Grayling gewinnt Mandat für Nokia

Grayling Schweiz kommuniziert seit Januar 2012 für den finnischen Telekommunikationskonzern Nokia. In einem Auswahlverfahren konnte sich die Agentur gegen die Mitbewerber durchsetzen.

In Deutschland betreut Grayling Nokia schon seit über zehn Jahren. Nun hat sich der Mobiltelefonhersteller Grayling auch als Partner in der Schweiz ausgesucht. Neben der strategischen Beratung ist die Agentur ab sofort auch für die Medienarbeit und die Betreuung von Medienanfragen zuständig. Darüber hinaus wird sie Nokia im Bereich Social Media beraten. Die Kommunikationsaktivitäten sind im Januar mit dem Aushängeschild «Nokia Lumia 800» gestartet. Die Aktivitäten rund um die Lancierung des neuen Smartphones sollen die Neuausrichtung der Marke Nokia aktiv mittragen, wie Grayling am Donnerstag mitteilte.

 

Aufgespiesst: The show must go on

Simone Fankhauser, freie Mitarbeiterin, über das merkwürdige Verhalten kandidierender Politiker zu Wahlzeiten

Da steht einer auf dem Podium und verkündet mit siegessicherer Stimme, dass er alles besser machen wird. Das Publikum applaudiert frenetisch. Fähnchen und Transparente wedeln über den Köpfen. Der Redner küsst seine Frau, umarmt seine drei Kinder und winkt in die Menge. Er ist der Held der Massen. Seine Weste so weiss wie seine gebleichten Zähne. Doch hat nicht jeder eine sprichwörtliche Leiche vergraben, irgendwo in der dunkelsten Ecke seines Kellers? Und wenn die schon fachgerecht entsorgt ist, dann wird einem im Wahlkampf auch mal eine Fremde untergejubelt. Die Schlammschlacht ist eröffnet. Amerika wählt im November einen neuen Präsidenten. Oder den Alten neu. Aber bevor Demokraten und Republikaner im Ring gegeneinander antreten, zerfleischen sich die konservativen Kandidaten gegenseitig. Irgendwie befremdlich. Kommen nicht alle politisch in etwa aus der gleichen Ecke? Stehen sie nicht ungefähr für die gleichen Werte? Jedenfalls verglichen mit ihrem Erzfeind, den Demokraten. Vielleicht sind sie privat gute Kumpels. Bewundern gegenseitig ihre Waffensammlungen. Und unterhalten sich bei einem Glas Whiskey über Gott und die Welt. Aber eben, es herrscht Krieg. Und harte Zeiten erfordern harte Massnahmen. Da wird auch mal eine Männerfreundschaft geopfert.

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist allerdings nicht das merkwürdige Verhalten kandidierender Politiker zu Wahlzeiten. Nein, es ist die Tatsache, dass die Wähler bei diesem Spiel mitspielen. Dass selbst gebildete Menschen vorgemachte Meinungen übernehmen und auf dieser Basis wählen. Wieso sonst zählen im Wahlkampf die Fehler und Unzulänglichkeiten des Gegners mehr als die eigenen Leistungen? Letztlich ist das Amt eines Präsidenten ein Job. Zugegeben, nicht der einfachste. Aber genau aus diesem Grund sollte einer, der sich dafür bewirbt, auch einen entsprechenden Leistungsausweis erbringen können. Aber ausgerechnet bei der verantwortungsvollen Aufgabe eines Staatsoberhauptes scheint dieser nicht stark ins Gewicht zu fallen. Hier hat die Nase vorn, wer die besten Reden schwingt und seine Gegner am effizientesten in die Pfanne haut. Die Wähler lassen sich von den Versprechungen nur zu gern einlullen. Und dann tritt er sein Amt an, der Neue, und der Ernst des Lebens fängt an. Er wird nur noch an seinen Leistungen gemessen. Wie Obama. Die Amerikaner waren voller Hoffnung, als er mit der Hand auf dem Buch aller Bücher seinen Eid ablegte. Voller Hoffnung, dass jetzt der Messias im Weissen Haus Platz nimmt und alles richten wird. Oder wenigstens Harry Potter. Denn zaubern müsste der schon können, der all die grossen und kleinen Probleme in diesem riesigen Land lösen will. Immerhin dauert die Schonfrist nur gerade vier Jahre. Dann wird wieder scharf geschossen. Kennen sie noch das Spiel «Schokoladenessen », das – zumindest zu meiner Zeit – an Kindergeburtstagen nie gefehlt hat? Bis endlich Kappe, Schal und Handschuhe sitzen und man sich schweissgebadet mit Messer und Gabel bewaffnet an der Schokolade zu schaffen machen kann, hat bestimmt schon ein «Gspändli» erneut eine Sechs gewürfelt und das Ganze beginnt von vorne. Gewähren die Amerikanerinnen und Amerikaner Barack Obama noch eine Amtszeit, damit er den Schokoladenberg noch etwas verkleinern kann? Schenken sie ihm noch einmal ihr Vertrauen, obwohl er es in vier Jahren nicht geschafft hat, alle glücklich zu machen? Oder ist die Mehrheit überzeugt, die Republikaner könnten es doch besser. Nur, um spätestens in acht Jahren feststellen zu müssen, dass die es auch nicht gebracht haben. Voller Hoffnung werden die Wähler dann wieder den Versprechungen eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten lauschen und überzeugt sein, ja, der ist es. Dies ist der Auserwählte, der unser Land aus der Krise führt. The show must go on.
 

«Qualitätssicherung darf man nicht dem Zufall überlassen»

Zusammen mit Peter Studer und Toni Zwyssig hat der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Vinzenz Wyss das Buch «Medienqualität durchsetzen» verfasst. Im Gespräch mit der Werbewoche erklärt Wyss, was er unter Medienqualität versteht und wie es Redaktionen gelingt, diese zu sichern.

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WW: Herr Wyss, Ihr Buch verspricht aufzuzeigen, wie Journalisten und Redaktionen Qualität in den Medien sichern können. Was ist überhaupt Medienqualität?
Vinzenz Wyss: Soll Medienqualität bestimmt werden, so muss man sich an der Funktion orientieren, die der Journalismus in einer Gesellschaft erfüllt. Wir sprechen zwar von Medienqualität, gemeint ist aber eigentlich journalistische Qualität. Es geht nicht um Ziele der Medienorganisation, primär muss Journalismus etwas für die Gesellschaft leisten.

Was leistet er?
Der Journalismus soll dazu beitragen, dass sich die Gesellschaft selbst beobachten kann. Er bringt diverse Standpunkte in die Öffentlichkeit und ermöglicht so den Diskurs. Er vermittelt zwischen verschiedenen, zumeist inkonsistenten Perspektiven. Das heisst, er nimmt bezüglich eines bestimmten Sachverhalts «Soll man einen bestimmten Kreisel bauen oder nicht?» ökonomische, politische oder auch ästhetische Überlegungen auf und ermöglicht die Diskussion: «Soll man den Kreisel zu diesem Preis mit dieser Ästhetik bauen?»

