WW: Im September hat FriendScout24 erstmals in der Schweiz eine TV-Kampagne gestartet. Warum erst jetzt, sechs Jahre nach Gründung des Schweizer Ablegers?
Martina Bruder: Wir treten nicht erstmals im Schweizer Fernsehen auf. FriendScout24 sponsert seit vier Jahren erfolgreich die Serien «Joya rennt» und «Super Single». Jetzt gehen wir einen anderen, einen direkteren Weg. Mit unserer neuen Kampagne gelingt es, unsere Botschaften noch pointierter und emotionaler zu präsentieren. Andere Anbieter versuchen, sich wissenschaftlich fundiert zu positionieren, oder sie lassen ein Pärchen Sprüche aufsagen. Wir sagen in unserem Spot gar nichts. Wir zeigen einfach den schönsten und emotionalsten Moment der Liebe, den Kuss. Bei FriendScout 24 geht es um das Lebensgefühl, die Leichtigkeit und die pure Freude.
Warum haben Sie für die TV-Kampagne keine Schweizer Agentur beauftragt?
Unser TV-Sponsoring in Zusammenarbeit mit Mediafisch unterstreicht, dass wir die kreative Arbeit der Schweizer Agenturen kennen und schätzen. Zunächst war unsere Kampagne «Küssen kann man nicht alleine» nur für Deutschland bestimmt. Weil der Spot aber so gut ankam und überdies unser Kooperationspartner Max Raabe auch durch die Schweiz tourt, hat ihn unsere Agentur Kolle Rebbe für die Schweiz adaptiert.
«Küssen kann man nicht alleine» hat in Deutschland ein zweistelliges Millionenbudget. Andere Online-Vermittler treten massiver auf, auch in der Schweizer. Warum so schüchtern?
Quantität ist nicht gleich Qualität. Unser Spotbudget liegt in der Schweiz im einstelligen Millionenbereich. Ausserdem waren wir schon im Schweizer TV, als unsere Mitbewerber noch gar nicht daran dachten. Wir setzen auf Kontinuität. FriendScout24 ist damit auch in der Schweiz zum Marktführer geworden und zu einer anerkannten Institution.
Ihre Bilanz nach gut einem Monat Laufzeit?
Ebenso wie in Deutschland erfahren wir in der Schweiz eine hohe Aufmerksamkeit und positive Resonanz. Es ist uns gelungen, neue Nutzer auf uns aufmerksam zu machen und auf unser Partnerportal zu lenken.
Ein Kollege hat mal ausgerechnet, dass sich eigentlich jedes Jahr der Mitgliederstand der Online- Dating-Anbieter komplett erneuern müsste, wenn man den Zahlen glaubt. Ist Ihr Geschäft nicht auch ein riesiges Karteileichen-Business?
Ein ganz klares Nein. Die Qualität unseres Partnerportals zeichnet sich durch die Aktivität unserer Mitglieder aus. Schon datenschutzrechtliche Regeln verpflichten uns, inaktive Profile nach einer bestimmten Zeit zu löschen. In Deutschland und in der Schweiz sind das 180 Tage. Selbstverständlich melden sich Mitglieder ab, wenn sie einen Partner gefunden haben. Aber sie melden sich auch wieder an, wenn die Partnerschaft nicht funktioniert. Manche haben mehrere Profile eingestellt. So entstehen hohe Summen. Letztlich entscheidend ist das Nutzungserlebnis und -ergebnis für unsere Kunden. Karteileichen können nicht antworten. Wir animieren zu Aktivität. Das gelingt uns sehr gut. Bei FriendScout24 werden in der Schweiz pro Monat 18 000 neue Fotos hochgeladen. Wir haben pro Monat 60 000 aktive Partnersuchende.
Mit Swissfriends und Swissflirt spielen laut Marktanalyse von Singlebörsen-Vergleich zwei lokale Anbieter bisher nur im Mittelfeld. Wie ernst nehmen Sie die Schweizer Konkurrenz?
Auch in der Position des klaren Marktführers sollten wir Wettbewerber selbstverständlich ernst nehmen. Wir sehen die beiden Unternehmen als Bereicherung des Marktes.
Anfang 2011 ist Ringier mit Citykiss.com ins Online-Dating eingestiegen. Verärgert?
Keinesfalls verärgert. Auch Citykiss ist ein erweiterndes Marktangebot, das einen sehr lokalen Ansatz hat und auf Mobile Dating abzielt.
Aber Ringier ist über die Mediaswiss bei Scout24 beteiligt. Wie hoch ist eigentlich diese Beteiligung?
Ringier besitzt über die Mediaswiss eine Minderheitsbeteiligung an der Scout24 Schweiz AG. Die Mehrheit liegt bei der Scout24 GmbH, München, die wiederum Muttergesellschaft der FriendScout24 GmbH ist.
