Communications Controlling in Zeiten von Social Media

Als die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich vor vier Jahren die erste schweizerische Fachtagung Communications Controlling durchführte, war von einem bestimmenden Einfluss von Social Media noch wenig zu spüren.

Schon damals aber waren Online-Technologien und Klicks ein wichtiges Thema – das Tracking ist ja schliesslich eine der immanenten Stärken computerbasierter Medien. Seither und insbesondere in jüngster Zeit haben Web-2.0-Kanäle rasant die Medienwelt und damit auch die Beziehungsgestaltung von Organisationen mit ihren Kunden, Mitarbeitern, Eignern und den weiteren Stakeholdern verändert. Die diesjährige vierte Fachtagung Communications Controlling vom 30. Juni zog ein Zwischenfazit. Dabei thematisieren die Beiträge jedoch nicht nur Online-Controlling und konzeptionelle Fragen, sondern auch – in bewährter Manier – führende Lösungsansätze aus verschiedenen anderen Bereichen der Unternehmenskommunikation. Und es zeigte sich, die Beispiele konkreten Communications Controllings mehren sich auch in der Schweiz.

Soziale Medien verändern das Communications Controlling

Mit Philip Sheldrake aus London, Inhaber der Agentur Meanwhile und Fachautor, startete die Tagung. Er gab den Gesamtüberblick über die internationalen Bestrebungen, das Communications Controllings auf die neuen Möglichkeiten der Social Media auszurichten. Sheldrake ist gleichzeitig Chairman der Social Media Measurement Group des Chartered Institute of Public Relations (CIPR) London, und er referierte erstmals die «Barcelona-Grundsätze der ‹International Association for the Measurement and Evaluation of Communication›». Es ist bezeichnend, dass darin als erstes Prinzip festgehalten wird, sich Kommunikationsziele zu setzen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint; doch Praktiker wissen, wie viele Unternehmen schon hier scheitern. Und auch wenn es online viel einfacher und kostengünstiger wird, Basismaterial für auswerten- de Analysen zu erhalten. Ohne zu wissen, was man messen will, «misst man Mist». Im Anschluss referierte Michael Rottmann, Senior Consultant bei Namics, über das Spannungsfeld zwischen «Owned, Paid and Earned Media». «Niemand hat eine Generallösung bereit», erklärte er mit Hinweis auf die rasante Entwicklung der Sozialen Medien in jüngster Zeit. Das Nutzungsverhalten der Generationen unterscheide sich gewaltig; in zwei Jahren werde die mobile Internetnutzung die statische überholen. «Facebook wird zum Einstieg ins Internet», sagte Rottmann – und dies gelte auch für die über 40-Jährigen. Er zeigte am Beispiel der Like-Bottoms für Levis-Hosen oder seiner eigenen Reklamation über Twitter, dass nutzergenerierte Inhalte zunehmen und ein Unternehmer selbst nicht mehr die einzige Quelle für Brand Management bildet. Bereits heute führen 25 Prozent der Suchergebnisse zu den 20 weltweit grössten Marken zu solchen Inhalten. Die Interaktionen verändern sich jedoch grundlegend, sodass für die Messung eigene Werkzeuge nötig sind: PostRank, Klout, Omniture von Adobe, Sysomos, Hootsuite oder Google Analytics.

Wer mehr wissen will über die «neue Liebesgeschichte » von Communication Controlling und Social Media, findet weiteres Material von Michael Rottmann auf www.namics.com Unterbrochen wurden die Hauptreferate durch die so genannten Breakout Sessions, in denen sehr praktische Aspekte behandelt wurden. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich in Gruppen von zwanzig Personen mit ausgewählten konkreten Beispielen des Communications Controllings zu beschäftigen. Christoph Glauser von ArgYou zeigte, warum die meisten Inhalte im Internet gar nie gesucht werden. Mit der Wirkungsmessung von Sponsoring- Massnahmen befasste sich Harry Graf, Kommunikationschef der EWZ. Mit überschaubaren, an die Wand geklebten Postern erläuterte er, wie er ganz praktisch zu Entscheidungsgrundlagen – und auch Rechtfertigungsgründen für seine politischen Auftraggeber – gelangt. Matthias Meyer, Kommunikationsleiter Google Schweiz, stellte die zahlreichen kostenlosen Möglichkeiten vor, welche Google für das Kommunikations-Controlling bietet, nicht ohne davor noch einen Werbeblock für Google+ eingeschaltet zu haben.