Sie sprechen die Forumsfunktion des Journalismus an…
Der Journalismus muss einen Schritt weiter gehen. Er muss hierarchisieren, bewerten. Er muss die Frage stellen, welche Argumente glaubwürdig, welche ein Täuschungsmanöver sind. Der Journalismus bildet nicht nur Statements verschiedener Personen ab. Er stellt sie in einen Zusammenhang, versucht Transparenz herzustellen. Weshalb sagt jemand A, obwohl er früher B sagte? Der Journalismus gibt dem Publikum Orientierungswissen, um Entscheidungen zu fällen.

Und aus dieser Funktion leiten Sie die Qualitätsstandards ab?
Ja. Ein Kriterium, das sich ableiten lässt, ist beispielsweise die Relevanz. Es gehören gesellschaftlich relevante Informationen in die Öffentlichkeit. Themen, die einem öffentlichen Diskurs zugeführt werden müssen, weil sie einem Publikum helfen, Entscheidungen zu fällen. Ist Relevanz denn unabhängig vom Medientitel? Natürlich gibt es eine Arbeitsteilung zwischen den Medientiteln. Verschiedene Medien – Wochenzeitungen, Online-Plattformen oder Radio – haben unterschiedliche Herangehensweisen. Einige skandalisieren etwas mehr, andere bilden eher Strukturen ab, wiederum anderen ist es wichtig, Geschichten zu erzählen. Der Relevanzbegriff bleibt jedoch derselbe, unabhängig davon, ob es sich um einen Beitrag in einem Boulevardmedium oder der NZZ handelt.

Für ein Boulevardmedium sind dieselben Dinge relevant wie für die NZZ?
Wir sind hier bei den «Hardcore-Kriterien», die der Journalismus im Gegenteil zu anderen Akteuren in der Gesellschaft – der Politik, der Kultur oder der Wirtschaft – erfüllt. Wenn ein Unternehmen wirtschaftliche Ziele verfolgt, erwarten wir nicht, dass diese für die ganze Gesellschaft relevant sind. Vom Journalismus hingegen schon. Auch von einer Schweizer Illustrierten erwarte ich, dass etwa Leute porträtiert werden, über deren Geschichte Normen und Werte vermittelt werden: Wie gestalte ich mein Leben? Was finde ich gut, was schlecht? Auch das sind wichtige Leistungen, die gerade der Boulevardjournalismus explizit verfolgt. Ich mache keine Hierarchisierung zwischen verschiedenen Medientypen. Jeder hat seine Funktion in der Gesellschaft. Der Unterschied liegt allein im Zugriff. Beispielsweise, dass der Boulevard stark personalisiert.

Wird nicht gerade die Personalisierung bemängelt, wenn es um Qualität in den Medien geht?
Doch. Aber es ist falsch anzunehmen, der Journalismus käme ohne Personalisierung aus. Damit etwas verständlich wird, braucht es die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu reduzieren. Die Verständlichkeit – auch das ein Qualitätskriterium – schafft der Journalismus, indem er konkrete Rollenträger benennt. Nehmen wir als Beispiel die Berichterstattung zu Philipp Hildebrand. Es gibt verschiedene Akteure, den Bankpräsidenten, den Politiker, den Anwalt, das Opfer etc. Eine wunderbare Geschichte. Letztlich geht es jedoch um ein strukturelles Problem, um die Fragen: Darf jemand in einer so wichtigen Position Devisengeschäfte tätigen? Und wie geht die schweizerische Gesellschaft damit um? Das Thema ist hochrelevant, der Journalismus kommt nicht darum herum, Rollenträger zu bezeichnen.

Personalisierung ist also kein Problem?
Doch, es gibt ein Problem, wenn man um des Personalisieren Willens Geschichten erzählt. Man hat tolle Helden – Täter und Opfer –, doch die Geschichte, die erzählt wird, ist vollkommen irrelevant. Wenn es darum geht, was Paris Hilton für ein Höschen trägt, muss man sich fragen, inwiefern diese Personalisierung dazu nützt, strukturell wichtige Fragen anzusprechen.

Personalisierung ist in Ordnung, wenn sie dazu beiträgt, Dinge zu erklären?
Genau, sie ist ein Mittel zum Zweck. Sie darf aber nicht über den Zweck gestellt werden. Es reicht nicht, eine tolle Geschichte zu haben, ein Märchen zu erzählen. Das sollte der Journalismus dem Kino, der Literatur, der Unterhaltungsindustrie, überlassen. Journalismus sollte auf Irritationen hinweisen, auf Probleme, die gelöst werden sollten.

Welche Kriterien sind neben Relevanz und Verständlichkeit weiter wichtig?
Im Unterschied zur Literatur, Werbung oder PR erwarten wir, dass sich der Journalismus auf Fakten bezieht, dass er sich bemüht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Zum Beispiel, indem er mehrere Quellen überprüft. Dazu gehört auch der Transparenzbegriff. Woher kommt eine Aussage? Ist sie glaubwürdig? Welche Interessen stehen dahinter? Dies geht bis zu den Produktionsbedingungen. Es soll transparent sein, wie ein Text zustande gekommen ist. Der Leser muss die Hintergründe kennen, um einschätzen zu können, wie ein Text zu beurteilen ist.

Gehört zur Transparenz auch das Wissen, wem ein Medienunternehmen gehört?
Unbedingt! Es ist naiv zu meinen, ein Medienunternehmen sei dasselbe wie ein Wirtschaftsunternehmen. Von Medienunternehmen geht Deutungsmacht aus. Sie haben die Freiheit, Wirklichkeit zu beschreiben, wobei wir nie bestimmt beurteilen können, ob eine Wirklichkeitsbeschreibung zutrifft. Diese Freiheit schreit nach Verantwortung, die auch Transparenz zu Besitzverhältnissen beinhaltet. Sie befürworten eine «Lex Weltwoche»? Durchaus. Ich bin dabei zu fordern, dass ein Publikum wissen muss, woher die Ressourcen kommen, die Journalismus hervorbringen, da wir davon ausgehen können, dass Machtmittel, die eingesetzt werden – Geld, Personal, einen Einfluss auf die Unabhängigkeit der Redaktion haben. Im Sinne der Transparenz sollte dies offen gelegt werden. Es ist legitim, dass eine politische Partei ein Medienunternehmen besitzt, solange es transparent ist.

