Wenn der Vermieter plötzlich kündigt

Eine Kündigung kann Mieter von Geschäftsräumen hart treffen. Das Gesetz schützt sie deshalb – gleich wie Wohnungsmieter – vor einer missbräuchlichen Kündigung und gibt ihnen die Möglichkeit, das Mietverhältnis zu erstrecken. Von Patrick Strub, lic. iur., Rechtsanwalt, Jurist und Redaktor beim Beobachter-Beratungszentrum.

Auch im Mietrecht herrscht Kündigungsfreiheit: Weder Mieter noch Vermieter brauchen einen speziellen Grund für eine Kündigung – nur missbräuchlich darf sie nicht sein. Zudem müssen Vermieter ein amtliches Kündigungsformular verwenden, ansonsten ist ihre Kündigung nichtig und hat keinerlei Rechtswirkung.

Erhalten Sie als Mieter eine formgültige Kündigung, so können Sie diese innert 30 Tagen bei der Schlichtungsstelle in Mietsachen anfechten. Das Verfahren ist kostenlos. Es reicht ein eingeschriebener Brief an die Schlichtungsbehörde, in dem Sie erklären, die Kündigung anzufechten, unter Beilage von Kopien des Mietvertrags und der Kündigung. Oder Sie verwenden das vom Bund zur Verfügung gestellte Formular (www.ejpd.admin.ch -> Themen -> Staat und Bürger -> Zivilprozessrecht -> Formulare für Parteieingaben). Zuständig ist die Behörde am Ort des Mietobjekts (www.mietrecht.ch -> Schlichtungsbehörde).

Die Mindestkündigungsfrist beträgt bei Geschäftsräumen sechs Monate. Haben Sie in Ihrem Mietvertrag eine kürzere Frist, so gelten dennoch die sechs Monate. Längere Fristen können gültig vereinbart werden. Die Kündigungstermine sind vertrag¬lich frei wählbar: ob auf das Ende jeden Monats, jedes Quartals, nur einmal jährlich oder auch mit einer Kündigungssperrfrist von einigen Jahren («erstmals kündbar per») – alles ist erlaubt. Kündigt der Vermie¬ter mit zu kurzer Frist oder auf einen falschen Termin, so ist die Kündigung automatisch – also auch ohne Anfechtung – erst auf den nächstmöglichen Termin hin gültig.

Das Kündigungsschreiben muss vor Beginn der Kündigungsfrist bei Ihnen eingetroffen sein. Wenn Sie es nicht entgegennehmen, gilt es im Normalfall als am ersten Tag zugestellt, an dem Sie es auf der Post abholen könnten. Sind Sie verhindert, zum Beispiel wegen Ferienabwesenheit, gilt es als am siebten und letzten Tag der Postabholfrist zugestellt.

Eine Kündigung kann missbräuchlich sein – beispielsweise wenn der angegebene Kündigungsgrund vorgeschoben, unbedeutend oder schikanös ist oder wenn das Vermieterinteresse an der Kündigung deutlich geringer ist als das Mieterinteresse an der Fortführung des Mietverhältnisses.

Eine Kündigung wegen Totalsanierung oder weil der Vermieter seine Lokalitäten selber nutzen möchte, ist in der Regel zulässig. Gleiches gilt, wenn der Vermieter einen Interessenten hat, der ihm nahe steht oder der nur schon einen höheren Mietzins zahlen würde – sofern dieser Mietzins nicht missbräuchlich ist. Kommt die Kündigung hingegen etwa, weil Sie den Vermieter wegen eines Mangels aufgefordert haben, Ihren Mietzins zu reduzieren, die defekte Eingangstüre zu reparieren oder Schimmel zu beseitigen, dann ist es eine missbräuchliche Rachekündigung.

Im Falle einer rechtmässigen Kündigung bleibt noch eine Erstreckung bei Geschäftsräumen von ma¬ximal sechs Jahren. Um die Dauer festzulegen, werden die Mieterinteressen denjenigen des Vermieters gegenübergestellt. Normalerweise stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Mietverhältnis wenigstens etwas verlängert wird – es sei denn, Sie hätten Ihre Sorgfalts- und Rücksichtnahmepflichten massiv verletzt oder die Mietzinszahlungen eingestellt.