Zum Abschluss präsentierte Marc Rauch, Leiter externe und interne Kommunikation der Flughafen Zürich AG, sehr anschaulich das eigens entwickelte und 2010 erfolgreich eingeführte Kontrollsystem. Notabene eine Lösung, für die kein Budget zur Verfügung stand. Die Auswertung erfolgt mithilfe einer eigens entwickelten Excel-Lösung auf der Basis von Clippings, die Argus zur Verfügung stellt. Aus Kostengründen konzentriert sich der Flughafen auf die Messung unternehmensrelevanter Themen in Schweizer Tageszeitungen. «Wir stellen aber fest, dass dies genügt», meint Marc Rauch, «denn das Fernsehen stützt sich in der Regel auf die Berichterstattung der Kollegen im Print.» Andreas Jäggi

Präsentieren Sie Ihr Communications Controlling!

Die nächste Schweizerische Fachtagung Communications Controlling ist am 21. Juni 2012 geplant und wird wiederum an der HWZ durchgeführt. Auch dann sollen praktische Beispiele
aus Schweizer Unternehmen und Agenturen gezeigt werden.

Wer die Gelegenheit nutzen will, seine Erfahrungen an der Konferenz zu präsentieren, kontaktiert fabiola.thomann@
fh-hwz.ch.

 

Die Löwen von Cannes

Sieben Löwen holten die Schweizer Kreativen bei der Werbeweltmeisterschaft in Cannes. Gold für Saatchi & Saatchi, Silber für JWT+H+F sowie Bronze für Wirz, Jung von Matt, SFLB.

Mit 28'828 Arbeiten im Wettbewerb verzeichnete Cannes in diesem Jahr einen neuen Rekord mit einem Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rekordverdächtig war auch die Ausbeute der Schweizer Kreativen. Die Schweizer Werbewirtschaft ist mit rund 400 Arbeiten in Cannes ungefähr ähnlich stark wie 2010 präsent gewesen. Die Resultate waren aber deutlich besser. Sieben Löwen gab es zu gewinnen. Darunter seit zehn Jahren erstmals wieder eine goldene Auszeichnung in der Königskategorie Film. Siegreich war hier Saatchi & Saatchi mit zwei Spots für Novartis. Den ersten Löwen in seiner Karriere und gleich einen silbernen holte Remy Fabrikant für Hakle. Er musste sich gegen 5415 Mitbewerber durchsetzen. Dazu durften sich Spillmann Felser Leo Burnett, Jung von Matt/Limmat und Wirz über bronzene Löwen freuen. Contexta reichte es zu einem Platz auf der Shortlist mit «Lost in Val Sinestra» für Swisscom TV. Die Schweizer Werber hatten deshalb doppelten Grund zum Tanzen. Erstmals nach dem Ende der Cinecom-Party gab es 2011 nämlich auch wieder eine der früher legendären Swiss Partys an der Croisette. Organisiert wurde der Branchentreff auf Initiative von Jean-Claude Bruhin bei Star TV. Finanziell mitgetragen wurde der Event vom schweizerischen ADC, Swissfilm Association und der Werbewoche. Die Swiss Party «relouded» wurde zu einem vollen Erfolg. Mehr als 100 Top-Kreative haben beim Netzwerken teilgenommen. Der Event soll deshalb wieder zu einer festen Institution werden.

