Der Motz von Butz: Im Format klotzen, im Layout kleckern

Wie schlecht es um die Gestaltungsbranche bestellt ist, zeigt das Beispiel Nespresso im HB Zürich.

Um was es geht: Über die Weihnachts- und Neujahrstage hing in der ehrwürdigen Zürcher Bahnhofhalle ein mindestens 30×10 m grosses Plakat von Nespresso. Diese Kampagne mit George Clooney ist vom Konzept her eine meiner Lieblinge. Aber die Art, wie diese Bildidee mit dem Heiligenschein auf dieses Format gesetzt und gestaltet wurde, ist dilettantisch. Dieses Billboard kostet laut Recherche für einen Monat gerade mal 80'000 Franken. Für eine clevere Gestaltung wurde wohl aber der Lehrling beauftragt.

Meine Theorie: Am Bahnhof Zürich gehen täglich – ich schätze – 100‘000 Leute vorbei. Ich habe 30 davon befragt, ob sie die Idee mit dem Heiligenschein auf Clooneys Haupt gesehen haben. Keiner hat das bemerkt. McCann Paris hatte die Idee und auch das Artwork dazu an die Filialen verschickt. Der Berater oder der Medialeiter oder vielleicht der Kunde hat dann beschlossen, wir machen ein Billboard im Bahnhof. Ein Desktopper hat dann husch husch das Artwork auf dieses spezielle Format 30×10 m umgestaltet. Das Resultat: Alle, wenn überhaupt, verstehen nur Bahnhof.

Dies ist einfach zu erklären: Die überflüssige Kaffeemaschine lenkt vom zu kleinen Heiligenschein ab, ebenso die Logos und Texte in verschiedenen Typos. Weniger ist mehr. Ich habe da mal aufgeräumt. Siehe Bild.

Der Content ist das Wichtigste. Stimmt dieser nicht oder ist verpufft, ist auch der stolze Preis für ein Werbeposter rausgeworfenes Geld. Ich will damit sagen, dass ich über dieses Phänomen schon öfters gemotzt habe.

Ich schlage vor, dass die SBB in Zukunft durch eine Art Fifa entscheiden lassen, ob ein Plakat «spielberechtigt» ist oder nicht. Sie sollten sich mal überlegen, ob es in dieser ehrwürdigen Halle überhaupt möglich sein soll, solch grosse und hässliche Poster aufzuhängen. Was sagt denn die Nicki de Saint Phalle dazu? Oder der Architekt Röbi Hausmann, der diese Halle aufgeräumt und ihr ihren ursprünglichen Glanz zurück gegeben hat? Die Passagiere, die täglich durch die Halle eilen, konzentrieren sich primär auf ihr Gleis oder auf die Bar links oder das Federal oder auf den Schatz, den sie unter der Uhr abholen. Erst dann kommt die Werbung. Und wenn die nicht reduziert und witzig daherkommt, verstehen von den Hunderttausenden eben, ich wiederhole mich, alle nur Bahnhof.

Der Aufsteller ist, dass ich mir vorgenommen habe, dieses Jahr als Ausnahme einmal statt «Der Motz von Butz» eine Kolumne mit dem Titel «Das gefiel Theophil» zu schreiben.

Theophil Butz, einst Starwerber (Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Dieses Poster kostet 80'000 Franken monatlich. Für eine optimale Gestaltung wurde wahrscheinlich kein Rappen ausgegeben. Oben das Original, unten meine Korrektur.

motz
 

The Eyecatcher verstärkt ihre Beratung mit Annina Iten

Annina Iten stösst zur Zürcher Interaktiv-Agentur The Eyecatcher und erweitert somit deren Beratungsteam.

Mit Annina Iten hat the eyecatcher ihr Beratungsteam erneut erweitert. Die erfahrene Projektleiterin wird in erster Linie für die Betreuung des Kunden Orange Communications SA zuständig sein. Zusätzlich wird sie die Leitung diverser anderer Kundenprojekte übernehmen. Annina Iten kennt Orange bereits von ihrer früheren Tätigkeit bei Cinergy, wo sie neben dem Telekommunikationsunternehmen auch die SBB, Bluewin und local.ch zu ihrem Kundenportfolio zählte.

