Media Trend Journal: Mediaplanung im Umbruch

Am Worldwide Readership Research Symposium wurden aktuelle Entwicklungen in der Medienforschung präsentiert.

Weil die traditionellen Verlage zu Multimedia-Anbietern werden, sind neben Print auch andere Kanäle, insbesondere das Web, in den Fokus geraten. Das hat Auswirkungen (auch) auf die Werbeforschung und Mediaplanung.
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Media Trend Journal: 400 Millionen futsch

2009 hat die Schweizer Presse gegenüber dem Vorjahr rund 407 Millionen Franken Netto- Anzeigenumsatz verloren. 60 Prozent gingen zulasten der Tagespresse. Von Ueli Custer

Ombudsmann entscheidet: TVO berichtete korrekt

Der Ombudsmann der Radio- und Fernsehveranstalter weist die Beanstandung von Tele- Säntis-Initiant Günter Heuberger gegen Tele Ostschweiz ab.

Die Berichterstattung von Tele Ostschweiz in Sachen Fernsehkonzession sei sachgerecht gewesen, programmliche Bestimmungen seien keine verletzt worden, so der Ombudsmann. Schon das Bezirksgericht Winterthur hatte im Januar eine Klage Heubergers wegen unlauterem Wettbewerb im selben Zusammenhang abgewiesen.
Tele Ostschweiz hatte in der Woche vom 14. bis 18. Dezember 2009 intensiv über den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes zum Konzessionierungsverfahren und dessen Auswirkungen auf den Ostschweizer Fernsehsender berichtet. Daraufhin erhob der Tele Säntis“-Initiant Günter Heuberger Vorwürfe gegen TVO, wie TVO in einer Mitteilung schreibt. Er behauptet, der Sender habe einseitig und unausgewogen berichtet und eine eigentliche Medienkampagne veranstaltet. Diese Vorwürfe erhob er zunächst vor dem Bezirksgericht Winterthur und verlangte eine superprovisorische Verfügung gegen TVO. Das Gericht wies Heubergers Klage im Januar in allen Punkten zurück. Daraufhin erhob Heuberger seine Vorwürfe auch vor dem Ombudsmann der Radio- und Fernseh-Veranstalter, welcher die Aufgabe hat, Beanstandungen gegen redaktionelle Sendungen zu untersuchen.
In seiner aktuell veröffentlichten Stellungnahme weist nun auch der Ombudsmann die Vorwürfe Heubergers klar zurück. Die verschiedenen beanstandeten Berichte seinen alle sachgerecht und korrekt. TVO habe die wesentlichen Informationen geliefert, programmliche Bestimmungen seien keine verletzt worden, schreibt der Ombudsmann. Einzig der zusätzliche Einbezug eines externen Medienexperten wäre aus Sicht des Ombudsmanns wünschenswert gewesen.

Zur Sache: Volkes Stimme

Es gibt zwei Arten von Werbefilmfestivals: Grosse, glamouröse, von denen alle Kreativen träumen, und kleinere, die von vielen Kreativen nicht richtig ernst genommen werden. Lassen sie mich heute mal eine Lanze für ein solch kleineres Festival brechen.

