WW: Wie gut habt ihr geschlafen in den letzten paar Tagen?
Peter Felser: Sehr gut, allerdings nicht sehr lange. Die Tage waren intensiv, die Nächte kurz. Unser Führungswechsel ist sorgfältig vorbereitet. Wir kennen alle Schlüsselpersonen seit Jahren und arbeiten erfolgreich zusammen. Mit Leo Burnett sind wir seit fast 10 Jahren verbunden, Andy Stäheli und Peter Brönnimann haben mit uns zusammen massgeblich zum Erfolg der Agentur beigetragen. Das neue Führungsteam ist seit Jahren in der Agentur stark engagiert und gut eingespielt. Da gibt es keine Gründe für unruhiges Schlafen.
Martin Spillmann: Wir haben eine anspruchsvolle Zeit hinter uns, in der wir neben der täglichen Arbeit auch den gezielten Aufbau unserer Nachfolger vorantrieben. Und zwar ohne dass das Umfeld dies zur Kenntnis nahm. Schlafen können wir insofern gut, als die Geschichte von Spillmann Felser Leo Burnett ja eine schöne ist. Wir haben mit unseren Partnern und Mitarbeitern innert neun Jahren eine der grössten und kreativ erfolgreichsten Agenturen der Schweiz aufgebaut und können diese nun in die Hände unserer Nachfolger übergeben. Nachfolger, die nach dem für den Erfolg mitverantwortlichen Motto «Grossartige Werbung machen für Kunden, die das auch wollen, und dabei gemeinsam Spass haben» die Agentur mit Sicherheit in eine neue Ära des Erfolgs führen werden.
Wie weit haben beim Verkauf auch persönliche Motivationen eine Rolle gespielt?
Martin Spillmann: Nach über 25 Jahren ist nun für mich der ideale Zeitpunkt gekommen, ein wenig kürzer zu treten und auch ein wenig Abstand zum Agenturleben zu nehmen. Vielleicht auch nur, um sich von der Routine zu befreien, die oft eine ganz neue Sichtweise der Dinge verhindert. Vielleicht wird mit der Distanz die Lust aufs Kreieren noch stärker, als sie schon immer war und ist.
Peter Felser: Natürlich spielt die persönliche Lebensphase auch eine Rolle. Das operative Geschäft ist schon intensiv. Als CEO ist es kaum möglich, «ein bisschen» zu reduzieren. Der Job erfordert 100 Prozent Einsatz. Die Freude an der Kommunikation ist jedoch ungebrochen. Wir sind in einer der faszinierendsten Branchen überhaupt. Markenführung ist und bleibt meine Leidenschaft. Daran hat sich nichts geändert. Ich werde der Agentur und der Branche verbunden bleiben. Aber ich freue mich schon sehr, dass ich die persönliche Agenda wieder vermehrt selbst bestimmen werde und die Alltagshektik abnimmt.
Von wem ist der erste Impuls für einen solchen Wechsel gekommen?
Peter Felser: Den geeigneten internationalen Partner haben wir vor der Gründung von Spillmann Felser Leo Burnett sehr seriös evaluiert. Entscheidend waren die gemeinsamen Ambitionen bezüglich des kreativen Produktes. Es war damals schon eine Option, dass Leo Burnett nach Aufbau und Etablierung der lokalen Agentur sich stärker beteiligt.
Martin Spillmann: Für uns waren der Aus¬stieg und die erfolgreiche Nachfolgeplanung schon seit Gründung der Agentur ein wichtiges Thema. Dies als Selbstschutz, um zu verhindern, dass uns eines Tages im hohen Alter die Mitarbeiter nahelegen, doch endlich mal einer jüngeren Crew Platz zu machen, und wir dabei realisieren, dass wir den Absprung verpasst haben.
Was könnte die von euch kommunizierte «neue Interpretation der Rolle als Verwaltungsräte» konkret bedeuten?
Peter Felser: Wir werden Kontinuität in der Qualität und in der Ausrichtung der Agentur sicherstellen und die Haltung und Kultur der Agentur mitbestimmen. Der Rückzug aus dem operativen Tagesgeschäft gibt uns aber auch genügend Zeit, uns künftig um einige strate¬gische und konzeptionelle Markenprojekte einzelner Kundenmandate intensiver zu küm¬mern.
Martin Spillmann: Losgelöst vom Tagesgeschäft kann man sich eher mit Innovationen auseinandersetzen und diese ins Unternehmen einbringen.
Keine Angst, dass die nicht mehr von euch persönlich betreuten Kunden den Bezug zur bisherigen Aura der Agentur verlieren?
Peter Felser: Nein. Die «neue Generation» stand in der Vergangenheit ein wenig in unse¬rem Schatten, hat aber schon bisher massge¬bend zum Erfolg beigetragen. Andy Stäheli und Peter Brönnimann sind für diese Aufgabe bestens gewappnet und geniessen sowohl bei den Mitarbeitern wie auch bei den Kunden hohe Akzeptanz. In der Geschäftsleitung sind mit Peter Brönnimann, Rolf Zimmermann und Michael Waeber drei Gründungspartner mit dabei. Sie kennen und leben die Philoso¬phie von SFLB. Zudem wird die Führungs¬mannschaft mit Michael Gassler als zweiten Managing Director vervollständigt. Diese Mannschaft ist im besten Alter, um eine Agentur zu führen. Wir sind überzeugt, dass dieser Generationswechsel sich in der praktischen Arbeit positiv bemerkbar macht und die Agentur auch in Zukunft den Markt mit effizienten und kreativen Kampagnen prägen wird.