Nun haben wir einige Qualitätskriterien…
Natürlich gäbe es noch mehr: Unabhängigkeit, Perspektivenvielfalt, das Fairnessgebot, Narrativität…

Die Liste wäre noch länger. Aber wie gelingt es einer Redaktion, die Qualität zu sichern?
Wir, die Autoren des Buchs, denken, dass man einen bewussten Umgang mit Qualitätsvorstellungen organisieren kann. Das beginnt, indem man sein Qualitätsverständnis explizit macht. Oft ist das journalistische Verständnis in den Köpfen der Redaktoren vorhanden. Nötig wären allerdings publizistische Leitlinien. Bei Tamedia zum Beispiel könnte man in den Leitlinien festhalten, wie man mit Themen umgeht, die das eigene Haus betreffen. Es muss geregelt sein, wie ein Redaktor bei 20 Minuten damit umgeht, wenn ein Produkt aus dem eigenen Haus auf der Anklagebank steht. Thematisiere ich es dann? Qualitätssicherung darf man nicht dem Zufall oder einem Ad-hoc-Gespräch überlassen.

Publizistische Leitlinien gibt es doch heute schon …
Oftmals sind solche Regelwerke aber Alibiübungen. Man macht sie, weil es zum guten Ton gehört. In der Praxis sind die Regeln jedoch verstaubt und werden kaum bewusst als Steuerungsmittel eingesetzt. Keiner kennt sie, niemand bezieht sich darauf. Es kann schizophren sein, wenn ein Unternehmen bestimmte Leitbilder aufstellt, jedoch ganz anders handelt.

Inwiefern kann dies Ihr Buch ändern?
Das Buch versucht Praktiken und Tipps zu geben, wie man in einer Organisation täglich im Arbeitsprozess auf solche Regelwerke Bezug nimmt. Nur wenn diese auch im Alltag aktualisiert werden und Bedeutung erlangen, werden sie zum Leben erweckt. Wichtig ist dabei, dass solche Selbstverpflichtungen – der Umgang mit Kindern, das Fairnessgebot, der Einsatz versteckter Kameras – bis ins kleinste Detail geregelt werden. Das Schweizer Radio und Fernsehen hat ein tolles Regelwerk, das übrigens auch öffentlich zugänglich ist.

Liegt es an den Chefredaktoren, solche Regeln zu erstellen beziehungsweise umzusetzen?
Es stehen vor allem die Chefredaktoren oder die leitenden Redaktoren in der Pflicht. Es ist wichtig, dass Führungskräfte ihr Commitment geben und dafür sorgen, dass diese Regeln durchgesetzt werden. Aber ohne dass die Journalistinnen und Journalisten ins Festlegen der Prinzipien einbezogen werden, bringt es nichts. Es muss ein ständiger Diskurs stattfinden. Sind unsere Richtlinien noch sinnvoll? Braucht es Anpassungen? Fälle, die im Widerspruch zu den Richtlinien stehen, sollen thematisiert werden.

Regelwerke könnten angesichts der heutigen Bedingungen in den Redaktionen – auf Grund des Ressourcen- und Personalabbaus – als zusätzliche Belastung empfunden werden.
Sicherlich. Deshalb, glaube ich, kommt unser Buch im richtigen Moment. Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Medienunternehmen haben zum Teil grosse Probleme, Journalismus zu finanzieren. Wir Autoren sind davon überzeugt, dass ein Journalismus langfristig nur überleben kann, wenn er die Selbstheilungskräfte intern stärkt. Um langfristig glaubwürdig zu sein oder um sich etwa von Social Media – vom ständigen Rauschen – zu unterscheiden, sollte es im Interesse der gesamten Berufsgattung sein, von den Journalisten bis zum Management, Strukturen der Qualitätssicherung zu etablieren. Es geht um ein bewusstes Optimieren und Verbessern der journalistischen Leistung.

Können Sie an einem Beispiel aufzeigen, wie man die journalistische Leistung optimieren kann?
Nehmen wir als Beispiel einen Tag in einer Redaktion. An der morgendlichen Redaktionssitzung sagt jemand: «So, was machen wir heute?» (Hier übrigens schon das erste Problem: Es wird zu wenig im Voraus geplant.) Ein anderer antwortet: «Ich habe gehört, ein Politiker wolle in Luzern wieder die Sperrfrist einführen. Wollen wir dazu etwas machen? » Ein anderer sagt: «Ok, ich übernehme das.» Fertig. Hier müsste man ansetzen. Es wäre wichtig, sich schon beim Planen an den Richtlinien zu orientieren. Zu fragen: Weshalb ist es relevant? Eine Geschichte ist dann relevant, wenn sie dem Publikum Orientierung gibt, um Entscheidungen zu fällen. Der Journalist muss aufdecken, welche Motive dahinter stecken. Weshalb will der Politiker die Sperrfrist? Ginge es um Lärm, würden Sperrfristen ja nichts bringen. Ausserdem sollte der Journalist einen Aussagewunsch formulieren: «Ich will, dass das Publikum durch meinen Artikel erfährt, versteht, dass…

Die Qualität wird also in der Redaktionssitzung gesichert?
Der Prozess geht selbstverständlich weiter. Wenn sich der zuständige Redaktor auf den Weg macht, O-Töne einholt – was Politiker, Betroffene auf der Strasse von der Sperrfrist halten –, muss man sich erneut fragen: Sind die Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichbar? Oder haben wir neue Informationen und müssen deshalb die Geschichte abändern? Die Qualitätssicherung geht bis zum Feedback, das nur dann etwas wert ist, wenn man sich auf Regeln bezieht. Oftmals heisst es bloss: «Das war noch gut.» Warum es gut war, welche Anforderungen erfüllt wurden, wird nicht genannt. Aus «gut» kann man nichts lernen. Ich muss mich auf Regeln beziehen. Zum Beispiel: «Ich fand den Artikel interessant. Das Fairnessgebot hast du aber verletzt, du hast ja gar nicht mit dem Angeschuldigten geredet…»

Sie sind selber als Evaluator tätig. Kann man Qualität intern genügend sichern oder wäre es für Printmedien hilfreich, sich extern überprüfen zu lassen, wie dies bei den konzessionierten Radio und TV-Stationen geschieht?
Dezidiert bin ich der Meinung, dass es auch den Printmedien gut täte, einen externen, kritischen Blick auf die eigene Organisation zuzulassen. Ohne Zwang, versteht sich. Wenn ein Unternehmen aber sagt: Wir denken, wir machen das nicht schlecht, wir haben Redaktionskonferenzen, Planungsprozesse, geben auch Feedbacks, nichts desto trotz wollen wir jemanden beiziehen, der mit einer anderen Brille auf diese Dinge schaut, finde ich das sinnvoll.

