Zu guter Letzt: Vögele-Millionen fürs Image, als Monatslohn den Wert einer billigen Jeans
Der diesjährige Titelsponsor der Zürcher «Fashion Days», Charles Vögele, will sich mit Design, Glamour und viel Werbung ein neues Image verschaffen. Während jedoch die heute in Zürich auftretenden Schwestern Cruz selbst für Vögele-Chef «teuer» sind, sind die für Vögele produzierenden Näherinnen in asiatischen Zulieferbetrieben spottbillig.
Redaktion
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3. November 2010
Der in Indien, Bangladesch oder Kambodscha als Einkäufer und Auftraggeber bekannte Konzern hat also nicht nur ein sauberes Image als Sponsor der Fashion Days vorzuweisen. Die Arbeiterinnen der Textilindustrien von Vögele müssen regelmässig sehr lange Überzeiten leisten und erhalten viel zu tiefe Löhne, so Anannya Bhattachearjee, die globale Koordinatorin der Asia Floor WageAllianz AWF. Wie die Erklärung von Bern am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt, ist es eine Tatsache, dass sich Vögele, wie die Mehrheit der Kleiderfirmen, lediglich zur Bezahlung gesetzlicher Mindestlöhne verpflichtet. Bekannt sei jedoch auch, dass diese in ganz Asien kein menschenwürdiges Leben ermöglichten, sie reichten gerade mal für die Deckung von einem Prozentsatz der Ausgaben einer Textilarbeiterin. Empörend daran ist vor allem der Fact, dass Vögele sich auf dem Rücken dieser Minimal-Löhnen ein Marketing-Budget in Millionenhöhe aufbaut. In Bangladesch, einem Land in dem ein grosser Teil der Vögele-Produkte hergestellt wird, wurde der gesetzliche Mindestlohn zwar angehoben. Nur deckt auch dieser neue staatliche Standard gerade mal 30 Prozent der täglichen Ausgaben der Textilarbeiterinnen. In Kambodscha sieht die Situation nicht viel anders aus, weshalb dort im letzen September über 200000 Betroffene auf die Strasse gegangen sind, wie es in der Mitteilung der EvB weiter heisst. In Kambodscha erhalten die Näherinnen gerade mal den Wert einer Vögele-Hose zum Monatslohn. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 61 Dollar. Doch die Verantwortung, einen gerechten Ansatz für Minimallöhne anzugeben, liege bei den Produktionsländern, schreibt Charles Vögele in einer Antwort auf eine Flut von Protestmails.
Die Asia Floor Wage Allianz AFW ist ein Zusammenschluss von rund 70 NGOs, Gewerkschaften und Wissenschaftlerinnen aus ganz Asien. Die AFW fordert die Bezahlung eines existenzsichernden Lohns für die Näherinnen und legt ein konkretes Berechnungsmodell sowie Implementierungsvorschläge für einen Existenzlohn vor. Die Erklärung von Bern/Clean Clothes Campaign unterstützen die Forderungen der AFW.
Du bist ne Marke oder eben nicht
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über Männer, die gern Marken wären.
