Unic gestaltet interaktiven Unternehmensauftritt für SBB Cargo

Nach dem Relaunch der SBB-Website präsentiert sich auch SBB Cargo im neuen Look & Feel: Die Zürcher Agentur Unic hat für SBB Cargo einen neuen Webauftritt mit integriertem Social Media Newsroom gestaltet.

Konzept und Design sollen die Benutzerführung und Navigation ins Zentrum stellen. Mit einem so genannten Mega-Dropdown navigiert der Nutzer direkt auf die Seiten der dritten Ebene und findet die gewünschte Information ohne Umwege. Ein neuer Social Media Newsroom bündelt zudem die Aktivitäten auf anderen Webkanälen: Videos auf YouTube, Blogbeiträge, Twitter- und Facebook- Nachrichten von SBB Cargo.

Mit der neuen Website will SBB Cargo den Auftritt der SBB als «moderne Eisenbahn im Internet» stärken. Für Konzept und Design zeichnet Unic verantwortlich, die Technische Umsetzung erfolgte durch Namics.
 

Swissprinters übergibt Bogenoffset-Aktivitäten an Neidhart + Schön Group

Die Swissprinters übergibt per 1. Januar 2012 ihre Bogenoffset-Aktivitäten in der Deutschschweiz an die Neidhart + Schön Group. Der Partnervertrag umfasst die Übertragung des Kundenstamms und der laufenden Aufträge an das Unternehmen mit Sitz in Zürich.

Neidhart + Schön garantiert 45 Swissprinters Mitarbeitenden eine Weiterbeschäftigung in der eigenen Unternehmensgruppe. Die Swissprinters konzentriert sich zukünftig in der Deutschschweiz auf die industrielle Produktion im Rollenoffsetdruck und hat im Oktober die Schliessung ihrer Betriebe in Zürich und St. Gallen per 30. Juni 2012 angekündigt, heisst es in einer Mitteilung der beiden Partner. Mit dem Verkauf der Bogenoffset-Aktivitäten an die Neidhart + Schön Group stelle Swissprinters die lückenlose Weiterführung bestehender Aufträge auf hohem Qualitätsniveau und mit umfassender Kundenbetreuung sicher.

Die Übergabe geschieht schrittweise ab 1. Januar 2012. Über den Kaufpreis und Vertragsdetails wurde Stillschweigen vereinbart.
 

«Mad Men» kommt in der Gegenwart an

Die US-Erfolgsserie «Mad Men» soll bis zur finalen siebten Staffel (2014) in der Gegenwart enden. Die Gegenwart in der Gegenwart ankommen. Die Serie handelt von einer Werbeagentur in den 1960er Jahren.

Sollte die Serie in der Gegenwart auslaufen wäre der Werbeagenturchef Don Draper dann 84 Jahre alt. Dessen Schöpfer Matthew Weiner sagte dem Online-Magazin Grantland, dass er nun wisse, wie die ganze Show ende. Es sei ihm während der vergangenen Staffel eingefallen. Er möchte die Serie an einem Punkt enden lassen, an dem man eine Idee davon bekommt, was sie bedeutete und wie sie mit einem selbst verknüpft ist, so Weiner gemäss SDA. Was die Zuschauer der Serie genau erwartet, liess Matthew Weiner aber im Dunkeln.

Die Premiere zu «Mad Men» fand im Juli 2007 Premiere auf dem US-Sender AMC statt. Ab März 2012 wird in den USA die fünfte Staffel ausgestrahlt.
 

Zubler Kommunikation: Online-Shop für Babymüller.ch umgesetzt

Zubler Kommunikation hat für Babymüller.ch einen Online-Shop auf die Beine gestellt. Dazu hat die Agentur aus Aarau das Konzept, die Gestaltung, das Logo und den Claim entwickelt und umgesetzt.

Der neue Auftritt soll sich hochwertig, emotional, warm und sehr übersichtlich präsentieren. Babymüller bietet im Online-Shop für den Schweizer Markt über 4’000 Baby-Artikel des täglichen Bedarfs. Der Start des Online-Shops sei bereits sehr erfolgreich angelaufen, schreibt die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Verantwortlich bei Babymüller.ch: Daniel Cattaneo. Verantwortlich bei Zubler Kommunikation: Michael Zubler, Ronald Studer (Beratung, Konzept und Design).
 

Benetton zieht Kampagnen-Motiv mit Papst zurück

Gestern hat Benetton die Unhate-Kampagne lanciert. Die für ihre skandalöse Werbung bekannte Modemarke hat nun ein Motiv der Kampagne zurückgezogen.

Das Werbemotiv mit Papst Benedikt XVI., der auf der Fotomontage den ägyptischen Imam Ahmed el Tajjeb küsst, hat Benetton inzwischen zurückgezogen. Die Kampagne ziele darauf ab, die Hasskultur in all ihren Formen zu bekämpfen, versichert ein Sprecher der Benetton Group gemäss Horizont.net. Man bedaure es daher sehr, dass das Bild mit dem Papst und dem Imam die Gläubigen verletzt habe. Aus diesem Grund habe das Unternehmen mit sofortiger Wirkung beschlossen, von der Schaltung des Motivs abzusehen, so der Sprecher weiter.

Mehr zur Kampagne

Federers Seelenverwandte

Einst überdachte sie ein breites Sortiment an Haushaltsgeräten. Heute steht die Marke Jura für Kaffeevollautomaten im Premium-Bereich. Dank gnadenloser Fokussierung und hartem Training spielt das Unternehmen aus Niederbuchsiten heute in der weltweiten Top-Liga mit und steht damit auf Augenhöhe mit Markenbotschafter Roger Federer.