Auf die Frage hin, was sie an ihrer neuen Aufgabe besonders reizt, meinte Annina Iten: «Die Kombination aus spannenden Projekten und kreativem Umfeld – und einem wirklich sympathischen Team.»
 

Grayling kooperiert mit Oehen PR

Grayling hat per Anfang Januar die Agentur Oehen PR an Bord geholt. Stephan Oehen, Gründer und Inhaber der Agentur, verstärkt als Executive Director das Zürcher Team unter der Leitung von Managing Director Bettina Gebhardt.

Grayling und Oehen PR sind per Anfang Januar 2012 eine Kooperation eingegangen. Oehen PR erhält damit direkten Zugang zum internationalen Netzwerk von Grayling und die Möglichkeit, dieses aktiv zu nutzen und die Leistungen seines bestehenden Portfolios entsprechend auszubauen. Auf der anderen Seite verstärkt Grayling mit der Kooperation seine Expertise im Bereich international tätiger Schweizer KMU, Financial Services und Public Affairs. Oehen PR zieht im Büro von Grayling an der Niederdorfstrasse 88 in Zürich ein.

«Mit Stephan Oehen können wir unser Know-how im Bereich international tätiger KMUs verstärken», kommentiert Hanning Kempe, CEO Grayling Schweiz und Deutschland, die Kooperation. «Grayling bietet gerade kleineren und mittleren Schweizer Unternehmen mit internationaler Anbindung ideale Voraussetzungen für ihre Kommunikationstätigkeit. Durch das Netzwerk von Stephan Oehen können wir uns in diesem Bereich noch stärker positionieren.»

Stephan Oehen verfügt über mehr als 15 Jahre PR-Erfahrung und bringt eine solide Kundenbasis mit. Zu seinen Kernkompetenzen zählt die strategische Beratung in den Kernbereichen Corporate Communications, Public Affairs und Krisenkommunikation. Bevor er sich 2006 mit der Oehen PR Schweiz AG selbständig machte, durchlief der Jurist und ehemalige Journalist eine klassische Beraterlaufbahn und war zuletzt geschäftsführender Partner bei der PR-Agentur Klaus J. Stöhlker AG.
Stephan Oehen freut sich, Teil von Grayling zu sein: «Grayling ist der perfekte Partner, um die weitere Internationalisierung meines Portefeuilles voranzutreiben. Von den Synergien, welche sich daraus ergeben, profitieren sowohl meine bestehenden Kunden wie auch Grayling.»
 

Publica Data: Radio-Nutzung 2. Semester 2011

Die Deutschschweiz hörten im zweiten Semester 2011 mehr Radio als die Einwohner der Suisse romande oder der Svizzera italiana. DRS 1 ist der meistgehörte öffentlich-rechtliche Sender und Radio 24 ist der meistgehörte Privatradiosender.

Im 2. Semester 2011 hörten an einem durchschnittlichen Tag in der Deutschen Schweiz 88.8 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren Radio während durchschnittlich 127.7 Minuten. Sowohl Reichweite wie Nutzung des Mediums sind in den anderen Sprachregionen leicht tiefer: 85.6 Prozent der Menschen in der Suisse romande hörten täglich rund 114.6 Minuten Radio. In der Svizzera italiana erreichte das Medium Radio 87.7 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren und die Nutzung lag bei 123.4 Minuten pro Tag.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern liegt DRS 1 mit 37.9 Prozent (Netto-Reichweite) in der Deutschschweiz an vorderster Stelle gefolgt von DRS 3 mit 28.9 Prozent. Bei den Privatradios führt Radio 24 die Spitze an. Mit 6.6 Prozent der Netto-Reichweite ist es das meistgehörte Privatradio der Deutschschweiz. Auf den weiteren Rängen befinden sich Energy Zürich, Argovia und FM1 in absteigender Reihenfolge. Die Privaten Kabelradios werden von Eviva mit 2.1 Prozent Netto-Reichweite angeführt.

