– Gamification: Die grossen Marken werden verspielter Spieltypische Merkmale werden auf spielfremde Situationen angewandt, so dass der Nutzer eine aktive Rolle spielen kann. Die einfachste Art von Gamification ist das punktebasierte Prämiensammeln. Dies bedeutet, dass zum Beispiel Erfolgsprämien gesammelt werden können oder der Konsument sich durch Rätsel arbeitet. Der Konsument lässt sich somit spielerisch und einfach an eine Marke binden.
– Just Tap It: Breit gefächerter Einsatz des mobilen Portemonnaies Da die meisten Personen ihr Mobiltelefon überall hin mitnehmen – genau wie ihr Portemonnaie –, liegt die Verbindung der beiden Dinge nahe. Es soll nicht mehr mühsam mit Geld oder Kreditkarten bezahlt werden, sondern einfach mit dem Mobiltelefon. Für die Werbung bedeutet dies, dass das Mobiltelefon immer wichtiger im Leben der Kundschaft wird. Man wird es nicht mehr nur zum Telefonieren benutzen, sondern auch zum Bezahlen, als Pass, als Haus- oder Autoschlüssel. Aus diesem Grund muss der Fokus auf Mobiltelefone gelegt werden und dessen Vorteil – die einfache Kommunikation mit den Kunden – auch in der Werbung genutzt werden.
– Virtuelles Zusammensein: Nicht nur im Internet, auch beim Fernsehen soll der Nutzer vermehrt einbezogen werden. In Kombination mit Twitter und Blogs zu Sendungen können Zuschauer das Fernsehangebot interaktiv miterleben, und Produzenten können sich ein geeignetes Feedback einholen.
– Online-Video hält Einzug ins Wohnzimmer: Durch YouTube und ähnliche Portale haben Videos im Internet längst eine grosse Faszination für die Benutzer gefunden. Im Jahre 2012 soll dieses Phänomen des Online-Videos auch in die Wohnzimmer gebracht werden. Obwohl es schwierig sein wird, eine Brücke zwischen den Möglichkeiten des Internets und der gemütlichen Atmosphäre des Wohnzimmers zu schlagen, wird diese Entwicklung im 2012 voranschreiten.
– Mobile Marketing wird sozialer und lokaler als je zuvor: SoLoMo – sozial, lokal, mobil – wird die neue Devise der Werber und Marken heissen. Schon heute benutzt eine Vielzahl von Mobiltelefoninhabern eine Kartenfunktion, die ihnen den Weg erklärt und sagt, welche Geschäfte an ihrem aktuellen Standort existieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Marken an diese Personen richten, welche zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
– Wachsen – der einzige wirklich wichtige App- Trend: Es scheint, als ob es unmöglich ist, eine App herzustellen, welche die heutigen App-Trends überbieten kann. Dennoch werden sich weitere Entwicklungen wie neue Smartphone-Benutzer oder In-App-Käufe auftun. Auch die Vermischung von TV, Mobil und Online führt zu neuen Errungenschaften. Apps müssen nicht mehr per iTunes, sondern können beim Hersteller selbst heruntergeladen werden, und sie werden nicht mehr nur auf Smartphones oder Tablets, sondern auch auf Computern und Fernsehern genutzt werden.
– Social CPG-E-Ccommerce: Das Schwanken zwischen Engagement und Marketing führt uns in das traditionelle Marketing zurück Zur Zeit ist das Einkaufen in Online-Shops noch gering. Doch nach und nach wird auch dieser Trend zunehmen. So genannte CPG, Consumer Packaged Goods Brands – also Marken von Verbrauchprodukten – werden vermehrt mit Social Media experimentieren. Dennoch ist Vorsicht geboten, da Konsumenten gewisse Produkte nicht mehr kaufen wollen oder durch Social Media andere Konsumenten beim Kauf negativ beeinflussen können. Dennoch kann Social Media als eine Plattform für eine Medienkampagne oder um Produkte zu testen genutzt werden. Dabei zeigt sich die Popularität von Fangemeinden – Produkte können verkauft werden, bevor sie überhaupt ein Regal in einem Verkaufsgeschäft erreicht haben.