Wenn man etwas macht, dann richtig. Sonst solle man es gleich lassen. Und weil man nicht alles richtig – sprich ausgezeichnet – machen kann, müsse man sich fokussieren, sagt Emanuel Probst. «Ein Zehnkämpfer kann in den einzelnen Disziplinen nie ein so hohes Niveau erreichen, wie Roger Federer.» Der CEO von der Jura Elektroapparate AG vergleicht seine Firma gerne mit einem Spitzenathleten. Man wählt die Sportart, entwickelt eine Strategie und dann heisst es trainieren, trainieren, trainieren. So startete anno 1992 auch die zweite Karriere des traditionsreichen Unternehmens für Haushaltsgeräte. Damals setzte sich HSGAbsolvent Probst 34-jährig auf den Chefsessel eben dieser Firma. Einer Firma, die bei neun Banken mit 15 Millionen Franken in der Kreide stand. Einer Firma, die mit 18 000 Franken cash on hand und einem Eigenkapital von 5 Millionen Franken Lohnkosten von 380 Mitarbeitenden decken musste. Damals hat sich die Geschäftsleitung vom Zehnkampf verabschiedet und alle Energie in eine Einzeldisziplin gesteckt. Weg vom Generalisten, hin zum Spezialisten. Ambitioniertes Ziel der Neuausrichtung: der Weltmeistertitel in der Disziplin Premium-Kaffeevollautomaten. Und das zu einer Zeit, in der faktisch nur in der Schweiz ein entsprechender Markt existierte. «Bloss der Schweizer Kunde war verrückt genug, 1000 Franken für eine Kaffeemaschine auszugeben», sagt Meinrad Kofmel, Head of Communications bei Jura. Trotzdem habe man an die neue Ausrichtung geglaubt, weil sich zu dieser Zeit auch die Kaffeekultur in einem starken Umbruch befand.

Erfolgsmotor Innovation

Heute ist Jura im Premiumsegment weltweit Nummer eins. Stückzahlmässig steht das Unternehmen mit einem Marktanteil von 17 Prozent hinter Hauptkonkurrent De’Longhi. Noch vor zehn Jahren teilte sich Jura den Markt mit Saeco und Krups. Heute seien es so viele Akteure, dass er sie gar nicht alle aufzählen könne, meint Probst. Sein Rezept, um sich im hart umkämpften Markt weiterentwickeln zu können: fokussieren, gnadenlos und ohne Entschuldigung. Ob der Markt nun schwieriger oder leichter werde, man müsse sich entsprechend konzentrieren und auf Innovation setzen. Eine Kernkompetenz, in die Jura kräftig reinvestiert. 2011 hat das Unter- nehmen gleich zwei komplett neue Produktplattformen lanciert: Die «GIGA 5» (s. Bild) und die «ENA Micro 9 One Touch». Das erste Modell «liefert Barista-Qualität für zu Hause » und positioniert sich im Super-Premium- Segment. Demgegenüber steht das Einsteigergerät aus der «ENA»-Serie, das als «kleinster One-Touch-Cappuccino-Vollautomat der Welt» vermarktet wird. Beide Maschinen sind erst seit diesem Herbst auf dem Markt, doch ihre Nachfolger stehen bereits am Start.

Know-how kontrollieren statt delegieren

Ein weiterer Erfolgsschlüssel ist der Vertrieb. Das Unternehmen ist weltweit an über 11 000 Verkaufspunkten präsent. Wer aber in seinem Geschäftsmodell auf eine Differenzierungsstrategie im Nischenbereich setzt, kann sich nicht mit Präsenz begnügen. Egal, ob in Taiwan, Amerika oder in der Schweiz, die Kundschaft muss mit absoluter Kompetenz beraten werden. Auch das lässt sich Jura etwas kosten: Am Hauptsitz in Niederbuchsiten hat die Firma einen eigenen Schulungsraum mit Degustationstheke und Modellpark eingerichtet. Die «Coffee Academy» macht neue Mitarbeitende, Distributoren und Trainer der verschiedenen Länder sowie die Schweizer Fachhandelspartner mit der Jura-Philosophie und den Geräten vertraut.

Neben der Know-how-Vermittlung steuert Jura auch die weltweiten Marketingaktivitäten vom Hauptsitz aus. Meinrad Kofmel: «Unsere Inhouse-Agentur passt sämtliche Formate und Sprachen an, damit die Kommunikationsmittel so daherkommen, wie wir es wollen.» Im Medienmix hat sich das Unternehmen lange auf Printwerbung fokussiert. In der Vermarktung der «ENA Micro 9 One Touch» setzt Jura erstmals wieder auf das Medium TV. Dass im Spot neben dem Kaffeevollautomaten Roger Federer eine Hauptrolle spielt, steht ausser Frage. Vor fünf Jahren ist Jura der grosse Coup gelungen, die damalige Weltnummer eins im Tennis als Markenbotschafter ins Team zu holen. «Es gibt nur ganz wenige Firmen, die mit der vertrauenswürdigsten Person weltweit zusammenarbeiten können», sagt Emanuel Probst stolz. Federer agiere vor allem in den internationalen Märkten als Türöffner und er mache den Brand Jura grösser als er sei, so der CEO weiter. «Viele Leute glauben, wir seien eine weltweit grosse Marke, weil wir mit einem Megastar wie ihm zusammenarbeiten.»

Doch Grösse allein ist bekanntlich nicht alles. Wichtiger ist es, die Markenwerte für die verschiedenen Zielgruppen erlebbar zu machen und authentisch zu sein. Auch in diesem Bereich kann Jura auf Federers Hilfe zählen: Er macht die gemeinsamen Werte wie Schweizer Herkunft, harte Arbeit, Präzision, Eleganz und das Streben nach Perfektion für jeden sichtbar. Andererseits widmet sich die «Jura World of Coffee» – ein Komplex mit Ausstellung, Shop, Roger Federer Walk of Fame, Bistro und Seminarraum – in stilvollem Ambiente und detailreichen Themenwelten dem Rohstoff Kaffee und macht die Marke Jura nicht nur erleb-, sondern auch begehbar.