Hinweis: Die Nutzungsdaten aller Radiosender werden ab dem zweiten Semester 2011 nur noch pro Sprachregion ausgewiesen. Die Hörer der grenzüberschreitenden Sender Canal 3 (deutsch), Canal 3 (französisch), Radio Freiburg und Radio Fribourg werden demzufolge getrennt in den Gebieten der Deutschschweiz und der Suisse romande ausgewiesen.

Die gesamten Nutzungsdaten der Deutschschweiz finden Sie hier.
Weitere Informationen finden Sie unter www.publicadata.ch
 

Eine neue Generation des Fernsehens: Sunrise TV

Sunrise sorgt für grosses Kino: Sie bringt am 23. Januar landesweit ihr digitales Fernsehangebot auf den Markt und bietet somit als einziges privates Telekommunikationsunternehmen in der Schweiz Mobiltelefonie, Festnetz, Internet und Fernsehen aus einer Hand an.

Mit Sunrise TV hält die neueste Generation des Entertainments in den Schweizer Wohnzimmern Einzug: Das Fernsehangebot von Sunrise bietet den Kunden eine Vielzahl an Innovationen, die Fernsehen zu einem ganz neuen Erlebnis machen. Dazu gehören beispielsweise die grösste Auswahl an HD-Sendern im Basispaket, die Funktionen «ComeBack TV» und «Live Pause» sowie eine einzigartige Vielfalt an Kanälen mit über 160 TV- und mehr als 80 Radiosendern.

Das digitale TV-Angebot von Sunrise bringt eine Reihe von Innovationen mit, die es dem Zuschauer ermöglichen, selbst zum Programmdirektor zu werden. Dabei wird besonders die Benutzerfreundlichkeit gross geschrieben. Marktanalysen zeigen, dass es ein grosses Kundenbedürfnis ist, zeitlich unabhängig fernsehen zu können. Dieses Bedürfnis steht bei Sunrise TV im Mittelpunkt.

Seit ihrem Markteintritt vor 15 Jahren ist Sunrise die einzige private Telekommunikationsanbieterin der Schweiz, die kontinuierlich in den Bereich Mobilfunk und den Ausbau ihrer Infrastruktur investiert und für die Kunden damit eine Alternative zum Marktführer darstellt. Mit dem Launch von Sunrise TV wird Sunrise ab dem 23. Januar zum einzigen privaten Telekommunikationsunternehmen in der Schweiz, das Mobiltelefonie, Festnetz, Internet und digitales Fernsehen aus einer Hand anbietet.
 

Jung von Matt/Limmat: Im Smart ist extrem viel drin

Da schaut man nicht schlecht. Am Bahnhof Stadelhofen in Zürich ist ein Smart in den Boden eingesunken. Warum? Im Smart steckt eben extrem viel drin.

Vor dem Bahnhof Stadelhofen ist ein Smart im Asphalt eingesunken. Zumindest erzeugt eine aktuelle Installation von Jung von Matt/Limmat für die Marke Smart diese Illusion. Ein Störer-Kleber auf dem Auto macht klar: In einem Smart steckt extrem viel drin. Nämlich ein All-in-Leasing inklusive Versicherung, Wartung und Garantie.

Für die Aktion wurde der untere Teil des Wagens abgesägt. Die täuschend echten Risse rund ums Auto sowie die Wölbung im Asphalt wurden mit einer Spezialmatte simuliert. Mit der Installation beim Bahnhof Stadelhofen präsentiert sich Smart täglich 135’000 Menschen als urbane Mobilitätsalternative. Der eingesunkene Smart ist noch bis zum 21. Januar um 17 Uhr zu sehen.

smart_stadelhofen_1

Verantwortlich bei Smart: Carmen Mola Galván (Brand Manager smart). Verantwortlich bei Jung von Matt/Limmat: Lukas Frei (Creative Direction), Samuel Christ (Text), Maurus Zehnder (Art Direction), Aude Kohler (Grafik), Deborah Herzig (Art Buying), Dominic Daeppen, Ariane Sonderegger und Pascal Schwager (Beratung), Max Rudolph (PR) und Inqubator (Produktion).
 