– The Social Graph: Wichtige Daten für Marken generieren Facebook hat mittlerweile über 750 Millionen Nutzer und wächst immer weiter. Unser reales Sozialleben hat den Einzug in die Online-Welt gefunden, und beinahe jede soziale Plattform verlinkt Facebook, um einen Service für seine Kunden zu finden. Die meisten Nutzer geben dadurch vermehrt Einblick in ihre persönlichen Angewohnheiten und Bedürfnisse. Für viele Marken sind diese Daten eine Hilfe für ihre eigenen Produkte. Auf diese Weise wird es in Zukunft einfacher sein, den Einfluss von Social Media auf Marken zu berechnen.
– Aufsichtsbehörden verengen ihre Sichtweise, während die Kunden den wahren Preis für den «freien» Zutritt bezahlen: Mit der immer grösseren Anzahl von mobilen Daten stellt sich die Frage nach einer Regulierung. Die Konsumenten müssten für jemanden bezahlen, der ihre persönlichen Daten aufbewahrt. Doch auf Grund der grossen Menge dieser Daten wäre es kaum möglich, sie zu überwachen, und die Konsumenten wären kaum bereit, für etwas zu bezahlen, das eigentlich kostenlos sein sollte. So muss sich ein Weg finden lassen, wie diese Daten nicht missbraucht werden. Ansonsten wird das Vertrauen der Kunden in eine Marke auf eine harte Probe gestellt.
– Der Einzug des nahtlosen Teilens: Bereits jetzt hat etwa die Hälfte der 10 000 grössten Webpages einen Sharing Button, also eine Funktion, die zulässt, dass ein bestimmter Inhalt mit anderen geteilt werden kann. Diese Teil-Funktion wird immer mehr zu einem Trend und zeigt, dass die heutigen Internet-Nutzer Inhalte auf einfache Art mit ihren Bekannten teilen möchte. Für Marken bedeutet dies: Wer guten Inhalt produziert, führt die Welle des Teilens an und erntet den guten Ruf.
– China wird ein Zusammenlaufen von Mikro- Blogging, sozialen Netzwerken und Informationsportalen sehen: Die explodierende Zunahme von Social Media hat zweifelsfrei eine weltweit grosse Rückwirkung, so auch in China. Obwohl Facebook in China verboten ist, sind dort trotzdem vergleichbare lokale Social-Media-Plattformen entstanden. Im Laufe der Zeit werden diese Social-Media-Plattformen immer wichtiger und früher oder später zusammenlaufen.
– Online-Werbung: Entscheidungen in Echtzeit rücken in den Mittelpunkt In nächster Zeit wird die Nachfrage nach Echtzeitdaten von Marken und Kreativentscheidungen, die im Rahmen von Kampagnen gewonnen werden, zunehmen. Erfolgreich werden die Marktteilnehmer sein, die rasch erkennen, wie Echtzeitdaten aus Medienplänen mithilfe von Analysen und einer kreativen Auswertung zur Optimierung von Online-Werbung eingesetzt werden können. Monica Danuser
Sana Carlton, Managing Director von Millward Brown Schweiz, kommentiert die Resultate der Trend-Studie
WW: Wie und auf wie breiter Ebene ist diese Studie von Millward Brown mit den digitalen Trends für 2012 erfasst worden?
Sana Carlton: Die Top 12 Digital Predictions sind eine Übersicht aktueller Trends, die von Millward Browns Global Futures Group zusammengestellt wurde. Sie basiert auf unseren Einsichten in den Markt der digitalen und sozialen Medien sowie auf unserer engen Zusammenarbeit mit den führenden Unternehmen in diesem Bereich. Die Übersicht projiziert die wahrscheinlichsten Entwicklungen in die Zukunft, anstatt sich auf bereits etablierte digitale Entwicklungen zu konzentrieren.
Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis?
Wir erwarten, dass Gamification, «virtuelles Zusammensein » sowie Online-Entscheidungsfindungen in Echtzeit die einflussreichsten digitalen Trends für 2012 sein werden. Diese haben das Potenzial, die Art und Weise, wie man im Marketing mit Konsumenten interagiert, radikal zu verändern. Nehmen Sie Gamification als Beispiel: Spielerische Mechanismen dort anzuwenden, wo wir sie normalerweise nicht erwarten, kann dem Marketing zahllose neue Möglichkeiten eröffnen, um Konsumenten anzusprechen. Zudem ist Gamification inhärent sozial, was wahrscheinlich einer der wichtigsten Trends im Allgemeinen ist. Fernsehen etwa wird kein eindimensionales Medium bleiben, sondern ebenfalls soziale Interaktionen erlauben.
Wird die zukünftige Entwicklung in der digitalen Welt weiter schleichend von sich gehen, oder ist wieder einmal mit einer echten Revolution zu rechnen?
