WW: Heutzutage hat man oft das Gefühl, beim Arbeiten gehe es nur noch um Umsatz und Output, ums Managen, Verwalten und Abwickeln – und nicht mehr darum, dass man hinter dem steht, was man tut, dass man Spielräume nutzt, Neues entdeckt und erfindet. Geld kämpft gegen Geist – kann es so weitergehen?
Dominic Veken: Sie haben Recht: Eine Überbetonung des Geldes steht gegen die Entfaltung von Geist. Und sie wird in Zukunft auch nicht mehr erfolgreich sein. Die Strategie, durch eine permanente Erhöhung der Effizienz immer mehr aus den Menschen herauszupressen wie aus einer Zitrone, ist eindeutig an ihre Grenzen gelangt. Die Kreativität wird, wie die Lust an der Arbeit, massiv eingedämmt, und dann sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Bildungseinrichtungen, die Politik und nahezu alle anderen gesellschaftlichen Systeme nicht mehr leistungsfähig. Ich habe das Institut für Marken- und Unternehmensphilosophie gegründet, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten Menschen in keiner Weise begeistert sind von dem, was sie tun. Es geht immer darum, irgendwelche Markenmodelle und Prozessketten abzuarbeiten, überall ein Häkchen hinterzusetzen und mit Marktforschungsbatterien Prozesse anzutreiben – und das alles mit sehr maschinellem Charakter. Doch die Frage «wie begeistere ich meine Kunden, wie begeistere ich Konsumenten, wie begeistere ich Menschen?» geht völlig unter. Das ist das Grundproblem: Viele Unternehmen und Marken funktionieren heute wie Maschinen. Egal, ob Firmen, Schulen, Gefängnisse oder Kliniken, alles muss heute effizient sein. Es geht zu einer bestimmten Zeit los, und innerhalb einer bestimmten Zeit müssen festgelegte Arbeiten erledigt werden. Auf diese Entwicklung hat schon Michel Foucault hingewiesen, sie prägt unseren Alltag seit dem Beginn der industriellen Revolution vor gut 300 Jahren. Experten schätzen, dass allein in Deutschland neun Millionen Menschen einen Burnout haben und vier Millionen an Depressionen erkrankt sind. Wohlgemerkt: Das sind Schätzungen. Menschen bekommen Probleme, weil sie durch diese Art zu arbeiten innerlich aushöhlen. Sie erfüllen ihren Job und ihre Pflichten – aber was sie tun, erfüllt sie nicht mehr. Die Lösung ist, dass wir von dem Denken wegkommen, dass alles möglichst gut funktionieren muss, dass alles immer noch effizienter werden muss, dass Arbeit noch mehr verdichtet werden muss und Menschen immer höhere Anforderungen erfüllen müssen. Meine Idee ist, dass Unternehmen und Marken mehr wie eine soziale Bewegung funktionieren müssen, wie Geistesgemeinschaften.
Geistesgemeinschaften? Das klingt abgehoben …
Damit meine ich Gruppierungen wie die Hippies, die Hells Angels oder auch die Mafia – mein Buch* dreht sich um dieses Thema. Diese Gruppen haben einen gemeinsamen Geist, an den alle in der Gruppe glauben, um den sich alles dreht und nach dem sich alles ausrichtet. Alle Geistesgemeinschaften haben ähnliche Strukturen: Die Mitglieder sind freiwillig dabei und erfüllt von dem, was sie tun. Sie haben ein Leuchten in den Augen. Ich denke, dass Marken und Unternehmen in Zukunft sein müssen wie Geistesgemeinschaften, damit wir alle wieder mehr erfüllt sind von dem, was wir tun. Dann entwickeln Marken auch eine hohe Anziehungskraft, dann kann werbliche Kommunikation Menschen berühren und Reaktionen in ihnen wachrufen. Die Marken oder Unternehmen, die in den vergangenen zehn Jahren extrem erfolgreich waren – Google, Starbucks, Apple –, sind Unternehmen, die schon ein bisschen wie eine Bewegung sind. Auch Obamas Wahlkampf ging in die Richtung des «Social Movement». Solche Bewegungen fangen langsam an, das starre, industrielle Leitbild der Maschine aufzubrechen, Menschen eben wieder in Bewegung zu versetzen, so dass sie freiwillig mitziehen. Werbung konsumieren wir in Zukunft nur noch freiwillig. Also muss sie begeistern und berühren. Auch Wikipedia lebt absolut von dieser Freiwilligkeit – wäre Wikipedia ein Unternehmen, wäre das genial.
