Der Motz von Butz: Mit Xerox, Schere, Fotoshop und Stumpfsinn

Vor kurzer Zeit ist das Art-Directors-Club-(ADC)-Jahrbuch 2011 per Post ins Haus geplumpst. Es war so dick, dass ich es mir erst heute näher angeschaut habe. Was entdecke ich: einen pfundsschweren Motz. Theophil Butz, einst Starwerber (Zitat Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Um was geht es hier: In der dicken Post fand ich das neue ADC-Jahrbuch, so wie es schon letztes Jahr daher gekommen ist, wenig ideenreich, aber es erfüllt die Aufgabe, dem Leser die prämierten Arbeiten und deren Beteiligte zu übermitteln. Die dicke Post beinhaltet aber dann noch ein zweites identisch dickes Bilderrätselbuch. Lieber ADC, das finde ich zu dicke Post. Die mir unbekannten Linus Bill & Adrien Horni haben ein Zusatzbuch «verunstaltet». Der Titel heisst «Turbo Magazine La deuxième chance». Ich hätte diesem Duo nicht mal eine erste Chance eingeräumt.

Meine These: Der ADC-Vorstand hat anscheinend ein Problem damit, die ausgezeichneten Arbeiten eines Jahres in einem Buch zu veröffentlichen. Da muss jetzt schon zum zweiten Mal irgend ein gekünsteltes zweites Buch beigelegt werden. Es gibt genügend Stimmen, die behaupten, dass der ADC sich selbst beweihräuchert. Wenn jetzt der Vorstand auch am Zweifeln ist und denkt, dass diese Pseudokunstbeilage einen Added Value bildet, dann sollte man nun nach 34 Buchjahrgängen Schluss machen. Ich rede hier nicht nur als Motzer, sondern auch als Gründer und Mitverantwortlicher bei den Anfängen des ADC. Natürlich hat sich letzterer anfänglich eine andere und offenere Konzeption auferlegt. Zu den Mitgliedern zählten nicht nur Werber, sondern Architekten, Journalisten, Standbauer, auch Berater. Nach vielen Ups and Downs und einem Generationenwechsel steht der ADC heute schuldenfrei und ohne gröbere Kritik gut da. Warum jetzt diese Zusatzfurzidee? Ich weiss nicht, ob sich jemand das schon mal genau angeschaut hat. Ideen wiederholen sich, der Fotokopierstyle ist so «dated», mehr «dateder » geht gar nicht. Er ist humorlos und aufgesetzt bis hin zu gruusig.

Zu allem Verdruss muss ich dieses Unding mit dem Altpapier auf die Strasse schleppen. Das letzte Zusatzbuch mit den Mitglieder-Fotos, aus deren Augen Finger kommen, war für mich schon an der Grenze von Sauglattismus, wanderte auch ins Altpapier. An der letzten Jurierung habe ich ein paar der jüngeren ADC-Mitglieder besser kennen gelernt. Alles intelligente, kritische und auch geschmackssichere Menschen. Warum habt Ihr dem ADC-Buchmacher- Art-Direction-Team diese Zusatzidee nicht verweigert? U.A.w.g.

Mein Aufsteller ist, dass endlich diese hässliche Skulptur von Roger Müller vor dem Kunsthaus verschwunden ist. Der Platz sieht viel attraktiver aus. Auch hier bewahrheitet sich die These: Weniger ist mehr.

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Urban Media neuer Onlinevermarkter von Ringier

Urban Media erhält ab sofort den exklusiven Vermarktungsauftrag für die Onlineangebote der Magazine Cicero und Monopol aus dem Hause des Medienunternehmens Ringier Deutschland.

Bereits mit den Onlineangeboten der Tagesspiegel-Gruppe sowie weiteren Onlinetiteln wie Perlentaucher und Motorfm setzt die zur DvH Medien des Verlegers Dieter von Holtzbrinck gehörende Urban Media auf die gezielte Ansprache urban geprägter Meinungsführer und Multiplikatoren. Cicero.de und Monopol-Magazin.de ergänzen das Urban-Media-Portfolio um zwei Premiumplattformen, die eine anspruchsvolle, meinungsbildende Zielgruppe erreichen, so eine Urban-Media-Mitteilung.
 