Es handelt sich um das Spotlight-Festival, das immerhin schon seit dreizehn Jahren in Baden-Württemberg existiert. Zugegeben, ich bin Partei, da ich seit einigen Jahren in dessen Jury sitze. Einer Jury, die zusammengesetzt ist aus Kreativen aus Werbeagenturen und Filmproduktionen, Professoren von Filmhochschulen und einigen wenigen Journalisten.
Das Spotlight-Festival weist zwei Besonderheiten auf. Erstens gibt es in allen Kategorien jeweils zwei Preise zu gewinnen. Einen für die professionellen Werbefilme und einen für diejenigen Filme, die von Studenten von Filmhochschulen gedreht werden. Die Studenten wählen ein Produkt oder eine Dienst¬leis¬tung und briefen sich gewissermassen selbst. Zu sehen, wie angehende Filmer mit dem Medium Werbefilm umgehen, ist spannend. Zum Teil entstehen äusserst kreative Filme, die sehr oft einen Vergleich mit ihren professionellen Konkurrenten nicht zu scheuen brauchen. Filme, die nicht nur von der Idee, sondern auch von der Regie, der Kameraführung, dem Cas¬ting und der technischen Umsetzung her verblüffen. In der Jury werden die beiden Film-Kategorien mit den gleichen Ellen gemessen und müssen sich den gleichen Kriterien stellen. Diese Studenten-Filme zu sehen, ist eine interessante Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es wäre zu hoffen, dass mehr Kreative neugierig auf diese Filme sind.
Eine weitere Besonderheit des Spotlight-Festivals ist der, dass es in den einzelnen Kategorien jeweils auch einen Publikumspreis gibt. Die Filme werden im Rahmen einer Veranstaltung einem zahlenden (!) Publikum präsentiert, das dann live elektronisch abstimmen kann. Ich sehe schon, wie manche jetzt die Nase rümpfen. Wie soll denn das tumbe Publikum einen Film bewerten? Da würden doch vor allem die plumpen Schenkelklopfer-Filme gut abschneiden. Weit gefehlt!
Die spontanen und ungefilterten Reaktionen der dieses Jahr rund 2000 Zuschauer mitzuerleben, ist schon etwas Spezielles. Bei den einen Filmen gibt es praktisch keine Reaktion, bei anderen ertönt spontaner und bei einigen wenigen dann lang anhaltender Applaus. Ähnlich wie im Kino, mit dem Unterschied, dass praktisch nie gepfiffen wird, denn die Leute wollen ja Werbefilme schauen.
Ich will hier nicht ein Festival gegen das andere ausspielen, doch mir scheint, dass die direkte Reaktion des Publikums wertvolle Hinweise auf das Funktionieren eines Spots geben kann.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]

Mit Esprit in den Frühling

Der Modekonzern Esprit startet seine Frühlingskampagne mit den It-Girls Daisy Lowe und Julia Restoin-Roitfeld. Die Kampagne zieht ab sofort auch in der Schweiz Blicke auf sich.

Daisy Lowe (21) ist die Tochter der Sängerin Pearl Lowe und Bush-Frontmann Gavin Rossdale. Sie hat bereits als Kleinkind Modell gestanden und wurde mit 15 Jahren von der Agentur Select unter Vertrag genommen. Seitdem war Lowe in Glamour, Myself, Vogue und anderen bekannten Szenemagazinen zu sehen. Julia Restoin-Roitfeld (29) ist die Tochter von Carine Roitfeld, der Chefredaktorin der französischen Vogue-Ausgabe. Sie hat sich vor allem als Muse des US-Designers Tom Ford einen Namen gemacht.

Lowe posierte auf einem Autofriedhof in der Nähe von Los Angeles für die Esprit-Marke «edc». Unter dem Titel «Travelling Together» setzte der Fotograf Barnaby Roper Caldbeck die prickelnde Erfahrung, neue Wege zu gehen, in Szene. An Lowes Seite macht ihr Freund Will Cameron, Sänger und Modell, eine gute Figur. Cameron präsentiert die edc-Herrenkollektion zusammen mit Ash Stymest und Sam Way, den Shootingstars unter den Herrenmodells.
Tote Autos für neue Wege
Restoin-Roitfeld stand gemeinsam mit einer grösseren Gruppe Modells für die Women-Casual-Kollektion von Esprit vor der Kamera. Die Sujets, die die Modells in der kalifornischen Wüste zeigen, sind an die Esprit-Kampagnen von Anfang der 1990er-Jahre angelehnt. So wird spielerisch die Tradition der Marke aufgegriffen, die für Aktivität und Coolness steht.
Die Produktion der Kampagnensujets fand rund um Los Angeles statt und dauerte insgesamt zehn Tage. Konzipiert und umgesetzt wurde die Kampagne von Glampr.com aus Los Angeles, einer Agentur, die auch einige Schweizer Kunden betreut.
Und warum ein Shooting in Kalifornien? Esprit hat seinen Ursprung in diesem Bundesstaat. Die Gründer Susie und Doug Tompkins fuhren mit ihrem Auto durch ganz Kalifornien und verkauften selbstgemachte Kleidung. Die ersten Kunden waren begeistert – und Esprit war geboren.
Anne-Friederike Wilhelm

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Daisy Lowe und ihr Freund Will Cameron für edc.