Martin Spillmann: Die Agentur wurde von Aussenstehenden oft als eine verschworene Gemeinschaft bezeichnet. Diese haben insofern recht, als alle bei SFLB seit Beginn am gleichen Strick ziehen und die gleichen Ziele verfolgen – gute Werbung machen und dabei auch noch Spass haben. Letzteres sollte eigentlich gar nicht so schwierig sein, denn gute Werbung sollte auch Spass machen. Nicht nur den Machern, sondern auch den Konsumen¬ten. Ich bin sicher, dass dieses Agenturziel auch weiterhin von der neuen Führung angestrebt und von all den engagierten Mitarbeitern auch umgesetzt wird.
Blieb in den letzten zwei Jahren überhaupt noch Zeit für das operative Eingreifen ins Tagesgeschäft – neben dem Führen eines 75-köpfigen Unternehmens mit 18,9 Millionen Franken Bruttobetriebsertrag?
Martin Spillmann: Wir waren beide zu jeder Zeit auch operativ tätig. Zu einem grossen Teil lässt sich das Operative nicht vom Strategischen trennen. Kreative Menschen, zu denen ich auch meinen Partner Peter Felser zähle, suchen permanent nach Ideen, die zu Lösungen führen. Dieser Prozess startet bei den ersten Gesprächen mit den Kunden über die Zukunft ihrer Marke und zieht sich bis zu den finalen werblichen Umsetzungen durch.
Peter Felser: Zum Glück wird man mit der Erfahrung schneller. Ich habe beides gerne gemacht. Die Leidenschaft, sich inhaltlich mit der Marke und den Kernbotschaften zu be¬schäftigen, habe ich nie verloren. Eine gute strategische Grundlage dient übrigens auch der Effizienz der Agentur. Eine pointierte strategische Plattform erhöht auch die interne Effizienz und erleichtert die Führung der Agentur.
Was bringt das verstärkte Engagement von Leo Burnett einer Schweizer Agentur?
Peter Felser: Leo Burnett verspricht sich von SFLB einen wesentlichen Beitrag zum kreati¬ven Output der Gesamtagentur. Für eine glo¬bale Agentur ist es wichtig, dass sie in allen wesentlichen Regionen über sogenannte «Centres of Excellence» verfügen. Zürich ist für Leo Burnett ein solches «Centre of Excellence». Das ist für uns in Zürich eine Riesenchance. Weiter profitieren wir von der weltweiten Humankind-Philosophie. Hinter Humankind steckt ein ganzes Paket von wertvollen Tools zur Erarbeitung von wirkungsvollen Kampagnen. Der Erfahrungsaustausch mit internationalen Top-Kreativen und Top-Strategen ist sehr bereichernd. Der Austausch findet nicht nur auf ausgewählten internatio¬nalen Kunden statt, sondern auch auf der Ebene Neue Medien, Weiterbildung und Kreativität generell.
Martin Spillmann: Leo Burnett engagiert sich stark für das kreative Produkt. Viermal im Jahr werden alle bedeutenden Kampagnen, die in den einzelnen Niederlassungen entstanden sind, analysiert und bewertet. Das 7+-Bewertungssystem gilt als eines der besten in der Branche und wurde vor Jahren von Michael Conrad, dem damaligen weltweiten CD, ins Leben gerufen.
Was werden Sie in Zukunft mit den frei gewordenen Kräften anfangen?
Martin Spillmann: In meinem Leben kam ich nie in die Situation, dass es mir langweilig wurde. Dank meiner mir angeborenen Neugier habe ich eher Angst davor, mich allzu schnell wieder in zu vielen neuen Projekten zu engagieren. Worauf ich mich mit der gewonnenen Zeit freue, ist, endlich mal die vielen angefangenen oder sogar noch in der Originalverpackung steckenden Bücher zu lesen und die vielen ungesehenen Filme zu schauen. Besonders freue ich mich aber auch darauf, mit meiner Frau Rita das eine oder andere Projekt umzusetzen, das wir in den letzten Jahren geplant, aber auf die lange Bank geschoben haben.
Peter Felser: Die Intensität der letzten 10 Jahre liess es nicht zu, genaue Pläne zu schmieden. Eines ist klar: Zeit und Qualität sollen künftig wieder einen höheren Stellenwert einnehmen, das Volumen soll reduziert werden. Die Arbeiten als Verwaltungsrat, die Betreuung einzelner Kundenmandate von SFLB, das Präsidium von bsw leading swiss agencies, ein paar Engagements als Gastdozent an Hochschulen, das gibt zusammen schon einiges. Der Rest soll nicht verplant werden, meiner Familie und mir gehören.
Werdet ihr ein eigenes Büro an der Aemtlerstrasse behalten?
Peter Felser: Beides. Wir werden unsere Büros unseren Nachfolgern überlassen, also den Rückzug physisch sichtbar machen. Wir werden aber ein anderes, kleineres Büro in der Agentur beziehen.
Martin Spillmann: In Zukunft werden wir uns ein gemeinsames Büro teilen, etwas, was wir bis jetzt noch nie getan haben, uns aber sicher hilft, effizient zusammenzuarbeiten.
Interview: Andreas Panzeri
> Spillmann/Felser/Leo Burnett: Generationenwechsel in der Geschäftsführung