Mit Social Media zum neuen Job?

Die Suche nach einer neuen Stelle oder einem neuen Mitarbeiter kostet viel Zeit und oft auch Nerven. Personalberatungen wie Designerdock unterstützen Arbeitnehmer und Arbeitgeber dabei, in den richtigen Konstellationen zueinanderzufinden. Die Werbewoche fragte die drei Beraterinnen der Zürcher Designerdock-Filiale, Beate Reuther, Maya Schneeberger und Marion Willim, welche Rolle Social Media im Bewerbungsprozess spielen und wie sich die Bewerber- und Stellensuche in Zukunft verändern wird.

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WW: Designerdock hat im Februar eine Umfrage zur Bedeutung von Social Media bei der Stellensuche gemacht. Wie wichtig sind Twitter, Facebook, Xing und andere Soziale Netzwerke bei der Suche nach einem neuen Job?
Beate Reuther: Obwohl Social-Media-Plattformen ständig an Bedeutung gewinnen, sind Social Media bei der Jobsuche im Vergleich zu den klassischen Quellen noch nicht wirklich relevant und liegen im hinteren Mittelfeld. Demgegenüber hat das persönliche Netzwerk bei der Suche nach interessanten Stellen an Bedeutung gewonnen und steht bei den Befragten zum ersten Mal an erster Stelle. Auf dem zweiten Platz liegen die bekannten Online-Portale, dicht gefolgt von den Websites der Agenturen und Unternehmen. Das bedeutet aus unserer Sicht, dass Social Media zurzeit noch vorwiegend privat genutzt werden, nämlich zur digitalen Vernetzung und als Multiplikator für den Ausbau des persönlichen Netzwerks. Für das Employer Branding werden Social Media dagegen immer wichtiger. Unternehmen, die sich auf Xing, Twitter oder Facebook präsentieren, geben interessierten Kandidaten die Möglichkeit, schon einmal ein wenig in die Firma hineinzuschauen. Das kann ihnen bei sehr gesuchten Kandidaten entscheidende Vorteile verschaffen.

Wie setzt Designerdock selbst Social Media ein?
Reuther: Wir sind in Facebook, Twitter und Xing aktiv und setzen RSS-Feeds ein. Auf diesen Kanälen posten wir für unsere Kunden und Kandidaten relevante Informationen wie Branchennachrichten, Stellenanzeigen, Tipps und Tricks zur Stellensuche etc. Ausserdem haben wir einen Newsletter, der regelmässig an Abonnenten verschickt wird.
Marion Willim: Was in Sachen Employer Branding in den Social Media passiert, ist höchst spannend. Es gibt bei Xing sogar Gruppen von ehemaligen Mitarbeitern bestimmter Agenturen. So etwas beobachten wir natürlich. Denn wir beraten unsere Kunden ja auch und geben ihnen zuweilen Tipps, wie sie sich besser nach aussen präsentieren können. Denn wenn Bewerber nicht zu einem Arbeitgeber wollen, kann das zum Beispiel daran liegen, dass eine Gruppe Ehemaliger im Netz aktiv ist, die im übersichtlichen Schweizer Markt schnell eine bestimmte Sichtweise auf diesen Arbeitgeber etabliert und sich darüber austauscht, wie die Arbeitsbedingungen bei diesem Arbeitgeber sind, wie er mit älteren Mitarbeitern umgeht etc. Wir können unseren Kunden auf solche Entwicklungen aufmerksam machen und ihn für die Möglichkeiten sensibilisieren, die Social Media bieten. Viele Unternehmen denken zum Beispiel, um ausscheidende Mitarbeiter müsse man sich nicht mehr kümmern. Aber es ist ein ganz wichtiger Zeitpunkt, wenn jemand geht. Denn jeder scheidende Mitarbeiter ist ein Botschafter des Unternehmens, was sich gerade in den Social Media unglaublich negativ, aber auch unglaublich positiv bemerkbar machen kann. Wir sprechen also nicht mehr von Personalrecruiting, sondern von Personalmarketing.

Für welche Unternehmen lohnt es sich, ihre Marke mit Blick auf Bewerber durch Aktivitäten in den Social Media zu schärfen?
Reuther: Generell schätzen Bewerber eine hohe Transparenz von Unternehmensseite. Darum würde ich das grundsätzlich jedem Unternehmen empfehlen – aber nur, wenn es das Personal dafür hat. Denn Twitter, Facebook und Co. sind sehr zeitaufwändig.
Willim: Ich finde, Social Media gehören in den Marketingabteilungen heute einfach dazu, wenigstens in grossen Unternehmen. Und so, wie sich dort jemand zu einem gewissen Prozentsatz um Social Media kümmert, sollte das auch in der Personalabteilung der Fall sein. Natürlich ist es immer eine Frage: Wer macht das? Es muss jemand sein, der nah am Unternehmen ist, nah an der Geschäftsleitung oder an der PR-Abteilung. Es muss eine wache Person sein, die sieht, wo sich etwas tut, und die ihre Beobachtungen ins Unternehmen zurückspielt. Denn Unternehmen müssen Social Media nicht unbedingt proaktiv bearbeiten – aber sie müssen drin sein und schauen, was passiert.

Wie siehts denn mit direktem Recruiting über Social Media aus? Auf Xing zum Beispiel bekommt man nach jedem Log-in neue Stellenvorschläge …
Willim: Hat schon einmal einer davon auf Sie gepasst? Bei mir noch nie. Social Media sind zwar sicher ein neuer Kanal fürs Recruiting, aber man merkt, ob eine Maschine dahintersteckt oder ein Mensch. Denn das «wer passt zu wem?» kann einem eine Maschine nicht abnehmen. Für diese Entscheidung gibt es zum Beispiel Designerdock oder – ebenfalls viel relevanter als automatisierte Stellenofferten auf Twitter oder Xing – Anfragen an Bekannte in den Social Media. Eine Kollegin via Facebook zu fragen, ob in ihrer Agentur ein Job frei ist, das kann funktionieren.
Maya Schneeberger: Social Media dienen der Informationsverbreitung, darum werden natürlich auch offene Jobs oder Neuigkeiten über Unternehmen gepostet. Das machen wir auf unserer Website ja auch, und so kann der erste Kontakt zustandekommen. Aber der zweite Schritt, die Personalvermittlung und das Zusammenführen von zwei Parteien, die gut zueinander passen, das passiert immer noch im persönlichen Kontakt. Die menschliche Komponente wird im Bewerbungsprozess auch weiterhin die wichtigste Rolle spielen, denn im Endeffekt ist alles Chemie. Designerdock hat den Vorteil, dass wir sowohl verschiedene Unternehmen, als auch unterschiedliche Bewerber miteinander vergleichen und so einfacher die passende Kombination finden können.
Reuther: Es gibt ein paar Agenturen, die inzwischen mit Videos auf ihrer Website Bewerber suchen. Das scheint mir ein ganz vielversprechender Weg zu sein. Da tritt der Personalchef oder der zuständige Ansprechpartner vor die Kamera, stellt sich und die Agentur kurz vor und beschreibt, was für eine Person sie suchen. So bekommt der Bewerber schon einmal ein Gefühl dafür, ob er zur Agentur und zu den Leuten dort passen würde. Letztendlich kann Designerdock dem Bewerber aber noch viele weitere wichtige Details über den Arbeitgeber erzählen, die seine Entscheidung beeinflussen könnten, zum Beispiel, wie das Betriebsklima ist, ob im Grossraumbüro gearbeitet wird oder Einzelbüros zur Verfügung stehen etc.