Die Bündner tanzen auf verschiedenen Plattformen

Die Kampagne der Orangina Schweppes International, welche 2009 lanciert wurde, heisst «Shake that Orangina – Wake the fruit inside!». Gemeinsam mit der Zürcher Promotionsagentur Subiaco People & Promotion gestalten Die Bündner für die Kampagne ab April 2010 ein neues Social Media Marketing.

Für das Mandat der Orangina Schweppes International Company musste sich die Agentur in einer ausführlichen
Präsentation gegen drei Mitbewerberinnen durchsetzen. Gewonnen wurden Kommunikation und Realisation der
internationalen Kampagne «Shake that Orangina» in der Schweiz, wobei der Fokus in diesem Jahr auf den Sozialen
Medien und den Online-Plattformen liegt.
Eine Schlüsselposition in der Kampagne wird Facebook einnehmen. Dort kann ein ambitionierter Wettkampf der Swiss Shake Stars hautnah verfolgt und durch eine Fan-Community multipliziert werden soll. Die Agentur Subiaco People & Promotion wird die Sampling-Aktionen im Sommer planen und realisieren. In der Content-Bewirtschaftung der verschiedenen Online-Plattformen verlässt sich die Agentur einmal mehr auf das «Snapr Content Distribution Tool» der Zürcher Agentur Racerfish. Zurzeit läuft in New York das Fotoshooting für die aktuellen Sujets mit Lois Greenfield Photography. Ab Mitte April 2010 soll es auf den sozialen Online-Plattformen rocken und shaken.
Ausserdem freut sich die Agentur über ein weiteres Mandat. Im Rahmen einer Kommunikationskampagne zeigt die Agentur bereits ab Ende März 2010 die starke Wirkung des Einreibemittels Perskindol. Das Unternehmen Vifor Pharma unterstützte die Agentur bereits 2008 beim Markteintritt des Nahrungsergänzungsmittels EQUAZEN IQ, Für Perskindol soll nun eine klassische Werbekampagne die 24-Stunden-Wirkung des neuen Active Patchs bekannt machen. Erste Umsetzungen sind Ende März 2010 geplant.

Die Träume der Menschheit

Saatchi & Saatchi präsentiert für Manor den ersten Film.

Das Unternehmen ist fast gleich alt wie das Medium Film. Doch erst jetzt präsentierte Manor zum ers¬ten Mal in seiner 110-jährigen Geschichte einen TV-Spot. Realisiert wurde der stimmungsvolle Clip vom bekannten britischen Regisseur Laurence Dunmore. Er hat auch schon mit Johnny Depp und John Malkovich «The Liberty» inszeniert. Gedreht wurde der Manor-Spot in Südafrika und Slowenien mit der Filmproduktion The Gang aus Paris. Für das Drehbuch zeichnet Saatchi & Saatchi verantwortlich.
Der erste von vier geplanten Filmen dreht sich um das Thema Frühling. Drei weitere Versionen folgen jeweils der Saison angepasst bis Ende Jahr. Für Manor-CEO Bertrand Jungo ist der TV-Spot die Fortsetzung der 2008 eingeführten Brandingstrategie. Mit dem Markenversprechen «donnons du style à la vie» ist es Manor in den letzten zwei jahren gelungen «Marktanteile zu gewinnen». Doch das genügt Bertrand noch nicht. «Der Kurzfilm macht die Marke Manor emotionaler und noch sympathischer. Er soll inspirieren und die Zuschauer zum Träumen bringen.» Damit soll er Manor dem Ziel näher bringen, «für alle Schweizerinnen und Schweizer zur bevorzugten Marke zu werden».
Der Spot erzählt in vier Episoden davon, wie die Träume die Menschen beflügeln, aus ihrem Alltag etwas Besonderes zu machen. Den French Touch, der zu Manor gehört, verkörpern im Film die beiden Pariser Hauptdarsteller Gaëlle Hérisson und Jean Paturel. Die Filmmusik, gesungen von Yasmin Shah Felidat, wurde eigens für Manor von Gilles Camus geschrieben. Um die stimmungsvollen Szenen zu realisieren, wurde nicht nur auf romantische Drehorte gesetzt, sondern auch viel in ein aufwendiges Set in¬ves¬tiert. Der 59 Sekunden lange Spot wird noch bis Anfang April in der Primetime auf fast allen wichtigen Sendern in der ganzen Schweiz gezeigt.
Andreas Panzeri
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Hollywood-Star Laurence Dunmore führte Regie bei einem aufwändigen Spot für Manor.