An wen wenden sich Medien dazu?
Evaluatoren, die derzeit die konzessionierten Radiound Fernsehstationen überprüfen, wären sicherlich auch geeignet, das im Printbereich zu tun. Mediaprocessing, Publicom, Certimedia oder auch Media Quality Assessment (MQA), meine eigene Firma. Bevor man aber eine externe Begutachtung durchführen lässt, kann man schon viel selber tun. Man muss diese Brille, die ein externer Evaluator verwenden würde, selbst aufsetzen und seine eigenen Prozesse kritisch unter die Lupe nehmen. Da kann unser Buch auch helfen. Was gelten für Regeln? Man sollte mal den typischen Prozess von der Idee zu einer journalistischen Geschichte über die Planung bis hin zur Kritik am Schluss aufzeichnen. Sofort wird man Stellen finden, wo es Brüche gibt. Dabei sollte man auch Mitarbeiter einbeziehen und sie fragen, wo Prozesse optimiert werden können. Oder auch der Umgang mit Publikumsrückmeldungen oder Beschwerden.

Inwiefern?
Zum Beispiel in Form eines Publikumsrats, wie ihn die SRG hat. Zwar haben einige das Gefühl, das sei nur eine Selbstbeweihräucherung der SRG. Es gibt allerdings auch Publikumsräte bei privaten Medien, zum Beispiel bei Tele Basel. Auch Tele 1 in Luzern will so etwas einführen. Diese Sender wollen eine Spiegelung von Personen, die ihr Programm regelmässig anschauen und Rückmeldung geben, was ihnen aufgefallen ist. Das kann sehr fruchtbar sein. Kurt

Imhof hat seine Schwierigkeiten, bei Praktikern mit dem Jahrbuch «Qualität der Medien» auf Gehör zu stossen. Sind sie zuversichtlich, beachtet zu werden?
Ich bin zuversichtlich. Zum Teil tut man den Praktikern mit der Kritik unrecht. Sie geben sich Mühe, sie lieben ihren Beruf, nur leider sind sie oft strukturellen Bedingungen ausgeliefert, die sie auspressen. Ich denke, die Journalistinnen und Journalisten auf den Redaktionen machen bereits sehr viel von dem, was ich erwähnt habe. Mit dem Buch können wir ihnen zeigen, dass das, was sie machen, wichtig ist, dass man Qualitätssicherung allerdings bewusster steuern kann. Damit würde auch das Selbstbewusstsein gestärkt, das meiner Meinung nach derzeit in der Branche etwas fehlt. Werte und Ziele zu formulieren, die man mit Journalismus verfolgen will, zwingt einen dazu, das Selbstverständnis zu formulieren. Warum man da ist, wie man Qualität im Journalismus versteht. Somit hat man auch bessere Argumente jenen gegenüber, die Strukturen schaffen. Man muss sie davon überzeugen, dass es wichtig ist, in Qualität zu investieren.

Das Buch richtet sich also nicht an Verleger, sondern in erster Linie an Journalisten?
Genau, das Buch richtet sich vor allem an die Macher, aber auch Redaktionsmanager bis hin zum einzelnen Journalisten, der bei einer Redaktionskonferenz sitzt und sich fragt: «Was mache ich da überhaupt? Das ist doch verlorene Lebenszeit.» Das Wissen, das im Buch vermittelt wird, kann dem Journalisten helfen, sich einzubringen, bessere Strukturen zu schaffen. Natürlich täte es auch jedem Verleger gut, das Buch zu lesen, um besser zu verstehen, wo die Möglichkeiten und wo die Grenzen der journalistischen Qualitätssicherung liegen. Wenn er dieses Verständnis hat, ist er ein besserer Gesprächspartner für die Redaktionen und wird so auch ernst genommen.

Isabel Imper

Vinzenz Wyss (46) studierte Germanistik, Publizistikwissenschaft und Soziologie an der Universität Zürich. Von 1991 bis 1998 arbeitete er als Redaktor und Moderator für das Privatradio Radio 32 in Solothurn. An der Universität Zürich war er von 1994 bis 2003 als Assistent, Oberassistent, wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuletzt als Geschäftsführer von IPMZ Transfer tätig. 2002 hat er zum Thema «Redaktionelles Qualitätsmanagement» promoviert.
Seit 2003 ist er Professor für Journalistik und Medienforschung am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW in Winterthur. Er ist zudem Lehrbeauftragter am Medieninstitut des Verbands Schweizer Presse und unterrichtet an der Journalistenschule MAZ in Luzern sowie am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung IPMZ der Universität Zürich. 2009 wurde Wyss zum Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft gewählt. Er betreibt mit MQA – Media Quality Assessment – eine vom Bundesamt für Kommunikation Bakom anerkannte Evaluationsstelle, mit welcher Konzepte des Qualitätsmanagements in Medienorganisationen evaluiert und verbessert werden.

Das Buch von Vinzenz Wyss, Peter Studer (ehemaliger Präsident des Schweizer Presserats, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und Chefredaktor des Tages-Anzeigers) und Toni Zwyssig (ehemaliger Ausbildungsleiter des Schweizer Fernsehens SF, Korrespondent und Redaktor) ist am 15. Januar im Orell Füssli Verlag erschienen. Mit dem 209 Seiten umfassenden Werk wollen die Autoren einen klärenden Beitrag zur laufenden Diskussion rund um Medienqualität liefern und zeigen, was Medienqualität ausmacht und wie man sie in Redaktionen umsetzt. Die Autoren haben im deutschen Sprachraum mit professionellen Medienherstellern und kritischen Mediennutzern gesprochen, sich nach Befunden und Rezepten umgesehen und diese in einem Leitfaden festgehalten.

Harte Kämpfe vor heiteren Spielen

Wie holt man Olympia oder eine Fussball-WM ins Land? Andreas Abold weiss, wies geht. Seit 25 Jahren berät der Münchner mit seiner gleichnamigen Agentur weltweit Organisationskomitees in der Bewerbung und Ausrichtung von Megaevents. Derzeit sind das Baku (Olympia), Abu Dhabi und Australien (Fussball-WM). Im Interview bewertet der Marketing-Experte die Chancen einer Schweizer Bewerbung für die Winterspiele 2022 oder 2026.

abold
WW: Sie waren bei der Fussball-WM 2006 für Deutschland involviert und haben mit gewonnen. Sie haben in den vergangenen Jahren die Münchner Olympia-Bewerbung 2018 unterstützt und mit verloren. Welchen Rat geben Sie den Schweizer Organisatoren?
Abold: Oberster Ziel muss es sein, allen wahlpolitischen Manövern auszuweichen. Eine Olympia-Bewerbung ist ein Spagat zwischen Basisdemokratie und Diktatur. Zum einen ist ein Macher notwendig, wie Bernie Ecclestone in der Formel 1. Zum anderen muss die Zustimmung breit getragen werden, von den Bürgern über die verschiedenen Politikgremien bis in den Chefetagen von Wirtschaft und Staat. Darüber steht eine breite, unmissverständliche Kommunikation. Ein Aussenstehender kann sich nicht vorstellen, wie komplex und kompliziert eine solche Bewerbung ist. Denn ist gibt auch noch das Phänomen «Elefantengedächtnis».

