Um die Entwicklung der Kontaktsummen vergleichbar zu machen, publiziert das MTJ in dieser Ausgabe erstmals den Kontaktsummen-Index. Ausgangspunkt ist die Kontaktsumme aller vergleichbarer Titel (siehe Kasten «Basisinformationen») in der MACH Basic 2004. Die Werte der einzelnen Titelgruppen und -segmente in diesem Jahr entsprechen dem Index 100. Dadurch wird die Entwicklung vergleichbar.
Festzuhalten bleibt aber, dass die Entwicklung der Kontaktsummen nicht die ganze Wahrheit abbildet. Denn sie blendet aus, dass die Grundgesamtheit in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Zurückzuführen ist dies natürlich vor allem auf die verstärk-te Zuwanderung. Diese an sich für Medien attraktive Potenzialvergrösserung hat allerdings ihre Tücken. Um in die MACH-Grundgesamtheit aufgenommen zu werden, müssen die neu Zugezogenen zunächst einmal die Sprache im Erhebungsgebiet beherrschen. Trifft dies zu (wie zum Beispiel bei den Deutschen in der deutschen Schweiz), bleibt offen, wie weit sich diese neuen Bewohner überhaupt aus einheimischen Medien informieren wollen. Es wäre sicher interessant, in der Befragung auch die Herkunft der assimilierten Bevölkerung herauszufinden. Damit liesse sich herausfinden, wie stark die neu Zugezogenen die einheimische Presse nutzen. Vielleicht ist dies ja etwas, das in die neue MACH 3 einfliessen könnte. Zum Beispiel durch die Frage, in welchem Land man die Schule abgeschlossen hat.
6,8 Prozent mehr LeuteWie auch immer – gesamtschweizerisch hat die MACH-Grundgesamtheit seit 2004 um 6,8 Prozent zugenommen. Mit 6,1 Prozent liegt der deutsche Sprachraum unter dem Mittel, der französische (+8,6%) und der italienische (+8,9%) darüber. Um die Reichweite auch nur halten zu können, hätte ein Titel in der deutschen Schweiz seine Reichweite seit 2004 also um 6,1 Prozent steigern müssen. An einem Beispiel erklärt: Die NZZ am Sonntag steigerte ihre Reichweite seit 2004 um 13,7 Prozent. Sie ist also überdurchschnittlich gewachsen. Umgekehrt hat das Migros Magazin seine Reichweite um 4,3 Prozent erhöht und ist damit unterdurchschnittlich gewachsen. Seine welsche Ausgabe weist dagegen aktuell 6,5 Prozent weniger Reichweite aus als noch 2004. Sie kommt aber auf 8000 Kontakte mehr als damals.
Trotz dieser Vorbehalte zeichnet der Kontaktsummen-Index vor allem im Bereich von Titelgruppen und -segmenten ein anschauliches Bild der Entwicklung im Lesermarkt. So zeigt die Grafik «Kontaktsummen-Index nach Titelgruppen» sehr deutlich den inzwischen abgeflauten Boom der Gratis-Tageszeitungen. Klar wird auch, dass die Sonntagspresse als einzige Gruppe ebenfalls zu den Gewinnern gehört. Und beide Gruppen verdanken diesen positiven Trend fast ausschliesslich neu lancierten Publikationen. Die drei andern Titelgruppen haben dagegen eine negative Entwicklung hinter sich, die nicht zuletzt auch durch Titeleinstellungen verursacht wurde. Seit etwa zwei Jahren verläuft der Index aber auf tieferem Niveau (knapp unter dem Wert 90) wieder stabil.
Gratis bringt ReichweiteDie Grafik «Entwicklung Gratiskontakte» dokumentiert die stürmische Entwicklung bei der Tagespresse. Was bleibt, ist ein gegenüber 2004 fast dreimal höherer Gratisanteil. Auch hier sind die auffälligsten Knicke in der Kurve durch Neulancierungen und Einstellungen beeinflusst. Den höchsten Anteil an Gratiskontakten weist aber nach wie vor die Spezialpresse auf. Zu dieser Gruppe gehören ja auch die Gratispublikationen der beiden Grossverteiler Migros und Coop, die einen Drittel aller Kontakte der Spezialpresse beisteuern. 2004 waren es erst 28 Prozent. Dies erklärt auch einen Teil des von 43,5 auf 46,2 Prozent gestiegenen Gratisanteils der Spezialpresse. Der Gratisanteil der Publikumspresse liegt seit 2007-1 absolut stabil bei etwas über 29 Prozent. Bei der Sonntagspresse ist der leichte Rückgang einzig auf die gestiegene Grundgesamtheit durch die neuen Sonntagszeitungen in der deutschen Schweiz zurückzuführen.
Klar ist jedenfalls, dass die Titel mit den höchsten Reichweiten gratis verteilt werden. Um sie zu überflügeln, braucht es schon Kombinationen von bezahlten Titeln. Wie die beiden Grafiken «Reichweitenjäger» zeigen, schieben sich so in der Westschweiz doch immerhin zwei Kombinationen von bezahlten Titeln knapp vor die beiden Genossenschaftstitel, die in der deutschen Schweiz mit grossem Abstand das Feld anführen. Einziger bezahlter Einzeltitel in diesem Feld ist Le Matin Dimanche in der Westschweiz. Er führt denn auch die in der Grafik «Top-Titel bezahlt» aufgeführten, grössten Einzeltitel klar an. Dahinter folgen zwei weitere Westschweizer Titel. In dieser Gruppe vertreten sind auch die beiden grossen Titel der Konsumenteninfo sowie der Beobachter. Ihnen ist gemeinsam, dass sie dem Publikum Lebensberatung (und somit auch mal Kosteneinsparungen) anbieten und mit ihren günstigen Abos einen leichteren Zugang zum Portemonnaie finden.