Bestehen Unterschiede zwischen den Berufsfeldern? Gibt es Bewerbergruppen, die besonders Social-Media-affin sind und Social Media auch für die Stellensuche nutzen, während andere eher konventionelle Wege gehen?
Schneeberger: Im Bereich Design und Gestaltung gibt es da keine grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Tätigkeitsbereichen. Designer sind alle sehr Social-Media-affin und nutzen diesen Kanal auch für die Stellensuche.
Willim: Im Marketing und in der Werbung sieht es etwas anders aus. Manche sind sehr gut vernetzt und sehr aktiv in den Social Media, andere haben damit noch wenig am Hut. Das ist typenabhängig. Beispielsweise sind Personen, die sich in eigener Sache über Social Media gut verkaufen, meist auch gute, aktive Netzwerker. Das kann für mich ein Indiz sein, dass sich die Person gut für Verkauf, Akquise oder spezielle Aufgaben im Marketing eignet. Das hat übrigens überhaupt nichts mit dem Alter zu tun, auch ältere «Verkäufertypen» bewegen sich in den Social Media sehr sicher.

Kann man sich auf einem enger werdenden Arbeitsmarkt mit einer Social-Media-Bewerbung von Konkurrenten abheben – und empfiehlt sich ein solches Vorgehen?
Willim: Ich finde es toll, wenn mich ein Kandidat auf seine Website verweist und mir ein Passwort überreicht, mit dem ich in einen geschützten Bereich komme, in dem er mehr über sich erzählt. Das ist definitiv attraktiver, als nur ein Dossier abzugeben. Es gibt auch Kandidaten, die mir ihren Newsletter zuschicken. So bekomme ich einen Eindruck davon, wie die Person kommuniziert und ob sie etwas von der Materie versteht. Aber Achtung: Wer sich zu stark in Szene setzt, kann auch schnell einen verzweifelten Eindruck machen. Diese Gefahr besteht vor allem in der Schweiz, weil der Markt so klein ist und jeder alles mitbekommt. Ausserdem widerspricht eine allzu extrovertierte Selbstdarstellung der schweizerischen Mentalität. Nicht alles, was kreativ ist, ist angemessen. Mit einem «zu viel» kann man seinen Marktwert auch drücken. Das gilt genauso für Arbeitgeber: Wer zu dick aufträgt, verliert an Glaubwürdigkeit. Ich halte es da mit dem französischen Philosophen Blaise Pascal: «Willst Du, dass man Gutes von Dir sage, so sage es nicht selbst.»
Schneeberger: Wer sich im Designbereich bewirbt, muss Kreativität und Fachwissen nachweisen. Wenn ein Kandidat beispielsweise ein aktuelles Projekt präsentiert, ist es definitiv wichtig, dass er nicht nur seine Gestaltungsleistung aufzeigt, sondern auch belegt, dass er Twitter, Facebook und andere Soziale Medien in sein Konzept oder den Internetauftritt einbeziehen kann. Denn wir und unser Kunde wollen sehen, dass der Kandidat längst so weit denkt und weiss, wie man welchen Kanal einsetzen kann. Designer entwickeln ja neue Ideen oder schauen Bestehendes aus einem neuen Blickwinkel an. Und diese Fähigkeit kann man im Umgang mit Social Media wunderbar belegen.

Kann es sich ein hochkreativer Designer denn leisten, zu sagen: «Facebook ist ein Seich, das interessiert mich nicht!»?
Schneeberger: Das darf er schon sagen, aber uns interessiert dann natürlich, warum. Es ist ja auch immer die Frage, wie man diese Kanäle nutzt, ob privat, zur Lancierung von Produkten, als neue Werbeform, als Gestaltungsraum oder zur Selbst- oder Unternehmenspräsentation.
Reuther: Insbesondere bei Facebook muss man sehr aufpassen, wie man sich dort präsentiert. Facebook zu nutzen, ist gut – aber jeden Tag zu kommentieren, wie es der Katze geht, ist sicher nicht angesagt. Man muss einfach damit rechnen, dass der Auftritt irgendwann auch von zukünftigen Arbeitgebern angeschaut wird. Und das kann dann peinlich werden.

Klar, wenn Unternehmen von sich aus checken, ob die Leute, die sie einstellen wollen, einen Xing-, Facebook- oder Flickr-Account haben und wie es dort aussieht, kann es unangenehm werden. Aber deshalb kann man ja nicht alle seine Accounts löschen, bevor man sich irgendwo bewirbt. Oder doch?
Reuther: Grundsätzlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass alles, was im Netz ist, öffentlich ist. Es macht nichts, wenn der Bewerber gerne auf Partys geht und man das auch auf ein paar Bildern sieht – wenn es zur ausgeschriebenen Funktion passt, zum Beispiel wenn eine sehr kommunikative Persönlichkeit gesucht wird. Dennoch ist es im Zweifel besser, das eine oder andere Bild oder Einträge zu löschen. Man kann natürlich auch mehrere Accounts anlegen und den einen privat, den anderen geschäftlich nutzen. Aber man muss einfach damit rechnen, dass im Netz alles gefunden werden kann.
Willim: Wichtig ist, dass man zu dem steht, was man tut. So, wie man früher in kleinen Dörfern alles übereinander wusste, weiss man heute im globalen Dorf auch sehr viel voneinander – oder vielmehr: Leute meinen, anhand von Bildern und Äusserungen viel übereinander zu wissen, ohne einander wirklich zu kennen. Da kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Verheerend. Man sollte darum nur das von sich preisgeben, was einem nicht irgendwann peinlich werden könnte und was nicht falsch verstanden werden kann. Im Zweifel ist Zurückhaltung besser.
Schneeberger: Übrigens gibt es auch bei uns in der Personalberatung den Fall, dass wir bei einem Kandidaten nicht ganz sicher sind, wie wir ihn einschätzen sollen, dass der Bauch meldet, dass irgendwas nicht stimmt. Dann kann es sein, dass wir im Internet, auf Xing, Facebook oder Twitter weiter recherchieren. Dann stellt sich schnell heraus, ob die Person vielleicht nicht ganz authentisch war, mehr vorgegeben hat zu sein, als sie ist – oder vielleicht auch etwas nicht erwähnt hat, was für die ausgeschriebene Position interessant sein könnte. Grundsätzlich gehen wir aber erst einmal mit Vertrauen auf unsere Kandidaten zu und erwarten diese Offenheit und Ehrlichkeit auch von ihnen. Und natürlich ist Vertraulichkeit für unser Geschäft sehr wichtig: Ich kann nicht einen Kandidaten auf Facebook anfrienden, denn das ist dann für alle Welt sichtbar.