Was meinen Sie damit?
Wenn Olympia- oder WM-Entscheidungen gefallen sind, wird genau auf die Reaktionen der Betroffenen geachtet. Da bleibt nichts vergessen, und das wird oft unterschätzt. Nehmen Sie die aktuelle Attacke von Fifa-Chef Sepp Blatter gegen die Führung des FC Bayern. Im deutschen Kicker behauptet er, das Management habe vor zwei Jahren angeblich über die WM in Südafrika schwer gelästert. Daraufhin habe Afrika geschlossen München die Zustimmung für Olympia 2018 versagt. Blatter nennt konkret die Namen, und schon rotiert die internationale Nachrichtenmaschinerie.

Aber die Schweiz ist doch in dieser Hinsicht nicht vorbelastet, sollte sich also jetzt ein Beispiel nehmen am amtierenden Winter-Olympiasieger Pyeongchang/Südkorea?
Zwei Fragen, zwei Antworten. Pyeongchang ist zum einen ein Beispiel dafür, dass man in seinen Olympia-Ambitionen nicht aufgeben sollte. Die Koreaner haben sich dreimal beworben. Das zeigt Respekt und Demut gegenüber dem IOC. Für die Bewerbung Südkoreas sassen alle mit einem Ziel in einem Boot – die Politik, die Wirtschaft und die Organisatoren. Man hat sogar die Gefängnistüren geöffnet, um erfahrene Lobbyisten zu reaktivieren. Und jetzt ein Blick in die Schweiz, zur Olympia- Bewerbung von Sion/Wallis. Damals verlor man gegen Turin 2006, und man hat sich bitter und böse beklagt. Es fiel der Begriff Mafia. Bei einer Neubewerbung sollte man dies nicht einfach vergessen, das IOC tut das bestimmt nicht.

Welche Rolle spielt bei einer Olympia-Bewerbung eigentlich die Zustimmung aus der Bevölkerung?
Das kanadische Vancouver hatte vor der Bewerbung einen Zustimmungsgrad von nur 60 Prozent, vor den Spielen dann 85 Prozent. Das Stimmungspotenzial sollte nicht unterschätzt werden, denn es ist ein Gradmesser für die Kommunikation von Problemlösungen. Die Schweiz ist sehr basisdemokratisch orientiert. Kantonale Bürgerinitiativen für den Naturschutz oder gegen die Finanzierung haben da ganz andere Auswirkungen als zum Beispiel in Deutschland.

Stichwort Geld. Ist die Schweiz in der Lage, olympische Winterspiele zu finanzieren?
Das Thema Finanzierung unter Beteiligung der öffentlichen Hand ist in der Schweiz ähnlich problematisch wie in Deutschland. Wenn nun Swiss Olympic, die Dachorganisation des Schweizer Sports, den 5,6 Millionen Franken teuren Ausbau einer Sprungschanzenanlage ablehnt, spricht das nicht für eine allgemeine Aufbruchstimmung im Schweizer Wintersport. Von Nachteil sehe ich ebenfalls, dass in der Schweiz das Potenzial grosser internationaler Unternehmen mit olympischen Sponsoringambitionen zu gering ist.

Sie mögen also die Schweiz nicht?
Ganz im Gegenteil. Ich bin regelmässig beim Skifahren in Davos, bei Frau Acola. Die Schweiz ist eine grosse Wintersportnation, ein erfolgreicher Sympathieträger mit grossen Erfolgen. Die Euro 2008 hat das organisatorische Geschick des Landes eindrucksvoll bewiesen. Die Leichtathletik- WM 2014 wird ebenfalls zeigen, wie gut die Kommunikationsplattform funktioniert.

Nach den Reissbrettspielen von Sochi und Pyeongchang will Projektleiter Sven Zehnder die Schweizer Spiele unter das Motto stellen: «Einfache Spiele in echten Wintersportstadien». Sind Sie als Münchner Agentur und Bewerbungskenner schon angefragt worden?
Ich weiss nicht, ob für die angedachten Winterspiele überhaupt schon grosse Werbe- und Kommunikationsagenturen involviert sind. Bei uns ist jedenfalls noch keine Anfrage eingegangen.

Interview: Peter Ehm

Der Schweizer Weg zur Olympiabewerbung
Derzeit laufen die Vorbereitungsarbeiten für eine Kandidatur Olympische Winterspiele unter der Projektleitung von Sven Zehnder. Er will in den Regionen Davos und St. Moritz Spiele zeigen, die den Zeitgeist widerspiegeln, die Rückbesinnung auf den olympischen Geist, das Vertrauen in die Schweiz und deren Kompetenz betreffend Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Nach Sochi und Pyeongchang sollen 2022 (oder 2026) «einfache Spiele in echten Wintersportstadien » die Welt begeistern. Und das ist der Zeitplan:
– Nach Erstellung und Präsentation eines Gesamtkonzepts soll am 27. April 2012 das Sportparlament definitiv über die Bewerbung entscheiden.
– Im Juli 2012 soll der Bundesrat einen Entscheid treffen.
– Für den 25. November ist die Volksabstimmung Graubünden geplant.
– Im Juni 2015 vergibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) in geheimer Abstimmung die Winterspiele für das Jahr 2022.
 

Der Impact-Check der Werbewoche

Wir zeigen, wie aktuelle Kampagnen bei den Konsumenten abschneiden.

Bei der Awareness liegt die SBB-Kampagne von Contexta an der Spitze, gefolgt von der Anzeige für die Heilsarmee der Werbeagentur Spinas Civil Voices und der Anzeige für Zweifelchips von Advico Young & Rubicam. Die Anzeige für die Heilsarmee liegt beim Kriterium Uniqueness an der Spitze. Auf Platz 2 folgt die Anzeige für die SBB. Die Anzeige für Zweifelchips liegt auf Platz 3. Mammut liegt beim Kriterium Brand Fit unangefochten an der Spitze, wiederum gefolgt von SBB und Zweifelchips. Auch bei der Likeability gewinnt Mammut. Auf den Plätzen 2 und 3 liegen SBB und Heilsarmee.

Zu den Ergebnissen

Fragestellung und Methodik

Methode: Computer Assisted Web Interviews (CAWI).
Instrument: Online-Interviews über die Marketagent.com-reSEARCH-Plattform.
Zielgruppe: webaktive Personen aus der Deutschschweiz zwischen 14 und 65 Jahren.
Sample-Grösse: n = 500 Netto-Interviews, Random Selection nach Quoten.
Erhebungszeitraum: 20.–26. 1. 2012.