Trend zu 360 °

Cannes hat sich in der diesjährigen Ausgabe wieder als das führende Forum für internationale Werbung profilieren können. Nachdem früher vor allem die Kreativleute an die Côte gepilgert sind, konnte man in diesem Sommer auch zahlreiche Berater, Kunden oder Strategen ausmachen. Das Festival ist offener geworden und nennt sich auch nicht mehr «Cannes Lions International Advertising Festival», sondern «Cannes Lions International Festival of Creativity». Wo früher vor allem Werbefilme und Printarbeiten bewertet wurden, zählt heute immer mehr die Idee an sich – und diese findet über täglich neue Kanäle in die Köpfe ihres Zielpublikums. Exemplarisch wurde hier Ikea zum diesjährigen «Advertiser of the Year» ernannt.

Die international besetzte Jury der Cannes Lions erhielt auch in diesem Jahr wieder Verstärkung aus der Schweiz. Von den neun vorgeschlagenen Jurymitgliedern gewählt wurden Nathalie Bösiger, CEO Mediaxis-MPG in der Kategorie Media, Markus Ruf, Creative Director Ruf Lanz, in der Kategorie Direct und Philipp Skrabal, Executive Creative Director Wirz Werbung, in der Kategorie Promo & Activation.

Andreas Panzeri
 

TBS Identity gestaltet visuellen Auftritt für Zürcher Theater Spektakel 2011

Die Agentur TBS Identity hat den visuellen Auftritt für das Zürcher Theater Spektakel 2011 gestaltet. Die Grundidee des diesjährigen Auftritts sind Verschiebungen.

Durch Überblendungen von Tier- und Personenfotografien sind irritierende Bilder entstanden, die jeweils aus verschiedenen überlagerten Schichten bestehen und von jedem Betrachter anders wahrgenommen werden. Sie lassen Raum für individuelle Interpretationen und um eigene Geschichten darin zu lesen und zu sehen.

Die sechs verschiedenen Sujets wurden von TBS Identity zu Plakaten, Inseraten, Webbannern, einem E-Board für den Hauptbahnhof Zürich sowie als Titel von Programmzeitung und Pocket umgesetzt. Auch die von TBS Identity konzipierte Website Theaterspektakel.ch inszeniert das diesjährige Kampagnenmotiv.

Verantwortlich bei Zürcher Theater Spektakel: Sandro Lunin, Cornelia Howald, Werner Hegglin (Leitung), Esther Schmid (Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit). Verantwortlich bei TBS Identity: Michael Schädelin (Beratung), Daniel Leber (CD), Kathrin Treml (AD/Screendesign, Design Programmzeitung), Matthias Schnüriger (Webprogrammierung), Nadia Ermert (Polygrafie), Marlen Gassler (Projektmanagement).
 

Der Motz vom Butz: Zum Ende des 1. Motz Semesters – die Rekapitulation

Was habt Ihr daraus gelernt? Nichts. Täglich und überall begegne ich immer noch Werbung, die völlig unverständlich, dilettantisch ist und meilenweit am Konsumenten vorbeigeht.

Anscheinend wird diese Kolumne zwar gelesen, aber genützt hat sie anscheinend noch nichts. Ich habe mich deshalb entschieden, ab August weiter zu motzen. Wir rekapitulieren. Im Motz vom 14. Januar ging es darum, dass Orange mir verschiedene Botschaften zu übermitteln versuchte. Also, es braucht nur eine Botschaft, und die muss im Gedächtnis hängen bleiben. Im Motz vom 4. Februar erklärte ich anhand der AXA-Kampagne, da, wo die Menschen einen roten Strich überspringen müssen, dass gegenüber früher durch die Computer-Technologie viel mehr Möglichkeiten und Zeit für bessere Werbeideen vorhanden wären. Ich stelle meistens leider nur das Gegenteil fest.