Welchen Einfluss übt die Mediaswiss auf die Münchner FriendScout24 GmbH aus? Müssen bestimmte Kooperationen eingegangen werden, bestimmte Anzeigenschaltungen?
Wir haben mit der Mediaswiss ein sehr gutes partnerschaftliches Verhältnis und unterstützen uns gegenseitig.
Die NZZ hat vor einigen Monaten Ihren Konkurrenten Parship als erfolgreichen Marktführer gelobt. Eifersüchtig?
Diese und viele andere Publikationen beweisen zunächst einmal, wie stark das Thema Partnersuche im Internet in der Gesellschaft angekommen ist und Aufmerksamkeit erfährt. Aber die NZZ hat richtig recherchiert und FriendScout24 Schweiz mit 475'000 Mitgliedern als führend dargestellt. Mittlerweile haben wir 500'000 Mitglieder.
Aber wer ist denn nun Marktführer?
FriendScout24 wurde 2000 gegründet und ist seit Jahren, glauben Sies mir, Marktführer in allen Bereichen der Online-Partnersuche. Wir haben im deutschsprachigen Raum mit Abstand die meisten Mitglieder und die aktivste Zielgruppe. Wir denken nicht in Nischen oder Segmenten, sondern nehmen uns allen Beziehungsbedürfnissen unserer Nutzer an. Damit sind wir das Partnerportal Nummer 1.
Sind Sie denn nun Partnerschafts- oder Single-Börse?
FriendScout24 ist auch in der Schweiz das Partnerportal Nummer 1. Wie gesagt, eine Unterscheidung ist für uns unsinnig. Wir verstehen uns als «Full- Service-Anbieter für alle Beziehungswünsche» und sind selbstbewusst auch das Schweizer Kooperationsportal Nummer 1. Wir kooperieren mit den führenden Schweizer Online-Marken wie Swisscom, Blick, MSN, GMX und anderen.
Besonders am Herzen scheint Ihnen aber dieser Kundenstamm nicht zu liegen. Es gibt in der ganzen Schweiz kein einziges FriendScout- Büro.
Als marktführendes Online-Unternehmen ist unser Erfolg unabhängig von einer lokalen Präsenz. Selbstverständlich sind unter den 150 Mitarbeitenden in unserer Münchner Zentrale auch ausgewiesene Experten für die Schweizer Markt. Dies gilt für Produktentwicklung, Online Marketing und insbesondere für den Kundenservice.
Mit der Gründung von Secret haben Sie für Schlagzeilen gesorgt. Der Kress-Report titelte «Herz- Dame» und fragte «Frau Bruder, wie läuft Ihr Geschäft mit dem Sex?» Ein peinlicher Showdown?
Was bitte soll daran peinlich sein? Der Stern beschrieb Secret in seiner Titelstory als «jüngsten Player in der erogenen Zone». Alle relevanten Frauenmagazine beschäftigen sich gerade intensiv mit dem Trend Casual Dating in der Zielgruppe der selbstbewussten Frauen 35+. Exakt hier ist Secret als einzigartiges Premiumangebot positioniert.
Wie kommt denn in der Schweiz ihr Seitensprung-Portal an?
Der Begriff Seitensprung ist antiquiert und moralinsauer. Uns geht es um die selbstbewusste Frau, die nicht «Mister Right» sucht, sondern «Mister Right Now». Oft verfolgt sie übrigens beide Beziehungsbedürfnisse parallel, auch in der Schweiz.
Wie unterscheidet sich der Schweizer vom deutschen Single?
Die Bedürfnisse nach Flirt, Erotik und Lebensgemeinschaft sind grenzübergreifend die gleichen.
Wie ist Ihre Kommunikationsstrategie in der Schweiz? Was kommt nach der TV-Kampagne?
Über die Schweizer Leitmedien werden wir uns in Zukunft noch klarer darstellen. Dazu gehört, neben dem TV, selbstverständlich auch Print und, vor allem, unsere starken lokalen Online-Partner.
Experten schätzen das aktuelle Marktvolumen des Schweizer Online-Partnermarktes auf 23 bis 25 Millionen Euro. Rund zehn Millionen mehr als in Österreich. Wie sieht, Ihrer Meinung nach, die Entwicklung in den kommenden fünf Jahren aus?
Auch ich rechne mit einem weiteren Wachstum im Schweizer Markt. Allerdings ist er nicht durch mehr Nutzer bestimmt, sondern durch attraktivere Angebote. Es ist, wie in Deutschland, mit einer Marktkonsolidierung zu rechnen. Als Marktführer sehen wir uns bestens positioniert.
Haben Sie eigentlich Ihren Mann auch über ein Partnerschaftsportal kennen gelernt?
Ich kenne meinen Mann schon seit Studienzeiten. Aber wir haben mal den Beziehungstest bei Friend- Scout24 gemacht und fanden unsere Entscheidung in wunderbarer Weise bestätigt. Interview: Peter Ehm