Buchtipp
Mietrecht
Umzug, Kosten, Kündigung – alles, was Mieter wissen müssen
256 Seiten, Fr. 34.–
7., erweiterte und aktualisierte Auflage, 2010
ISBN 978 3 85569 429 7
Beobachter-Buchverlag

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Zu guter Letzt: Schweizer Werber wegen «Moschee-Baba» vor Gericht

Der Schweizer Werbefachmann Alexander Segert und der FPÖ-Chef in der Steiermark, Gerhard Kurzmann, müssen sich wegen des Anti-Minarett-Spiels «Moschee-Baba» am 14. Oktober im Grazer Straflandesgericht verantworten.

Im Zusammenhang mit dem Online-Spiel wird Kurzmann Verhetzung im Zusammenhang vorgeworfen. Segert hat das Spiel entwickelt. Er ist nun mitangeklagt. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Graz am Mittwoch gemäss SDA mit. Die Strafdrohung für das Vergehen der Verhetzung beträgt bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hat neben der Bestrafung der beiden Angeklagten die Verhängung einer Verbandsgeldbusse für die FPÖ Steiermark und die Werbeagentur beantragt.
«Moschee-Baba», das Anti-Minarett-Spiel mit dem Titel zielte darauf ab, Moscheen und Minarette sowie Muezzins weg zu klicken und dafür Punkte zu sammeln. Die steirische FPÖ hatte das Spiel für den Wahlkampf 2010 gemeinsam mit Segert entwickelt. Er hatte schon die Kampagne für ein Minarettverbot in der Schweiz gestaltet, bei der ebenfalls ein Internet-Spiel unter dem Namen «Minarett-Attack» zum Einsatz kam. Das Spiel hatte als Vorbild für die steirische Variante gedient.
In Österreich hatte die Lancierung des Online-Spiels «Moschee-Baba» eine Welle der Empörung ausgelöst. Segert selbst hatte verlauten lassen, dass innerhalb von 48 Stunden 100'000 Personen an dem Spiel teilgenommen hätten. Es decke offensichtlich
ein grosses Bedürfnis ab.

Der Prozess wurde nun mit Beginn um 9.00 Uhr für einen Tag anberaumt.
 

Epica Awards: Online-Eingabe offen

Ab sofort bis zum 30. September 2011 können unter Epica-awards.com Beiträge für die diesjährige Ausgabe der Awards eingereicht werden. Erstmals sind auch Arbeiten in den Kategorien  «Branded Entertainment»,  «Mobile Communications» und  «Social Networks» zugelassen.

In der Jury sitzen Journalisten von 35 Magazinen der Werbefachpresse, welche 29 europäische Länder sowie die EMEA-Region repräsentieren. Speziell zum diesjährigen 25. Jubiläum der Epica-Awards erhalten Silber- und Bronze-Gewinner eigens kreierte Kristall-Trophäen, statt wie bis anhin nur ein Zertifikat. Die Resultate werden Ende November auf der Epica-Website publiziert. Die jährliche Zeremonie und Kreativ-Konferenz finden am 20. Januar 2012 in Ljubljana statt.

Denon und Persönlich ambitioniert in die Zukunft

Werbewoche.ch schrieb in ihrem Artikel vom 7. 9. 2011, dass Denon zum reinen Beraterbetrieb wird. Das ist falsch: Denon ist weiterhin eine auf Corporate Publishing spezialisierte Full Service Agentur. Die Denon Gruppe erhält die Gelegenheit zu einer Richtigstellung.

Die Denon Corporate Publishing und die Persönlich Verlags AG starten eine ambitionierte Offensive mit einem gezielten Auf- und Ausbau zukunftsgerichteter Geschäftsaktivitäten. Die Persönlich Verlags AG nutzt die Potenziale des führenden Wirtschaftsmagazins für Kommunikation, «Persönlich», und der dazugehörigen Online-Plattform Persoenlich.com künftig noch systematischer und konsequenter. Zusätzliche Geschäftsfelder und Dienstleistungen in der Kommunikations- und Marketing-Community sollen den Wachstumspfad von „persönlich“ stärken.