Am 18. Februar habe ich vorgeschlagen, sich auf YouTube unter «witzige Autowerbung» inspirieren zu lassen. Was stelle ich fest: BMW wirbt immer noch mit 200% BMW. Diese Rechnung habe ich trotzdem immer noch nicht begriffen. Also meilenweit am Konsumenten vorbei. Soll jetzt aus Freude am Fahren Freude am Sparen werden? Kein M besser vom 4. März hat dem Geri Aebi nicht so wie sonst gefallen. Die Nanos sind ja ganz witzig gemacht. Nur den Trick, die Kinder vor den Verkaufswagen zu spannen, finde ich nach wie vor unethisch.

Herr Steven Jobs hat meinen Motz vom 18. März immer noch nicht gelesen, denn der Flash Player funktioniert auf dem iPad bis heute nicht. Und aussergewöhnliche Websites sind nach wie vor Raritäten. Die Kolumne vom 1. April war leider kein Scherz. Ständig buttert man mir immer noch abscheuliche Reklame in den Briefkasten.

Auf der untersten Stufe der Werbeskala steht die Werbung für Politiker. Bald kommt die Zeit, da dieser ganze Kopfsalat wieder von vorne beginnt. Bitte lest nochmals meinen Motz vom 15. April.

Dass niemand beim Wettbewerb vom 29. April herausgefunden hat, welche Werbung zu welcher Automarke gehört, beweist meine Einheitsbreitheorie.

Neuer Werbeleiter, neue Agentur und selbstverständlich eine neue Werbeidee. Meistens wirds schlechter. Nebst einem guten Konzept, einer kreativen Unsetzung braucht es die Kontinuität. Zu lesen im Motz vom 13. Mai.

In der Kolumne vom 27. Mai «Ideen und seelenlose Aktionitis» hätte man sich überzeugen können, dass das Markenimage und die psychologische Präferenz für ein Produkt vor dem Preiskracherangebot kommt.

Liebe Kunden, hört auf, am falschen Ort zu sparen, indem Ihr die Kreation selber wurstelt, wenn ihr schon viel Geld für die Werbefläche ausgebt. Lasst doch die Message von den Profis generieren. Nachzulesen in der Werbewoche vom 10. Juni. In der letzten Ausgabe vom 24. Juni kann man lernen, dass eine Doppelseite noch keinen Erfolg garantiert. Da müsste dann schon mehr Pfeffer drin sein als dieses Sunrise-Gesäusel.

Also, meine Lektionen gehen weiter, ab dem 12. August. Ihr habt jetzt vier Wochen Zeit, alles nochmals zu rekapitulieren. Mein Aufsteller diese Woche: 30 Tage keinen Motz zu produzieren. Schöne Ferien.

Theophil Butz, einst Starwerber (Zitat Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

Corporate Publishing

Lesen Sie zum Thema Corporate Publishing: «Haltung profiliert. Maximal.» von Gregor Herbst, «Innovatives digitales Storytelling von Siemens» von Viviane Egli sowie «Alfredo Trasatti wird neuer CEO bei Infel».

Publicitas baut Markt- und Medienforschung aus

Publicitas stärkt den Bereich Market & Media Research und schafft per 1. September 2011 die neue Funktion eines Gesamtverantwortlichen Market & Media Research. Für die Besetzung der neuen Stelle konnte Mirko Marr gewonnen werden.

Man reagiere damit einerseits auf den wachsenden internen und externen Beratungsbedarf für den Umgang mit bestehenden Mediendaten und gewährleiste andererseits die Koordination und Umsetzung der hauseigenen Forschungsaktivitäten. Dies schreibt Publicitas in einem Communiqué vom Donnerstag. Mirko Marr wird per 1. September die Funktion Manager Market & Media Research bei Publicitas antreten und direkt beim Head of Marketing, Othmar Fischlin, angegliedert sein.