Agentur am Flughafen: Gegen die Verstrickungsgefahr in der Berufswahl

Wie jedes Jahr, sucht der Textilverband Schweiz auch dieses Jahr wieder pünktlich nach den Sommerferien neue Auszubildende fürs 2012. Jahr für Jahr wird dafür von der Agentur am Flughafen eine neue Mailingkampagne entwickelt.

Das Mailing an die Lehrer bestand aus einem überdimensionalen, gestrickten Schal. Damit sollte nicht nur der Trend des Strickens aufgegriffen, sondern darauf aufmerksam gemacht werden, wie leicht man sich im Dschungel der zahlreichen Optionen verstricken kann. Die Antwortkarte wurde ins aufgenähte Label eingearbeitet.

Verantwortlich bei TVS Textilverband Schweiz, St. Gallen: Corinne Egli (Ressortleiterin Bildung & Nachwuchsförderung), Selina Giordari, (Sachbearbeiterin Bildung & Nachwuchsförderung). Verantwortlich bei Agentur am Flughafen, Altenrhein: René Eugstair (Creative Direction), Dominique Rutishauser (Art Direction), Valeria Hörler (Grafik), Patrick Linder (Text).
 

Zur Sache: So ändern sich die Zeiten

Vor fünf Jahren führte die Werbewoche ein Interview mit dem Vorarlberger Verleger Eugen A. Russ. Dieser wurde in der Schweiz einem breiteren Kreise bekannt, als er anlässlich einer Dreikönigstagung sein Geschäftsmodell erklärte.

Russ hatte es fertiggebracht, sein kleines Bundesland gegen jegliche mediale Konkurrenz abzuschotten. Dies einmal durch ein hervorragend gemachtes Produkt, die Vorarlberger Nachrichten, eine Zeitung, die ihre eigenen Leser ins Zentrum setzte und schon interaktiv war, als die ganze Interaktivität in den Medien noch Seltenheitscharakter hatte. Daneben operierte Russ mit Vergünstigungen aller Art für Abonnenten. Es gab Billigstrom, eine eigene Unfallversicherung, und man konnte mit der eigenen Telefongesellschaft kostengünstig telefonieren. Diese Nebengeschäfte waren primär dafür gedacht, die Leser-Blatt-Bindung zu stärken. Aber Russ verdiente damit auch Geld. Einige wenige Schweizer Verleger waren von den neuen Ideen begeistert, viele hingegen skeptisch. Vor allem, was die Nebengeschäfte anbetraf, man sah die redaktionelle Unabhängigkeit gefährdet. Auf die Frage der Werbewoche, warum Schweizer Verleger sich nie im grossen Stil für Nebengeschäfte erwärmen konnten, meinte Russ: «Vielleicht ist die wirtschaftliche Lage nicht so drängend, dass man über solche Geschäftsmodelle zu sehr nachdenken muss.»

Heute sieht das anders aus: Interaktivität und Mitbeteiligung der Leserschaft ist Current normal und auch Nebengeschäfte wurden salonfähig. Am weitesten in dieser Hinsicht ist sicher Ringier, das auf transaktionsbasierte Online-Modelle setzt und sich als ein multinationales integriertes Medienunternehmen sieht. Integriert heisst aber nicht nur Print, TV, Radio, Online und Mobile. Man will auch ein starker Player im Entertainment- und Internet- Geschäft sein.

Die Palette der Beteiligungen ist breit. Sie reicht von Betty Bossy mit den bekannten Küchenhelfern über Geschenkidee.ch wo man neben LED-Champagnergläsern für Franken 14,90 bis zu einem Wochenende mit einem Audi R8 zu 3300 Franken mehr oder weniger alles bekommt, bis hin zum neuen Reiseportal Etrips.ch, einem Joint-Venture zwischen Ringier und Tui Schweiz. Aber auch im Showgeschäft hat Ringier Interessen: Es beginnt beim Ticketcorner und geht dann bis hin zu Konzertveranstaltern wie Good News oder The Classical Company. Als weiteres Standbein gibt es Sportler- und Künstler-Management-Firmen wie Infront oder Pool Position, wo neben Lara Gut und Xenia Tchoumitcheva auch Stefan Gubser, Sabina Schneebeli und Katja Stauber vermarktet werden.
 