Können es sich Unternehmen, die qualifiziertes, hochspezialisiertes Personal suchen, leisten, auf Social Media als Recruitingkanal zu verzichten?
Willim: Über welchen Kanal rekrutiert wird, ist nicht so entscheidend. Eher ist angesagt, Bewerbern gegenüber offener zu werden, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht hundertprozentig ins Profil passen. Das gilt insbesondere in angespannten Stellenmärkten. Gerade bei standardisierten Online-Bewerbungen fallen viele Bewerber, die eigentlich gut für eine Stelle qualifiziert wären und vielleicht noch spannende Zusatzkompetenzen mitbringen, sofort durchs Raster, weil ihnen beispielsweise ein bestimmter Abschluss fehlt oder sie ein Jahr jünger oder älter sind als vorgegeben. Designerdock schaut jeden Bewerber einzeln an. Deshalb finden wir oft Kandidaten, die perfekt auf eine Stelle passen und ihre Tätigkeit zusätzlich durch weitere Skills bereichern. Dieses Um-die-Ecke-Schauen kommt unseren Kunden sehr zugute. Auch für den Stellensuchenden gilt natürlich, seinen Fokus aufzuweiten und auch mal in eine Richtung zu denken, die ihm bisher noch nicht so vertraut war. Oft ergeben sich so ganz spannende, neue Herausforderungen.

Worauf müssen Bewerber achten, wenn sie via Social Media Kontakt zu einem potenziellen Arbeitgeber aufnehmen? Was sollten sie tun, was sollten sie lassen?
Reuther: Ich halte es für ganz wichtig, dass sich der Bewerber ins Gegenüber hineinversetzt. Es geht nicht nur darum, dass er los wird, wer er ist und was er will – er sollte auch herausfinden, wer das Gegenüber ist und was diese Person für Wünsche und Ansprüche hat. Wer ist die Person auf der anderen Seite? Dann findet der Bewerber viel einfacher Anknüpfungspunkte für eine Kontaktaufnahme, die auch dem potenziellen Arbeitgeber relevant erscheint.
Willim: Das grösste Problem aller Arbeitgeber, egal in welcher Branche, ist: Sie haben wenig Zeit. Der Bewerber muss sich also fragen, wie er Aufmerksamkeit generieren kann, ohne als Störfaktor wahrgenommen zu werden. Er sollte sich vor der ersten Kontaktaufnahme intensiv mit dem Unternehmen auseinandersetzen, sich informieren, was das Unternehmen bewegt, wie der Markt aussieht und mit welchen Herausforderungen die Firma zukünftig konfrontiert ist. Das geht wunderbar auch über Social Media.

Aber dass man sich eingehend über potenzielle Arbeitgeber informieren muss, damit man im Bewerbungsprozess auf Augenhöhe mit Unternehmensvertretern diskutieren kann, ist ja keine Regel, die erst jetzt im Social-Media-Zeitalter gilt …
Willim: Stimmt. Aber diese Regel muss jetzt noch stärker beachtet werden, denn durch Social Media geht alles viel schneller und direkter. Einmal können sich Fakten über Unternehmen von einem Tag auf den anderen verändern, und ich sollte bei meiner Kontaktaufnahme auf dem aktuellsten Stand sein. Ausserdem kann ich über Xing zum Beispiel den Marketingmanager der Firma XY direkt ansprechen, ohne den Umweg über die Personalabteilung zu nehmen. Wenn ich das mache, muss die Kontaktaufnahme sitzen. Eine weitere Regel für Bewerber ist: E-Mail ist die elektronische Form der Post. Sie muss genauso sauber und fehlerfrei formuliert sein wie ein Brief. Schnoddrigkeit ist fehl am Platz. Ausserdem sollte kein Kandidat davon ausgehen, dass ein potenzieller Arbeitgeber ihn von Anfang an spannend findet. Er sollte sich deshalb interessant machen, dabei unbedingt prägnant bleiben und auf den Punkt kommen, damit sein Gegenüber nicht zu viel Zeit investieren muss. Auch Authentizität ist wichtig. Wer sich das Anschreiben von einer redegewandten Freundin formulieren lässt, kann die Erwartungen, die er weckt, später vielleicht nicht erfüllen. Bleib darum lieber, wer du bist.

Schauen wir mal auf die Agenturen: Müssen sich die grossen, bekannten wie Euro RSCG oder Jung von Matt/Limmat in den Social Media profilieren, um gute Bewerber zu bekommen? Die kennt doch ohnehin jeder.
Schneeberger: Ja und nein. Diejenigen, die sich in der Branche bereits bewegen, kennen die grossen Agenturen natürlich. Die kennen auch die wichtigsten Arbeiten dieser Agenturen und deren Portfolio. Aber der junge, kreative Nachwuchs muss sich in der Branche erst einmal orientieren. Diese Leute wissen meist noch nicht, ob sie Werbung, Marketing, Online, CI/CD oder Corporate Publishing machen wollen, was sie können und wo sie hingehören. Solche Leute kommen zu Designerdock, suchen einen Job und wissen nicht, wie sie vorgehen sollen. Und um diese Klientel anzusprechen, ist eine Präsenz in den Social Media sehr sinnvoll. Wir erleben es im Übrigen auch, dass Agenturen einen neuen Bereich oder bestimmte Qualifikationen aufbauen, das aber gar nicht kommunizieren. Weil wir sehr guten Einblick in das Geschäft unserer Auftraggeber haben und uns auch als deren Berater sehen, weisen wir dann auch schon mal auf eine solche Kommunikationslücke hin oder liefern Ideen, wie man diese Information nach aussen transportieren könnte.
Reuther: Unsere Ideen können sich auch darauf beziehen, wie man einen akuten Fachkräftemangel beheben kann. Es gibt zum Beispiel sehr viele hervorragend qualifizierte Mütter, die einfach nicht 100 Prozent arbeiten können. Wenn sich nun zwei Frauen eine Stelle teilen, könnte das sowohl für die beiden Frauen als auch für den Arbeitgeber die perfekte Lösung sein – vor allem in Fällen, in denen unser Kunde eine der berühmten eierlegenden Woll-Milch-Säue sucht, die es nicht gibt.

Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft: Werden Social Media bei der Stellensuche relevanter werden? Wird es irgendwann 140-Zeichen-Twitter-Bewerbungen oder ein Bewerber-Facebook ausschliesslich mit Bewerberprofilen geben?
Reuther: Gute Frage. Es gibt sicher viel Spielraum, um kreativ zu werden. Ich glaube, dass die Akzeptanz und Relevanz von Social Media als Arbeits- und Recruiting-Instrument in Unternehmen und Agenturen in Zukunft deutlich wachsen werden. Wir spüren, dass Kandidaten lieber zu einem Arbeitgeber gehen, der offen und lebendig kommuniziert, als zu einem, der sich bedeckt hält. Also wird es mittel- und langfristig in jedem Unternehmen eine Person geben müssen, die sich um Social Media kümmert, jedenfalls wenn es gute Leute für sich gewinnen will. Aber Social Media kann man nicht einfach «machen», weder als Unternehmen noch als Agentur noch als Stellensuchender. Wenn man sich dafür entscheidet, auf Facebook, Twitter etc. aktiv zu werden, muss man Zeit und Energie investieren. Auch als Unternehmen kann man Social Media nicht einfach einer Agentur übertragen – denn es ist wichtig, dass diejenigen, die die Kanäle speisen, nah am Unternehmen sind.
Schneeberger: Bestimmt wird es neue Formen der Bewerbung geben, denn Online und Interactive werden zweifellos in Zukunft noch wichtiger als heute. Aber neue Präsentationsformen in den Social Media werden den persönlichen Kontakt nie ersetzen. Wer auf Stellensuche ist, postet das vielleicht auf diversen Kanälen und bekommt auf diesem Weg auch Tipps oder sogar konkrete Offerten. Aber irgendwann braucht es Menschen, die einander begegnen und schauen, ob sie zusammenpassen. Stellenplattformen und Personalvermittler kanalisieren auch die wahnsinnige Informationsflut, die im Internet tagtäglich auf uns einströmt.
Willim: Was mit Social Media wunderbar gelingt, ist, grenzübergreifend oder gar weltumspannend nach Jobs zu suchen, sich in der Kennenlernphase miteinander auszutauschen, Reisekosten zu reduzieren und erst einmal auszutarieren, ob man grundsätzlich zueinander passen könnte. Distanzen verringern sich, aber das persönliche Kennenlernen ist trotzdem immer noch nötig. Denn das Fachliche ist ja nur die eine Seite. Wenn mir ein Mensch nicht sympathisch ist, kann oder will ich auch nicht mit ihm zusammenarbeiten, selbst wenn er hochqualifiziert ist.

Haben Filme auf YouTube als Bewerbung Zukunft?
Schneeberger: Das gibt es ja schon. Die Filme sind oft sehr kreativ gemacht, aber das ist natürlich Einwegkommunikation ohne Garantie auf eine Reaktion. Wenn wir aber von einem Designer einen kurzen Film zugeschickt oder freigeschaltet bekommen, in dem er sich prägnant und witzig in Szene setzt, kann ihm das schon Vorteile verschaffen. Das Video muss einfach zum gesamten Auftritt und zum Portfolio passen.
Willim: Man darf eines nicht vergessen: Der Zeitdruck in Unternehmen und Agenturen wird immer mehr zunehmen. Personaler haben keine Zeit, sich zu einem frühen Zeitpunkt im Auswahlprozess Videos von Kandidaten anzuschauen. Wenn der Bewerber einen gewissen Punkt im Prozess überschritten und bereits grosses Interesse geweckt hat, kann so etwas relevant und spannend werden. Aber sicher nicht für die erste Kontaktaufnahme.

Interview: Anne-Friederike Heinrich

In Kürze
Designerdock Zürich wurde 2007 von der Grafik-Designerin Beate Reuther gegründet. Sie leitet die Schweizer Filiale am Stauffacher. Seinen Ursprung hat Designerdock in Berlin, wo der Australier Alexander Dewhirst die Personalvermittlung 1996 gründete – eigentlich nur, um für einige Berliner Designbüros Top-Gestalter zu finden, daher der Name «Designerdock». Dewhirst merkte aber schnell, dass auch Texter, Berater, Werber und andere Kommunikations- und Marketingprofis händeringend gesucht wurden, und erweiterte seine Klientel. Inzwischen hat Designerdock Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Stuttgart, Wien und Zürich. In der Zürcher Filiale arbeiten drei Personalberaterinnen und eine Team-Assistentin. Die beiden Grafik-Designerinnen Beate Reuther und Maya Schneeberger sind auf die Vermittlung im Designbereich spezialisiert, Marketingfachfrau Marion Willim kümmert sich um Marketing- und Kommunikationsspezialisten, Texter und Journalisten. Designerdock rekrutiert sowohl für Agenturen als auch für Unternehmen. www.designerdock.ch

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«Werbung für eine bessere Welt»

Letzte Woche haben am Meeting «One Young World» 1200 junge Menschen aus aller Welt über die Zukunft unseres Planeten diskutiert. Frank Bodin und seine Euro RSCG Zürich holten das «WEF der Jungen» nach Zürich. Die Werbewoche traf den Werber am Event.

WW: Im Kongresshaus herrscht ein bisschen eine Stimmung wie damals an einer «Vollversammlung » bei den Jugendunruhen in den 1960er und 70er Jahren. Konnte man Frank Bodin früher auch schon bei ähnlichen Manifestationen antreffen?
Frank Bodin: Nein, ich war mehr in der Welt der Kunst zu Hause. Als ich zu Hause auszog, war es zum Teil ein böses Erwachen. Ich landete in einer WG in Zürich. Dort habe ich in einem sehr kleinen Zimmer unter dem Flügel geschlafen. Mehr als unter diesem war ich aber im Ausgang anzutreffen. Die Jugendunruhen rund um das AJZ habe ich passiv mitbekommen. Bei der absolut ersten Demo geriet ich zwischen die Polizei und die Demonstranten, weil ich in die Oper wollte. Das politische Interesse kam erst ab 20.

