Der Grund: Die BZM konnte sich nicht für das neue Geschäfts- und Tarifmodell der Publicitas erwärmen – wie zuvor schon die Gassmann AG in Biel und Mengis Druck und Verlag in Visp (Werbewoche.ch berichtete).
Wer bisher in der Basler Zeitung (Baz) oder in der Gratiszeitung Baslerstab inserieren wollte, konnte dies entweder über das schweizweite Filialnetz der Publicitas tun – oder aber über die BZM Werbe AG, eine Tochterfirma der Basler Zeitung Medien (BZM). Seit Kurzem ist der erste Weg aber verschlossen, es bleibt nur noch das Buchen über die BZM Werbe AG. Dies geht aus einem ganzseitigen Inserat hervor, dass die BZM am Donnerstag, 3. November, in der Baz schaltete. «Es ist Zeit, von einer alten Gewohnheit Abschied zu nehmen. Leider ist es nicht mehr möglich, Anzeigen in der Baz und im Baslerstab über die Publicitas zu buchen», heisst es da auf einer schwarzen Fläche.
In Basel abgeblitzt
Was steckt dahinter? Ganz offensichtlich ist Publicitas, die derzeit mit vielen Schweizer Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen neue Vermittlungsverträge aushandelt und im Markt auch ein neues Geschäfts- und Preismodell durchzusetzen versucht, bei der BZM abgeblitzt. Nun hat sie im Gegenzug die Vermittlung der BZM-Titel eingestellt. Publicitas-Kunden, die bei BZM-Titeln inserieren wollen, werden neuerdings auf die fehlende Geschäftsbeziehung mit BZM hingewiesen und müssen künftig selbständig bei Baz und Baslerstab buchen – oder darauf verzichten. So handhabt es die Publicitas bereits bei den Titeln der Gassmann AG in Biel (Bieler Tagblatt, Journal du Jura) und bei Mengis Druck und Verlag in Visp (Walliser Bote).
Auf Anfrage bestätigt BZM-CEO Roland Steffen die Vermutung. «Unser bisheriger Vermittlungsvertrag mit der P ist am 31. März 2011 ausgelaufen. Seit dem 1. April bezahlen wir deshalb der Publicitas den von ihr geschaffenen branchenüblichen Kommissionssatz von 5 Prozent respektive 7 Prozent vom Kundennetto. Nun hat die P im Oktober das Vermitteln von Inseraten an BaZ und Baslerstab sukzessive eingestellt und unsere Titel in der Datenbank gelöscht», sagt er. Deshalb habe man seither alle grossen und kleinen Kunden angeschrieben und sie auf die neue Situation aufmerksam gemacht. Mit den ganzseitigen Inseraten wolle man zudem die Gelegenheitsinserenten informieren.
Auch die Publigroupe schickte eine Stellungnahme: «Leider ist es der Publicitas nicht gelungen, sich mit der BZM auf ein neues, betriebswirtschaftlich sinnvolles Modell für die Vermittlung von Inserateaufträgen zu einigen», schreibt Publigroupe-Sprecher Beat W. Werder. Dies habe zur Folge, dass die Publicitas seit dem 1. Oktober 2011 keinen Werberaum in den Titeln Baz, Baslerstab, Stellefant und Immofant mehr verkaufe. Werder hält aber fest, dass Publicitas «weiter an einer mit der BZM vertraglich geregelten und auf beiderseits akzeptablen Bedingungen basierenden Zusammenarbeit interessiert» sei.
«Inseratekrieg», «Erpressung», «Ultimatum»
Zu den Differenzen zwischen BZM und P will sich Werder nicht äussern. Anders Roland Steffen, für den Werders Worte «schwer nachvollziehbar» sind. Der BZM-CEO spricht von einem «Inseratekrieg auf dem Buckel der Kunden» und von «Erpressung». Denn Verhandlungen über ein neues Kooperationsmodell habe es gar nie gegeben, sagt er. Im Gegenteil: Die P habe am 6. September in einem Brief an die BZM verlangt, dass diese bis Mitte September in Verhandlungen über eine massiv höhere Kommission als bisher einwillige. Weigere sich die BZM, werde die P die Vermittlung von BaZ und Baslerstab einstellen. Darauf sei die BZM aber nicht eingegangen. «Wir können uns doch nicht auf ein solches Ultimatum einlassen», sagt Steffen.
Weshalb aber konnte es überhaupt so weit kommen? Steffen erklärt dies so: Anfang Januar 2011 habe Publigroupe-CEO Hanspeter Rohner bei BZM-Verleger Moritz Suter vorgesprochen und ihm eine Vollregie zu äusserst günstigen Bedingungen in Aussicht gestellt. Allerdings habe es die P verpasst, ihre schriftliche Offerte rechtzeitig, also vor dem 31. März 2011, vorzulegen. «Diese traf erst gegen Ende Mai ein, war um fast die Hälfte teurer als angekündigt und überstieg somit auch die Kosten unserer Eigenregie», sagt Steffen. «Wir hätten Millionen draufgelegt.» Entsprechend habe die BZM die Offerte Mitte Juni 2011 zurückgewiesen und dann nichts mehr von der P gehört – bis September.
Die P will etwa dreimal mehr als sie selbst bezahlt
Wie immer, wenn es zu Zwists zwischen P und Verlagen kommt, ist der Hauptstreitpunkt die Kommission, die der Verlag der P für jedes vermittelte Inserat bezahlt. Das ist auch im vorliegenden Streit der Fall. Denn der branchenüblichen Kommissionssatz von 5 Prozent respektive 7 Prozent, den die BZM der P seit dem 1. April bezahlt, ist um gut die Hälfte tiefer als die früher vertraglich vereinbarte Kommission – aber gleich viel wie das, was die P der BZM bezahlt, wenn diese ein Inserat an einen Titel in P-Regie vermittelt. «Wir zahlen der P doch nicht mehr als sie auch uns bezahlt», fasst Steffen zusammen.
Für die P, die ihre Forderung nach einer höheren Kommission jeweils mit ihrem schweizweiten Filialnetz begründet, ist dies natürlich zu wenig. In ihrem September-Brief verlangte sie deshalb auch, dass die BZM die seit 1. April vermittelten Inserate weiterhin gemäss ausgelaufenem Vertrag – also gut doppelt so hoch – kommissioniert. Und die neue Kommission sollte dann, wie erwähnt, nochmals deutlich höher sein. Darüber kann Steffen aber nur den Kopf schütteln.
Es geht um rund 12 Millionen Franken
Zu all dem hat die Werbewoche die P um eine Stellungnahme gebeten. Doch aus Lausanne kam ein Njet. «Zu den von Ihnen dargestellten Punkten nehmen wir keine Stellung», beschied Publigroupe-Sprecher Beat W. Werder.
Bleibt noch die Frage, wie gross denn der Werbeertrag war, den die BZM bisher über die P vermittelt erhielt. Steffen nennt folgende Anhaltspunkte: 2010 habe die BZM gut 100 Millionen Werbeeinnahmen erzielt, zwei Drittel davon durch BaZ und Baslerstab. Dazu wiederum habe die P «weniger als 20 Prozent» beigesteuert – also höchstens 12 Millionen Franken.
Markus Knöpfli