Redaktion
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3. November 2010
Grosse Männer mögen Komplimente, kleine Männer brauchen sie, um sich gross zu fühlen. Keine Komplimente braucht, wer als Marke gilt. Solche Männer können mit einem Niesen Unternehmen zum Boomen oder zum Zusammenbrechen bringen, Aktienkurse in die Höhe schiessen oder einstürzen lassen. Echte Kerle eben. Sie sind unvergleichlich, meist gut gekleidet und in der Regel prächtig bezahlt. Solche menschlichen Marken müssen auch nicht mehr arbeiten. Es reicht ihnen völlig, Golf zu spielen, in den Medien präsent zu sein, ab und zu ein Buch zu schreiben (oder für sich schreiben zu lassen) und in dem einen oder dem anderen Aufsichtsrat Platz zu nehmen. Markenpflege kann so einfach sein. Weil es überaus angenehm und unkompliziert erscheint, ein Brand zu sein, haben Kleinmanager und Provinzpolitiker seit kurzem ein neues Hobby: sich selbst zur Marke machen. «A brand like a friend» liegt sehr im Trend. Da gibts eigentlich nur noch ein Problem: Wie wird man eine Marke? Markant sein oder nicht sein Mal sehen: Roger Federer ist eine. Er steht für sympathisches Grosssein ohne Allüren. Um das zu erreichen, spielt er Tennis und hat Zwillinge gezeugt. Oder Arnold Schwarzenegger. Der Muskel-Ösi hat sich nicht einmal für die peinlichsten Filme geschämt. Er glaubt einfach fest an sich und liess sich von der richtigen Frau heiraten, was in der Tat ein Verdienst ist. Auch Steve Jobs ist ein Brand. Er hält ein neues Gerät in die Höhe und alle kaufen es. Da macht es nicht einmal etwas aus, dass der Apple-Guru nicht sonderlich sympathisch ist. Nicolas Hayek senior war eine Marke. Zwei Uhren an jedem Handgelenk und das Herz stets auf der Zunge war er geachtet und geliebt. Das muss man in der Schweiz erst mal hinkriegen. Und auch Gordon Gekko ist eine Marke, wenn auch eine fiktive. Dem Broker, dem Michael Douglas sein charismatisches Gesicht geliehen hat, neidet man seine knallharte Geldgier eher, als dass man sie ihm verübelt: «If you need a friend buy a dog!» Ja, stimmt eigentlich. Federer und Schwarzenegger, Jobs, Hayek und Gekko könnten unterschiedlicher nicht sein. Eines aber haben sie gemeinsam: Sie sind authentisch und bleiben immer sich selbst. «Du bist mir vielleicht ne Marke», sagte meine Mutter früher oft zu mir. Sie meinte damit: «Du bist ein unglaubliches Grossmaul aber ich habe Dich lieb.» Ich war gern eine «Marke». Menschliche Marken müssen nicht einmal unbedingt Supererfinder wie ¬Steve Jobs oder erfolgreiche Saubermannfamilienväter und Schwiegermutterträumchen wie Roger Federer sein. Sie dürfen auch menschliche Makel haben, so wie Haudrauf-Schwarzenegger, Polter-Hayek oder Gier-Gekko. Wer ein Brand sein will, muss einfach authentisch sein. Ich bin auch ein Lehrbuch Nur haben Sie sich schon einmal vorgenommen, authentisch zu sein? Mit dem Vorsatz ist die Wirkung bereits dahin. Das bekommt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, besser bekannt als Ministerpräsident Erdogan, derzeit bitterlich zu spüren. Er will unbedingt ein Brand sein. Deshalb versucht seine Anwältin, beim türkischen Patentamt die Initialen RTE schützen zu lassen. Erdogan will sein RTE auf Medien, Geräte oder Lehrmaterial prägen, berichtet die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Tolle Idee. Wie wäre es ausserdem mit «RTE Türkischem Honig»? Dann hätte wenigstens ich Erdogan zum Fressen gern.
SW: Kommunikatoren des Monats Oktober 2010
Die Schweizer Werbung SW hat Dieter Meier und Boris Blank zu den Kommunikatoren des Monats Oktober ernannt. Sie lernten sich gemäss Bandbiografie 1979 in einem Plattenladen in Zürich kennen.
Redaktion
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3. November 2010
Dieser Tage erscheint ihr neustes Werk «Yello by Yello The Anthology 1980-2010», just zum 30-Jahr-Jubliäum. Und die beiden Musikschaffenden zeigen einmal mehr, dass sie (auch heute noch) zu den visionären Köpfen der Musikwelt gehören, so die SW. Dass die beiden als Kommunikatoren des Monats locker durchgehen, sei natürlich der Tatsache zu verdanken, dass Musik als internationale «Sprache» Kommunikation pur ist und ihre Musik in Hunderten von Werbespots eingesetzt wurde.
Aufgefallen: Harmloser als man denkt
Aufgefallen ist der Werbewoche-Redaktion diesmal unter anderem eine Kampagne von Wirz, die das Image des Pokerspiels aufpolieren soll.