Wie zeigt sich nun diese Jugend am «One Young World»: Ist das eine moderne Version der 68er- Generation?
Man kann es nicht vergleichen. Im Kongresshaus diskutieren 1200 Jugendliche aus 169 Ländern auf engagierte, konstruktive Weise konkrete Projekte für eine bessere Welt. Im Gegensatz zu 1968 ist dies vielfältiger und multikultureller. Damals handelte es sich um eine europäische Bewegung. Wer hier im Kongresshaus nur eine halbe Stunde zuhört, spürt sofort viel Energie. Ein solches Erlebnis hätte ich damals auch haben wollen. Aber ich habe das Multikulti in einer anderen Form erlebt. Mit 17 war ich Mitglied des Weltjugend-Orchesters. Da waren auch sehr viele Nationen vereint. Daraus ergaben sich sehr viele Freundschaften.

Hinter dem «One Young World» stehen viele prominente Namen. Haben sich interessante Begegnungen ergeben?
Ich habe auf drei Ebenen gute Begegnungen erleben dürfen. Die Vorbereitung hat mich persönlich und menschlich bereichert. Die Zusammenarbeit im Swiss Advisory Board mit wunderbaren Menschen wie Thomas Buberl, Pascale Bruderer, Nobelpreisträger Richard Ernst, Carolina Müller-Möhl, Pierin Vincenz, Eberhard von Koerber, Alain Treuer und allen weiteren war eine Freude und einfach schöne Erfahrung. Alle verpflichteten sich zu einem grossen zeitlichen Commitment. Die zweite schöne und eigentlich schönste Erfahrung war, als der Event dann plötzlich da war. Und die dritte Erfahrung sind die «Counsellors», die internationalen Gäste, von denen ich viele vorher nicht kannte. Zum Beispiel den Starkoch Jamie Oliver. Ich bin von seiner Ausstrahlung und seinen Projekten im Bereich soziales Engagement begeistert. Oder Fatima Bhutto, eine grossartige und kluge Frau. Und natürlich Desmond Tutu mit seiner Ausstrahlung und seinem Humor. All diese Leute kamen nach Zürich, um etwas zu erreichen. Sie haben es nicht nötig, noch etwas für ihre Berühmtheit zu tun. Es ist keine PR-Veranstaltung für sie, sondern es ist ihnen wirklich ein Anliegen. Man kann kritisch sein gegen die Monarchie. Was haben Vertreter dieser veralteten Staatsform an einem «One Young World» zu suchen, wo es um die Zukunft geht? Aber wer das Prinzenpaar aus Norwegen als Menschen erlebt durfte, konnte sehen, dass es Kronprinz Haakon und Mette-Marit ein echtes Anliegen war, mit der Jugend in einen Dialog über die Menschenwürde zu kommen.

«One Young World» wurde von Mitarbeitenden der Euro RSCG London initiiert. Ist das eine Art «Kulturprozent» von eurem Netzwerk?
Nein. Das ist sehr persönlich gesteuert. David Jones und Kate Robertson wurden beim WEF in Davos zu dieser Idee inspiriert. Und ich fand beim ersten Event in London, dass dieser Anlass eigentlich in Zürich stattfinden müsste.

Acht Städte bewarben sich. Was hat für Zürich überzeugt?
Thomas Buberl und ich haben bei der Präsentation die multikulturelle Ausrichtung und den Föderalismus der Schweiz in den Vordergrund gestellt. Zudem sind wir ein Land mit einer grossen humanitären Tradition. Das Rote Kreuz kommt aus unserem Land. Unsere direkte Demokratie ist einmalig in der Welt. Ich finde, man soll auch mit diesen Errungenschaften ein bisschen Werbung für die Schweiz machen und nicht nur mit den Klischees Schokolade, Käse und Uhren. Gerade jetzt, wo es auch kritische Schlagzeilen über den Finanzplatz Schweiz gibt, sollte man die vielen Vorzüge unseres Landes aufzeigen. Das dritte Argument war Zürich. Zürich ist die kleinste Weltstadt der Welt. Wir haben eine grosse kulturelle Vielfalt, zwei wichtige Universitäten und verschiedene Hochschulen. Dazu kommt: Bei uns ist alles in «walking distance». Die Betonung vom Kleinen sowie die grosse Qualität gab bei der Jury den Ausschlag gegen interessante und viel grössere Weltstädte.

Jetzt ist CNN da und Medien aus aller Welt. Zufrieden?
Euro RSCG ist ein Kommunikationsnetzwerk und wir verstehen etwas von diesem Business. Das Interesse ist beeindruckend. Aber es ist ein neuer Anlass. Dieser muss sich beweisen und kritische Fragen gefallen lassen. Die Akzeptanz kommt nicht von heute auf morgen. Aber was wir in derart kurzer Zeit gemeinsam zustande brachten, ist verheissungsvoll.

Frank Bodin ist heute auch in andere politische Diskussionen involviert. Sieht er das als eine Verpflichtung für einen Kommunikationsspezialisten?
Mein Engagement hat nichts mit mir als Werber zu tun, sondern ist etwas Persönliches. Ich habe mich schon immer über meinen Beruf hinaus noch für andere Dinge interessiert. Kunst ist mir sehr wichtig und ich stelle mir darüber hinaus auch ab und zu die Frage: Kann ich gesellschaftlich mit meinen Mitteln etwas zum Guten bewegen? Als Kommunikator kann man Corporate Responsibility leben. Das habe ich schon als Texter gemacht, für Tibet damals. Heute habe ich die Mittel, um das auch im Grösseren zu machen.

Wie sollen sich die Ideen von Zürich nun weiterverbreiten?
Da machten wir uns in der Agentur natürlich Gedanken und das ist nun vielleicht wirklich unser «Kulturprozent ». Wir lancierten die Idee, dass mit der Umstellung auf die Winterzeit in der Nacht auf den 2. Oktober alle Leader dieser Welt aufgefordert werden, diese Stunde nicht zu verschlafen. Sie sollen die gewonnene Stunde nutzen, um Entscheidungen zu überdenken und vernachlässigte Projekte umzusetzen. Wir versuchen, auf Facebook eine grosse Community zu bilden, welche die Leader dieser Welt mit verschiedenen Fragen konfrontiert. In diesem Sinn hat der Event in Zürich auch einen guten Lerneffekt für uns. Viele Mitarbeitende unserer Agentur waren im Kongresshaus dabei, weil sie involviert sind in Social-Media- Projekte. Das war somit eine unglaublich gute Gelegenheit, in der Praxis Leute zu betreuen sowie neue Plattformen zu gründen. Interview: Andreas Panzeri

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«Google AdSense hat unser Start-up finanziert»

PocketPC.ch informiert über neueste Entwicklungen aus der Welt der Smart Phones. Die Site verzeichnet über 100 000 Besucher pro Tag. Damit ist das Portal auch interessant für Online-Werbung mit Google AdSense. Julian Zrotz, Chief Operating Officer bei PocketPC.ch, über seine Erfahrungen mit Fremdwerbung.