Mitarbeiterkommunikation – interaktiv

Corporate Publishing goes digital – zum Beispiel mit interaktiven Online-Magazinen für Mitarbeitende. Diese bringen Schwung in die interne Kommunikation. Aus fünf guten Gründen.

1. Mehr Dialog: Mit einem interaktiven Online-Magazin wird im Unternehmen der Dialog gefördert. Denn das Medium verlinkt, vernetzt und holt Feedback ab. Mitarbeitende werden dazu aufgerufen, ihre Meinung kund zu tun, Fragen zu stellen und sich an Umfragen zu beteiligen.
2. Mehr Interaktion: Ein interaktives Mitarbeitermagazin gibt den Mitarbeitern die Möglichkeit, Informationen aktiv abzurufen. Das steigert die Aufmerksamkeit. Wer sich vertieft mit einem Thema beschäftigen will, erhält auf einen Klick Zusatzinformationen – auf Intra- und Internetseiten, PDFs und verschiedenen Magazinebenen.
3. Mehr Tools: Dank Video, Audio, animierten Grafiken, Slideshows usw. kann der Content so aufbereitet werden, dass er bei der Zielgruppe ankommt – intelligent und spielerisch. So kommen die Botschaften an.
4. Mehr Wirkung: Die Wirkung eines interaktiven Online-Magazins kann gemessen werden – Ausgabe für Ausgabe, Beitrag für Beitrag.
5. Mehr Motivation: Mit zahlreichen Möglichkeiten zum Mitmachen und Mitreden werden die Mitarbeiter involviert und motiviert.

Axel Springer: Digitale Medien fangen Umsatzrückgang ab

Auch am deutschen Medienkonzern ging das Krisenjahr 2009 nicht spurlos vorbei. Die digitalen Medien fingen jedoch den Umsatzrückgang ab.

Für das Geschäftsjahr 2009 verzeichnete Springer einen Umsatzrückgang von 4.3 Prozent auf 2.61 Milliarden Euro. Dies schreibt Nachrichten.ch am Mittwoch. Der Jahresüberschuss ging um 45 Prozent auf 331.8 Millionen Euro zurück. Wie die Axel Springer in Berlin mitteilte, soll die Dividende mit 4.40 Euro pro Aktie jedoch konstant bleiben. Das crossmediale Geschäftsmodell habe sich dennoch ausgezahlt und in einem schwierigen Umfeld besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Viele Rückgänge aus dem Printbereich konnten durch das digitale Geschäft abgefangen werden. Sie erzielten bei den Werbeerlösen einen Zuwachs von 24.1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die deutschen Zeitungen konnten ihre Vertriebserlöse im 2009 zwar um ein Prozent steigern, die Werbeerlöse gingen jedoch um 12.1 Prozent zurück. Nur das Zugpferd Bild konnte die Werbeerlöse auf Vorjahresniveau halten, wie Pressetext schreibt. Das internationale Pressegeschäft lief dagegen ziemlich schlecht. Insbesondere der osteuropäische Markt zog die Umsätze in die Tiefe. Um satte 14.2 Prozent sanken die Vertriebserlöse, die Werbeerlöse gar um 36 Prozent.
Konzernchef Matthias Döpfner geht gemäss Kress.de nun selbstbewusst aus dem Krisenjahr hervor. Er rechnet für das laufende Jahr mit stabilen oder leicht steigenden Umsätzen.

