Der PR-Begriff hat europaweit ein Imageproblem, während sich Corporate Communications als neuer Branchenbegriff etabliert. Als grösste strategische Herausforderung gilt nach wie vor Social Media. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe des European Communication Monitor, so Grayling in einer Mitteilung. Der European Communication Monitor zeige, dass die Mehrzahl der Kommunikationsprofis Verantwortung für ein ausgesprochen breites operatives, themenbezogenes und strategisches Spektrum trage – und zumeist direkten Zugang zur Top Management-Ebene der Unternehmen habe.
Grayling ist offizieller Partner und Förderer der weltweiten Studie im Bereich Public Relations und Kommunikationsmanagement, an der insgesamt 2’209 PR-Berater auf Senior-Ebene aus 43 Ländern teilgenommen haben. Die jährliche Erhebung wird von Professoren an Universitäten in elf Ländern unter der Leitung von Ansgar Zerfass durchgeführt. Unterstützt wird die Forschungsgruppe dabei von Grayling, der weltweiten tätigen Public Relations-Agentur. «Kommunikation und PR werden für den Erfolg von Unternehmen immer bedeutender», begründet Hanning Kempe, CEO Grayling Deutschland und Schweiz, das Engagement. Der European Communication Monitor sei dabei ein wesentliches Barometer der gesamten Industrie.
Zentrale Ergebnisse aus der diesjährigen Studie
Der Einfluss der PR nimmt gemäss Studie zu. In drei von vier Unternehmen nimmt die Führungsebene die Kommunikationsberatung sehr ernst und bezieht sie in ihre strategische Planung aktiv mit ein. Viele Kommunikationsverantwortliche haben einen direkten Kontakt zum Top-Management: 18 Prozent sind selbst Mitglieder des Boards, 60 Prozent berichten direkt an den CEO. Jedoch wirke sich diese hierarchische Position gemäss Studie nicht notwendigerweise auf andere Bereiche im Unternehmen aus. Die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Abteilungen für interne Strategie sei eher schwach ausgeprägt. Zudem glaube mit 48 Prozent der Befragten nur eine Minderheit, dass die PR-Abteilung finanziell messbaren oder auch immateriellen Zugewinn für das Unternehmen generiere.
Dennoch habe die PR inzwischen ein Aufgabengebiet, das weit über die klassische Medienarbeit hinausgehe. In acht von zehn Organisationen kommuniziert die PR-Abteilung mit einem breiten Spektrum an Stakeholdern, darunter auch Verbraucher, Mitarbeiter, Investoren und Politiker.
Die strategische Herausforderungen sind aktuell gemäss Studie: Digitalisierung, Businessorientierung, Sustainability & CSR, Transparenz und Vertrauen. Künftig werde die PR-Arbeit hauptsächlich von folgenden Themenfeldern dominiert: An erster Stelle stehe weiterhin die gezielte und systematische Nutzung von Online und Social Media (55 Prozent Zustimmung). Danach folge die unmittelbare strategische Verbindung von Kommunikationsarbeit mit den Unternehmenszielen (44 Prozent Zustimmung). Sustainability & CSR, Transparenz und Dialogorientierung sowie der Aufbau und die Sicherung von Vertrauen sind weitere Schwerpunkte.
Corporate Communications bleibe die wichtigste PR-Disziplin in den Unternehmen, noch vor dem Marketing und der Verbraucherkommunikation. Im Hinblick auf die genutzten Kommunikationskanäle gewinne Online im Media Mix zunehmend an Bedeutung. Jedoch zeige die Erfahrung, dass ausgerechnet die Kommunikationsprofis dazu neigen, die Entwicklung bei PR-Disziplinen und vor allem beim Online-Kanal zu überschätzen.
Social Media seien auf dem Vormarsch, heisst es in der Studie. Die entsprechenden Management- und Governance-Strukturen hingegen halten mit der Entwicklung nicht Schritt. In nur vier von zehn Kommunikationsabteilungen gibt es Social Media Guidelines, und nur jedes dritte Unternehmen verfügt über Instrumente zum Monitoring des Social Web. Darüber hinaus weist auch das Know-how vieler Betroffener über die Initiierung webbasierter Dialogmassnahmen sowie die Kenntnis der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Social Media erhebliche Optimierungspotenziale auf.
Die fünf Qualifikationen, die künftig am wichtigsten sein werden, sind nach Einschätzung der Studienteilnehmer die Verbindung von traditionellen und neuen Medien (83 Prozent Zustimmung), das Relationship Building (82 Prozent Zustimmung) und der Umgang mit Kommunikationstechnologien (80 Prozent Zustimmung), gefolgt von praxisorientierten Fähigkeiten wie öffentliches Sprechen und Präsentieren (79 Prozent Zustimmung) sowie Coaching (75 Prozent Zustimmung). Ein direkter Abgleich mit den zurzeit tatsächlich angebotenen Trainingsprogrammen für PR-Verantwortliche zeigt indes eine grosse Lücke zwischen dem faktischen Bedarf und dem Ist-Zustand.
Immerhin 42 Prozent der Studienteilnehmer glauben, dass die Bezeichnung PR beziehungsweise Public Relations ein Negativimage hat. Die Gründe dafür vermutet etwa die Hälfte der Befragten auch und vor allem in der Berichterstattung der Massenmedien. Als Konsequenz daraus würden viele Studienteilnehmer die Verwendung anderer Termini wie ‹Corporate Communications› (68 Prozent Zustimmung), ‹Strategische Kommunikation› (61 Prozent Zustimmung) oder ‹Communication Management› (56 Prozent Zustimmung) begrüssen.
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