Dazu wird die operative Führungsstruktur mit einem neuen Geschäftsleiter für den Fachverlag verstärkt. Chefredaktor Matthias Ackeret bleibt Chefredaktor, Roman Frank Verlags- und Anzeigenleiter.

Als Full-Service-Agentur verstärkt Denon Corporate Publishing die Kernkompetenzen in konzeptioneller Beratung und contentstarker Umsetzung, in Print, Online und Film mit Produktionsknowhow in allen Bereichen. Mit der Repositionierung verbunden ist die Neubestellung der Geschäftsleitung Corporate Publishing, der Leitung Design und Online-Publishing. Denon Corporate Publishing positioniert sich als kompetente und innovative Dienstleisterin für anspruchsvolle und massgeschneiderte Unternehmensmedien aus einer Hand.

Als CEO ad interim ist Beat Schaller mandatiert, alle Kräfte und Kompetenzen auf die Kundenbedürfnisse und Marktentwicklungen auszurichten. Im Zuge einer Repositionierung werden im Medienhaus in Rapperswil derzeit vier neue attraktive Stellen geschaffen. Die Ausschreibungen laufen bereits auf verschiedenen Plattformen.
 

«Manage frei!» von Formeldrei

Der Sporthilfe Super10Kampf verwandelt das Hallenstadion Zürich am Freitag, 4. November 2011, in eine riesige Zirkusarena. Formeldrei hat das Jahres-Highlight der Stiftung Schweizer Sporthilfe ganz im Zirkus-Look inszeniert.

Realisiert wurden Inserate und verschiedenen Print-Massnahmen. Diese kommen von Juli bis September zum Einsatz. Unter dem Motto «Manege frei!» messen sich auch in diesem Jahr wieder Stars aus Sport und Showbusiness in der Hallenstadion-Arena in vielen nicht ganz alltäglichen Spielen.

Verantwortlich bei Formeldrei, Bern: Moritz Adler (CD), Simon Seidel (Grafik), Marco Mesot (Beratung/Konzept), Jeanine Hochueli (Beratung). Verantwortlich bei der Stiftung Schweizer Sporthilfe: Marcel Brönnimann, Madlaina Schaad (Kommunikation).
 

Mit Content und Apps Geld verdienen

Die Zeiten scheinen vorbei, in denen Leser für Publikationen Jahresabonnemente abschlossen. Inhalte müssen heute multimedial aufbereitet werden und in einzelnen Häppchen zu kaufen sein. Die Zukunft gehört dem clever aufgebauten, klar positionierten Angebot, welches auch spezifische Kleinapplikationen bereithält. Hansres Emch, Mitgründer der Adliswiler Marketing- und Kommunikationsagentur Polytrop, weiss, wie man mit Inhalten Geld verdienen kann.

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In jeder dritten Werbewoche-Ausgabe finden Sie von nun an unsere neue Technologiekolumne, verfasst von Technologie-Experte Hansres Emch. Sie haben Fragen oder Anregungen dazu? Dann schreiben Sie eine E-Mail an [email protected] oder [email protected].

Unser Publikationshäppchen besticht in der Basis durch ein klar ausgerichtetes Inhaltskonzept mit einzigartigen, sinnvoll abgestuften crossmedialen Bereichen und themenspezifischen Anwendungen. Diese leckeren und stimmigen Inhaltshäppchen nimmt der Leser sofort als Added Value wahr. Unser Publikationshäppchen muss längst mehr sein als eine Art Landingpage der gesamten Cremeschnitte. Funktionen wie ein automatischer Einkaufszettel direkt ab Rezept, ein personalisierbares Allergiebarometer oder ein persönlicher Pilzführer machen sich gut im jeweiligen Paketangebot – es sei denn, man präsentiert Tagesnews oder Belletristik. Stimmige Zusatznutzen in Form von Kleinapplikationen steigern die Sexiness jeder Publikation. Ein gutes Beispiel dafür sind die Infografiken von 20 Minuten. Also bitte nicht beim Blätterkatalog stehen bleiben.

Crossmediale Interaktionen

Überhaupt: Verabschieden wir uns vom Blättern. Gestiksteuerungen eröffnen neue Sphären des Content Handling. Intuitiv geführte Inhaltszonen können bereits animiert, verglichen oder separat navigiert werden. Und das ist erst der Anfang. In Fachformaten und Lehrmitteln zukünftig eine 3DBenutzerführung anzubieten (Beispiele: http://bit. ly/qLwcSf, www.bjork.com), ist nicht nur pädagogisch wertvoll.