Redaktion
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3. November 2010
Pokern hat in der breiten Öffentlichkeit im Allgemeinen und bei Politikern im Speziellen ein Imageproblem. Es gilt als verruchtes Hinterhofspiel, bei dem es nur aufs Glück oder gezinkte Karten ankommt. Dabei ist Pokern längst so etwas wie ein heimlicher Volkssport geworden. Dazu kommt: Der durchschnittliche Pokerspieler setzt an einem Abend nicht mehr Franken um, als er für einen Kinobesuch mit Popcorn und Cola ausgibt, wie Wirz in einer Imagekampagne meint.
Zur Sache: Irrtum vorbehalten
Und wieder läutet jemand das Ende der klassischen Zeitung ein. Dieser jemand scheint es ganz genau zu wissen: In den USA wird es schon 2017 mit der Tageszeitung zu Ende gehen.
Redaktion
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3. November 2010
2019 folgt dann UK und Island, 2020 sterben die Zeitungen in Kanada und Norwegen. 2021 trifft es Finnland, Singapur und Grönland. Und so geht der Totentanz in Einjahresschritten munter weiter bis dann 2039 auch in der argentinischen Pampa das Totenglöcklein läutet. Die Schweiz trifft es übrigens im Jahre 2025 zusammen mit Polen und Schweden. Sind das irgendwelche Hirngespinste eines Propheten? Weit gefehlt! Der australische Medienexperten Ross Dawson hat die ganze Sache streng wissenschaftlich untermauert. Unzählige Keyfactors sollen zum Ableben beitragen. Nachzulesen sind sie unter www.futureexploration.net. Man kann jede noch so abstruse Theorie begründen, es fragt sich nur, wie genau die Aussagen sind. Vorsichtig wie der Aussi-Forscher ist, vermerkt er im Kleingedruckten lakonisch «This schedule for newspaper extinction shows best estimates given current trends». Was sich übersetzen liesse mit «Irrtum vorbehalten». Soll man nun über diese abstrusen Untergangs-Prophezeiungen lächelnd hinweggehen? Das wäre sicher falsch, denn es ist sehr wohl richtig, sich die Frage nach der Zukunft der Tageszeitung zu stellen. Die Tageszeitung wird in zwanzig Jahren sicher nicht mehr gleich aussehen wie heute. Die Neue Zürcher Zeitung sah 1780 auch anders aus und transportierte andere Inhalte als heute. Das ist ja wohl klar. Falsch und schlimm an der ganzen Sache ist das Simplifizieren eines bestehenden Problems. Dass die Simplifizierung wissenschaftlich verbrämt ist, macht das Ganze nicht besser. Es wird nicht lange dauern, bis ganze Heerscharen von Nostradamus-Adepten die Erkenntnisse brav nachplappern. Mir ist es schleierhaft, warum die Medienbranche keine Möglichkeit ausser Acht lässt, ihren eigenen Unterganz zu prophezeien. Mit masochistischer Lust wird wacker an der Selbstzerfleischung gewerkelt. Ich will nicht falsch verstanden werden: Ich bin weiss Gott nicht dafür, dass man alles schönredet, es gibt noch viele Probleme bei den Zeitungen zu lösen. Die Zeitungen müssen sich wandeln, wie sie sich schon immer gewandelt haben, aber alles in Grund und Boden zu reden, bringt gar nichts. Es geht hier nicht nur um den Effekt der «self-fulfilling prophecy», einer Prophezeiung, die sich deshalb erfüllt, weil man sich unbewusst so verhält, dass sie sich erfüllen muss. Es geht darum, dass man an seine eigenen Produkte glauben muss, um diese auch glaubhaft und überzeugend verkaufen zu können. Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
Marketing-Tag 2011: Die Luzern-Florida-Connection
Der Countdown für den wichtigsten Event vom nächsten Jahr läuft. Der Schweizerische Marketing-Tag 2011 soll in einem neuen Set-up den starken Jahrgang 2010 toppen. Dazu wird ein weltweit bekannter Marketing-Crack sehr, sehr früh aufstehen müssen.