Einen Paradigmenwechsel hat die Firma im Servicebereich vollzogen. Aus dem negativ behafteten Reparaturfall soll der Kunde ein positives Erlebnis erhalten. Die Servicefabrik, welche ebenfalls in Niederbuchsiten steht, wurde extra von einem Innenarchitekten gestaltet. Vom eleganten Empfangsbereich aus kann die Kundschaft durch eine Glasscheibe in die Reparaturwerkstatt blicken. Ein riesiges Spital nur für Vollautomaten. «Unser Vorbild in diesem Bereich ist die Formel 1. Ein Team hat nur zwei Wagen. Diese sind identisch und die ganze Struktur ist darauf ausgerichtet», sagt Emanuel Probst. Niemand sonst könne in zehn Sekunden ein Auto auftanken und die Reifen wechseln. Jura wolle auf gleich hohem Niveau arbeiten. Etwas länger als zehn Sekunden dauert die Reparatur eines Vollautomaten dann doch. Die Firma bietet aber einen Zweistundenservice. Wer zudem sein Gerät ausserhalb der Arbeitszeiten bringen oder holen möchte, kann dies über ein Schliessfachsystem tun.

Die Krise als Chance

Stellte sich Anfang der 90er Jahre noch die Frage, ob sich der Aufwand rechne, mehrsprachige Displays zu entwickeln, war der Einstieg in den internationalen Markt aus heutiger Optik der einzig richtige Weg. Einerseits gelingt der Firma so ein organisches Wachstum, ist doch der Schweizer Markt längst gesättigt. Andererseits hilft die weltweite Abstützung in den Märkten im aktuell schwierigen Währungsumfeld auf Kurs zu bleiben. Obwohl der Eurokurs und die Kaufkraftparität im Moment stark divergieren, bleibt Jura dem Produktionsstandort Schweiz weitgehend treu. «Wir wollen keine überstürzten Entscheidungen treffen, da wir Foto: Keystone glauben, dass sich die Parität zur Kaufkraft wieder einstellt», sagt der CEO. Aber so sei das eben. Man könne nicht immer gleich schnell vorwärtskommen. Roger Federer habe auch zehn Monate hart arbeiten müssen für seinen Titel an den Swiss Indoors.

Obwohl Probst der Meinung ist, dass er und seine Crew sich an den Jahren 2001/2002 messen sollten – die 1990er seien schon fast Prähistorie –, misst er Letzteren eine historische Bedeutung bei: «Dank den Bankschulden und dem Ertrag, der keiner war, hatten wir überhaupt die Chance, etwas ganz Neues zu machen.» Und Emanuel Probst wäre nicht Emanuel Probst, wenn er seinen Worten nicht gleich einen Vergleich hinterherschicken würde – für einmal nicht aus dem Spitzensport. «Nehmen wir den Nachfolger von Steve Jobs. Tim Cook kann es nur schlechter machen. Für uns war der Scherbenhaufen damals eine fantastische Ausgangslage.» Fazit: Konzentrierte Innovation, absolute Kompetenz am Verkaufspunkt, gezielte Kommunikation und eine weltklasse Serviceinfrastruktur – das sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren der Jura Elektroapparate AG. Das und eine grosse Portion Leidenschaft für das Thema Kaffee.
Simone Fankhauser

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Grayling trommelt für Spotify

Grayling hat Spotify beim Markteintritt in der Schweiz und Österreich begleitet. Der Musik-Dienst aus Schweden ist am 15. beziehungsweise 16. November in beiden Ländern gestartet.

In einem zweistufigen Auswahlverfahren konnte sich die Agentur gegen internationale Mitbewerber durchsetzen und betreut die Kommunikation in den beiden Märkten. Neben der strategischen Beratung ist Grayling auch für die Medienarbeit und die Betreuung der Medienanfragen den beiden Märkten zuständig, wie die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Darüber hinaus wird die Agentur in Abstimmung mit Spotify auch die lokalen Auftritte auf Social-Media-Kanälen wie Facebook und Twitter betreuen und so auch in direkten Kontakt mit den heimischen Kunden treten.

Mehr zum Launch von Spotify

Vielleicht Ihr nächster Karriereschritt?

Die Werbewoche und die Schweizer Kommunikationsbranche suchen gemeinsam per 2. Februar 2012 eine ausgewiesene Fachperson als Werber/in des Jahres.

Hoffen auf eine lukrative lokale Lücke im Netz

Der Start der Basler Tageswoche wirft ein Schlaglicht auf entstehende lokale Onlinelösungen – trotz vieler Versuche gibt es dafür bisher kein Erfolgsrezept.

Geht es um Onlinelösungen im lokalen Bereich, ist das Basler Projekt gleich mehrfach atypisch: Die Tageswoche erscheint auch als Printausgabe und beschränkt sich thematisch nicht nur auf das lokale Geschehen am Rheinknie, sondern beleuchtet auch das Zeitgeschehen im In- und Ausland. Und vor allem bleibt die grosszügige Finanzierung durch eine Mäzenin für andere ähnliche Vorhaben ein kaum erreichbarer Wunschtraum.