Medianovis erneuert den Schweizer Arbeitgeber

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat Medianovis beauftragt, das Verbandsmagazin Schweizer Arbeitgeber grundlegend zu erneuern.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat Medianovis beauftragt, das Verbandsmagazin Schweizer Arbeitgeber grundlegend zu erneuern. Das Magazin erscheint im 105. Jahrgang und zurzeit 14-täglich. Hintergrund ist eine 2008 durch die Publicom AG durchgeführte Leserbefragung. Sie zeigte auf, dass das Magazin bei den Lesern zwar einen hohen Stellenwert punkto Informationsgehalt, Glaubwürdigkeit und redaktionelle Qualität geniesst, dass die Leserbindung und Nutzung aber durch verschiedene konzeptionelle Mängel eingeschränkt ist.
Medianovis entwickelt nun eine neue Magazinarchitektur sowie ein neues visuelles Konzept der Zeitschrift. Zudem sollen die Kommunikations-Synergien im crossmedialen Bereich verstärkt genutzt werden, indem das Magazin und die Website aufeinander abgestimmt und mit einem regelmässig erscheinenden elektronischen Newsletter ergänzt werden. Das Magazin erscheint ab September 2010 neu monatlich, der Newsletter 14-täglich.

Ungewöhnliche Werbeplakate in Südamerika

Werbeplakate in Peru springen dem Besucher direkt ins Auge, zumindest an vielbefahrenen Strassen und grösseren Dörfern und Städten. Diese sind an jedes freie Stück Wand gehängt, scheinbar ohne klar erkennbare Strategie.

Die vielen Werbeplakate an Läden, Bars, Restaurants und an allen möglichen weiteren Wänden scheinen auf den ersten Blick nicht auf einer gut abgewogenen Strategie zu beruhen, sondern eher wahllos hingestellt und –gehängt. Folgt man jedoch der Panamericana, der grossen Hauptstrasse, welche die Staaten Südamerikas auf dem Landweg der Küste entlang miteinander verbindet, stösst man auf eine klare Strategie: «Auffallen ist alles». Da liegt eine überdimensionale, bis auf die Hände und den Kopf im Sand vergrabene Menschenfigur vor einem Computer-Bildschirm. In einigen noch so kleinen Dörfern scheinen riesige Plakate die Häuser in ihrer Anzahl zu übertreffen. Andere Strassenplakate sind dreidimensional . Bis vor einigen Jahren sind viele der Plakate nicht nur angeleuchtet worden, sondern haben gar selber geleuchtet. Dies wurde dann aber doch verboten, da solche strahlende Werbung Autofahrer vom Strassenverkehr ablenken könnte. (uma)
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Werbemotiv an der Panamericana zwischen Lima und Ica.
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Werbetafeln überragen ein Dorf entlang der Panamericana zwischen Lima und Chinca.
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Dreidimensionale Werbeplakate an der Panamericana in Peru.
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Offshore-Paradies für investigativen Journalismus

Wie sich Island zum Eldorado für Insider-Informationen entwickelt und warum man für Wikileaks spenden sollte. Von Oliver Classen, Pressesprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern und ehemaliger Medienredaktor