Redaktion
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3. November 2010
Auf dem Gebiet des Marketings ist er eine weltweit geschätzte Autorität. Sein 1967 erstmals erschienenes Buch «Marketing Management» gehört heute noch zur Pflichtlektüre eines jeden Marketers. Wenn sogar die sonst so nüchterne NZZ Philip Kotler einen «Marketingpapst» nennt, dann darf hier mit Fug und Recht verkündet werden: Am Schweizerischen Marketing-Tag 2011 wird der Papst sprechen. Was aber wohl auch seine glühendsten Verehrer nicht wissen, wird sich spätestens am 8. März 2011 klären: Ist Philip Kotler, 79, auch am Morgen schon im Schuss? Wenn der Schweizerische Marketing-Tag am 8. März 2011 um 9.15 Uhr eröffnet wird, steht kurz darauf Kotlers Keynote-Referat zum Thema «Marketing 3.0» an. Auf Grund einer gewissen Reisemüdigkeit wird Kotler aus einem TV-Studio in Florida zu den Anwesenden im KKL Luzern sprechen per Live-Videocast. In einer Art also, die es der bewährten Moderatorin Susanne Wille erlauben wird, sich mit Kotler zu unterhalten. In Florida wird es dann so um drei Uhr in der Früh sein. «Früher Vogel fängt den Wurm» am Schweizerischen Marketing-Tag wird dieser Spruch gnadenlos umgesetzt. Der globale Trendhorcher aus Kanada Neben Philip Kotler als grossem Aushängeschild bietet der Schweizerische Marketing-Tag 2011 noch Vieles mehr. An einer Kick-off-Veranstaltung in der Crystal Lounge im Luzerner KKL gab Swiss-Marketing-Präsident Uwe Tännler die Highlights bekannt. Die weiteren Keynote-Referenten sind Christian Belz von der Uni St. Gallen, der deutsche Soziologe Holger Rust sowie Thorsten Truijens von der Controlling Partner St. Gallen AG, der die Beziehungen zwischen Finanzen und Marketing in der Unternehmensleitung aufzeigt. Bei diesem Auftritt wird das Tagesthema «Wertvoll oder wertlos? Marketing für das Marketing» ganz besonders virulent. Aus Toronto kommt als weiterer Keynote-Referent Jeremy Gutsche, der für die Firma Trendhunter den ganzen Planet nach Innovationen und Trends abklopfen lässt. Rekordzahl an Marketing-Trophy-Eingaben Die «Best Practice»-Referate fallen 2011 weg, dafür treten prominente Referenten auf: Emmi-CEO Urs Riedener, Wolfgang Armbrecht (Brand Management Automarke Mini) und, in einem Doppelreferat, Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid mit dem bekannten Schweizer Werbestrategen Peter Felser. Vielversprechende Neuigkeiten auch von der Front der Marketing-Trophy: Man hat für die Ausgabe 2011 eine Rekordzahl an Eingaben erhalten. Zusätzlich zu den bisherigen Kategorien (Klein-, Mittel-, Grossunternehmen, Nonprofit-Organisationen, Publikumspreis) kommt der neue «Sonderpreis» hinzu. Für hervorragende Ideen, die in ihrer Ausgestaltung den Regeln der anderen Kategorien nicht vollständig entsprechen. Also ein weiteres Mitglied aus dieser Familie der «Schweizer Marketing-Oscars». Aber ein Neo-Member mit speziellem Goodie: Der Gewinner des Sonderpreises wird ein Jahr lang durch Kommunikationsmassnahmen in verschiedenen Publikationen begleitet. Das prämierte Projekt kann zudem mit einem Coaching rechnen, denn die Jury hält Überraschungsleistungen bereit, um den erfolgreichen Weg der Prämierten zu begleiten und zu unterstützen. Der Schweizerische Marketing-Tag 2011, da war man sich in der Crystal Lounge im KKL einig, hat das Zeug zu einem hervorragenden Jahrgang. Und auch wenn heute der 8. März 2011 noch weit entfernt scheint: Der Countdown läuft bereits. In der neuen und absolut sehenswerten Website zum Schweizerischen Marketing-Tag nimmt man es diesbezüglich sogar sehr genau: Die Wartezeit bis zum 8. März 2011 wird dort in Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden abgezählt. www.marketingtag.ch
Journalismus ist ein Zivilstand»
Peter Wolf ist eine Marke. Für Ringier testet er alles Technische vom Rasierapparat bis zum Smartphone. Seine Testberichte helfen bei der Bedienung biestiger Geräte und sind obendrein unterhaltsam. Doch Wolf ist nicht nur Verbraucherjournalist. Er hat unter anderem Ringiers Newsroom mit aufgebaut und zeichnet für diverse weitere Projekte an der Dufourstrasse verantwortlich. Wer ist dieser Wolf?