Ähnlich wie in Basel regt sich auch in der Zentralschweiz der Unmut gegenüber der Monopolsituation der dominanten Zeitung der Zentralschweiz, der Neuen Luzerner Zeitung. Ein erster Anlauf, daran etwas zu ändern, verlief vor einem Jahr im Sande: Die Reaktionen auf die Initiative zur Gründung eines Vereins IG Medienvielfalt seien «sehr durchzogen » ausgefallen, berichtete Initiant Beat Reichenbach, Verleger der Schwingerzeitung Schlussgang. In diesem Sommer hat nun der in Zug ansässige Unternehmer Nick Mijnssen die mit einem Aktienkapital von 200 000 Franken ausgestattete M. M. V. AG (Meinungen. Medien. Vielfalt) gegründet, um eine neue Onlinezeitung für die Zentralschweiz zu lancieren. Er sieht sein Engagement als Anschubfinanzierung und will nicht als Mäzen gesehen werden. Er strebt ein profitables Geschäftsmodell mit einer breit abgestützten Trägerschaft und einer unabhängigen, professionellen Redaktion an. Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten und der Start soll im nächsten Jahr erfolgen – mehr gebe es dazu derzeit nicht zu sagen, beschied er der Werbewoche.

Projekt Berner Onlinemedien

Ohne grosszügigen Wohltäter muss das Projekt Berner Onlinemedien (BOM) auskommen. Nachdem hundert Personen einem ersten Aufruf gefolgt wa- ren und sich verpflichtet hatten, sich mit 500 Franken zu beteiligen, beschloss der Trägerverein Anfang November, die Vorbereitungsarbeiten weiter voranzutreiben und die noch namenlose Zeitung im kommenden Frühling «voraussichtlich» zu lancieren. Unterstützt wird die Onlinezeitung von Journalisten, Politikern sowie Kulturschaffenden. Fünf bis sechs Journalisten sollen sich 300 Stellenprozente teilen und «aktuell und kritisch über die Berner Lokalpolitik» berichten, ohne dabei jedoch «Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben». Noch ist offen, wie das auf jährlich eine halbe Million Franken veranschlagte Budget alimentiert werden soll.

Engagierte Freiwilligenarbeit

Anfang September ist im Kanton Freiburg mit Freiburg Media ein weiteres lokales Onlineprojekt gestartet, das mit dem Ansatz engagierter Freiwilligenarbeit unterwegs und gerade deshalb bemerkenswert ist. Die Reaktionen auf die Testphase fielen positiv auf, sodass Gründer Sandro Jenny eine Version 1.0 ankündigte, die viele Feedbacks der User aufnehmen und umsetzen will. So habe man gemerkt, dass nicht vorab Tagesaktualität gefragt sei, weshalb nun auf das Wichtigste fokussiert und deshalb auf «viel Schnickschnack zugunsten der Übersicht und einer schnelleren und zugänglicheren Website verzichtet» werde. Jenny schätzt das Reichweitenpotenzial für sein Projekt im kleinen deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg auf durchschnittlich ca. 15 000 Unique Users pro Monat. Doch Freiburg Media werde «noch eine ganze Weile werbefrei bleiben». Denn die Entwicklung des Produkts sei wichtiger als Geld zu verdienen, was nur möglich sei, weil alle Beteiligten in ihrer Freizeit ehrenamtlich mitarbeiten. Jenny ist aber realistisch: «Langfristig wird das natürlich nicht funktionieren.» Die Projekte in Basel, Bern, Freiburg und in der Zentralschweiz sind die neueste Welle solcher Vorhaben, die im Netz mit Lokalinformationen auf einen grünen Zweig kommen wollen. Als eigentliches Urgestein der lokalen Onlinedienste kann der Baseler Journalist Peter Knechtli mit onlinereports.ch gelten, der sich längst einen Namen als publizistische Ergänzung zur dominanten Basler Zeitung gemacht hat. Er ging 1997 an den Start und konnte nach fünf Jahren von einem Teilzeitengagement auf einen Vollzeit-Job wechseln. Mitte des letzten Jahrzehnts legten zwei andere Lokal-Pioniere los, die ihre Projekte inzwischen an den Nagel gehängt haben. Werner Jud beschäftigte damals für linth24.ch eine Chefredaktorin samt Stellvertreter und freien Mitarbeitern. 2009 zog er den Stecker und bietet seither eine Komplettlösung für Onlinelokalzeitungen an, mit der Lizenznehmer für linth24.ch, glarus24. ch, fricktal24.ch, reuss24.ch, aare24.ch und vilan24.ch in der Bündner Herrschaft unterwegs sind. Mit dem gleichen Namenskonzept lancierten im Jahr 2006 Stefan Millius und Marcel Baumgartner von der St. Galler Kommunikationsagentur Wortwerk Medien Gmbh die Site appenzell24.ch, der bald stadt24.ch (mit Fokus auf St. Gallen), thurgau24. ch sowie die schweizweite Plattform polizeinews. ch folgten. Inzwischen sind diese Sites mehrfach verkauft und von verschiedenen neuen Betreibern mit unterschiedlichen Absichten übernommen worden. Daneben gibt es Landauf, Landab weitere lokal ausgerichtet Sites, die zum Teil schon recht in die Jahre gekommen, von unterschiedlichen Kreisen, oft aus dem Gewerbe stammend, betrieben werden. Und auch etablierte Verlage haben auf diesem Gebiet erste Gehversuche unternommen, so etwa die Aargauer Zeitung mit ihrem Local-Search-Portal a-z.ch oder 20 Minuten online mit dem im Jahr 2009 lancierten und seither kaum mehr weiterentwickelten Lokalportal.

