Die Migros ist die stärkste Marke der Schweiz
Die Young & Rubicam Gruppe hat den neuen BrandAsset Valuator vorgestellt. In der grössten Markenstudie der Schweiz wird mit der Migros erstmals auch «die stärkste Marke der Schweiz» publik gemacht. Dazu kommt an den Tag: In der Krise besinnen sich die Schweizer auf ihre traditionellen Werte und Tugenden. Aber Internet ist bei allen Generation zum wichtigsten Medium geworden.
Die grösste Markenstudie der Schweiz baut auf eine Datenbank von über 1100 Marken und führt über das Marktforschungsinstitut GfK rund 1000 intensive Befragungen durch. Gescannt werden Konsumenten zwischen 18 und 74 Jahren. Analysiert werden in der Abfrage 128 verschiedene Werte. Die Studie gibt es seit 1995. Seit 2006 wird sie jährlich durchgeführt. Erstmals – auf Grund der modernen Neugier heutiger Medien – wird in diesem Jahr auch «die stärkste Marke der Schweiz» errechnet. Migros hat es geschafft. Sie ist in drei von vier Dimensionen –wie zum Beispiel „Sympathie“- zur stärksten Marke gereift. Nur im Bereich «Differenzierung» hat das – extrem vielschichtig cumulierte – Unternehmen keine Superpunkte sammeln können.
Die Konkurrenten Coop und Denner finden sich nicht unter den Top 20. Coop holt aber seit der Führung durch Hansueli Loosli jährlich um rund 10 Plätze auf, wie Caspar Coppetti, Chief Strategy Officer Y&R Gruppe, als Studienleiter des Valuators erklären konnte. Zudem werden bei der Migros viel mehr Produkte unter der orangen Eigenmarke verkauft, während sich bei Coop die Gunst der Konsumenten auf eine kaum mehr überblickbare Zahl von Markenartikeln in den Regalen verteilen muss.
Vor der Migros in der aktuellen Studie waren bei der letzten Forschung noch Nespresso und Google die grossen Aufsteiger. Tilsiter fiel damals raus und ist jetzt wieder drin. Eine «Jojo»-Marke sei Swatch, die im letzten Jahr drin und jetzt wieder draussen ist. Aktuell nicht mehr dabei sind auch Ragusa, Lego und Kellog’s. Gegenüber den helvetischen Powerbrands können sich nur wenige ausländische Marken wie Coca Cola, Ikea oder Nivea behaupten. Neu eingewandert sind Knorr und Magnum. Aus der Schweiz schaffte es unter die 20 stärksten Marken neu auch die Traditionsmarke Lindt.
«Alle Marken in den Top 100 sind sehr starke Marken. Wer es unter die Top 20 schafft, gilt in der Schweiz als Superbrand», meinte Urs Krucker, Projektleiter Customer Insight. Auffallend ist, dass 15 der 20 Top-Marken Brands für Lebensmittel sind. Logisch erklärbar, da wir beim Einkaufen täglich damit in Berührung kommen. Im Aufwind sind auch wieder die Banken-Logos. Hier schneiden die Regionalbanken als Marken besser ab als die global tätigen. Deutlich am Zulegen ist PostFinance.
Wie effizient antizyklisch werben tatsächlich wirken kann, konnte CCO Markus Gut am Beispiel Axa Winterthur aus der Studie heraus lesen. Die Versicherung hat in der vergangenen Krise ihre Budgets um 33 Prozent hochgefahren und als Gewinn ein Drittel an Markenstärke zulegen können.
Weit entfern von ihrem Stellenwert, den sie «in den guten alten Zeiten» noch hatten, werden heute die Marken von Autos bewertet. Moderne Zeitbürger definieren sich nicht mehr über einen Mercedes oder BMW. Attraktiver bewertete Marken sind SBB oder Mobility.
Rückbesinnung auf Schweizer Tugenden
Bei der Studie läuft ein Trend synchron: Nicht nur Schweizer Marken sind bei den Schweizer Konsumenten hoch im Kurs. Auch schweizerische Werte sind mehr denn je gefragt. «Das Bedürfnis nach Sicherheit ist gestiegen und die Bereitschaft zum Risiko gesunken», weiss Coppetti. Bei den Werthaltungen der Schweizer zeigt sich eine Rückbesinnung auf traditionell schweizerische Tugenden wie Pflicht, Fleiss und Zuverlässigkeit sowie gemeinschaftliche und familiäre Werte. Dem Typ «Mainstream» gibt man aktuell die besten Chancen. Der «Reformer» hat es momentan schwer. Dieser kritische Menschentyp hat in der aktuellen Studie die tiefsten Werte seit der Einführung des Valuators. Zur Beruhigung kann aber angemerkt werden, dass Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Verantwortung beim Konsumieren heute bereits allgemein verlangter «Mainstream» geworden sind.