Multi Channel Tracking: Aufdecken von Assists für eine Conversion

Im Fussball führt ein Assist zum Tor, im Online Marketing zu einer Conversion. Doch wie lassen sich Assists auf- decken? Das Multi Channel Tracking zeigt, über welche Kanäle und Werbemittel eine Conversion entsteht, und ermöglicht damit, den gezielten und erfolgswirksamen Einsatz der Werbeinvestitionen.

Auch im Web ist «Werbung gesehen – Produkt gekauft» nicht die Regel, da der Konsument für die Entscheidungsfindung unterschiedliche Werbekanäle und Werbemittel einsetzt. Das Multi Channel Tracking deckt typische Kanalketten auf, wie zum Beispiel:

Schritt 1: Banner beachtet, jedoch nicht geklickt.
Schritt 2: Produkt gegoogelt, AdWords geklickt, Website besucht.
Schritt 3: Beurteilung gegoogelt, organisches Suchresultat geklickt, Beurteilung angesehen.
Schritt 4: Website aufgerufen, Produkt gekauft.

Werden diese Kanalketten bei der Beurteilung der Werbemittel-Effizienz nicht beachtet, hat das fatale Folgen.

Ganzheitliche Beurteilung der Werbemittel

Die Effizienz der Online-Werbung wird noch allzu oft nach dem Prinzip «Werbung gesehen – Produkt gekauft» beurteilt. Wird zum Beispiel auf Grund der tiefen Klickrate und hohen Cost per Order auf Banner-Werbung verzichtet, kann der Entscheid fatale Folgen haben. Da Banner-Werbung der Ausgangspunkt des Entscheidungsprozesses ist, der über AdWords und organische Suchresultate in einer Conversion endet, können durch den Verzicht auf Banner-Werbung wichtige Traffic-Ströme versiegen. Was wiederum zu tieferen Conversion-Werten führt. Der Einsatz von Multi Channel Trackings ver¬hindert solche Fehlinterpretationen.

Der Nutzen des Multi-Channel-Tracking

Multi Channel Tracking hilft, das Online-Marke¬ting-Budget gezielter und gewinnbringender einzusetzen, da Antworten auf folgende wichtigen Fragen vorliegen:

Welche Online-Kanäle und Werbemittel korrelieren erfolgreich und erzielen somit den höchsten ROI?
Welche Online-Marketing-Instrumente generieren Erstkontakte, welche schaffen Conversion?
Welches Werbemittel, welche Kanalketten (Abfolge benutzter Werbemittel bis zur Conversion) erreichen die höchste Effizienz?

Wie viele Kontakte sind für eine Conversion notwendig?
Im harten Wettbewerbsumfeld im Web sind Instrumente gefragt, die das effiziente und kostenoptimierte Agieren ermöglichen. Multi Channel Tra¬cking ist ein solches Instrument, das erst seit kurzem als Google Analytics Feature zur Verfügung steht und von jedem professionellen Online-Marke¬ter genutzt werden sollte.

Imre Sinka
www.dotpulse.ch

Weiterführende Informationen: http://blog.dotpulse.ch/web-analytics/multi-channel-trichter-in-google-analytics/

Multi Channel Tracking für Google Analytics
Google-Analytics-Benutzer können in der neuen Version über dem Reiter «Meine Conversion» auf das Multi Channel Tracking zugreifen. Zu sehen sind die typischen Conversion-Pfade, wie lange es bis zur Conversion dauert und wie lange die Kanalketten sind
 

Marketing on Tour

Konferenz für digitales Marketing – Social Media, Mobile Marketing, App Economy – Hilfe! Brauche ich die eierlegende Wollmilchsau?

Hochkarätige Referenten präsentieren am 25. Oktober im Zürcher World Trade Center die neuesten Entwicklungen aus der Welt des digitalen Marketings. Social Media, E-Mail Marketing, Mobile Markenführung, Neomarketing, E-Commerce und Multichannel Analytics stehen hierbei im Fokus. Tickets für nur 169,- CHF. Teilnehmerzahl ist begrenzt.