Wenn ich eine erfolgreiche Marke oder ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen möchte, muss ich also versuchen, eine Geistesgemeinschaft zu etablieren?
Genau. Und das ist auch die Arbeit, die ich im Institut für Marken- und Unternehmensphilosophie mache. Es fängt damit an, dass ich den gemeinsamen Geist, den Corporate Spirit, in einem Unternehmen identifiziere. Meine These ist, dass jedes Unternehmen einen gemeinsamen Geist hat, denn es ist ja einmal voller Lust und mit einem Leuchten in den Augen von einem Unternehmer gegründet worden. Aber mit der Zeit bilden sich über diesem Geist Erdschichten, die ihn langsam verschütten und die ich dann wie ein Archäologe wieder abtragen muss, um zum Kern zu kommen. Ein Beispiel: Im letzten Jahr habe ich die weltweite Unternehmensphilosophie der Otto Group entwickelt. Dort ist der Corporate Spirit, den wir herausgearbeitet haben, «die Kraft der Verantwortung». Er passt zum Unternehmen, zu den Herausforderungen, die die Group in Zukunft wird meistern müssen, und ist auch vor dem Hintergrund der Geschichte der Firma glaubwürdig. Nun geht es darum, den Mitarbeitenden diesen gemeinsamen Geist zu vermitteln, eben wie in einer Geistesgemeinschaft.
Wie gelingt es einem Unternehmen denn, eine toll formulierte Vision auch zum Leben zu erwecken – oder wiederzuerwecken?
Am einfachsten kann ich sagen, wie es nicht funktioniert, obwohl es leider häufig so gemacht wird: Indem man eine Mission, eine Vision und eine Strategie entwickelt, sie seinen Mitarbeitern vorstellt, sie in einem Ordner abheftet und auf eine Tafel druckt, die im Eingangsbereich des Unternehmens steht. Und dann ist Ende. Das lässt natürlich jeden komplett kalt und zeigt überhaupt keine Wirkung. Bei der Entwicklung eines Corporate Spirit muss man zwei wichtige Faktoren berücksichtigen: Zum einen muss er sehr emotional sein und die Menschen berühren. Zum anderen sollte das Unternehmen möglichst alle Mitarbeiter in den Prozess der Findung oder Freilegung der Unternehmensseele involvieren. Die Angestellten müssen die Gemeinschaft in einem partizipativen Prozess mitentwickeln und -gestalten. Wenn drei Manager da sitzen und sich was ausdenken, bringt das überhaupt nichts. Und dann muss man auch gemeinsam überlegen, wie man den Spirit im Unternehmen verankert, sicher nicht durch einen königgleichen CEO, sondern in einem demokratischen Prozess von unten. Bewegungen funktionieren immer nur von unten, sie werden nie von oben verordnet.
Bei einem Fünf-Mann-Unternehmen ist es vermutlich nicht so schwierig, gemeinsam zur Firmenseele vorzudringen. Aber bei einem Grossunternehmen mit 3500 Mitarbeitern, das merkt, dass der Laden nicht mehr richtig läuft und das auf die Suche nach seinem Kern gehen will – das kann ja schlecht alle seine 3500 Mitarbeiter in diese Seelenfreilegung einbeziehen.
Doch. Überlegen Sie einmal, wie viele Menschen an Wikipedia mitarbeiten, wie viele Menschen den Wahlkampf von Obama mitgetragen haben. Bei der Otto Group haben wir eine Plattform mit dem Namen «4000 Engagements» gebaut, auf der die 50'000 Mitarbeiter ein Jahr lang ihre Engagements eintragen, also Dinge, bei denen sie persönlich Verantwortung übernommen haben. Dabei ist es ganz wichtig, dass es nicht nur um firmeninterne Aktivitäten geht, sondern auch um privates Engagement wie etwa ein Einsatz für Obdachlose. Jeder Mitarbeiter kann nachschauen, wer dort was eingetragen hat. und bekommt so ein Gefühl dafür, wie «Die Kraft der Verantwortung» im Unternehmen lebt und gelebt wird. Über viele flankierende Kommunikationsmittel und -massnahmen sieht jeder Mitarbeiter, dass sich im Unternehmen etwas bewegt, dass es sich lohnt und gewürdigt wird, wenn man Verantwortung übernimmt. Und das spiegelt den gemeinsamen Geist der Otto Group wieder und stärkt ihn zunehmend.
Kann denn ein Corporate Spirit Unternehmen, Agenturen oder Medienhäusern dabei helfen, nicht ins Fahrwasser des seelenlosen Vor-sich-Hinmanagens zu geraten?