Fragen:

– Wir haben Ihnen zu Beginn der heutigen Befragung einige Anzeigen vorgestellt. An welche dieser Anzeigen können Sie sich erinnern? Bitte nennen Sie uns die werbenden Unternehmen bzw. die beworbenen Marken. (Awareness)

– Inwieweit heben sich diese Anzeigen Ihrer Meinung nach von anderer Werbung in Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften ab? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= hebt sich überhaupt nicht ab) bis 6 (= hebt sich sehr stark ab). (Uniqueness)

– Inwieweit passen diese Anzeigen zu dem Bild, das Sie von den jeweiligen Marken/ Unternehmen haben? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= passt überhaupt nicht zu meinem Bild von dieser Marke) bis 6 (= passt sehr gut zu meinem Bild von dieser Marke). (Brand Fit)

– Inwieweit gefallen Ihnen die folgenden Anzeigen? Bitte bewerten Sie jeweils von 1 (= gefällt mir überhaupt nicht) bis 6 (= gefällt mir sehr gut). (Likeability) Bei den abgedruckten Werten handelt es sich jeweils um die Top-Box-Bewertungen «hebt sich sehr stark ab», «passt sehr gut zu meinem Bild der Marke», «gefällt mir sehr gut».

Verfasserin der repräsentativen Studie «Werbelieblinge der Schweiz» ist die auf Online-
Marktforschung spezialisierte Marketagent.com Schweiz, die über ein registriertes Panel von
20 000 befragungswilligen Personen in der Deutsch- und der Westschweiz verfügt.
Marketagent.com Schweiz ist ein Tochterunternehmen des führenden österreichischen
Marktforschungsunternehmens Marketagent.com online reSEARCH GmbH und der
Schweizer Kommunikationsagentur Contract Media AG.

 

Top der Woche

Notenstein Privatbank bereits mit Werbekampagne

Am Wochenende präsentierte die jüngste Bank der Schweiz ihr neues Corporate-Design bereits am Mercedes CSI. Mit ganzseitigen Printinseraten in der nationalen und regionalen Tagespresse wirbt die Notenstein Privatbank nun seit Mittwoch mit neuem Logo und Hinweis auf den Online-Auftritt. In den kommenden Tagen werden weitere Inserate mit dem Slogan «Grosse Erfahrung. Junge Bank. Starker Partner» und Impressionen aus dem Ostschweizer Alpsteingebirge folgen. Das neue Corporate- Design und die Kampagne wurden von der internen Kreativ-Abteilung der Notenstein Privatbank unter der Leitung von Roman Burch entwickelt. Das neue Logo führt zurück auf das Wappen der Gesellschaft zum Notenstein, welches einen weissen stehenden Hund auf rotem Hintergrund zeigt. Die moderne Interpretation dieses traditionellen Wappens symbolisiert – wie auch der Slogan – die grosse Erfahrung und die gleichzeitige Ausrichtung auf die Zukunft. «Unser Team hat in Rekord- Zeit einen neuen Auftritt der Notenstein Privatbank entwickelt und umgesetzt. Ebenfalls wurden über Nacht sämtliche Social-Media-Kanäle neu aufgesetzt.
 

Die Welt ist doch kein Dorf

Wäre die Welt wirklich ein Dorf, würde dieses aus unzähligen Quartieren bestehen, in denen die Bewohner nicht nur verschiedene Sprachen sprechen, sondern auch besondere Ansprüche an das Papier stellen, auf das ihre Zeitschriften gedruckt werden. Wobei immer mehr von ihnen statt auf Papier lieber auf einem Tablet-Computer lesen.

Die Schweizer Corporate-Publishing-Landschaft mit ihren Sprachregionen und als Standort unzähliger multinationaler Unternehmen gibt eine gute Blaupause für internationales Corporate Publishing (CP) ab. Kaum ein CP-Produkt wird hierzulande nur in einer Sprache publiziert, und wenn, dann oft nicht einmal in einer der Landessprachen, sondern in Englisch, dem Esperanto der globalen Geschäftswelt.

Kein schweizweit präsentes Unternehmen kann es sich leisten, ausschliesslich auf Deutsch zu publizieren. Das Minimum ist eine französische Version, die mit etwas gutem Willen auch im Tessin gelesen wird. Für die Leser östlich des Röstigrabens und nördlich des Alpenkamms gilt das Gegenrecht nicht unbedingt für Publikationen, die zuerst in einer der lateinischen Sprachen erscheinen. Die Aussicht, dass sich für die deutsche Version einer französischoder italienischsprachigen Publikation ein breites Publikum findet, ist allerdings auch recht gering.

Der Aufwand für Übersetzung, Layoutadaption, Druck und Distribution ist mit Kostenfolgen verbunden, die oft in keinem Verhältnis zur Verbreitung stehen. Im internationalen Massstab bereitet dieses Missverhältnis mancher gut gemeinten Länderausgabe ein schnelles Ende.

Doch unter Verwendung adäquater Technik und neuartiger Distributionsmodelle – beispielsweise als digitale Ausgabe für Tablet-Computer – können heute manche CP-Produkte in zusätzlichen Sprachen publiziert und in Weltgegenden verteilt werden, in denen sie kaum jemand abonniert. Und falls doch, würden sie aus Kostengründen lieber nicht in gedruckter Form per Post verschickt werden.

Aller Anfang ist Inhalt
Beginnen wir bei der Generierung des Inhalts. Das Produkt muss eine gewisse Glaubwürdigkeit aufweisen, damit die CP-Agentur bei einer weltweiten Autoren- Recherche den gewünschten Experten überhaupt gewinnen kann. Das gestaltet sich für eine renommierte Agentur mit einem namhaften Herausgeber als Kunden und mit jedem gewonnenen Autor etwas einfacher, denn Name-Dropping funktioniert auch bei mancher als «Diva» verschrienen Koryphäe. Ein laufend aktualisiertes Profil der Publikation, in dem nebst einer Autorenliste auch Abstracts der Artikel zu finden sind, erweist sich als Türöffner äusserst hilfreich.

Konnte die Autorin oder der Experte einmal verpflichtet werden, folgt die Suche nach einem Bild. Bestenfalls findet sich im Netzwerk der Agentur ein Fotograf, der seine Basis in der Nähe der zu porträtierenden Person hat, sodass der Auftrag mit vertretbaren Reisekosten verbunden ist. Viele Fotografen sind jedoch meist irgendwo auf der Welt unterwegs. Die Agentur ist darum gut beraten, über deren Reisepläne auf dem Laufenden zu sein – mit etwas Glück passen diese mit einem Lokaltermin zusammen, und schon ist wieder ein Wunschbild anstelle eines Agenturbildes im Heft.

Adäquate Technik für die Kreation …
Internationales CP erfordert ein rund um die Uhr verfügbares Redaktionssystem, das es Redaktoren, Layoutern und weiteren Beteiligten erlaubt, standortunabhängig zur Entstehung der Publikation beizutragen. Von der Agentur im Prozess freigegebene Arbeitsschritte wie Textproduktion oder Korrektorat können so beispielsweise über Nacht von einem Redaktor in Singapur oder einer Korrektorin in Kanada erledigt werden.

Dies gilt insbesondere auch für die Übersetzungen, die heute auch im Fall von traditionellen Workflows von Übersetzern aus aller Welt erledigt werden. Das Redaktionssystem erlaubt sogar, mehrere Sprachversionen gleichzeitig zu bearbeiten.