Inhaltsgenuss mit Microbilling und Hybrid-Apps

Leser wollen ihre Publikationshäppchen in wenigen Schritten «verzehren» können. Also müssen Inhaltspakete leicht zugänglich, jederzeit geniessbar und einfach zu erwerben sein. So wie im Appstore. Die Zeit der nativen Apps ist bald vorbei. In Zukunft werden Hybrid-Apps alle möglichen Anwendungen vereinfachen (www.phonegap.com).

Inhaltsmarketing

Wir wissen, wer unser Publikationshäppchen wann, mit welchem Gerät und wie konsumiert hat, und oft wissen wir sogar, wo. Das sind durchaus interessante Facts, die helfen, Angebote noch spezifischer, sinnvoller, nutzungsaffiner und attraktiver zu erstellen. Die gewonnenen Feedback-Daten können je nach Bedürfnis des Marketings fein granuliert werden – und sind deshalb mindestens mittelfristig mit dem Prädikat «wertvoll» zu versehen.

Last but not least: Technologie

Die interaktiven Möglichkeiten, die Sensoren in mobilen Geräten eröffnen, sind vielseitig: Infrarotschnittstellen für Steuerungsprozesse, Projektionspanels, integrierte Identifizierungsprozesse und Filterfunktionen werden Publikations-, Interaktions- und Steuerungsprozesse noch näher an das Produkt bringen. Und der Leser initiiert über sein Pad den personalisierten Produktionsprozess. Goldene Zeiten also für Technologiepioniere. 6 von 10
Romands sind
 

Den Blindflug beenden

Innerhalb der Social-Media-Welle gewinnt Social Media Monitoring an Bedeutung – Schweizer Angebote lanciert.

Auch wer nicht auf Facebook und Twitter um Fans und Followers buhlt, kommt kaum mehr darum herum, die Social-Media-Welt immerhin passiv zu beobachten. Mit einem Social Media Monitoring, SMM, können Äusserungen zur eigenen Marke ebenso wie zur lieben Konkurrenz verfolgt werden. Oft wichtiger – und ergiebiger – ist das Beobachten von Dialogen zu branchenrelevanten Themen, um so wichtige Trends frühzeitig zu erkennen. Und wer einen eigenen Social-Media-Auftritt erst plant, kann so wichtige Hinweise für ein erfolgversprechendes Vorgehen gewinnen.

Für viele Unternehmen dürfte gelten, was Zeynep Sayin, Leiterin www.books.ch bei der Orell Füssli Buchhandlungs AG, so formliert: «Unsere Präsenz auf Facebook hat sich innert kurzer Zeit zu einer lebendigen Kommunikationsplattform mit unseren Kunden entwickelt. Da es sich um eine für uns neue Plattform handelt, verfolgen wir die Entwicklung genau und lernen daraus. Facebook ist ein Versuchsfeld, das sich entwickeln könnte, aber noch kein Grundpfeiler unserer Kommunikationsstrategie. Deshalb wurden bisher keine detaillierten Zielwerte definiert.» Derweil sind international ausgerichtete Unternehmen oft weiter. So berichtet Marcel Härtlein, Head of Online Properties bei KPMG AG Switzerland, dass es für die wichtigen Kanäle wie Twitter, Xing, LinkedIn, Facebook etc. ein kontinuierliches Monitoring gibt, Social-Media-Kennzahlen definiert und ins herkömmliche Marketing-Reporting eingebunden worden sind.