 

Top der Woche: Transparenz über Baz-Besitzverhältnisse gefordert

Der Presserat fordert, dass der Verleger Moritz Suter offenlegen soll, ob er alleiniger Besitzer der Basler Zeitung (BaZ) ist oder ob im Hintergrund noch weitere Personen das Sagen haben.

In der Regel reichten zwar Angaben über die Beteiligungsstruktur, um abzuschätzen, wer eine Aktiengesellschaft beherrscht. Dies schreibt der Presserat in seinem am Dienstag veröffentlichten Entscheid. Die Bekanntgabe der rechtlichen Eigentumsverhältnisse genüge jedoch nicht, wenn deutliche Indizien darauf hinweisen, dass das rechtliche Eigentum möglicherweise nicht mit den tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten übereinstimme. Suter halte sämtliche Aktien der National Zeitung und der Basler Nachrichten, heisst es in einer BaZ-Mitteilung. Die Basler Zeitung Medien und die Basler Zeitung sowie alle weiteren Unternehmen seien unter ihrem Dach zusammengefasst. Die BaZ habe mit diesen Angaben ihre Besitzverhältnisse im Rahmen dessen offengelegt, was auch andere Schweizer Medienunternehmen bekanntgeben. Eine Bekanntgabe von Finanzierungsverträgen werde von keinem anderen Medienhaus verlangt. Eine solche Forderung würde massiv in die Medienund Wirtschaftsfreiheit der Schweiz eingreifen.

Polizei nutzt Social Media zur «urbanen Sicherheit»

Die Zürcher Stadtpolizei beginnt noch dieses Jahr damit, die systematische Nutzung der Social Media Twitter und Facebook aufzubauen. Bisher habe man Facebook für einzelne Auftritte und Kampagnen benutzt, etwa zum Schulanfang.

Nun soll es auch auf Unternehmensebene eingeführt werden.Dies sagte Michael Wirz von der Zürcher Stadtpolizei am Donnerstag am 9. Kongress zur urbanen Sicherheit in Zürich gemäss SDA. Auch die Polizei komme heute nicht an Social Media vorbei. Daher gehe es nicht darum, ob man sie nutzen wolle, sondern darum, wie man sie nutze.

Wirz hat im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema eine Umfrage bei Usern gemacht. Er stiess dabei mit der Idee einer polizeilichen Social Media- Nutzung auf ein positives Echo. Die Befragten sahen den Einbezug dieser neuen und sehr schnellen Kommunikationsmittel für viele Gelegenheiten als durchaus geeignet an, namentlich für Unwetterwarnungen, Verkehrsmeldungen Fahndungsaufrufe oder Suchmeldungen.

Die Vorteile sieht Wirz neben dem Tempo unter anderem in der Transparenz, im direkten Kontakt zur Bevölkerung und in der Möglichkeit, anderweitig schlecht erreichbare Zielgruppen anzusprechen. Man müsse aber auch die Gefahren beachten, so Wirz gemäss SDA. Twitter, Facebook und dergleichen seien auch neue Plattformen für Kritik. Zzudem seien die Veröffentlichungen auf diesen Plattformen nicht zu kontrollieren. Gefährdet sei zudem die Geheimhaltung von Informationen etwa aus polizeitaktischen Überlegungen oder aufgrund von Amtsgeheimnis und Datenschutz. Daher sei eine durchdachte Strategie nötig, klare Anweisungen sowie eine gute Ausbildung und Führung. Bei der Zürcher Stadtpolizei soll ein eigentliches Kompetenzzentrum Social Media aufgebaut werden.
 

Flop der Woche: Radio Basel: Christian Heeb steigt aus

Christian Heeb, der vor rund zwei Jahren zusammen mit Karlheinz Kögel Radio Basel gegründet und gestartet hat, scheidet am 24. Oktober 2011 anlässlich des zweijährigen Jubiläums des Senderstarts aus dem Unternehmen aus.