Es würde erstaunen, wenn die jüngste Auflage lokaler Onlineprojekte in der Schweiz aus eigener Kraft (also ohne Mäzene) nachhaltig am Markt bestehen könnten. Denn ein Blick ins Ausland zeigt, dass sich dafür bisher kein tragfähiges Geschäftsmodell breit durchgesetzt hat. Dies, obwohl es seit Jahren immer wieder neue Anläufe gibt, die hoffen, den im Netz immer noch weitgehend brachliegenden lokalen Werbemarkt profitabel erschliessen zu können. Bemerkenswert ist, dass es selbst in den USA, wo in den letzten Jahren viele kleine Lokalzeitungen eingegangen sind, keine überzeugenden und weitverbreiteten Vorzeigemodelle gibt. Zum Beispiel das Patch-Netzwerk, das der Internet-Konzern AOL im Jahr 2009 übernommen und inzwischen auf 840 hyperlokale Blogs ausgebaut und dafür entsprechend viele Journalisten angestellt hat. Doch die Besucherströme sind (mit monatlich 10 Mio. Unique Users) vergleichsweise kümmerlich und entsprechend mager sind die Werbeeinnahmen – und die Investoren unzufrieden. Denn im Medienmarkt vor der Haustür stehen dem Erfolg zahlreiche Hürden im Weg, auf die auch hiesige Gründer eine Antwort finden müssen:

Inhalte, Community und Technik
Inhalte:
Medienkonsumenten sind auch im Netz vor allem an den grossen Themen interessiert. Mitteilungen über die Sanierung der Abwasserleitungen im Nachbarquartier, Berichte über den Seniorenausflug und über die Eröffnung einer Ausstellung minderbemittelter Künstler aus der Umgebung sind da kaum gefragte Muss-Lektüre. Kommt dazu, dass grundlegend neue Verbreitungsmechanismen für News sich besonders gut für den lokalen Bereich eignen: Nicht länger gehen Leser zu den News (zur Zeitung), sondern die News kommen zu den Lesern. Und zwar über die sozialen Netzwerke, wo immer mehr Zeitgenossen die neuesten Fakten und Gerüchte aus ihrem unmittelbaren Lebens- und Interessenkreis ganz informell untereinander austauschen. Wer etwa im örtlichen Fussballclub mitkickt, ist über das Geschehen in der Regionalliga bestens informiert, wenn auch nur ein paar Kollegen regelmässig die neuesten Geschichten kolportieren und auf Berichte verlinken.

Community: Nur Kopf genügt nicht, es braucht Herz: Nur wenn es gelingt, das Publikum zu involvieren, zu einer Gemeinschaft in Netz zu verbinden, rückt der Erfolg im lokalen Netz in Reichweite. Dafür gibt es einen einfachen Test: Lösen Artikel einen lebendigen Gedankenaustausch in den Kommentaren aus, ist die lokale Website in der Gemeinschaft angekommen und als nützliches Vehikel akzeptiert worden. Allerdings braucht es dazu ein grundlegend anderes Berufsverständnis, als es vielen Journalisten und Redaktorinnen eigen ist, die von Medien geprägt sind, die sich immer noch vorwiegend als Einwegverlautbarungskanäle verstehen. So hat die Basler Tageswoche in ihrem Onlineauftritt zeitgemässe Dialog-Features eingebaut und es wird interessant sein zu verfolgen, ob und wie die Macher damit ein erfolgreiches Community-Building betreiben können.

Technik: Doch auch wer mit viel Herz zu Werke geht und ein Publikum auch emotional ansprechen und an eine lokale Website binden kann, muss ein Produkt bieten, das auf dem neuesten Stand ist. Und das ist zunehmend anspruchsvoll: Es braucht nicht nur Texte, sondern auch Bilder und Videos. Daten müssen als Grafiken oder auf interaktiven Karten aufbereitet werden und News aus allerhand Quellen müssen automatisiert aggregiert werden. Es braucht einen Mitgliederbereich, wo sich Benutzer untereinander vernetzen können. Und selbstverständlich muss auch eine lokale Website nicht nur über mobile Endgeräte einfach zugänglich sein, sondern auch ortsbezogene Dienste anbieten, die gerade für die Werbung besonders interessant sind.

Performance-Modelle der Werbenetzwerke
Werbung:
Das herkömmliche Onlineanzeigengeschäft wird auch im Lokalen künftig von User- Profilen geprägt sein, die ein immer engeres geografisches Targeting erlauben. Diese Profile werden vorab von Branchen-Schwergewichten wie Google und Facebook gesammelt, die zudem von einer Reihe von Start-ups bedrängt werden, die sich wiederum untereinander vernetzen (vgl. Werbewoche vom 23.9.2011, S. 22 ff). Will etwa eine Automarke zu Probefahrten einladen, wird sie dafür nicht ihre Vertragsgaragisten mit Inseraten in den lokalen Medien promoten, sondern entsprechende Reichweiten über User-Profile buchen, die dann bei den angeschlossenen Sites situativ ausgespielt werden. Sofern eine lokale Website sich solchen Netzwerken angeschlossen hat, kann sie von solchem Traffic profitieren, steht aber in Konkurrenz zu einer Vielzahl anderer Sites, über die ihr lokales Publikum allenfalls treffsicherer erreicht werden kann. Wer also hofft, lokale Websites dereinst mit Anzeigenerlösen lokaler Betriebe finanzieren zu können, wird sich grundlegend neu orientieren müssen. Noch haben lokale Gewerbebetriebe das Netz und die Onlinewerbung kaum für sich erschlossen, doch die Performance-Modelle der Werbenetzwerke dürften beim sparsamen Bäcker und beim kleinlichen Metzger einleuchten, da ja nur für erfolgreiche Werbung und nicht für Streuverluste bezahlt werden muss. Machen sich Gewerbebetriebe aber erst einmal auf, sich im Netz zu etablieren, werden sie ihre Kundschaft in sozialen Netzen vereinen und dort direkt ansprechen. Gerade im lokalen Bereich sind solche Werbebotschaften auch Informationen mit Newsgehalt.