Einige der Trends, die wir identifiziert haben, besitzen durchaus das Potenzial für digitale Revolutionen. Eine breite Akzeptanz des mobilen Portemonnaies etwa, also des Bezahlens per Smartphone, ist einer von vielen Indikatoren dafür, dass nach Jahrzehnten, in denen der PC der Einstiegspunkt in die digitale Welt war, dies schon sehr bald das Mobiltelefon sein wird. Die bisherige Dominanz des PCs in der digitalen Welt zu ersetzen, ist an sich bereits eine kleine Revolution.
Gibt es auch einen Trend, den Sie als negativ einstufen möchten?
Keiner der Trends ist an sich negativ, ganz im Gegenteil. Mit der zunehmenden Vielfalt der digitalen Werkzeuge, besonders in den Bereichen soziale Interaktion und zweckdienliche Informationsbeschaffung, eröffnen sich uns allen bisher unbekannte Horizonte.
Wie können die Werbung und das Marketing von diesen neuen Trends profitieren? Können Sie das an einem konkreten Beispiel aufzeigen?
Werbung und Marketing basieren auf der Übermittlung von Informationen über Marken in relevanter und ansprechender Form an die Zielgruppe. Mit Mobile Marketing können Unternehmen via Geolokalisierung zum relevanten Ort und Zeitpunkt kommunizieren. Das kann via aktiver Werbebotschaft von Unternehmensseite passieren, aber auch von Seiten des Konsumenten, der Informationen, Promotionen oder Emfehlungen erhalten möchte, sogar in Echtzeit während des Einkaufens. In der Schweiz beispielsweise ist es einfacher als je zuvor, sich die neue Frühlingskollektion von Zara auf deren App anzusehen oder die neuen Promotionen von La Redoute. Smartphones eröffnen Unternehmen Chancen, ihre Produkte, Werbebotschaften, Verkaufsstellen oder Programme präziser zu kommunizieren, als das bisher der Fall war. Interview: Andreas Panzeri
Weitere digitale Aussichten für 2012
Wer sich durch die aktuell überall boomenden Studien zu kommenden Trends liest, kann sich auf ein spannendes Jahr 2012 gefasst machen. In diesem Jahr wird zum Beispiel die wichtigste journalistische Auszeichnung der Welt um eine Facette reicher sein. Der nächste Pulitzer Prize für «Breaking News Reporting» wird zum ersten Mal auf der Basis von Real-Time-Reporting vergeben. Die Juroren sollen neben Live-Blogging auch die Einbindung Sozialer Medien in ihre Entscheidung miteinbeziehen. Live-Blogging wurde im Zuge der letztjährigen Revolutionen und Katastrophen zu einem wichtigen journalistischen Werkzeug. Parallel zur Ausweitung multimedialer Praktiken und der Zusammenlegung von Online- und Print-Redaktionen sollen in nächster Zukunft in den Redaktionen vielerorts neben den Journalisten auch Programmierer engagiert werden, um gemeinsam mit den Redaktionen das Hype-Thema Datenjournalismus voranzutreiben. Weitere Konkurrenz für die klassischen Printmedien und ihre digitalen Präsenz droht von «You-Paper». Als erster erfolgreicher Schritt in diese Richtung der Personalisierung gilt «Flipboard», das von Apple zur iPad-Applikation des Jahres und vom Time Magazine zu einer der Top-50-Innovationen 2011 erklärt wurde. Ein Algorithmus erstellt dort jedem Leser unter Einbezug von klassischen Nachrichten, Blogs und Social Media seine nach persönlichen Vorlieben arrangierte Zeitung. Bei den Trägermedien werden 2012 mobile Geräte weiter an Beduetung gewinnen. Einerseits überspringt die Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern die stationäre Phase und surft im Internet via Smartphone von Anfang an mobil, andererseits zeigen Studien auch in unserer Region eine stark steigende Nutzung, vor allem parallel zum TV-Konsum. Im 2012 soll auch die erste Facebook-Only-Nachrichtenagentur gegründet werden. Im Bereich Werbung werden die Spendings im TV die Einnahmen mit Print überholen. Digital wird weiter im zweistelligen Bereich wachsen. die Werbewoche ist komplett kooabisiert. Texte, die mit dem Kooaba-Icon gekennzeichnet sind, bieten zusätzlich mit einem Knips weiteres Material wie Artikel, Bilder, Videos oder Studien.