Redaktion
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3. November 2010
Wer mit Peter Wolf (45) am Tisch sitzt, muss teilen können. Denn iPhone, Android-Handy, Blackberry, Kindle und iPad sind immer mit dabei. «Ich bin kein Gadgetfreak», meint Wolf trotzdem. Und in der Tat, ein Freak ist er nicht. Doch er kennt sich gut aus verdammt gut, um genau zu sein und arbeitet mit Smartphones und Lesegeräten wie unsereiner mit Buch, Block und Bleistift. Leser kennen den Technikjournalisten vor allem von seinem inzwischen eingestellten Cash-Blog sowie von zahlreichen Tests technischer Geräte in Blick, SonntagsBlick und verschiedenen Kundenmagazinen. Doch Wolfs Begeisterung für die digitale Welt, für Vernetzung und Verzahnung reicht noch viel weiter: Nicht nur, dass er stets mindestens fünf Geräte mit sich herumträgt, die selbstverständlich perfekt aufeinander synchronisiert sind. Wolf hat auch die IT- und Multimediaseiten im Blick und SonntagsBlick konzipiert und geleitet. Er hat bei Ringier das Wissensmanagement-Tool Yammer gelauncht und ist einer der Köpfe hinter dem viel beachteten Newsroom. Nebenbei doziert Wolf auch noch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur über Digital Publishing und Social Media. «Journalismus ist kein Beruf, sondern ein Zivilstand», sagt Wolf. «Bei Ringier wissen sie, dass ich so denke. Auch deshalb geniesse ich viele Freiheiten, für die ich sehr dankbar bin.» Arbeit muss für Wolf zwei Bedingungen erfüllen: Sie muss Spass machen und einen Sinn ergeben. «Für einen Dokumentarfilm über den Swiss Alpine Marathon habe ich aus einem Helikopter heraus gefilmt», erzählt er. «Das war cool, aber darum ging es mir nicht. Wir wären anders nicht zu den Aufnahmen gekommen, die wir haben wollten. Für ein aussergewöhnliches Resultat stelle ich Vieles auf die Beine.» Erkennen, was die Welt Peter Wolf wird 1964 in Davos geboren was eine grössere Rolle spielt, als man zunächst vermutet. Denn wenn in Davos nicht gerade Ski gefahren wird, ist dort ziemlich wenig los. Wolf aber liebt und braucht die Abwechslung. Also mischt er seine Heimatstadt bereits als 16-Jähriger kräftig auf: Gemeinsam mit zwei Schulfreunden produziert er eine Schülerzeitung, organisiert und leitet den Jugendtreffpunkt Terminus mit Veranstaltungen und Disco und managt drei Jahre in Folge eine Auswahlschau aus den Solothurner Filmtagen. Ausserdem spielt er Keyboard in der Elektropop-Band Didadomino, die es zu immerhin einer Kassette bringt. «Ich musste einfach etwas machen», erinnert sich Wolf. «In der Zwischensaison hätte man auf der Strasse schlafen können, ohne überfahren zu werden.» Wolf ist gierig: Gier nach Neuem und Spass an der Veränderung sind sein Antrieb. Sein Vater, ein Uhrmachermeister, gestattet Peter, alles auseinander- und wieder zusammenzubauen, was er will. Das tut er mit Leidenschaft. «Vom Kugelschreiber bis zur Spieldose habe ich alles auseinander geschraubt, was ich in die Finger bekam», erzählt Wolf. «Im Gegensatz zu heute bestand damals die Gefahr, dass man die Dinge nicht mehr zusammenkriegte. Ich habs aber immer hinbekommen.» Trotz seinem Faible für Feinmechanik will Wolf nicht Uhrmacher werden. Eher Tierarzt. Oder Elektroingenieur. Oder Journalist. Im Traumberuf Nr. 3 startet Wolf mit 19 Jahren: 1984 und 1985 schreibt und