In dieser Funktion wird Marr die Interessen von Publicitas in relevanten Gremien vertreten. Er soll die Verkaufseinheiten des Mediendienstleisters bei der Beschaffung von verkaufsrelevanten Forschungsdaten unterstützen und beraten sowie kundenbezogene Research Projekte umsetzen. Dazu gehört beispielsweise einen vom Markt geforderten Nachweis der Wirkung und Effizienz verschiedener Kommunikationsmassnahmen.

Mirko Marr verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in der akademischen und angewandten Medienforschung und ist ein ausgewiesener Experte für Fragen der Medienverbreitung, Mediennutzung und Medienwirkung, so Publicitas in der Mitteilung. Zuletzt war Marr (seit 2008) als Leiter Methodenentwicklung bei der Mediapulse in Bern tätig.
 

Die Ästhetik des Papiers

Die Designlounge von Antalis soll zur festen Institution werden.

Eine Werbeidee findet ihre Resonanz. Ende Juni fand zum zweiten Mal die Designlounge von Antalis statt. Rund 70 geladene Gäste aus den Bereichen Grafik, Werbung und Marketing nutzten den Branchenanlass in der Stanzerei in Baden für das Networking und zum Entdecken neuer Ideen. Spannende Impulse gab das Fachreferat von Siebdruckmeister Lorenz Boegli zum Thema «Papier Ästhet». Hier konnten Interessierte sehen, dass man mit Kreativpapieren gerade im Bereich Werbung ungeahnte Möglichkeiten hat und der Siebdruck noch lange nicht ausgedient hat. Das mit viel Passion für das Handwerk aufgezeigte breite Spektrum an möglichen Effekten dürfte bei den Fachleuten kreative Prozesse ausgelöst oder zumindest angestossen haben. Ebenfalls für Aufsehen sorgte der Auftritt des Improtheaters Die Mauerbrecher mit dem Stück «Poesie der Lücke».

Nach dem positiven Feedback der Besucher ist Antalis bereits an der Planung der dritten Designlounge – diesmal in der Westschweiz, wie Janine Baumeler, Leiterin Product Management bei Antalis, erklärt. Antalis ist der führende europäische Papier- und Verpackungsmaterialhändler. 6900 Angestellte betreuen insgesamt 230'000 Druckereien und Geschäftskunden in 51 Ländern. An den beiden Schweizer Standorten Lupfig und Meyrin sind über 300 Mitarbeitende tätig. pan

designlounge

Komet zelebriert für Haarstyle Coiff Your Success

Im Frühjahr rief der Berner Haarstylist Coiff your Success zum Modelcasting für die neue Kampagne unter dem Motto «Better together». Ein zentrales Element der Kampagne ist ein eigenes Magazin, gestaltet von der Agentur Komet.

Das Magazin soll als kleines Lifestyle Showcase Einblicke in die Welt von Coiff your Success bieten. Mit Fotografien von Dan Cermak, Joëlle Lehmann, Luca Christen und Tabea Reusser, ist das Druckwerk ab sofort erhältlich.

Verantwortlich bei Coiff your Success: Pino Zinna (Inhaber). Verantwortlich bei Komet: Thom Pfister (CD), Kasper Kobel (AD), Tamara Janes, Natalia Funariu (Grafik), Antonia Bekiaris (Text), Simon Schatzmann (Leiter Beratung), Emma Isolini (Beratung). Fotografie: Dan Cermak, Luca Christen, Joëlle Lehmann, Tabea Reusser.
 

Ticketcorner

Von Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Media Management HWZ.