Bernmobil: Bringt Fahrgäste zum Lächeln

Wer Herr und Frau Schweizer in öffentlichen Verkehrsmitteln beobachtet, sieht allenthalben das Gleiche: mürrische Gesichter. Dabei hätten die Fahrgäste bei den vielen Vorzügen des Berner ÖV doch allen Grund zum Lächeln.

Diesen Gedanken hat sich Bernmobil für die neue Service- und Leistungskampagne zu Nutze gemacht: In einer Reihe von Sujets werden den Aufnahmen von mürrischen Fahrgästen eben jene Vorteile, wie z.B. das Wegfallen der mühseligen Parkplatzsuche gegenübergestellt.

Die Aufnahmen entspringen allesamt dem echten Leben: Die ahnungslos fotografierten Protagonisten wurden nach dem Schnappschuss um ihre Einwilligung gebeten. Dass überraschend viele der Angefragten zusagten, zeugt davon, dass unsere Landsleute immerhin über eine gesunde Portion Selbstironie verfügen.

Die Kampagne umfasst zahlreiche Motive und wird das ganze Jahr über auf Tramhängern, in Inseraten und in verschiedenen Begleitmedien in und um Bern zu sehen sein.

Verantwortlich bei Bernmobil: Roman Gattlen, Leiter Marketing und Monika Schweiwiller, Leiterin Marketing-Kommunikation. Agentur: Neue Lgk.
 

Martin Wagner wird wieder BZM-Konzernanwalt

Mit sofortiger Wirkung wird Martin Wagner neuer Konzernanwalt der Basler Zeitung Medien. Diese Entscheidung wurde von Filippo Leutenegger, Verwaltungsratspräsident der BZM, getroffen.

«Er ist ein Spezialist für Medienrecht und kennt die Basler Zeitung Medien, für uns somit die richtige Person für diesen wichtigen Posten», lässt sich Leutenegger in einer Mitteilung vom Donnerstagabend zitieren. Wagner war lange Jahre BZM-Konzernanwalt gewesen, bevor er im Februar 2010 von der langjährigen BZM-Eigentümerfamilie Hagemann 25 Prozent des Kapitals übernahm. Tettamanti hielt 75 Prozent. Das Duo setzte nach einem halben Jahr den Blocher-Intimus Markus Somm als Chefredaktor ein, was gemäss SDA viel Wirbel um den Baz-Kurswechsel auslöste. Im November 2010 kapitulierten Wagner und Tettamanti nach nicht abebbenden Protestwellen und verkauften die BZM an Moritz Suter. Dieser warf Ende 2011 das Handtuch, als er sich mit seinen Geldgebern überwarf und die Aktien alt Bundesrat Christoph Blochers Tochter Rahel zurückgab. Diese verkaufte dann erneut an Tettamanti. Blocher ist weiterhin dabei: mit einer Defizitgarantie.

(Foto: Keystone)

SFLB: Nur das Beste kommt in den Teebeutel

Die neue Kampagne von SFLB steht für besonderen Twinings-Teegenuss. Gezeigt wird dies durch drei verschiedene Sujets, die den Teebeutel in seiner «gewohnten Umgebung» zeigen.

Twinings steht für feinsten Teegenuss. Seit über 300 Jahren verwendet das englische Traditionshaus die besten Teeblätter, Kräuter und Zutaten. Dies wird auch in einer Serie von neuen Sujets kommuniziert, die Spillmann/Felser/Leo Burnett entwickelt hat und sich in die Teelandschaftswelt des bestehenden TV-Spots eingliedert. Die Kampagne kommt auf Anzeigen, Samplings und weiteren Medien zum Einsatz.