Deshalb sind der Bäcker und der Metzger genau so wie der Garagier und der Baumeister als Newslieferanten in die Gemeinschaft einer Newssite einzubinden. Es wird klar: Im lokalen Onlinegeschäft wird es weiterhin Initiativen geben, die einerseits getrieben sind von der Unzufriedenheit mit der lokalen Berichterstattung in den bestehenden Medien oder die andererseits von den für das Onlinegeschäft immer noch brachliegenden Werbegelder der lokalen Geschäfte angezogen werden. Ein Durchbruch ist erst zu erwarten, wenn sich Nutzungsgewohnheiten auf breiter Basis grundlegend verändert haben, also etwa Pendlerzeitungen durch Tablets ersetzt worden sind und in den traditionsgeprägten Gewerbebetrieben eine neue, internetaffine Generation das Ruder übernommen hat. So wird in den kommenden Jahren spannend zu beobachten sein, wie sich im In- und Ausland derartige Lösungen formieren und durchsetzen und wie sie voneinander lernen und abweichen werden. Denn die Optionen sind breit: Bei der Trägerschaft und der Finanzierung (viele kleine Gönner oder einige potente Investoren), bei der technischen Infrastruktur (proprietär oder Open Source), der Inhaltsproduktion (professionelle Redaktoren oder freiwillige Kuratoren) und beim Anzeigenverkauf (Profile oder Eigenverkäufe) sowieso.

Christoph J. Walther

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Attraktive lokale Online-News-Sites bieten längst mehr als nur Text:
Als Klassiker gilt chicagocrime.org aus dem Jahr 2005, wo die Daten
der Polizei auf interaktiven Karten dargestellt wurden.
 

Zu guter Letzt: Die Jugend liest, und das lieber auf Papier

Junge Leute lesen lieber auf Papier. Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Umfrage, für die 4.500 Menschen befragt wurden.

Junge Menschen nehmen immer noch gerne Papier zur Hand. Dies hat eine IPSOS-Studie im Auftrag der Papier- und Druckindustrie ergeben. Vor allem im deutschsprachigen Raum und in Nordeuropa sei Print immer noch weitaus beliebter als Online, sagt Print-Power-Austria-Sprecher Patrick Mader gegenüber Pressetext. Die Umfrage umschliesst pro Land 500 Personen aller Altersgruppen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 18- bis 24-Jährige lieber auf Papier lesen, als am Bildschirm. Dies gaben 83 Prozent in dieser Altersgruppe an. Die gleiche Aussage stimmt nur zu 80 Prozent zu, wenn man alle Altersgruppen berücksichtigt. Ausserdem waren untern den jungen Teilnehmern 78 Prozent der Meinung, dass bedrucktes Papier sich besser anfühlt als andere Informationsträger. In Einbezug aller Altersgruppen teilten nur 74 Prozent der Befragten diese Ansicht. Weiter scheinen die Jungen auch ein starkes Vertrauen in das Medium Papier zu haben. So bewahren 63 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wichtige Dokumente in Papierform auf. Unter allen Befragten tun dies nur 58 Prozent.

Ob diese Aussagen jedoch statistisch belastbar sind, ist zweifelhaft. Denn die Sampelgröße für die betreffende Altersgruppen sind jeweils sehr klein,
 

Die Förderer der Online-Branche

Das Interactive Advertising Bureau (IAB) hat den zweiten «Digital Marketing Day» präsentiert. Mit den begehrten Awards sind ausgezeichnet worden: SBB-E-Business, Samy Liechti mit Blacksocks und Roger Baur von Netprofit.

In der Shortlist für den Digital Marketer of the Year» finden sich illustere Unternehmen wie Admazing, AXA Winterthur, Dein Deal, Media Markt, Post Finance und SBB. Die Schweizerischen Bundesbahnen haben schliesslich das Rennen gemacht. Begründung der Jury: «In keinem anderen Land der Welt wird häufiger Bahn gefahren als in der Schweiz. 951 000 Menschen nutzen jeden Tag die SBB. Um ihr Angebot den Kundenbedürfnissen entsprechend weiterentwickeln zu können, ist sie auf den permanenten Dialog mit ihren Kundinnen und Kunden angewiesen. Sei dies off- und online. Vor allem im gesamten Onlinesegment spielen die SBB hervorragend sämtliche Disziplinen gekonnt miteinander aus.»

Mit einem «Digital Lifetime Award» ist Samy Liechti ausgezeichnet worden. Er hat 1999 das «Socken-Abo» erfunden. Für den E-Commerce- Pionier Blacksocks war 2010 das verkaufsstärkste Jahr aller Zeiten. Auch wenn die Schweiz weiterhin der wichtigste Markt bleibt, abonnieren immer mehr Männer auf dem nordamerikanischen Kontinent ihre Socken bei Blacksocks. Der Erfolg in Übersee kann sich sehen lassen: Allein im 4. Quartal 2010 haben sich die Umsätze im Vergleich zum selben Quartal im Vorjahr verdoppelt. Die zunehmende Mobilität der Kunden schlägt sich vermehrt auch bei den Bestellungen über mobile Endgeräte wie zum Beispiel Smartphones nieder. Die über 50'000 Kunden in mehr als 75 Ländern erhalten mehrmals im Jahr drei Paar Socken per Briefpost zugestellt.

Roger Baur hat vor 15 Jahren mit der Vermarktung von Onlinemedien begonnen. Jetzt wurde er zum «Digital Pioneer of the Year» gewählt.