Ich denke ja. Wir müssen weg vom Seelenlosen, und der Corporate Spirit ist ein Instrument, um diesem etwas Starkes entgegenzusetzen. Er definiert ja gerade die Seele des Unternehmens. In jedem Unternehmen gibt es so eine Seele, doch sie ist meistens durch den Fokus auf Geld und Effizienz, durch das heute übliche Nutzen- und Rechnungsdenken verschüttet. Die Aufgabe jedes Führenden muss es sein, die Seele seiner Marke oder seines Unternehmens wieder freizulegen, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Und zwar erfolgreich sowohl im ideellen als auch im materiellen Sinn. Es wird eben in Zukunft auch immer schwieriger werden, als seelenlose Einheit Geld zu verdienen.
Kann ein Unternehmen ohne Corporate Spirit denn auch funktionieren?
Ja klar, heute ist das auf jeden Fall noch so. Es kommt auch immer auf die Branche an. In vielen Bereichen funktionieren Unternehmen, die wie Maschinen arbeiten, wunderbar. Aber erstens haben die unglücklichere Mitarbeiter und zweitens keine langfristige Zukunft. Gerade im Dienstleistungssektor wird es immer schwieriger, erfolgreich zu sein, wenn man demotivierte Mitarbeiter hat, die kurz vorm oder mitten im Burnout sind und Kunden einfach abfertigen. Es wird immer wichtiger werden, einen Corporate Spirit zu haben und ihn zu pflegen. Denn natürlich geht uns allen besser, wenn möglichst viele Menschen glücklich sind.
Kann ein CEO nur erfolgreich führen, wenn er selbst von seinem «Produkt» begeistert ist?
Im Moment haben wir noch das Ideal, dass der CEO wie ein König ist, der über das Unternehmen herrscht. Doch die Rolle des CEO wird sich grundlegend ändern, denn bei Bewegungen ist er eher ein Charakter, der einen bestimmten Geist verkörpert und vorlebt. Insofern kann man Ihre Frage nur mit «ja» beantworten: Wenn ein CEO seinen Mitarbeitern mehr geben will als Anweisungen, dann muss er an das glauben, was er tut, sonst kann er keinen Geist versprühen und entsprechend keine Begeisterung sähen. Bei Foucault heisst es: Der Kopf des Königs ist schon vor Jahrhunderten gerollt. Wir könnten hinzufügen: Und die Knöpfe der Maschinen entfalten keine Wirkung mehr. Das hat auch etwas Tolles, denn es bedeutet, dass nun ein ganz neues Zeitalter anbricht, eine Bewegung zu mehr Seele, zu mehr Erfülltheit und mehr Begeisterung, die ganz viele Menschen bewegen wird. Denn das ist, glaube ich, den meisten klar: So wie es jetzt ist, wird es ganz sicher nicht weitergehen können.
Ihre Forderung, dass wir wieder auf Idealismus, Kreativität, Charakterstärke und inneren Reichtum setzen sollen, statt auf Gier, Materielles und äusseren Reichtum, klingt grossartig. Und es macht Mut, dass Sie das als zukünftige Entwicklung sehen. Aber ist das in der heutigen Ellenbogengesellschaft wirklich realistisch?
Ich finde schon. Mehr und mehr werden Stimmen laut, die ein solches Umdenken fordern. Howard Schultz zum Beispiel, der Starbucks gross gemacht hat, schreibt in seinem neuen Buch, dass er es als riesigen Fehler betrachtet, dass der Zauber, der Geist, der Spirit, der in den Starbucks-Filialen so wichtig ist, so lange untergewichtet wurde. Es ging viel zu lange um Effizienz, darum, wie der Kaffee noch schneller in den Becher kommt. Schultz hat dann versucht, diese Entwicklung zurückzudrehen und wieder Ideale und Visionen in das Unternehmen zu tragen. Weltweit kann man beobachten, dass die erfolgreichen Firmen die Ellenbogenmentalität wieder zurückfahren und sich auf Ideale besinnen.
Nur Sehnsucht und Begeisterung können einen tiefgreifenden Wandel herbeiführen, sagen Sie. Wie lange wird es dauern, bis das nicht nur einige erfolgreiche Leitfiguren begreifen, sondern auch die Herrschaften in den oberen Management-Etagen – und das auf breiter Front?