Verantwortlich bei Twinings: Christof Stulz (Marketing Manager), Angelika Leemann (Brand Manager Twinings), Michèle Ernst (Area Manager Austria). Verantwortlich bei SFLB: Matthias Fürst, Katja Wölfel, Pablo Schenke, Johannes Raggio (Kreation), Fiona Gottwald (Beratung), Suzana Kovacevic (Art Buying), viennapaint (Bildbearbeitung).

Wie Eigenregie-Verleger die Publicitas aushebeln

Acht Jahre nachdem Tamedia eine Direktbuchungsentschädigung (DBE) lancierte, hat sich dieses Instrument im Markt etabliert: Immer mehr Eigenregie-Zeitungsverlage versuchen, mit einer solchen Abgeltung die Media-Agenturen dazu zu bewegen, bei ihnen direkt statt über die Publicitas zu buchen. Mittlerweile sind auch reine Zeitschriftenverlage dabei. Doch nicht alle Verleger legen ihre Karten offen auf den Tisch.

Wenn eine Media-Agentur ihre Inserate direkt bei den Verlagen bucht und diese Aufgabe nicht bequem von der Publicitas erledigen lässt, fällt ihr ein Mehraufwand an – nicht nur beim Buchen, sondern auch beim Controlling und Abrechnen. 2005 begann Tamedia deshalb damit, Grossagenturen und Grosskunden, die bei Tamedia-Titeln direkt buchten, für diesen Mehraufwand zu honorieren, indem der Verlag ihnen eine Direktbuchungsentschädigung (DBE) gewährte. Dies geschieht bis heute, indem Tamedia den Kunden jährlich einen bestimmten Prozentsatz des gebuchten die DBE-Volumens rückerstattet.

Ziel: Die Publicitas umgehen

Tamedia führte die DBE natürlich nicht aus Uneigennützigkeit ein, sondern im Nachgang zum Entscheid der NZZ-Gruppe, ab 2005 ihre Titel in Publicitas- Regie zu geben. Tamedia befürchtete, in der Folge als Eigenregie-Titel von der Publicitas benachteiligt zu werden. Die neue DBE sollte deshalb die Agenturen motivieren, die Publicitas zu umgehen und direkt mit Tamedia in Kontakt zu treten. Mit zwei Vorteilen für Tamedia: Der Verlag kam so zu mehr direkten Kundenkontakten. Und mit jedem direkt disponierten Inserat spart er sich die Inseratekommission, die er der Publicitas gemäss Kommissionierungsvertrag zahlen müsste. Es handelt sich dabei um jährliche Millionenbeträge, die umgekehrt der Publicitas entgingen und entgehen. Dies war aber nur der Anfang. Andere Eigenregie-Verlage führten bald ebenfalls eine DBE ein. Viele weitere Verlage lösten sich zudem aus der P-Regie – wobei ihnen die neue DBE-Idee diesen Schritt erleichterte. Problematisch ist bis heute, dass die Verlage mit der DBE bloss einen Kanal- Kampf lancierten: Direktes Buchen gegen das Buchen via Publicitas. Marktanteile können so kaum gewonnen werden.