Die Finanzkrise und politische Angriffe aus dem Ausland sorgten im letzten Jahr für turbulente Zeiten. Als Reaktion darauf scheinen sich die Schweizer auf helvetische Werte und Tugenden zu besinnen. So gewinnt gemäss Valuator gegenüber den Vorjahren die Sicherheit in der Gemeinschaft an Bedeutung. Familie, Sicherheit und Heim sind wieder zentralere Anliegen der Schweizer. Die Zustimmung, dass verheiratete Paare Kinder haben sollten, steigt ebenso (+ 5 Prozent Zustimmung), wie diejenige, dass eine Frau «nur dann glücklich und erfüllt ist», wenn sie ihrer Familie ein harmonisches zu Hause geben kann (+ 8 Prozent Zustimmung). Auch Pflicht, Fleiss und Zuverlässigkeit sind Werte und Tugenden, welche in der Schweizer Bevölkerung an Bedeutung zulegen.
Mit der Rückbesinnung auf diese Werte lässt sich auch ein Teil des Erfolgs der Migros erklären. Das orange M steht für gemeinschaftliche Werte, führt viele einheimische Produkte im Sortiment und bietet auch ein krisenresistentes Preis/Leistungs-Verhältnis.
Im Trend ist wie erwartet auch das Downaging. Die wichtigsten Marken für Leute über 50 sind in ihren jeweiligen Kategorien die ansonsten jugendlich eingestuften Mini, Ikea und Danone.
Das Internet wie erwartet wichtigstes Medium
Das wichtigste Medium der Schweizer ist das Internet, gefolgt von Mobiltelefon, TV und Radio. Dies zeigen die Resultate der grössten Schweizer Markenstudie, BrandAsset Valuator der Young & Rubicam Gruppe. In der Schweiz bewerten 44,6 Prozent der befragten Personen das Internet aus persönlicher Sicht als «sehr wichtig», dicht gefolgt vom Mobiltelefon (44,0), TV (35,6) und Radio (29,9). Mit der rasanten Verbreitung des Mobilen Internets findet zusehends eine Verschmelzung der beiden Medien statt: Immer mehr Schweizer sind ständig online.
In der Internetnutzung herrscht jedoch ein deutlicher Generationenkonflikt. Während 61,3 Prozent der 18-34 Jährigen das Internet als sehr wichtig erachten, sind es bei den 34-64 Jährigen 36,4. Im Segment der über 64 Jährigen ist das Internet nur noch für 26,0 Prozent sehr wichtig. Zu sagen ist dazu auch, dass im Internet immer mehr alle Funktionen der anderen Medien gebündelt werden. Man kann über den Computer online seine Zeitung lesen, TV gucken oder Musik hören.
Die Krise ruft nach relevanter Information. Infotainment verliert etwas an Stellenwert. Von der Krise profitiert haben deshalb die Medienmarken, die für journalistische Qualität stehen wie Tages-Anzeiger, NZZ am Sonntag, SonntagsZeitung oder Finanz und Wirtschaft. Blick oder 20 Minuten werden als «weniger wichtig» wahrgenommen oder stagnieren. Mehrere digitale Brands laufen etablierten Marken den Rang ab. Die Portale Google und Bluewin aber auch die Social Media Plattformen Youtube und Facebook sowie das iPhone etablieren sich endgültig als generationenübergreifende digitale Powermarken.
Andreas Panzeri
Die Konkurrenten Coop und Denner finden sich nicht unter den Top 20. Coop holt aber seit der Führung durch Hansueli Loosli jährlich um rund 10 Plätze auf, wie Caspar Coppetti, Chief Strategy Officer Y&R Gruppe, als Studienleiter des Valuators erklären konnte. Zudem werden bei der Migros viel mehr Produkte unter der orangen Eigenmarke verkauft, während sich bei Coop die Gunst der Konsumenten auf eine kaum mehr überblickbare Zahl von Markenartikeln in den Regalen verteilen muss.
Vor der Migros in der aktuellen Studie waren bei der letzten Forschung noch Nespresso und Google die grossen Aufsteiger. Tilsiter fiel damals raus und ist jetzt wieder drin. Eine «Jojo»-Marke sei Swatch, die im letzten Jahr drin und jetzt wieder draussen ist. Aktuell nicht mehr dabei sind auch Ragusa, Lego und Kellog’s. Gegenüber den helvetischen Powerbrands können sich nur wenige ausländische Marken wie Coca Cola, Ikea oder Nivea behaupten. Neu eingewandert sind Knorr und Magnum. Aus der Schweiz schaffte es unter die 20 stärksten Marken neu auch die Traditionsmarke Lindt.
«Alle Marken in den Top 100 sind sehr starke Marken. Wer es unter die Top 20 schafft, gilt in der Schweiz als Superbrand», meinte Urs Krucker, Projektleiter Customer Insight. Auffallend ist, dass 15 der 20 Top-Marken Brands für Lebensmittel sind. Logisch erklärbar, da wir beim Einkaufen täglich damit in Berührung kommen. Im Aufwind sind auch wieder die Banken-Logos. Hier schneiden die Regionalbanken als Marken besser ab als die global tätigen. Deutlich am Zulegen ist PostFinance.
