WW: Was ist die Idee von Special. T?
Stephan Graf: Weltweit werden jeden Tag 3 Milliarden Tassen Tee getrunken, davon rund 3 Millionen allein in der Schweiz. Doch die Kunst der Teezubereitung verlangt nach Geduld und Passion, damit sich die verschiedenen Geschmacksrichtungen der edlen Teesorten vollständig entfalten können und die perfekte Temperatur und Brühzeit eingehalten werden. Mit seinem neuen Teesystem Special. T hat Nestlé die Welt des Tees revolutioniert und setzt neue Massstäbe in Bezug auf Premiumtee.
Wie funktioniert das System?
Das Special. T-Sortiment umfasst über 25 feinste Teesorten aus China, Indien, Japan, Sri Lanka und Südafrika. Dieser Tee in Blätterform wird in Aluminiumkapseln aufbewahrt, die die Qualität der Blätter und die Intensität der Aromen schützen. Eine Maschine mit einem hoch präzisen System erkennt jede Kapsel mit den verschiedenen Sorten und wählt die optimale Temperatur und Brühzeit für diese Teevariante. Jede Maschine ist dazu mit einem Wasserfilter ausgestattet, der das im Leitungswasser enthaltene Chlor und den Kalk grösstenteils herausfiltert, sodass der Geschmack des puren Tees erhalten bleibt.
Nestlé hat das neue System in Frankreich getestet. Haben die Resultate Sie bestätigt?
Wir sind mit der Lancierung zufrieden. Unser Ziel war 1 Prozent der Haushaltspenetration im ersten Jahr. Das haben wir erreicht. Ansonsten hätten wir für die Lancierung von Special. T noch einmal über die Bücher gehen müssen
Wie lange arbeitete Nestlé an diesem Projekt?
Die Entwicklungsarbeit dauerte drei Jahre. Ende 2010 ist es konkret geworden mit dem Einstieg in Frankreich. Innerhalb von Nestlé war ein solcher Wunsch schon lange präsent. Das Pièce de Résistance war die Technologie für die Maschine. Diese funktioniert nicht mehr mit Druck, wie unsere Kaffeemaschinen. Dazu kommt die automatische Erkennung der bis jetzt über 25 Teesorten.
Welche Ziele hat Nestlé mit dieser Lancierung?
Die Ambition ist gross. Es wäre aber sicher zu früh, um sagen zu können, Special. T wird mal so gross wie Nespresso. Gerade in Europa umfasst Kaffee ein grösseres Segment als Tee. Den gleichen Umsatz wie bei Nespresso können wir demnach nicht erwarten. Special. T ist aber ein weltweites Konzept mit lokalen Anpassungen beim Sortiment unserer Teesorten.
Wer bildet das Zielpublikum?
Sicher ist es kein Ziel für uns, das Teezeremoniell zu konkurrenzieren. Aber auch bei unserer Maschine dauert es eine gewisse Zeit, bis der Tee gezogen wird. Die Vorteile gegenüber dem Beutel ist die Präzision. Wir bieten mit über 25 Sorten auch eine viel breitere Auswahl als die bekannten Teebeutel.
Die Schweiz ist das zweite Testland. Wie wird Special. T hier lanciert?
Am 18. September sind wir mit einer TV-Kampagne gestartet. Diese wie auch das ganze Design unserer Teewelten ist von Publicis in Paris kreiert worden. Im November wird eine zweite Welle mit kürzeren Spots im Schweizer Fernsehen sowie den wichtigen Werbefenstern folgen. Der Einsatz einer Printkampagne ist noch nicht entschieden.
Wieso nur TV?
Weil wir relativ viel erklären müssen. Das Bild und der Film ist das beste Medium, um einen komplexeren Vorgang begreiflich zu machen. Der Film ist mit 50 Sekunden relativ lang. Aber wir bringen etwas völlig Neues und nicht einfach ein neues Frühstücksgetränk. Ein solches Konzept zu erklären braucht ein Minimum an Zeit. Wir können über den Film das Publikum aber ziemlich schnell zum Internet bringen. Das haben wir getestet. Auf unserer Website www.special-t.com sehen die Besucher dann einen 2-Minuten-Film, der das System noch detaillierter erklären kann.
Wird George Clooney auch mal eine Tasse Special. T trinken?
Von Nespresso profitieren wir natürlich intern sehr viel – im Umgang mit qualitativen Produkten und im Umgang mit der Vermarktung über einen Club. Ohne Nespresso wären wir nicht bereits so weit nach einem Jahr. Es gibt aber auch Dinge, die sich ganz klar differenzieren. Der Konsument ist ein völlig anderer. Die Technologie der Maschine ist eine ganz andere. Wir haben die Idee für ein prominentes Testimonial getestet und sind dabei ganz klar zum Schluss gekommen, dass wir keine Berühmtheiten für diese Lancierung brauchen.
Und die Rolle der Boutiquen?
Es wird zwei Tee-Corner in den Nespresso-Boutiquen in Zürich und in Lausanne geben. Man kann in diesen Tee-Cornern degustieren und es werden Bestellungen aufgenommen. Verkauft wird aber nichts. Das läuft bei Special. T ausschliesslich über das Internet.
Interview: Andreas Panzeri
Stephan Graf ist Managing Director Special. T. Er wirkt bereits seit 14 Jahren für Nestlé in Vevey, vorher als Manager des Innovation Acceleration Team.