Verlage haben höchst unterschiedliche Ansätze

So sehen die konkreten DBE-Angebote aus: Tamedia und Tamedia Publications Romandes (bisher Edipresse Suisse) gewähren je separat 1,5 Prozent auf das gebuchte Volumen – bei einem jährlichen Mindestumsatz von einer Million Franken pro Sprachregion. Wird das Volumen des Vorjahres in einer Sprachregion überschritten, erhält der Kunde dort auf das Mehrvolumen 2 Prozent. Während die DBE in der Romandie für alle Westschweizer Tamedia-Titel gilt, sind in der Deutschschweiz Buchungen im Tagblatt der Stadt Zürich ausgenommen, hält Konzern- Sprecher Christoph Zimmer fest. Buchungen beim Landboten und beim Winterthurer Stadtanzeiger sind hingegen ebenfalls miteinbezogen. Auch Ringier kennt seit einigen Jahren eine DBE, diese wurde aber per 2010 deutlich erhöht. Ursprünglich betrug sie 1 Prozent, galt in 15 Titeln und setzte ein Mindestvolumen von einer halben Million Franken voraus. Seit einem Jahr erhalten nun Kunden ab einem Volumen von 2 Millionen Franken 1,5 Prozent. Und wer seinen Vorjahresumsatz übertrifft, erhält auf den Mehrumsatz gar 4 Prozent. Die AZ Medien wiederum bietet 1,5 Prozent auf alle ihre Zeitungen und Special-Interest-Zeitschriften, bei einem Mindestumsatz von 500 000 Franken pro Jahr. Dasselbe Angebot kennt Axel Springer Schweiz auf alle ihre Titel. Ebenfalls 1,5 Prozent offeriert die Basler Zeitung Medien auf die drei Titel Basler Zeitung, Baslerstab und Vogel Gryff, sie verlangt aber kein Mindestvolumen. Darauf verzichtet auch der Walliser Bote. Er gewährt die DBE von 1,5 Prozent jedoch nur, wenn er als Einzeltitel gebucht wird. Wird er im Rahmen eines Zeitungskombis berücksichtigt, fällt dies nicht unter die DBE.

In Sachen DBE ist nach wie vor Vieles in Bewegung. Derzeit wird etwa bei Kimedia für neun Titel der Konsumenteninfo AG (darunter der K-Tipp) eine DBE von 1,5 Prozent erwogen. «Der Entscheid fällt nächstens», teilte Geschäftsleitungsmitglied Peter Salvisberg mit. Bereits zu den DBE-Anbietern gesellt hat sich die Fachmedien Mobil AG, die letztes Jahr die Automobil Revue von Tamedia gekauft hat. «Es gibt eine DBE mit einer bedeutenden Media-Agentur», schreibt Marketingassistentin Claudia Gerber. «Über Inhalte und Konditionen ist aber Stillschweigen vereinbart.» Auch zur DBE der Südostschweiz Medien sind keine genauen Informationen erhältlich. Thomas Kundert, Leiter der Anzeigenfirma Südostschweiz Publicitas, bestätigt aber, dass der Verlag seit zwei Jahren den Media- Agenturen mit bestimmten Mindestvolumen eine DBE anbietet. Pikant: Die Südostschweiz Medien ist kein 100-prozentiger Eigenregie-Verlag. Kundert: «Die Publicitas ist mit 50 Prozent an der Südostschweiz Publicitas und somit indirekt an der DBE beteiligt.»

Geheimniskrämerei um die DBE

Es gibt aber auch Eigenregie-Verlage, die keine DBE gewähren – dazu gehören Agefi, die WochenZeitung WoZ, Schaffhauser Nachrichten, die Coop-Zeitung und die Zeitlupe. Andere geben dazu seit Jahren keine Auskunft, so die Weltwoche, die Freiburger Nachrichten, das Migros-Magazin, die W. Gassmann (Bieler Tagblatt, Journal du Jura) und der Zürcher Oberländer (ZO). Zu letzterem war aber zu erfahren, dass Buchungen für den ZO innerhalb des Kombis Zürcher Regionalzeitungen ebenfalls unter die Deutschschweizer DBE von Tamedia fällt. Markus Knöpfli

NZZ MIT «HANDLINGS-ENTSCHÄDIGUNG»
2007 führte auch die NZZ – seit 2005 in Publicitas-Regie – eine Art DBE ein. Doch weil damit die Publicitas nicht umgangen, sondern im Gegenteil, Buchungen über sie honoriert werden sollten, nannte man den Nachlass «Handlings-Entschädigung» (HE). Die HE war eine Reaktion darauf, dass ab 2007 alle grossen Wirtschaftstitel sowie SonntagsZeitung und SonntagsBlick eine DBE gewährten. Damit war die NZZ auf dem Platz Zürich im Segment Wirtschaftspresse und im Sonntagsmarkt der einzige Titel ohne DBE – und im Nachteil.