WW: Roger Baur ist zum Digital Pioneer oft he Year gewählt worden. Wann ist der Pionier zum ersten Mal mit dem Internet in Kontakt gekommen?
Roger Baur: Mein erster Kontakt mit dem Internet war 1994, als ich für eine Firma, in der ich Geschäftsführer und Partner war, eine Website machen wollte. Wir haben dann beschlossen, eine einfache Site zu bauen, die die wichtigsten Informationen zeigt wie Öffnungszeiten oder Telefon. Das jeweilige Aufstarten des Computers und danach des Browsers (Mosaic) war durch das «Zischen und Kratzen» des Internetzugangs begleitet, heute undenkbar … Wir waren aber sehr stolz, dass wir einen Internetauftritt hatten: www.vitatop.ch.

Was waren wichtige Stationen und Jobs in der Karriere von Roger Baur, die ihn zum heutigen Spezialisten werden liessen?
Ich war 1996 beim damaligen Sport für den Verkauf von Inseraten zuständig. Eines Tages kam jemand an einer Sitzung mit der Idee, Banner zu verkaufen. Er suchte vor allem ein Opfer, der das machen sollte. Meine Kollegen drehten sich zur Seite. Ich aber nicht, sondern hielt die Hand hoch: Ich will das machen. Zwei Wochen später habe ich der Swisscom das erste Banner (das nicht klickbar war) verkauft. Ein cooles Erlebnis und auch eine Motivation, mehr davon zu verkaufen. Danach habe ich das auch für die Weltwoche so gemacht und ging im Jahre 2000 zu Qualiclick. Dort war ich bald auch für das Marketing und den Verkauf verantwortlich. Das war eine der coolsten Internetzeiten, die ich erlebt habe. Es war alles möglich und wir wuchsen monatlich um 10–20 Prozent. Bis dann leider diese sogenannte Dot.com-Blase «platzte». Dies zwang uns, den Börsengang zu vergessen, die Mitarbeiter von 120 auf 20 zu reduzieren und jeden Tag für den nächsten zu kämpfen. Plötzlich war Online nicht mehr so cool … Aber egal. Ich machte weiter. Wir wurden von Adlink übernommen (zwei Freunde von mir und ich) und machten dann diese Firma mit unserem «Tempo » noch erfolgreicher. Danach hatte ich einen Abstecher zu den Adscreens und wurde aber bald wieder vom Onlinemarkt befallen. Diesmal aber als selbstständiger Berater für Verlage, Websites, Werbe- und Mediaagenturen, die in ihrer digitalen Strategie Hilfe brauchten. Das mache ich heute noch jeden Tag mit viel Spass und Engagement.

Was sind die Kernkompetenzen von Netprofit?
Auf den Punkt gebracht, bin ich ein Spezialist für Vertriebsstrategien von Medien, natürlich mit Schwerpunkt Digital. Ich bin spezialisiert, die Wertschöpfung für meine Kunden zu analysieren und danach die dafür notwendigen Massnahmen zu definieren, um eine erfolgreiche Vertriebsstrategie zu etablieren. Speziell an meiner Dienstleistung ist, dass ich meine Kunden in der Umsetzung begleite und so auch sicherstelle, dass es auch wirklich gemacht wird. Mir ist wichtig, dass meine Kunden mit meiner Beratung auch wirklich erfolgreich sind. Auch können so Korrekturen schnell umgesetzt werden.

Was waren die grössten Knacknüsse beim Aufbau einer Vermarktung für Onlinemedien in der Schweiz?
Schwierig zu sagen. Die grössten Knacknüsse sind nicht der Aufbau oder der Ausbau der Vermarktung von digitalen Medien. Die Knacknuss sind die Menschen. Diejenigen, die auf der einen Seite die Vermarktung wollen, und auf der anderen Seite die, welche das Ganze umsetzen sollen. Nicht alle sind sich bewusst, dass das Ganze zwingend «top-down» gelebt werden muss und die nötige Zeit braucht. Auch in den neuen Medien dauert es, bis das Ganze zum Laufen kommt. Ich habe das Glück, dass ich das mit meinen Kunden von Anfang an immer diskutiere und den Ball tief halte, um so übertriebene Erwartungen zu dämpfen. Nicht jede Website, die man im Netz findet, lässt sich erfolgreich vermarkten. Dazu muss man den Markt sehr gut kennen und auch verstehen.

Was hat wohl den Ausschlag gegeben, dass die Jury Roger Baur zum Sieger gewählt hat? Auf welche Leistung ist er besonders stolz?
Ja, das frage ich mich auch. Ich denke, ich bin in den letzten Jahren einfach immer sehr engagiert gewesen und habe durch mein grosses Netzwerk immer die richtigen Leute zusammengebracht, um etwas im Markt zu bewegen. Ich bin ein Unternehmer und es stört mich, wenn etwas im Markt nicht läuft. Vor allem, wenn ich sehe, dass es machbar wäre, wenn man es anpacken würde. So hole ich dann einfach die «richtigen» Leute an den Tisch und motiviere sie, am selben Strick zu ziehen! Ich bin stolz, nie aufzugeben und hartnäckig zu sein.

Auf was freut sich Roger Baur bei den zukünftigen Entwicklungen?
Ich freue mich auf alles, was kommt, ich nehme mir immer Zeit zu schauen, welche Entwicklungen es gibt, und versuche dann, diese auch zu verstehen und ihr Potenzial für unseren Markt zu erkennen. Ich bin mittlerweile auch im Ausland immer wieder in Kontakt mit spannenden Menschen. Als ich vor ein paar Jahren eine «super Idee» entdeckt habe, musste ich die Gründer dieser Firma sofort anrufen und mich mit ihnen verabreden. Wir haben am ersten Meeting bereits über eine mögliche Kooperation und eine Expansion in die Schweiz gesprochen. Das ist es, was mich eigentlich antreibt: immer wieder Neues zu entdecken und Menschen kennen zu lernen, die so sind wie ich. Menschen, die etwas bewegen wollen, etwas verändern wollen. Ich bin sehr dankbar, dass ich so viele tolle Menschen kenne und wir zusammen etwas in der digitalen Welt bewegen können. Interview Andreas Panzeri

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«Fast alle berühmten Fotografen verdienen ihr Geld auch mit Werbung.»