Und nicht zuletzt vereinfacht es auch die Freigabeprozesse mit den Kunden. In der Übersicht über den aktuellen Stand der Arbeit können sie elektronische Haftnotizen anbringen, Layouts freigeben und für ihre internen Prozesse PDF-Dateien herunterladen.

… und für die Produktion
Ist die Arbeit an der Publikation so weit fortgeschritten, dass die Druckvorstufe die Layouts übernehmen kann, tut sie dies selbstverständlich ebenfalls mithilfe des Redaktionssystems. Zu diesem Zeitpunkt werden beispielsweise noch die hochaufgelösten Bilder in die Layouts integriert, und in einem bestimmten Status des Workflows werden per Statusänderung Druckdaten generiert. Typisch für mehrsprachige Publikationen sind regionale Anzeigen. Auch diese können mit dem Redaktionssystem eingeplant und im Workflow automatisch integriert werden. Im Falle von sehr umfangreichen Publikationen kommt dafür ein Blattplanungswerkzeug zum Einsatz.

Neuartige Distributionsmodelle
Zurück zu den Weltbewohnern, die ihre Zeitschriften lieber auf dem Tablet-Computer als auf Papier gedruckt lesen. Das dem Digital Publishing zugrunde liegende Distributionsmodell mit Kiosk-App und Ausgaben, die in diese geladen werden können, ist eine genauere Betrachtung wert. Das Redaktionssystem stellt Werkzeuge zur Verfügung, um eine Publikation für die Herausgabe in mehreren Kanälen zu produzieren. Ist die Printversion die Basis, kann parallel oder nur geringfügig zeitversetzt auch eine Ausgabe für die Website oder für Tablet-Computer generiert werden.

Wenn eine Tablet-Publikation – beispielsweise als Folge regulatorischer Vorschriften – in länderspezifischen Ausgaben produziert werden muss, steht einer Distribution verschiedener Versionen via App Store nichts im Wege. Ein solches Vorgehen bedarf einzig einer sorgfältigen Planung.

Befeuert durch Blogs, Tweets und klassische PR schafft es ein digitales Magazin innert weniger Tage, mit der Zahl der heruntergeladenen Ausgaben diejenige der Exemplare der Druckauflage zu übertreffen. Und dies nicht nur in seinen Stammlanden, sondern weltweit – auch in Märkten, in denen die Publikation bisher noch nicht präsent war.

Ein guter Teil der Rezipienten stammt aus Ländern, in die der Postversand des gedruckten Magazins kostspielig ist und lange dauert. Damit wird ein hochinteressantes Distributionsmodell erkennbar: Weltweite, gleichzeitige Verfügbarkeit als Pull-Medium, ohne Aufwand für die Logistik – und Kontaktkosten, die mit jedem Rezipienten geringer werden. Ausschliesslich qualifizierte Kontakte, ohne Streukostenverlust und vom potenziellen Leser bewusst gewollt!

Versionen à gogo
Im Falle von Printprodukten geht die Regionalisierung gelegentlich so weit, dass sogar bei der Wahl der Papiersorte landestypische Vorlieben berücksichtigt werden müssen. So kommt es vor, dass vom selben Magazin eine Version auf ungestrichenem Papier für die Schweiz und den deutschsprachigen Raum und eine Version auf gestrichenem Papier für den angelsächsischen Raum gedruckt wird. Da sich der Inhalt der Sprachversionen aber häufig ebenfalls stark bis komplett unterscheidet, ist die Papierwahl vernachlässigbar – es gibt kaum mehr kostensparende Gemeinsamkeiten. Die Koordination mehrerer Versionen eines einzigen Magazins fordert denn auch die CP-Agentur massiv. Nebst der deutschen Ausgabe für die Schweiz gibt es zum Beispiel auch eine Ausgabe für Österreich oder eine für Deutschland. Und die englische Ausgabe existiert in einer Version für Grossbritannien, einer für die USA und in einer für Asien. Hinzu kommen Sprachversionen, die mit mittel- und osteuropäischen Akzenten oder sogar in nichtlateinischen Schriften gesetzt werden müssen.

Zurück in der Schweiz wird ersichtlich, dass es kaum einen Unterschied zwischen einem internationalen Magazin und einer Zeitschrift gibt, die beispielsweise in drei Landessprachen produziert wird. Die Herausforderungen sind vergleichbar – abgesehen von etwas «dörflicheren» Strukturen bei der Gewinnung von Autoren, beim für die Realisierung involvierten Team sowie bei der Freigabe durch die Verantwortlichen auf Kundenseite.

Urs Arnold/Lukas Huggenberg

exp
Expertenwissen wird einer immer breiteren Schicht von Adressaten in ihrer Muttersprache vermittelt.

Spezialisten für internationales CP
Urs Arnold ist Geschäftsführer und Creative Director von Arnold Inhalt und Form (AIF) und Vorstandsmitglied des Forum Corporate Publishing (FCP). Lukas Huggenberg leitet den Bereich Inhalt von AIF und ist als CIO verantwortlich für die Schnittstelle zwischen Gestaltung und Technik.
AIF kennt die Bedürfnisse des internationalen CP à fond. Die Agentur konzipiert, gestaltet und realisiert das Kundenmagazin Bulletin der Credit Suisse in sechs Printversionen sowie als englischsprachiges Tablet-Magazin. Beim in sieben Sprachen publizierten Expertenmagazin Global Investor für Credit Suisse Global Research ist AIF zusätzlich verantwortlich für Text und Redaktion und stellt dafür eine US-Amerikanerin als Chefredaktorin.
Auch im Falle des Kundenmagazins Think! für IBM Schweiz und IBM Österreich hat AIF die Gesamtverantwortung inne. Es erscheint auf Deutsch und Französisch sowie in Österreich in einer Ausgabe, die nebst den landestypischen Unterschieden in Grammatik und Sprachgebrauch gut 50 Prozent landesspezifischen Inhalt aufweist, der von einem Team um den von AIF verpflichteten österreichischen Chefredaktor generiert wird.
In der Schweiz ist AIF unter anderem für das in drei Sprachen erscheinende Magazin der Schweizerischen Post, den ebenfalls in drei Sprachen publizierten Geschäftsbericht der Helsana und für den auf Deutsch und Französisch herausgegebenen Newsletter Avenir Aktuell von Avenir Suisse verantwortlich.