Die HE beträgt seither 1 Prozent und wird an Kunden und Agenturen ausbezahlt, deren jährlicher BK-/JUP-berechtigter Umsatz durch kommerzielle Anzeigen und Beilagen bei NZZ-Titeln mindestens 500 000 Franken beträgt. Die HE gilt für Buchungen in NZZ, NZZ am Sonntag, Magazin Z, NZZCampus, Bücher am Sonntag, NZZ Folio und NZZ Chronik, nicht aber bei NZZ Online. Andere Verlage in Publicitas-Regie griffen bisher nicht zu diesem Mittel. (mk)

WENIG FREUDE BEI PUBLICITAS UND WERBEAUFTRAGGEBERN
«Es ist keine Frage, die Publicitas hat bis heute keine Freude an der DBE», sagt Othmar Fischlin, Marketingverantwortlicher der Publicitas. Und er weist darauf hin, dass die DBE-Idee in einer Phase aufkam, als die Zeitungsverlage auf das Online-Geschäft starrten und das Gattungsmarketing für Print – traditionell eine Aufgabe der Publicitas – tendenziell minder achteten. Das habe Folgen gehabt. «In den letzten fünf Jahren haben allein die Zeitungsverlage rund 400 Millionen Franken Werbeumsatz verloren, ein Verlust, den sie trotz Umgehung der Publicitas nicht annähernd über andere Kanäle einspielen konnten», gibt Fischlin zu bedenken. In einem defensiven Marktumfeld würden aber das Gattungsmarketing und weiterer Dienstleistungen rund um die Printwerbung, wie sie Publicitas der Werbeindustrie anbietet, «eindeutig wieder aufgewertet», so Fischlin. «Publicitas verfügt heute über eine betriebswirtschaftlich gute Zusammenarbeitsbasis mit den meisten Verlagshäusern.» Nicht begeistert von der DBE war auch der Verband Schweizerischer Werbeauftraggeber SWA. Dieser stellte sich auf den Standpunkt, die DBE sei ein Rabatt und gehöre dem Auftraggeber, nicht der Agentur. Zudem verlangte der SWA von den Agenturen, die irgendwo DBE-berechtigt wurden, volle Transparenz. Auch arbeitete er zuhanden seiner Mitglieder neue Musterverträge für die Gespräche mit den Agenturen aus. Bis heute wird aber die Frage, wer die DBE einstreichen darf, individuell zwischen Auftraggeber und Agentur geregelt. (mk)

 

Clear Channel mit New Business Department

Lena Martschenko übernimmt bei Clear Channel Schweiz ab dem 1. Februar als Mitglied der Geschäftsleitung die Leitung des neu geschaffenen Departementes New Business.

Die promovierte Betriebswirtschafterin der Universität St. Gallen verfügt über langjährige Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Business Development in der IT- & Telekommunikationsbranche. Zuletzt war sie als Head of Marketing Analytics bei Swisscom IT Services tätig. Lena Martschenko wird direkt an CEO Jürg Rötheli berichten, der das New Business Departement von Clear Channel seit September 2011 interimistisch geführt hat.
 

Wie erkenne ich, dass mein Kunde Konkurs geht?

Wenn Ihr Kunde Konkurs geht, verlieren Sie viel Geld. Beobachten Sie ihn, damit es nicht so weit kommt – denn eine Firma gerät nicht von heute auf morgen in Konkurs. Von Michael Krampf, lic. iur. Rechtsanwalt, Jurist und Redaktor beim Beobachter-Beratungszentrum.

Jedes Jahr gehen rund 5‘000 Firmen wegen Insolvenz Konkurs – Tendenz steigend. Mit jedem Konkurs verlieren Lieferanten und andere Geschäftspartner der betroffenen Firma viel Geld. Manchmal so viel, dass sie selber Gefahr laufen, insolvent zu werden.

