Laut Kall sind die Online-Portale Newsnetz/Tagesanzeiger.ch und auch 20 Minuten Online profitabel. Er will im Internet auch durch Übernahmen wachsen: Vor zwei Jahren hätte er noch nicht gewusst, was Doodle sei – nun habe Tamedia 49 Prozent an dem Unternehmen übernommen, sagte Kall.
Das Defizit von NZZ Online sei in den letzten Jahren von 3 Millionen auf nunmehr 1 Million Franken gesunken, erklärte Albert P. Stäheli. Man sehe nun einen starken Trend zu Break-Even. Zurzeit wird bei der NZZ ein Strategiewechsel geplant. «Wir arbeiten daran, eine Paywall einzurichten. Sie wird aber flexibel sein», so Stäheli, der keine weitere Details verriet. Man müssen hier nach Trial and error vorgehen, so Stäheli. Laut dem NZZ-CEO gehe es Richtung Newsroom bei der NZZ-Tageszeitung und NZZ Online.
Auch der Online-Bereich der AZ Medien schreibe bislang Verluste, räumte Christoph Bauer ein. Man sei daran, eine Paid-content-Strategie zu entwickeln, die vor allem im Regionaljournalismus ansetze. Im nächsten Herbst werde es so weit sein, kündigte Bauer an.
Martin Kall ist es egal, ob der Werbekunde oder der Leser bezahlt: Die Schweiz sei so wohlhabend, dass sie für Werbekunden immer sehr attraktiv sein werde. Christian Unger geht davon aus, dass der iPad in der Schweiz zu einem durchschlagenden Erfolg wird. Die Schweiz habe weltweit schon die höchste Penetration bei den iPhones. Zurzeit seien hierzulande 100´000 iPads im Umlauf – wenn es 200'000 bis 300'000 sein werden, würde das iPad für Werbung sehr interessant.
Christian Unger sagte, dass Ringier auch im Fernsehgeschäft wachsen wolle und sowohl an 3+ als auch an TeleZüri interessiert sei. Es fänden zurzeit Gespräche statt. Im Gegensatz zu Tamedia will die NZZ im regionalen Fernsehgeschäft tätig bleiben. Tamedia wird somit zum einzigen Schweizer Medienkonzern, der kein Fernsehen macht.
Christoph Bauer sagte, es gebe bei der AZ Medien eine gewisse Bereitschaft, eine Kooperation mit der Basler Zeitung zu prüfen. Bisher hätten aber keine Verhandlungen stattgefunden. Und die AZ Medien seien auch allein überlebensfähig.
Zuvor hatte der Herausgeber der International Herald Tribune am Swiss Media Forum dafür plädiert, Qualitätsjournalismus nicht zu verschenken. Stephen Dunbar-Johnson sagte: Guter Journalismus koste Geld – und dafür seien die Leser zu zahlen bereit. Deshalb habe die New York Times Company, zu der die International Herald Tribune gehört, Ende März im Internet eine Paywoll eingeführt. Geld im Netz zu verlangen, sei eine Investition in die Zukunft. Inzwischen gebe es mehr als 100'000 Online-Abonnenten, die zahlen würden, und dies bereits kurze Zeit nach dem Start. Dunbar-Johnson widersprach mit dieser Einschätzung mehreren anderen Referenten am Swiss Media Forum. So hatte Xing-Gründer Lars Hinrichs am Donnerstag gesagt, dass Internetuser nie bereit sein werden, für Nachrichten zu zahlen. Dunbar-Johnson aber ist überzeugt, dass bald andere Medienhäuser dem Beispiel folgen.