Wie die Umfrage der Werbewoche zu diesem Thema weiter gezeigt hat, gibt es beim Social Media Monitoring keinen Königsweg, und bei den jeweils eingesetzten Tools gibt es keine eindeutigen Spitzenreiter (für eine umfassende Übersicht: http://wiki.kenburbary.com/). Sagt etwa Christoph Zumbühl, Berater und Geschäftsleitungsmitglied bei Ulmann +Partner: «Wir verfolgen die Socials im Rahmen der Kampagnen über Google Analytics. Das Tool bringt eine gute Übersicht und lässt Schlussfolgerungen zu.» Auch andere Gratis-Tools sind im Rahmen der Umfrage häufig erwähnt worden. Der oft kombinierte Einsatz solcher Gratis-Tools ist am Anfang eines Social-Media-Engagements naheliegend. Damit lassen sich erste Erkenntnisse gewinnen und Anforderungen an Lösungen für einen weiteren Schritt definieren. So spricht KPMG-Härtlein davon, in den nächsten Monaten das Monitoring auszubauen und dazu eine High-End-Lösung wie zum Beispiel Radian 6, Sysomos Heartbeat etc. einzusetzen, um damit Stan¬dard-Reportings zu generieren.

Zur sich abzeichnenden Professionalisierung beim Social Media Monitoring in der Schweiz passt, dass nach Ende der Sommerferien Dienstanbieter SMM-Lösungen lanciert haben, die auf den Schweizer Markt zugeschnitten sind. So der Marktleader bei der Medienbeobachtung, die Argus der Presse AG. Sie hat angekündigt, neu mit dem International Internet Monitoring (IIM) nicht nur über 20 000 Websites in mehr als 170 Ländern, sondern auch über 50'000 Schweizer Twitter-Accounts und die öffentlich zugänglichen Facebook-Inhalte aus dem deutschen, französischen und italienischen Sprachraum sowie mehr als 4'500 Schweizer Blogs zu überwachen. Und die Firma Netbreeze, die ganz auf das Social Media Monitoring fokussiert ist, hat mit dem Social Media Report ein SMM-Produkt lanciert, das auf Schweizer KMU ausgerichtet ist.

Ob Gratis-Tools, Profi-Lösungen oder externe Anbieter: Der Aufwand für Social Media Monitoring darf keineswegs unterschätzt werden. So müssen die Suchergebnisse ständig überprüft und die Suchbegriffe immer wieder angepasst werden. Das ist gerade im dreisprachigen Schweizer Heimmarkt besonders aufwändig, zumal oft auch die saloppe Umgangssprache, wie sie im Netz gang und gäbe ist, mit berücksichtigt werden muss. Kommt dazu, dass der vergleichsweise kleine Schweizer Markt wenig ergiebig ist. Wer etwa auf Twitter bekannte Schweizer Mar-kennamen sucht, findet oft nur einige wenige aktuelle Einträge – der Erkenntnisgewinn dürfte auch mit vollständigeren professionellen Tools kaum wesentlich grösser ausfallen. Werden hingegen in ausländischen Märkten nicht nur der Markenname, sondern auch Trends überwacht, trifft oft das Gegenteil ein: Da produzieren die SMM-Tools schnell einen grossen Datensegen, der eine fundierte Analyse erfordert. Je nach dem, welche Kanäle mit welchen Absichten eingesetzt werden – geht es etwa um Kundenbindung, um Kundenservice oder um Markenbekanntheit –, werden jeweils andere Leistungskennzahlen zu defi¬nieren sein. Letztendlich liegt die Kunst und die eigentliche Herausforderung darin, die einzelnen Metriken im dynamischen Umfeld des Unternehmens und seiner Märkte so zu verstehen, dass sie zur ständigen Optimierung der Geschäftsabläufe beitragen können.

Dabei geht es um Faktoren wie diese:
Begeisterung: Wie viele Blog-Einträge, Web-Kommentare oder Erwähnungen auf Social Media Sites hat ein Thema ausgelöst?
Verbreitung: Wie rasch breitet sich eine Diskussion im Netz aus?
Leader: Welches sind bei den eigenen Themen die Opinion Leaders, und wie können wir sie erreichen?
Frequenz: Welche Themen tauchen zu einer be¬stimmten Marke wie häufig in Online-Diskussionen auf?
Demografie: Welche demografische Gruppen (Ort, Geschlecht, Alter etc.) werden erreicht, und inwiefern stimmen diese mit den anvisierten Zielgruppen überein?
Aufmerksamkeitsanteil: Welchen Anteil hat die eigene Marke im Vergleich zu Mitbewerbern zu einem Thema über alle Kanäle (share of voice)?
Einstellung: Mit welcher Haltung reagieren Konsumenten auf ein Thema? Gewisse Analyse-Tools erkennen die emotionale Stimmung von Äusserungen rund um ein Thema, sog. Sentiment-Analyse.
Umfang: Wie viele Social-Media-Beiträge (Blog-Einträge, Forumsdiskussionen, Tweets etc.) braucht es, um eine Wirkungsschwelle zu erreichen?
Wert: Welcher Umsatzbeitrag geht von einer Online-Konversation über ein bestimmtes Produkt oder über eine Marke aus?

