Communications Controlling in Zeiten von Social Media
Als die HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich vor vier Jahren die erste schweizerische Fachtagung Communications Controlling durchführte, war von einem bestimmenden Einfluss von Social Media noch wenig zu spüren.
Schon damals aber waren Online-Technologien und Klicks ein wichtiges Thema – das Tracking ist ja schliesslich eine der immanenten Stärken computerbasierter Medien. Seither und insbesondere in jüngster Zeit haben Web-2.0-Kanäle rasant die Medienwelt und damit auch die Beziehungsgestaltung von Organisationen mit ihren Kunden, Mitarbeitern, Eignern und den weiteren Stakeholdern verändert. Die diesjährige vierte Fachtagung Communications Controlling vom 30. Juni zog ein Zwischenfazit. Dabei thematisieren die Beiträge jedoch nicht nur Online-Controlling und konzeptionelle Fragen, sondern auch – in bewährter Manier – führende Lösungsansätze aus verschiedenen anderen Bereichen der Unternehmenskommunikation. Und es zeigte sich, die Beispiele konkreten Communications Controllings mehren sich auch in der Schweiz.
Soziale Medien verändern das Communications Controlling
Mit Philip Sheldrake aus London, Inhaber der Agentur Meanwhile und Fachautor, startete die Tagung. Er gab den Gesamtüberblick über die internationalen Bestrebungen, das Communications Controllings auf die neuen Möglichkeiten der Social Media auszurichten. Sheldrake ist gleichzeitig Chairman der Social Media Measurement Group des Chartered Institute of Public Relations (CIPR) London, und er referierte erstmals die «Barcelona-Grundsätze der ‹International Association for the Measurement and Evaluation of Communication›». Es ist bezeichnend, dass darin als erstes Prinzip festgehalten wird, sich Kommunikationsziele zu setzen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint; doch Praktiker wissen, wie viele Unternehmen schon hier scheitern. Und auch wenn es online viel einfacher und kostengünstiger wird, Basismaterial für auswerten- de Analysen zu erhalten. Ohne zu wissen, was man messen will, «misst man Mist». Im Anschluss referierte Michael Rottmann, Senior Consultant bei Namics, über das Spannungsfeld zwischen «Owned, Paid and Earned Media». «Niemand hat eine Generallösung bereit», erklärte er mit Hinweis auf die rasante Entwicklung der Sozialen Medien in jüngster Zeit. Das Nutzungsverhalten der Generationen unterscheide sich gewaltig; in zwei Jahren werde die mobile Internetnutzung die statische überholen. «Facebook wird zum Einstieg ins Internet», sagte Rottmann – und dies gelte auch für die über 40-Jährigen. Er zeigte am Beispiel der Like-Bottoms für Levis-Hosen oder seiner eigenen Reklamation über Twitter, dass nutzergenerierte Inhalte zunehmen und ein Unternehmer selbst nicht mehr die einzige Quelle für Brand Management bildet. Bereits heute führen 25 Prozent der Suchergebnisse zu den 20 weltweit grössten Marken zu solchen Inhalten. Die Interaktionen verändern sich jedoch grundlegend, sodass für die Messung eigene Werkzeuge nötig sind: PostRank, Klout, Omniture von Adobe, Sysomos, Hootsuite oder Google Analytics.
Wer mehr wissen will über die «neue Liebesgeschichte » von Communication Controlling und Social Media, findet weiteres Material von Michael Rottmann auf www.namics.com Unterbrochen wurden die Hauptreferate durch die so genannten Breakout Sessions, in denen sehr praktische Aspekte behandelt wurden. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich in Gruppen von zwanzig Personen mit ausgewählten konkreten Beispielen des Communications Controllings zu beschäftigen. Christoph Glauser von ArgYou zeigte, warum die meisten Inhalte im Internet gar nie gesucht werden. Mit der Wirkungsmessung von Sponsoring- Massnahmen befasste sich Harry Graf, Kommunikationschef der EWZ. Mit überschaubaren, an die Wand geklebten Postern erläuterte er, wie er ganz praktisch zu Entscheidungsgrundlagen – und auch Rechtfertigungsgründen für seine politischen Auftraggeber – gelangt. Matthias Meyer, Kommunikationsleiter Google Schweiz, stellte die zahlreichen kostenlosen Möglichkeiten vor, welche Google für das Kommunikations-Controlling bietet, nicht ohne davor noch einen Werbeblock für Google+ eingeschaltet zu haben.
Zum Abschluss präsentierte Marc Rauch, Leiter externe und interne Kommunikation der Flughafen Zürich AG, sehr anschaulich das eigens entwickelte und 2010 erfolgreich eingeführte Kontrollsystem. Notabene eine Lösung, für die kein Budget zur Verfügung stand. Die Auswertung erfolgt mithilfe einer eigens entwickelten Excel-Lösung auf der Basis von Clippings, die Argus zur Verfügung stellt. Aus Kostengründen konzentriert sich der Flughafen auf die Messung unternehmensrelevanter Themen in Schweizer Tageszeitungen. «Wir stellen aber fest, dass dies genügt», meint Marc Rauch, «denn das Fernsehen stützt sich in der Regel auf die Berichterstattung der Kollegen im Print.» Andreas Jäggi
Präsentieren Sie Ihr Communications Controlling!
Die nächste Schweizerische Fachtagung Communications Controlling ist am 21. Juni 2012 geplant und wird wiederum an der HWZ durchgeführt. Auch dann sollen praktische Beispiele
aus Schweizer Unternehmen und Agenturen gezeigt werden.
Wer die Gelegenheit nutzen will, seine Erfahrungen an der Konferenz zu präsentieren, kontaktiert fabiola.thomann@
fh-hwz.ch.