Um dieses Risiko zu vermeiden, ist es wichtig, Zahlungsschwierigkeiten beim Kunden rechtzeitig zu erkennen, denn eine Firma gerät nicht von heute auf morgen in Konkurs. Die Krise beginnt häufig im Verborgenen, aber es gibt meist Anzeichen dafür. Die ersten sind zum Beispiel die Umstellung der Zahlungsart oder eine verspätete Zahlung: Ihr Kunde, statt wie bisher sofort zu zahlen und den Skonto zu nutzen, beansprucht neu die ganze Zahlungsfrist. Oder er zahlt Ihre Rechnung erstmals leicht verspätet. Müssen Sie ihn sogar mahnen, kann das ein Anzeichen für eine drohende Insolvenz sein. Spätestens dann sollten Sie Ihren Geschäftspartner genauer beobachten und alle Informationen sammeln, die Aufschluss über Zahlungsschwierigkeiten oder gar Insolvenz geben. Solche Hinweise können sein:

– Die Bankverbindung wird gewechselt. So verlieren Sie die Möglichkeit, bei einem Zahlungsausstand einen Arrest auf das bisher verwendete Kundenkonto zu legen.
– Die bis anhin nie beanstandeten Lieferungen werden plötzlich und grundlos bemängelt (so genannte taktische Mängelrüge).
– Die Vertragskonditionen verschlechtern sich
– Ihr Kunde will zum Beispiel plötzlich einen tieferen Preis bezahlen als ursprünglich vereinbart.
– Die Lieferungen werden später als üblich verlangt oder es wird gar eine Liefersperre erlassen.
– Sie besorgen sich einen aktuellen Betreibungsregisterauszug mit dem Formular auf www.betreibungsschalter. ch und entdecken dort mehrere Betreibungen, die erst kürzlich eingeleitet wurden. Oder noch schlimmer: Ihr Kunde wurde schon für Steuern, Mehrwertsteuer oder Sozialversicherungsbeiträge betrieben.
– Sie werden durch einen anderen Lieferanten ersetzt, obwohl dessen Vertragsbedingungen nicht besser sind als Ihre.
– Angestellte des Kunden werden entlassen, Personal wird abgebaut.
– Die Geschäftsführung und der Verwaltungsrat wechseln oder die Revisionsstelle ist, falls vorhanden, zurückgetreten. Solche Informationen finden Sie am schnellsten auf www.zefix.ch.
– Filialen und Betriebsteile werden geschlossen.
– Der Geschäftssitz wird verlegt.

Jedes dieser Anzeichen kann für sich allein harmlos sein und plausibel erscheinen. Treten aber mehrere gleichzeitig auf, können Sie den Konkurs Ihres Kunden nicht mehr völlig ausschliessen. Dann sollten Sie nicht mehr gegen Rechnung liefern, sondern auf Bar- oder Vorauszahlung umstellen oder auf Lieferung per Nachnahme bestehen.

Benötigen Sie eine Rechtsberatung?
Das Beobachter-Beratungszentrum bietet Ihnen und Ihren Mitarbeitern eine tele – fonische Expertenberatung zu Rechtsfragen Ihrer Firma an – 6 Monate für nur Fr. 99.–. Bestellen Sie das Beratungs- Package für KMU unter www.beobachter.ch/kmu oder 0800 83 0800.

Buchtipp
Erfolgreich als KMU. Krisenfest im Umgang mit Kunden, Personal, Lieferanten und Geldgebern Liquidität planen, Forderungen eintreiben, zu neuem Geld kommen, Verträge korrekt ausfertigen, Kunden pflegen und gewinnen, Mitarbeiter optimal einsetzen. Dieses Buch hilft, bevor es brenzlig wird.
248 Seiten, Fr. 45.–. 1. Auflage, 2010 ISBN 978-3-85569-435-8 Beobachter-Buchverlag.

buch_0
 

get_footer();