Solche und ähnliche Beurteilungskriterien gehö¬ren zum Vorfeld des Social Media Monitoring und Analytics, wie es derzeit vorab in den USA auf Widerhall stösst. Nach Einschätzung hiesiger Branchen-Exponenten ist die Entwicklung des Social-Media-Markts in der Schweiz zwei bis drei Jahre verzögert. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns Kampagnen mit einem zentralen Fokus auf Social Media allgegenwärtig sein werden. Dann wird der Bedarf nach möglichst konkreten Messkriterien zur Kontrolle und Steuerung steigen. Umfassende SMM-Lösungen werden vielerorts unentbehrlich werden und oft im Sinne eines Social CRM (vgl. Werbewoche 14/12.8.2011, Seite 19) in die Geschäftsabläufe integriert. Da es zu Twitter und Facebook keine verlässlichen Nutzerzahlen gibt, ist zu hoffen, dass so gewonnene Erkenntnisse immerhin teilweise in der Branche offen gelegt werden. Zwar kann mit guten SMM-Lösungen der eigene Blindflug beendet werden, doch nur wer sich mit anderen vergleichen kann, kennt die eigene Reiseflughöhe. Christoph J. Walther

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(WE Media Audience Data)

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10 Jahre «Das kann nur ein Inserat»

Die beste Werbung für Anzeigen sind Anzeigen. Die Grundidee ist dieselbe wie seit 10 Jahren. Doch auch bei der neuen Ausschreibung gibt es Neuerungen. Zum Beispiel einen Briefing-Event.

Am Anfang waren es Werbeagenturen. Sie erhielten den Auftrag, sich über die Vorzüge von Anzeigen den Kopf zu zerbrechen. Die so entstandenen Vorlagen wurden von den Verlagen in grosser Anzahl ein-geschaltet. Wobei jede Anzeige nicht nur Werbung für Anzeigen machte, sondern auch für die entsprechende Agentur. Die Ideen für diese Anzeigen hatten – so eine Mutmassung – in erster Linie die Jung-kreativen in den Agenturen, so eine Mitteilung des Verbandes Schweizer Medien. Dies habe den Verband auf die Idee gebracht, «Das kann nur ein Inserat» als Wettbewerb für Kreative bis Alter 28 auszuschrei-ben. Der Gewinn für die Sieger: ein ansehnliches Preisgeld und der Auftrag für die Realisierung ihrer Arbeit (gegen Entgelt). Dazu als krönender Abschluss ein unvergessliches Erlebnis, das Publimedia ermöglicht: die Teilnahme am bestYET, einem zwei Tage und zwei Nächten dauernden Kreativ-Wettbewerb in einer europäischen Grossstadt.

Zum ersten Mal steht die Ausschreibung unter einem speziellen Motto. Es kommt in einem längeren Zitat von Ira Glass zum Ausdruck, einem amerikanischen Produzenten und Radiomoderator. Das Zitat ist in der Ausschreibung www.das-kann-nur-ein-inserat.ch nachzulesen.

Neu kann man wahlweise Ideen für Einzelsujets oder für eine Kampagne von 3 bis 4 Sujets einreichen. Ausserdem kennt das Briefing fast keine Einschränkungen mehr. Und neu steht ein Briefing-Event auf dem Programm – damit man aus erster Hand alles Wesentliche erfährt und Antwort auf alle Fragen erhält: am 2. November 2011 in Zürich. Anmeldung bis 28. Oktober 2011 an [email protected]

Die Jury-Mitglieder
Die Jury setzt sich mehrheitlich aus jungen Kreativen zusammen, die bereits gezeigt haben, was sie können: Isabelle Hauser, mehrfache Gewinnerin von «Das kann nur ein Inserat», seit kurzem Art Director bei Ruf Lanz, Diana Rossi, ADC-Mitglied, seit kurzem Creative Director bei Spillmann/Felser/Leo Burnett, Patrick Ryffel, mehrfacher Gewinner von «Das kann nur ein Inserat» und weiterer Wettbewerbe, seit kurzem Texter bei Philipp und Keuntje in Hamburg. Weitere Jury-Mitglieder sind Stefan Erhart, der als Leiter Markenführung Schweiz von Swiss Life für die aktuelle «Wendesätze»-Kampagne verantwortlich zeichnet, und Michael Seiler als Vertreter des Verbands Schweizer Medien. Jurypräsident ist Andreas Prokesch, der langjährige Chairman der ADC-Jurierung.