Das wird sicher noch einige Zeit dauern. Aber darum gibt es Leute wie mich, die dieses neue Denken in Theorien fassen können, und in Instrumente, mit denen man es etablieren kann. Man muss ja auch einmal überlegen, warum die von Ihnen erwähnten erfolgreichen Leitfiguren erfolgreich sind. Wer das zu Ende denkt, muss einen neuen Weg einschlagen. Auch Marketing entstand vor etwa 100 Jahren, weil man feststellte, dass sich nicht mehr alles, was produziert wird, von selbst verkauft. Die Menschen wurden plötzlich wählerisch. Und jetzt ist die Situation: Menschen sind ausgebrannt, fühlen sich nicht mehr wohl, sie kaufen weniger und schauen auch weniger Werbung. Was machen wir da? Die Antwort ist: Wir müssen mehr auf Spirit setzen, auf Begeisterung, und darauf, dass Menschen sich wieder mit dem identifizieren, was sie tun, was sie kaufen und sich anschauen sollen. Identifikation ist die neue Währung.
Was ist erfolgversprechender: Vorsicht oder Mut und Begeisterung? Wirtschaftlichkeit oder Faszination?
Das kommt auf die Situation, den Markt und das Unternehmen an. Wenn wir uns den gerade im Blickpunkt stehenden Finanzmarkt anschauen, stellen wir fest, dass übertriebener Mut dort jetzt nicht klug ist. Wenn man den Markt der Mobilkommunikation betrachtet und auf den Gegenspieler von Apple, Nokia, schaut, dann sieht man, dass ein bisschen mehr Mut cleverer gewesen wäre. Nokia hat in der Vergangenheit nur auf kleine technische Neuerungen gesetzt, war nicht mutig und ist an seinem Spirit «Connecting People» hängengeblieben. Der war eine Zeit lang super. Aber heute ist das keine Botschaft mehr, denn man macht mit seinem Smartphone inzwischen ja ganz andere Dinge, als sich nur mit anderen Menschen zu verbinden. Nokia hatte einen tollen Geist, der das Unternehmen über zehn Jahre zur Nummer eins gemacht hat. Dann hatten sie aber nicht den Mut, ihren Geist der neuen Zeit anzupassen, ihn auf eine neue Stufe zu bringen.
Ist denn Unternehmensgeist immer auch Zeitgeist?
Das ist eine Dimension, die für den Geist entscheidend ist – neben der Geschichte des Unternehmens, seinen Wurzeln, an die der Geist anknüpfen muss, weil er sonst nicht glaubwürdig ist, und den Herausforderungen, denen sich das Unternehmen zukünftig stellen muss. Nach Goethe ist Zeitgeist der gemeinsame Geist aller Menschen in einer Zeit. Den muss man berücksichtigen, wenn man erfolgreich sein will. Ich halte aber nichts davon, zu schauen, was die Konsumenten wollen, und dann 1:1 zu versuchen, diese Wünsche zu erfüllen. Das haben wir jahrelang gemacht und sind so zu Erfüllern von Anforderungsprofilen geworden. So kann man aber nicht erfolgreich sein und keinen Geist entwickeln. Geist entsteht dadurch, dass man von der eigenen Idee begeistert und überzeugt ist. Nehmen Sie Apple: Niemand wollte ein iPhone. Sie hätten 100 000 Leute fragen können, niemand hätte sich ein Gerät wie das iPhone gewünscht. Das Gerät ist aus einer Vision, einem Genius heraus entstanden, getragen von Menschen mit einer Idee.
Demnach entstehen auch Marken aus der Begeisterung für eine neue Idee – und nicht weil man geschaut hat, was die anderen wollen.
Genau. Zu überlegen, was die Leute wollen, und das zu erfüllen, ist Maschinendenken.
Ist Begeisterung ein Mittel gegen die Krise?
Natürlich. Jeder, der begeistert ist oder es einmal war, weiss, welche Energien daraus entstehen. Plötzlich kann man Dinge, die man nie für möglich gehalten hätte. Das ist nicht nur in der Wirtschaft so, auch jede grosse wissenschaftliche Leistung, jedes grosse Kunstwerk ist begeisterten Köpfen entsprungen. Es braucht diese Begeisterung, weil man manchmal Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte an einer Sache arbeiten muss, bis man zum Durchbruch gelangt, auch gegen äussere Widerstände oder innere Krisen. Da bleibt man nur bei der Stange, wenn man an seine Sache glaubt.
Kann man das Handeln und Arbeiten mit Spass und aus Überzeugung lernen oder wieder erlernen?