fotografiert er als freier Mitarbeiter für die Davoser Zeitung. Doch schnell sind das Blatt und Davos für Wolf zu klein. Ende 1985, nach der Matura, geht er nach Zürich, um an der ETH Elektroingenieurwesen zu studieren. Er eifert damit seinem Onkel nach, der als Elektroingenieur bei der NASA arbeitet. Ein cooles Vorbild für den jungen Mann. Allerdings will Wolf nicht in den Weltraum, sondern Fachjournalist werden. Er beginnt zu studieren und steigt mit 20 Jahren als Produzent und Abschlussredaktor beim Blick ein. Beruhigend, dass auch Wolf diesen Karrieresprung als erklärungsbedürftig betrachtet: «Mein Freund aus Davos rutschte durch einen Zufall in die Ringier-Journalistenschule. Er fiel dem damaligen Chefredaktor Peter Übersax auf, der ihn vom Fleck weg engagierte ebenso wie einen zweiten Teilnehmer des Sommerkurses, der direkt wieder kündigte. Für diesen brauchten sie schnell Ersatz, und Christoph hat so lange auf mich eingeredet, bis ich ja gesagt habe.» Wolf, der seine Maturaarbeit über «Bild und Günther Wallraff» geschrieben hatte, geht widerstrebend zum Blick. Denn er fürchtet, das Blatt sei wie der von Wallraff beschriebene Sauhaufen bei der Bildzeitung. Diese Einschätzung seines Arbeitgebers revidiert er aber schnell. Drei Jahre arbeitet Wolf als Blick-Produzent, vom ersten Tag an darf er direkt in die Zeitung hineinproduzieren. Bei dieser Arbeit hilft ihm sein ausgeprägtes visuelles Gespür: Wolf ist ein guter Fotograf, versteht viel von Filmen und liest leidenschaftlich gern Comics. …im Innersten zusammen hält Neben dem Produktionsjob schreibt und fotografiert Wolf auch drei Jahre lang für die Musik-, Film- und Nachrichtenseiten des Blick. Dann hat er genug vom Journalismus. Er nimmt einen Job als Systemberater für DTP-Lösungen an, macht seine Sache aber zu gut: Der Markt der Early Adopters ist bereits nach einem Jahr gesättigt. Wolf kehrt als Produzent zum Blick zurück. Nach einem halben Jahr bekommt er zusätzlich eine eigene Seite, die wöchentlich erscheint: «Rock & Pop mit Peter Wolf». Der 24-Jährige reist umher, macht Fotoreportagen und Konzertberichte und führt über 100 Interviews mit Grössen wie den Scorpions, Pink Floyd, David Hasselhoff oder Ozzy Osbourne. «Weil ich mit der Kamera auf der Bühne stand, dachten die meisten Musiker, dass ich nicht schreiben kann», erzählt Wolf. «So haben sie mir oft Details erzählt, die ich nicht erfahren hätte, wenn ich danach gefragt hätte.» Diesmal hält es Wolf dreieinhalb Jahre beim Blick aus, 60 Prozent als Produzent, 40 Prozent als Journalist. Dann muss eine neue Herausforderung her. 1992 gründet er eine Firma für Textveredelung und journalistische Dienstleistungen, 1993 wird er Reporter und Nachrichtenredaktor beim ersten Schweizer Privatsender Tell TV. Doch dem Sender geht kurz vor der ersten Sendung das Geld aus. «Trotzdem habe ich in dieser Zeit viel gelernt», betont Wolf. «Wir hatten den Keller voller Schnittplätze und technischem Equipment. Während meine Kollegen sich den Kopf über die finanzielle Situation zerbrachen, habe ich im Schnittraum herumexperimentiert und mir viele Fachkenntnisse angeeignet.» Wenn ein Projekt scheitert, startet Wolf gleich ein neues: Schon 1992 hatte er das Party- und Trendmagazin Sputnik mitgegründet, das eigentlich als Flyer zur ersten Zürcher Streetparade geplant war. Nun soll noch Sputnik TV entstehen. Um sich während des Aufbaus zu finanzieren, heuert Wolf wieder als Produzent beim Blick an. Ab 1993 berichtet Sputnik TV alle 14 Tage 30 Minuten lang über Partys und Trends mit Peter Wolf als Kameramann, Cutter, Reporter, Redaktor und Aufnahmeleiter. 