Kontakt: Arnold. Inhalt und Form AG, Urs Arnold, [email protected]
 

Flop der Woche

McCann Zürich wird geschlossen

Aufgrund von Etatverlusten in Deutschland – unter anderen Lufthansa und Beck’s – komme es bei der McCann-Deutschland- Gruppe zu Umstrukturierungen, so Katharina Lohse, CEO von McC, gegenüber der Werbewoche. Man habe sich entschlossen, die Standorte Frankfurt, München, Hamburg und Zürich zu schliessen und das deutschsprachige Geschäft in Düsseldorf und Berlin zu konsolidieren. Der Standort in Genf, wo die Agentur für L’Oréal Schweiz tätig ist, bleibt weiter bestehen. Den übrigen Agenturkunden wurde angeboten, aus Düsseldorf respektive aus Berlin betreut zu werden. Als Alternative schlug Lohse einen Wechsel zur Agentur Draft FCB vor, die wie McCann der US-Holding Interpublic Group of Companies (IPG) angehört. Lohse betonte, die Schliessung der Zürcher Filiale sei nicht auf Etat- beziehungsweise Kundenverluste zurückzuführen. «2011 hatte Zürich ein super Jahr.» Das Ergebnis habe den Konsolidierungsentscheid jedoch nicht verändert, so Lohse weiter. Was passiert mit dem Zürcher Team? Man habe bereits vor zwei bis drei Monaten mit den Mitarbeitenden das Gespräch aufgenommen. Kündigungen seien keine ausgesprochen worden. «Unsere Mitarbeitenden haben alle schon etwas Neues gefunden.»

 

Die Alternative

Contexta hat für die Vaudoise Kundennähe demonstriert – und dies sowohl menschlich wie geografisch.

Die Vaudoise-Versicherungen gehen 2012 in die Kommunikationsoffensive. Eine nationale Kampagne von Contexta beweist in allen Medien und Disziplinen, dass «keine andere Versicherung näher bei ihren Kunden ist» – geografisch als auch menschlich. Bereits heute realisiert der Westschweizer Versicherer fast 40 Prozent seines Umsatzes in der Deutschschweiz und Generaldirektor Philippe Hebeisen sieht noch weiteres Wachstumspotenzial: «Ich bin überzeugt, dass ein unabhängiger Versicherer mittlerer Grösse wie die Vaudoise eine echte Alternative zu den grossen Versicherungsgruppen ist. Mit unserer überschaubaren Struktur und über 90 Agenturen in der ganzen Schweiz stehen wir für kürzeste Kommunikations- und Entscheidungswege.» Auf dieser Kundennähe baut konsequenterweise die neue Positionierung, aber auch das neue Markenversprechen, welches Contexta zum Claim «Da, wo Sie sind» verdichtete. «Im Mittelpunkt der Kampagne stehen darum in ihrer Region verwurzelte, authentische Walliser, Basler oder Zürcher, die vor dem Hintergrund des Matterhorns, der Mittleren Rhein- brücke oder des Prime Towers voller Stolz bekennen: Ich bin Vaudoise », betont CD Moritz Staehelin. Für die filmische Umsetzung wurde der Gedanke noch um eine Dimension erweitert. So sprechen die jeweiligen Protagonisten im Film von Tobias Fueter über ihre Emotionen und Wesenszüge, während man sie souverän ihren Alltag meistern sieht. (pan)

vaudoise

Der Fisch wird vom Schwanz her gesteuert

Erdmannpeisker illustriert Mitarbeiter-Tipps für ein neues Leitbild der BLS.

Die BLS hat ein neues Unternehmensleitbild entwickelt. Im Zuge dessen wurde Erdmannpeisker beauftragt, eine Kommunikationsstrategie für die Durchsetzung der neuen Werte zu entwickeln. Die über mehrere Jahre angelegten Massnahmen richten sich in erster Linie an die eigenen Mitarbeiter. Ziel ist es, dass das neue Leitbild gut verstanden und intensiv gelebt wird und ein nachhaltiger Kulturwandel stattfindet. Die Idee von Erdmannpeisker: Es sind nicht die Führungskräfte, die sich an die 2800 Mitarbeiter richten. Vielmehr geben sich die Kollegen untereinander Tipps und Ratschläge. Dafür wurden 12 Mitarbeitende interviewt und später von der Illustratorin Rahel Nicole Eisenring humorvoll porträtiert. Herausgekommen ist ein grossformatiger Kalender und ein passender Wettbewerb, der unter dem Motto «Zuverlässigkeit» steht. Monat für Monat werden die besten Mitarbeiter- Tipps veröffentlicht. Ohne den erhobenen Zeigefinger. Dafür aber humorvoll und absolut authentisch. (pan)
 

Auch Times wegen Recherchemethoden in der Kritik

Der Skandal um illegale Recherchemethoden bei Medien des Konzerns News International zieht immer weitere Kreise. Mit der Zeitung The Times ist nun erstmals ein Qualitätsblatt des Unternehmens von Medienmogul Rupert Murdoch in die Kritik geraten.

Die Zeitung habe zugegeben, dass einer ihrer Reporter versucht habe, sich Zugang zu vertraulichen Daten zu verschaffen, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson unter Berufung auf Scotland Yard. Betroffen war im konkreten Fall ein Polizei-Blogger. Der Reporter habe die Zeitung inzwischen verlassen, schrieb Times-Chefredaktor James Harding in einem Brief an den richterlichen Ausschuss zur Untersuchung der Murdoch-Affäre.

«Als der Reporter seine Vorgesetzten informierte, dass er sich im Zuge seiner Recherchen auf eigene Initiative nicht autorisierten Zugang zu einem E-Mail- Konto verschaffen wollte, wurde ihm gesagt, dass er legitime Mittel anwenden soll, wenn er die Story weiterverfolgen will», heisst es in dem Schreiben.

Bereits am vergangenen Samstag waren vier Journalisten der Boulevardzeitung Sun wegen des Verdachts illegaler Zahlungen an die Polizei festgenommen worden, darunter der aktuelle Nachrichtenchef, ein Abteilungsleiter sowie zwei frühere Führungskräfte, wie der Guardian berichtete. Eine Anklage gibt es jedoch bisher nicht, die Festgenommenen wurden auf Kaution freigelassen.

Die Murdoch-Affäre war bei der Boulevardzeitung News of the World ausgebrochen. Nachdem im vergangenen Frühjahr immer mehr Details über illegale Abhörmethoden bekanntgeworden waren, stellte Murdoch das traditionsreiche Sonntagsblatt ein. Hochrangige Manager der Zeitungsholding News International, darunter Verlagschefin Rebekah Brooks, wurden vorübergehend festgenommen und verloren ihre Jobs. (SDA)

Nominationen für Schweizer Filmpreis

Die Nominationen für den Schweizer Filmpreis Quartz 2012 stehen fest. Welche Filme gewinnen werden, wird am 17. März bei der Preisverleihung bekannt.

In den Kategorien bester Spielfilm, bester Dokumentarfilm und bester Kurzfilm sind jeweils fünf Filme nominiert. Weitere Kategorien sind bestes Drehbuch, beste Darstellerin, bester Darsteller, beste Darstellung in einer Nebenrolle, beste Filmmusik und beste Kamera.

Die gesamte Liste der nominierten Filme und Personen können Sie sich hier ansehen.

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