«Das kann nur ein Inserat» wird unterstützt von Keystone, Art Directors Club ADC Schweiz, ASW Allianz Schweizer Werbeagenturen, BSW Swiss Leading Agencies, Script, SW Schweizer Werbung, Werbewoche, Cominmag.ch (Medien-Partner) und Publimedia (bestYET), Swissprinters Zofingen.

Die Termine
– Briefing-Event 2. November 2011
– Einsendeschluss 1. Dezember 2011
– Preisverleihung 13. Dezember 2011
– bestYET in Oslo 10.–12. Mai 2012

 

Mit Hybrid-TV beginnt ein neues TV-Zeitalter

Dank der Verbindung mit dem Internet wird aus dem Einwegmedium Fernsehen ein Dialogmedium, das auch im kommerziellen Bereich völlig neue Perspektiven eröffnet. Der Weg ins neue Zeitalter ist aber hürdenreich. Das zeigten die Demonstrationen und Präsentationen am ersten IGEM-Techno-Update in Bern. Von Ueli Custer.

Hofer kommuniziert für das grösste Berner Privatspital

In Bern haben sich die Privatspitäler Lindenhof, Sonnenhof und Engeried zum grössten privaten Anbieter des Kantons zusammengeschlossen. Hofer hat die Kommunikation an die verschiedenen Anspruchsgruppen in die richtigen Wege geleitet.

Das Mandat umfasste die Beratung zum strategischen Vorgehen sowie anschliessend die Umsetzung der einzelnen Massnahmen. Die Medienarbeit sei regional und national auf breite, positive Resonanz (Online, Print, Radio, TV) gestossen, wie die Agentur in einer Mitteilung schreibt.
 

SFLB: Lovely macht sich für Swissmilk stark

Im neusten Milch Spot der SFLB muss der Schweizer Alpinist Stefan Siegrist erkennen, dass andere schneller den Berg hochkommen als er: Bei seinem Einstieg in eine grosse Wand grast die Milchkuh Lovely.

Immer wieder überrascht Lovely dann Siegrist, weil sie ihn irgendwie überholt hat. Womit es auch glasklar ist, wer am Schluss zuerst oben steht. Milch macht eben stark, so das Motto des Spots.

Stefan Siegrist ist einer der bekanntesten Alpinisten der Schweiz. Der Berner hat unter anderem Erstbesteigungen auf allen sieben Kontinenten geschafft und 27mal die Eigernordwand bestiegen – die bekannteste davon die 33-stündige Live-Übertragung am Schweizer Fernsehen.

Verantwortlich bei Swissmilk/Schweizer Milchproduzenten: Charlotte Hofstetter (Leiterin Marketing), Martin Rüst (Abteilungsleiter Werbung & Media), Olivia Etter (Projektleiterin Werbung Milch). Verantwortlich bei Spillmann/Felser/Leo Burnett: Dan Strasser, Johannes Raggio (Kreation), Martin Spillmann (CD), Fabienne Schoberth, Pam Hügli (Beratung), Suzana Kovacevic (Art Buying). Produktion: Pumpkin Film, Zürich. Regie: Adam Hashemi.

 

Aufgespiesst: Wir wissen nichts – und können darüber lachen

Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich über Wissenschaftler, ihre Studien und deren überflüssige Ergebnisse.