Wie effizient antizyklisch werben tatsächlich wirken kann, konnte CCO Markus Gut am Beispiel Axa Winterthur aus der Studie heraus lesen. Die Versicherung hat in der vergangenen Krise ihre Budgets um 33 Prozent hochgefahren und als Gewinn ein Drittel an Markenstärke zulegen können.
Weit entfern von ihrem Stellenwert, den sie «in den guten alten Zeiten» noch hatten, werden heute die Marken von Autos bewertet. Moderne Zeitbürger definieren sich nicht mehr über einen Mercedes oder BMW. Attraktiver bewertete Marken sind SBB oder Mobility.
Rückbesinnung auf Schweizer Tugenden
Bei der Studie läuft ein Trend synchron: Nicht nur Schweizer Marken sind bei den Schweizer Konsumenten hoch im Kurs. Auch schweizerische Werte sind mehr denn je gefragt. «Das Bedürfnis nach Sicherheit ist gestiegen und die Bereitschaft zum Risiko gesunken», weiss Coppetti. Bei den Werthaltungen der Schweizer zeigt sich eine Rückbesinnung auf traditionell schweizerische Tugenden wie Pflicht, Fleiss und Zuverlässigkeit sowie gemeinschaftliche und familiäre Werte. Dem Typ «Mainstream» gibt man aktuell die besten Chancen. Der «Reformer» hat es momentan schwer. Dieser kritische Menschentyp hat in der aktuellen Studie die tiefsten Werte seit der Einführung des Valuators. Zur Beruhigung kann aber angemerkt werden, dass Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Verantwortung beim Konsumieren heute bereits allgemein verlangter «Mainstream» geworden sind.
Die Finanzkrise und politische Angriffe aus dem Ausland sorgten im letzten Jahr für turbulente Zeiten. Als Reaktion darauf scheinen sich die Schweizer auf helvetische Werte und Tugenden zu besinnen. So gewinnt gemäss Valuator gegenüber den Vorjahren die Sicherheit in der Gemeinschaft an Bedeutung. Familie, Sicherheit und Heim sind wieder zentralere Anliegen der Schweizer. Die Zustimmung, dass verheiratete Paare Kinder haben sollten, steigt ebenso (+ 5 Prozent Zustimmung), wie diejenige, dass eine Frau «nur dann glücklich und erfüllt ist», wenn sie ihrer Familie ein harmonisches zu Hause geben kann (+ 8 Prozent Zustimmung). Auch Pflicht, Fleiss und Zuverlässigkeit sind Werte und Tugenden, welche in der Schweizer Bevölkerung an Bedeutung zulegen.
Mit der Rückbesinnung auf diese Werte lässt sich auch ein Teil des Erfolgs der Migros erklären. Das orange M steht für gemeinschaftliche Werte, führt viele einheimische Produkte im Sortiment und bietet auch ein krisenresistentes Preis/Leistungs-Verhältnis.
Im Trend ist wie erwartet auch das Downaging. Die wichtigsten Marken für Leute über 50 sind in ihren jeweiligen Kategorien die ansonsten jugendlich eingestuften Mini, Ikea und Danone.
Das Internet wie erwartet wichtigstes Medium
Das wichtigste Medium der Schweizer ist das Internet, gefolgt von Mobiltelefon, TV und Radio. Dies zeigen die Resultate der grössten Schweizer Markenstudie, BrandAsset Valuator der Young & Rubicam Gruppe. In der Schweiz bewerten 44,6 Prozent der befragten Personen das Internet aus persönlicher Sicht als «sehr wichtig», dicht gefolgt vom Mobiltelefon (44,0), TV (35,6) und Radio (29,9). Mit der rasanten Verbreitung des Mobilen Internets findet zusehends eine Verschmelzung der beiden Medien statt: Immer mehr Schweizer sind ständig online.
In der Internetnutzung herrscht jedoch ein deutlicher Generationenkonflikt. Während 61,3 Prozent der 18-34 Jährigen das Internet als sehr wichtig erachten, sind es bei den 34-64 Jährigen 36,4. Im Segment der über 64 Jährigen ist das Internet nur noch für 26,0 Prozent sehr wichtig. Zu sagen ist dazu auch, dass im Internet immer mehr alle Funktionen der anderen Medien gebündelt werden. Man kann über den Computer online seine Zeitung lesen, TV gucken oder Musik hören.
Die Krise ruft nach relevanter Information. Infotainment verliert etwas an Stellenwert. Von der Krise profitiert haben deshalb die Medienmarken, die für journalistische Qualität stehen wie Tages-Anzeiger, NZZ am Sonntag, SonntagsZeitung oder Finanz und Wirtschaft. Blick oder 20 Minuten werden als «weniger wichtig» wahrgenommen oder stagnieren. Mehrere digitale Brands laufen etablierten Marken den Rang ab. Die Portale Google und Bluewin aber auch die Social Media Plattformen Youtube und Facebook sowie das iPhone etablieren sich endgültig als generationenübergreifende digitale Powermarken.
Andreas Panzeri

