1995 geht auf der Frequenz von Radio24 ausserdem Sputnik Radio auf Sendung. Sputnik war der erste Medienverbund der Schweiz. Immer wieder Ringier Ab 1994 engagiert sich Wolf auch als Verleger. Mit zwei Geschäftspartnern gründet der Tausendsassa den Verlag «SmartBooks» und verlegt Ratgeberbücher über Management, Macintosh-Rechner und das Internet. Als Cheflektor und Produktionsleiter produziert Wolf rund 50 Bücher. Er steigt in die Geschäftsleitung auf, bevor er den Verlag 1999 verlässt. Und dann? Geht Wolf wieder zum Blick. Dreimal konnte Ringier seinen Mann für das Technische wieder zurückholen. Das dritte Mal ist Wolf geblieben. Bisher elf Jahre lang. Doch die Zahl der Jahre täuscht: Bei Ringier ist Wolf kein bisschen weniger quirlig als zuvor. Fünf Jahre leitet er die IT- und Multimediaseiten des Blick, ab 2002 ausserdem das Multimediaressort des SonntagsBlick. Dann wird er in den Marketingausschuss von Thomas Trüb berufen, erarbeitet und realisiert Konzepte für verschiedene neue Blick-Seiten und Beilagen, bloggt für Cash über technische Errungenschaften, verantwortet den multimedialen Aufbau der Wirtschaftsplattform Cash daily und installiert das Webcenter, das Bewegtbilder für alle Ringier-Publikationen produziert. Derzeit bezeichnet Wolf sich als Product-Manager E-Reading. Passender wäre Technikmissionar. Wolf knöpft sich Tag für Tag elektronische Lesegeräte, Smartphones, Social-Media-Plattformen und andere neue Kommunikationsformen vor und prüft sie auf ihre Nücken und Tücken. Gerade testet er das kleinste Tablet der Welt. «All diese Geräte auszuprobieren kostet viel Zeit und ist oft frustrierend», sagt Wolf. «Denn nicht immer funktioniert alles so, wie der Hersteller verspricht. Ich schreibe das dann, was zuweilen Mut braucht. Aber nur so kann ich meinen Lesern den gleichen Ärger ersparen, den ich beim Tes-ten hatte. Ich glaube fest daran: Many a false step is made by standing still.» Zukunft im Blick Wenn Wolf nicht schreibt, engagiert er sich in Projekten: Seit November 2007 gehört er zum Team, das den Integrierten Newsroom geplant, eingerichtet und eingeführt hat und das ihn nun auch international implementieren wird. Und er beschäftigt sich mit neuen Möglichkeiten für digitales Publizieren, zum Beispiel mit E-Paper. «Ich habe seit einem Jahr kein Papier mehr in der Hand gehabt, wenigstens nicht zum Lesen», sagt er, als sei das für einen Journalisten selbstverständlich. «Bei Tickets allerdings vertraue ich noch nicht allein auf die elektronische Version. Da habe ich immer einen Ausdruck bei mir.» Vor zwei Jahren hat Ringier mit Tamedia/Edipresse, NZZ, Orell Füssli und Swisscom das Konsortium Codex gegründet. Codex will die Inhalte der beteiligten Content Owner auf mobile Displays bringen. Im August startete ein sechswöchiger Probelauf mit 150 Test-Usern. Sie konnten 20 verschiedene digitale Zeitungen, Zeitschriften und Bücher mit Spielgeld kaufen und auf einem Lesegerät lesen. «Der Test lief extrem gut und lieferte