Immer wieder kommen grossartige, internationale Künstler in die Schweiz. Tickets der meisten Acts sind exklusiv über Ticketcorner.ch zu kaufen. Und das war eigentlich auch immer ok. In jüngster Zeit steht hier die Kirche aber nicht mehr im Dorf. Wieso? Am 12. Dezember 2011 spielte die deutsche Rockband Rammstein im Zürcher Hallenstadion. Tickets konnte man übers Internet ergattern, in Callcentern oder über die 1450 Vorverkaufsstellen. Theoretisch. Denn wie so oft in letzter Zeit waren an den offiziellen Verkaufsstellen von Ticketcorner die Karten immer innert Minutenfrist ausverkauft – um wenig später zu teils massiv überhöhten Preisen im Internet wieder aufzutauchen. Gemäss den Infos auf 20Minuten.ch liegt das an einer Handvoll Ticket- Dealers, die den Markt aushebeln. Mag sein. Das interessiert die Fans wenig, die fühlen sich betrogen. Wie es sich für ein modernes Unternehmen gehört, fordert auch Ticketcorner die Kunden auf: «Folgen Sie Ticketcorner bei Facebook und Twitter.» Da liegt es auf der Hand, dass sie das tun und natürlich diese Plattformen auch nutzen, um mit Ticketcorner in Kontakt zu treten. Besonders dann – wen überrascht es –, wenn sie enttäuscht sind. Und das sind sie jetzt offenbar.
 
Auf Facebook findet man auf der Seite, auf der Rammstein angekündigt wird, hunderte von Beschwerdekommentaren (http://on.fb.me/j9uO5A), welche die Ticketverkäufe betreffen. Fans, die sich um acht Uhr morgens sofort bei Vorverkaufsbeginn bei den Verkaufsstellen angestellt haben, gingen leer aus. Members, die trotz Memberbeitrag nicht profitieren konnten, usw…. Fans, die vor den Kopf gestossen wurden, verlangen eine öffentliche Stellungnahme von Ticketcorner. Und was bekommen sie? Einen unpersönlichen Post, der identisch auf allen Seiten erscheint, auf dem Beschwerde eingereicht wurde. «Vielen Dank für die vielen Feedbacks… Aufgrund grosser Anfrage konnten nur wenige VIP und Member profitieren…» Immer das Gleiche. Schaut man auf Twitter, ist die Situation übrigens nicht minder desolat. Auch hier finden sich nur standardisierte Ansagen. Von Dialog keine Spur.
 
Es geht mir an dieser Stelle nicht darum, ob Schwarzmarkt gut oder schlecht ist. Auch will ich Ticketcorner keinesfalls unterstellen, sie hätten was damit zu tun. Aber was wir hier sehen, ist ein klarer Social-Media-Kommunikations-Faux Pas. Offenbar kennt niemand bei Ticketcorner den – mittlerweile schon legendären – TelDaFax Case (http://on.fb.me/mcObhg). Würden sie es tun, dann hätten sie daraus gelernt. Wenn man sich auf Social Media engagieren will, muss man bereit sein, einen Dialog zu führen. 180 Kommentare (bei 1415 Fans eine beeindruckende Zahl) schreien nach einer persönlichen Antwort, sie schreien danach, dass man sie ernst nimmt. Die Copy&Paste Posts als Antwort gehören nicht dazu. Im Gegenteil. Sie machen alles noch viel schlimmer. Denn wenn Social Media uns etwas lehrt, ist es, dass – wie es Thomas Knüwer sagt – «zum ersten Mal der Kunde tatsächlich irgendwie so etwas wie der König ist».

Top der Woche: SF Marktanteil steigt

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 erreichen die TV-Kanäle von SRF (SF 1, SF zwei, SF info) gemäss Mitteilung im Ganztagesschnitt einen Marktanteil von 30,7 Prozent.