Kögel wird künftig mehr als 99,9 Prozent der Radio-Basel-Aktien halten. Er will den Sender in eine neue Zukunft führen. Der dem UVEK zur Genehmigung vorgelegte Übergang soll es ermöglichen, für die Zukunft Kooperationslösungen bei der Vermarktung zu suchen, welche Radio Basel wirtschaftlich stärken. Radio Basel habe seit der Umsetzung des anspruchsvollen Neukonzepts vor zwei Jahren kontinuierlich an Reichweite hinzugewonnen, heisst es weiter. Die unabhängige Radio-Basel-Gruppe, die keine Beteiligungen an weiteren Sendern halte, habe bisher ohne Verbund mit anderen Veranstaltern operiert. Das Unternehmen sei ohne jede Verpflichtung gegenüber Banken oder Dritten. Der Sender sei ausschliesslich von den beiden bisherigen Partnern getragen worden. Heeb wollte zu seinem Ausstieg auf Anfrage der SDA nicht näher Stellung nehmen, doch nach fünf Jahren Arbeit für diesen Sender sei es Zeit für eine Pause – von Ruhestand mochte er indes nicht reden.

Kampf um das Rating ist Kampf um bessere Ideen und intelligentere Daten

Manfred Strobel leitet seit einem Jahr OMD Schweiz, die mit 440 Millionen Euro Bruttobillings laut RECMA derzeit an der Spitze der Schweizer Mediaagenturen steht.

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Es war ein turbulentes Jahr, aber im Rückblick ein gutes. Als der langjährige CEO von OMD Schweiz zur Konkurrenz wechselte und Manfred Strobl im Juli 2010 an seiner Stelle in Zürich einspringen durfte, war dies für ihn «natürlich eine grosse Herausforderung». Einerseits wurde bisher über Jahre hinweg viel mit einem bewährten Team zusammen aufgebaut. «Und je höher man steigt, desto schwieriger wird es, das Level zu halten oder gar noch auszubauen.» New-Business-Gewinne ist eines, aber Kunden «über Jahre loyal zu halten und immer wieder zu begeistern für die Serviceleistungen der Agentur ist noch einmal etwas anderes», reflektiert Manfred Strobl über seine ersten Monate bei OMD Schweiz.

In der internationalen Konzern-Struktur hat das Netzwerk Honda verloren. In der Schweiz schmerzte 2010 der Weggang von Suva. Dazu sind auch ein paar Mitarbeitende aus Schlüsselpositionen ihrem alten Chef gefolgt oder haben sich sonstwie persönlich weiterentwickelt. «Wirklich schwierig in diesem Jahr war das Thema Personal. Neue Top-Leute zu finden ist nicht leicht, die guten Leute müsste man immer abwerben oder aus eigenen Reihen mittelund langfristig entwickeln.» Dazu hat es die Branche aktuell mit «einer digitalen Revolution» zu tun. Die Entwicklungen drehen sich immer mehr ins Online. Spezialisten zu finden, die nicht nur in den klassischen Medien eine fundierte Ausbildung haben, sondern auch zum Beispiel Search-Engine- Marketing auf hohem Niveau beherrschen, Googlezertifiziert sind, im Bereich Social Media das Community- Management spielen, Konzepte machen und nicht nur Displays buchen können sowie auch strategisch unterwegs sind, «die kann man suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen», weiss Strobl. Inzwischen ist sein Team aber wieder weitgehend komplett und so aufgestellt, «dass wir ganz oben mitpunkten können».

OMD Schweiz ist im aktuellen RECMA-Ranking 2011 «by Agency Brand» mit 440 Millionen Euro Bruttobillings, 23,1 Prozent Marktanteil und über 90 Mitarbeitenden an der Spitze der Schweizer Mediaagenturen. «Seit Beginn dieser Erhebungen zeigt OMD Schweiz ein stetes organisches Wachstum, das in der Regel weit über dem Marktdurchschnitt liegt», dürfen sich Manfred Strobl und Gerda Schröck, seine Verantwortliche für New Business & Marketing, freuen.