Ueli Custer
> Zu den Grafiken (PDF)Das Wichtigste auf einen BlickVeränderungen generell– Die Kontaktsumme aller analysierten Titel hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1,5 und gegenüber dem Frühling um 0,5 Prozent reduziert.
– Im Vergleich zu 2004 hat die Kontaktsumme um 6,6 Prozent abgenommen, die Grundgesamtheit ist aber um 6,8 Prozent angestiegen.
– Die bezahlten Kontakte haben im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent abgenommen, die Gratiskontakte dagegen um 2,4 Prozent.
– Gegenüber 2010-1 und/oder 2009-2 gibt es wieder mehr Titel mit signifikanten Verlusten als mit Gewinnen.
Tages- und Sonntagspresse– Im Vergleich zum Vorjahr hat die verkaufte Tagespresse nur noch 1,9, die gratis verteilte dagegen 19,4 Prozent ihrer Kontakte verloren.
– Gegenüber 2010-1 verlieren zwei Titel signifikant, gegenüber 2009-2 deren sieben.
– Der Anteil der Gratiskontakte ist bei der Tagespresse gegenüber 2009-2 von 35,7 auf 31,4 Prozent gefallen. Er liegt in der Westschweiz jetzt bei 30,0 Prozent und in der Deutschschweiz bei 33,4 Prozent.
– Grosser (und einziger) Sieger gegenüber 2010-1 und 2009-2 ist der Blick am Abend, der mit einer Reichweite von 11,4 Prozent in der deutschen Schweiz jetzt Rang drei, in der Zielgruppe 14 bis 34 Jahre sogar Rang zwei belegt.
– Neue Nummer eins im Anzeigenmarkt ist das Power Trio aller drei Blick-Titel mit einer Nettoreichweite von 35,1 Prozent.
– 20 Minuten verliert signifikant – sowohl im Vergleich zu 2010-1 als auch zu 2009-2.
– 20 Minutes verliert ebenfalls signifikant im Vergleich zu 2010-1 und zu 2009-2. Das Blatt hat von der Einstellung des Matin Bleu nicht profitiert und ist wieder hinter Le Matin Dimanche zurück gefallen.
– Der orange Matin hat erstmals nicht mehr an Reichweite verloren.
– Seit 2004 haben die gekauften Tageszeitungen in der deutschen Schweiz 647 000 Kontakte verloren und die Gratistitel 1,5 Millionen dazu gewonnen; in der Westschweiz gingen 162 000 bezahlte Kontakte verloren, während 335 000 Gratiskontakte dazu kamen.
– Gegenüber 2004 verliert die Hälfte der bezahlten Tageszeitungen signifikant, nur der Gratistitel 20 Minuten legt zu. Bei den Sonntagszeitungen verlieren drei, einer gewinnt.
– Gesamtschweizerisch erzielen die Tageszeitungen von Tamedia und Edipresse gut 44,5 Prozent aller Kontakte, in der deutschen Schweiz sind es knapp 40 und in der Westschweiz 67,5 Prozent.
– Die Kontaktsumme hat am Sonntag dank der erstmals ausgewiesenen Zentralschweiz am Sonntag nochmals zugenommen.
– Der Anteil der Eigenregietitel hat sowohl bei der Tages- als auch bei der Sonntagspresse stark zugenommen.
Publikumspresse– Gegenüber 2009-2 verliert die Publikumspresse 1,6 Prozent ihrer Kontakte.
– Die Kontaktsummen aller Titelsegmente sind weiter rückläufig, am stärksten bei der Finanz- und Wirtschaftspresse.
– Neun Titel verlieren gegenüber dem Vorjahr signifikant, nur einer legt zu. Gegenüber 2010-1 verlieren vier Titel signifikant.
– Im Vergleich zu 2004 fehlen der Deutschschweizer Wirtschaftspresse wegen Einstellungen und aus methodischen Gründen über eine halbe Million Kontakte. Ohne diese Effekte ergibt sich ein ausgeglichenes Ergebnis.
– Gegenüber 2004 verlieren 30 der 41 Titel signifikant, nur einer legt zu.
– Die verschiedenen Puissance-Kombis von Edipresse können nicht mehr ausgewiesen werden, weil die Werte für den Guide Loisirs (Nachfolger von TV Guide) nicht mehr publiziert werden.
Spezialpresse– Gegenüber 2009-2 gewinnt die Spezialpresse 156 000 Kontakte.
– Elf Titel verlieren gegenüber 2009-2 signifikant, sieben legen zu.
– Gegenüber 2010-1 gewinnt ein Titel signifikant und fünf verlieren.
– Die Gruppe «Essen und Trinken» bleibt im Aufwind.
– Gegenüber 2004 verliert die Gruppe über 2,5 Millionen Kontakte.
– Gegenüber 2004 verlieren 45 von 62 vergleichbaren Titeln signifikant, 12 legen zu.
– Alle vergleichbaren Titel der Gesundheitspresse verlieren gegenüber 2004 signifikant, kurzfristig hat sich der Trend aber beruhigt.
– Mit Ausnahme der Auto Illustrierten verlieren alle Autotitel gegenüber 2004 signifikant, kurzfristig hat sich der Trend aber beruhigt.
– Beide Deutschschweizer Filmtitel verlieren signifikant an Reichweite.