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WW: Was ist die Idee hinter der Website www.pocketPC.ch?
Julian Zrotz: Es geht um Smart Phones. Wir publizieren tägliche News, Testberichte zu allen Smart Phones und sehr viele Videos zu allen Geräten, wo wir die Smart Phones miteinander vergleichen und einen genaueren Einblick geben als nur im Text. Neu bieten wir auch eine Geräte-Übersicht. Darin finden sich sämtlich News zu jedem Gerät aufgelistet, ebenfalls in Form von Videos. Dazu gibt es Voreinträge zu kommenden Modellen sowie technische Spezifikationen.

Aus welcher Motivation ist die Site entstanden?
Angefangen hat es mit einem Schulprojekt. Vor zehn Jahren wurde die Website im Rahmen einer Informatik- Ausbildung entwickelt. Mittlerweile haben wir 100 000 Besucher pro Tag.

Zielpublikum?
Alle Smart-Phone-Besitzer, die sich über ihre Geräte informieren wollen. Leute, die etwas tiefer gehen wollen und neue Apps kennen lernen. Man kann bei uns Optimierungsmöglichkeiten finden. Die Site wird auch von vielen aufgerufen, die sich vor einem Kauf informieren wollen.

Wer liefert euch die Informationen?
Das meiste kommt von den Herstellern selber, dazu machen wir eigene Recherchen im Internet. Wir besuchen Messen und pflegen auch persönliche Kontakte mit Entwicklern.

Wie viele Leute arbeiten für PocketPC.ch?
Wir können auf 50 freischaffende Journalisten zählen. Scouts, Spezialisten, die in unserem Forum moderieren. Eine Fachkraft ist nur für die Realisation unserer Videos zuständig.

Wie macht ihr eure Site beim Zielpublikum bekannt?
Vor allem über Google. Die meisten finden über eine Suchanfrage zu uns.

Im Gegenzug habt ihr auch Google AdSense aufgeschaltet. Was bringt das?
Wir haben AdSense bereits im Jahr 2006 aufgeschaltet. Das war für uns eine erste Möglichkeit, mit der Site ein bisschen Geld zu verdienen. Damals waren wir noch sehr klein. Ein grosser Vermarkter hätte uns nicht aufgenommen. Zu Beginn ist es uns nur darum gegangen, das Hosting bezahlen zu können. Heute brauchen wir das Werbegeld, um uns grössere Server leisten zu können, neue Entwicklungen zu finanzieren und auch unsere Leute ein bisschen zu honorieren.

Bildet Google AdSense eure Haupteinnahmequelle?
Es ist ein wichtiges Standbein für unsere Finanzierung geblieben. Aber inzwischen haben wir natürlich auch grössere Einnahmen von den Herstellern der Smart Phones, welche direkt bei uns Werbung schalten. Aber AdSense generiert nach wie vor sicher mehr als 20 Prozent unserer Einnahmen.

Habt ihr gute Erfahrungen mit diesem Tool gemacht?
Google AdSense ist für uns sehr praktisch und war sehr einfach zu installieren. Für unsere Nutzer ist AdSense praktisch, weil die Besucher unserer Site automatisch weiterführende und relevante Informationen über AdSense zu redaktionellen Inhalten der Seite und zu ihren Suchanfragen bekommen. Wer sich für «outdoor» interessiert und einen Artikel dazu liest, bekommt beispielsweise sofort eine Anzeige von Mammut oder für Wanderschuhe eingeblendet, die im Kontext zum Webseiten-Inhalt steht. Das gibt uns relativ hohe Klickzahlen und damit gute Einnahmen.

Ihr habt jetzt an der AdSense-Veranstaltung bei Google Zürich einen Workshop besucht. Was bringt das?
Einerseits ist es Networking. Aber wir sind auch sehr interessiert an den One-to-One-Sessions mit den Technikern von Google, wo wir gemeinsam an unserer Website besprechen, was man beim AdSense-Auftritt optimieren könnte. Vor ein paar Monaten haben wir bereits einmal einen solchen Workshop besucht und haben dort sehr viele Tipps bekommen. Damit haben wir die Einnahmen deutlich steigern können.

Was sind mögliche Optimierungen?
Eine Verbesserung war, dass wir zu Beginn nur Textwerbung hatten. Aufgrund des Workshops blenden wir seither auch Bannerwerbung ein. Das System von Google – ein Algorithmus-Verfahren – berechnet jeweils automatisch, welche Form der Werbung für unsere Kasse mehr Einnahmen bringt. Mit dem Schalten von Bannern – sogenannter «Display-Werbung » – haben wir uns in einem zweistelligen Prozentbereich verbessern können. Ein anders Thema ist: Wir haben viele verschiedene Designs auf der Site, unsere Testberichte sind anders gestaltet als das Forum. In diesem Fall rechnet Google AdSense selber aus, welche Werbung – Text oder Banner – an welchem Platz für uns am meisten einbringt. Im Forum wird vielleicht 95 Prozent Text geschaltet. In den Reviews 95 Prozent Displaywerbung.

Wie ist die Qualität der Werbung? Diese muss ja im kreativen Sinn langsam besser werden, damit das Engagement bei den Usern ausgelöst wird.
Wir stellen fest, dass die Qualität am Steigen ist. Die Tendenz geht deutlich zu mehr Display-Ads sowie bewegten Bildern mit kreativen Einfällen, welche die User zum Klicken verleiten.

Was bringt euch das Google-Suchfeld auf eurer Site?
Das haben wir ebenfalls im Rahmen eines Workshops zur Optimierung eingerichtet. Wir können damit gute Einnahmen machen, denn es wird sehr viel gesucht auf unserer Site und wird werden von Google ebenfalls an den folgenden Einnahmen ihrer Werbung auf der Google-Site beteiligt.