International liegt Omnicom im RECMA-Ranking «by Global Networks» auf Platz 2 hinter Starcom MediaVest. Mit insgesamt acht Auszeichnungen, einmal Gold, zweimal Silber und fünfmal Bronze, war OMD in diesem Jahr in Cannes das am häufigsten prämierte Mediaagentur-Network in der Kategorie «Media Lions». Beim renommierten «Gunn Report for Media» ist OMD von 2004 bis zur aktuellsten Beurteilung jedes Mal zum kreativsten Medianetwork gewählt worden. Das M&M Magazine hat OMD 2010 als «Best Digitally Integrated Network » ausgezeichnet.

Und was sind die Ziele von Manfred Strobl? «Wir wollen in Zukunft eine Kommunikationsberatungsagentur sein und nicht mehr nur eine Mediaagentur », erklärt er seine ehrgeizigen Pläne. OMD Schweiz will seine Kunden noch mehr als bisher auch ganzheitlich betreuen. «Wir planen Kampagnen, vermitteln den Media-Einkauf, verhandeln für unsere Kunden, aber wollen auch gerne dahingehend beraten, was der Kunde für die Vermarktung seiner Produkte sonst noch tun kann.» Das Angebot reicht von Massnahmen zur Steigerung von Awareness und Involvement für Brands bis zu medialen Aktivitäten rund um den Point of Sales und Aftersales- Strategien, aber auch umfassende Marktforschung und Schnittstellen zu kundeneigenen ITLösungen. Ein weiteres Ziel ist, dass der neue CEO bei OMD die Übergänge zwischen Kreativ-Agentur und Media- Agentur flüssiger gestalten will. «Wenn wir Werbemittel bekommen für das Online-Display, sehen wir oft, dass diese Banner noch nicht so klick-affin sind, wie sie sein könnten.» OMD will den Kreativ- Agenturen sicher nicht Konkurrenz machen, aber in der finalen Gestaltung der Banner gerne mithelfen, damit die Performance optimaler wird.

«Es muss im wahren Sinne des Wortes beim User häufiger klick machen.» Um im Bereich Online «noch intelligenter zu werden », will Strobl dort die qualitative Planungsleistung weiter verbessern, wenig Überschneidungen zulassen und eine perfekte Positionierung der Werbemittel anstreben. Im internationalen Netzwerk von OMD ist schon viel im Bereich Tracking geforscht und entwickelt worden. Mit diesen Erfolgsmessungen im Digital «können wir meist zeigen, was die Werbung wirklich tun kann». Die Mediaspezialisten von OMD können dem Kunden auch Sales-Modelling anbieten. In dieser multivariaten Analyse-Methode lassen sich mehrere Faktoren in ihrem Wirkungszusammenhang darstellen: Was leisten einzelne Medien im Marketing- Mix? Wann und wo lohnen sich aufwendige TVKampagnen? Was bewirkt was?

Rund um all diese Angebote soll schliesslich das Datenmanagement besser werden – vom Reporting bis zur Post-Kontrolle. «Wir wollen unsere Arbeit gerne rechtfertigen in Bezug auf Return on Investment. »

Bei all diesen Dienstleistungen ist es Manfred Strobl sehr wichtig, dass seine Agentur für eine kreative Mediaplanung «möglichst frühzeitig am Tisch ist». Wenn die Kreation schon alles geschaffen hat, ist die Aufgabe sehr schwer, das gegebenenfalls infrage zu stellen. «Niemand will normalerweise einen teuren Spot wegschmeissen, nur weil das Format nicht mehr ins Media-Konzept passt.» Statt nur Planer will Strobl somit kreative Köpfe in die Prozesse einbringen können. Leute, die quer denken und auch schon Dinge infrage gestellt haben. «Kampf um das Rating ist Kampf um Ideen auf Basis von intelligenten Daten», heisst eine Philosophie bei OMD in Zürich.

Dass er selber ein Querdenker und Kämpfer ist, hat Manfred Strobl in seiner Karriere schon mehrmals in den verschiedensten Branchen und Situationen beweisen können.