Betrachtet man die einzelnen Kanäle separat, ergibt sich für SF 1 mit einem Marktanteil von 21,0 Prozent im Vergleich zum Halbjahresschnitt 2010 eine Zunahme von 0,8 Prozentpunkten. Auf Grund fehlender Sport-Grossereignisse verliert SF zwei im Vergleich zum Vorjahreswert 3,9 Prozentpunkte (Januar bis Juni 2011: 8,0 % Marktanteil). 2010 hatte SF zwei stark von den Olympischen Winterspielen in Vancouver sowie von der Fussball-WM in Südafrika profitiert. SF info legt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 0,1 Prozentpunkte zu (1,8 % Marktanteil). Zulegen konnten auf SF 1 insbesondere die Informationssendungen. So steigerte sich etwa die Hauptausgabe der «Tagesschau » im ersten Halbjahr 2011 auf einen Marktanteil von 50,8 Prozent (plus 1,6 Prozentpunkte gegenüber dem ersten Halbjahr 2010). «10vor10» erreichte ein Plus von 2,7 Prozentpunkten (Januar bis Juni 2011: 35,1 % Marktanteil), und «Eco» verbuchte eine Zunahme von 3,4 Prozentpunkten (21,7 %).

Der Panda im medialen Fadenkreuz

Grosse Nichtregierungsorganisationen (NGO) gewinnen an Einfluss, werden dadurch aber auch angreif- und verletzbarer. Besonders wenn sie mit Konzernen kooperieren. Das hat der WWF dieser Tage schmerzhaft zu spüren bekommen. Drei Aspekte eines exemplarischen Skandals. Gastkommentar von Oliver Classen, Pressesprecher der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern, zuvor Medienredaktor.

Die Bombe platzte am 22. Juni. Und zwar trotz mitternächtlicher Stunde vor einem Millionenpublikum. Denn gezündet wurde sie in der ARD, wo man bekanntlich immer – und auch hierzulande – in der ersten Reihe sitzt. Zusammengetragen hat den explosiven Stoff ein renommierter Dokumentarfilmer im Auftrag des für investigativen TV-Journalismus bekannten WDR. Seitdem erhitzt «Der Pakt mit dem Panda» die Gemüter, sorgt für Aufruhr im Internet und spaltet auch die NGO-Gemeinde. Kernkritik der aufwändig recherchierten Reportage: Die Diskrepanz zwischen den offiziellen Botschaften des WWF an seine Spender (z. B. wir sind gegen Gentechnik) und gegenteiligen Praktiken (inklusive entsprechenden Äusserungen führender WWF-Manager, z. B. vom USA-Vizechef Jason Clay) untergraben die Glaubwürdigkeit der mit einem Jahresbudget von 500 Millionen Euro grössten Umweltschutzorganisation der Welt. Und ohne Glaubwürdigkeit ist in diesem Business alles nichts.

Macht braucht Kritik – auch bei NGO

Unabhängig vom Ausgang der auf Twitter, Facebook, WWF-Websites, aber auch in deutschen Mainstream- Medien tobenden Debatte, ob der «Ökomulti» (Der Spiegel) etwa den Anbau von genmanipulierten Sojapflanzen in Südamerika tatsächlich unterstützt, zeigt dieser – tatsächliche oder vermeintliche – Sündenfall drei für die Medien- und NGO-Welt gleichermassen wichtige Dinge:

1. Mit Unternehmenspartnerschaften gehen heutzutage immer auch eigene Reputationsrisiken einher, besonders wenn diesen Partnern ein zweifelhafter Ruf vorauseilt (wie beim WWF-Exempel Monsanto).
2. Je grösser eine Organisation, desto mehr Angriffsfläche bietet sie, desto grösser ist aber auch die Notwendigkeit einer externen Kontrolle ihrer Aktivitäten und einer professionellen internen Krisenkommunikation.
3. Die seit jeher ambivalente Beziehung zwischen der vierten (Medien) und fünften (NGO) Gewalt im Staate als «komplementäre Konkurrenten» spitzt sich weiter zu.

Zu Punkt 1: Die Grenze zwischen reiner Nachhaltigkeits- PR respektive blossem «Greenwashing» und realen Fortschritten im Konzernverhalten durch zivilgesellschaftlichen Druck lässt sich selbst für Fachleute immer schwieriger ziehen. Wer sich allerdings auf Wirtschaftsallianzen einlässt, weil er im Dialog den grösseren Hebel für Veränderungen sieht als in der Konfrontation, braucht vertrauenswürdige Partner, sonst leidet das Vertrauen der eigenen Gefolgschaft.