Interview: Andreas Panzeri

In Kürze
Im Google Zürich Office haben letzte Woche rund 50 Publishing-Partner von Google in der Schweiz – Websites-Betreiber von Wetter-Sites über bekannte Newsportale bis Special-Interest-Sites – an einem Workshop-Tag teilgenommen. Informiert wurde über die Möglichkeiten von Google AdSense. Im Google-Display-Netzwerk können Publisher ohne eigenen Aufwand Werbung auf ihren Webseiten schalten lassen und damit «automatisch» Geld verdienen. Wie Google AdSense funktioniert, ist ausführlich in den Online-Dossiers von Google erklärt (google.ch/adsense).

AdSense stellt ausserhalb von Google-Seiten kontextuelle Anzeigen auf Seiten Dritter zur Verfügung, die automatisch durch Google erzeugt werden. AdSense ist das meistverwendete Werbenetzwerk im Internet, welches 80 Prozent der Internetnutzer in 20 Sprachen und 100 Ländern erreicht. Weltweit gibt es bereits über 2 Millionen AdSense-Publisher. 2010 hat Google über 6 Milliarden Dollar der Einnahmen aus AdSense (Klicks auf Anzeigen auf Webseiten Dritter) an die Publisher ausgeschüttet. Damit wurden 68 Prozent der gesamten AdSense-Einnahmen an die Publisher ausbezahlt. Und Google sieht noch viel mehr Potenzial für diese Art von Werbung. Vor allem auch in der Schweiz, wo erst 8 Prozent der Werbegelder ins Online fliessen. Am Infotag hat Anthony Nakache von Google Dublin auch über die Zukunft orakelt. Demnach werden wir in fünf Jahren 25 Prozent weniger Display-Werbung auf unseren Bildschirmen haben – dafür eine kreativere und zielgerichtetere Werbung mit weit höheren Klickraten. Das Geschäft mit Display-Werbung könnte sich in den nächsten fünf Jahren von heute 24 auf 200 Milliarden Dollar steigern.

 

Goldbach gründet Tochter in Polen

Die Goldbach Group expandiert in Polen und gründet dazu im osteuropäischen Land eine Tochtergesellschaft. Die Werbevermarkterin will in Polen mit einem lokal verankerten Team Dienste im Bereich Onlinekampagnen, Social Media, Suchmaschinen-Marketing und Mobile-Solutions anbieten.

Deren Geschäftsmodell sei dasselbe wie jenes der Töchter in Deutschland und Österreich, teilte Goldbach am Donnerstag mit. Bei der polnischen Tochter sollen in den kommenden Monaten 50 Spezialisten in digitalem Marketing eingestellt werden.
 

Neuer Look für die Migros-Wochenzeitungen

Ab nächstem Montag erscheinen das Deutschschweizer Migros-Magazin und das Westschweizer Migros Magazine im neuen Kleid. Mit einer neuen Optik und klaren Rubriken wurde auch den Resultaten der letzten Marktforschung Rechnung getragen.

Ein überarbeitetes Cover, eine klarer geschnittene Schrift, ein luftigeres Layout und die leicht veränderte Struktur sollen für eine bessere Leserführung sorgen. Ein Farbsystem erleichtere zudem die Orientierung, so die Migros-Medien in einer Mitteilung. In der Rubrik «Leben» erwarte die Leser und Leserinnen auch eine inhaltliche Veränderung: Psychologie, Schönheitstipps für den Mann und eine Finanz-Kolumne in Zusammenarbeit mit der Migros Bank ergänzen unter anderen die bisherigen Themen wie Erziehung, Gesundheit, Auto und Garten. Für mehr Unterhaltung sorge auch die neu gestaltete Rätselstrecke. Auf vier Seiten wird neben Klassikern wie Sudoku und Schwedenrätsel auch eine Neukreation präsentiert: Paroli, eine Mischung aus Sudoku und Kreuzworträtsel. Für Kinder wurde eine spezielle Lilibiggs- Rätselecke geschaffen.

Die umfassende Leserbefragung im Herbst 2010 habe gezeigt, dass die rund drei Millionen Leserinnen und Leser die Inhalte der beiden Wochenzeitungen sehr schätzen, so eine Mitteilung der Migros-Medien. Im gestalterischen und strukturellen Bereich hätten sie jedoch noch Optimierungspotenzial gesehen. Entsprechend wurden im Redesignprozess die Schwerpunkt gelegt.

 

Das kann nur eine grosse Idee

Die beste Werbung für Anzeigen sind Anzeigen. Deshalb geht der Kreativ-Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» auch in diesem Jahr weiter. Doch bei der Jubiläumsausschreibung im 10. Jahr hat der Verband Schweizer Medien ein paar Neuerungen eingeführt.

Zum Beispiel einen Briefing-Event. Die Ausschreibung steht erstmals unter einem speziellen Motto. Es kommt in einem längeren Zitat von Ira Glass zum Ausdruck, einem amerikanischen Radiomoderator. Mehr dazu findet sich in der Ausschreibung auf www.das-kann-nur-ein-inserat.ch. Ebenfalls neu in diesem Jahr kann man wahlweise Ideen für Einzelsujets oder für eine Kampagne von 3 bis 4 Sujets einreichen. Geblieben ist das Alterslimit für die Teilnehmenden: Kreative bis 28 Jahre.

Der Briefing-Event findet am 2. November statt. Einsendeschluss ist der 1. Dezember. Der Wettbewerb wird unterstützt von Keystone (Gratis-Download aus dem Fotoarchiv), ADC, ASW, BSW, Script, SW, Werbewoche, Conimag.ch, Publimedia, Swissprinters.

Media Trend Journal: Tessin wird aufgemischt

Mit dem Markteintritt von 20 minuti am 14. September gerät die bisher stabile Tessiner Zeitungslandschaft in Bewegung – im Leser-, im Werbe- und vielleicht auch im Verlegermarkt. Von Ueli Custer.

Jetzt verliert auch die bisher geschützte Tessiner Zeitungslandschaft ihre Unschuld. Mit dem Markteintritt von 20 minuti wird den Tessiner Verlegern der Wind der Gratiskonkurrenz um die Ohren pfeifen.
 

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Media Trend Journal: Ruhe nach dem Sturm

Nach dem massiven Bedeutungszuwachs von Tamedia durch die Übernahme des Schweizer Geschäfts von Edipresse ist jetzt Ruhe eingekehrt. Marktanteilsverschiebungen fanden nur hinter dem Komma statt. Von Ueli Custer.

Media Trend Journal: Tessin wird aufgemischt

Mit dem Markteintritt von 20 minuti am 14. September gerät die bisher stabile Tessiner Zeitungslandschaft in Bewegung – im Leser-, im Werbe- und vielleicht auch im Verlegermarkt. Von Ueli Custer.