wichtige Erfahrungen. Das Projekt wird weiterlaufen», sagt Wolf. Mehr darf er nicht verraten. Offenbar sind in Codex mehrere gute Nasen organisiert. Denn was derzeit hochaktuell ist, war vor zwei Jahren noch kein Thema. Einer, der es frühzeitig gewittert hat, ist Wolf: «Man muss ab und zu etwas riskieren», sagt er. «Wenn man Neues erst anpackt, wenn es alle machen, kann man es gleich lassen. Europa ist beim Digital Publishing jetzt knapp vorm Tipping Point. Und wir sind bereit.» Dieser Wolf ist auch ein Trend Scout. Also stellen wir DIE Frage: Wird Papier überflüssig? «Auf keinen Fall», beruhigt Wolf. «Papier ist eigentlich nur ein Display, eine Zeitung ein Multidisplay. Es hat zwar eine langsame Refresh-Rate, es bewegt sich nichts, und es tönt auch nichts. Dafür ist alles farbig, absturzsicher und braucht keinen Strom. Das Display des Kindle überschreibt sich selbst, hat aber im Moment nur 16 Graustufen und ist zu langsam für Videos. Jedes Display hat seine Vor- und Nachteile. Auf E-Ink-Lesegeräten könnten in Zukunft alle Buch-Neuerscheinungen zu finden sein. Je nach Preis kann man sich 10, 50 oder 100 davon freischalten. Aber E-Ink, Print und Tablets werden koexistieren. Ich warte schon lange auf ein Tablet, das hinten ein E-Ink-Display drauf hat, oder auf einen Laptop, der eins im Deckel hat.» Wolf wird uns wissen lassen, wenn es das gibt. Und ob es was taugt. Anne-Friederike Heinrich
Peter Wolf
Kurzreportage über Peter Wolfs Engagement in Davos in den 1980-ern.
Am 21. Oktober wurde die Avis Autovermietung im Rahmen der Marketing Week 2010 in London mit dem Data Strategy Award in der Kategorie Reisen und Freizeit ausgezeichnet. Der Award wird jährlich für die effektivste und innovativste Nutzung von Daten zu marketingstrategischen Zwecken verliehen.
Redaktion
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3. November 2010
Zu den relevanten Bewertungskriterien zählen Sales und Marketing, CRM, Customer Value Management und Partner- sowie Personal Management. Der Auszeichnung wurde für ein in Zusammenarbeit mit Unique Digital umgesetztes Projekt im Bereich Profitability Profiling verliehen, im Zuge dessen Google Anzeigen mit Revenue Management Daten und Prozessen kombiniert wurden. Avis setzte sich gegen diverse namhafte Unternehmen wie RCI, BMI, Best Western und Europcar durch.
Neue Texterin für Etextera: Elisabeth Eder
Die Textagentur Etextera erhält Unterstützung. Neu arbeitet die Texterin und Diplom-Journalistin Elisabeth Eder für die Agentur.
Redaktion
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3. November 2010
Elisabeth Eder hat bereits für Funk, Fernsehen, Print und Internet gearbeitet. Sie hat in Stuttgart studiert und unter anderem für PR-Agenturen, das Intranet von Hubert Burda Media und für Bild.de geschrieben. Für die Good News ist sie zudem immer auf der Suche nach guten Nachrichten aus Stuttgart.
Licht-Gestalten
Der November hat begonnen. Dieser dunkelste und graueste aller Monate schreit nach Licht. Es nimmt die Dunkelheit, strahlt Wärme und Sicherheit aus, verbreitet Stimmung, steht für die Wahrheit und ist ein herrlicher Luxus. Und Licht ist Werbung: Kerzenschein wirbt für das Edelrestaurant, die Beleuchtung der Einkaufszeile für die Stadt als Metropole, LED für den nächsten Supermarkt. Eine Lichtdusche.