Wenn mir langweilig ist, was selten vorkommt, lese ich eine Studie. Denn Studien bringen mich schnell auf den aktuellsten Wissensstand und sind sehr unterhaltsam – weil das neue Wissen meist so unnütz ist, dass es erheitert. Im «Journal of the European Economic Association» veröffentlichten Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Langzeiterhebung «Sozio-ökonomisches Panel». Seit 2004 haben die Herrschaften, unter ihnen Forscher der Universität St. Gallen, mehr als 20 000 Menschen befragt (darum hat’s auch so lange gedauert) und herausgefunden: Männer wagen mehr als Frauen, grosse Menschen sind risikofreudiger als kleine, wer Eltern mit Matura hat, geht eher Risiken ein, und wer etwas riskiert, ist zufriedener als ängstliche Naturen. «Ach was!», würde Loriot sagen. Und wenn eine Frau grösser ist als ihr Mann, seine Eltern aber Matura haben und ihre nicht, wer von beiden ist dann risikofreudiger? Eben, die wirklich wichtigen Fragen beantwortet die Studie nicht.

Auch Studie 2 von TNS-Emnid und Congstar enttäuscht bei genauem Hinsehen: Männer seien vielseitiger als vermutet, so das Ergebnis. Sie könnten nicht nur Fussball schauen, sondern nebenbei auch noch Bier trinken und Chips essen. Na bravo. Eine echte Weiterentwicklung seit Neandertalerzeiten. Ausserdem surfen 68 Prozent der Männer mit dem Smartphone, während die Kiste läuft, 60 Prozent hören nebenbei Radio oder CD und immerhin 52 Prozent telefonieren, während sie dem Spiel zuschauen. Klar: Mit dem Smartphone suchen sie nach dem Spielstand, den sie verpasst haben. Das Radio haben sie vergessen abzuschalten und merken nicht, dass es noch läuft. Und am Telefon reagieren sie nach zehn Minuten Shoppingbericht der Freundin auf die Frage «hörst Du mir eigentlich zu?» mit den Worten «hmmmm – … – was?!». Wofür eine Studie, wenn Erfahrung reicht? Studie 3 wenigstens, durchgeführt vom Friedrichshafener Marketingprofessor Peter Kenning, erfüllt mit Hoffnung: Männer sind häufiger kaufsüchtig als vermutet. Na also, endlich eine gute Nachricht. Kaufsüchtige haben eine Geldbiografie (ein herrliches Wort) und können ihr Verlangen, einzukaufen, nur schwer unterdrücken. Wo genau diese Männer zu finden sind, darüber gibt die Studie natürlich wieder keine Auskunft, denn die Betroffenen fühlen sind beschämt und versuchen, ihre Sucht zu verbergen. Keine Sorge, Jungs, meldet euch bei mir! Wir können gern zusammen shoppen gehen. Aber ich sage, was gekauft wird!

Durch eine Studie des Creative-Center der Telekom Laboratories erfahren wir, dass ungebildete oder faule menschen emails klein udn felherhatf schreiben. Moment, Einspruch. E-Mails klein zu schreiben ist bei den meisten nicht so tippgeübten Menschen vermutlich effizienter, als auf Gross- und Kleinschreibung zu achten, unschön zwar, aber nicht dumm. Und mit Rechtschreibfehlern kann man dickes Geld verdienen. Google jedenfalls macht gute Umsätze mit Typosquatting: Die Suchmaschine erkennt Suchanfragen trotz diverser Tippfehler und leitet Suchende zur richtigen Website weiter. So kommt, wer nach Fcaebook oder Faacebok sucht, trotzdem zu Facebook. Und das Unternehmen zahlt dafür. Es ist also gar nicht bldö, flasch zu shcreibne. Jedenfalls nicht für Google.

Und dann gibt es da noch diese wunderbare Studie, die belegt, dass Autofahrer grössere Füsse haben als Nichtautofahrer – was schlicht daran liegt, dass Autofahrer in der Regel über 18 Jahre alt sind und damit im Vergleich zu einem Fünfjährigen oder einer Elfjährigen auf grösserem Fuss leben. In Zürich raunt man sich zu, dass zukünftig die Füsse gemessen werden, wenn man einen SUV kaufen will. Unter Schuhgrösse 44 bekommt man keinen mehr. Denn SUVs setzen, wie man täglich beobachten kann, besondere Fahrkünste voraus. Und für die kann ein grosser, schwerer Bleifuss am besten garantieren.

Wer sagt da noch, Studienergebnisse hätten keine Relevanz für den Alltag?
 

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