Jetzt verliert auch die bisher geschützte Tessiner Zeitungslandschaft ihre Unschuld. Mit dem Markteintritt von 20 minuti wird den Tessiner Verlegern der Wind der Gratiskonkurrenz um die Ohren pfeifen.

Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Printausgabe der Werbewoche.

Kooaba und Publicitas Publiconnect lancieren «Smart Ads Classified»

Im August 2011 hat Kooaba gemeinsam mit Publicitas Publiconnect das Angebot «Smart Ads Classified» für Kunden aus der Stellen- und Immobilienbranche lanciert. Ein Foto mit der kostenlosen App «Kooaba Paperboy» genügt, um das Immobilieninserat zum Leben zu erwecken.

Der Leser erhält sofort weiterführende Informationen zur beworbenen Liegenschaft auf sein Smartphone. Bildstrecken, Rundgang-Videos und Pläne verführen den Interessenten zum Träumen vom neuen Heim. Ausserdem setzt Kooaba gemeinsam mit Früh Immobilien zum ersten Mal ein iAd von Apple in Verbindung mit der «Kooaba Paperboy» App.

Krebs im Gegenwind

Am 27. August fand am Gotthardpass das «race against cancer» statt – Wind, Regen, Schnee und allen Tumoren zum Trotz. 160 Velofahrer und 60 Wanderer setzten ein beeindruckendes Zeichen gegen die Krankheit, die im Laufe des Lebens bei jedem zweiten Schweizer und jeder dritten Schweizerin diagnostiziert wird. Dank des sportlichen Engagements kamen rund eine Viertelmillion Franken zusammen.

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In der Nacht vor dem Rennen kam ein schlimmer Sturm auf, mit Gewitter, Donner, Blitz, Hagel und Schnee», erzählt Organisator Markus Aerni. «Ich bin um vier Uhr früh aufgestanden und habe geschaut, was von unserem Equipment noch steht: Start und Ziel waren weggeweht.» Eigentlich hätte das Rennen um 7 Uhr losgehen sollen. Wegen des Föhnsturms wurde der Start zunächst auf 8 Uhr verschoben, schliesslich wurde die Strecke um 9 Uhr bis nach Motta Bartola geöffnet. Erst ab Mittag war sie dann komplett befahrbar. «Am Morgen war die Strasse noch voller Steine und Stöcke, und auf der Tremola lag Schnee», berichtet Aerni.

Durchbeissen 2011

Sicher hatten sich Organisatoren und Teilnehmer des Anti-Krebs-Rennens besseres Wetter gewünscht – aber irgendwie passten Petrus’ Kapriolen zum Anlass. Denn für an Krebs Erkrankte und ihre Angehörigen gehören ständige Aufs und Abs zum Alltag: Nach Lichtblicken gibt es wieder Rückschläge, und vorm nächsten Nackenschlag keimt abermals die Hoffnung auf Genesung. So unterstrich nicht nur das wieder-holte Anfahren gegen den Gotthard zwischen Airolo und Passhöhe das Motto «Never give up», auch Stöcke und Steine, Schnee, Wind und Regen forderten von Velofahrern und Wanderern immer wieder Mut, Durchhaltevermögen und zähen Kampfgeist – und konnten als Metapher für den vereinten Kampf gegen Krebs verstanden werden.

Die widrigen Umstände schweissten alle Beteiligten fest zusammen: Velofahrer, Wanderer und Helfer warteten gemeinsam in einem Zelt auf den Start des Rennens. «Es war ein starker Zusammenhalt zu spüren», sagt Aerni. «Um 9 Uhr rasten dann alle wie junge Fohlen los, ein sehr emotionaler Moment.» Auch Behindertensportler Heinz Frei, der mit seinem Handbike auf den Gotthard fuhr, berichtet von starken Gefühlen: «Von Anfang an war zu spüren, dass sich hier eine Art Schicksalsgemeinschaft zusammengefunden hat, die sich mit viel Solidarität für eine bessere Zukunft von Krebspatienten einsetzen will. Ich hatte eine zufällige Begegnung mit einem Herrn, der ein Foto seiner kürzlich an Krebs verstorbenen Frau am Lenker seines Fahrrades mitführte. ‹Für dich›, stand da drauf – ein unglaublich starker Moment eines noch stärkeren Menschen, der damit wohl seine Trauerarbeit bewältigt, aber auch neue Kraft schöpft.»

Durchstarten 2012

Auch wenn wetterbedingt von 200 angemeldeten Velofahrern nur 160 und von 80 Wanderern nur 60 starteten, brachten die Startgelder und Spenden der Velofahrer und Wanderer die stattliche Summe von rund einer Viertelmillion Franken für die Krebsforschung und die Unterstützung von Krebspatienten in wirtschaftlicher Not ein – schätzt Markus Aerni. Denn weil die Veloteams bis Ende September noch ihre Rundengelder einzahlen können, steht der genaue Erlös erst in einem Monat fest. Wie im vergangenen Jahr waren auch 2011 wieder viele Prominente beim «race against cancer» dabei: Ariella Kaeslin und Bruno Kernen, Tony Rominger und Beat Zberg, Robert Dill-Bundi und Doughua Li. Der kürzlich an Krebs verstorbenen Nella Martinetti, die den Anlass ebenfalls hatte unterstützen wollen, wurde bei einer Ansprache gedacht. Aerni: «Das ‹race against cancer 2011› war ein super Anlass, wir haben unsere Ziele erreicht und freuen uns schon auf das Rennen 2012.» Zu dem können Sie sich bereits jetzt unter www.cancerrace.ch anmelden. Anne-Friederike Heinrich
 

Zu guter Letzt: Rettet den FC Getafe, spendet Samen!

Madrids Vorortclub FC Getafe gehört innerhalb der ersten Liga Spaniens zu den Vereinen mit dem niedrigsten Zuschauerschnitt. Die Marketingverantwortlichen wollen dies nun ändern – mit einem Aufruf zur Samenspende.

«Wir werden grösser, indem wir mehr werden», so die einfache Formel, die sich über ein kleines Filmchen in der spanischen Bevölkerung verbreiten soll. Um mehr zu werden, braucht es willige Fans, die sich als Samenspender betätigen, so die Idee – die Spenden werden von scharfen Zombiebräuten entgegengenommen. Am Ende des Spots dann das Highlight: Ein Spermium bewegt sich auf eine Eizelle zu, die sich beim Verschmelzen in das Vereinsemblem des FC Getafe verwandelt. Interessanter Ansatz mit noch interessanterer filmischer Umsetzung – ein Blick darauf zu werfen lohnt sich. (Quelle: Wuv.de)

 

http://www.youtube.com/watch?v=rIi6BTzxWII

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