Creative Director Lukas Frei aus der Agentur Jung von Matt/Limmat wirkte beim letzten Wettbewerb in der Jury für die Kategorie «Werbung» mit.

WW: Beim Swiss Photo Award werden in der Kategorie «Werbung» kaum Bilder von klassischen Kampagnen eingereicht. Wieso diese Hemmschwelle?
Lukas Frei: Bei klassischen Printkampagnen steht meist die Idee im Fokus, die optimal inszeniert werden soll, und nicht die Qualität der Fotografie an sich. Oft werden die Bilder zudem stark digital nachbearbeitet. Dies wäre theoretisch allerdings kein Hinderungsgrund. Ein weiterer Aspekt ist natürlich, dass alle Arbeiten, die mit ausländischen Fotografen, die nicht in der Schweiz leben, realisiert wurden, nicht zum Swiss Photo Award zugelassen sind.

Der ADC kennt für seine Würfel-Jury feste Kriterien. Nach welchen Massstäben beurteilt man die Qualität einer Werbefoto?
Der Swiss Photo Award ist, wie der Name sagt, eine Awardshow, bei der herausragende Fotografie ausgezeichnet wird. Dies gilt auch für die Kategorie «Werbung ». Im Gegensatz zum ADC rückt dabei die Werbeidee in den Hintergrund. Es zählt in erster Linie die Execution. Also die Qualität der Fotografie. Sonst würde man ja die Arbeit der Agentur auszeichnen und nicht die des Fotografen. Dies gilt vor allem für die vorhin angesprochenen klassischen Kampagnen. Beim Swiss Photo Award werden aber auch viele Arbeiten von Fotografen eingereicht, welche direkt für den Kunden, also ohne Agentur, realisiert wurden. City plus Agglo gleiCh erfolg. Mit Wo sehen Sie einen Unterschied zwischen Werbefoto und Kunst?
Die Werbefotografie verfolgt immer einen kommerziellen Zweck. Dies muss bei der Kunst nicht der Fall sein. Trotzdem sind die Übergänge fliessend. Es gibt durchaus Werbefotografie, die einen künstlerischen Wert hat.

Das digitale Fotografieren verändert das Berufsbild der Fotografen. Viel Mittelmässiges wird heute selber «geschossen». Wie kann sich in einem solchen Umfeld ein Berufsstand von Werbefotografen trotzdem professionell entwickeln?
Digital fotografieren ist ja nicht einfacher als analog. Man sieht einzig die Resultate sofort auf dem Bildschirm und wartet nicht, bis die Filme entwickelt sind. Die Bildauswahl wird meist gleich nach oder gar während des Shoots vorgenommen. Das verkürzt den Prozess. Mittelmässige Fotografie gab es schon immer. Ich glaube nicht, dass wegen der digitalen Fotografie nun viele Laien am Werk wären. Bedauernswert find ich allerdings, dass mit dem Einzug der digitalen Fotografie viele gute Entwicklungsstudios und Printspezialisten kaum mehr Arbeit haben. Trotzdem glaube ich nicht, dass die analoge Fotografie je ganz verschwinden wird. Ähnlich wie in der Musik Schallplatten nie ganz verschwanden. Beides mit gutem Grund.

Wird Ihre Agentur oft von Werbefotografen angegangen, die ihr Portfolio präsentieren wollen, oder ist es eher schwierig, motivierte Fotografen für die Werbung zu finden?
Wir haben oft Fotografen im Haus, welche Ihre Portfolios unserem Art Buying zeigen. Es wird immer tolle, talentierte Fotografen geben, die Kampagnen umsetzen. Das heisst ja nicht, dass sie daneben nicht auch eigene, weniger kommerzielle Arbeiten produzieren können. Fast alle berühmten Fotografen verdienen ihr Geld auch mit Werbung, da gibt es glücklicherweise kaum Vorbehalte.

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit mit einer Fotoagentur?
Fotoagenturen verkaufen bestehende Bilder. Also fällt die Produktion weg.

Wie bedeutend ist der Einbezug von solchem Stock-Material bei der Kreation einer Kampagne?
Bei der Kreation einer Kampagne spielt bestehendes Bildmaterial bei uns kaum je eine Rolle. Stock wird für Kampagnen eigentlich nur verwendet, wenn die Zeit oder das Geld für eine Produktion fehlt. In einzelnen Fällen, beispielsweise bei historischen Aufnahmen oder Aufnahmen von Celebrities, gibt es keine Alternativen zu Stock.

Welchen Tipp würden Sie einem Fotografen geben, wenn er bei der EWZ Selection einreichen will?
Dass er das machen soll.

Interview: Andreas Panzeri

Lukas Frei ist seit 2007 Creative Director bei Jung von Matt/ Limmat. Er hat in den vergangenen Jahren unter anderem Kampagnen für Kunden wie SBB, Panasonic, Tages-Anzeiger, Bucherer, Gesundheitsförderung Schweiz, Swisscom und Vögele Shoes kreiert. Nach Matura und Schule für Gestaltung in Basel startete er seine kreative Laufbahn in Zürich als Grafiker. Später arbeitete er als Art Director bei Dubach resp. Bozell Leutenegger Krüll und bei McCann Erickson, bevor er 2001 bei Jung von Matt/Limmat einstieg. Lukas Frei ist seit 2004 ADC-Mitglied. Viele seiner Arbeiten wurden bei nationalen und internationalen Kreativ-Wettbewerben ausgezeichnet.

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