Island dürfte für Insider-Informationen bald werden, was die Schweiz für Schwarzgeld immer noch ist: ein echtes Eldorado. Denn ein von der Whistle­blower-Plattform Wikileaks initiiertes Gesetz gewährt maximalen Informantenschutz und macht aus der maroden Insel einen «Medienfreistaat». Wenn Wikileaks vorher nicht selbst pleite geht. Ein Spendenaufruf.
Ort und Zeit sind perfekt gewählt. Nach den üblen Erfahrungen mit Finanzkrise und der unrühmlichen Rolle, welche die eigenen Banken und Medien beim Quasi-Staatsbankrott gespielt haben, ist Island reifer als irgendein anderes Land für radikale politische Schnitte. In Reykjavík liesse sich das Gesundheitswesen derzeit vermutlich in einer Woche statt in 30 Jahren rundum erneuern. Solche aus Verzweiflung resultierende Reformfreude lässt Obama sicher vor Neid erblassen. Dies gilt speziell für die von einer breiten Bevölkerungs- und Parlamentsmehrheit unterstützte «Icelandic Modern Media Initiative» (IMMI). Mit deren Annahme wird Island den USA nämlich über Nacht den Rang als globale Schutzmacht für Meinungsfreiheit und transparente Information in Wirtschaft und Politik ablaufen.
Treibende Kraft hinter dem epochalen Vorstoss ist der rechtlich in Island domizilierte Internet-Service Wikileaks, wo jeder anonym Dokumente über unethisches Verhalten von Unternehmen oder Regierungen publizieren kann. Von einer Reihe engagierter Journalisten und Juristen 2006 aufgeschaltet, hat dieses zeitgemässe Zentralorgan für Zivilcourage bis dato schon mehr Scoops produziert als viele Weltblätter in ihrer gesamten Geschichte. Letzten Sommer veröffentlichte Wikileaks Insider-Infos darüber, wer von Kaupthing, der damals grössten isländischen Bank, welche ungedeckten Kredite zugeschoben bekam und wie kurz vor dem Kollaps noch rund fünf Milliarden Dollar ausser Landes geschafft wurden. Kaupthing liess den brisanten Link zu diesen Interna per einstweiliger Verfügung «natürlich» sofort sperren. Dank mutiger TV-Redakteure schaffte es die Geschichte aber dennoch in die Hauptnachrichtensendung.
Es ist es höchste Zeit, solch faktischer und auch hierzulande gängiger Zensur den Riegel vorzuschieben und verbindliche, dem Internet-Zeitalter gemässe Rechtsgrundlagen zu schaffen für den Umgang mit heiklen Daten und internen Informanten. Island geht hier mutig voran und macht aus seiner aktuellen Not eine medienpolitische Tugend. Denn die demokratische Kontrollfunktion des Journalismus wird heute von nationalen Gesetzgebungen immer häufiger eingezwängt. Sei es mit dem Argument der öffentlichen Sicherheit oder unter dem Vorwand des Schutzes angeblicher Eigentums- oder Persönlichkeitsrechte, die in der Praxis häufig auf – gesetzlich mehr oder minder legitimierbare – Zensur hinauslaufen.
Gemäss dem in erster Lesung klar angenommenen Gesetzentwurf sollen journalistische Quellen weit reichenden Schutz geniessen und, im globalen News Business besonders wichtig, ausser Reichweite allfälliger ausländischer Kläger gestellt werden. Für globale Medienunternehmen und Internet-Anbieter ist diese extrem liberale Regelung eine Einladung, wie Wiki­leaks künftig auch vom «Freihafen der Information» aus zu operieren. Für das gebeutelte Island wiederum bedeutet das neue Gesetz einen massiven Standortvorteil. Und für uns alte Offshore-Profiteure eine Aufforderung, die Urheber dieser Initiative tatkräftig zu unterstützen.
Denn auch Wikileaks ist beinahe bankrott. Die Hälfte des bescheidenen Jahresbudgets von etwas über 600’000 Franken ist noch immer nicht unter Dach, weshalb die Website statt von Links auf vertrauliche Unterlagen derzeit von einem Spendenaufruf dominiert wird. Es ist eine perverse Ironie des Schicksals, dass diese wichtige Internet-Plattform auf dem Höhepunkt ihres Einflusses vor dem Aus steht. Ich überweise deshalb mein – ebenfalls bescheidenes – Kolumnenhonorar nach Island und bitte Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ebenfalls um einen Solidaritätsbeitrag für Wikileaks. Und falls Roger Blum oder ein anderer Stiftungsrat der Solothurner Vogt-Schild-Stiftung dies liest: Warum nicht ein Fünfzigstel der 20 Millionen Franken, welche Ihre Institution aus dem Verkauf der Vogt-Schild-Gruppe gelöst hat in die Zukunftssicherung des investigativen Journalismus investieren und damit das wohl wirksamste Mittel gegen Steueroasen, nämlich Journalismus-Paradiese fördern? Ein Schweizer Verlag würde mit einer solchen Geste der Wiedergutmachung gewiss für positive Schlagzeilen sorgen.
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