Deutscher PR-Gau ohne Schweizer Medienecho

Zu Punkt 2: Die deutsche Sektion des WWF beging unter medialem Druck genau jene kommunikativen Kardinalfehler, die sonst Konzerne machen, welche ins Fadenkreuz von NGO geraten: mehr Behinderung als Unterstützung der Recherche und eine – zumindest für Social-Media-Verhältnisse – zu späte, ungenaue, unkoordinierte Reaktion. Dass Top-Repräsentanten eines zivilgesellschaftlichen Global Player in für die Organisations-DNA entscheidenden Fragen wie Gentechnik öffentlich gegenteilige Meinungen vertreten, ist desaströs und schlicht inakzeptabel.

Zu Punkt 3: Dass Macht unabhängige Kontrolle braucht, gilt natürlich auch für politische Akteure jenseits von Parteien, Verwaltung und Verbänden. Medien sollen und müssen ihre Wächterrolle gegenüber den NGO ebenso wahrnehmen wie in anderen Bereichen. Dass sie mangels eigener Kenntnisse oder Ressourcen im journalistischen Alltag stärker denn je auf deren Felderfahrung und Recherchekapazitäten zurückgreifen, darf nicht zu Beisshemmungen führen. Denn auch damit diese (von Haus aus kritischen und konstruktiven) Kühe auf der Weide bleiben, brauchts mediale Stromstösse im Zaun.

PS: Hierzulande wurde dieser PR-Gau von Presse, Funk und Fernsehen bislang ignoriert. Vielleicht war nach den kürzlichen Jubelberichten zum 50. Geburtstag des Pandas das «WWF-Kontingent» auf einzelnen Redaktionen schon ausgeschöpft. Einzig der wache Christof Moser berichtete in der Aargauer Zeitung vom «Twitter-Gewitter», das auch über der Schweizer Sektion niedergegangenen ist. Danke dafür.
 

EMS 2011: CNN weiterhin führende werbefinanzierte Nachrichtenmarke

CNN International ist in Europa nach wie vor die führende werbefinanzierte Nachrichtenmarke in der kombinierten Nutzung von TV-, Online- und Mobile-Angeboten – sowohl im EMS 20 als auch im EMS Select 20 Panel. Dies bestätigt die jüngste EMS Studie von Synovate (European Media and Marketing Survey).

Die neuen Daten knüpfen an die Ergebnisse der im März 2011 veröffentlichen EMS Emea Studie an. CNN International weist unter allen internationalen Nachrichtenmarken die größte Reichweite in der kombinierten monatlichen Nutzung von TV, Online und Mobile auf. CNN belegt diese Spitzenposition in der kombinierten Reichweite sowohl im EMS und als auch im EMS Select Panel: Geschäftsreisende, Entscheidungsträger, Spitzenverdiener und Meinungsführer.

Der internationale Nachrichtensender erreicht  mit 56.4 Prozent mehr als die Hälfte des Panels von EMS Select. Diese Gruppe repräsentiert die Top 3 Prozent der Spitzenverdiener, Vielflieger und Manager. CNN International liegt damit vor BBC World News mit 52.9 Prozent. Auch innerhalb des gesamten EMS-Panels (Top 13 Prozent) erzielt CNN International in der kombinierten Nutzung von TV-, Online- und Mobile-Angeboten mit 40.0 Prozent die höchste Reichweite unter den Wettbewerbern. Damit liegt CNN International noch vor BBC World News (37.7 Prozent) und Sky News (31.9 Prozent).

Die Studienergebnisse zeigen ausserdem, dass Nutzer der Marke CNN eine höhere Affinität zu Social Media aufweisen als der durchschnittliche europäische Spitzenverdiener: 54 Prozent nutzen wöchentlich Webseiten wie Facebook, LinkedIn oder Twitter.
 

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