Die ersten 30 Jahre seines Lebens hat Manfred Strobl «sehr bodenständig» in München verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und machte erste berufliche Schritte als Marktforscher bei Roland Berger. Nach vier Jahren wollte er diese Disziplin von einer anderen Seite kennen lernen und wechselte zu Philip Morris. «Das war damals die erste Adresse für Marketing in Deutschland.» Bei diesem Hotspot konnte Strobl wertvolle Erfahrungen sammeln mit qualitativer und vor allem auch quantitativer Forschung rund um sämtliche Verkaufskanäle, Kundenverhalten und Tracked Advertising. Für den Konzern durfte er verschiedene Workshops und internationale Meetings auch für das Kader organisieren. Seine Erkenntnisse aus dieser Zeit liess er als Co-Autor auch in ein Sachbuch einfliessen. 1993 war die Zeit reif für einen Wegzug aus München. Zusammen mit Detlev Braun, dem damaligen Marketing-Chef von Marlboro, wechselte Strobl nach Wiesbaden. Bei der Lancaster Group lockte die Chance, das bisher vom Inhaber noch «ziemlich patriarchisch » geführte Unternehmen zu einem grossen Markenartikler zu machen. Gehandelt wurde mit selektiver Kosmetik von Davidoff, Jil Sander oder zum Beispiel Joop.

Zusammen mit Braun führte Strobl für diese Designerbrands zum ersten Mal ein professionelles Marketing ein. Neben der dazu erforderlichen Marktforschung hat er dort ebenfalls die Mediaabteilung aufgebaut und Promotionen organisiert, von der Dekoration bis zu den Events. Dieses Wirken ist auch der Verlagsgruppe Milchstrasse aufgefallen. Strobl wurde nach Hamburg abgeworben und kümmerte sich dort um die Vermarktung von Titeln wie TV Spielfilm, Fit for Fun, Amica oder die Immobilienzeitschrift Bellevue. «Eine dynamische Zeit in einem sehr interessanten Verlag», erinnert sich Strobl. 1998 hat er für die Milchstrasse zudem das Verlagsbüro in Frankfurt aufgebaut, sich später aber mit dem Geschäftsführer «ein bisschen überworfen ». Heute sei alles wieder gut. Doch der Zwist war damals gar nicht so schlecht.

Manfred Strobl hatte plötzlich eine freie Zeit vor sich und dank den Erfolgen der vergangenen Jahre erstmals auch die Mittel, um seinen alten Traum von einem Studium im Ausland zu realisieren. In Holland machte er an der Rotterdam School of Management seinen Master of Business Administration und Business Informatics. Strobl schaffte mit seinen Noten Platz 2 unter 120 Studierenden aus 40 Nationen. Diese Ehre bescherte ihm ein Auslandsemester in Texas an der University of Austin sowie eine Praktikumsstelle beim Pharmaunternehmen Eli Lilly and Company in Indianapolis.

Nach dem Abschluss des Post-Graduate-Studiums gründete Strobl zusammen mit einer internationalen Gruppe von Gleichgesinnten ein Internet- Start-up in Paris. In einem Loft entwickelte man die Idee «Trading of digital Assets». Wie können digitale Produkte wie Musik oder Kunst über das Internet vertrieben werden? Die Gründer waren aber «teilweise zu spät dran und teilweise zu früh». Die Dotcom- Blase war bereits überhitzt. Strobl hatte den sich anbahnenden Flop rechtzeitig richtig eingeschätzt und setzte sich nach ein paar Monaten wieder ab nach Übersee.

Erneut in Austin konnte er bei der Dell Computer Corporation als Projektleiter für ein Jahr einsteigen. Er hatte dort die Chance, mit einem Team Internet- Produkte zu entwickeln und schuf einen der ersten digitalen Audio-Receiver für zu Hause. Er verkaufte aber auch zur Vorweihnachtszeit am Telefon «beyond- the-box solutions» oder «Computer nach Mass». Amüsant sei gewesen, wie viele Amerikaner am Telefon beim Verkäufer aus Bayern glaubten, sie würden einem Jux-Anruf von Arnold Schwarzenegger aufsitzen …

Die nächste Tür öffnete sich bei Lilly. Beim Pharma- Unternehmen in Indianapolis, wo er früher bereits sein Praktikum absolvierte, war inzwischen ein neues Medikament zur Marktreife gelangt. Strobl begleitete zuerst die Entwicklung in den USA und verantwortete später die komplette Markeneinführung in Deutschland in einer Zusammenarbeit zwischen Lilly und Boehringer. Fünf Jahre bis 2005 dauerte dieses Engagement, dann kam Manfred Strobl zum Schluss: «Das kann es nicht gewesen sein!» Er wollte wieder mehr «an der Front bei den Kunden» sein. Zudem fühlte er sich gebremst von den starren Strukturen des global tätigen Unternehmens. «Das Ganze war zwar super, aber schon sehr politisch.»

