werden. Aber es herrscht ein harter Wettbewerb. Chinesische Corporate-Publishing-Dienstleister sehen sich zunehmender Konkurrenz ausgesetzt, und die Klienten verhalten sich äusserst preisbewusst.
Russland: Neue Trends
In Russland haben die Ausgaben für journalistische Unternehmensmedien im Jahr 2009 erheblich zugenommen. Weiteres Wachstum wird für diesen Sektor vorhergesagt, der somit gegenüber anderen Kanälen wie Fernsehwerbung, Werbesendungen oder traditionellen Public-Relations-Methoden an Boden gewinnt. Die Anfänge des Corporate-Publishing-Sektors in Russland gehen auf die Rundbriefe für Fabrikarbeiter im Sozialismus zurück. Davon ist die Branche heute weit entfernt; sie stellt inzwischen einen eigenständigen Sektor innerhalb der Medienindustrie dar. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre haben in einigen Fällen sogar das Wachstum in dieser Branche angekurbelt, da die neuen Medienformate hinsichtlich Inhalt, Kostenkalkulation und Zugänglichkeit für die Zielgruppe viele Vorteile gegenüber den herkömmlichen Kundenmagazinen bieten. Die Tatsache, dass immer mehr russische Konsumenten Zugang zum Internet haben, hat zu mehr Interaktivität, Kundenbindung und Kontrolle über die Markenpositionierung geführt. Gleichzeitig hat der Corporate-Publishing-Sektor einen spektakulären Wachtumsschub erlebt, was die Kreativität und das Experimentieren mit neuen Formaten angeht. Die Verbreitung von digitalen, webbasierten und mobilen Technologien hat neue Kommunikationswege durch soziale Netzwerke, Spiele oder firmeneigene Videoplattformen eröffnet, um nur einige Beispiele zu nennen. Während Online-Medien früher als Ergänzungen von Printmedien gesehen wurden, werden sie heute als die wichtigste Sparte innerhalb der Unternehmenskommunikation wahrgenommen.
Niederlande: Kundenmedien immer noch gut in Form
In den Niederlanden ist das Corporate Publishing nach wie vor eine wachsende und kreative Branche, die schätzungsweise 7500 Arbeitnehmer beschäftigt und jährliche Gewinne von über 800 Millionen Euro verbuchen kann. Jedes Jahr investieren neue Firmen in diese Kommunikationsform. Jeder Einwohner der Niederlande erhält pro Jahr durchschnittlich 40 verschiedene Kundenzeitschriften. Innerhalb dieses Spektrums spielen Online-Medien eine immer wichtigere Rolle. Ende 2009 liess sich anhand der Marktuntersuchung des Verbands Sponsored Media in Netherlands (SMiN) nachweisen, dass der Branchenumsatz gegenüber dem Vorjahresergebnis leicht angestiegen war. In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage und im Vergleich mit der Kommunikationsbranche insgesamt ist dies ein bemerkenswertes Ergebnis. Über längere Sicht ist die Prognose für dieses Medium günstig. Die Studie zeigte, dass 79% der Befragten der Meinung waren, der Umsatz werde in den kommenden Jahren steigen. Dieses Wachstum wird sich wohl vor allem bei den Print- und Digitalmagazinen bemerkbar machen. In den Marktsegmenten Einzelhandel, öffentliche Behörden und Business-to-Business werden zurzeit vermehrt Investitionen getätigt. In den Sparten Automobilindustrie, Bau, Tourismus und Flugverkehr sind die Budgets im vergangenen Jahr geschrumpft.
Belgien: Im Dienste der Effizienz
Die Finanzkrise hat in Belgien die Popularität des Corporate Publishing nicht beeinträchtigt. Neue Distributionskanäle halten zudem stark Einzug im belgischen Corporate Publishing. Der belgische Corprorate-Pulishing-Verband Custo und ihre elf Mitglieder erwarten weiteres Wachstum in diesem Jahr. Die Wirksamkeit des Corporate Publishing untersucht Custo in Belgien mit einer neuen Methode, Custo-metre genannt: Methodisch wird analysiert, wie die Leser ein Magazin interaktiv nutzen, was sie anzieht an einem Magazin. Das Ziel ist, mindestens zehn Kundenstudien pro Jahr zu machen und so bereits noch in diesem Jahr auf Grund der gesammelten Daten die ersten Benchmarks auszuarbeiten.
Schweiz: Stabiles, kontinuierliches Business
Die Wirtschaftskrise hat in der Schweiz zu einer Bereinigung der zersplitterten und überfrachteten Kommunikationslandschaft beigetragen. Übertriebene Budgets, namentlich in der Werbung, sind geschwunden. Corporate Publishing als zeitgemässe und vernünftige Kommunikationsdisziplin hat ernsthaft an Terrain gewonnen. Dabei ist allerdings festzustellen, dass verlegerisch untermauertes Corporate Publishing, das für die Marke der Herausgeber und den Nutzwert der Adressaten wenig gezielt gesteuert ist, auch in der Schweiz zurückgegangen ist. Hingegen hat sich Corporate Publishing im Dienst der Strategie der Unternehmenskommunikation – bei aller Preissensibilisierung – ausgedehnt, und dies in praktisch allen Branchen und zusehends auch mehr und mehr im Bereich der Konsumgüter. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich infolge des kleinen Heimmarktes eine eher zurückhaltende, aber stabile Corporate-Publishing-Szene, was die nationalen Projekte anbelangt; internationale und interkulturelle Projekte werden aus der Schweiz heraus auf wettbewerbsfähigem Niveau getätigt. Corporate Publishing erstreckt sich heute auf diverse Medienträger, immer mehr ins Online-Publishing und vor allem auch ins Bewegtbild. Exemplarisch für diese Entwicklung ist der namhafte schweizerische Filmpreis Edi für den Auftragsfilm, der 2009 erstmals in der Kategorie Corporate Film in Unterkategorien differenziert juriert wurde.
Diese aktuelle Übersicht wurde auf Initiative der Schweiz/Primafila AG von acht ihre Länder vertretenden Mitgliedern der Dachorganisation «International Customer Publishing Forum» verfasst, für die Schweiz / für den Verband Forum Corporate Publishing von Viviane Egli, Primafila AG