Ja, das kann bei jedem wachgeküsst werden. Wir alle waren mal Kinder, und wir alle waren mal erfüllt von etwas. Wir alle haben beim ersten bewusst erlebten Weihnachten gestaunt – aber diese Gefühle gehen verloren, auch durch die maschinelle Erfüllungsweise, die wir uns angeeignet haben. Man kann Begeisterung wieder wachrufen, indem man etwas findet, mit dem man sich identifizieren kann. Eine Möglichkeit ist ein gemeinsamer Geist, der einen anspricht. Man kann auch versuchen, sich daran zu erinnern, was man in seinem bisherigen Leben einmal total gerne gemacht hat, was einen erfüllt und begeistert hat. Oft hört man aus Zeitgründen oder weil gerade etwas anderes Vorrang hat, mit einer Sache auf, die man gerne macht, und vergisst sie dann einfach. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist also eine Auseinandersetzung mit sich selbst und mit positiven Empfindungen, die man einmal gehabt hat.
Was würden Sie einem guten Freund raten, der zu Ihnen sagt: «Es macht mir alles keinen Spass mehr, ich bin ausgelaugt, down und in meiner Ehe läufts auch nicht so richtig …»
Oh Gott, ich bin kein Therapeut. Aber für mich ist das Leuchten in den Augen der ultimative Gradmesser, den jeder an seine Firma, seine Führungskraft, seine Werbezuschauer, sein Privatleben und sich selbst anlegen sollte. Auch ich habe in meinem Leben schon an Punkten gestanden, an denen sich etwas weiterentwickeln musste, an denen ich mich weiterentwickeln musste. Und ich kann nur jedem in einer solchen Situation raten, nach etwas zu suchen, das einem das Leuchten in den Augen wiedergibt. Das klingt banal, doch manchmal ist es ein langer Prozess, bis die Augen wieder glänzen. Aber man muss nach diesen Kraftfeldern des Lebens suchen. Und Sie werden staunen, wenn einem andere Menschen plötzlich sagen: «Deine Augen leuchten so, du hast dich verändert.»
Als geschäftsführender Gesellschafter bei Kolle Rebbe waren Sie am Gewinn mehrerer Dutzend Kommunikations-Awards beteiligt, Sie haben die CDU und Angela Merkel im letzten Bundestagswahlkampf strategisch beraten, die Marke Bionade mit bekannt gemacht und die weltweite Unternehmensphilosophie der Otto Group entwickelt. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Man sucht sich im Leben am besten immer das Thema, das einen selbst am meisten bewegt. Stefan Kolle hat immer gesagt, ich hätte eine besondere Energie, und diese Energie erwächst aus Begeisterung. Ich agiere kaum politisch, sondern suche immer nach etwas, an das ich glauben, mit dem ich mich identifizieren kann. Das mache ich auch bei meiner kreativen Arbeit und bei der Entwicklung von Lösungen für meine Kunden. Und wenn ich an etwas glaube, dann kämpfe ich dafür wie ein Löwe. Das bedeutet, dass ich selbst zur Bundeskanzlerin sage: «Ich finde es falsch, was Sie da machen. Ich würde es so und so machen.», und nehme in Kauf, dass das als unverschämt wahrgenommen wird. Ich taktiere nicht, sondern bin ein ehrlicher, authentischer Überzeugungstäter. Ich denke, das ist mein Erfolgsrezept.
Interview: Anne-Friederike Heinrich
In Kürze
Dominic Veken (40) gehört zu den führenden deutschen Strategieberatern. Er hat in Berlin und Frankfurt am Main Philosophie studiert und bezeichnet sich selbst als «der erste unabhängige Unternehmensphilosoph Deutschlands». Veken hat als Kreativer bei Jung von Matt und bei Equity als Markenberater gearbeitet und war als geschäftsführender Gesellschafter bei Kolle Rebbe am Gewinn mehrerer Dutzend Kommunikations-Awards beteiligt. Zudem beriet er die CDU und Angela Merkel im letzten Bundestagswahlkampf und half, die Marke Bionade bekannt zu machen. 2009 veröffentlichte Veken sein erstes Buch* «Ab jetzt Begeisterung. Die Zukunft gehört den Idealisten», sein zweites Buch ist gerade in Arbeit und wird voraussichtlich im Herbst 2012 erscheinen. Ausserdem gab Veken die Strategiezeitschrift Bonaparte heraus. Im März 2010 gründete Veken das Institut für Marken- und Unternehmensphilosophie, an dem Kolle Rebbe eine Minderheitsbeteiligung hat.
www.unternehmensphilosophie.org; [email protected]