Die Erlösung war ein Angebot als Executive Managing Director bei Optimedia. Fünf Jahre leitete Manfred Strobl die Agentur in Frankfurt. Mit über 40 Mitarbeitenden betreute er die Budgets grosser Kunden wie zum Beispiel Nestlé, HP oder Richemont. Es war ein bisschen «Fernweh», das Strobl 2010 noch einmal Ausschau halten liess nach einer neuen Herausforderung. Allerdings sollte diese nicht weiter als maximal zwei Flugstunden von München entfernt sein. «Meine Verwandten kommen langsam in ein Alter, wo ich sie ohne viele Umstände auch spontan besuchen möchte.» Gelandet ist Manfred Strobl schliesslich in Zürich. Hier wirkt er seit Juli 2010 als neuer CEO von OMD Schweiz. Um sich für seinen Job fit zu halten, geht Manfred Strobl seit über zehn Jahren mindestens zweimal pro Woche zum Joggen und zum Kieser, dazu geniesst er oft am frühen Morgen das Schwimmen im Zürichsee oder im Winter im Hallenbad. Etwas unschweizerisch gestalten sich manche seiner Weekends: immer wieder reist er nach München, Wien oder Rom – der Familie und der Liebe wegen. Andreas Panzeri

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Goldbach Interactive rockt für Post Finance

Backstageradio ist das Internetradio der Post Finance und spielt ausschliesslich Musik von Schweizer Nachwuchskünstlern. Goldbach Interactive macht derzeit mit einer Reihe von Rich Media Expandable Ad auf Backstageradio aufmerksam.

In einer aufwändigen Videoproduktion hat Goldbach Interactive die Band Loco Slickers einzeln vor Greenscreen gefilmt und in der Postproduction auf Rich Media Formate getrimmt. Das Besondere: Klickt der User den Banner an, springt der Sänger der Loco Slickers aus dem Werbemittel heraus und performt auf der Website weiter.

Für Konzept, Design, Text und Programmierung war Goldbach Interactive zuständig, für die Mediaplanung Goldbach Audience. Die Mediaplanung konzentriert sich auf Websites, die junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren häufig nutzen, wie Tilllate.ch, Ron Orp, Out Now, Partyguide, Usgang.ch.

Goldbach Interactive hat die Videos mit der Produktionsfirma Imaculix umgesetzt.

 

In Zement gegossen

Erdmannpeisker hat für Vigier ein Kommunikationskonzept entwickelt.

Das Unternehmen Vigier ist einer der führenden Anbieter von Zement, Sand, Kies und Betonwaren. Vor fast 140 Jahren gründete Robert Vigier das erste Zementwerk der Schweiz. Heute bezeichnet sein Name eine Gruppe von fünf Bereichen mit über 1000 Mitarbeitenden. Zu Vigier gehören Vigier Ciment, Vigier Beton, Vigier Rail, Creabeton und Altola. Die dezentrale Firmenstruktur wurde in eine Holding umfirmiert. Deshalb wurde die Bieler Agentur Erdmannpeisker nach einer Pitchpräsentation damit beauftragt, einen einheitlichen Auftritt für alle Unternehmen der Vigier-Gruppe zu erarbeiten. Das Team um Creative Director Gabriel Peisker entwickelte darauf hin ein spezielles Keyvisual, welches die Kundenfreundlichkeit von Vigier spektakulär kommuniziert: ein Handshake zweier riesiger Betonhände, die jeweils von einem Kran gehalten werden. Des Weiteren kreierte das Agenturteam für jede Vigier-Submarke einen eigenen USP – und ein eigenes prägnantes Visual.

Neben der so entstandenen ganzheitlichen Imagekampagne wurden auch ein neuer Webauftritt, Broschüren, ein Messekonzept und Geschäftsdrucksachen entwickelt. pan

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